Mein schaurig schönes Tagebuch #25: Irgendwo zwischen „Fuck you 2020“ und „Mensch ärger Dich nicht“

Liebes Tagebuch, ein merkwürdiges Jahr neigt sich dem Ende zu. Allerdings ist das ein rein formeller Akt, denn im Grunde genommen ändert sich ja nicht wirklich etwas. Wenn der Kalender in ein paar Stunden auf die 2021 springt, haben wir immer noch diese doofe Pandemie mit allen seinen Einschränkungen und Unwägbarkeiten, obwohl mit dem Impfstoff ja immerhin der Eindruck entsteht: „Licht am Ende Tunnels wird heller„, das sagte auch unser Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache. Bitte frag mich nicht, warum ich das geguckt habe.

Ich schwanke rückblickend irgendwo zwischen „Fuck You 2020“ und dem Mensch-Ärger-Dicht-Nicht-Gefühl, das ich in meinem Elfenbeinturm durchaus habe. Tatsächlich fühlt man sich doch schon ein bisschen komisch, wenn man dem Jahr 2020 auch etwas Gutes abgewinnt. Ich wollte Dir, liebes Tagebuch, einmal die Gedanken mitteilen, die ich so zum Jahr gesammelt habe,  ganz fernab von den „Bildern des Jahres“, die ich allerdings der Vollständigkeit halber zum Ende des Artikels als Video einfüge. Beginnen möchte ich allerdings mit dem kürzeren Teil. Und ja, ich habe absichtlich ein englisches Video gewählt, weil „Fuck you“ irgendwie geläufiger klingt als „Fick Dich“ und weil es einfach kein ernst zu nehmendes deutsche Video gibt, das diesem Gefühl Ausdruck verleiht.

Fuck you 2020

Wollen wir also zunächst das Gefühl verarbeiten, wie scheiße dieses Jahr war. Oder sagen wir es anders, wie beschissen ich es fand, dass sich ein Corona-Virus ohne zu fragen in den Mittelpunkt gedrängt hat. Keine Festivals und Veranstaltungen, kein WGT, kein Urlaub in England, kein Mittelaltermarkt in Köln, kein Weihnachtsessen mit meiner Familie und auch keine Rückenfit-Kurse im Fitness-Studio. Echt jetzt. Die haben mir wirklich gefehlt.

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Fertig. Allerdings sind meine Gedanken noch da, die ich jetzt unsortiert zum Besten gebe, einfach, um sie auch mal aufgeschrieben zu wissen. Zusammenhanglos, ungeordnet und chaotisch. Herzlich willkommen in meinem Kopf.

Meinungshygiene 2020

Es ist ein Jahr der Einsicht, liebes Tagebuch, denn nicht alles, was die Menschen öffentlich von sich geben, ist eine Meinung, die man im Sinne der Meinungsfreiheit ertragen muss. Es war schon teilweise schwer zu ertragen, die Bilder der Verschwörungstheoretiker immer und immer wieder in den Nachrichten zu sehen. Es war erschreckend, wie viele Menschen in sozialen Netzwerke auf Züge aufgesprungen die in Richtung gequirlte Kacke unterwegs waren oder absurde Theorien als Endstation hatten.

Ich habe da gnadenlos Meinungshygiene betrieben. 164 „Freundschaften“ habe ich 2020 bei Facebook beendet. Einfach so. Ohne Ankündigung, ohne Auseinandersetzung. Die, die es gemerkt haben: Tut mir leid, dass ich nicht Bescheid gesagt habe. Ich habe mich einer Diskussion mit Euch entzogen, weil ich keinen Bock hatte zu argumentieren, wenn behauptet wird, dass irgendwo Kinderblut für eine industrielle Elite gesammelt wird, das Bill Gates die Absicht hat, Nanosonden in unsere Körper zu pumpen oder das die Regierung einer Diktatur gleichkommt. Echt jetzt. Das ist keine Meinung, das ist einfach nur Bullshit.

Tatsächlich sehe ich es mit Sorge, wie öffentliche Meinungsäußerung einen Graben zwischen die Menschen treibt. Es gehört für mich zu den Nachteilen des Internets, dass jede Meinung solange geteilt werden kann, bis sie für manche Menschen zu Fakten oder Wahrheiten werden. Ich weiß nicht, ob es ohne das Internet möglich gewesen wäre, tausende „Querdenker“ zu versammeln, die dann im geistigen Delirium durch die Innenstädte ziehen. Hilft ja nichts, liebes Tagebuch, damit müssen wir umgehen. Auch mit der Ambivalenz, dass ich hier meine Meinung in die Öffentlichkeit posaune und mich damit auf eine Seite des Grabens stelle.

Danke Merkel!

Nein, keine Ironie. Es gab 2020 weltweit kaum einen Regierungschef, der ein besseres öffentliches Bild abgegeben hat, wie unsere Bundeskanzlerin. Mutti, wie ich sie liebevoll nenne, hat stets einen souveränen Eindruck vermittelt. Und das meine ich völlig ernst. Allerdings mag ich die Partei nicht, für die sie steht. Sicher, mich regen auch manchen Maßnahmen auf, viele waren schlecht dosiert, ungünstig platziert und nicht durchdacht. Auch das Füllhorn der Finanzhilfen hat nicht immer ins Ziel getroffen. Aber ehrlich, hätte es eine andere Regierung besser gemacht? Grüße gehen an dieser Stelle an die AfD, die sich mit ihren Vorschlägen und ihrer lächerlichen Opposition (Kuss auch an die FDP) ganz von allein in die Ecke der nicht-regierungsfähigen Parteien gestellt hat.

Die Pandemie hat den Takt vorgegeben, nicht unsere Politiker. Und dann muss ich mir die geistigen Dünnbrettbohrer angucken, die bei Demonstration skandieren, sie würden in einer Diktatur leben. Häufig sogar von Menschen, die tatsächlich mal in einer Diktatur gelebt habe. Das will mir nicht in die Birne.

Mutti hat einen kühlen Kopf bewahrt und Deutschland auf gute Weise repräsentiert. Danke Merkel! Ich bin fast ein bisschen traurig, wenn sie das Ruder bald abgibt, denn es gibt in ihrem Fahrwasser niemanden, den ich mir in ihrer Position vorstellen könnte.

Ja, es fühlt sich komisch an, in meiner Hostentaschen-Rebellion als Gothic, als Skeptiker und Systemkritiker und als Liebhaber des Gefühls „ich habe eine andere Meinung“ etwas in dieser Richtung gut zu finden, aber tatsächlich sollte man auch einfach mal zugegeben, dass Rebellion 2020 ein teilweise überflüssiges Gefühl war. Aber ihr kennt das ja, irgendjemand muss ja schuldig sein.

Streaming ist keine Alternative

Streaming ist 2020 eines der wichtigsten Möglichkeiten geworden, uns zu unterhalten. Man hat versucht, ausgefallene Festivals und Diskotheken-Besuche in Form von Streams zu kompensieren, leider häufig erfolglos, wie ich finde. Denn trotz intensivster Bemühungen mancher Organisatoren, ist es eben völlig sinnbefreit zu streamen, wenn irgendwo jemand stumpf Platten auflegt. Als Hintergrundbeschallung kann das durchaus schon mal den Abend vertreiben, das habe ich mehrfach ausprobiert, allerdings ist der Rest überflüssig, weil er einfach nicht genutzt wird. Die Möglichkeiten mit den Hörern in Kontakt zu treten werden häufig sträflich vernachlässigt. Ich glaube, wenn da mehr Interaktion stattfinden würde, wäre das sicherlich auch ein Konzept, was sich über die Pandemie hinaus halten könnte.

