Schlechte Ticketverkäufe und Clubsterben: Zu viel Drama und zu wenig Miteinander

Im vergangenen Jahr berichtete ich bei Spontis über einen Fall, der das Problem gut auf den Punkt bringt: Bei der zweitägigen Geburtstagsparty von Schwarzes Leipzig Tanzt liefen die Vorverkäufe mehr als schleppend – es drohte das Aus. Erst ein Eventtag weniger rettete die Veranstaltung, die dann doch noch erfolgreich stattfand.

Eine Never Ending Story

So wie ihnen ergeht es vielen. Jüngst war es die Electroband Rotersand, bei der die Ticketverkäufe nicht zufrieden stellenden waren. Um dem entgegen zu wirken, starteten sie für ihr Konzert in Braunschweig einen Aufruf. Wer für die Veranstaltung eine Konzertkarte kaufte, durfte Zwei weitere Personen kostenlos mitbringen. Der Plan ging auf und so fand auch diese Veranstaltung, am 15. Mai 2026, statt.

Nun hat es leider die Label Night von Young & Cold Records erwischt. Wie sie auf ihrer Facebook-Seite mitteilten, wird die Veranstaltung, am 20. Juni 2026, nicht stattfinden. Grund dafür, wie sollte es anders sein, sind die schlechten Kartenvorverkäufe.

Der Schein trügt!

Tatsächlich kann man das Phänomen, von schleppenden Vorverkäufen, aber nicht pauschalisieren. Denn die Karten für Künstler wie X Mal Deutschland Frontfrau Anja Huwe oder Alexander Veljanov waren beispielsweise in Leipzig schnell abverkauft. Auch Events wie das Cold Hearted Festival in Dresden oder die Gothic Pogo Party zu Pfingsten erfreuen sich großer Beliebtheit. Selbst Philipp Boa füllte Dezember 2025 die Leipziger Moritzbastei an ganzen Drei Tagen. Und obwohl der Aufschrei bei überteuerten Konzerttickets riesig ist, ziehen Bands wie Depeche Mode oder The Cure die Leute magisch an.

Dass hier ein Raritäten Bonus zum Zuge kommt, darf man sicher nicht außer Acht lassen. Für viele sind diese Künstler Ikonen. Sie sind nicht nur Bestandteil der frühen Schwarzen Szene, sie waren für viele sogar wegweisend. Von der Jugend an dabei, in allen Lebenslagen. Und keiner weiß wie oft die Helden der Jugend noch auf die Bühne gehen. Oder wann vielleicht Mal wieder.

Ich möchte schlechte Ticketverkäufe keineswegs klein reden. Es gibt sie! Es zeigt sich aber auch, dass unsere Szene durchaus gewillt ist, an Veranstaltungen teilzunehmen. Die Karten sogar im Vorverkauf zu holen. In meinen Augen sind Probleme wie Clubssterben und fehlende Kartenverkäufe hausgemacht! Dass ich mich mit dieser Aussage weit aus dem Fenster lehne, ist mir bewusst. Ich bin aber der Meinung, dass es Zeit wird, sich den Gegebenheiten anzupassen.

Weniger ist mehr…

Einer, der sich dazu schon Gedanken gemacht hat, ist Oswald Henke. In einem Facebookbeitrag ließ er wissen, dass er vorerst nicht alle Konzerte von Goethes Erben für 2027 in den Vorverkauf geben möchte. Henke will die Entwicklung erst einmal abwarten. Konzerte wolle er weder absagen noch verschieben müssen. Es steht sogar die Überlegung im Raum, weniger Konzerte zu geben. Gar den Fokus auf größere Städte zu legen – weg vom ländlichen Raum.

Aber ist das wirklich eine Lösung?! Vor allem in großen Städten ist die Auswahl an Konzerten und Partys teilweise riesig. Warum also noch mehr Veranstaltungen dorthin verlagern? Dass Konzerte oder Clubs dann schlecht besucht werden, ist eine logische Schlussfolgerung. Und solange man an einem Ort die Veranstaltungen parallel laufen lässt, wird sich an der Situation wenig ändern. Statt sich also gegenseitig das Publikum zu nehmen, sollte man lieber an einer besseren Verteilung arbeiten. Ich sage:

Schafft den Überfluss ab und entwickelt mehr Rarität! Lasst Veranstaltungen wieder zu etwas Besonderem werden!

Wie wäre es also, wenn man weg vom klassischen Konzert geht und lieber viel mehr kleine Festivalabende veranstaltet?! So wie es zum Beispiel beim Cold Hearted Festival oder der Hell Nights der Fall ist! Bietet den Leuten wieder etwas für ihr Geld! Persönlich bin ich großer Fan davon, wenn es nach Konzerten Aftershow-Partys gibt. Man ist direkt vor Ort und muss nicht erst noch losziehen. Der Eintritt ist im Kartenpreis schon enthalten. Meiner Wahrnehmung nach ist so etwas noch viel zu wenig vertreten.

Und bevor man Konzerte wirklich von ländlichen Regionen in Großstädte verlagert, sollten einige Bands generell die Entfernung der Spielorte mal überdenken! Nützt es einem wirklich etwas, wenn man Konzerte an zwei Orten stattfinden lässt, die nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind? Riskiert man an der Stelle nicht halbleere Locations?

