Mad Heidi: Die antifaschistische Schlächterin aus der Schweiz

Wer bei Mad Heidi an die großen Kulleraugen einer japanischen 70er-Jahre Adaption der Kinderbuchfigur „Heidi“ denkt, ist schief gewickelt. Immerhin konnte man bei „Mad“ schon ahnen, dass es um eine andere, weniger beschauliche Form der Alpenromantik geht. In einer wilden Mischung aus Blut, Eingeweiden, Sex und Käse-Fondue möchten die Filmemacher die existierenden Klischees um die legendären Figur in einer heilen Schweizer Bergwelt auf den Arm nehmen. Ihr Versprechen, Fanservice zu liefern, also genau das umzusetzen, was die Fans sich wünschen, haben die Macher allem Anschein nach ernst genommen. In Deutschland läuft der Film ab heute in den Kinos und soll am 8. Dezember auf der Homepage des Films zu streamen sein.

Über eine Art Crowdfunding finanziert lieferten Regisseur Johannes Hartmann und Produzent Valentin Greutert einen grotesken Exploitation-Film, der dem Zielpublikum sicher gefallen dürfte. Wer „Iron Sky“ liebte, bei Dead Snowi fröstelte und bei „Sky Sharks“ in Lachanfällen badete, wird auch hier glücklich werden. Ein kurzer Abriss:

Ziegenpeter (Kel Matesena) ist Schwarz, ein Schweizer Bergdorf-Gangster und mit der unersättlichen Heidi (Alice Lucy) eigentlich immer im Stroh zugange. Aber Ziegenpeter engagiert sich auch im Widerstand gegen das faschistische Regime. Um sich gegen den Präsidenten Meili (Casper Van Dien) aufzulehnen, der die Welt mit genmanipultiertem Käse in willenlose Zombies verwandeln will, macht der ambitionierte Ziegenhirte einfach selber Käse. Das lässt sich der Präsident natürlich nicht gefallen und entsendet seine Schergen, die den Ziegenpeter aus dem Verkehr ziehen sollen. Das machen die, wie konnte man es anders erwarten, maximal blutrünstig. Nach einem Massaker an der Dorfbevölkerung wir Ziegenpeter mit einem Projektil hingerichtet, dass seinen ganze Schädel explodieren lässt. Heidi wird verhaftet und soll im unmenschlichen Faschisten-Knast auf links, Entschuldigung, rechts gedreht werden. Klappt natürlich nicht und Heidi entwickelt sich zur „Mad Heidi“, die sich auf Rache einschwört und die Schweiz vom bösen Diktator befreien will. Im Rest des Trailers fliegen dann die erwarteten Fleischfetzen. Offiziell klingt die Filmbeschreibung auf der Homepage madheidi.com dann so:

In einer dystopischen Schweiz, die unter die faschistische Herrschaft eines bösen Käsetyrannen gefallen ist, lebt Heidi ein einfaches Leben in den Schweizer Alpen. Großvater Alpöhi tut sein Bestes, um Heidi zu beschützen, aber ihre Sehnsucht nach Freiheit bringt sie bald in Schwierigkeiten mit den Schergen des Diktators. Das unschuldige Mädchen verwandelt sich in eine schlagkräftige Kämpferin, die sich aufmacht, das Land von den wahnsinnigen Käsefaschisten zu befreien.

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Fanservice, ein für mich neuer Begriff, hat offensichtlich seine Tücken, denn bis auf eine Aneinanderreihung von bizarren und blutigen Tötungen bleibt nicht viel übrig. Zum Lachen war mir beim Trailer jedenfalls nicht zumute, zu flach waren die Witze rund um Schweizer Klischees. Es hätte nicht geschadet, Dinge bissiger und provokativer darzustellen. Ich bezweifle, dass ich mich zum Fan solcher Exploitation-Filme entwickle, die intellektuelle Presse analysiert den Film allerdings genau. Kunst oder Trash? Ihr dürft gerne selbst entscheiden und einen Kommentar hinterlassen.

Allerdings scheint die Fanbase, für die Mad Heidi gedacht ist, begeistert zu sein. 2020 sammelte man nach der Ankündigung und ersten Teasern mit einem Investitionsaufruf über 2 Millionen Euro, die den Film letztendlich ermöglichten. Ob der Film allerdings zum Hit mutiert, wage ich zu bezweifeln, eingefleischte Horror-Trash-Fans wird der Streifen aber sicher begeistern.