Sicher, es ist einfach toll wie aufopfernd manche Leute Streams organisieren und umsetzen, da fällt es mir fast ein bisschen schwer, eine abwertende Meinung zu vertreten, liebes Tagebuch. Aber weniger ist manchmal mehr. Als Alternative für ausgefallene Events taugen Streams allerdings nicht wirklich. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es Künstlern wirklich hilft, wenn sie streamen, dass doch die meisten Einnahmen in den letzten Jahren über Live-Auftritte generiert wurden und nicht über Streaming-Angebote. Der Zuschauer im Netz ist es einfach gewohnt, sich kostenlos berieseln zu lassen. Wenn da ein Künstler wie beispielsweise IamX versuchen, kostenpflichtige Exklusiv-Konzerte zu etablieren, wird das eben kaum genutzt.

Konturloses Dasein im eigenen, inspirationslosen Saft

2020 war ein konturloses Jahr, liebes Tagebuch. Die Monate konnte man nur durch den Kalender unterscheiden, die Jahreszeiten nur durch das Wetter. Das Jahr hatte keine Form, keinen Geschmack und keinen Geruch. Für manchen waren das deshalb die schnellsten 12 Monate und für anderen die langsamsten 12 Monate. Auch für diese Szene war das ein komisches Jahr, denn ohne Gemeinschaftlichkeit auf Festivals, ohne Selbstdarstellung auf Treffen sah sich einige ihren wichtigen Identifikationsgrundlagen beraubt. Ich glaube, für viele war das ein ungotisches Jahr.

Auch hier im Blog gab es weniger zu diskutieren, denn es gab ja deutlich weniger, worüber man reden konnte. Jedenfalls rund um die Szene.

Und offenbar ging es vielen Menschen so. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass die Leute nun ihre viele Zeit nutzen, um Projekte umzusetzen und lang aufgeschobenes in die Tat umzusetzen. Doch leider war das Gegenteil der Fall. Ich glaube, liebes Tagebuch, ich habe unterschätzt, wie wichtig Sozialkontakte zwischen Gleichgesinnten manchmal sind. Und da alle irgendwie in der eigenen Suppe köchelten, sitze ich auch im selben Sud. Sachen, die einen interessieren, sind nicht passiert – währende Dinge, von denen ich eigentlich nichts wissen will, mein Hirn verkleistern. So wie diese hier:

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Mensch ärgere Dich nicht!

Es war aber auch ein schönes Jahr. Ich war nicht shoppen, musste nicht einkaufen gehen und auch keine Getränke holen. Dafür haben wir jetzt größere Altpapier-Tonnen. Ich konnte die Anzahl unangenehmer Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren und wenn, dann musste ich nur die Hälfte der Gesichter ertragen. Das war schön. Ich hatte viel Zeit für ein lange vernachlässigtes Hobby, das Nerd-Sein. Ich habe 12 Spiele, die ich irgendwann mal angefangen habe, endlich durchgespielt, bin bei Assassins Creed Valhalla auf Level 400 und bei Cyberpunk 2077 im Besitz von 4 epischen, alles zerstörenden Waffen. Darüber hinaus habe ich rund 20 Liter Tränen bei voll traurigen Filme vergossen, bei denen ich bereits x-mal geheult hatte und kam in den Genuss, dass man Kino-Filme jetzt auch zu Hause genießen konnte. Eine tolle Entwicklung!

Und: Ich hatte 2020 die tollsten Leser der Welt! Vielen kamen in den Genuss eines kleinen Dankeschön-Spontis-Magazins 2020, das ich trotz des ausgefallenen Treffens veröffentlichen konnte, weil ihr so fleißig gespendet habt und weil ich auf die Hilfe von Sabrina & Sabrina zählen konnte, ihr seid toll! Ich hoffe, ich konnte Euch damit entschädigen und zumindest eine kleine Freude bereiten.

Ihr habt fleißig kommentiert und E-Mails geschrieben. 904 Mails und 1098 Kommentare sind es geworden. Ich habe versucht, alle zu beantworten. Insgesamt ein tolles Feedback. Dankeschön! Bei mir bleibt ihr von guten Vorsätzen verschont. Bleibt so, wie ihr seid.

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_59672)
Vor 3 Monate

Danke Robert, bleibt auch 2021 wie ihr seid.

Für mich persönlich war 2020 ein Jahr, in dem ich überrascht war, mit wievielen „neuen“ Leuten, in neuen „Feldern“ wir… meine Frau auch… klar kommen, und das dass wirklich auch noch Früchte trägt die ansehnlich sind. Die letzte Frucht hatte ich pünktlich nochmal heute in der Lokalausgabe unserer Tageszeitung…. klassisches und doch aktuelles Thema Klimaschutz. Ja, es sind nicht nur Gretas, es kommt auch wirklich vor Ort vor in den Räten. Man muss es nur anpacken und einbringen.
Robert, zu deinem Kuss, die FDP vor Ort bei uns ist hier zweitstärkste Kraft geworden… nach der CDU…. und wir haben wirklich auch jetzt einen einsamen AfD Menschen… 2,X Prozent reichen da schon aus… der für große Unruhe gesorgt hat… aber bisher noch kein Wort von sich gegeben.
Alles in allem finde ich die Politik in Deutschland aber zu wenig vielfältig und zu alt.
Aber wenn sich nicht mehr Vielfalt und Jugend findet, aktiv wird, sich aufstellen und wählen lässt, warum auch immer, bleibt sie nunmal so wie sie ist. Ich denke dafür haben viele einfach nicht den Ar….h in der Hose. Bellen ja, motzen ja, aber bei Wahrheit oder Pflicht… eigentlich und Pflicht… wählen sie dann „neeee, dafür bin ich nicht der/die richtige, und ziehen das verp….en vor. Immerhin ist es trotzdem die beste Demokratie die wir in der BRD momentan haben, schon erstaunlich. Man muss sich nur mal anschauen, was woanders in der Welt durch die Politik veranlasst wird.

Was hat mich 2020 also gelehrt:

Leute „aus der Szene“ können einem persönlich viel ferner sein mit ihrer „Freizeit“, und mit Leuten außerhalb der Szene kann man doch manchmal viel mehr anfangen.
In die Disco gehen und nur über Musik austauschen reicht nunmal oft nicht aus.
Da hat sich viel im schwarzen Freundeskreis im Sande verlaufen, was aber übrig ist, ist um so intensiver.
Facebook habe ich als politscher Mensch schon vor 2/3 Jahren vollkommen verlassen (platt gemacht), und freue mich um so mehr über Diskussionen auf anderen Ebenen, die wirklich zu Meinungsbildung, und schlussendlich wirklich zu echten Abstimmungen und Entscheidungen führen, anstatt das alle nur platt ihre Ansichten irgendwo reinbrechen und kein Stück auf andere dabei zugehen…. und die Moral von der Geschicht: Verschwendete Zeit und Kraft, und Ärger noch oben drauf. Das tue ich mir persönlich nur noch sehr selten an.

