Mein schaurig schönes Tagebuch – Episode 1: Fahrradfahren

Periodische Einträge über das eigene Leben. Dafür wurden Blogs einst gemacht, um als Tagebuch die eigenen Gedanken festzuhalten. Heute sind Blogs Musik-Magazine, Wissensplattformen, Reiseführer, Kochbücher und vieles mehr. Mit dem ursprünglichen Gedanken eines Tagebuchs haben die wenigsten noch etwas gemeinsam. Auch ich habe meine Ansprüche immer weiter nach oben geschraubt, wollte gut recherchieren, fundiert informieren und kontrovers diskutieren. Mit ein wenig Stolz im Unterton behaupte ich: Das ist mir oftmals gelungen. Doch es fehlte etwas. Das Rohe, Ungeschliffene, Unsinnige, Unlogische und zutiefst Subjektive, aus dem das Leben besteht. Da mir seinerzeit nie eine Einleitung für die Wochenschau eingefallen ist, habe ich damit begonnen, dort kleine Gedanken-Schnipsel und Erlebnisberichte zu veröffentlichen. Mein jüngster Ausbruch ist gar Gegenstand einer langen Diskussion geworden.  Ich fand das faszinierend und habe mir überlegt, wieder etwas mehr vom Leben in Worte zu verwandeln. Nicht, um euch etwas mitzuteilen, etwas auszusagen oder anzuregen, nein, einfach nur, weil mir oft genug danach ist. Es gibt keinen Anfang und kein sinnvolles Ende. Wer mir gleichtun möchte, ich herzlichst dazu eingeladen, ich würde mich freuen einem weiteren Relikt meiner Jugend zu verfallen – der neugierige Blick in fremde Tagebücher.

Episode 1: Fahrradfahren

Neulich habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Daran ist jetzt erstmal nichts ungewöhnlich, doch für mich hat das Ganze eine ganz besondere Bedeutung. Ich bin mit Fahrrädern aufgewachsen, habe meine Jugend auf einem Zweirad verbracht und die Welt zunächst nur vom Sattel aus entdeckt. Der Grund ist einfach: Meine Eltern hatten nie ein Auto und nie einen Führerschein. In der Großstadt, in der wir leben, war das auch alles kein Problem. Urlaub habe wir sowieso immer im Schwarzwald gemacht und da sind wir dann mit dem Zug hingefahren. Alles, was man mit dem Auto erledigen konnte, haben wir auf dem Fahrrad erledigt. Ich bin immer noch sehr beeindruckt, wenn ich mich daran erinnere, dass mein Vater drei Kästen Wasser auf dem Gepäckträger seines Rades transportierte, während der Rest der Familie den Wocheneinkauf auf 3 weitere Fahrräder verteilt hatte. Eins fuhr meine Mutter, eins meine Schwester und eins… wer hätte das gedacht, ich. Spätestens mit 16 habe ich das Fahrrad verflucht, denn der Sonntag bestand meist aus einer ausgiebigen Fahrradtour, der ich mich selten entziehen durfte.

Urlaub im Schwarzwald 1980 - Mein Vater findet Schlaghosen immer noch modern und ich bin einfach nur zickig.
Urlaub im Schwarzwald 1980 – Mein Vater findet Schlaghosen immer noch modern und ich bin einfach nur zickig.

So erlebte ich den 18. Geburtstag und das erste Auto mit 19 wie eine Revolution! Ich fühlte mich wie die Menschen, die 1989 mit Hämmerchen auf die Mauer einprügelten um den Fall der gleichen zu feiern. Blöder Vergleich, aber so fühlte ich mich nun mal. Und wo ich überall hingefahren bin! Ich und mein erster VW-Derby hatten eine 120.000 km lange Beziehung, die Trennung verlief tränenreich. So blieb ich erstmal fahrradlos glücklich. In einem Anflug von Vernunft und dem gemeinschaftlichen Fitnesswahn der Partnerin kaufte ich mir 2000 ein Mountain-Bike, nur um es mir ein paar Jahre später und mit sehr wenigen Kilometern wieder klauen zu lassen. Ich will ehrlich sein, geärgert hat es mich nicht. Ich meine, wofür braucht man heute noch ein Fahrrad?

