Currywurst in Köln – Ein Tag im Leben des Herrn F.

Samstag 07:30 – Müde sinke ich ins Bett, ich habe die letzte Nachtschicht hinter mich gebracht und das morgendliche und frische Stütchen vom Bäcker genossen, denn die wirklich frischen vom Bäcker Schiffer sind die besten.

11:30 – Spontilienchen weckt mich mit einer Tasse Kaffee, wir wollte heute nach Köln zum Einkaufsbummel. Versprochen ist versprochen und ausserdem bilde ich mir ein, das ich dann heute Abend auch wirklich müde bin und Nachtschichtgeschädigt nicht einschlafen kann.

11:45 – Kaffee ist leer, richtig wach bin ich noch nicht, aber rasieren und aufhübschen muss sein. Man will ja was bieten für seine Liebste und auch für Köln.

12:40 – Wir fahren mit dem Zug nach Köln, Autofahren finden wir doof, gerade in Köln legt man da für einen Parkplatz schnell mal 15€ aus, ganz abgesehen vom Sprit. Ach was, außerdem macht Zugfahren auch noch Spass und ich kann Zeitung lesen. Doof nur, das ich selten fahre und nicht weiß wie man eine Fahrkarte zieht, ein älterer Herr ohne Zähne hilft mir, nett von ihm.

13:35 – Köln, wirklich ein eindrucksvolle Stadt genauso wie die Preise für eine saubere Toilette auf dem Bahnhof. 1€ für das Pinkeln zu bezahlen halte ich schon für Abzocke, wäre ich doch im Zug noch gegangen, ich kann ja auch im stehen.

14:30 – Das Gedränge auf der Hohe Strasse und in der Schildergasse , den beiden Pulsadern des Kölner Konsums, habe wir hinter uns gelassen. Alles wirkt ein bisschen surreal, denn Stimmen und Sprachen aus aller Herren Ländern krabbeln in meiner Gehörwindungen, wenn ich jetzt die Augen schließen würde, könnte ich  eine Gedankenreise machen. Augen zu ist aber irgendwo kontraproduktiv. Bei New Yorker kann man echt ein paar schöne Schnäppchen schießen, keine Szenemode, einfach nur ein paar Basics.

15:00 – Es ist höllisch voll. Phänomen: Wenn mir jemand Fremdes zu nahe kommt, wird mir unbehaglich – eigener Intimkreis von 45cm und sowas, hat man ja alles schon mal gelesen – im Gedränge dicht an dicht ist dieses Gefühl verschwunden.

16:10 – Die Ehrenstraße und das Viertel drum herum war früher mal das Zentrum der jungen Kreativen. Wo sind sie alle hin? Mein geliebtes Studio59 ist verschwunden, bin wohl nicht der erste, der das bemerkt. Konnte man sonst immer prima Punk und Düsterzeug kaufen – jetzt ist die Ehrenstraße in eben diesen Mainstream eingetaucht und wirkt nur noch wie ein Abklatsch von dem was mal war. Super, auf koeln.de lese ich später, das sich die jungen Kreativen jetzt im belgischen Viertel zusammengerottet haben, hätte mir auch mal einer vorher sagen können.

16:15 – Spontilienchen möchte spontan zum Frisör. Da ich aber keine Lust auf warten habe, schlender ich ein bisschen umher. Ich entdecke, das sich hier unzählige Frisöre tummeln und das wohl Kölns haarigste Gegend zu sein scheint. Kurioser Weise sehe ich total viele Männer mit Glatze, offensichtlich neuer Chic. Ich halte nach Menschen Ausschau, die so aussehen, als würden sie in Läden einkaufen, in denen auch ich einkaufen würde. Klingt jetzt nach Klischee, funktioniert natürlich auch nicht, Studio59 kennt kaum noch einer und wirklich geholfen hat man mir nicht.

16:30Currywurst? Ich schon lange her das ich meine letzte Currywurst gegessen habe, jetzt unheimlich Bock drauf. Currywurst Forever klingt lustig, schmeckt auch prima – schön scharf, genau nach meinem Geschmack. Das lenkt ab vom Einkaufsfrust.

17:10 – Frisör ist durch, sieht gut aus. Da fällt mir der Second Hand Laden ein, in dem ich letztes Jahr schon mal war. Also wieder dahin. Leider besserte sich meine Laune nicht wirklich, die Preise die dort für kultige Second Hand Ware genommen werden entsprechen dem Neupreis der Klamotten. Second Hand ist Kult und Kult ist Kohle. Ich muss hier raus.

18:30 – Im Mediamarkt zum Druckerpatronenkauf. Bunt ist leer, daher ist mal wieder eine neue fällig. Leider ist die Orientierung denkbar schwierig, es gibt gefühlte 10.000 verschiedene Druckerpatronen für ein und den selben Hersteller, zu gefühlt überteuerten Preisen. Scheisse, jetzt klinge ich schon wieder frustig. Patronen gekauft und nichts wie raus.