Was hat 2020 noch für Erkenntnis gebracht?
Eine Persönlichkeit gepflegt zu haben, ist nicht immer nur etwas was auffällt, manchmal sogar negativ, sondern kann auch hilfreich sein, weil man dann anders mit sich selber im Fokus anderer umgeht (Selbstsicherheit/Sicheres Auftreten/Öffentlichkeit/Sicheres äußern der eigenen Anschauungen/Umgang mit Meinungen und Kritik)
Das finde ich in der Pandemie auch ganz hilfreich. Ich persönlich kann echt gut mit den Maßnahmen umgehen, ohne das für mein Ego jetzt die Welt zusammenbricht…. oder ich mich wie Sophie Scholl fühle. (echt böser schwarzer Humor an/aus/pfui).
Einerseits genieße ich sogar die Ruhe und Einsamkeit… Bürgersteige hochgeklappt an sonst wuseligen Orten, anderer Seits fühle ich mich doch etwas gestört wenn Leute „meine“/“unsere“ Orte in der Natur für sich entdecken. Mit mal hat man Leute in der Natur… also echte Pampa, die sonst wohl in ein urbaneren und organisierteren Umfeld anzutreffen wären… und mit der gewohnten Ruhe an Ruheorten ist es vorbei.

Was hat mich 2020 noch gelehrt: Keine Disco und kein Festival ist auch keine Lösung… auch wenn ich mich ab und zu, so gegen 20 vor 12 doch schon mal gefragt habe…. waaaaarum….. warum bin ich jetzt doch wieder gefahren…. spätestens bei der Heimreise nach der Disco oder einem Festival um… hmmm…. 1/ halb 2 bzw Sonntag Abend.
Aber es nützt ja nichts.

Was war 2020 noch? Wir haben einen neuen Hund. Der Alte ist sehr schnell im höheren Alter an Leberkrebs verstorben. Als langjährige Hundebesitzer ist man doch unheimlich dankbar das Glück gehabt zu haben, das man einem tollen neuem Wesen begegnet ist, und auch noch das Glück hatte, das es jetzt in der eigenen Kniekehle schnarcht.

Was war noch? Wir waren in Palermo… also auf Sizilien…. im Westen der Insel. Ja, auch im Kloster bei den Mumien… Gruftis halt. Was für eine tolle Reise. Eine Woche später verreist, und es hätte schon anders ausgesehen. Quasi zum letzten sicheren Zeitpunkt. Welch ein Glück. Dafür sind wir echt dankbar.

So, das war 2020… mal schauen womit 21 überrascht.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Wiener Blut
Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_59700)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Das ist im Grunde einfach… wenn man als alternativer Mensch… ich vereinfache das mal so… in einem stark schwarz gelben, sehr ländlichen Umfeld aufwächst… und da ist schwarz und gelb auch noch schwarz und gelb… und da auch bleibt, dann lernt man anders zu sein und dazu auch zu stehen und bei Anlass die Unstimmigkeit bzw Grenzüberschreitung auch mal zu äußern…. ganz einfach weil die Anzahl der Mitmenschen nunmal begrenzt ist, und über Generationen die Mehrheit sich auch nicht grundlegend verändert. Es gibt ja auch keine befriedigende Alternative zum weiterzumachen. (Da muss ich zu anmerken das das Wort Alternative durch eine politische Partei und „Alternative Fakten Menschen“ stark gelitten hat, aber das ist ein anderes Thema) Kurz: Man sollte über Jahrzehnte gelernt haben mit seiner Präsents und seiner Meinung umgehen zu können und dazu zu stehen. Das ist natürlich eine ganz andere politische Herangehensweise, wie der Typ: Bloß nicht auffallen durch Einheitsanzug, Einheitsfrisur, Einheitsmeinung in der Herde hinter dem großen Oberhirten der das Wort überwiegend ergreift. Mit bloß nicht aufgefallen und Einheitsmeinung hinter dem Hirten, ist aber der Stillstand vorprogrammiert. Das führt wieder zu dem Gefühl: Es ändert sich nichts, es ist uninteressant, und warum sollte man selber da mitmischen. — So, jetzt wird mir die Antwort aber zu lang. Das soll reichen.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59674)
Vor 3 Monate

„Ich konnte die Anzahl unangenehmer Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren und wenn, dann musste ich nur die Hälfte der Gesichter ertragen.“
Der war gut! Ich glaube, 2020 ist nur mit megaschwarzem Humor zu ertragen und vermutlich auch das erst so richtig im Rückblick, wenn wieder bessere Zeiten herrschen. 2020 ist zum Glück sehr bald Geschichte, aber die Geschichte selbst ist ja noch nicht vorbei… Aktuell zeigt sich erst ganz weit entfernt ein kleines Leuchten am Ende des Tunnels. Was dann noch von der Szene und ihren kulturellen Veranstaltungen übrig bleibt oder wieder neu entsteht, wird sich zeigen. Auch welche sozialen Kontakte das alles überlebt haben. In meinem direkten Umfeld gab es zum Glück wenig Grabenkriege, aber da hab ich auch ganz andere Fälle mitbekommen, wo jahrzehntealte Freundschaften auf der Kippe stehen oder zerbrochen sind.

Hier in Berlin haben wir ja auch alle naselang mit zum Teil mehr als fragwürdigen Demos zu tun. Schlimm, was da zum Teil abgeht und an Meinungen vertreten wird. Ich selbst finde auch nicht alle Maßnahmen toll und verständlich, aber was mich wirklich ärgert, ist diese Kleinstaaterei, das jeder „Landesfürst“ sein eigenes Süppchen kocht, auch wenn immer wieder zusammen gekommen und groß verkündet wird, dass diesmal aber alles wirklich bundesweit einheitlich beschlossen werden soll… Und dann kommen in der regionalen Umsetzung zum Teil wirklich hanebüchene Regelungen dabei heraus. So was wie, dass Brandenburger nicht nach Polen fahren dürfen, die Berliner aber schon – und sich dort fleißig mit dem verbotenen Feuerwerk eindecken konnten.
Oder wie in Berlin rund 55 Verbotszonen für Silvester zu beschließen – und dann im selben Moment noch zu einzuräumen, dass das alles eh gar nicht kontrolliert werden kann.
Was auch nach Corona gerne beibehalten werden kann, sind die Abstandsregeln in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich habe es immer gehasst, dicht an dicht mit wildfremden, teils unangenehmen Menschen sitzen oder stehen zu müssen. Jetzt bleibt wenigstens der Großteil auf Abstand, auch wenn es mir oft immer noch zu voll ist. So wirklich leerer sind die Bahnen und Busse selbst im verstärkten Lockdown nicht geworden.

Für mich war es nicht nur Corona und die damit verbundenen Ausfälle (z.B. WGT, Weihnachten mit der verbliebenen Familie), die mir dieses Jahr versaut haben.
Im Februar starb meine Mutter, das zog und zieht sich (noch) eine ganze Weile durch mein Leben – zumal dann noch Corona obendrauf kam und eigentlich mein ganzes Jahr nur aus Zähne-zusammenbeißen-und-irgendwie-funktionieren bestand. Okay, nicht zu 100%, immerhin hab ich im Gegensatz zu vielen kein Problem damit, viel Zeit allein zu verbringen und mich allein zu beschäftigen. Ich bin das gewohnt und ich hab auch viel Zeit für mich gebraucht. Einsam hab ich mich trotzdem nie gefühlt, es gibt liebe Menschen, nicht nur in Berlin, denen ich mich sehr verbunden fühle und diese Kontakte tun sehr gut. Auch habe ich das Brotbacken für mich entdeckt, eine schöne Möglichkeit, die Zeit zu füllen und auch noch etwas davon zu haben.

