Am Morgen des 25. Mai 2026 kitzelte die Sonne meine Augenlider, die sich durch die Lücken der Jalousie in mein Zimmer stahl. Nach zögerlichem Blinzeln schreckte ich hoch, denn an diesem Tag sollte ja das Spontis-Family Treffen 2026 stattfinden. Was dann abläuft, ist Routine: Wie wird das Wetter, was ziehe ich an, habe ich alles dabei – wen werde ich treffen, werde ich mich an alle Namen erinnern, und in wie viele Konversations-Fettnäpfchen werde ich treten? Ihr werdet es lesen und euch hoffentlich gemeinsam mit mir erinnern – mehr dazu im nächsten Absatz.
In der Tat habe ich mir dieses Jahr ein bisschen Zeit gelassen, den Rückblick zu verfassen. Der gierige Alltag hat an meinen Energiereserven gezehrt. Umso froher war ich, als ich freundliche Erinnerungen in den Kommentarspalten des Blogs las, die mich mahnten, endlich mal loszulegen. Zugleich ärgerte ich mich darüber, so lange gewartet zu haben, denn in der Fülle der Eindrücke auf so einem Spontis-Treffen verschluckt jeder Tag des Wartens wichtige Details. Maren hatte dazu eine Idee, die sie mir in einer E-Mail verriet: Wir erinnern uns einfach gemeinsam. In den Kommentaren (oder auch via E-Mail) schreibt ihr also eure Erinnerungen und Eindrücke vom Treffen, die ich dann hier in den Artikel einflechte. Um euch dabei zu helfen, warten am Ende zahlreiche Bilder darauf, längst vergessene Erinnerungen zu reaktivieren.
Ich werde meinen Rückblick eher in seiner Gesamtheit beschreiben, anstatt mich darin zu verlieren, alle Gäste namentlich zu erwähnen, die an diesem wunderschönen Montag auf der Wiese hinter der Moritzbastei zu Besuch waren. Ich würde sowieso scheitern, oder? Die tragenden Gedanken sammle ich ohnehin lieber im Nachhinein, in Ruhe.
Im Anschluss an ein solches Treffen gehe ich meistens mit meinen engsten Freunden und vor allem meinem Ehegrufti etwas essen, um gemeinsam darüber zu sinnieren, was denn die tragenden Gedanken bleiben sollen. Da Orphi aber auch in diesem Jahr leider nicht dabei gewesen ist, mussten Katharina und Parm vom Schemenkabinett herhalten, um meine wirren Gedanken zu ordnen. Ich möchte hier gleich eine Anmerkung für meine Frau einflechten, denn nahezu jeder Gast des Treffens hat sie vermisst. Ich übrigens auch. Sehr. Jetzt aber ans eingemachte.
Ich fand es auch in diesem Jahr erstaunlich, wie unterschiedlich die Gästeliste war. Menschen, die ich zum ersten Mal kennenlernen durfte, mischten sich mit Weggefährten, die schon beim allerersten Treffen dabei waren. Ich habe einmal geschrieben, dass das Family-Treffen eine Art Grufti-Bahnhof zu sein scheint: ein Ort, an dem man sich begegnet, sich vielleicht kennenlernt und von dem aus man in die Szene aufbricht – tiefer hinein, quer hindurch oder auch wieder hinaus. Und genau das ist es, was ich Jahr für Jahr auf dem Bahnsteig beobachte: Ständig steigen Leute aus, die ich noch nie gesehen habe. Andere sind bei jeder Abfahrt dabei. Und manche tauchen nach zwei, fünf, sieben Jahren plötzlich wieder auf, als wären sie nie weg gewesen – ein Zug, den man längst abgeschrieben hatte, läuft doch noch einmal ein.
Im Grunde macht das Treffen an einem einzigen Tag sichtbar, was Spontis das ganze Jahr über tut: Menschen kommen in die Szene, erkunden sie, verlieren sich, kehren zurück. Der Blog ist das Streckennetz – das Treffen der Bahnhof, auf dem einmal im Jahr alle Linien zusammenlaufen.
Und dann fällt mir ein, seit wann das eigentlich schon so geht. Das erste Family-Treffen war 2011. Fünfzehn Jahre. Ich lasse das mal einen Moment stehen. Fünfzehn Jahre, in denen Leute ausgestiegen, umgestiegen, verschwunden und wiedergekommen sind – manche waren beim ersten Mal noch keine zwanzig, manche bringen inzwischen ihre Kinder mit.
Und manche sind nicht mehr da. In fünfzehn Jahren steigt nicht nur jemand zu – es fährt auch mancher ab, ohne dass ein Zug ihn zurückbringt. Es gab Gesichter auf den frühen Treffen, die ich nie wieder auf einem Bahnsteig sehen werde. Ich denke an sie, gerade an so einem Tag, an dem alle anderen wiederkommen.
