Schlechte Ticketverkäufe und Clubsterben: Zu viel Drama und zu wenig Miteinander

Im vergangenen Jahr berichtete ich bei Spontis über einen Fall, der das Problem gut auf den Punkt bringt: Bei der zweitägigen Geburtstagsparty von Schwarzes Leipzig Tanzt liefen die Vorverkäufe mehr als schleppend – es drohte das Aus. Erst ein Eventtag weniger rettete die Veranstaltung, die dann doch noch erfolgreich stattfand.

Eine Never Ending Story

So wie ihnen ergeht es vielen. Jüngst war es die Electroband Rotersand, bei der die Ticketverkäufe nicht zufrieden stellenden waren. Um dem entgegen zu wirken, starteten sie für ihr Konzert in Braunschweig einen Aufruf. Wer für die Veranstaltung eine Konzertkarte kaufte, durfte Zwei weitere Personen kostenlos mitbringen. Der Plan ging auf und so fand auch diese Veranstaltung, am 15. Mai 2026, statt.

Nun hat es leider die Label Night von Young & Cold Records erwischt. Wie sie auf ihrer Facebook-Seite mitteilten, wird die Veranstaltung, am 20. Juni 2026, nicht stattfinden. Grund dafür, wie sollte es anders sein, sind die schlechten Kartenvorverkäufe.

Der Schein trügt!

Tatsächlich kann man das Phänomen, von schleppenden Vorverkäufen, aber nicht pauschalisieren. Denn die Karten für Künstler wie X Mal Deutschland Frontfrau Anja Huwe oder Alexander Veljanov waren beispielsweise in Leipzig schnell abverkauft. Auch Events wie das Cold Hearted Festival in Dresden oder die Gothic Pogo Party zu Pfingsten erfreuen sich großer Beliebtheit. Selbst Philipp Boa füllte Dezember 2025 die Leipziger Moritzbastei an ganzen Drei Tagen. Und obwohl der Aufschrei bei überteuerten Konzerttickets riesig ist, ziehen Bands wie Depeche Mode oder The Cure die Leute magisch an.

Dass hier ein Raritäten Bonus zum Zuge kommt, darf man sicher nicht außer Acht lassen. Für viele sind diese Künstler Ikonen. Sie sind nicht nur Bestandteil der frühen Schwarzen Szene, sie waren für viele sogar wegweisend. Von der Jugend an dabei, in allen Lebenslagen. Und keiner weiß wie oft die Helden der Jugend noch auf die Bühne gehen. Oder wann vielleicht Mal wieder.

Ich möchte schlechte Ticketverkäufe keineswegs klein reden. Es gibt sie! Es zeigt sich aber auch, dass unsere Szene durchaus gewillt ist, an Veranstaltungen teilzunehmen. Die Karten sogar im Vorverkauf zu holen. In meinen Augen sind Probleme wie Clubssterben und fehlende Kartenverkäufe hausgemacht! Dass ich mich mit dieser Aussage weit aus dem Fenster lehne, ist mir bewusst. Ich bin aber der Meinung, dass es Zeit wird, sich den Gegebenheiten anzupassen.

Weniger ist mehr…

Einer, der sich dazu schon Gedanken gemacht hat, ist Oswald Henke. In einem Facebookbeitrag ließ er wissen, dass er vorerst nicht alle Konzerte von Goethes Erben für 2027 in den Vorverkauf geben möchte. Henke will die Entwicklung erst einmal abwarten. Konzerte wolle er weder absagen noch verschieben müssen. Es steht sogar die Überlegung im Raum, weniger Konzerte zu geben. Gar den Fokus auf größere Städte zu legen – weg vom ländlichen Raum.

Aber ist das wirklich eine Lösung?! Vor allem in großen Städten ist die Auswahl an Konzerten und Partys teilweise riesig. Warum also noch mehr Veranstaltungen dorthin verlagern? Dass Konzerte oder Clubs dann schlecht besucht werden, ist eine logische Schlussfolgerung. Und solange man an einem Ort die Veranstaltungen parallel laufen lässt, wird sich an der Situation wenig ändern. Statt sich also gegenseitig das Publikum zu nehmen, sollte man lieber an einer besseren Verteilung arbeiten. Ich sage:

Schafft den Überfluss ab und entwickelt mehr Rarität! Lasst Veranstaltungen wieder zu etwas Besonderem werden!