Bewahrt euch alle Eure Zuversicht, Euren Humor und die Kreativität, das alles durchzustehen und irgendwie weiterzumachen.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59692)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Manchmal kann man hier schon den Rappel bekommen. Erst vor wenigen Tagen las ich, dass in Berlin im Schnitt 14 Demos pro Tag (!) stattfinden… Da reagiert man irgendwann nur noch genervt, durch diese Dauer-Demo-Berieselung stumpft man auch irgendwann ab, weil es einfach zu viel wird und kaum noch etwas „herausragt“.
Kaum eine dieser Demos findet auch wirklich öffentliches Gehör und daher frage ich mich, was das ganze (dann) eigentlich überhaupt soll? Über Meinungsumfragen, Petitionen, Volksbegehren etc. kann man ja ggf. auch was erreichen, aber Demos sind doch wirklich selten das Mittel, um etwas zu ändern. Sie scheinen aber sowas wie ein neuer Volkssport geworden zu sein.
Das Demonstrationsrecht an und für sich halte ich für ein hohes Gut, aber es wird zu oft missbraucht, weil Hinz und Kunz einfach nur mal das Gefühl haben will, „ich sage jetzt auch mal allen meine Meinung!“.

Und so unterbesetzt, wie die Berliner Polizei ist, sollten auch nicht ständig Polizisten für solche Zwecke eingebunden werden müssen, da gibt es etliche dringende Baustellen in dieser Stadt. Clankriminalität, Drogen, Vandalismus, Verwahrlosung an allen Ecken und Enden…

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Vor 3 Monate

Lieber Robert,
danke für diesen Rückblick und für die berührenden Videos. 2020 war schon ein seltsames Jahr.

Auch ich habe das Gefühl, dass sich die Szene sehr zurückgezogen hat und Streaming nicht ausreicht um eine Zusammengehörigkeit zuschaffen. Mir gibt das auch nicht wirklich was. Aber, ich durfte erfahren, dass man sich mit Freunden und Bekannten trotz wenig realem Austausch noch verbunden fühlt und an Beziehungen anknüpfen kann. Muss aber auch sagen, dass durch die mangenlde Möglichkeit des realen Szeneerlebens, diese für mich etwas in den Hintergrund getreten ist. Ich bin Aussehen-, Zugehörigkeits- und Stylingdiskussionen müde und manchmal kommt mir diese Fokussierung auf das Äußere schlicht albern vor. An vielen Themen habe ich mich abgearbeitet und muss diese nicht nochmal durchkauen. Mein Fokus hat sich verschoben und ich habe andere Nischen gefunden. Gleichzeitig hat mich 2020 radikalisiert: Querdenker, BlackLivesMatter, Moria, Misogynie etc. Ich kann diese Themen nicht mehr so stehen lassen und tue mir schwer, mit einer „Szene“ die sich gerne in die Schutzbehauptung der Unpolitischkeit flüchtet. Ja, die Szene als ganzes ist unpolitisch, aber sie kann sich das eigentlich nicht leisten, wir Einzelnen können uns das auch nicht leisten, wenn wir nicht von anti-demokratischen Bestrebungen überrollt werden wollen…Als ich im Sommer eine Party im Freien besuchen konnte, war ich ehrlich gesagt schockiert über das sorglose Verhalten und das ein oder andere mitgehörte Gespäch, über die vermeintliche Harmlosigkeit des Viruses und die empfundene Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen…Wir haben es ja bereits diskutiert. „Die Szene“ ist nur ein Abbild der Gesellschaft.

Was das Pandemie-Management der Regierung angeht, muss ich dir aber wiedersprechen. Da war nichts mit Hammer und Tanz, wie am Anfang gerne zitiert, es gab hier den Plastehammer und den Eiertanz. Deswegen sterben täglich über 1000 Menschen an Corona und der Weihnachtspandemiehammer wird uns erst noch treffen. Deswegen geht das medizinische Personal auf dem Zahnfleisch, deswegen werden bald nicht mehr alle versorgt werden können, deswegen wir ein bereits marodes System weiter zusammenbrechen. Man wusste was zu tun war, aber man hat sich entschieden, die Skipisten zu öffnen. Das mit dem Impfstopf hat man irgendwie auch nicht so gebacken bekommen…

Trotz allem, für mich war 2020 kein allzuschlechtes Jahr und ich freue mich dann doch wieder auf eine Party zu gehen und viele liebgewonnene Menschen wieder in den Arm nehmen zu können.

Daniel
Daniel (@guest_59678)
Antwort an  Flederflausch
Vor 3 Monate

Dass wir so hohe Todeszahlen haben, liegt nicht per se an der Regierung. Sicherlich spielt unser föderales System eine maßgebliche Rolle, dass wir hier einen „Flickenteppich“ an Auflagen haben. Und ja, die Organisation der Impfung, die mangelhaften Vorkehrungen während des Sommers für den prophezeihten harten Winter – all das kann man der Regierung ankreiden.

Doch viel mehr, und das ist meine bittere Erkenntnis aus diesem für mich im Privaten nicht sonderlich anders verliefenden 2020, sind es die Menschen selbst, die dafür verantwortlich sind, wie schnell und stark sich dieses Virus verbreitet. Und wenn man dann regelmäßige Nachrichten wie unerlaubte Clubabende in Kellergewölben (so geschehen in Berlin) oder auch eine illegale Swingerparty (ich glaube, es war in Baden-Württemberg) zu lesen bekommt, fragt man sich dann doch, ob die Genuss- und Vergnügungssucht einiger Menschen nicht das eigentliche Problem sind.

Sicherlich ist das nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, aber dieser kann schon ausrechen, damit sich das Virus wieder lustig weiter verbreitet.

Ich lebe in einem Touristengebiet und habe hier gesehen, wie lachs man mit Abstands- und Hygienemaßnahmen umgegangen ist. Besonders während der Sommermonate hatte man das Gefühl, das Virus existiere nicht mehr. Sätze wie „Im Urlaub will ich nichts von Corona wissen“ oder „Das mit Corona ist sowieso vorbei“ flogen mir regelmäßig um die Ohren und haben mich stocksauer gemacht. Als Verkäufer in einem kleinen Teeladen musste ich den Großteil meiner Energie dafür aufbringen, den Leuten zu erklären, dass sie Abstände einhalten und Masken tragen sollen. Quittiert wurde das teilweise mit abschätzigem Lächeln und dem Kommentar, dass ich nicht so ängstlich sein soll und ein Panikmacher wäre.

Und die jüngsten Bilder vom überfüllten Harz und drängelnden Menschen an Skiliften zeigen, dass es viele noch immer nicht kapiert haben. Anstatt zu Hause zu bleiben, kommt der Spruch: „Wir müssen ja auch mal raus“…raus aus was? Aus einem Bunker? Mir scheint es gerade so, als ob die Menschen alle in Fünf-Quadratmeter-Parzellen ihr Leben fristen.

