14 August

Die ganze Wahrheit – Als der Zillo mich über Cyber-Gothic interviewte

Kategorie: Ansichtssache — Letzte Aktualisierung: 14. August 2012 — 18 Kommentare

Zillo - Titelbild Ausgabe Juli 2012Zugegeben. Der Titel des Artikels ist ein wenig überzogen, erwartet man doch einen handfesten Skandal oder Verdrehung der Tatsachen als mich der Zillo für einen Artikel über das Thema “Cyber-Gothic” interviewte. Nichts davon ist eingetreten. Und doch gibt es eine ganze Wahrheit, denn das, was in der Juli/August-Ausgabe zu lesen gab, ist nicht das vollständige Interview.

Es begann mit einer Nachricht von Daniel Dreßler, der als Autor für den Zillo tätig ist. Ich gebe zu, dass ich skeptisch war, erwartete ich eine oberflächliche Darstellung des Status Quo der Cyber-Szene. Ich wurde eines besseren belehrt. Die Fragen, die mich per E-Mail erreichten, hatten es in sich und zeigten, dass sich hier jemand ernsthaft und kritisch mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Ich beantwortete alle Fragen und war gespannt, wie viel davon und in welchem Zusammenhang Daniel in seinem Artikel verarbeiten würde.

Das Ergebnis hat mich positiv überrascht, denn der Artikel versucht tatsächlich dem Phänomen “Cyber” objektiv auf den Grund zu gehen.  Daniel hat Befürworter und Gegner der Szene zu Wort kommen lassen und so beiden Seiten dieser “Bewegung” eine Plattform geboten. Der Artikel zeigt ein überraschend hohes Niveau, das ich zunächst nicht erwartet habe.  Sicher, ich bin in einigen Punkten nicht seiner Meinung, aber das muss ich auch gar nicht, denn ein solcher Artikel lässt immer Raum für die eigene Sicht der Dinge.

Ich möchte das Thema “Cyber Gothic” mit diesem Artikel für mich abschließen, denn in zahlreichen Diskussionen hier im Blog wurde das Phänomen gründlich durchleuchtet. Im folgenden Interview und meinem Fazit zeige ich, warum ich das Thema abschließen möchte:

 

Daniel Dreßler: Was sind deiner Meinung nach die Ursprünge der Cyber-Bewegung?

Robert: Der stilistische und musikalische Ursprung der Cyber-Bewegung liegt meiner Ansicht nach in den frühen 90ern, als Rave und Techno Hunderttausende Menschen mit Neonpuscheln, Mundschutz und Schweißerbrillen zur Loveparade nach Berlin lockten. Etwa um das Jahr 2000 tauchten dann die ersten „Cyber-Gothics“ auf, die die äußerlichen Stilmerkmale der Raver und Gothics verbanden. Technoide Musikrichtungen, die zu diesem Zeitpunkt in der Szene bereits häufig gehört wurden, sorgten für die nötigen musikalischen Parallelen. Ob es Raver waren, die Gothic für sich entdeckten, oder Gothics waren, die Techno mochten, sei einmal dahingestellt.

Auszug aus dem Artikel “Cyber-Gothic” von Daniel Dreßler – Quelle: Screenshot der Zillo Homepage

Daniel Dreßler: Cyber-Gothics werden in der schwarzen Szene regelrecht gescholten, weil sie nichts mit den Grundgedanken der Gothics zu tun haben. Kannst du diese Einstellung nachvollziehen, obgleich die schwarze Szene seit Anbeginn immer sehr offen für verschiedene Richtungen war?

Robert: Ich kann das durchaus nachvollziehen. Es geht im Prinzip um die Verteidigung der eigenen Schutzräume. Hier mischen sich zwei Dinge, die sich nicht vertragen können. Introvertiert trifft extrovertiert. Während sich der Gothic lieber mit geschlossenen Augen zu den Klängen und dem Text seiner Musik auf der nahezu dunklen Tanzfläche bewegt, möchte der mit Knicklichtern fuchtelnde Cyber exzessiv tanzen, seine „Moves“ darbieten und im Rampenlicht stehen.