Wie wäre es also, wenn man weg vom klassischen Konzert geht und lieber viel mehr kleine Festivalabende veranstaltet?! So wie es zum Beispiel beim Cold Hearted Festival oder der Hell Nights der Fall ist! Bietet den Leuten wieder etwas für ihr Geld! Persönlich bin ich großer Fan davon, wenn es nach Konzerten Aftershow-Partys gibt. Man ist direkt vor Ort und muss nicht erst noch losziehen. Der Eintritt ist im Kartenpreis schon enthalten. Meiner Wahrnehmung nach ist so etwas noch viel zu wenig vertreten.

Und bevor man Konzerte wirklich von ländlichen Regionen in Großstädte verlagert, sollten einige Bands generell die Entfernung der Spielorte mal überdenken! Nützt es einem wirklich etwas, wenn man Konzerte an zwei Orten stattfinden lässt, die nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind? Riskiert man an der Stelle nicht halbleere Locations?

Oder warum benötigt jede Party ihren eigenen Veranstaltungsort?! Wäre es nicht sinnvoller, wenn man einen festen Anlaufpunkt für die Szene schafft? So wäre man auch nicht gezwungen, die Orte für Stino-Partys etc. weiterzuvermieten. Fällt es in der Szene wirklich so schwer, zusammen an einem Strang zu ziehen?!?

Die Szene ist gefragt!

Natürlich ist es nicht nur an den Veranstaltern und Bands, ihre Angebote lukrativ zu gestalten und so Interesse zu wecken. Auch wir, die Konsumenten haben es in der Hand, wie es mit Veranstaltungen weitergeht.

  • Bleibt neugierig! Lasst die großen Festivals, welche jedes Jahr die gleichen erfolgreichen Bands auf die Bühne stellen, einfach Mal links liegen! Unterstützt junge Bands, unbekannte Künstler und kleine Labels, in dem ihr euer Augenmerk auf sie richtet. Geht zu deren Veranstaltungen und Konzerten! Verbreitet deren Musik.
  • Kauft die Karten im Vorverkauf! Mit Hilfe eurer Kartenkäufe können erste Ausgaben für die Veranstaltungen gedeckt werden. Vorallem für kleine Bands und Labels ist es wichtig. Ich weiß, dass wir spätestens seit Corona, von einer Krise in die nächste rutschen. Jeder muss Prioritäten setzen. Aber Konzertkarten für kleine Künstler sind wesentlich günstiger als die von den bekannten Musikern.
  • Und den Miesepetern in der Szene sei gesagt: Hört auf, neue Konzepte madig zu machen oder andere dafür zu belächeln, weil sie es begrüßen! Wenn euch zum Beispiel Partyveranstaltungen am Sonntagnachmittag nicht zusagen, dann bleibt halt fern! Niemand wird euch zwingen hinzugehen! Solche Veranstaltungen werden auch nicht den Tod für Partynächte bedeuten. Es ist aber ein Widerspruch über Clubssterben zu jammern und Ideen Anderer dann schlecht zu machen!

Wie seht ihr Spontis-Leser das?! Hat sich die Szene, mit ihrem Überfluss an Möglichkeiten, selbst in diese Lage gebracht? Sollten Musiker, Labels, DJs und Veranstalter viel enger zusammenarbeiten und gemeinsam tolle Events auf die Beine stellen? Events, die endlich wieder Interesse wecken – und dazu führen, dass wieder deutlich mehr im Vorverkauf gekauft wird?

Kommentare

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Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 26 Tagen

Meine Beobachtung bei Konzerten ist, dass Aftershow-Parties leider meist nicht so gut angenommen werden. Der Großteil vom Publikum verschwindet nach dem (letzten) Konzert schnell wieder und der Rest, der bleibt, braucht oft sehr lange, um wieder in die Gänge zu kommen, sprich auch zu tanzen. Bis dahin sind weitere gegangen, weil es zu lange dauert, bis Partystimmung aufkommt.
Ich finde das schade, weil man ja beim Konzert meist auch Lust bekommt, sich zu Musik zu bewegen und das während man mehr oder weniger dichtgedrängt steht, oft nicht so gut ausleben kann. Außerdem hat man sich ja schon extra aus dem Haus begeben, also entfällt die Hürde, sich für eine Party auf den Weg machen zu müssen.

Allerdings finden Konzerte auch oft innerhalb der Woche statt, da ist es dann verständlich, wenn nicht jeder die Nacht zum Tage machen kann, sondern viele tags darauf früh raus müssen.