Ich jedenfalls musste mein Weltbild deutlich nach unten korrigieren. Es gab schon immer Egozentriker, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Das war mir klar. Doch die Pandemie hat mir vor Augen geführt, dass es doch deutlich mehr sind, als bislang angenommen. Und solange es diese Menschen gibt, die immer wieder nur auf sich und nicht auf die Gesellschaft schauen, solange die Egozentrik einiger die Solidarität Vieler unterwandert, wird auch die Pandemie weiter grassieren. Wer, wie manche meiner Stammkunden, glaubt, dass dieses Jahr „maskenfrei“ sein wird, lebt fernab vom Schuss. Dieser Zustand wird uns noch mindestens ganz 2021 begleiten.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59679)
Antwort an  Daniel
Vor 3 Monate

Deine Beobachtungen teile ich. Leider haben die Menschen das große Ganze aus dem Blick verloren, viele schaffen es nicht mehr über den eigenen Tellerrand hinaus.
Das jahrelange „Fördern“ des Selbst-Bewusstseins und der Selbstverwirklichung hat viele zu Egoisten mutieren lassen, die es nicht mehr schaffen, sich selbst in Anbetracht ernster Zustände auch nur einen hauchbreit einzuschränken, die dann gleich ihre Grundrechte (!) in Gefahr meinen. Wir haben in Deutschland diesbezüglich wirklich Luxusprobleme.

Aber für manche scheint eine Welt zusammen zu brechen, wenn sie eine Zeitlang nicht 24/7 die Möglichkeit haben, zu machen was sie wollen und wie sie wollen. Das wird uns in den kommenden Jahren, jahrzehnten noch massiv auf die Füße fallen – auch wenn man sieht, wie Kindererziehung heutzutage zum Großteil abläuft: überbehütende Helikopter-Eltern, deren Kind soll nur ja keine Enttäuschungen oder Einschränkungen erfahren müssen, es steht bei allem im Mittelpunkt usw.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Antwort an  Daniel
Vor 3 Monate

Ja, das mit der Eigenverantwortung hat nicht geklappt und das ist erschreckend. Hier hätte eingegriffen werden müssen, hat die Regierung aber nicht getan, sondern eiert weiter rum. Das wird uns alle teuer zu stehen kommen. Kommt es bereits. Ein wirklicher LockDown im Frühjahr und technische Lösungen der Kontatverfolgungen, wie in vielen asiatischen Ländern, hätten uns viele Monate normaleres Leben ermöglichen können. Stattdessen wird auf die Freiheit gepocht, medizinisches Personal verheizt und unsere Wirtschaft weiter ruiniert, Eltern an ihre Grenzen gebracht etc. Stattdessen sind Demos von Querdenkern und Rechtsradikalen, die sich weigern eine Maske zu tragen toleriert, ebenso wie Gedränge in den Skigebieten etc. Ich denke, die meisten Wissen wissen gar nicht, wie gut es uns geht und wie priviligiert wird eigentlich sind. Wie kleine Kinder, die an der Kasse keine Extra-Süßigkeit auf’s Band legen dürfen

Yorick
Yorick (@guest_59681)
Antwort an  Flederflausch
Vor 3 Monate

„Gleichzeitig hat mich 2020 radikalisiert: Querdenker, BlackLivesMatter, Moria, Misogynie etc. Ich kann diese Themen nicht mehr so stehen lassen und tue mir schwer, mit einer “Szene” die sich gerne in die Schutzbehauptung der Unpolitischkeit flüchtet. Ja, die Szene als ganzes ist unpolitisch, aber sie kann sich das eigentlich nicht leisten, wir Einzelnen können uns das auch nicht leisten, wenn wir nicht von anti-demokratischen Bestrebungen überrollt werden wollen…“

Unpolitisch ist die Szene in dem Sinne, dass sie will, dass man sie in Ruhe lässt und ihr nicht reinregiert. In ihrem Individualismus ist allerdings auch eine Nähe zu linksliberalen politischen Haltungen beschlossen.

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Antwort an  Yorick
Vor 3 Monate

Kannst du deine Bemerkung ausführen? Individualismus ist mir ehrlich gesagt zu wenig um als links zu gelten…

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Flederflausch
Yorick
Yorick (@guest_59693)
Antwort an  Flederflausch
Vor 3 Monate

Linke Politik assoziiere ich mit den Zielen der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wobei man letzteres heute vllt. eher als „Solidarität“ übersetzen könnte. Genau da kommt der Begriff ja auch historisch her, Links vs Rechts war die Sitzverteilung im ersten nachrevolutionären französischen Parlament zwischen Revolutionären und Monarchisten. Die Orientierung an Freiheit bzw. Liberalismus ist für mich daher ein Kernbestandteil linker Politik. Natürlich darf man darüber die Gleichheit ( im Sinne von Gleichberechtigung und Chancengleichheit) nicht vernachlässigen, sonst landet man schnurstracks im heutigen Neoliberalismus, der ein reiner Wrtschaftsliberalismus ist. Auf der anderen Seite stehen die kommunistischen Diktaturen, die die Gleichheit überbetonen – naja, genaugenommen die Besitzgleichheit (und die gesellschaftspolitische Gleichmacherei), sicher nicht die Machtgleichheit. Und dann gibt es natürlich noch China, das es tatsächlich geschafft hat, das schlechteste von beidem zu kombinieren.

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Antwort an  Yorick
Vor 3 Monate

Ah, okay, aus der Perspektive kann ich deine Argumentation nachvollziehen. Eine eher linke Einstellung „der Szene“ wird ja implizit immer angenommen.

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Ich muss tatsächlich sagen, dass ich jetzt verstehe, warum viele Menschen zu einer gewissen Zeit in ihrem Leben langsam etwas aus der (sichtbaren) Szene diffundieren und/oder sich an anderen Themen abarbeiten. Manchmal muss man ein paar Türen öffnen, die das Leben einem anbietet und dann nimmt es einen oft so sehr in Anspruch, dass man in der freien Zeit wieder freie Gedankenräume schaffen muss. Das Schöne ist aber, die Musik, die Ästhetik und die Begegnungen stehen einem immer offen.

„Gesundes Unrechtsbewusstsein“ ist doch eigentlich per se schon politisch. Politisch zu sein bedeutet ja nicht, sich in einer Partei oder ähnlichem zu engagieren, politisch ist es ja schon, wenn die Veranstalter der GPP offensiv darauf hinweisen, dass diskrimierende und rassistische Handlungen und Äußerungen nicht akzeptiert werden.

Danke, für den Vorschlag und für das Angebot. Ich werde darüber nachdenken und meine Zeitressourcen prüfen :)

PS: die Diskussion unter dem Beitrag empfinde ich gerade zum Beispiel als sehr fruchtbar ;)

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59711)
Antwort an  Flederflausch
Vor 3 Monate

Du findest die passenden Worte für meine Gedanken.
Also wenn du die Zeit und die Muse dafür aufbringen kannst wäre ich gespannt mehr davon zu lesen!

Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Antwort an  Flederflausch
Vor 3 Monate

Ein kleiner Einspruch meinerseits… oder vielleicht doch nicht. Jeder sollte sich eine differenzierte Meinung – auch zu politischen Themen – bilden, sich informieren und (wenn möglich) engagieren. Aber ich fand es immer sehr erholsam, in meiner Freizeit, auf Festivals, Konzerten und Partys von diesen Dingen verschont zu bleiben. Die schwarze Szene finde ich als unpolitischen und unreligiösen Rückzugsort gut und wichtig. Man kann doch nicht immer nur kämpfen.