Oder warum benötigt jede Party ihren eigenen Veranstaltungsort?! Wäre es nicht sinnvoller, wenn man einen festen Anlaufpunkt für die Szene schafft? So wäre man auch nicht gezwungen, die Orte für Stino-Partys etc. weiterzuvermieten. Fällt es in der Szene wirklich so schwer, zusammen an einem Strang zu ziehen?!?

Die Szene ist gefragt!

Natürlich ist es nicht nur an den Veranstaltern und Bands, ihre Angebote lukrativ zu gestalten und so Interesse zu wecken. Auch wir, die Konsumenten haben es in der Hand, wie es mit Veranstaltungen weitergeht.

  • Bleibt neugierig! Lasst die großen Festivals, welche jedes Jahr die gleichen erfolgreichen Bands auf die Bühne stellen, einfach Mal links liegen! Unterstützt junge Bands, unbekannte Künstler und kleine Labels, in dem ihr euer Augenmerk auf sie richtet. Geht zu deren Veranstaltungen und Konzerten! Verbreitet deren Musik.
  • Kauft die Karten im Vorverkauf! Mit Hilfe eurer Kartenkäufe können erste Ausgaben für die Veranstaltungen gedeckt werden. Vorallem für kleine Bands und Labels ist es wichtig. Ich weiß, dass wir spätestens seit Corona, von einer Krise in die nächste rutschen. Jeder muss Prioritäten setzen. Aber Konzertkarten für kleine Künstler sind wesentlich günstiger als die von den bekannten Musikern.
  • Und den Miesepetern in der Szene sei gesagt: Hört auf, neue Konzepte madig zu machen oder andere dafür zu belächeln, weil sie es begrüßen! Wenn euch zum Beispiel Partyveranstaltungen am Sonntagnachmittag nicht zusagen, dann bleibt halt fern! Niemand wird euch zwingen hinzugehen! Solche Veranstaltungen werden auch nicht den Tod für Partynächte bedeuten. Es ist aber ein Widerspruch über Clubssterben zu jammern und Ideen Anderer dann schlecht zu machen!

Wie seht ihr Spontis-Leser das?! Hat sich die Szene, mit ihrem Überfluss an Möglichkeiten, selbst in diese Lage gebracht? Sollten Musiker, Labels, DJs und Veranstalter viel enger zusammenarbeiten und gemeinsam tolle Events auf die Beine stellen? Events, die endlich wieder Interesse wecken – und dazu führen, dass wieder deutlich mehr im Vorverkauf gekauft wird?

Kommentare

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Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 1 Stunde

Meine Beobachtung bei Konzerten ist, dass Aftershow-Parties leider meist nicht so gut angenommen werden. Der Großteil vom Publikum verschwindet nach dem (letzten) Konzert schnell wieder und der Rest, der bleibt, braucht oft sehr lange, um wieder in die Gänge zu kommen, sprich auch zu tanzen. Bis dahin sind weitere gegangen, weil es zu lange dauert, bis Partystimmung aufkommt.
Ich finde das schade, weil man ja beim Konzert meist auch Lust bekommt, sich zu Musik zu bewegen und das während man mehr oder weniger dichtgedrängt steht, oft nicht so gut ausleben kann. Außerdem hat man sich ja schon extra aus dem Haus begeben, also entfällt die Hürde, sich für eine Party auf den Weg machen zu müssen.

Allerdings finden Konzerte auch oft innerhalb der Woche statt, da ist es dann verständlich, wenn nicht jeder die Nacht zum Tage machen kann, sondern viele tags darauf früh raus müssen.

Ich denke, es hat auch mit dem Älterwerden der Szene zu tun, dass nicht mehr so viel „mitgenommen“ wird. Man hat schon vieles erlebt, gesehen, mitgemacht, außerdem ist bei vielen der Alltag fordernd, man steckt es mit Ü40 nicht mehr so leicht weg wie mit Anfang, Ende 20, die Nacht zum Tage zu machen. Da wird dann schon abgewogen, wo hingegangen wird, und wenn die Tagesform ein großes Fragezeichen ist, fällt es manchen schwer, im Voraus zu planen und frühzeitig Tickets zu kaufen. Bei Bands, die eh immer schnell ausverkauft sind, ist der Anreiz größer, sich rechtzeitig zu kümmern. Das ist natürlich fatal für die kleineren Veranstalter! Aber ich fürchte, dass sich da nicht so wahnsinnig viel ändern wird in Zukunft. Dazu müsste so ein Aufruf, doch mehr Unterstützung für die Szene zu bieten, viel mehr Reichweite haben und zugleich auf den Willen treffen, sich öfter aus der Komfortzone zu bewegen. Da seh ich ehrlich gesagt eher schwarz.

Was Konzerte betrifft, hab ich schon immer lieber kleinere Veranstaltungen besucht, keine Mega-Events. Zweimal The Cure in den 90ern hat mir gereicht, danach war ich geheilt von dem Wunsch, „Szenegrößen“ sehen zu wollen.
Aus meinem Umfeld gehen auch viele vor allem zu kleineren Konzerten.

Letzte Bearbeitung Vor 59 Minuten von Tanzfledermaus

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