Dabei wechsle ich zwischen Nostalgie, Erinnerung und diesem Gedanken „Wo habe ich diesen Menschen schon einmal gesehen?“ im Sekundentakt. Ein aufmerksamer Gast stellte dieses Jahr in einer persönlichen Nachricht nach dem WGT die Frage, ob mit mir alles in Ordnung gewesen sei.
Erstaunt hat mich vor allem, dass das überhaupt aufgefallen ist. Denn eigentlich bin ich ein introvertierter Typ, der mit wenig Menschen und noch weniger Extrovertiertheit bestens auskommt – nur an diesem einen Tag fahre ich für die Community aus meiner Haut. Ich versuche, jeden Besucher zu begrüßen und jedem gerecht zu werden, und das setzt mich gehörig unter Strom. Ohne meine Bremse Orphi war das diesmal umso spürbarer. Aber ja: Es war alles in Ordnung. Im besten Sinne anstrengend – nach hinten raus lohnt es sich.
Aber genug vom Bahnsteig-Stress, kommen wir zum Schönen – und davon gab es reichlich. Alle auf dem Treffen zeigten sich unglaublich offen und gesprächsbereit, und es war eine wahre Wonne, dabei zuzusehen, wie überall Gespräche, Begegnungen und Kooperationen entstanden. So brachte ich die „Österreich-Connection“ zusammen: Die Fotografin und die Teehändlerin wollen künftig gemeinsam einen Bericht über Tee bebildern – der dann, wenn er fertig wird, natürlich hier im Blog erscheint. Vanessa und ihren Zukünftigen habe ich wiedergesehen, und wir konnten die Pläne für einen Bericht über den WGT-Zeltplatz festigen.
Birgit und Peter haben wieder einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen. Peter brachte selbstgebastelte Fledermaus-Anstecker mit, einen selbstgemachten Spontis-Zeitschriftenhalter und jede Menge Understatement. Dazu bekam ich eine ganze Tüte voller potenzieller Spontis-Ohrringe – und ein Gast hatte sogar ein Buch dabei, das Orphi geschenkt bekommen hatte, was ich ihr natürlich sofort erzählte. Aber auch ich kam nicht mit leeren Händen: Ich hatte den brandneuen Spontis-Beutel dabei und fleißig verteilt – gefertigt aus dem „Restgeld“ der letzten Spontis-Sammelaktion für das Magazin 2025.
Und das ist nur das, was bei mir hängengeblieben ist – ein einzelner Bahnsteig, aus einem einzelnen Blickwinkel. Ihr wart an Ecken des Treffens, die ich gar nicht gesehen habe, habt Gespräche geführt, die an mir vorbeigingen, und Momente erlebt, für die ich in dem ganzen Trubel keinen Blick hatte. Genau die fehlen mir hier noch.
Deshalb nehme ich Marens Idee beim Wort: Wir erinnern uns gemeinsam. Schreibt in die Kommentare oder per E-Mail, was euch geblieben ist – eine Begegnung, ein Satz, ein Moment, und sei er noch so klein. Ich flechte eure Erinnerungen hier in den Artikel ein, damit am Ende nicht nur mein Bahnsteig zu sehen ist, sondern das ganze Streckennetz.
Ach ja – die Fragen vom Anfang. Der Vollständigkeit halber: Das Wetter war großartig, meine Klamottenwahl konservativ und erwartbar unaufregend, und die Fettnäpfchen, die zweifellos irgendwo auf mich warteten, habe ich unterwegs offenbar elegant umkurvt. Oder bin so beherzt hineingetreten, dass ich es gar nicht gemerkt habe.
Und damit die Erinnerung leichter zurückfindet, warten unten die Bilder. Vielleicht taucht ja auf dem einen oder anderen ein Gesicht auf, bei dem auch ihr euch fragt: Wo habe ich diesen Menschen schon einmal gesehen?



Huhu Robert,
ich war leider diesmal etwas hektisch,obwohl ich nach drei Jahren das erste Mal wieder dabei war.
Es war trotzdem extrem schön.
Besonders habe ich mich gefreut Adrian und Waldemar mal wider zu sehen und sich auf den neuesten Stand zu bringen.
Außerdem war es schön zu sehen wie viel Freudedie Bücher geschenkt haben, die ich aussortiert und zum verschenken mitgebracht hatte.
Andrea mit, der ich schon letztes Jahr intensiv in der Bahn auf dem Weg zum Zirkus des Horrors gesprochen hatte und mit der ich mich dann wegen Eile nicht vernetzen konnte, hat jetzt meinen Kontakt.
Wir hatten ja zum Glück schon auf der GPP etwas geschwatzt.
Nächste Mal bringe ich wider mehr Zeit mit.
Versprochen und danke für Alles 😽.
PS:
Mit deiner Aussage bezüglich der Heimatstadt könntest du recht haben merke ich zur Zeit 😲.
Viele schöne Menschen sind auf den Bildern zu sehen.
Das erinnert mich an die Deutsche Bahn… :-)