Jetzt kommt das „vielleicht doch nicht“. Die Erholung im dunklen Rückzugsraum ist auch bei mir sofort dahin, wenn ich gewisse Uniformen sehe, gewisse Songtexte höre oder an Ständen mit gewissem Gedankengut vorbeikomme. Es kommt mir immer wieder die K… hoch, wenn ich sehe, dass andere Menschen die Events politisieren und mein innerer Rebell will meist auf der Stelle diese Veranstaltungen komplett boykottieren, was natürlich auch nix bringt. Dann wünsche ich mir strengere Kontrollen und mehr Leute, die den Mund aufmachen und die „Szene“ nach außen verteidigen. Aber eben in dem Sinne, dass die Szene kein Ort für politische Ansichten ist.

Ich gebe zu, dass meine Lösung hier weder durchdacht noch besonders realistisch ist, aber ich bin gerade im Wünsch-dir-was-Modus. Ich habe 2020 versucht, aktiv die Volt-Partei zu unterstützen, bin aber schnell an meine Grenzen gestoßen. Meine Ressourcen sind endlich und irgendwie bin ich nicht mehr so energiegeladen wie mit 20. Komisch. ;-) Mein Ansatz war, dass man nicht nur meckern kann, sondern auch was tun muss. Das ist dann gescheitert, weil der Akku leer war. Vielleicht nehme ich nochmal einen neuen Anlauf, irgendwann.   

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59682)
Vor 3 Monate

Das letzte Jahr hat vieles zutage gefördert was bisher für viele unsichtbar war, oder sein wollte.
Wenn wir weiterhin so tun als würden wir das alles nicht sehen, müssen wir uns als Szene fragen ob wir nicht eben kein bisschen anders sind als der ganze Rest nur eben in schwarz. Ja, im Großen und Ganzen ist die Szene ein Abbild der Gesamtgesellschaft, aber eben das finde ich Kacke!
Deshalb finde ich auch, muss man anfangen politisch mehr Stellung zu beziehen. Das würde ich mir für die Szene 2021 wünschen. Gegen Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Rassismus, Misogynie etc. einstehen und danach handeln. Damit die Szene (wieder) ein Ort sein kann der einen Rückzug bietet zu den immer spitzer werdenden Ellenbogen im Mainstream! Und ganz vielleicht kann man damit noch was bewirken.

Ich denke übrigens nicht das Egoismus dadurch gefördert wird, das man das Selbstbewusstsein oder die Selbstverwirklichung von Kindern fördert. Ganz im Gegenteil.
Sich seiner selbst bewusst zu sein ist wichtig um kein Arschloch zu werden und Empathie zu entwickeln. Ich glaube es ist mehr ein gesellschaftliches als ein Erziehungsproblem. Ich-zentrierte Vergnügungssucht und ständiger Konsum sind ja irgendwie gewollt um die jetzige Wirtschaft am Laufen zu halten. Dinge zu kaufen die man eigentlich nicht braucht und ständig tolle Erlebnisse, Urlaube etc. zu haben. Nicht zuletzt der neoliberalistische Gedanke das jeder für Erfolg und Misserfolg im Leben selbst verantwortlich ist, führen eben dazu das die Anteilnahme und der Wille für Menschen in Not da zu sein, nicht allzu groß ist.

Nichts desto trotz, ich habe den Eindruck hier bei Spontis tummeln sich viele sehr nachdenkliche, nette Menschen, die diskussionsoffen sind, was ich leider sehr oft „da draußen“ vermisse. Deshalb wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr : )

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59710)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Oh selbstverständlich. Ihr seid auf gar keinen Fall und unter gar keinen Umständen nett. Das ausgesprochene Gegenteil von nett meinte ich natürlich : )

Alsuna
Alsuna (@guest_59683)
Vor 3 Monate

Ja 2020 war kein gutes Jahr…und ich bin froh, dass es vorbei ist.

Corona hat dieses Jahr geprägt und man muß auch sagen, dass viele Maßnahmen auch vielen Menschen die krank und/oder behindert sind einfach geschadet haben. Man denke allein an die Krebspatienten, denen Behandlungen abgesagt wurden oder Physiotherapie, die im Frühjahr einfach nicht stattfand, Fördung von behinderten Kindern, ein massiver Rückschnitt in der Inklusion allgemein. Gut, ich kenne einfach mehr Kranke und Behinderte als ein Gesunder, weil ich ja selber betroffen bin, und da gab es keine positiven Geschichten. Man gehört zur Risikogruppe, isoliert sich ja eh schon ohne Corona,weil jeder Schnupfen scheiße ist….es nervt noch mehr als üblich.

Und man kann nicht mal ins Krankenhaus, weil die Angehörigen einen nicht besuchen dürfen..auch nicht um die Grundpflege zu übernehmen…denn dazu haben die Schwestern, auch wenn man jünger als 50 ist und einen hohen Pflegegrad hat, keine Zeit.

Die Entscheidungsorgane haben große Teile , derjenigen die sie angeblich schützen wollen einfach im Regen stehen lassen…leider.

Alsuna
Alsuna (@guest_59699)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Ja klar verstehe ich auch :). Natürlich gab es viele Menschen, die sich geholfen haben oder leider eben gerade nicht. In der Nachbargemeinde gab es einen super Einkaufsservice, privat organisiert, bei uns nix. Ich habe eine Bekannte, die zwar körperlich Gesund ist, aber seelisch krank, während das ersten Lockdowns zum Einkaufen begleitet…offiziell war sie meine Hilfskraft…Rollstuhl schieben Sachen aus dem Regal holen so was…weil das erlaubt war. So konnte sie einkaufen trotz Angststörung. Manche Tafeln haben bei uns in der Region einfach Tüten gepackt oder konnten in Turnhallen…in anderen Gemeinden hier hieß es nöö..zuviel Aufwand. Man kann wirklich einiges machen.

Graphiel
Graphiel (@guest_59704)
Vor 3 Monate

2020, was war das für ein Jahr? Denkwürdig umschreibt es vielleicht am besten. Jedenfalls bin auch ich froh, dass es vorbei ist und sehe hoffnungsvoll in die Zukunft.

Persönlich war es für mich nicht nur ein Jahr des Verzichts, sondern auch ein Jahr des Gewinnes. Die verminderten sozialen Kontakte haben mich in meinem eher zurückgezogenen Dasein jetzt nicht so sehr belastet wie andere Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Im Gegenteil: Mir kam dies teils sogar sehr entgegen. Bei anderen, wirklich lieb gewonnenen Kontakten aus der Szene haben sich die Begegnungen lediglich von der Diskothek ins heimische Wohnzimmer, oder zu intensiven Spaziergängen über diverse Friedhöfe verlagert. So gesehen war dies nun durchaus auch etwas positives.

An anderen Ecken machte sich bei mir aber auch einiges an Enttäuschung breit. Als ich im Frühjahr zuletzt die Tanzfläche der Sabotage betrat hatte ich sicherlich nicht damit gerechnet, dass es nicht nur das letzte mal vor der geplanten Sommerpause sein würde, sondern gleich der letzte Tanzflächenbesuch im gesamten Jahr. Auch die Vorfreude auf geplante Festivalbesuche wie das Owls ´N Bats und das Autumn Moon mussten nach und nach der Gewissheit weichen, darauf verzichten zu müssen. Das wurde auch nicht wirklich durch diverse, durchaus liebevolle Streamingveranstaltungen gemildert. Sie waren Trostpflaster, aber mehr eben halt nicht.