Ich änderte meine Meinung. Mit zunehmendem Alter wird man offensichtlich vernünftiger, gewöhnt sich das Rauchen ab und beginnt damit, sich wieder mehr zu bewegen.  Nicht weil man muss, sondern weil man will. Au weia, hätte ich mich vor 20 Jahren so reden gehört, ich hätte Todessehnsucht entwickelt.

Vor einem halben Jahr reifte der Plan, nun wollte ich ihn in die Tat umsetzen. Ein Hollandrad sollte es es werden. Schwarz, edel, erhaben und … weiblich. So eine blöde Stange, über die man sich in Cowboymanier auf ein Fahrrad schwingen musste, nein, das wollte ich nicht. Wie schwierig das werden würde, wusste ich nicht. Ernsthaft, was ich mir dafür alles anhören musste. Ich suchte nach dem Rat meines Vaters einen Fahrradladen auf und druckste zwischen den ganzen Zweirädern hin- und her. “Kann ich Ihnen helfen?” Ein lächelnder Verkäufer steht mit gefalteten Händen neben mir, es ist einer von den Verkäufern, die gleich durch ihre Art die Preiskategorie andeuten, die sie sich für dich vorstellen können. “Ähm, ja. Ich suche ein Hollandrad, können sie mir da eins empfehlen?” Der Verkäufer zeigt mir eine Reihe von bedacht günstigen Rädern, für dich ich mich aber nicht begeistern kann. Na warte! “Habe sie auch welche ohne diese störende Herren-Stange?” Kurzes Stutzen. “Sie meinen ein Damenfahrrad?” – “Ja, genau!” In einem kurzen Anflug von Rechtfertigungszwang und eiskalter Berechnung argumentiere ich: “Ich meine, welchen Grund hat so eine blöde Stange eigentlich?” – Er hätte besser schweigen sollen, der Verkäufer, denn meine Argumentationskette war durchdacht und erprobt. “Sie dient der Stabilität!” – “So?“, entgegne ich siegessicher, “dann sind also alle Damenfahrräder nicht stabil?” Ha! 1:0 für mich. Von langer Hand vorbereitet und eiskalt verwandelt. Jetzt fahre das volle Programm. Wie doof ich Mountain-Bikes finde, dass Fahrräder bequem sein sollten, dass ich radeln will  und keine Rennen fahren … diesen Satz solltet ihr Euch übrigens merken. Er unterbricht mich: “Bei ihrer geschätzten Körpergröße von 1.86 cm brauchen sie mindestens einen 62er Rahmen und den haben wir für unsere Holland-Damenräder nicht lieferbar.” 1:1. Ich bin wirklich 1.86 cm groß, was hat mich verraten? Ich gestehe wortlos meine Niederlage ein und verlasse mit einer Floskel den Laden.

Das Internet rettete mich. 2 Monate später stand ich stolz vor dem schwarz-glänzenden “Fiets”, wie man in den Niederlanden zu den Hollandrädern sagt. 61cm Rahmenhöhe, auch für meine Größe geeignet, mit Nabendynamo, 3-Gang-Schaltung und Wohlfühlsattel. Verrückt. Mit 16 habe ich nichts mehr gehasst als Fahrradfahren und Urlaub im Schwarzwald und jetzt kehre ich freiwillig zu meinen Wurzeln zurück. Oh mein Goth, wenn mich alles wieder einholt, dann steht mir noch eine heitere Zeit bevor. Und Urlaub im Schwarzwald, wobei der eigentlich grün ist, sonst würde ich wohl wegen der Farbe nochmal hinfahren