Die musikalische Offenheit der Szene wurde ihr selbst zum Verhängnis, denn die Cyber nutzten die in der Szene aufstrebenden technoiden Musikrichtungen, um Fuß zu fassen. Die Cyber-Bewegung wuchs und für die Clubbetreiber war das damals der Zug, auf den sie aufspringen mussten, um ihren Umsatz zu steigern. Unter dem Begriff „Gothic“ auf Flyern und Party-Ankündigungen sind mittlerweile so viele unpassende Musikrichtungen vereint worden, dass der geneigte Gothic keinen Ort mehr findet, an dem er sich wohlfühlt.

Daniel Dreßler: Wie beurteilst du die Entwicklung der Cybers? Wird sich diese Bewegung etablieren, oder spricht nach ein paar Jahren keiner mehr darüber?

Robert: Ich halte diese Bewegung für eine Modeerscheinung, die ihren Zenit vielleicht schon überschritten hat. Es fehlte den Cybern immer noch an einer gemeinsamen Ideologie, einer Grundlage, die auch über die Musik und den Tanz hinaus funktioniert. Idealerweise werden sich Cyber und Gothic ausdifferenzieren und weiter in ihren eigenen Szenen entwickeln. Ob man dann in ein paar Jahren noch darüber spricht, wird davon abhängig sein, ob die Cyber es schaffen, sich eine eigenständige Szene aufzubauen.

Daniel: Kann man diese Entwicklung der Cybers nicht auch als logische Konsequenz einer Szene sehen, die seit ihren Anfängen immer kommerzieller geworden ist?

Robert: Es gibt in jeder Splittergruppe der Szene Leute, die nur konsumieren und solche, die ihre Outfits selbst basteln und kreativ sind. Die gibt es sicherlich auch in der Cyber-Szene. Deswegen würde ich nicht sagen, dass ausgerechnet die Cyber eine logische Konsequenz der Kommerzialisierung sind. Meiner Meinung nach sind sie vielmehr ein Resultat der Tatsache, dass „Gothic“ zum Modetrend mutiert und sich viele Gruppierungen hinzugesellen, die sich weder für die Ursprünge der Schwarzen Szene interessieren noch musikalisch oder vom Lebensgefühl her dazu passen.

Daniel: Welche positiven Eigenschaften kann man den Cybers zusprechen?

Robert: Ich will ehrlich sein. Bezogen auf das allgemeine Erscheinungsbild und Verhalten kann ich der Cyber-Bewegung keine positiven Eigenschaften zuordnen. Im Gegenteil. Auf der Tanzfläche habe ich Angst, erschlagen zu werden, die Musik, zu der sie sich bewegen, finde ich meist grausam und darüber hinaus stören sie mein ästhetisches Empfinden.

Daniel: Kann man eine Kultur, die sich allein auf eine – zugegeben diffuse – Endzeitästhetik reduziert nicht auch als subversiv bezeichnen? Ich sehe in dieser Bewegung oftmals Parallelen zur New Romantic Bewegung, die von den New Wavern ebenfalls aufs schärfste kritisiert wurde.

Robert: Ich empfinde weder die New Romantics noch die Cyber-Bewegung als subversiv. Beide Bewegungen haben es versäumt, ihre Form der Selbstdarstellung mit Inhalt zu füllen. Die einzigen Dinge, die bei der Cyber-Bewegung einer Endzeitästhetik entsprechen würden, sind doch ein Mundschutz mit „Biohazard-Symbol“, um vor einer vergifteten Atmosphäre zu schützen, die sogenannten „Schweißerbrillen“, die die Augen vielleicht vor dem Licht einer Atomexplosion bewahren sollen, und die farbigen Kontaktlinsen, die womöglich auf die Mutation durch radioaktive Strahlung anspielen. Neonfarbene Haarverlängerungen, bunte Puscheln, Plateauschuhe, Lackcorsagen und mit Metallringen verzierte Hosen gehören für mich nicht dazu.