Enttäuscht, oder vielmehr mich in meiner ohnehin schon eher misanthropischen Grundstimmung bestärkt haben mich all die Erfahrungen, die ich während 2020 im Bezug auf den Umgang mit all den unschönen Nebenwirkungen der Coronapandemie mitbekam. Das Jahr (so mein Eindruck) hat deutlich gezeigt, woran es unserer Gesellschaft krankt. „Wir sind das Volk!“ Worte, die ich in Fernsehbildern beim Fall der Berliner Mauer bisher mit einem ergreifenden Gefühl in Verbindung brachte kehrte sich spätestens 2020 zu Worte, die ich nun auch mit einem Gefühl des Fremdschämens in Verbindung bringe. Unzählige selbsternannte Experten und Virologen, die mit lautstarken Empörungen so taten als habe man die DDR erneut ausgerufen und ihnen jegliche Freiheit genommen, indem man ihnen sagte sie sollen bitte eine Maske tragen und nicht jedem gedankenlos ins Gesicht husten, bzw näher als unbedingt nötig auf die Pelle rücken. Und das traurige: Sie kamen aus allen Schichten emporgekrochen. Ja selbst aus Teilen der Szene, was mir wieder einmal auf traurige Weise zeigte, dass diese (zumindest anteilig) halt doch nur ein schwarz bemaltes Abbild des gesellschaftlichen Durchschnittes darzustellen scheint. Aber so ist das wohl, wenn man dem Volk entweder das Brot oder die Spiele streicht… oder eben auch die Silvesterraketen. Doch ich konnte 2020 auch politisch etwas dazulernen. Wenn wir künftig feststellen, dass irgendwo Menschen am Rande ihrer Belastbarkeit ackern, oder aufgrund von verordnetem Arbeitsverbot nicht wissen wie sie über die Runden kommen sollen, dann klatschen wir künftig einfach für sie. Das hilft diesen Leuten zwar auch nicht weiter, aber wir haben wenigstens etwas für unser Gewissen getan und können uns finanziell wieder anderen, dringenderen Projekten widmen. Wie der Autoindustrie… oder der Lufthansa. Diese Armen.

In diesem Sinne….

Hoffentlich seit ihr alle gesund ins neue Jahr gekommen. :)

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59705)
Antwort an  Graphiel
Vor 3 Monate

Ein wunderbarer Beitrag, ich stimme Dir sowas von zu!

Die verminderten sozialen Kontakte haben mich in meinem eher zurückgezogenen Dasein jetzt nicht so sehr belastet wie andere Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Im Gegenteil: Mir kam dies teils sogar sehr entgegen. Bei anderen, wirklich lieb gewonnenen Kontakten aus der Szene haben sich die Begegnungen lediglich von der Diskothek ins heimische Wohnzimmer, oder zu intensiven Spaziergängen über diverse Friedhöfe verlagert. So gesehen war dies nun durchaus auch etwas positives.

Das habe ich ebenso empfunden.

Enttäuscht, oder vielmehr mich in meiner ohnehin schon eher misanthropischen Grundstimmung bestärkt haben mich all die Erfahrungen, die ich während 2020 im Bezug auf den Umgang mit all den unschönen Nebenwirkungen der Coronapandemie mitbekam. Das Jahr (so mein Eindruck) hat deutlich gezeigt, woran es unserer Gesellschaft krankt. “Wir sind das Volk!” Worte, die ich in Fernsehbildern beim Fall der Berliner Mauer bisher mit einem ergreifenden Gefühl in Verbindung brachte kehrte sich spätestens 2020 zu Worte, die ich nun auch mit einem Gefühl des Fremdschämens in Verbindung bringe. 

Das auch!

Wenn wir künftig feststellen, dass irgendwo Menschen am Rande ihrer Belastbarkeit ackern, oder aufgrund von verordnetem Arbeitsverbot nicht wissen wie sie über die Runden kommen sollen, dann klatschen wir künftig einfach für sie. Das hilft diesen Leuten zwar auch nicht weiter, aber wir haben wenigstens etwas für unser Gewissen getan und können uns finanziell wieder anderen, dringenderen Projekten widmen. Wie der Autoindustrie… oder der Lufthansa. Diese Armen.

Wie wahr – und einfach nur traurig, diese merkwürdige Prioritäten-Setzung.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Victor von Void
Victor von Void (@guest_59708)
Vor 3 Monate

Wie immer trifft Robert den Nagel auf den Kopf.

Für mich/uns waren die Covidioten, Querschwurbler und Kryptonazis das größte Ärgernis.
Mit den Lockdowns, den sonstigen Maßnahmen und ihren Folgen (Homeoffice mit Mina, die auch noch in der gleichen Firma arbeitet, wenige Kontakte, keine Reisen) hatten wir dann aber keine Probleme, im Gegenteil, wir haben die dadurch zeitweise aufkommende Ruhe sehr genossen. Und mir persönlich fehlten ehrlich gesagt auch nicht die sozialen Kontakte, ich war schon immer introvertiert und ein „Drinni“.

Allerdings sehe auch ich das Streaming nicht als adäquaten Ersatz für „richtige“ Veranstaltungen an, und das eine oder andere Konzert wäre schon nett gewesen. Aber wir neigen eher dazu übervorsichtig zu sein („Vorbeugen ist besser als auf den Rücken fallen“). Insofern wären wir wohl selbst bei eventuell stattfindenden Veranstaltungen nicht dabei gewesen.

Das Jahr 2020 war für uns also eher anders als schlecht. Und ich vermute auch, dass 2021 uns an vielen Stellen eher negativ als positiv überraschen wird (neuer CDU-Vorsitzender, aber alle Kandidaten sind Nulpen, Wahlen in diversen Bundesländern und im Bund, bei denen alles mögliche schief gehen kann…)

P.S.: Zwei positive Sachen die Szene betreffend muss ich für 2020 aber hervorheben: Spontis und Orphis Videos haben uns viel Freude gemacht!

P.P.S.: Und ein letztes „Fuck You!“ hat uns 2020 aber dann doch noch beschert: wir haben es am 31.12. nachmittags tatsächlich noch geschafft, uns aus der Wohnung auszusperren…

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Victor von Void
Victor von Void
Victor von Void (@guest_59723)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Allerdings möchte ich Dich an dieser Stelle darauf hinweisen, einer Dir nahe stehenden Person einen Zweitschlüssel zu geben, der nicht in der gleichen Behausung lebt

Oh, das hatten wir: gute Freunde haben einen Schlüssel von uns. Das Problem war einerseits, dass sie nur mit dem Auto erreichbar sind (40km entfernt) und dass sie ein kleines Kind haben und daher seit einiger Zeit meistens ihr Handy auf lautlos gestellt ist. Der Anruf, ob sie denn überhaupt zuhause wären, wurde daher erst wahrgenommen, als der Schlüsseldienst schon an der Tür arbeitete. :D Aber um ein komplett neues Schloß und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden, haben wir den Schlüssel dann doch noch geholt (ich hatte den Autoschlüssel statt des Wohnungsschlüssels gegriffen, also insofern ein glücklicher Zufall im Pech) :)

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Victor von Void
Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Vor 3 Monate