Ich denke, es hat auch mit dem Älterwerden der Szene zu tun, dass nicht mehr so viel „mitgenommen“ wird. Man hat schon vieles erlebt, gesehen, mitgemacht, außerdem ist bei vielen der Alltag fordernd, man steckt es mit Ü40 nicht mehr so leicht weg wie mit Anfang, Ende 20, die Nacht zum Tage zu machen. Da wird dann schon abgewogen, wo hingegangen wird, und wenn die Tagesform ein großes Fragezeichen ist, fällt es manchen schwer, im Voraus zu planen und frühzeitig Tickets zu kaufen. Bei Bands, die eh immer schnell ausverkauft sind, ist der Anreiz größer, sich rechtzeitig zu kümmern. Das ist natürlich fatal für die kleineren Veranstalter! Aber ich fürchte, dass sich da nicht so wahnsinnig viel ändern wird in Zukunft. Dazu müsste so ein Aufruf, doch mehr Unterstützung für die Szene zu bieten, viel mehr Reichweite haben und zugleich auf den Willen treffen, sich öfter aus der Komfortzone zu bewegen. Da seh ich ehrlich gesagt eher schwarz.

Was Konzerte betrifft, hab ich schon immer lieber kleinere Veranstaltungen besucht, keine Mega-Events. Zweimal The Cure in den 90ern hat mir gereicht, danach war ich geheilt von dem Wunsch, „Szenegrößen“ sehen zu wollen.
Aus meinem Umfeld gehen auch viele vor allem zu kleineren Konzerten.

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Tanzfledermaus
Timper
Timper (@guest_68416)
Vor 26 Tagen

Viele gute Gedanken. Ich war letztens bei Night in Athens. Es war ausverkauft. Schöne Veranstaltung. Das Überschneiden ist leider wirklich ärgerlich aber oft kaum vermeidbar. Das reduziert dann bedauerlicherweise wirklich die Besucher. Und in der Tat finde ich Festival manchmal besser. Da bekommt man verschiedene Bands zusehen und das ist dann recht interessant.

Timper
Timper (@guest_68422)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 26 Tagen

Um das auseinander zu ziehen und auch auf die Wochentage zu verlegen, müsste es einfach mal früher anfangen und nicht erst ab 20 oder 21:00 Uhr. Zb 18.30 / 19 Uhr. Da würde ich mich drüber freuen und teilnehmen.
Es gibt Leute, die fangen früher an, als erst um neun. Und es gibt auch Leute, die haben keine Gleitzeit..
Dass ein Wochenende nur Freitag Samstag Sonntag hat, sollte bekannt sein. Also muss man sich einfach mal Gedanken machen, ob man vielleicht früher die Konzerte in der Woche anfangen lässt und dann auch mehr Besucher bekommt. Wenn der Wecker um fünf klingelt, ist es leider etwas blöd , wenn das Konzert erst gegen Mitternacht endet.
So bleibt es das sich alles am Freitag/ Samstag ballt und überschneidet.
Auf zwei Hochzeiten kann niemand tanzen

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Timper
Ich
Ich (@guest_68417)
Vor 26 Tagen

Als sich angesprochen gefühlter Spontisleser sage ich: Ja!

Das Clubsterben, zumindest hier im Südwesten, ist seit einer ganzen Weile Hausgemacht und von den „großen“, die sich im alten Glanz vergangener Zeiten suhlen, forciert. Kleineren Veranstaltungen wird hier kaum ein Forum geboten um sie auch schön klein zu halten, schließlich nimmt man den anderen ja die zahlende Kundschaft weg. Auch wenn zig Kilometer zwischen den Veranstaltungen liegen. Vielen neuen Veranstaltern wird leider nicht das Schwarze unter den Nägeln gegönnt. Gerade, wenn man keiner aus dem „engen Kreis“ der noch verbliebenen Etablierten stammt. Ich habe es selbst mitbekommen und konnte es kaum glauben – dabei dachte ich man wäre „eine Szene“ und „zöge am gleichen Strang“. Doch gerade das scheint vielen nicht zu schmecken. Flyer dürfen nicht ausgelegt werden und werden sogar versteckt. Seiten verweigern die Werbung von anderen Veranstaltungen und negative Propaganda über neue Locations wird gestreut. Das Ergebnis, das sich über die Jahre angebahnt hatte, kann man nun beobachten: Die immerwährenden einfallslosen und gleichen Parties bleiben leerer als erwartet. Die immer gleiche Musik lässt nur die „Alten“, die ihre zwei Klassiker hören wollen, verweilen. Andere Veranstaltungen müssen das Aus anmelden und im Grunde konzentriert sich alles in einem Eck auf wenige oder einen Club. Bis auf ein paar Freigeister, die ich hier auch kennenlernen durfte und die zudem großartige Partys veranstalten, bleibt nichts vom DIY Charme und der Abwechslung, die ich einst auch bei den größeren Veranstaltungen hin und wieder fand.

