Unter dem Motto „Gruselfilme 2026“ habe ich mich wieder durch die kommenden (oder bereits laufenden) Veröffentlichungen geklickt, die ich noch nicht gesehen habe. Ich liebe Filme, aber der aktuelle Sumpf aus seelenlosen Remakes und vorhersehbaren Jumpscares macht es einem echt schwer, noch echten Nervenkitzel zu spüren. Wo ist die Atmosphäre geblieben, die einen bis in die Träume verfolgt? Auf meiner Suche nach einer neuen Portion Grusel habe ich die Liste radikal gekürzt. Übrig geblieben sind fünf Titel, denen ich einen genaueren Blick zuteil werden lasse – und sei es auch nur, um meine Vorurteile zu bekräftigen.
1. Dracula: A Love Tale (Dracula – Die Auferstehung)
Man sollte meinen, dass die Gruft von Bram Stokers Grafen mittlerweile so oft geöffnet wurde, dass kaum noch Staub zum Aufwirbeln übrig ist. Tatsächlich steht es sogar schwarz auf weiß im Guinness-Buch der Rekorde: Dracula ist mit weit über 200 Verfilmungen die am häufigsten porträtierte literarische Figur der Filmgeschichte. Man darf sich also durchaus skeptisch fragen: Braucht die Welt wirklich eine weitere „Wiedergeburt“ des Ur-Vampirs? Er ist auf der Leinwand ja schon längst unsterblich und wird von jeder Generation aufs Neue ausgegraben, als gäbe es keine anderen Schattenwesen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.
Doch dann tritt Luc Besson auf den Plan. Ein Regisseur, der für seine visuelle Wucht bekannt ist und sich hier an eine fast schon sakrale, gotische Romanze wagt. Dass er für dieses Projekt Christoph Waltz gewinnen konnte, lässt mich dann doch aufhorchen. Waltz bringt für mich eine darstellerische Ausstrahlung mit, die jedem Film sofort etwas Besonderes verleiht – hier darf er in der Rolle eines Priesters gegen die Finsternis antreten.
Obwohl man das Gefühl nicht loswird, dass das Thema eigentlich zu Tode geritten wurde, muss man dem Film eines lassen: Die Bilder sind berauschend. Der Trailer zeigt eine Ästhetik, die uns genau dort abholt, wo wir uns am wohlsten fühlen – in der Mischung aus Pracht, Verfall und tiefer Melancholie. Es bleibt abzuwarten, ob dieser „neue“ Dracula mehr ist als nur eine weitere, hübsch verpackte Leiche.
2. The Bride! (Die Braut)
Nach dem Grafen kommen wir zu einem weiteren Schöpfermythos, der einfach nicht zur Ruhe kommen will. Diesmal geht es um Frankenstein und seine berühmte Gefährtin. Dass Maggie Gyllenhaal hier Regie führt, macht die Sache für mich interessant – sie ist übrigens die Schwester von Jake Gyllenhaal und hat hier ein echtes Familienprojekt aufgezogen. Wenn ein Name wie Gyllenhaal hinter der Kamera steht, horcht man in der Szene natürlich auf.
In der Hauptrolle des Monsters sehen wir Christian Bale. Er ist ja dafür bekannt, dass er sich für seine Rollen komplett verwandelt, und ich bin gespannt, wie er diese Kreatur anlegt. An seiner Seite spielt Jessie Buckley die Braut, und die Geschichte führt uns direkt in das Chicago der 1930er-Jahre.
Das Besondere hier: Wir lassen das klassische Labor im Schloss hinter uns. Die beiden wirken in diesem Setting fast wie ein übernatürliches Bonnie-und-Clyde-Gespann. Sie sind auf der Flucht, sie suchen nach Liebe und sie bringen eine ganz neue Dynamik in die alte Legende von „Frankenstein“ und „Frankensteins Braut“. Diese Mischung aus Gangster-Ära und klassischem Gothic-Horror hat für mich einen ganz eigenen Reiz. Es ist eine rebellische Version eines Stoffes, den wir eigentlich schon in- und auswendig kannten. Ob dieser Roadtrip in die Finsternis hält, was die Besetzung verspricht, bleibt abzuwarten.
