Die Grableuchte sitzt morgens um sieben am Frühstückstisch und starrt in ihren Kaffee, als hätte er sie persönlich beleidigt. Schlapp ist sie, tief im Herzen unzufrieden, und das Einzige, was sie heute noch zum Aufstehen bewegt hat, ist der Gedanke an den Feierabend – also an einen Zeitpunkt, der noch zehn Stunden, einen Chef und vermutlich drei sinnlose Meetings entfernt liegt. Da fällt ihr Blick auf das aktuelle Gruft-Orakel, das Alana Abendroth ihr freundlicherweise persönlich auf den Friedhof gemurmelt hat: Wenn du dein Leben ändern willst, fang im Kleinen an. Eine Eingebung! Die Grableuchte beschließt, sofort mit den kleinen Schritten zu beginnen. Sie räumt den Frühstückstisch ab. Sie sortiert die Gewürze alphabetisch. Sie wischt einmal über die Spüle.
Beflügelt von ihren Erfolgen geht sie eine Nummer größer: Sie meldet sich für einen Töpferkurs an, kündigt ihr Fitnessstudio, abonniert drei Newsletter über Achtsamkeit und schreibt eine sehr ehrliche E-Mail an ihren Chef, in der sie erklärt, dass die Quartalspräsentation eigentlich Quatsch ist. Dann ruft sie beim Werwolf an, um sich aufmunternde Worte zu holen, aber der ist mit seinen Gartenzwergen beschäftigt und nuschelt nur etwas von „Aprilscherzen, die nie aufhören“. Am Abend, kurz nach Feierabend, klingelt das Telefon. Es ist der Chef. Die Grableuchte erfährt, dass die Großen ihr soeben auf die Finger gehauen haben, und zwar mit einer Wucht, dass die kleinen Schritte rückwärts jetzt deutlich größer ausfallen werden als geplant. Immerhin: Morgen früh um sieben muss sie nicht mehr aufstehen.