Doch es gibt sie noch! Hier und da traut sich immer mal wieder ein kleines Licht am Horizont durch die Wolken zu scheinen. Dann ist es halt nicht der Schickimicki Club für 12€ Eintritt in dem man als Fahrer 5€ für ein Wasser ausgeben muss/kann/soll, sondern die Undergroundparty für einen schmalen Taler bei der das (zugegebenermaßen nicht eiskalte aber wohlschmeckende) Bier für 3€ zu haben ist und das Wasser sogar kostenlos. Glaubt ihr nicht? Wer suchet der findet ;) Man muss halt dann doch die oben angesprochenen „paar Kilometer“ weiter fahren. Und noch ein Wunder: Da ist das Publikum im Durchschnitt dann doch eher 30 als 50, es gibt noch Nachwuchs :)

Rush
Rush(@vowag)
Vor 26 Tagen

Hallo!
Mir ist nach dem Lesen Rotersand im Kopf geblieben und mir kam folgender Gedanke: Kann es sein, daß Bands sich durch regelmäßige / häufige Festivalauftritte ein stückweit „verbrennen“? Also im Sinne, daß die Leute dann nicht nochmal extra Ticket kaufen.
Beispiel: Ich freue mich auf Diary of Dreams auf dem Amphi. Aber für 50€ pro Ticket nochmal separat im Herbst hin? Weiß ich nicht…
Da fällt mir auf: viele beschweren sich über die steigenden Ticketpreise der Festivals, aber die sind aus meiner Sicht für das Gebotene dann doch noch im Rahmen.
Grüße,
Rush

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Rush
Vor 26 Tagen

Das kann natürlich auch ein Grund sein – aber: die Spielzeiten bei Festivals sind doch immer sehr begrenzt und einige Bands spielen bei einzel Gigs deutlich länger und auch nicht nur ihre üblichen Hits. Da lohnt sich ein einzelnes Ticket schon. Festivals sind manchen auch einfach zu anstrengend oder treffen den persönlichen Geschmack oft nur zum Teil – wozu noch andere Bands mitnehmen müssen, die man gar nicht sehen will (vorausgesetzt, man hat sich vorher schon mit ihnen beschäftigt und lehnt nicht einfach pauschal ab) , dafür stundenlang rum stehen… Da hat man von Einzelkonzerten manchmal wirklich mehr, weil man nicht schon im voraus erschöpft ist, wenn die Band spielt, die man sehen will.

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Tanzfledermaus
Rush
Rush(@vowag)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 26 Tagen

Ja, das sehe ich grundsätzlich genauso. Ich habe 1998 The Cure auf der großen Zillo-Bühne (Hildesheim) gesehen und gedacht: nö, paßt nicht, die müssen in kleinerem Rahmen spielen.
Von daher: ja, es macht durchaus Sinn, sich bei Festivals einen Eindruck gerade von neuen Bands zu holen, dann aber gezielt die Konzerte einer Tour zu besuchen.

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Rush
Victor von Void
Victor von Void(@vivovo)
Vor 26 Tagen

Diese Beobachtungen habe ich auch schon in den letzten Jahren (auch schon vor CoVid) gemacht.

Gerade in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet finden oft Veranstaltungen parallel an einem Wochenende statt, an anderen Wochenenden im Monat dagegen gar nichts.

Bei Konzerten sehe ich schon, dass da oft nicht so die Wahl bei den Terminen besteht, aber bei normalen Clubabenden? Gerade in Ballungsgebieten, wo die Veranstaltungsorte oft nur 30min Fahrweg oder weniger auseinander liegen, macht es wenig Sinn mehrere konkurrierende Veranstaltungen mit dem gleichen Zielpublikum zu haben. Da scheint aber auch oft einfach der Wille der Veranstalter zur Kommunikation und Koordination zu fehlen.