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Tanz(fleder)maus
Tanz(fleder)maus(@caroele74)
Vor 12 Tagen

Das ist genau die Art Filme, mit denen man mich meilenweit jagen kann.
Ich mag weder Horror/Splatter- noch Trash-Filme, egal wie viel Ironie/Persiflage/Kunst darin enthalten sein mag.
„Normale“ Gruselfilme dagegen sind okay.

Tanz(fleder)maus
Tanz(fleder)maus(@caroele74)
Antwort an  Robert
Vor 12 Tagen

Zum Beispiel „klassische“ Vampirfilme (NICHT Twilight).
Ich mag z.B. den „Dracula“ mit Frank Langella und die Dracula-Verfilmung von Coppola, Tanz der Vampire, Shadow of the Vampire, Interview mit einem Vampir und einige andere, die mir auf die Schnelle und zu später Stunde gerade nicht einfallen wollen ;-)

Letzte Bearbeitung Vor 12 Tagen von Tanzfledermaus
Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Tanz(fleder)maus
Vor 11 Tagen

Coppolas Dracula ist immer noch die beste Verfilmung des Stoffs/der klassischen Geschichte finde ich (der originale „Nosferatu“ hat natürlich auch was, läuft aber ein wenig außer Konkurrenz) – Toller Film!
Falls du ihn noch nicht kennst würde ich dir noch „Wir sind die Nacht“ empfehlen, meines Erachtens ein schmählich unterschätzter und zu Unrecht unbekannter Film (natürlich nicht perfekt aber was ist das schon) – Und wohl einer der besten deutschen „Genre-Filme“ überhaupt. Achja, und „Let me in“ ist auch sehenswert (aber auch ungewöhnlich für einen Vampirfilm) – Vorzugsweise das Original und nicht die später produzierte amerikanische Variante.

Tanz(fleder)maus
Tanz(fleder)maus(@caroele74)
Antwort an  Durante
Vor 11 Tagen

„Wir sind die Nacht“ kenn ich tatsächlich schon, hat mir aber nur mäßig gefallen – was aber nicht daran liegt, dass es ein deutscher Film ist.

„Let me in“ und das Original „So Finster die Nacht“ kenn ich auch.
Find ich so mittelmäßig, da zu Teil etwas langatmig. Da fehlen mir aber auch die Vampirzähne, die man bei den Mädels ja leider nicht zu sehen bekommt – und Vampire ohne sichtbare Fangzähne sind für mich irgendwie keine richtigen ;-) Und wenn in Angriffsituationen mit monstermäßig mehrstimmigem Grunzen gesprochen wird, muss ich immer eher lachen als mich gruseln.

Letzte Bearbeitung Vor 11 Tagen von Tanzfledermaus
Norma Normal
Norma Normal (@guest_61860)
Antwort an  Durante
Vor 11 Tagen

Das Remake hab ich nicht gesehen, aber ich schätze auch das Original ist um Längen besser…

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61853)
Antwort an  Tanz(fleder)maus
Vor 11 Tagen

Mir fallen da noch ein paar ungewöhnliche Vampirfilme ein: 

„A Girl Walks Home Alone at Night“ Film einer iranischen Regisseurin mit einer weiblichen Hauptfigur. Etwas artsy fartsy. 

„The Addition“, eine New Yorker Philosophie Studentin wird zur Vampirin. Es wird daher viel philosophiert im Film :D

„So finster die Nacht“ , ein nonbinärers Vampirkind hilft hier einem gemobbten Jungen Gerechtigkeit zu üben. 

„Durst“ südkoreanischer Vampirfilm, visuelles Spektakel. Kultfilm. 

Und natürlich nicht zu vergessen von Jim Jarmusch:
„Only Lovers left Alive“.

Ja ich weiß, typisch meine komischen Filmvorschläge… klassisch sind sie nicht unbedingt, aber immerhin meilenweit von Filmen wie „Twilight“ und co. entfernt. Vielleicht ist ja doch auch einer für dich dabei : ) 

Tanz(fleder)maus
Tanz(fleder)maus(@caroele74)
Antwort an  Norma Normal
Vor 11 Tagen

Lieben Dank, „The Addition“ und „Durst“ sagen mir bisher überhaupt nichts! Weshalb sollten deine Vorschläge denn seltsam sein?

