Spontis Wochenschau #03/2014

Der Fluch und Segen unzähliger Bands auf dem Wave-Gotik-Treffen. Neulich haben wir 2 Abende dafür reserviert, uns die 110 bisher erschienen Band-Ankündigungen zum WGT 2014 probezuhören. Es ist ein Segen die Möglichkeit zu bekommen, so viele großartige Bands an einem Ort zu sehen und zu hören, man fühlt sich stellenweise wie Robingoth Crusoe auf der schwarzen Gothic-Insel. Man entdeckt, ist begeistert, ja sogar euphorisch! Es ist ein Segen neben dem ganzen weichgespülten Mist, den einige „große“ Bands so unter die Leute streuen, diese feinen und melancholische Klänge zu hören. Es ist ein Segen, dass alles in einer Stadt an einem Pfingstwochenende und zu einem vergleichsweise geschenkten Preis geboten zu bekommen. Es ist aber auch ein Fluch, wie viel schlechte Musik es gibt. Stampfende, langweilige Beats irgendwelcher Typen, die Gothic höchstens mal in einer Zeitschrift gelesen haben und das meine ich nicht nur musikalisch. Es ist ein Fluch, wie viele Genre man inzwischen bedienen muss um allen Besucher des Wave-Gotik-Treffens gerecht zu werden. Deathmetal? Wann habe ich diese Strömung verpasst? Zuckerbrot und Peitsche. Stundenlang haben wie uns die Ohren gekrault oder die Gehörgänge verbrannt. Je nach Band. Merke: Es ist nicht alles „Wave-Gotik“ wo „Wave-Gotik“ draufsteht. Ja, ich weiß, das ist jetzt keine welterschütternde Neuigkeit. Trotzdem habe ich die Augenbrauen in guter alter Spock-Manier hochgezogen. Vielleicht aber auch, weil es nur noch 2 Wochenschauen bis zum WGT und dem 4. Spontis-Treffen sind. Faszinierend!

