Retroreport: Wir war denn das nochmal?

Ende 1999 stand die Welt vor dem totalen Kollaps. Denn die Computer, die seit dem Ende der 70er zu ihrem Siegeszug in nahezu allen Bereichen des Lebens angetreten waren, kannte das neue Jahrtausend nicht. Man befürchtete, dass mit dem Datumswechsel auf den 1. Januar 2000 viele Computer ihren Dienst einstellen würden, von denen man sich in den letzten Jahren abhängig gemacht hatte. Nahezu alle Boulevard-Medien propagierten düstere Endzeit-Szenarien. Der Y2K-Bug (Millennium-Bug) war geboren, viele von euch erinnern sich daran, oder nicht?

Dann gab es da dieses irrwitzige Projekt in der Wüste von Arizona. 1991 ließen sich 8 Menschen in der „Biosphere 2„, einer gigantischen Glas-Biosphäre, einschließen um dort die nächsten Jahre als autarke Selbstversorger zu existieren. Luft, Wasser, Nahrung – alles wurde selbst produziert. Ziel war es, alternative Lebensräume auf fremden Planeten zu etablieren, da man mittlerweile erkannt hatte, dass wir unseren eigenen Planeten kontinuierlich zerstören. Das Experiment scheiterte, weil es nicht möglich war, ein stabiles Ökosystem aufzubauen und weil 8 Menschen mehr durch Intrigen glänzten, als durch Zusammenarbeit. Wisst ihr noch?

Ich muss zugeben, dass mir viele der Ereignisse zwar bekannt sind, aber mehr oder weniger spurlos an mir vorübergegangen sind. 1991 hatte ich andere Sorgen im Kopf und 2000 ist ja nichts passiert. Dachte ich. Sicherlich könnte ich jetzt stundenlang recherchieren und nachlesen, was passiert ist, doch die Seite retroreport.org hat diese Arbeit schon für mich erledigt. Die gemeinnützige Organisation hat preisgekrönte Reporter, Produzenten und Redakteure mit viel zu viel Zeit durch die Weltgeschichte geschickt, um einen zweiten Blick auf die Ereignisse zu werfen. Sie suchten Zeitzeugen auf, untersuchten originale Quellen und fassten zusammen. Damit ermöglichen sie ein Blick auf Phänomene, der ganz bewusst einen Gegenpol zur ständigen Nachrichtenflut bilden soll. Die fein säuberlich recherchierten Berichte sollen uns zur einer kritischen Betrachtung der Ereignisse anregen. Noch gibt es erst einige Berichte zu sehen, doch nach der Sommerpause soll es nahtlos weitergehen. Die englischsprachigen Reportagen sind gut verständlich und erstklassig zusammengestellt. Ideal um das kleine Tiefdruckgebiet aus Frankreich zu überbrücken.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 7 Jahre

Herrlich – ich erinnere mich an 1999 und den Millenium Bug noch sehr gut, irgendwann im November dieses Jahres stand ich in der Bayreuther Innenstadt (da hab ich noch nicht dort gewohnt), es war ein sonniger Tag, da quatschte mich ein Reporter-Team von der Seite an. Mit der Frage ob ich Angst vor dem Jahreswechsel hätte und ob ich zu dem Zeitpunkt in einen Fahrstuhl steigen würde.
Meine Antwort war, daß ich das schon tun würde, weil mich durchaus interessieren würde wie es ist in nem Lift stecken zu bleiben – heute seh ich das anders, aber die Antwort war damals in der Tat ernst gemeint :D

Ich war dann auch etwas enttäuscht daß eigentlich garnicht viel passiert ist zum Jahreswechsel …

Das Biosphären-Projekt ist mir auch noch bekannt, hat sich ja auch in diversen SciFi Werken niedergeschlagen, und so in etwa um den Zeitpunkt herum hab ich angefangen das Genre zu entdecken und zu lieben.

Schatten
Schatten (@guest_48007)
Vor 7 Jahre

Oh an den Millenium Bug kann ich mich auch noch so irgendwie erinnern und das obwohl ich da erst 4 Jahre alt war. Hab zwar von alledem eigentlich nichts wahrgenommen, aber ganz markant ist die Erinnerung, dass wir zu Silvester überall im Haus Kerzen aufgestellt haben und unsere Badewanne für den Notfall mit Wasser gefüllt war. Was da so dahinter steckte hab ich aber erst viel später erfahren.

tobikult
tobikult (@tobikult)
Vor 7 Jahre

Da sind ein paar feine Dokus dabei! Danke für den Tipp! Die Müll-Story ist ja mal der Knaller. Manchmal bin ich ganz froh, dass ich erst Jahre später von Ereignissen erfahre…

Irmin
Irmin (@guest_48013)
Vor 7 Jahre

Eine sehr interessante Seite hast du da gefunden, Robert! Die Dokus werde ich mir bei Gelegenheit mal ansehen. Das Ganze scheint ein wenig USA-lastig zu sein, aber okay, zumindest die Biosphere und Y2K sind ja schon weiter bekannt…

Über die Biosphere habe ich nur im Nachhinein gelesen. Ich fand es höchst erstaunlich, dass der menschliche Faktor so eine große Rolle spielte. Klar, ein bisschen so etwas ist immer zu erwarten, aber ich nahm an, dass man sich auf so ein großes Projekt besser vorbereitet.

Y2K hat mich auch sehr enttäuscht. Ich war erst 12 damals, dennoch habe ich beim Blick auf die Stadt vom elterlichen Wohnhaus aus schon erwartet, dass die Lichter Schlag Mitternacht erlöschen… oder so etwas Ähnliches in die Richtung. Aber es ist einfach nichts passiert. Man hat sich wohl doch recht gut darauf vorbereitet. Mal sehen, was beim nächsten solchen Ereignis 2038 passiert. Vielleicht wird es dann eindrucksvoller ;)

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