Ein kurzes Fazit

Ich bin, wie gesagt, positiv überrascht. Der Artikel ist wirklich gut gelungen und zeigt auch mir einige neue Blickwinkel auf eine Szene, über die schon seit langem angeregt diskutiert wird. Ich möchte das Thema “Cyber-Szene” damit auch eigentlich ein wenig auf Eis legen, denn meiner Meinung nach wurde alles darüber gesagt, was es zu sagen gab. Sollten zukünftige Entwicklung eine Änderung abzeichnen, wird Spontis natürlich wie gewohnt darüber berichten. Die intensive Diskussion hat vielleicht einigen zu Denken gegeben, die Zeit wird zeigen ob Cyber sich etabliert oder in Wohlgefallen auflöst. Spätestens dann, wenn das Interesse der Medien nachlässt, wird sich herausstellen ob aus der Modeerscheinung eine Szene wird, oder ob sie als buntes Kapitel der Gothic-Bewegung verhallt. Jüngste Beobachtungen auf Festivals und Partys bestätigen mich in meiner Ansicht, dass Cyber und Gothic sich immer weiter voneinander entfernen. Die optische Präsenz der “Knicklichter” ist deutlich zurückgegangen, das bestätigen mir auch viele andere Szenemitglieder, mit denen ich mich darüber unterhalten habe.

Ich kann mich mit dem Zillo dennoch nicht anfreunden, auch wenn solche Artikel in mir die Hoffnung wecken, dass man einzelne Dinge endlich kritischer und objektiver beleuchtet werden.  Mein Dank geht an Daniel Dreßler, der einen wirklich lesenswerten Artikel zum Thema geschrieben hat und an Sascha Blach, den Chefredakteur des Zillo, der einer Veröffentlichung des Interviews zugestimmt hat.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.


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18 Kommentare

  1. Den Artikel hab ich gelesen. Ich frage mich jedes Mal, wieso ich mir dieses Käseblatt eigentlich noch kaufe. Aber Alternativen gibt es nicht. Orkus und Sonic finde ich noch schlechter und vor allem zu sehr an Metal gerichtet. Wieso kann es kein Magazin geben, das Spontis nahe kommt? :-)

  2. so einen artikel in der zillo? bin ehrlich erstaunt, denke aber wie du auch, dass der cyber-cultus seinen zenit überschritten hat und sich die leute nun andere kostüme suchen. leider verlassen sie aber nicht unsere szene. die neue spielwiese gothic, bietet doch so viel andere bereiche sich zu kostümieren

    Ma’a as-salama Kara Ben Nemsi

  3. Auf dem M’era konnte ich dieses Jahr die Cyber-Outfits an den Fingern abzählen. Es waren deutlich mehr Menschen mit Alien-Sex-Fiend-Shirts und Bauhaus bzw. Siouxsie anwesend. Ich lach mir ins Fäustchen und reibe mir die Hände… aber ich möchte nicht zu weit gehen, nachher ist das auch nur wieder eine Modeerscheinung ;-)

  4. Vermutlich werden zu dem Thema noch ein paar Leserbriefe folgen (gibt es sowas überhaupt noch?). Zillo kaufe ich nicht mehr, der Hauptinhalt ist Grütze, die Schreiberlinge und Chefredakteure sind mir auch völlig fremd (ganz anders bei Rock Hard und Co., wo man ja immer wieder altbekannte Namen liest, die auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken können).

    Haben die eigentlich den genauen Wortlaut übernommen oder wurden Textstellen verändert?

  5. Ansich ein schönes Interview nur finde ich den Satz: “Etwa um das Jahr 2000 tauchten dann die ersten „Cyber-Gothics“ auf, die die äußerlichen Stilmerkmale der Raver und Gothics verbanden. ”

    Ich habe noch nie so einen “Cyber” gesehen, der Rave mit Gothic verband. Im weitesten Sinne kann man vllt sagen, dass sie Elemente des Rave mit Fetisch und der Electro-Szene verbanden. Wenn ich hier wieder den Schwarzromantiker, Batcaver, Goth Rocker und Alt-Waver neben einen “Cyber” stelle, sehe ich da wirklich keine Verbindung.