19:10 – Abendessen beim (richtigen) Italiener, Antipasti zu Vorspeise und einen Salat mit Schafskäse hinterher. Ist jetzt kein Brüller gewesen, aber trotzdem lecker.

Kölner Dom am Abend20:20 – Auf dem Weg zum Bahnhof eine Strassenkapelle in einer kleinen Seitenpassage gehört und den klassischen Klängen von Bach gefolgt. Eine Geige, zwei Akkordeons und eine Tuba schaffen in der hohen Passage eine umwerfende Akkustik. Die Jungs können auch noch höllisch gut spielen und ziehen vielen Menschen in ihren Bann, ein wirklich tolles Bild. Da steht der HipHopper neben dem älteren Ehepaar, der Punker mit dem grünen Iro steht neben einer Mutter mit Kinderwagen und lauschen andächtig. Ich stehe neben Spontilienchen, meinen Arm um sie gelegt und fühle eine furchtbar einzigartige und romantische Stimmung. Der Blick auf den nächtlichen Dom rundet das Bild noch zusätzlich ab, solche Momente erfüllen mich immer mit Leben. Ich fühle mich philosophisch und inspiriert, toll!

21:00 – Nachdem wir ein paar Emos am Eingang zum Bahnhof passiert haben (ohne Quatsch, die haben gelacht und gescherzt!) , überbrücken wir die Zeit bis zum Zug mit einem Besuch im Zeitschriftenladen, der eine tolle Auswahl an Musikzeitschriften und Fanzines bietet. Ich kaufe für 21,60€(!) Zeitschriften die ich noch nie gesehen habe, der Bahnhof wird plötzlich von Fußballfans verschiedenster Mannschaften gestürmt, die wohl alle im Rückreiseverkehr stecken. Feuerwerkskörper explodieren, uniformierte Beamte laufen, Schlachtrufe, das Klirren von Bierflaschen auf Marmorboden und Gegröle bieten dem Bahnhof eine eindrucksvolle Geräuschkulisse.

23:30 – Zuhause. Ich bin so erschöpft und Müde, kann aber mit Spontilienchen auf dem Sofa einfach nicht entspannen. Scheiss Nachtschicht. Ach was, geh ich hald bloggen.

02:25 – Hab ich jetzt echt 2,5 Stunden für diesen lächerlichen Eintrag gebraucht? Memo an mich: 1. Nicht müde bloggen, 2. Fingerfertigkeit trainieren, 3. Duden unter das Kopfkissen legen. 16 Stunden sind genug, ich kann nicht mehr, ich geh jetzt pennen.

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tears
Tears (@guest_638)
Vor 11 Jahre

Dann mal gute Nacht. Wenn ich mir überlege, dass ich in ca. vier Stunden aufgestehen muss, jetzt hier schon Alkohol in mich reinschütte um endlich müde zu werden (der Erfolg ist mäßig) und ich, sollte ich noch länger wach bleiben, auch noch Kippen holen muss vergeht mir richtig die Lust. Morgen dann zu meinen Eltern, immerhin muss ich ausnahmsweise die 150km nicht selbst fahren… herrlich, immerhin war heute kein Scheißtag (würde ich darüber bloggen müsste man den Inhalt zwischen den Schimpfworten suchen).

stoffel
stoffel (@guest_646)
Vor 11 Jahre

Danke Dir für’s zum Schmunzeln bringen :)

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 9 Jahre

Du bist echt ein hoffnungsloser Romantiker. :-) Geige, Akkordeon und Tuba in einer Einkaufspassage mitten in der Großstadt – inmitten von HipHoppern und anderen Leuten und du fühlst Romantik. Ich hätte vermutlich eher den Drang verspürt, mich ziemlich zügig von diesem Ort zu verabschieden – vor allem, wenn irgendwer den Arm um mich legt und mich FESTHÄLT. :-)

Ich mag Köln nicht besonders. Die Stadt ist meiner Meinung nach zu sehr auf Kommerz und Medien getrimmt. Vielleicht gibt es schöne Ecken, die nur Einheimische finden. Die Innenstadt inklusive Fußgängerzone reizt mich jedenfalls absolut nicht.

Ich bekomme auch immer schlechte Laune, wenn ich sehe, dass in ehemals schönen Stadtvierteln mit originellen Läden die üblichen Franchise-Ketten und Mainstream-Boutiquen Einzug halten. Vielleicht scheue ich mich deshalb, mein geliebtes Wien nach so vielen Jahren noch einmal zu besuchen. Bald werden alle Städte gleich aussehen – wenn es nicht sogar schon beinahe so ist.

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