Musik von Levi

Gothic Friday März: All the sounds (Marion Levi)

Von -
3

Musik von LeviMarion Levis Beitrag kam mit ein wenig Verzögerung ins Postfach. In ihm berichtet sie von musikalischer Verwirrung, der Bedeutung einer Schaukel, Festivalerfahrung und Waldspaziergängen. Wo ist der Zusammenhang? Tja, das dürft ihr euch in Marions Beitrag zum Gothic Friday im März selbst erlesen.

Ich glaube ich kenne mich mit Musik nicht aus. Ich erkenne das Genre nicht am Rhythmus, in dem die Gitarre gespielt wird, ich kann Lieder nicht nach den ersten 30 Sekunden einer Band zuordnen, ich kann nicht mehrere Dutzend Underground Band Tipps geben und ich weiß nur bei den wenigsten Bands wann sie welche Platte herausgebracht haben. Eigentlich ist mir das ja auch egal. Was macht es für einen Unterschied ob eine Band nun Deathrock, Post Punk oder Cold Wave* spielt (ehrlich, ich weiß nicht ob ich diverse Bezeichnungen für Musikgenres jetzt klasse oder seltsam finden soll)?

Trotzdem höre ich gerne Musik und trotzdem schreibe ich jetzt darüber, weil Musik für mich zu Leben dazugehört und weil ich mich an viele Momente nur in Kombination mit bestimmten Lieder oder Tönen, wenn ich das Lied im Gesamten bereits vergessen habe, erinnere. Ein paar dieser Momente möchte ich im folgenden Text beschreiben, in chronologischer Reihenfolge, immerhin soll es ja auch um die musikalische Entwicklung gehen.

Etwas Gutes hat das wenig Ahnung haben von der Theorie übrigens schon,  man muss mehr nachlesen und suchen und findet dadurch quasi zwangsläufig Artverwandtes und man wird nicht so leicht in musiktheoretische Grundsatzdiskussionen verwickelt, weil man auf Fragen der Sorte spielt Band xy jetzt Dark Ambient oder Ethereal sowieso nur mit einem Schulterzucken antworten kann.

Nun aber zurück zu den musikalischen Erlebnissen:

Etwa 2006, Mama hat mir eine CD mitgebracht, die ich mir gleich im Gesamten auf den noch relativ neuen mp3 Player überspielt habe. Damit sitze ich dann draußen im Garten auf der Schaukel und höre die neuen Lieder durch, von den meisten nur den Beginn. Bis „Vision Thing“ beginnt. Es ist das erste Mal, dass ich etwas von dieser Band, „The Sisters of Mercy“ höre. Das Lied wird im Gesamten gehört, dann noch einmal, dann noch viele Male in den folgenden Jahren.

The Sisters of Mercy – Vision Thing [HQ – HD 720p]

2008, mein erstes Konzert: Within Temptation. Ich mochte Nightwish, die Band mit der quasi alles angefangen hat (nachzulesen in meinem Gothic Friday Beitrag im Februar) immer noch und somit freue ich mich, dass es in der Nähe ein Konzert einer ähnlichen Band geben wird. Es will niemand mitkommen, trotzdem traue ich mich hin. Das Konzert fand ich, soweit ich mich erinnere, gut. Außerdem lerne ich ein paar Leute kennen, die mich kurze Zeit später auf ein weiteres Konzert mitnehmen – ASP.

Nightwish höre ich übrigens immer noch ab und zu, genauso wie ASP, wobei ich allerdings mit den neuesten Veröffentlichungen beider Bands nicht viel anfangen kann. Aber es bleiben Wishmaster, Nemo und der Schwarze Schmetterling.

Sommer 2008, ich arbeite in einem kleinen Museum für Ur- und Frühgeschichte. Es liegt etwas abseits auf einem Hügel und man erreicht es nur durch einen Waldspaziergang. Manchmal vergehen Stunden in denen niemand vorbei kommt. Ich verbringe die Zeit mit Lesen und mit Musik hören, vor allem Omnis Mundi Creatura von Helium Vola.

2009, Kaltenbach Festival. Es hat die ganze Nacht und den ganzen Tag geregnet. Alles ist nass und schlammig und es ist saukalt und eigentlich hab ich keine Lust mehr. Trotzdem geh ich natürlich zu Bühne und dränge mich nach vor. Erstens will ich ja auch was sehen, wenn ich schon da bin (was bei meiner Größe ab Reihe drei schwierig wird) und zweitens kann man so auch ein bisschen Körperwärme abstauben. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Viel Bewegung zu lauter Musik. Mir ist wieder warm und die Laune ist bestens. Auf der Bühne? Dark Tranquility.

Immer noch 2009, ich bin nach Wien gezogen. Zum ersten Mal hab ich sowas wie Grufti Clubs und eine richtige Szene um mich. Langsam aber sicher lerne ich auch immer mehr Leute kennen, die mich zu Veranstaltungen mitnehmen, Freunde werden. In meiner Erinnerung spielt es jedes Mal Bullet von Covenant, Papillon von den Editors und mindestens drei Sisters Songs. Herrlich.