  6. Piet hat Recht; als ich anno 2004 die ersten Cyber in der Matrix gesehen habe, trugen die überwiegend Lackkleidung und Lackstiefel. Gut, die Schweißerbrille war schon ein fester Bestandteil des Outfits, genauso wie bunte Haarverlängerungen, aber Biohazard-symbole, Atemschutzmasken oder dies unsagbar häßlichen Schlabberhosen in Neonfarben war da noch nicht “angesagt”

  7. Kaufe mir Zillo und Co. auch nur noch äußerst selten. Früher habe ich keine Ausgabe verpasst und kannte auch jeden Schreiber. Heute schrecken mich meistens schon die Titelbilder ab. Daran erkennt man in der Regel, wessen Plattenfirma mit einer fetten Anzeige die Lobhudelei aufs neue Album im Heft gekauft hat.

    Leider verpennen die so genannten Szenehefte auch alle echten Trends. Jetzt, wo die Cyberszene abebbt, eine Reportage darüber zu bringen ist ja schon ein Witz. Postpunk-Revival, Witchhouse, Neofolk-Szene, Minimal-Boom, etc. fanden in Zillo, Orkus und Sonic Seducer so gut wie gar nicht statt.
    Heute klicke ich mich lieber durchs Netz und informiere mich zum Beispiel hier bei Spontis, obwohl ich immer noch gerne bedrucktes Papier in Händen halte. Vielleicht solltest Du mal über eine Heftausgabe von Spontis nachdenken, Robert!

  8. Zustimmung. Bis auf den Neofolk. Dirk Hoffmann schrieb ca. Mitte der 90er eine über mehrere Ausgaben hinweg verteilte Serie darüber. Auch bekamen Di6 oder Current 93 ihre Doppel- (und Dreifach)Seiten. Das ist natürlich schon 15 bis 20 Jahre her, als diese Musik eine erste Hochphase erlebte.

    Letztlich war Zillo auch nur eine Zeitschrift der Indie-/Alternative-Szene, auch wenn es sich heute gerne als Gothic-Magazin darstellt. Gothic Rock/Dark Wave nahmen schon immer nur einen kleinen Teil des Heftes ein.

  9. @Piet: Schweißerbrillen, Neonpuscheln, Gasmasken und Knicklichter waren Stil-Elemente des Rave/Techno. Für mich griff “Cyber-Gothic” diese Merkmale auf, gerade weil auch musikalisch das selbe Programm gespielt wurde. Im Prinzip ist “Cyber” ein großer Stilmix, der die sowie schon weit verbreiteten Lack-Trend (wie Grabesmond erwähnt) um Rave erweiterte. Gothic bestand 2000 schon aus Lack und Cargo-Hosen (EBM), darauf bezieht sich auch meine Aussage, mit Gothic im eigentlichen Sinne hat das natürlich nichts zu tun.

    @Pitje: Stimmt, ich stimme Dir zu. Wie im Interview erwähnt, hat sich Cyber-Gothic selbst überholt. Die großen Szene-Magazine sind zudem einfach viel zu stark gewinnabhängig, um sich nur auf neue Trends zu stürzen. Es würde mir ja schon reichen, wenn Zilli & Co. gelegentlich mal über den Tellerrand gucken und zu mindestens einzelne Strömung völlig uneigennützig vorstellen. Aber wenn eine kleine Band schon ein paar hundert Euro berappen muss, um auf dem Sampler zu erscheinen, schränkt das natürlich die Bandbreite ein.

    Ein Magazin? Schwierig. Schon einige male drüber nachgedacht, aber nie wirklich gereift. Zum einen schätze ich den mehr oder weniger Tagesaktuellen Reiz eines Blogs und die Möglichkeit mit den Besucher in Form von Kommentare zu kommunizieren. Das würde bei einem Magazin natürlich wegfallen. Man könnte aber einen thematischen Rückblick über ein Quartal geben und die beliebtesten Beiträge in Heft-Form fassen. So ähnlich haben wir das mit dem Spontis-Treffen-Magazin zum WGT 2012 ja schon versucht. (Womit sich Sabrina höllisch viel Mühe gegeben hat). Darüber hinaus ist es natürlich auch viel Arbeit und ich weiß nicht, ob darunter nicht die Leidenschaft leiden würde. Vielleicht machen wir aber sowas wie das Spontis-Treffen-Magazin auch außerhalb des WGT, mal sehen ;)

  10. Naja, es gibt aber auch viele potenzielle Leser, die die Magazine nicht mehr kaufen, eben weil es nur noch Werbetexte zu aktuellen Bands sind, die eine starke Plattenfirma im Rücken haben. Und wenn der Kioskverkauf zurückgeht, weil die Leserschaft wegbricht, ist denen ja auch nicht geholfen.