3. Dust Bunny
Für mich ist der Name Bryan Fuller untrennbar mit einer absolut erstklassigen Optik verbunden – wer seine Serie Hannibal gesehen hat, weiß, wovon ich rede. In seinem Spielfilmdebüt Dust Bunny arbeitet er wieder mit Mads Mikkelsen zusammen, was für mich schon Grund genug für ein Ticket ist. Mikkelsen bringt einfach diese kühle, rätselhafte Ausstrahlung mit, die perfekt zu einem Profikiller passt, der plötzlich mit dem Übernatürlichen konfrontiert wird.
Dass auch die legendäre Sigourney Weaver mit dabei ist, gibt dem Film eine ganz besondere Note. Sie spielt Laverne, die unterkühlte Chefin von Mikkelsen. Die Story greift etwas auf, das wir wohl alle aus unserer Kindheit kennen: die Angst vor dem Monster, das unter dem Bett lauert. Ein kleines Mädchen bittet ihren Nachbarn (Mikkelsen) um Hilfe, weil sie glaubt, dass genau so ein „Dust Bunny“ ihre Familie gefressen hat.
Endlich nimmt sich mal jemand dieser Ur-Angst an, aber auf eine sehr spezielle Weise: Ein kleines Mädchen heuert einen echten Auftragskiller an, um einen Bett-Dämon zu eliminieren. Für mich klingt das nach einer Mischung aus Léon – Der Profi und einem bizarren Albtraum von Guillermo del Toro. Ich bin gespannt, ob Mikkelsen am Ende wirklich gegen ein Monster kämpft oder ob die „wahren“ Monster doch eher in der Welt der Menschen zu finden sind, die Sigourney Weaver in ihrer Rolle kontrolliert.
4. Return to Silent Hill
Bei diesem Film stehen für mich ausnahmsweise mal nicht die Namen der Schauspieler im Vordergrund, sondern die Stadt selbst – und natürlich das legendäre Videospiel Silent Hill 2, das als Vorlage diente. Dass Christophe Gans wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, könnte sich als echter Segen erweisen. Er hat schon mit dem ersten Film von 2006 bewiesen, dass er ein Händchen für die neblige, beklemmende Ästhetik hat, die wir so lieben.
Die Geschichte von James Sunderland, der in der verlassenen Stadt nach seiner verstorbenen Frau sucht, dürfte wohl für viele der melancholischste Teil der ganzen Reihe sein. Hier geht es hoffentlich nicht um plumpe Monsterjagd, sondern um Schuld, Schmerz und die Abgründe der eigenen Psyche. Silent Hill ist kein Ort, es ist ein Zustand. Besonders faszinierend finde ich, dass die brennende Geisterstadt gar nicht so weit von der Realität entfernt sein muss. Das visuelle Konzept mit den unterirdischen Bränden wurde nämlich möglicherweise stark von der realen Stadt Centralia in Pennsylvania inspiriert, in der seit den 60er Jahren ein Kohleflözfeuer unter den Straßen wütet. Wer sich für solche morbiden „Lost Places“ interessiert, sollte sich unbedingt mal diesen Artikel über Geisterstädte und ihre düsteren Hintergründe ansehen.
Ich bin gespannt, ob Gans es tatsächlich schafft, die tiefe Traurigkeit des Spiels einzufangen und uns wieder in diesen wunderschönen, schrecklichen Nebel zu hüllen. Für mich ist dieser Film ein großes Fragezeichen im Kalender, weil er zeigen könnte, dass echter Grusel tief im Inneren beginnt – sofern man sich nicht in reinen CGI-Effekten verliert.