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Victor von Void
Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Vor 25 Tagen

Das Problem mit Konzerten und Partys zieht sich quer durch alle Genres hindurch. Seit Corona hat sich das Ausgehverhalten von nahezu allen verändert. Die Jugend geht kaum noch aus, bzw ganz anders als unsereins. Sie konsumieren kaum. Mit der Jugend kann kaum ein Club noch überleben. Das Clubsterben begann aber schon Ende der 90er und Corona hat es nur beschleunigt. Wir sind nun mal auch nur Menschen wie alle anderen, mit den gleichen Problemen. Geld kann man derzeit bei Partys eher mit der älteren Generation machen. Die haben Geld und die geben es auch aus. Die jüngere Generation hingegen nicht. Clubs aber müssen Geld verdienen um zu überleben. Die schwarze Szene ist dazu noch noch sehr kein, somit kann es einfach nicht so viele Clubs geben, die das Genre bedienen. Mit nur Goth kann heute auch kaum noch jemand überleben und deswegen gibt es die sortenreinen Clubs kaum noch.

Das mit den mehr kleine Festivals… Bitte nicht. Es gibt jetzt schon zu viele und so langsam geben immer mehr auf, weil es kaum noch bezahlbar ist. Alle fischen im gleichen Teich und je mehr fischen, desto weniger Fische bleiben für jeden übrig. Aber jeder meint es mal selber probieren zu wollen und gräbt somit den etablierten Festivals die Gäste weg. Am Ende bleibt keiner mehr übrig. Der eine scheitert am Dilettantismus, der andere am Dilettanten der ihm die Grundlage geraubt hat. Man ahnt nicht was für ein Aufwand und Kosten so ein Festival verursacht.

Veranstalter haben auch kaum Einfluss auf den Kartenpreis. Der wird meist von der Agentur vorgegeben. Der Veranstalter muss dann selber kalkulieren, ob zu dem Preis und den zu erwarteten Gästen es zu stemmen ist oder nicht. Wir sind z.B. ein gemeinnütziger Verein. Viel Arbeit geschieht per gemeinnütziger Arbeit. Ohne diese, wäre unser Programm hier in der Provinz finanziell nicht zu stemmen. Sollten Künstler aber nur in Großstädte gehen, würde man die Provinz austrocknen und erst recht den Extremisten in die Hände spielen. Das ist ein gaaaanz schlechter Vorschlag. Wir haben letztens eine Veranstaltung, die war binnen 24 Stunden ausverkauft. Das funktioniert auch hier in der Provinz, wenn man ein etablierter Veranstalter ist. Wir z.B. quersubventionieren Veranstaltungen. Wenn die einen Gewinne macht werden damit andere defizitäre Veranstaltungen subventioniert. Am Ende geht es dann auf Null hinaus (gemeinnützige Vereine dürfen eh keine großen Gewinne machen). Andere Veranstalter haben diese Möglichkeiten nicht und deswegen gingen bei Corona auch einige zu ihren Ahnen und auch heute müssen viele extrem hart an der Kante kalkulieren. Es ist verdammt schwer noch Kartenpreise unter 30 Euro zu bekommen. Man muss auch die Getränkeeinnahmen mit in die Kalkulation nehmen, sonst funktioniert es für viele nicht mehr. 3 Euro für nen Bier ist heute nur noch extrem selten.

Wir machen am WE auch gerne Aftershow Partys. Aber leider halten es die Menschen heute nicht mehr lange durch. Nach zwei, spätestens drei Stunden ist oft Schluss, egal wie wild die Party läuft. Wir machen es aber trotzdem und das Publikum freut sich, weil sie es wo anders kaum angeboten bekommen. Viele sind überrascht, dass wir das machen.

Aber letzten Endes muss jeder Veranstalter selber wissen was er anbieten kann und was nicht, weil alles Geld kostet und irgend wie bezahlt werden muss. Alles ist teurer geworden, Mieten, Getränke, Technik, Gehälter.

Man kann es nicht zu oft wiederholen: geht auf lokale Veranstaltungen. Unterstützt lokale Bands. Schaut euch kleine Bands an. Man wird oft überrascht sein. Scheut euch nicht auch mal nen Bier oder Limmo mehr zu trinken. Ohne Konsum kann kein Veranstalter überleben. Es liegt an euch.

Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 25 Tagen

Natürlich kocht jeder sein Süppchen. Jeder muss auf seine Art überleben. Es stimmt aber nicht, dass keiner zusammen arbeitet. Hier werden durchaus auch Flyer von anderen ausgelegt. Wobei Flyer immer weniger verwendet werden. Einerseits weil das eine Umweltsauerei ist und andererseits, sich immer weniger dafür interessieren. Man zieht seine Infos aus dem Netz und immer weniger von Flyern. Wir dürfen auf verschiedenen Festivals plakatieren und dafür bewerben wir auch die Festivals und kommen dafür auch auf die eine oder andere Gästeliste. Von außen mag das wie keine vorhandene Zusammenarbeit aussehen, aber es läuft vieles im Hintergrund. Aber ja, nicht jeder ist eine Leuchte und legt dann eine ähnliche Veranstaltung auf den gleichen Termin wie ein anderer. Gutes Personal wächst nicht auf Bäumen. Wir z.B. versuchen das zu vermeiden. Leider passiert es manchmal, dass einer ne Woche später mit einer ähnlichen Veranstaltung daher kommt, wie wir schon beworben haben und das am gleichen Tag. Das sind die besagten Dilettanten. Wir planen das ganze Jahr über mehrere Monate im Voraus, ja sogar ins nächste Jahr hinein. Die Dilettanten planen kurzfristig und kommen uns dann in die Quere. Manchmal kommt es vor, dass eine Agentur trotz Beteuerung die Band doch paar Wochen davor oder danach paar Km weiter anbietet. Kann alles passieren. Systematisch ist das aber nicht.

Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 24 Tagen

Ja das gibt es, aber man kann es nicht pauschalisieren. Wir haben bundesweit Kontakte und bekommen viel mit. Die Bubble ist schon etwas größer. Und dann trifft sich die Branche einmal im Jahr in Hamburg wo man sich austauscht. Das was wir machen, das machen in vielen Teilen der Bananenrepublik auch andere. Wir sind da auch nicht besser oder schlechter als viele andere auch. Die Erfahrungen sind auch nicht viel anders. Bei dem einen mehr in die eine, beim anderen mehr in die andere Richtung, je nach Gegend.

Triton
Triton (@guest_68437)
Vor 20 Tagen

Kleinere Clubs mit Konzerten neuerer, tendenziell unbekannterer Bands kann ich bedingungslos empfehlen. Dort kann man in überschaubarem Rahmen echte Perlen zu netten Preisen genießen. Ein Abend mit einer Vorgruppe und der Hauptgruppe ist perfekt.
Beim Stöbern auf einer wohlbekannten Streaming-Plattform gehe ich bei Neuentdeckungen immer auf die Bandinfos, wo die nächsten Konzerte gelistet sind. Leichte Beute. Und das Ambiente in kleineren Clubs passt meist auch einfach besser zur Musik.

Margarine Tyrell
Margarine Tyrell (@guest_68440)
Vor 17 Tagen

Viele gute Punkte wurden im Artikel und auch in den Kommentaren schon genannt. Was mir selbst in letzter Zeit leider wieder verstärkt auffällt: In der Musikindustrie gibt es viele Egomanen (die, die „ihr eigenes Süppchen kochen“). Was man alles schaffen / ändern könnte, würde man nur mehr MITEINANDER arbeiten, statt ewig zu jammern, dass die „Konsumenten“ dies und das und jenes tun müssten.

Ganz schlimm finde ich in dem Zusammenhang auch, dass sich doch ernsthaft darüber beschwert wird, dass die jungen Leute heutzutage nichts bzw. nicht mehr soviel Alkohol trinken, was in meinen Augen einfach nur positiv ist. Da muss man sich halt mal Alternativen überlegen. Das haben viele Festivals doch auch hingekriegt. Früher gab’s nur Bier und Bratwurst, heute vegane Optionen et cetera. Da wäre es dann auch interessant zu wissen, wie die Demografie unter den besagten Veranstaltern aussieht, so ganz generell gesprochen und nicht nur auf die Szene bezogen. Sind das ältere Herren, die neuen Trends und Entwicklungen skeptisch gegenüber stehen á la „Das haben wir aber schon immer so gemacht!“?!?

Ich selbst lebe derzeit in einem kleinen Ort mit sehr wenig Kulturleben, von alternativer Kultur gar nicht zu reden, also geht’s öfter in die Grossstadt. Vor ein paar Monaten gab es nach einem tollen Konzertabend mit mehreren Bands eine integrierte After-Show-Party (heutzutage leider selten), sogar mit Star-DJ, man hätte also gar nicht erst noch irgendwo hin gemusst. Und was tat der Grossteil derer, die noch feiern wollten? Flüchtete regelrecht zum langweiligen Stammlokal. Ich war sprachlos! Die After-Show-Party endete entsprechend schnell. Soviel dazu.

