Spontis Wochenschau #02/2015

Überrascht haben mich in den letzten Wochen meine Posteingänge. Der virtuelle und der reale. Im virtuellen Postfach landete eine E-Mail einer Redakteurin die für den WDR eine Sendung aus der Reihe „b.sucht“ recherchiert und Protagonisten aus der schwarzen Szene sucht und sich von mir Hilfe dabei versprach. Die Nachricht war ausführlich und durchaus plausibel, das Format halbwegs ansprechend. Nach einigem zögern willigte ich ein, bei der Suche zu helfen. Ich wollte die Gelegenheit ergreifen, endlich ein paar Menschen vor die Kamera zu bringen, die etwas von dem repräsentieren, was ich schwarze Szene nennen würde. Also legte ich mich in Zeug, sprach einige Menschen an, fragte nach ihrem Einverständnis, trug Informationen zusammen und schickte eine entsprechende Liste zurück. Ich weiß leider noch nicht, wer mit dabei ist und wer nicht und bleibe gespannt was dabei herauskommen wird. Meine Erfahrungen werde ich in einem Artikel zusammenfassen, wenn der entsprechende Bericht im Sommer gezeigt wird. Ich verbleibe pessimistisch. Warum, zeigte mein echtes Postfach. Kurz nachdem ich die Mail abschickte, leerte ich den echten Briefkasten, der eine Postkarte aus Meldorf offenbarte, die ein Foto von Wellen zeigt, die an Steinen zu Gischt zerschellen. Einfach so eine Postkarte, nur ein Absender und liebe Grüße. Ihr könnt euch vorstellen, welches Kopfkino losging: Meine Vorstellungen von einem guten Bericht zerschellen zu salzigem Schaum. Großartig. Ich werde den Leser auf dem laufenden halten, auch mit dieser Wochenschau:

  • Hyms from the Bedroom | Featureshoot
    (c) Poem Baker - Hymns from the BedroomDer Rand der Gesellschaft ist in ständiger Bewegung. Während unsere Gesellschaft wächst, assimiliert sie ehemalige Ränder als Teil ihrer selbst und stetig definieren neue Andersartigkeiten den Rand unserer Gesellschaft. Bunte Haare, ausrasierte Köpfe, Sicherheitsnadeln durch Ohren und Nase, weiß geschminkte Gesichter, umgedrehte Kreuze und schwarze Gewänder lassen sind längst aufgesogen, akzeptiert und beleuchtet. Heute befindet sich das Geschlecht im Randbereich unserer Wahrnehmung. Es gibt unzählige Facetten geschlechtlicher Identifikation und über Jahrhunderte gewachsene äußerliche Merkmale verwaschen im stetigen Spiel damit. Poem Baker hat in seiner Fotoserie „Hyms from the Bedroom“ Menschen porträtiert, die man heutzutage als Non-Konformisten bezeichnen könnte.
  • Auf der Suche nach den russischen Grabräubern | VICE
    Man mag von VICE halten was man möchte, es gibt jedoch einige Rosinen zu entdecken. Im November 2013 machte sich Manuel Freundt auf den Weg nach Russland, um sich auf die Spuren der „Black Diggers“ zu begeben, die auf alten Weltkriegsschlachtfeldern nach den Leichen gefallener Soldaten graben um damit in einschlägigen Portalen das schnelle Geld zu verdienen. Er trifft auch einige Reenactors, die statt mittelalterlichen Schlachten, Kämpfe aus den 2 Weltkriegen nachstellen, mit gefundenen Uniformen, alter Munition und entsprechenden Waffen. „Die Reenactors finden die Wehrmacht auf jeden Fall ziemlich toll, weil sie damals so gut „organisiert“ waren. Deswegen haben auch heute alle Naziuniformen an. Natürlich ohne Hintergedanken, wie sie uns versichern.“ Eine bizarre Welt. Das nachstellen mittelalterlicher Kämpfe gehört zum guten Ton auf jedem Mittelaltermarkt. Kinder mit Schwertern, Schilden und Helmen. Merkwürdig, dass ich beim anschauen der Dokumentation „Russian Grave Robbers“ die auf der Arbeit von Freundt beruht, ganz anders empfinde.
  • Frühlingserwachen auf Friedhofserde | Schemenkabinett
    Die Natur scheint unsterblich. Während in den Gräbern seit Jahrhunderten Gebeine dem Verfall trotzen, blüht über ihnen die Pracht des Frühlings. Schon ein bizarres Bild, wenn der Friedhof erscheint wie eine Werbebroschüre des Gartencenters, womöglich weil im ästhetischen Sinne sterbende Bäume, Nebel und Dunkelheit eher zu einem Friedhof passen würden. Und wenn dann höchstens wilder Efeu, der mit immer längeren Armen die Ruhestätten zu verdecken versucht. Nicht so in Gießen, wie das Schemenkabinett berichtet: „Auf dem Alten Friedhof, der um das Jahr 1529 aufgrund der Vielzahl von Pesttoten angelegt wurde, finden heute nur noch in Ausnahmefällen Beisetzungen statt. Viele Gräber werden daher schon seit langem nicht mehr von Trauernden besucht. Und doch wirkt es im Frühjahr so, als hätte jemand zum Gedenken der Verstorbenen überall frische Blumen gepflanzt. Ein Büschel Schneeglöckchen (Galanthus) steht direkt vor einem verwitterten Grabstein.
  • Viona’s Victorian Village | Viona-Art
    Victorian Village 2015Das viktorianische Picknick wird zum kommenden WGT 2015 nicht mehr stattfinden. Nach rund 7 Jahren, so ist als Ankündigung zu lesen, sei es Zeit für ein neues Konzept mit frischen Ideen. Und in der Tat geht man nun völlig neue Wege. Der zunehmende Strom von Touristen und Fotojägern zur großen Wiese im Clara-Zetkin-Park hat die Veranstalter möglicherweise zum Umdecken gezwungen, an den 2014 geforderten Respekt und „Code“ hat sich offensichtlich kaum jemand gehalten. Mit dem Panometer in der Richard-Lehmann-Straße hat man einen eindrucksvollen Platz gefunden, um der „Victorian Village“ zur Geburt zu verhelfen. 1910 wurde der kreisrunde Ziegelbau fertig gestellt und diente bis 1977 als „Nassgasbehälter“ für die Leipziger Energieversorgung. Aufwendig saniert bietet er nun eindrucksvolle Kulisse für das viktorianische Spektakel am Freitag, den 22. Mai 2015. Der Eintritt ist kostenlos und auch OHNE WGT-Bändchen möglich. Ein neuer Anfang?
  • Rückblick: 1. Steampunk Jahrmarkt Bochum | Webzine Tombstone
    Premiere in Bochum. Der historische Jahrmarkt in der Bochumer Jahrhunderthalle wurde durch den Steampunk Jahrmarkt bereichert. Rund 3000 begeisterte Besucher aus Deutschland, den Niederlanden und England drängten bereits zu Eröffnung in die Halle, so das man den Plan, gewandeten Besuchern den Vorzug zu gewähren, schnell fallen lassen musste um kein Chaos zu generieren. Sonja Messner vom Tombstone Webzine schreibt in ihrem reich bebilderten Artikel: „An etlichen Stellen gab es die ein oder anderen Details zu bemängeln, aber überall da wo es mal Probleme und Stilbrüche gab, machten die Akteure dies mit ihrem Charme wieder wett. Vor allem die offene und herzliche Art die einem von den Schaustellern als auch vom Orga-Personal entgegenkam, war bei den Menschenmengen und dem Gedränge bemerkenswert. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieser 1. Steampunk Jahrmarkt für die Veranstalter gerechnet hat und im kommenden Jahr wiederholt wird. Mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Szene haben die Steampunks in jedem Fall verdient.
  • 92-jährige von den Toten wieder auferstanden | Bestatter Weblog
    Heute erklären wir die Menschen im viktorianischen England für verrückt, weil sie sich Atemlöcher und ausgefeilte Klingel-Mechanismen in die Särge bauen ließen, denn heutzutage – so reden wir uns ein – passiert es nicht mehr, das noch lebenden Menschen begraben werden. Denkste. In Gelsenkirchen wachte eine für tot erklärte Frau schreiend im Kühlraum eines Bestatters auf. Was für ein Horror-Trip! Der Bestatter Weblog schreibt: „Deutschland ist eines der modernsten Länder der Welt mit einer flächendeckenden medizinischen Versorgung und einer allüberwachenden Kontrolle seiner Bürger bis in den letzten Winkel ihrer Privatsphäre. Warum ausgerechnet bei den Todesfeststellungen pauschal jeder Arzt tätig werden darf, ist da überhaupt nicht zu verstehen. Da funktioniert ja die Überwachung von Hühnerställen in Mecklenpom-Vorburgen besser!“ Leider ist die Frau ein paar Tage später doch gestorben, diesmal aber definitiv. Oder?
  • Whitby Goth Weekend 2015 | The Blogging Goth
    Ihr plant zwischen dem 23. und 26. April eine Reise nach England? Dann solltet ihr euch das Whitby Goth Weekend nicht entgehen lassen, das bereits zum 21. mal Gothics aus ganz England in den sonst beschaulichen Küstenort lockt. Auf der Bühne zu sehen: The Birthday Massacre, Abney Park, The Crüxshadows, Chameleons Vox, The Damned, Andi Sex Gang sind nur einige der 16 Bands, die von Donnerstag bis Sonntag zu sehen sein werden. Tickets für das ganze Wochenende sind für 117 britische Pfund zu erwerben. (Das sind, liebe Leser, rund 160 Euro – Das WGT (mit deutlich mehr Bands) ist dagegen geschenkt.) Das bunt-schwarze Treiben in historischer Kulisse und an den Klippen der britischen Steilküste ist allein schon einen Ausflug wert.
    https://www.youtube.com/watch?v=_B6b1DXlsf0
  • Gefährliche Tote – Hoaxilla Live in Köln | Skeptics
    Alexa und Alexander Waschkau, den meisten besser bekannt als Hoaxilla – dem skeptischen Podcast – haben in Köln einen eindrucksvollen Vortrag zum Thema Vampire gehalten. Wer endlich mal alles über Vampire wissen wollte, sollte sich dieses Video nicht entgehen lassen. „Seit Stephenie Meyer ihre modisch hippen, monogamen Glitzervampire erst aufs Papier und auf dann auf die Leinwand brachte, ist oft die Rede davon, dass nach diesem Gipfel des Schmonzettentums mit Blutsaugern kein Staat mehr zu machen sei. Aber das Gute an Untoten ist, sie sind eben nicht totzukriegen und daher werden werden auch folgende Generationen von Lesern und Kinogängern noch ihren Spaß an Vampiren und Co. haben. Dahinter stecken eine lange Erzähltradition und eine tiefverwurzelte Angst: Was tun, wenn die Toten nicht ruhen und noch aus dem Grab heraus den Lebenden an die Gurgel wollen?„(Danke an Sophie Probst, via Spontis@Facebook)