  • Ina Wölfin – Meine ganz persönliche Sicht der Dinge | Mondbote
    Wie war das denn damals? Mache ich alles richtig? Gehöre ich dazu? Quälende Fragen. Was fehlt sind schreibende Zeitzeugen. Menschen die etwas erzählen möchten, die festhalten um die Welt nicht in Illusionen zu ertränken. Ian hat Ina (interessante Kombination) Wölfin gebeten, darüber zu schreiben: „Das war das Ziel, schockieren und in Ruhe gelassen werden mit all dem täglichen Normalowahnsinn. Sich über Tod und Teufel unterhalten können ohne dass der Gegenübersitzende schreiend die Flucht ergreift und sich dabei hektisch bekreuzigt. Über Kriege diskutieren, über Apokalypse, Weltuntergang, Atomkrieg, psychische Krankheiten, Mord und Totschlag. Dazu Musik, die genauso unterhaltsam ist wie diese Themen. Sicher wurde und wird auch über Politik geredet, doch soweit möglichdoch neutral, “sich austauschen” nennt sich das. Ohne Vorurteile zu sein gegenüber Figur und Optik eines Menschen, tolerant gegenüber jedem Thema und jeder Meinung. Doch das mag den Damen und Herren auf dem Throne unserer Demokratie nicht gut schmecken. Sind doch diese seltsamen rätselhaften gruseligen Gestalten zu undurchsichtig.
  • Zurück auf Radio Hannover: „Grenzwellen“ mit Ecki Stieg | Radioszene
    Von 1987 bis 1997 eine feste Institution bei Radio ffn, die Sendung „Grenzewellen“ mit Ecki Stieg. Nach 17 Jahren ist es wieder soweit. Ab dem 9. April senden die „Grenzwellen“ wieder bei Radio Hannover. In einem Interview erklärt Ecki Stieg, wie es zu einer Zusammenarbeit mit Radio Hannover kam und was den Hörer erwartet: „Wie werden die Grenzwellen zukünftig klingen? Ein Revival der guten alten Zeiten? Es wird definitiv keine Retro-Sendung werden. Das würde einem abgehalfterten 80er-Jahre-Star entsprechen, der sich auf die Bühne schleppt um seine größten Hits von vor 20 Jahren abzuspulen, nur um nostalgische Gefühle zu befriedigen. Ich glaube, das erwartet keiner ernsthaft von mir. Was mich immer getrieben hat, war die Neugier neue Musiken zu entdecken, unbekannte Klänge zu erforschen. Erst in der letzten Zeit bin ich hier wieder massiv fündig geworden. Es wird also ein Spagat: Ich möchte die Leute gerne dort abholen, wo ich 1997 aufgehört habe, aber sie zugleich liebevoll an die Hand nehmen, um sie in neue Welten zu entführen, die sie vielleicht noch nicht kennen, die sie aber lieben werden, wenn sie sich selbst Neugier, ein offnes Ohr und Geist bewahrt haben. Trotz der Tatsache, dass heute fast alles im Internet verfügbar ist, hoffe ich mit Dingen überraschen zu können, die der Hörer noch nicht kennt.Wohin die Reise tatsächlich geht, weiß ich selbst nicht. So eine Sendung hat zwar ein festes Grundkonzept, doch entwickelt schnell eine Eigendynamik. Es wird wie früher feste Bestandteile wie ausführliche Interviews und Specials geben. Auch mit alten, bekannten Weggefährten.“ (danke an Marlene von Dunklewelle)
  • Mitfühlen, aber nicht mitleiden | Bestatterweblog
    Ich habe immer gedacht, Bestatter wären eine ganze besondere Sorte Mensch. Irgendwie anders. Dann habe ich darüber nachgedacht, ob das nicht der ideale Traumberuf für geneigte Gothics wäre, doch hier gibt es wohl Reibungspunkte mit dem Erscheinungsbild. Wer also will Bestatter lernen? Wie die Neue Presse berichtet, steigt die Tendenz der Lehrlinge bundesweit.  „Die eigene Sterblichkeit wird ausgeblendet, verdrängt, tabuisiert. Ausgerechnet den Beruf des Bestatters zu ergreifen ist für viele erst recht unvorstellbar. Überraschend ist deshalb, dass die Branche keine Nachwuchsprobleme hat, im Gegenteil. „Es gibt bundesweit jedes Jahr 150 bis 200 Lehrlinge mit leicht steigender Tendenz“, sagt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter: „Die Nachfrage ist größer als das Angebot.““ Ist ja auch nicht blöd, die Idee, denn gestorben wird immer.
  • Neuroscience of Out-of-Body Experience | Nerdcore
    Seelenwanderung und solcherlei Unsinn ist also nichts weiter, als eine Quasi-Synästhesie.“ Verdammt und ich hatte alles so schön vorbereitet für meine nächste Nah-Tod-Erfahrung. Als Gothic (das ist wie bei den Vulkaniern) durchlebt man verschieden Phasen seines Lebens. Der Experte spricht von „Goth-Points“ als wichtigen Ereignissen, die ein echte Gruftie durchlebt haben muss. Die ersten Pikes, das erste selbstgeschneiderte Outfit, von Robert Smith träumen und eben eine anständige Nah-Tod-Erfahrung. Damit man die Seele spürt und wegen des versprochenen Films über sein Leben. Nerdcore enthüllt: Alles Quatsch! „Eine 24jährige Studentin aus Ottawa hat außerkörperliche Erfahrungen geschildert, die sie selbst steuern und auslösen konnte. Dann haben Wissenschaftler ihr Gehirn gescannt und festgestellt, dass während Out-Of-Body-Experiences eine Kombination aus der Deaktivierung der Sehrinde (Teil der Großhirnrinde und des visuellen Sytems) und gleichzeitiger Aktivierung der Teile des Gehirns darstellt, die für die mentale Bewegungswahrnehmung verantwortlich sind.
  • Ist ja nur ’ne Phase… | Confessions of a Gothmum
    Stichwort Phasen. Grufties werden manchmal Eltern. Wünschen sich „Gothic-Eltern“ eigentlich „Gothic-Kinder“? Ich meine, das mitschleifen auf Konzerte und schwarze Veranstaltungen suggeriert doch eine gewollte Konditionierung, oder? Bei der Gothmum ist soweit. Der Nachwuchs kommt in seine schwarze Phase. „…die Gothic Phase! Hatte unsere auch, ging aber vorbei!“. Meine Reaktion: „Ääääh…daß das nur eine Phase ist und vorbei geht, kann ein Irrtum sein.“ Er wieder: „Wartet’s ab…das gibt sich!“ Ich: „Ja, darauf warten meine Eltern noch immer *LOL*“ Den Wink mit dem Zaunpfahl hat er nicht verstanden… Ich mein‘, irgendwo fand ich es ja auch ziemlich niedlich von ihm, mich trösten und mir vermitteln zu wollen, daß diese pubertären Anwandlungen ganz normal sind und man als Eltern einfach darüber stehen muß, wenn die Kinder eben in die Gothic-Phase kommen. Wir hätten das ja alle in unserer Jugend durchgemacht, also solche Phasen.  Er gestand mir dann, daß er in den 80er Jahren ja mal Popper war. Ih, pfui! Das waren die mit den pastellfarbenen Lakotzhemden und den Brechlingtonsocken! Aber das habe ich ihm großmütig verziehen, das war ja nur ’ne Phase :D
  • „Es war mein Traum, meiner Mutter ein perfektes Leben zu spendieren“ | Zeit Online
    Hoffentlich kommt die Tochter von Gothmum nicht in die gleiche Phase wie Boy George. Oder hoffentlich doch? „Als meine Karriere in Fahrt kam, kaufte ich meiner Mutter umgehend ein großes Haus mit feinen Möbeln, Teppichen und so weiter. Es war mein Traum, ihr ein perfektes Leben zu spendieren. Aber leider funktioniert das ja nicht so einfach. Das Verhältnis zwischen meiner Mutter und meinem Vater war so kompliziert, dass ich lange versuchte, ihnen klarzumachen, dass sie sich trennen müssten. Meine Botschaft war: Eine Scheidung wird euch beide glücklich machen. Sie hätten ja gute Freunde bleiben können. Besonders auf meinen Vater redete ich stundenlang ein. Aber er lehnte meinen Vorschlag ab. Erst später verließ er dann meine Mutter, nach 43 Jahren Ehe – für eine jüngere Frau. Das war ein fürchterlicher Schock für mich. Ich war fassungslos. Zwar hatte ich davon geträumt, dass meine Mutter eines Tages von meinem Vater befreit sein würde, aber nicht so. In meiner Kindheit war es immer mein Vater gewesen, der davon redete, wie wichtig doch Loyalität und Familie seien. Was für ein Geschwätz.“
  • Die Blutkrähe vor der Fernsehkamera | Norddeutsche Rundschau
    Miriam Gosch, Künstlername“Bloodcrow“ ist ein sogenanntes „Gothic-Model“. Für ein Fernseh-Team des NDR hat sich die 24-jährige einen Tag lang begleiten lassen um einen Einblick in ihren Alltag zu geben. Ganz bieder verdient die Itzehoerin ihren Lebensunterhalt als technische Zeichnerin um dann in ihrer Freizeit alle Facette ihrer Persönlichkeit auszuleben. Häufig lässt sie sich von Fotograf Mathias BannickBlut brauche ich für meine Bilder nicht“ in knappen Latex-Outfits ablichten. „Huhhh! Und jetzt wird es düsterer. Das Military-Latex-Outfit passt perfekt in die Szene.“ Ich musste diese knapp 4-minütigen Bericht einfach zur Verfügung stellen. Nicht das ich daran objektiv etwas auszusetzen hätte, aber der blumige Unterton der Sprecherin und die merkwürdigen Zusammenfassungen sind schon ein paar Zitate wert. „Das Gothic Model hat eigentlich ganz normale Träume, sie will Kinder, ein Haus und eine weiße Veranda.“ Die vollständige Sendung DAS!, in der der Graf von Unheilig auch von seinem neuen Album um dem geplanten Eurovision Songcontest berichtet, will ich euch nicht vorenthalten.
  • Tiefer gelegt – Was bleibt, wenn eine Seele geht | Scobel
    Friedhofszwang, horrende Gebühren und vergiftetes Grundwasser? Gert Scobel setzt sich in seiner gleichnamigen Sendung mit dem Tod auseinander. Das wäre noch nicht spannend, schließlich ist das ein Credo der Szene. Ich fand die Sendung informativ, aufschlussreiche und hintergründig. Vielleicht ein Kontrast zu obigem Bildmaterial.  (danke an Sophia Intoleranta)