    Ich dachte eher an ein unkommerzielles Fanzine, wie es sie früher noch recht häufig gab. Da gäbe es bestimmt eine Menge Leute aus dem Spontis-Umfeld, mich eingeschlossen, die Beiträge liefern könnten. Aber dieser Blog hier macht sicherlich schon sehr viel Arbeit, da gebe ich Dir natürlich recht.

  11. Rave ja aber von Techno war nie bunte Klamotten weder Schweißerbrille noch sonstwas das Kleidungsbild. Geh mal ins Berghain in Berlin :)

    Ansonsten eine gedruckte Ausgabe von Spontis, würde ich derzeit ablehnen. Grund, bei jedem Monat dem Drucktermin, verkommt alles zum “Muss”, ick muss noch alle Artikel einklipmpern, muss noch alle Interviews machen, muss noch Bandfotos von xyz machen …………..

    Einmal ein Jahr vielleicht wie die WGT Ausgabe evtl zu nem Kleinen Umkostenbeitrag das reicht.

  12. Da muss ich vehement widersprechen. Techno House aka Tekkno war schon immer kunterbunt. Daher kommt doch das ganze Styling. Gasmasken, Mundschutze, Neonklamotten, Biohazard-Symbole… so rannten die Tekker/Raver zu Beginn der 90er durch die Disse. Manche trugen sogar Schläuche oder Haushaltsgeräte wie Staubsauger mit sich herum. Dazu noch ‘ne Trillerpfeife und fertig war des Gruftis Feindbild No. 1. ;-)

  13. Ich kann Death Discos Aussage nur unterschreiben. So sah´s aus Anfang der 90´er. Verdammt, ich wusste doch, ich habe das alles schon mal gesehen… XD

  14. Weiß ja nicht woher ihr das kennt, aber zu Zeiten wo ich zu Robert Natus DJ Amok und Co sowie dem ganzen Zeugs aus Detroit in kleinen Kellergewölben unterwegs war gabs weder Gasmasken, staubsaugende Typen noch sonstwas und war in ganz normaler “Streetwear” unterwegs. Und wenn ihr euch auf Loveparade und Co bezieht die hatte die letzten 5 Jahren ihres bestehens soviel Aussagekraft wie das heutige Mera Luna zum gemeinen Gruftie.

  15. @ NorthernNephilim
    Das habe ich schon öfter gehört von denjenigen, die damals in der Techno-Szene involviert waren. Aber dafür habe ich es von Gruftie-Seiten viel zu sehr von der Oberfläche aus gesehen, um es beurteilen zu können. Massiv wahrgenommen eben das bunte Gezuppel, das in den Dissen tanzte und stark an die Cybers von heute erinnert, durchaus zu vergleichen mit der Loveparade. Vermutlich verhielt es sich dort ähnlich wie heute auf den “Gothic”-Festivals -- ein ursprünglicher, alternativerer Kern hat einen anderen Anspruch als das, was dann massentauglich an der Oberfläche und im Mainstream ankommt und wahrgenommen wird. Würde ich dem durchaus zugestehen, aber ich habe mich, wie gesagt, nie in den Tiefen des Techno bewegt, das war nicht unser. Die Subkulturen haben alle mit dem Übergang zum Trend an Substanz verloren. Das passiert immer. Avantgarde ist auch nur so lange Avantgarde, bis sie sich im Mainstream verloren hat.

  16. Ein wirklich sehr guter Artikel! Ich persönlich würde das Jahr 2000 als ca.-Beginn der Cyberbewegung zwar als etwas zu früh empfinden (ausgelöst wurde das Ganze kommerziell im prinzip erst durch Agonoize’s “Koprolalie” anno 2006 -- woraus sich dann auch der typische Cyber von heute entwickelte), aber gut möglich, dass “prototypen” auch schon weit zuvor das Ganze stilistisch aufgefasst haben. Technoider wurde Gothic ja bereits Ende der90er (unmittelbar nachdem die klassische Szene praktisch “tot” war).