Die ersten Tage mit dem Fahrrad zur Arbeit waren anstrengend, schön und einsam. 14 km hin und 14 km zurück, ich spüre erstmals, wie eingerostet ich eigentlich bin. Mein Hintern brennt und abends falle ich erschöpft ins Bett. Doch die Landschaft, die ich von meiner aufrechten und erhabenen Position aus bewundern kann, entschädigt. Ich fahre durch die belebte Stadt, staubige Feldwege und durch verschlafene Dörfer. Am dritten Tag muss ich an einer Ampel anhalten, einen Meter hinter mir hält eine ältere Dame auf ihrem “City-Bike”. Pah! Was für ein funktionales Ding! Wahrscheinlich super-leichtes Aluminium, x-Gänge Schaltung und Federung! Und erst die Seitentaschen. Brauche ich nicht.

Die Ampel zeigt grün. Beherzt trete ich in die Pedale und denke: “Und tschüss!” Der Fahrtwind weht mir um die Nase, die Sonne taucht die Landschaft in eine angenehme Atmosphäre.  Da entdecke ich aus dem Augenwinkel den fahrenden Einkaufskorb mit Rückspiegel und Oma. Dicht hinter mir. Den Sicherheitsabstand hat sie schon gefährlich unterschritten. “Na warte, Lady!” Ich lasse mir nichts anmerken und trete in die Pedale. Reize die 3-Gang-Schaltung meines Cruisers aus. Die Landschaft schießt jetzt in Strichen an mir vorbei. Naja, jedenfalls gefühlt. Doch immer noch klebt mit Miss Marple am Rücklicht. Gibt`s doch nicht! Ich halte das Tempo unbeeindruckt, so, als würde es mir nicht das Geringste ausmachen, doch meine Oberschenkel schmerzen bereits und auf der Haut bilden sich erste Wassertropfen. Die nächste rote Ampel naht. Endlich, eine Pause! Ich überlege schnell, ob ich einfach mal abbiegen soll, um mich der Schmach nicht hinzugeben, doch die Dame kommt mir zuvor und verlässt meine Route. Mit einem surrenden Geräusch.

Ein Elektrofahrrad. Ich fasse es nicht! Bei genauerem Hinsehen entdecke ich Hunderte davon, ich bin förmlich umzingelt davon. Ich bin schockiert, dass ich meinem Anflug von Testosteron gefolgt bin und gegen eine ältere Dame (!) gewinnen wollte (Stichwort Rennen fahren) und ich bin schockiert, was man heutzutage so unter Fahrradfahren versteht. Elektrofahrräder sind untrue, genauso wie mit dem Sessellift auf die Bergspitze zu fahren um zu behaupten: Ich war oben!

Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Kommentare

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Irmin
Irmin (@guest_48109)
7 Jahre her

Schönes Thema, Robert!

Und mir geht’s da ähnlich wie dir, auch, wenn zwischen der Phase des Abschwörens vom Fahrrad und des Nutzens als primäres Fortbewegungsmittel wohl ein paar Jahre weniger liegen.

Dass ich in meiner Jugend irgendwann mit Fahrrädern wenig anfangen konnte, lag vor allem daran, dass wir immer in einer Gegend wohnten, in der man nur Fahrrad fuhr, weil man Kindern etwas Gutes tun wollte oder sich selber quälen. Oder beides und alle. Ständig entweder bergauf zu fahren oder nur im Gewissen bergab zu rasen, da auch wieder hoch zu müssen, war nie so meins, sodass ich eigentlich dachte, mit Fahrrädern nichts mehr zu tun haben zu müssen.

