Musikperlen: Banale Urlaubsgrüsse aus Bosnien die Geschichten erzählen (Tauchgang #44)

Immer wenn ich Musikperlen zusammenstellen will, fühle ich mich schwer 80er. Es wurde mal wieder Zeit für ein bisschen Vergangenheitsbewältigung, auch wenn der Soundtrack dazu nicht unbedingt aus der damaligen Zeit stammt. Aber das Album des Lebens hält sich nicht mit überflüssiger Chronologie auf. Glücklicherweise reduziert mein Gehirn die 80er auf alles, was ich damals toll fand. Kassetten, die sich von selbst umdrehten, den C64 auf dem Schreibtisch und Postkarten von Leuten, die am Strand lagen. Ich hatte je Glück mit der Kindheit. Fahrradtouren an den Rhein, Urlaub in Norwegen und das Sommerferienprogramm mit Zini, dem Wuslon. Strand fand ich immer schon doof.

Sonnenbrandt – Urlaubsgruss

So richtig guter Sonnenbrandt kommt aus Hamburg, denn nur dort scheinen Frau Sonne, die der gleichnamigen Band ihre Stimme verleiht, und Herr Brandt, der sich um die ausgewogene Mischung feinster Lichtstrahlen kümmert, besonders hell. Glücklicherweise hält Kpt. Korg seinen Synthesizer im Hafen bereit, um im Falle von hanseatischen Wolken die gemeinsame Flucht zu ergreifen. Zusammen treibt man sich seit 2003 herum, um die Welt mit zeitgerechter NDW, Elektro-Punk oder auch Minimal zu beschallen. Gemeinsam mit Welle:Erdball, den Perlen und Hertzinfarkt hat man sich auch eine Zeit lang als “Funkhausgruppe” zusammengetan. In Zeiten, in den es kaum noch Postkarten mit Statusberichten aus fernen Ländern regnet, wird ein ernst gemeinter Urlaubsgruss umso wichtiger:

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Red Mecca – Our Story Told

So richtig getaucht bin ich für diesen Song nicht, eher geschnorchelt, denn erst 2019 erschien das Album “Truth”, auf dem auch das folgende Stück zu finden ist. Susanne Jonsson und Jan Strandqvist aus dem beschaulichen Sundsvall in Schweden haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sich Schweden musikalisch vor nichts und niemandem zu verstecken brauchen, erst recht mit dem Stück “Our Story Told”. Hat sich während der Fahrt zur Arbeit sofort in euphorisches Lenkradklopfen verwandelt. Läuft bei Red Mecca.

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André Szigethy – Liebe Banal

1983 war die Welt noch in Ordnung. Zwischen Lego auf dem Fußboden und dem C64 auf meinem Schreibtisch habe ich mich noch um rein gar nichts gekümmert. Keine Sorgen, keine Last, tolle Kindheit. Mit Liebe hatte ich zu dieser Zeit rein gar nichts am Hut. André Szigethy offensichtlich schon. Der heute in Hamburg lebende Musiker war damals ein totaler Nerd und hat sich auch in seinen Songs akribisch mit der Technik und seinen Instrumenten beschäftigt. Mittlerweile betätigt er sich zwar lieber als Techno-DJ, doch seine Bewunderung für Patrick Stewart aus “Star Trek” spricht von einer Form von Seelenverwandtschaft.

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Pauk – Mumije

Bei Youtube schrieb jemand in den Kommentaren: “Mit der Musik fühle ich mich wie ein slawischer Vampir-Jäger, der auf seinem Motorrad durch die nächtliche Landschaft Bosniens brettert. Sonnenbrille, Lederjacke und die frische Nachtluft weht durch die wilder Mähne der Vokuhila.” 1982 war die bosnische New Wave und Post-Punk Band “Pauk” noch ein Teil von Jugoslawien, ich machte einen beschissenen Urlaub in Jablanac und schleckte lustlos ein Eis im Hafen. Der Song treibt die Post-Punk Attitüde jedenfalls wieder ein bisschen nach oben. Sonst bin ich ja ein Minimal-Freund, aber das Bild vom Vampirjäger imponiert mir.

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Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Gagates
Gast
Gagates

Über das letzte Lied bin ich auf gestolpert, als ich mich mal in der Nacht wieder ewig durch selten gehörte 80er mucke geklickt hab, gefällt mir sehr.

clandestine
Gast
clandestine

bitte um entschuldigung @robert, daß ich deinen schönen artikel zu einer musiksuche/frage kapere, aber ich rechne mir hier einfach einige chancen aus ;)

von der band endraum gibt es das relativ bekannte stück: appell an die muse von (1994).

nicht ganz so verbreitet dürfte der sampler “l’appell de la muse iv” (1994) sein, der eine kürzere version dieses liedes inkl. leicht verändertem text enthält.

sind hier endraum experten unterwegs, die mir sagen können:

* welche version die ursprüngliche ist?

* ob diese spezielle version eventuell auf einem demo oder noch anderen samplern vertreten ist?

besten dank

/c

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

@ Clandestine: in den offiziell gelisteten Tapes ist dieses Stück vor Veröffentlichung der Single nicht zu finden, laut der noch existierenden Endraum-hp gab es allerdings noch weitere Sampler damit. Ich sehe allerdings anhand Discogs, dass dort jeweils die mutmasslich”originale” (abgesehen master-aufnahme), 5:45 min. lange Version drauf ist. Nur die bei dir genannte Version weicht etwas ab – ein Live-mitschnitt vllt…?

clandestine
Gast
clandestine

hallo svartur,

danke für die hilfe.

die version dauert 5:17 min und ist keinesfalls eine live aufnahme. da allerdings beide stücke von 1994 stammen, ist es schwer zu sagen, welche zuerst aufgenommen wurde.

ich habe die vermutung, daß der samplerbeitrag die ursprüngliche fassung ist, um mal anzutesten, wie das lied bei den hörern ankommt. für die maxi hat man sich dann für eine neuaufnahme entschieden. mir gefällt die sampler-version viel besser (s. yt).

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Hallo clandestine,
ich habe die Erfahrung gemacht, dass für Samplerbeiträge häufig Remixe eingespielt wurden, das handhaben nahezu alle Bands so… daher vermute ich, dass es hier auch so sein wird. Ich hab mich schon oft drüber geärgert, dass ich ein Lied auf einem Sampler gut fand, und wenn ich mir dann das Album mit dem (angeblich) selben Song zugelegt habe, klang die Albumversion selten genauso wie der Samplerbeitrag.

clandestine
Gast
clandestine

hi tanzfledermaus:

damit hast du nicht unrecht.

dagegen spricht:

diese version ist die einzige mit der genannten länge, allen übrigen samplern enthalten die maxi version laut titellänge oder offensichtlich einen remix.

der text unterscheidet sich von der standardfassung bzw dem remix.

die version klingt nicht so glatt produziert und der gesang ist für meinen geschmack viel eindringlicher.

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