Ein anderes Mal hatten wir einen schönen Konzertabend (ca. 150 Besucher) mit einem Act, der ‘ne Woche darauf noch mal dort spielte, wo ich derzeit lebe. Zwei zahlende Gäste, chaotischer Ablauf und deshalb mit ein Grund, warum ich Musikern ausdrücklich nicht empfehle, in dieser kleinen Stadt zu spielen. Ich habe keine Ahnung, was die Leute in dieser kleinen Stadt machen oder wofür sie sich interessieren. Kulturleben jedenfalls nicht.

Die Grossstadt ist offensichtlich auch nicht besser, zumal mehr und mehr Veranstalter auf Coverbands statt kleinere Bands setzen, weswegen ich selbst dann auch lieber gleich ganz zu Hause bleibe. Aber wenn irgendwo doch noch etwas Interessantes stattfindet, sei es nun klein oder gross, dann eben doch noch in der Grossstadt.

MHKL-PUNCH
MHKL-PUNCH (@guest_68464)
Vor 8 Tagen

Man kann sich das alles schlichtweg nicht mehr leisten.

Young and Cold haben ein sehr gut laufendes Festival mit Kultstatus (in Augsburg) zugunsten der Label Night (in München) aufgegeben. Diese lief in der ersten Runde noch gut, im zweiten Anlauf floppte sie jedoch. Als Grund gaben Gäste an, wenig mit dem LineUp anfangen zu können. Hier und da sind Namen von Acts gefallen die sich Leute eher vorgestellt hätten.
Jetzt haben aber gerade diese Bands (welche teilweise sogar über Y&C ihren Durchbruch hatten) Gagen in einer Höhe die man sich nicht vorstellen, geschweige denn leisten kann. Auch Bands haben ihre Um- und Lebenshaltungskosten. On top kommt noch das München aus Veranstalter Perspektive ein schwieriges (und teures) Pflaster ist.
Auf dieser Basis der wahnsinnig hohen Fixkosten, kannst du aber auch kein DIY Festival wie früher mehr anbieten in irgendwelchen autonomen Venues wo es begrenzte Gästeanzahlen gibt und wo die Venueverwalter nicht selten eine Preisobergrenze für Tickets vorgeben.
Acts wie Bragolin,Lebanon, Rue Oberkampf oder She past away rechnet sich nicht vor 150 Leuten. Da wagst du im Süden schon mal den Sprung von DIY ins High-Class.

Beim Gast selber sieht es nicht besser aus: Der Sprit wird teuerer und teurer, das Essen ebenso und selbst wenn die Löhne steigen wird das fast im selben Zug wieder durch steigende Sozialabgaben gefressen. Da noch Konzerttickets kaufen? Grundsätzlich ja. Aber es muss sich schon hart lohnen.

So zum Beispiel nicht Goethes Erben. Da kann der Henke noch so oft verkünden dass er aufhört. Für den zahle ich keine 50€ plus. Wenn er früher weg ist als später empfinde ich es als vorgezogene Er(b)lösung

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 8 Tagen

Ich denke, man muss da differenzieren zwischen „großen“ Bands, die viel Geld nehmen für ein Ticket und dann trotzdem nur eine Stunde auf der Bühne stehen und jenen, die (auch dank umfangreichem musikalischen Backkatalog) regelmäßig 2-Stunden-Konzerte geben, also ordentlich was bieten für’s Geld ;-)

Und ja, es gibt Menschen, die auch gerne eine bekannte Band sehen wollen, auch wenn sie teuer ist, sich das Geld von woanders absparen (müssen) und dann nicht viel mehr für weitere Konzerte übrig haben. Das ist und bleibt doch ihre Entscheidung, wo sie Prioritäten setzen.

Pauschal anzuklagen, halte ich für den falschen Weg. Anstatt den moralischen Zeigefinger zu heben, wäre es besser, Anreize zu setzen, dass auch kleinere Bands mehr Reichweite bekommen.

Letzte Bearbeitung Vor 8 Tagen von Tanzfledermaus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 8 Tagen

Ja das hast du, weshalb es auch kein Angriff war. Der Satz war allgemein gemeint, weil die Diskussion „Kommerz gegen Untergrund“ an sich ja nicht neu ist.

Meine Kernaussage war: niemand sollte sich dafür rechtfertigen „müssen“, welche Konzerte er besucht, das bleibt freie Entscheidung. Man kann Anreize setzen, über den musikalischen Tellerrand zu schauen, aber verurteilen, dass jemand sich anders entscheidet, finde ich nicht gerechtfertigt.