Doch weil ich dann in Münster studierte (und davon immer noch nicht so recht losgekommen bin), wo bekanntlich auf jeden Einwohner 1,6 Fahrräder (oder Leezen, wie Fahrräder hier heißen – das Wort kennt sogar meine Rechtschreibkorrektur) kommen, brauchte ich natürlich auch eins. Hier hat das Fahrrad auch seine Daseinsberechtigung als Fortbewegungs- und nicht nur als Selbstzüchtigungsgerät. Oder ich bin einfach nur bequem. Allerdings fahre ich mittlerweile sogar im tiefsten Winter Fahrrad – gut, ein Teil von mir wollte einfach mal wissen, wie das bei -14° so ist. Es ist kalt, habe ich so erfahren. Der häufige Nieselregen hier ist allerdings deutlich unschöner, zumal ich mich weigere, mir eine Regenhose fürs Fahrrad zu kaufen. Das sieht einfach nicht aus. Ansonsten kommt man aber gefühlt schneller als mit dem Auto und tatsächlich schneller als mit Bussen durch Münster. Dafür ist es wohl auch die einzige Stadt Deutschlands, in der man tatsächlich für Dinge wie auf der falschen Straßenseite über eine Ampel fahren von der Polizei belangt wird. Nie haben mich 15 € so lange verfolgt und geärgert wie die, die ich für diese Erfahrung bezahlen durfte.

Mein Fahrrad ist allerdings kein edles Hollandrad (was hier wohl schneller geklaut wäre als man gucken kann), aber selbstverständlich schwarz. Und mit schöner, hoher Querstange ;-)

Elektrofahrräder sind in der Tat untrue. Ein bisschen so tun, als würde man sich sportlich betätigen, gehört schließlich schon zum Fahrradfahren.

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
7 Jahre her

Schön zu lesen :) – ich denke, gerade solche Themen wie Sockenproblematiken, oder auch Fahrräder sind was was jeder irgendwie kennt, ergo auch ganz ungezwungen etwas dazu sagen kann. Bei spezielleren Inhalten liegt da die Hemmschwelle schonmal höher – und hat erst jemand den Anfang gemacht, auf sowas wie eben die Socken einzugehen, fällt wohl den meisten etwas aus dem eigenen Alltag dazu ein.

Aber Fahrrad bringt mich auch irgendwie ein wenig auf lange Zurückliegendes :)

Ich bin selbst Auto-los und hab den Großteil meines Studiums mit Fahrrad bestritten, schon allein weil ich die Busfahrerei scheußlich fand, insbesondere am Semesterbeginn wenn die Busse gen Uni so randvoll waren daß einem ganz anders zumute wurde – dazu kam der Umstand daß der Bus weg war wenn man mal versehentlich ein paar Minütchen zu spät aus der Tür kam – das war dann mit Drahtesel einfach nicht so schlimm.
Und da man an der Uni nicht mit einem supertollen Dings aufkreuzen sollte, wegen Klau-Gefahr, hab ich mein Mountainbike bei Eltern gelassen und mir vom Nachbarn ein Rennrad aus diversen alten Teilen zusammenschrauben lassen, ich hatte mir auf dem Flohmarkt dafür zwar schon einen Rahmen gekauft gehabt, der war aber laut Aussage des Fachmanns nicht mehr zu gebrauchen.

Zu der Sache mit der Stange – als Kind hatte ich zwar das obligatorische rosa Mädchenfahrrad, aber da war dann schnell Schluß, sobald ich lang genug war um halbwegs an die Pedale zu kommen, saß ich auf Papas Rad. Mit 15 wurde dann ein neues Mountainbike fällig und ich weigerte mich strikt, mich auf ein Mädchen-Rad zu setzen. Die Wahl fiel auf ein rot lackiertes Rad der Marke “Scott” – zum Einen ein hervorragender Hersteller, zum Andere hat Trekkie in sich hineingegrinst :D
Ich meine mich zu erinnern daß unser Rad-Händler auch etwas geschaut hab als ich auf Rad mit Stange bestand, aber wirklich abgehalten hat mich niemand – ich kam dann auch mit dem Stabilitäts-Argument, aber das eher um potentiellem Nachgehake zu entgehen, warum ich mich weigerte, mich auf einem Damen-Rad sehen zu lassen.