    Die Art und Weise wie die Cyber tanzen hat durchaus Paralellen zu den 90er Technotätnzen auf LP, Mayday und Co. Da es in der technoszene aber schon seit einigen Jahren einen Minimalboom gibt (Minimal-techno, nicht Minimal-Wave…) hat sich dieser Tanz aber ziemlich verabschiedet. Die schnellen hektischen Bewegungen sind ein zeichen der 90er.

    Die Urform des Techno, also Deitroit-Techno, hinterließ auch eher einen tranceartigen Tanzzustand, welcher dann eben ab Mitte der 90er durch die Ravebewegung ins Hektische abgelöst wurde. Die schnellen Bewegungen sind daher auch ein zeichen der 90er.

    Um mal ein Beispiel für alle zu geben -- dieser Song von 1994 kann man als Paradebeispiel für Rave-Sound der 90er nehmen:
    http://www.youtube.com/watch?v=AXOZTSkO870

    (fällt euch was auf….? ;) )

    Übrigens auch sehr gute und informative Kommentare hier von Pitje. Heimfinderin hat das Ganze dann wirklich zu einem guten, ehrlichen Schluß gebracht. ;)

  17. @Pitje:
    Unkommerzielle Fanzines? Das ist nix neues im Gothic-Bereich. Seit 2008 existiert das “Dark Feather” Magazin, eben ein solches Magazin wo wir Journalistisch tätig sind und nicht marketingmännisch. Wir sind auch jederzeit offen für Schreiberlinge, die Beiträge beisteuern wollen. Schau mal rein: http://www.darkfeather.de

    Zum Thema an sich:
    Die Cybers kommen ja, wie so etliche Strömungen, aus England. Der Frank, der Betreiber der Blauen Stunde, mit dme ich mich häufiger mal länger unterhalte, hat schon mitte der 90er solche Cyber Goths in England gesichtet. Ich selbst habe zu diesem Thema eigentlich keine Meinung. Mir persönlich sind diese Cybers schlictweg egal. Habe nix mit denen zu tun…

    Dass die Zillo allmählich anfängt wieder journalistischer tätig zu werden, freut mich. Denn das war es, was die Zillo früher in den 90ern mal ausmachte. Nun ist es auch so, dass es notwenig ist sich einen neues “Image” zuzulegen. Die Auflagen der Zillo, Sonic Seducer und Orkus sind seit Jahren extrem niedrig und es gab auch schon Gerüchte, dass einer der Zeitschriften wohl dicht macht.

    Letztens habe ich mal wieder die Orkus in der Hand gehabt und war erschüttert wie inhaltsleer das Blatt doch ist. Die Interviews sind alle nicht der Rede wert gewesen und die redaktionellen Texte sowas von kurz und beliebig…

    Nochwas zum Thema Blog vs. Magazin:
    Unterschätzt mal nicht wie viel Arbeit so ein Magazin macht! Es ist ja nicht nur das Schreiben und Interviews führen. Allein so ein Layout ist unwahrscheinlich zeitaufwendig. Und auch so gibt es im Hintergrund ne ganze menge organisatorische Dinge zu beachten. Nicht umsonst erscheint z.B. das Dark Feather alle drei Monate, obwohl wir mittlerweile ein gutes eingespieltes redaktionsteam sind. Es ist wirklich ne Heidenarbeit und wenn man das als Hobby macht beinhae nicht zu stämmen. Da ist so ein Blog einfach viel pflegeleichter…

  18. Ich lasse von Zillo & Co auch die Finger; es steht schlicht und einfach zu wenig drin, was mich interessiert und teilweise bin ich auch immer wieder mal erstaunt, welche Bands in unseren “Szeneblättern” denn so auftauchen, wenn ich mal welche in den Regalen stehen sehe…Wie auch immer.
    Ansonsten: Das Interview bringt vieles auf den Punkt und das Thema dümpelt nicht nur belanglos an der Oberfläche dahin, von daher: Seien wir gespannt, was die Zukunft bringt.

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