Schwarze Clubkultur – Eine subjektive Bestandsaufnahme

Wie ist eigentlich die legitime Bezeichnung einer Diskothek? Disko sagt man nicht, schließlich war das in den 70er. Club klingt für mich irgendwie nach House, Tanzlokal klingt zu spießig und Zappelschuppen zu frech. Whatever. Es gibt unzählige Läden, in denen man Tanzen kann, subtrahiert man aber die Genre Hip-Hop, House, Techno und Popmusik schrumpft die Zahl auf ein überschaubares Maß. Geht man dann noch einen Schritt weiter und kristallisiert die Clubs der schwarzen Musik herauskommt man in NRW mit einer DIN-A4-Seite zurecht. Macht man auch noch den letzten Schritt und filtert nur die Gothic Läden heraus, reichen 1 bis 2 Hände.

Warum ist das so? Als Gothic Mitte bis Ende der 80er seine Blütezeit erlebte, gab es sehr viel mehr Läden mit entsprechender Musik und Publikum, man musste nicht lange suchen, um einen Treffpunkt der Szene auszumachen. Durch die Verdünnung mit anderen Musikrichtungen Anfang der 90er (Techno, Elektro, EBM) sahen sich auch die Hardliner unter den Diskothekenbetreibern gezwungen immer mehr Musikrichtungen zu spielen, um die Geschäfte lukrativ zu halten. Ende der 90er Jahre gab es neben dem Zwischenfall in Bochum vielleicht noch ein oder zwei andere reine Gothic Clubs in NRW.

Die Gemüter erhitzten sich und spalteten die Besucher in zwei große Lager, Gothic und EBM. Beide Musikstile sind Oberbegriffe für eine Reihe von Subgenres und nicht wirklich kompatibel miteinander. Auch ich habe im Laufe der Zeit viele neue Musikrichtungen, Bands und Künstler in mein Herz geschlossen und bin eigentlich eher der Waver, finde aber, das Mittelalterrock, Gothic, New Wave, Electro, Punk und Indie eigentlich sehr gut miteinander (in einer Playlist) harmonieren. EBM, Industrial, Aggrotech und ähnliche Musikstile sind nicht mein Fall. Schön, wenn die Diskothek mehrere Bereiche hat, die beide Musikrichtungen trennen, so lässt es sich leben. Schade, wenn es nur eine Tanzfläche gibt und der Totengräbertanz von Extremitätenwerfern unterbrochen wird.

Haltet eure Szene sauber! Ist nicht nur ein Spruch, sondern wird ausgelebt und zielt auf die sog. Cyberkultur ab, die nicht nur Farbe ins Schwarz bringt, sondern auch stellvertretend für elektronische Musikrichtungen steht. Tears hat dazu einen sehr interessanten Artikel verfasst, der sich mit der Zersetzung der Szene beschäftigt. Ich sitze da zwischen 2 Stühlen. Ich kann die bunt geschmückten Extremitätenschwinger auch nicht leiden, da bin ich ehrlich. Auf der anderen Seite kann ich aber die Betreiber einschlägiger Diskotheken auch verstehen, wenn die ihren Umsatz optimieren wollen, indem sie eine breite Masse von Tanzwilligen ansprechen, denn keine der Szenen ist meiner Meinung nach groß genug um einen Wechsel des Programms zu rechtfertigen.  So wird es wohl dabei bleiben, das sich Gothics und Cybers weiter anfeinden. Die den Gothics angedichtete allumfassende Toleranz ist ein Mythos, das haben wir mit allen anderen Subkulturen gemeinsam. Von Sauberhalten kann aber nicht die Rede sein, denn angelockt durch das breite musikalische Angebot der Diskotheken wird es wohl immer so weitergehen. Diskriminierung, da gebe ich Lordy recht, ist kontraproduktiv aber unvermeidlich. Man darf aber das Bild in der Diskothek nicht mit der Szene verwechseln, deshalb gibt es nichts sauberzuhalten und nichts zu tolerieren. Gothic sind nicht unbedingt toleranter als andere Szenen, das Verhalten einzelner ist nicht stellvertretend für alle und individuell, wenn mich die Vermischung stört, gehe ich woanders hin (wenn ich die Wahl habe).

Lösungsansatz? Vielleicht ist das Stichwort Party in diesem Zusammenhang sehr interessant, so könnte ich mir vorstellen, dass Ein-Tanzflächen-Discotheken noch stärker durch solche regelmäßigen Partys profitieren könnten. Im wöchentlichen Wechsel oder zu besonderen Anlässen könnte man eine spezialisierte Klientel ansprechen. Gibt es schon meinst Du? Prima, dann freu dich, dass es so was in deiner Umgebung schon gibt. Diskotheken mit mehrere Tanzflächen haben seit je her kein Problem, dort findet die Trennung musikalisch statt. Wo es was gibt, jedenfalls hier in NRW, möchte ich euch die nächsten Tage näherbringen.

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Tears
Tears (@guest_506)
Vor 13 Jahre

Und wieder einmal war ich deutlich schneller, denn sowas hatte ich im Grunde schon bei Schwarzes Wiki <- die Google Maps sind allerdings nur noch als Quellcode zu erkennen). Du hast übrigens eine E-Mail ;)

*argh* Jetzt hab ich doch glatt in den falschen Beitrag geschrieben. Mehrere Tabs sind teilweise doch unpraktisch.

Tears
Tears (@guest_523)
Vor 13 Jahre

Ich wollte deinen Einsatz nicht mindern sondern finde die Idee ja grundsätzlich klasse. Was meiner Meinung nach fehlt ist eine Routenplaner-Funktion und die Möglichkeit in der Clubliste einen Club anzuklicken und auf der Karte angezeigt zu bekommen. Ansonsten hätte ich gern ne API für Schwarzes Web ;)

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