Ich weiß ja nicht ob es überhaupt Rennräder ohne Stange gibt, aber da war mir auch wichtig daß es ein Rahmen eben mit war. Manchmal schiele ich schon auf ein tolles neues Rennrad, aber da kann man ja gut Kohle loswerden, ausserdem liebe ich den Schrotthaufen irgendwie. Die Schaltung ging bei der ersten Fahrt schon kaputt – am Umwerfer ist ein Bolzen gebrochen und ich bin froh daß es mich nicht in voller Fahrt vom Rad gehoben hat. Den Umwerfer konnte ich dann provisorisch mit einer aufgebogenen Büroklammer flicken (Jahrelanges MacGyver schauen als Kind war doch zu was gut) und in den Semesterferien kam das Ding mit zu Eltern zum anständig reparieren.
Und auch jetzt springt schonmal die Kette vom Radkranz wenn man schaltet – dann heißts fluchen und sich die Pfoten dreckig machen, wenn man wieder heim kommen mag. Ständig sagt man mir, ich soll das Ding doch loswerden und mir was ordentliches holen, aber nö, das ist ein Charakter-Rad :D – vielleicht hole ich irgendwann mal mein altes Scott her, aber ich bin mir sicher, wenn ich durch die Stadt gurke, dann werd ich trotzdem aufs klapprige Rennrad zurückgreifen.

Und ich gebe zu, ich bin ein Raser :D – gemütlich rumradeln mag ich jetzt irgendwie garnicht, im elterlichen Kaff hatte ich ein paar Strecken wo man so richtig gemeine Boden-Unebenheiten, in nem Wald, recht steil bergab, hatte. Perfekt fürs Mountainbike, auch wenn ich mich ein paarmal lang gelegt hätte – ist aber nie was passiert und Rad und ich blieben immer aufrecht, auch wenn stellenweise der Bodenkontakt nicht mehr da war :D

Und durch Bayreuth mit dem Rennrad wird eh geschürt, da gibts einige ganz schöne Radwege wo das gut geht – sofern nicht unkontrolliert ausschwenkende Inliner-Fahrer die Radklingeln dank verplompten Gehörgangen nicht wahrnehmen, den ganzen Weg versperren oder man sich Kinder aus den Speichen kratzen muss …

Axel
Axel (@guest_48111)
7 Jahre her

Heute sind Blogs Musik-Magazine, Wissensplattformen, Reiseführer, Kochbücher und vieles mehr.

:D :D :D

Das liegt einzig und allein daran, dass Blogsysteme wie WordPress nunmal sehr einfache und schnell zu erlernende Content-Management-Systeme sind ohne sich großartig mit HTML un ähnliches auseinandersetzen zu müssen. Ich finde das ja selber sehr bequem: Text Kopieren, Korrekturlesen, Bilder einfügen, Videos einfügen, Einleitung formulieren – fertig. :D

Auch was das Folgen anderer Blogs betrifft mag ich diese Form, da man durch NetworkedBlogs & co. doch sehr zentrale Plattformen hat um alles auf einen Blick zu haben. Finde ich sehr angenehm…

Was Fahrradfahren angeht: da bin ich garkein aktiver Fahrradahrer. Aber ich geniße Videos wo jemand ahrrad fährt. Beispielsweise die Machinespirit Videos von Nina Cording sind da sehr chilig:
http://www.youtube.com/watch?v=IJA5-tPojD4
https://www.facebook.com/photo.php?v=10200433498463970

Sowas könnte ich mir auch echt als Dauerschleife im Nachtprogramm geben, wenn enn as Fernsehen noch solche Nachtschleifen ausstrahlen würde wie in den 90ern. :D