Danach, nachdem ich quasi nicht mehr auf mich allein gestellt bin, passiert es seltener, dass ich ein Lied oder eine Band geradezu exzessiv höre. Es kommt immer noch vor, beispielsweise passiert, nachdem ich mir Indicator von Deine Lakaien oder Belridi Gece von She Past Away gekauft hatte, aber seltener. Zu viele neue Lieder, Bands und Musikströmungen lerne ich kennen. Manche davon gefallen mir auf Anhieb, wie Emily Autumn, an andere muss erst gewöhnen und wenn das passiert ist gefallen sie mir immer besser (das beste Beispiel hierfür sind die Einstürtzenden Neubauten). Daher möchte ich nun einfach mit den Listen der Top 5, der Flop 5 und der aktuellen Lieblinge schließen:

Top 5 (keine spezifische Reihenfolge)

Flop 5 (hier nenne ich der Einfachheit halber nur die Namen der Bands mit denen ich aus diversen Gründen so gar nichts anfangen kann)

  • Clan of Xymox
  • A7ie
  • Skinny Puppy
  • Alien Sex Fiend
  • Hocico

Die 5 aktuellen Favoriten

*sämtliche Genrebezeichnungen in diesem Artikel wurden komplett willkürlich verwendet.

Ruhiger und verplanter Zeitgenosse mit einer Leidenschaft für tendenziell düstere Musik., Helferlein für den Gothic Friday 2016 und bei mancher Gelegenheit Gastautor. Nebenbei Scheibendreher im Raum Zentral-BaWü.

3
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
Foto und Bilder Dateien
 
 
 
Audio und Video Dateien
 
 
 
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich bei:
Tanzfledermaus
Autor

Ja, diese ganze Aufsplittung und Einteilung in Musikgenres kann einen schon manchmal wirklich verwirren, zumal viele Bands mehr als eine Stilrichtung bedienen. Alleine schon The Cure lassen sich insgesamt extrem schwer zuordnen, da fast jede ihrer Platten anders klingt und oft sogar innerhalb eines einzigen Albums sehr unterschiedliche Stile vorkommen. Ich denke, allzusehr ins Detail gehen braucht man da als Laie und “Konsument” nicht, zumal sich ja scheinbar auch Experten da öfter streiten, wie sie eine Band oder einen Künstler einordnen würden.

Ich habe zwar für mich meine umfangreiche Musiksammlung schon versucht, zu kategorisieren, aber das auch vorrangig deshalb, um stilistisch artverwandte Stücke zusammen zu legen, um mich zurechtzufinden. Das mache ich über I-Tunes und vergebe dann auch nach eigenem Ermessen Einstufungen. Dann kann ich z.B. wenn mir nach Minimalelektronik ist oder ich einen Sampler einer bestimmten Richtung erstellen möchte, einfach mal die entsprechende Playlist durchdudeln lassen, ohne dass stilistische Ausreißer vorkommen. Aber das kostet natürlich auch eine Menge Zeit, sowas für einzelne Songs anzulegen, anstatt einen Künstler oder eine Band pauschal einer Stilrichtung zuzuordnen. Sowas mache ich immer häppchenweise, damit es nicht zu sehr ausartet.

Du hast in Deinem Bericht gar nicht erwähnt, auf welche Weise Du zu (neuer) Musik kommst. Geschieht das (weiterhin) vorrangig durch Freunde, oder suchst Du auch selbst aktiv nach neuem “Ohrfutter”?

Guldhan
Autor

Skinny Puppy auf der Abschussliste… interessant.

Marion Levi
Autor

@ Tanzfledermaus: Deine Art der Musikeinteilung klingt sehr aufwändig, aber auch lohnenswert, wenn man Lust hat eine bestimmte Art von Musik zu hören und einfach eine eigene Playlist starten kann. Meine Playlists haben eher “quer durch den Gemüsegarten” Charakter.
Wie ich zu neuer Musik komme? Einerseits über Freunde, die gefühlte abermillionen Titel auf ihren Rechnern haben, andererseits schaue ich mir nach Events gerne die Playlists durch und gehe dort auf Entdeckungsreise. Eine tolle Quelle sind für mich auch Festivals, sowohl im Vorfeld, wenn man sich durch die bestätigten Bands hört als auch währenddessen. Ich höre mir meist auch die Bands an, die rund um jene Band, die ich eigentlich sehen will spielen in der Hoffnung dass sie mir ähnlich gut gefallen.

@ Guldhan: Ja, Skinny Puppy gehören mitunter zu den Bands mit denen ich nie warm geworden bin. Ich weiß nicht genau woran es liegt, aber für mich hat deren Musik nie irgendeine Form der Sogwirkung entwickelt und mir bleibt keiner ihrer Songs im Ohr, das rauscht alles einfach nur so vorbei.