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Karlsson vom Dach
Karlsson vom Dach (@guest_50413)
Vor 6 Jahre

Dochdochdoch…es wird auch weiterhin ein Dunkelromatisches – Neo-Viktorianisches – Hippi – Goth – Picknick im Clara-Zetkin-Park geben, mal schauen wie sich das alles entwickelt. https://www.facebook.com/events/574551895981118/
Eine Zusammenfassung aller Picknicks und Treffen unsw. findet ihr auch hier : https://www.facebook.com/groups/731864893543519/

MysteraXIX
MysteraXIX (@guest_50419)
Vor 6 Jahre

Glaub mir… Norddeutsche sind extrem faul, was schreiben und sprechen anbelangt…eigentlich sogar sehr faul.
DOCH, wenn sie sich melden, dann kommt es sehr von Herzen und manche zwei Wörter bedeuten sehr viel mehr, wie die Aufsätze der Anderen.

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 6 Jahre

Ich fand die zwei Wörter toll und habe mich sehr darüber gefreut. :-) Ich würde die Wellen, die an Steinen zu Gischt zerschellen so gerne mal live sehen. Ob wir das in diesem Leben noch schaffen? Und nach Whitby würde ich auch gerne mal fahren. Ebenso zum nächsten Steampunk-Jahrmarkt. Den ersten haben wir ja leider verpasst. Danke für den Nachbericht.

MysteraXIX
MysteraXIX (@guest_50421)
Vor 6 Jahre

Ich erinnere mich sehr wage, dass wir einen bestimmten Herren schön des öfteren auf einen schwarzen Zaubertrank eingeladen haben. Jedoch zog der Herr es vor, dann lieber London und andere Ziele (die sicher sehr interessant waren, jedoch keine Alternative zur unserer Nordsee) zu besuchen.

Vielleicht findest du ja noch deutlich tiefere Argumente und kannst ihn/euch zur eine Reise in den Norden animieren?!?

Aristides Steele
Aristides Steele (@guest_50434)
Vor 6 Jahre

So ich das mitbekommen habe, fanden, erwartungsgemäß, nicht alle Leute den Ortswechsel des Picknickes samt dem neuen Konzept toll, und so wurde beschlossen im Park zu bleiben. Kann man jetzt sehen wie man will, einerseits bin ich gespannt wie sich das mit dem „Dorf“ dann so entwickelt, andererseits – mal schauen. Oder schauen lassen, WGT ist bei mir ja heuer leider aus der Planung entfallen …
Ich gehe aber mal davon aus daß die knippsende Masse nicht viel mitbekommen wird und im Park dann alles beim Alten bleibt – ist jetzt nur Spekulation, ich bin gespannt ob ich damit dann Recht behalte …

Zu der Geschichte der alten Dame fällt mir ein, da hatte ich vor einiger Zeit eine Doku gesehen über eine Frau der das schon mehrmals passiert ist:
Also, da findet man dann die Vorkehrungsmaßnahmen doch nicht mehr so skurril …

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