Gründe, ein großes Konzert zu besuchen, sind ja vielfältig. Vielleicht ist die populäre, seit Jahrzehnten existierende Band mit vielen (Jugend-)Erinnerungen verknüpft? Vielleicht hatte man in früheren Jahren nie das Geld, sie mal live zu sehen, oder andersweitig keine Gelegenheit? Vielleicht möchte man sie nochmal live erleben, bevor sie sich auflöst oder Bandmitglieder versterben? Oder mit dem herangewachsenen Nachwuchs die Lieblingsband aus alten Zeiten einmal gemeinsam erleben…
Manch einer mag auch das „Bad in der Menge“, den kollektiven Spaß und Rausch.

Erfolgreiche Bands einfach als „Kommerz“ abzutun, wird vielen Bands auch nicht gerecht. Da gibt es durchaus einige, die auf dem Teppich geblieben sind, den Kontakt zum Publikum schätzen.
Negativ-Beispiele, wie die Sisters of Mercy, gibt es leider auch, aber auch da werden Leute ihre Gründe haben, hinzugehen.

Ich selbst besuche keine großen Konzerte mehr, aber ich versuche auch diejenigen zu verstehen, die dies gerne tun und räume ihnen das gleiche Recht dazu ein wie jenen, die ausschließlich dem Underground fröhnen. Es gibt auch nicht wenige, die sowohl große als auch kleine Konzerte und Festivals schätzen.

Wenn kleinere Events leer bleiben oder abgesagt werden müssen, kann es viele Gründe haben. Von schlechter Werbung, ungünstigem Timing oder einem Line-Up, das aus irgend einem Grund nicht „zieht“ bis hin zu Übersättigung des Publikums, Geldmangel nach anderen Events oder Urlauben oder einfach gesundheitlichen Zipperlein, die nur wenig möglich machen usw.

Kleine Bands hatten es schon immer schwer(er), heute gibt es dank dem Internet und anderer Plattformen zwar theoretisch viel mehr Wege, ein Publikum zu erreichen, aber auch die Konkurrenz ist groß.
Ein paar schaffen es, z.B. im Rahmen vom „bösen kommerziellen“ WGT ein Sprungbrett zu bekommen, da gab es in den letzten Jahren etliche Beispiele (z.B. die Traitrs, Whispering Sons, Kaelan Mikla).
Wer neugierig auf neue Band ist, wird Wege finden, sich zu informieren und zu supporten. Die Möglichkeiten waren noch nie so einfach.

Letzte Bearbeitung Vor 7 Tagen von Tanzfledermaus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 7 Tagen

Ich habe zwar auf deinen Post geantwortet (weil er das letzte zum Thema war), aber ihn als Sprungbrett zu einer allgemeinen Betrachtung genommen. Wäre vielleicht sinnvoller gewesen, einen gänzlich neuen Kommentar zu verfassen, aber ich ging auch nicht davon aus, dass es als Angriff verstanden wird.

Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 7 Tagen

Ich denke, ihr habt irgend wie beide Recht. Ich denke auch, dass die Szene immer noch Underground ist. Kaum jemand kennt Goth Bands, außer man ist in der Szene. Die interessiert einfach keiner. Die eine oder andere taucht in der Indie Szene auf mit einem Song und das wars dann auch schon. Seit Covid hat sich aber die Situation dramatisch verändert. Selbst als Underground Band oder Veranstalter hast Du heute eine andere Kostenstruktur und Du bist gezwungen kapitalistischer zu denken und zu handeln, sonst kannst Dir keine Auftritte mehr leisten. Das ist traurig, weil ich schon immer einen Hang zum Underground hatte und mir die Entwicklung ganz und gar nicht gefällt. Das Verhalten der Leute hat sich auch verändert und das betrifft alle, also auch uns. Irgend wie ist man heute unschlüssiger als früher. Karten werden erst in letzter Minute gekauft. Damit kann kaum noch ein Veranstalter umgehen, der in Vorleistung gehen muss. Da schwebt ständig das Damocles-Schwert über einem. Geht es schief, pappt der Uhu an der Tür. Also vermeidet man Risiken. Durch dieses Verhalten macht man sich selber die Musikszene kaputt. Dann gibt es Musik nur noch aus der Konserve. Aber was willst machen. Man kann nur zuschauen, weil die Dynamik im Verhalten der Menschen kann man kaum ändern. Unbekannte Bands haben es schwer aufzutreten, weil die kennt keiner und man will als Veranstalter kein Risiko eingehen. Es ist zum verzweifeln…

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