mela
mela (@guest_48112)
7 Jahre her

Zum Fahrrad könnte ich auch so viel erzählen. In meiner Schulzeit von Klasse 5 bis 7 sind wir jede Woche am Nachmittag Fahrrad gefahren. Ich war auf einer Ganztagsschule und mein Klassenlehrer passionierter Radfahrer, so dass wir immer 20 bis 40 km fahren “durften”. Ok, ich habe viele Winkel meiner Heimatstadt kennen gelernt, die ich sonst vielleicht nie kennen gelernt hätte und die mir in meiner Laufzeit wirklich beim Navigieren im Wald geholfen haben. Aber seit 1998 hat mein Huntern nue wueder auf einem Fahrradsitz gesessen – und ich kenne auch niemanden aus meiner damaligen Klasse, der gerne Rad fährt. So kann man Jugendliche negativ prägen.
@Irmin: Ahhhh, einer der unendlich vielen Radfahrer aus Münster! Ihr macht mir Angst, wenn ich alle paar Wochen mal mit meinem Justus (mein innig geliebter VW Polo) nach Münster rein zu meinem Schmerztherapeuten fahre. Wenn man an einer roten Ampel steht, kann so ein Pulk von gefühlt 100 Radfahrern neben einem schon respekteinflößend sein.

@Robert: Ich finde die Tagebuch-Idee grandios! Einfach mal über Themen reden, die potentiell jedem im Alltag begegnen können – und zu denen eigentlich auch jeder dazu senfen könnte. Sofern es dich nicht stört, würde ich mich dem gerne mit meinem Blog anschließen (zumal ich momentan DIY-mäßig einfach mal so gar nichts mache…).

parasita
parasita (@guest_48113)
7 Jahre her

Ein schönes Thema, wirklich! Und durch die Kommentare lernt man die Leute der Spontis-Family gleich nochmal anders kennen. :-)

Ich bin ja auch seit Jahren überzeugte Fahrradfahrerin, einfach weil man in einer Stadt wie Heidelberg schneller und einfacher als mit dem Auto vorankommt (das kommt eigentlich nur auf Langstrecken zum Einsatz).
In meinem Leben gab es eigentlich keine Fahrradpause, aber eine Entwicklung in Sachen fahrbarer Untersatz: vom mintgrünen (!) Mädchenfahrrad über jede Menge Second-Hand-Drahtesel, liebevoll selbst bemalt (z.B. schwarz-rot gestreift), bis Tobikult mich irgendwann überzeugte, mir doch ein “richtiges” Fahrrad zu kaufen. Tja, und das war dann tatsächlich eine substanzielle Veränderung: funktionierend, leichtlaufend, ohne ständigen Bastelbedarf. Damit ging es dann auch quer durch Osteuropa…
Das Gefühl von Freiheit, das mir mein Fahrrad gibt, wurde mir dann nach A’s Geburt nochmal richtig deutlich: einige Monate war ich ja primär zu Fuß, einen Kinderwagen vor mir her schiebend unterwegs. Die erste Ausfahrt mit dem Fahrrad (alleine!): so schnell, so weit, so frei!

@Irmin: die von Dir erwähnten 15 Euro kenne ich auch aus meiner Stadt :-(

NorthernNephilim
NorthernNephilim (@guest_48118)
7 Jahre her

Soso macht der Robert also Ampelsprints mit seinem Hollandrad – gut zu wissen ;) Aber ist bei mir auch immer amüsant allerdings mein Auto, da das eigentlich als typisches Opa Auto bekannt ist und zu 99 % mit der lahmen Basismotorisierung unterwegs ist und gerne als “Opfer” für Drängler im Ampelverkehr genommen hat. Dumm nur das meiner zu den anderen 1% gehört und die größte Dieselmotorisierung mit knapp 170 PS hat – ich habe aber alle Schriftzüge die darauf hinweisen entfernen lassen, gab dann schon oft schöne Aha Effekte ;-) Ja als täglich Pendler brauch ich ein bissel was unter der Haube ;)

Ich bin mit meinem Opa in Leipzig immer gerne Rad gefahren und in der Innenstadt ist man damit definitiv schneller als mit Öffentlichen oder gar Auto.

Wo ich in Leipzig gewohnt hatte war auch nie Bedarf an Auto, da man halt mit Fahrrad, den Öffis oder wenn gar nichts mehr geht mit nem Taxi immer rum kommt.