Zu „So finster die Nacht“ Siehe oben ;-)

„Only Lovers left alive“ mag ich von den Bildern und der Grundstimmung her sehr (hier gibt’s auch mal ordentliche Vampirzähne zu sehen), aber der Film zieht sich unglaublich in die Länge…

„A Girl Walks Home Alone at Night“ hatt Robert, soweit ich mich entsinne, hier auch mal vorgestellt? Zumindest hab ich den auch schon mal gesehen, ist aber nicht viel von hängen geblieben…

Letzte Bearbeitung Vor 11 Tagen von Tanzfledermaus
Norma Normal
Norma Normal (@guest_61859)
Antwort an  Tanz(fleder)maus
Vor 11 Tagen

Wann immer ein Freund von mir und ich einen Filmabend im Bekanntenkreis initiiert haben, war die Resonanz eher das unsere Filmauswahl sehr speziell sei, aber hier bei Spontis hat man wahrscheinlich eine andere Definition von speziell, erfreulicherweise :D

Ach, mir fällt noch ein Film ein, vielleicht wäre das noch was, falls du den nicht schon kennst:
“ Die Gräfin“ von und mit Julie Delpy. Ist kein Vampirfilm im Sinne von übernatürlichen Elementen, aber Blut spielt eine zentrale Rolle und es ist 1500-irgendwas angesiedelt, was den Film optisch und atmosphärisch in die „Vlad Tepes Ära“ rücken lässt.

Tanz(fleder)maus
Tanz(fleder)maus(@caroele74)
Antwort an  Norma Normal
Vor 10 Tagen

Den kenn ich tatsächlich auch, fand ich sogar ganz gut!

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61862)
Antwort an  Norma Normal
Vor 10 Tagen

Hopla, der eine Film heißt richtig :
„the Addiction“, da hat mir die Autokorrektur einen Streich gespielt, sorry.

Durante
Durante(@durante)
Vor 11 Tagen

Splatter an sich ist mir eher egal (schreckt mich nicht autom. ab aber reizt mich auch nicht, ein Film muss für mich halt def. „noch was anderes“ zu bieten haben), was ich an so Trash-Filmen bisweilen teilweise mag ist die groteske Absurdität (hier: Heidi als Heldin, ausgerechnet die Schweiz als blutrünstige faschistische Diktatur und dann will der Bösewicht die Menschen mit genmanipuliertem Fondue-Käse erobern… solch Schwachsinn KANN amüsant sein… muss aber nicht). Evtl. zieh ich mir den Quatsch mal rein wenn sich die Gelegenheit ergibt (von den Socken bin ich aber jetzt nicht ob des Trailers).
Iron Sky 1 fand ich pers. witzig (eine wahnsinnig intelligente Satire ist er aber natürlich nicht), den zweiten Teil hingegen nicht mehr wirklich… (Witze über Nazis, absurde Verschwörungsmythen, diverse Weltreligionen und fanatische Apple-Jünger SOLLTEN bei mir normalerweise echt ziehen, aber irgendwie hat es als Film halt überhaupt nicht funktioniert für mich.)
Der Schreibstil deines Artikels ist übrigens mal wieder großartig Robert – Macht einfach Spaß zu lesen! :)
(Wobei ich bezweifle dass in diesem Machwerk hier soviel „Sex“ drinsteckt wie hier anfangs angedeutet wird bzw. wie in den (S)Expoitation-Filmen der 70er usw., dass die Heldin später scheinbar Strapse als Teil ihres „Alpen-Krieger-Outfits“ trägt dürfte der „Sex“-Anteil in diesem Splatter-Film sein nehme ich mal an. ;) )

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Robert
Vor 7 Tagen

Gut möglich – Ich sags dir sobald ich ihn gesehen habe ;) (und irgendwann werd ich das mit Sicherheit, aber es eilt nicht).

Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_61855)
Vor 11 Tagen

Oh, meine Gebete sind erhört worden. Hoffentlich ist es ein Spaßwunder wie damals Iron Sky. Da saßen wir mit gefühlt 20 unter 30 jährigen… überwiegend Metallern in einem kleinen Kinosaal… keine Ahnung warum die alle da rein sind…, meine Frau war die einzige weibliche Person… und erst sehr reserviert.. , und die Stimmung war unglaublich. Freue mich auf die Heidi. Ich fürchte die wird noch besser als Iron Sky.