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Mone vom Rabenhorst
Mone vom Rabenhorst (@simone)
Vor 7 Jahre

Ha! Das mit dem Probehören aller Bands habe ich mir auch vorgenommen.
Aus abendlichem Zeitmangel habe ich mir die nächsten 1,5 Monate Mittagspause im Büro reserviert! (Zum Glück gibt es Kopfhörer!)
Ab Montags solls losgehen…. mal sehen, ob ich Schätze entdecke! Ich bin gespannt :-)

Irmin
Irmin (@guest_49409)
Vor 7 Jahre

Oh ja, das Probehören muss ich auch noch angehen. Bisher hab ich mir nur willkürlich hier und dort ein paar Bands rausgesucht und angehört.

Und dabei unter anderem eine wunderbare neue Doom/Death-Metal-Band gefunden, Hamferð. Sorry, Robert :>

NorthernNephilim
NorthernNephilim (@guest_49415)
Vor 7 Jahre

Meine größte WGT Band Überraschung war 2012 gewesen im Centraltheater, war also quasi „unbekannte Band vorhören“ direkt vor Ort. Dogma im Centraltheater – eine Metal Band aus Armenien, aber da drin einfach hammergeiler Sound, wirklich als wenn man deren Album über eine quadrillionen teure audiophile Anlage abspielen lässt.
(für interessierte http://www.dogma.am)

Das macht für mich nach wievor das Festival aus, man entdeckt halt ne Band bei der man sich im nachhinein ärgert warum man die nicht schon früher entdeckt hat … groß mit „Zwangsvorhören“ in Youtube beschäftige ich mich nicht .. ich lass es auf mich zukommen. und bei den Bestätigungen sind schon wirklich wieder richtig tolle Sachen dabei

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 7 Jahre

Ich schätze, mir wird es dieses Jahr einfach gemacht. Ich versuche zu Sieben und The Klinik zu kommen und da man beim WGT gelegentlich auch ganz gute Themenabende zusammenstellt, werden sich die restlichen Bands vor Ort wohl auch um das Interessensgebiet drehen können.
Wobei ich eigentlich nur bei den Brüdern Priorität setze; dort werde ich definitiv sein müssen und hoffe, dass es bei jenem klassischen Schweden-EBM wenigstens tekkerfrei zugeht. Lassen doch manche Bandbestätigungen dahingehend einiges Übel befürchten.
Ansonsten Elektro-Clubabende und der Rest ist mir ohnehin egal, weil nur Wave- und Gothik-Gedöns.

ps: Pouppée Fabrikk – Stahlwerk

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