Nun hier aufm Land ist es anders da brauch ich um zur Arbeit zu kommen halt das Auto als Arbeitsgerät da es mit der Bahn gefühlt eine logistische Mammutaufgabe ist ich wäre für die 35 km machnmal bis zu 3 Stunden unterwegs – wenn sie denn fährt … , das Fahrrad verkommt zum Freizeitgerät.

Scyllarus
Scyllarus (@guest_48119)
7 Jahre her

Für mich ist das Fahrrad das Hauptverkehrsmittel. Das war schon einmal so zu Studienzeiten, als ich täglich mit dem Rad von Offenbach nach Frankfurt gefahren bin, und nach einem Zwischenspiel automobiler Faulheit ist es das nun wieder. Im Ballungsraum Rhein-Main kommt man mit dem Rad fast am Besten von A nach B, innerhalb der Stadt allemal, und auch im Nahbereich ist es dem Auto fast ebenbürtig. Für den Rest gibt es den ÖPNV (schönes Unwort!). Das eigene Auto vermisse ich gar nicht.
Mein Fahrrad strapaziert zwar mein ästhetisches Empfinden – es ist nicht nur nicht schwarz, sondern außer silbern auch noch übersäht mit Schriftzügen des Herstellers, der sein tolles Antriebskonzept preist –, aber gerade mit diesem bin ich seit Jahren hoch zufrieden: es hat keine Kette, sondern einen Zahnriemen, und der läuft wunderbar wartungsfrei und problemlos. Kein Ölen, kein Reinigen, es läuft einfach und läuft … Warum andere Räder noch immer Ketten haben, wundert mich immer wieder … Ich müßte es nur endlich umlackieren, aber das wir wohl erst was, wenn ich Zeit habe. Zur Rente, mit 80 oder so …
Aber das Fahrrad ist für mich nicht mehr nur alltägliches Verkehrsmittel, sondern zum Beispiel auch Denkbeschleuniger. Allzu oft habe ich die besten Ideen beim Fahrradfahren. Nirgends kann ich so gut nachdenken wie auf dem Sattel. Vielleicht liegt es daran, daß das Radfahren eine gewisse Mindestaufmerksamkeit fesselt, mit Lenken und Gleichgewicht und all den optischen Reizen. So daß der Rest des Gehirns endlich einmal bei einer Sache bleiben kann, ohne dauernd von den übrigen Windungen abgelenkt zu werden. Und natürlich bin ich auf dem Rad weitab von den üblichen Denk-bahnend Reizen der Arbeitsumgebung, des bestehenden Codes oder der bestehenden Text auf dem Bildschirm … Nein, ich erwarte nicht, daß Ihr das jetzt versteht …
Und ich habe einige der schönsten Urlaube auf dem Rad erlebt: etwa den Rhein hinab nach Basel, oder hinauf zur Mainquelle … das wunderbare ist: mit dem Auto liegt zwischen mir und dem Ziel der Stau, mit dem Flugzeug der Flughafen, der Weg dahin, … und der Rückweg verwandelt alle Erholung in Erinnerung. Mit dem Fahrrad rolle ich aus dem Hof und ich bin da! Der Weg ist das Ziel, und der Rückweg gehört dazu. Ich habe mich nie so gut erholt wie auf dem Fahrrad.
Gerade vor einer Woche habe ich meinen „Jahresurlaub“ auf dem Fahrrad verbracht: vier Tage auf dem Hessischen Bahnradweg, 430 km über den Vogelsberg und durch die Rhön, überwiegend auf alten Bahnstrecken und damit nur mit moderaten Steigungen, trotz der großen Höhenunterschiede. Wunderbar! (Und voller guter Ideen für die Geschichte, an der ich gerade arbeite, siehe oben: Denkbeschleuniger …)
Was mir derzeit fehlt sind Freunde, die solche Touren mitmachen. Nächste Urlaubsträume: an die Nordsee, ans Mittelmeer oder nach Wien.