Letzte Bearbeitung Vor 11 Tagen von Wiener Blut
Manu
Manu(@manu)
Vor 8 Tagen

Also ich bin kein Cineast, eher das Gegenteil. Ich habe echt wenig Filme gesehen. „Sky Sharks“ kenne ich z.B. gar nicht. Von Iron Sky habe ich jedoch beide Filme gesehen. Allerdings habe ich sie nicht als Satire gesehen, sondern tatsächlich als Trash-Filme, die auch auf Grund des Themas trashig sein sollen. Keine Frage, dass der erste Film besser war und ich da mehr gelacht habe als beim Zweiten. Bei Iron Sky 2 hat man dann die trashigsten Themen der Schwachsinns-Ideologien verarbeitet, dass es trashiger nicht mehr ging. Man hätte besser gleich den Teil verfilmen sollen, wo der Kommunismus auf dem Mars, dem ROTEN Planeten, aufs Korn genommen werden sollte. Vielleicht wäre das im 3. Teil Thema gewesen. Leider hat da das Crowdfunding oder Franchise nicht funktioniert, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Von der Heidi bin ich auch noch nicht überzeugt. Ich lasse den Film erstmal gucken und entscheide dann, wenn ich Meinungen gesammelt habe. Das ist mir bestimmt zu viel Splatter. Bei Splatter fand ich nur den Klassiker -Staplerfahrer Klaus- gut. Wie gesagt, bin kein großer Film-Fan. Wünsche aber allen, die so etwas mögen, viel Spaß!

Manu
Manu(@manu)
Antwort an  Robert
Vor 6 Tagen

Wenn man eine Gesellschaft verstehen will, muss man nur deren Filme ansehen, Musik hören… – kurzum, deren Kultur sich zu Gemüte führen. Dies zeigt die gesellschaftliche Struktur in Reinform – was die Gesellschaft gerade bewegt. Leider gibt es in allen Bereichen zu wenig Perlen, die einem persönlich gefallen. Das geht mir auch so. Doch das ist zum Glück individuell, denn dadurch entsteht eine Vielfalt.

Auch mit der fortschreitenden Erfahrung kann die Auswahl nicht interessanter werden, weil es schwerer wird eine Überraschung zu erleben. Trotzdem sollte man neugierig bleiben und weiter auf der Suche nach Perlen der Kultur Ausschau halten, damit die Vielfalt erhalten bleibt und wächst. Das ist nicht nur beim Film so, sondern gilt für alle kulturellen und künstlerischen Ereignisse. Wahrscheinlich ist es auch so, dass wenn man etwas radikal Neues entdeckt, es man leider doch dem bisher Bekannten anpassen will.

Ich glaube, Fantasie und Realität sind keine Gegensätze. Erst durch die Fantasie können wir unsere Wünsche und Begierden auf die Welt anwenden. Deswegen ist jegliche Kunst interessant, nur muss jede/r Einzelne Seins finden mit dem er/sie glücklich ist.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Manu
Vor 7 Tagen

Naja, „Kommunismus“(?)… irgendeine Sowjet-Parodie wärs halt wenn dann geworden. ;)
Es kann auch durchaus sein dass die Macher einfach nicht sooo die begnadeten Filmschaffenden sind, und der witzige, irgendwie „runde“ erste Teil einfach auch ein Zufallstreffer/Glücksgriff war.
Aber „Staplerfahrer Klaus“ ist tatsächlich auch für mich ein kleiner Klassiker – Der Splatter in Kombination mit dieser biederen deutschen „Lehrfilm“-Masche war damals in der Jugend einfach zum Schreien. XD

Manu
Manu(@manu)
Antwort an  Durante
Vor 6 Tagen

Richtig, eine Sowjet-Parodie ist die treffendere Bezeichnung.

Und begnadete Filmschaffende für Blockbuster sind sie wahrscheinlich nicht, aber das meinte ich mit „auf Grund des Themas trashig sein sollen“. Es war den Machern von Anfang klar, dass es kein Hit wird. Wie viel Kalkül letztendlich dahinter steckte, kann ich natürlich nicht sagen. Ich nehme nur an, dass auf Grund des geringen Budgets, es genau so sein sollte.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Manu
Vor 5 Tagen

Wie gesagt, der erste Iron Sky wirkte auf mich halt irgendwie „rund“, nicht zuviel reingepackt, auch ned zu wenig – Irgendwie für die Art von Film genau richtig und einfach gelungen (schwierig in Worte zu fassen). Der zweite war irgendwie eher eine Aneinanderreihung von Szenen, ein wilder unausgegorener Mix von (zu vielen) verschiedenen Ideen/Themen die miteinander, als Film(!), nicht wirklich funktioniert haben… in meiner subjektiven Wahrnehmung natürlich! :)

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