Hallo Jahr 2020,

vorab solltest du wissen, dass ich die nächsten Zeilen mit meinen Mittelfingern tippe. Jetzt mal unter uns, was sollte denn das? Hat das sein müssen? Als Fan des Social Distancing fand ich die Erkenntnis, dass Nachbarn/Familienmitglieder/Freunde/Kollegen mich jederzeit wegen Rolle Klopapier abstechen würden, weniger berauschend. Und ja, ich bin mal so ehrlich, ich hatte mir vom Abstand halten mehr erhofft. Einkaufen ist eine enorme Qual, bis heute. Du hast Dinge sichtbar gemacht, die von vielen Mitmenschen in unserer Gesellschaft, allen voran Politiker, gerne „übersehen“ wurden. Ich möchte, als Krankenschwester, gerne darauf hinweisen, dass Alkohol keine Problemlösung ist, aber sieh dir diese Schweinerei doch mal an. Da waren viele Chance unsere Gesellschaft besser zu machen, aber du hast dich halt doch vom Kapitalismus hofieren lassen. Mit selbsternannten Querdenkern bist du in die Kiste gehüpft, während ich im Krankenhaus meine Einwegmaske eine ganze Schicht lang trug (obwohl das hygienisch nicht vertretbar ist). Nicht nur, dass ich und andere auf Kultur verzichten mussten, du hast uns auch eine Unbeschwertheit genommen. Von Solidarität und Empathie will ich gar nicht groß anfangen.
Ja, liebes Jahr 2020, du hast wirklich nichts – absolut NICHTS- auf die Reihe gebracht. Danke für nichts. Da sich meine Hände und Finger aber gerade entspannen, fällt mir auf, was ich gemacht habe. Ich habe dir getrotzt. Es gibt viele Sachen, die ich trotzdem gemacht habe. Ich habe noch nie so viel geschrieben und publiziert. Bei Spontis bin ich nicht mehr einfach eine stille Leserin, mein Roman ist fertig und in Korrektur, ich schreib noch für weitere Blogs und Zeitschriften. Ich habe tolle Menschen kennengelernt (und auf einige Live-Treffen freue ich mich schon) und wirklich beschissene Freundschaften/Beziehungen beendet. Ich habe gemerkt, das ich als alleinerziehende Mama einiges auf dem Kasten hab. Und, das ist mir jetzt wirklich wichtig, ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich setze viel Hoffnung in die Impfkampagne. Ich hoffe, endlich wieder auf Konzerte gehen zu können. Ich hoffe auf so vieles.

Auf Wiedersehen 2020.
Deine Johanna/Wichtlhexe

Yorick
Yorick (@guest_59718)
Antwort an  Wichtlhexe
Vor 3 Monate

„Ja, liebes Jahr 2020, du hast wirklich nichts – absolut NICHTS- auf die Reihe gebracht. Danke für nichts.“

Also immerhin ein gutes hatte 2020: Trump ist abgewählt.

Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Antwort an  Yorick
Vor 3 Monate

Biden ist leider keinen Deut besser. Die Demokraten in den USA sind genauso ätzend, wie die Republikaner. Das Zwei-Parteien-System ist leider auch nicht das wahre. Mal sehen, was mit Biden kommt. Ich bleib skeptisch. Im Ox-Fanzine war ein Interview mit Jello Biafra, der Biden seit geraumer Zeit unter die Lupe nimmt. Die Pest sind wir los, aber vielleicht haben wir jetzt Cholera.

Yorick
Yorick (@guest_59726)
Antwort an  Wichtlhexe
Vor 3 Monate

Dass Biden und der Großteil der Demokraten neoliberal wie noch was sind, weiß ich auch. Aber besser als Trump ist er allemal. Der ist nämlich mindestens genauso neoliberal und dazu noch faschistisch.

Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Antwort an  Robert Forst
Vor 3 Monate

Lieber Robert,

es gibt und gab Tage, da habe ich mich über viele Dinge in meinem Mikrokosmos freuen können: Emails mit dir, Artikel für Spontis schreiben, neue Videos von Orphi. Da fällt mir ein es steht noch ein gemeinsamer Artikel von uns aus. Es haben sich einige Freundschaften intensiviert, sind neu aufgelebt oder entstanden. Ich hatte unendliches Glück, dass meine Familie in der zweiten Welle jetzt hinter mir steht und mich unterstützt.
Dann gibt es Tage, wo ich nur noch fluchen möchte. Wenn ich so manche „Freunde“ nicht mehr wieder erkenne, für die ich jederzeit die Hand ins Feuer gelegt hätte. Oder wenn ein Mensch, mit denen man Leben und Bett geteilt hat, sich so derbe verändert, dass es einen kaputt macht.
Insgesamt hoffe ich, dass ich mich nach dem Jahr 2020 wieder erhole und mich weniger ärgere.

The Drowning Man
The Drowning Man (@guest_59722)
Vor 3 Monate

Robert…absolut meine Wahrnehmung! Ganz grandiose Ausführung..und in Bezug auf Merkel auch noch zwischen Mensch und Partei zu differenzieren gelingt auch nicht vielen heutzutage..sehe ich nämlich genau so! Super geschrieben!

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linnepop
linnepop (@linnepop)
Vor 3 Monate

Lieber Robert und liebe Orphi,

soviel Menschen, soviel verschiedene Berichte, jede hat 2020 irgendwie anders erlebt. Schreibe ich dann auch noch was oder nicht?? Doch! Ich möchte doch was teilen.

Mir hat 2020 sehr inspiriert, neue Wege gezeigt und in die Tiefe gezogen (eine angenehme Tiefe). Inspiriert war ich auch von euch, indem ich Spontis via eine gute Freundin gefunden habe, nachdem wir uns auf das Pest-Treffen in Leipzig am Pfingsten unterhielten… wie schön das es dieses Platform gibt ! … Ich schleiche mich zum Schlafzimmer, und tauche kurz in neue-alte Welten ein; bin n Stunde mal ganz vertieft in irgendwelche obskure videos aus den 80er, wunderbare Geschichten, ‚old memories‘ oder lese tolle Bücher Tipps.

Manche Freundschaften haben sich intensiviert, obwohl wir uns weniger gesehen haben. Mein Telefonrechnung war noch nie so hoch ! Ich habe (wieder) angefangen Platten zu sammeln, mehr zu recherchieren nach mir noch unbekannte Songs, Bands, Musikvideo’s etc. Die Konzertkarten für 2021 stapeln sich, bzw. mein Kühlschrank wird ganz schon Bunt, da ich sie gerne dort aufhänge. Jedes Mal beim kochen freue ich mich, wenn ich sie kurz anschaue :) ..

‚Du bist so schrecklich Positiv‘, sagte mir eine Freundin letztens scherzend, nur weil mein Urlaub rund Pfingsten genehmigt wurde. Ich hab mich gefreut, einfach weil ich in mir spüre, das es weitergeht. Auch dass das letzte Jahr gezeigt hat, das um mich herum die Menschen zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Meine Heimat Holland ist schon weit weg von München, trotzdem hab ich noch nie soviel Pakete dorthin geschickt und auch bekommen. Viele Briefe habe ich geschrieben, wie ich früher immer machte, einfach toll sich dafür Zeit zu nehmen.

Ich wünsche euch allen alles alles gute. Und am meisten wünsche ich mir, das wir uns vielleicht mal treffen, in irgendeine Kneipe, auf eine Tanzfläche oder auf ein wunderschöne Friedhof und uns unterhalten, trinken und es uns einfach gutgehen lassen.

x Linn

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von linnepop

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