Mone vom Rabenhorst
Mone vom Rabenhorst (@simone)
7 Jahre her

Scyllarus,
das, was Du mit dem Rad machst, mach ich mit dem Pferd! Erholung und Abenteuer pur und “alles dabeihaben, was man braucht” für ne ganze Woche! Ist auch in diesem (meinem) Bereich nicht so einfach, “Mitstreiter” zu bekommen. Könnte ja mal regnen. (Alles Mimis! ;-) )

Axel
Axel (@guest_48121)
7 Jahre her

Das arme Pferd. :D

Mone vom Rabenhorst...
7 Jahre her

Heeeeeee!!!!! ;-)

(Der Herr Pferd findet das voll toll unterwegs zu sein ! :-) )

Michael
Michael (@guest_48153)
7 Jahre her

Als Stadtbewohner nutze ich, wenn die Temperaturen und die Witterung es einigermassen gestatten, auch fleissig das Rad!

Wir hatten ja hier einige Zeit so die Tendenz, das das Fahrrad eigentlich nur noch als Sportgerät, aber nicht als Verkehrsmittel wahrgenommen wurde. Diese Zeiten haben sich zum Glück geändert.

Als Hauptproblem fürs Fahrradfahren in der Stadt sehe ich die dunkle Jahreszeit. Es ist leider so, dass viele Autofahrer einfach auf Radfahrer nicht mehr achten, ich glaube gar nicht mal aus Bosheit oder Ignoranz, sondern weil die Leute immer mehr Alltagssorgen haben, die sie eigentlich den ganzen Tag nicht mehr loslassen.

Wir bräuchten Verkehrsregeln, die die Teilnehmer zur ständigen Aufmerksamkeit zwingen, nicht ständig noch mehr Verbotsschilder, die den schwächeren Verkehrsteilnehmern nur symbolischen Schutz bieten.

Allerdings muss man auch ganz klar sagen, dass wenn man es eilig hat und die Entfernungen grösser, auch andere Verkehrsmittel gefragt sind, vor allen Dingen der MVV.
Sobald die von der Politik versprochenen sicheren “Radlhighways” mal Realität werden sollten, würde ich das Rad noch mehr benutzen wie jetzt. Jetzt ist es mir teilweise eigentlich im Dunklen und in der Innenstadt zu gefährlich.

Ansonsten brauch ich im Sommer eigentlich nur 5 Minuten an die Isar zu fahren und schon kann ich die schönsten Radwanderungen mit Biergartenanschluss direkt von der Stadt aus starten und wieder beenden.

Biken rules!

mela
mela (@guest_48154)
7 Jahre her

Wir bräuchten Verkehrsregeln, die die Teilnehmer zur ständigen Aufmerksamkeit zwingen

o.O Bei einer Aufmerksamkeitsspanne von gerade mal Sieben Minuten beim Durchschnittmenschen ist das utopischste Utopie. Zumal Aufmerksamkeit vom Autofahrer dochsowieso bereits gefordert wird – ich schmeiße nur mal das Stichwort “vorausschauendes Fahren” in den Raum.
Ich würde mir eigentlich eher wünschen, alle Fahrradfahrer würden mehr auf ihr Leben achten: nicht selten darf ich in die Bremsen springen, weil ein Fahrradfahrer ohne zu gucken einfach auf die Straße kachelt. Getreu dem Motto: “Bei einem Unfall bekommt der Autofahrer eh mindestens Teilschuld.”

NorthernNephilim
NorthernNephilim (@guest_48157)
7 Jahre her

Von den 200% der Radfahrer die nachts ohne Licht unterwegs sind und dann noch auf der falschen Seite des Radwegs bei Rot über die Ampel fahren dass sind GENAU DIE die dann rumjammern wenn sie vom PKW angefahren werden

Kathi
Kathi (@guest_49260)
6 Jahre her

Herrlich Robert :)

Ach ja, dass gute alte Fahrrad. Könnt ich eigentlich auch mal wieder aus dem Keller holen.
praktischer als immer zu Fuß unterwegs zu sein wenn mans mal eiliger hat.

@NorthernNephilim

Ja gut solche hat man, aber bei jeder Art der Fortbewegung.

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