5. Scream 7
Manche Dinge sind so sicher wie die Dunkelheit nach Sonnenuntergang – oder die Tatsache, dass in Woodsboro alle paar Jahre jemand Lust auf Geistermasken und Messer bekommt. Wir sind mittlerweile bei Teil 7 angekommen, und man darf sich durchaus fragen: Könnte sich hier tatsächlich noch echter Grusel einstellen? Oder erwartet uns lediglich eine weitere, eventuell etwas lustlose Fortsetzung einer Serie, die ihre besten Schreie vielleicht schon in den 90ern gelassen hat?
Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit der „Mutter“ aller Final Girls: Neve Campbell kehrt als Sidney Prescott zurück. Dass sie wieder dabei ist, wirkt fast so, als wolle man mit aller Macht die Nostalgie-Maschine am Laufen halten. Neben ihr wird wohl auch wieder Courteney Cox zu sehen sein, die als Gale Weathers bisher tatsächlich in jedem einzelnen Film ihre Nase in die blutigen Angelegenheiten gesteckt hat. Vielleicht schafft es der Film ja, uns mit neuen Meta-Kommentaren zu überraschen, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir eher gähnen als schreien, wenn zum x-ten Mal die „Regeln des Sequels“ erklärt werden. Am 27. Februar 2026 wissen wir mehr – ich werde wohl hingehen, und sei es nur, um zu sehen, ob Sidney Prescott mittlerweile eine schusssichere Weste unter den Klamotten trägt.
Gruselfilme 2026: Dunkelheit ist eine Entscheidung
Ob ihr euch nun in der tragischen Liebe Draculas verliert oder durch den Nebel von Silent Hill wandert – „Gruselfilme 2026“ bietet uns eine Vielfalt, die unsere Sehnsucht nach dem wohlig warmen Gruselgefühl stillen könnte. Wir werden nicht nur erschreckt, wir werden gespiegelt. Welcher Schatten wird euch dieses Jahr am längsten begleiten? Schreibt es mir in die Kommentare – aber passt auf, wer hinter euch steht, während ihr tippt.
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.



Ich schaue selten Gruselfilme und dennoch habe ich angefangen, die betörenden Zeilen zu lesen. Ich bin sehr wählerisch und zögerlich geworden, was Filme angeht. Das liegt derzeit an Zeitknappheit, aber auch daran, dass man nach Jahren schon so einige Meisterwerke gesehen hat und immer seltener von neuen Werken überrascht oder überwältigt wird. Ich habe vorurteilhaft den neuen Drakula-Film abgelehnt gehabt, ohne den Trailer gesehen zu haben. Die Beschreibung hier hat aber meine Neugier geweckt und ich habe wirklich Lust verspürt, mich solch einer wie der beschriebenen Atmosphäre und Interpretation hinzugeben. Vielleicht schaue mich auch einen der anderen Gruselfilme an nach den anregenden Beschreibungen, die ich auf jeden Fall interessanter finde als die üblichen Filmkritiken. Dunkelherzlichen Dank, Robert.
Die Braut und vor allem Dust Bunny (Mads Mikkelsen!) klingen spannend.
Bei Dracula warte ich erstmal ab, wie die Kritiken ausfallen, da mir schon bei den diversen Verfilmungen der letzten Jahre (und ich zähle Nosferatu hier einfach mal dazu) teilweise schon etwas die Qualität gefehlt hat.
Noch einen Teil von Scream oder Silent Hill brauche ich eher nicht, da waren mir schon die Teile davor zu flach und zu repetetiv.
Aber grundsätzlich fällt mir auf, dass im Moment wieder sehr viel mehr Horrorfilme und -Serien gemacht werden als noch vor einigen Jahren, und das teilweise in herausragender Qualität, die sogar bei den Oscars prämiert wird. Ob das wohl in den ganzen Krisen der Jahre begründet ist? ;)
Und weil es so gut passt, werde ich hier doch gleich mal ganz schamlos den Final Girl Podcast meiner Frau bewerben.