Satanismus: Reportage zwischen Fremdscham und Selbstfindung

Ein Video des FUNK-Kanals „Die Frage“ erregte jüngst meine Aufmerksamkeit, denn bereits mit der Überschrift hatte man die ganze Bandbreite bedeutungsschwangerer Begriffe abgefeuert. Gothic, Satanismus, Glaube. Meine Synapsen tanzten Industrial. Der Film „Satanismus: Gothic-Klischees oder moderner Glaube?“ bediente im Hause Spontis zwei völlig unterschiedliche Wahrnehmungen. Die des erwachsenen Gruftis jenseits der 40, der das alles für völligen Quatsch hielt, und die des jugendlichen Gothics unter 25, der solche Berichte abgefeiert hätte, schlummerten darin doch tolle Ideen für Selbstfindung und Abgrenzung mit Schock-Effekt.

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Schizophrenes Mädchen erfindet ihren eigenen Satanismus

Ich muss ehrlich sein, das Video legte meine Stirn in 4 Falten. Üblicherweise bilden sich dort nur 3 Falten, demnach hatte die Reportage mich intensiv getriggert. Dieses Video hat für mich nichts mit Gothic, mit Satanismus oder einer Reportage zu tun, sondern ist allenfalls eine rund 20-minütige Unterhaltungsshow mit Fremdschämgarantie. Ich bin mir sicher, dass die meisten meiner Leser sich in diesen Gedanken und den folgenden Beobachtungen wiederfinden.

Yori, so nennt sich die 25-jährige Satanistin, die so finster aus dem Thumbnail guckt, hat bereits in früheren Videos des Formats „Die Frage“ mitgewirkt. In „Schizophrenie: In meinem Kopf ist Chaos“ erzählt sie von ihrer Krankheit und berichtet beiläufig, auch Satanistin zu sein. Da man bei „Die Frage“ offenbar Unterhaltungs-Potenzial bei Yori wittert, macht man auch darüber, wie gerade gesehen, noch Video. Darin beschreibt Yori ihren Satanismus, den sie sich irgendwie auf Basis der satanischen Bibel von Anton Szandor LaVey, der die Church of Satan gründete, zusammengereimt hat. Es beginnt mit Green Satan, Aufklebern mit einem „süßen Baphomet“ und einer Müllsammelaktion in der örtlichen Grünanlage, um dann in einer obligatorischen Zeremonie zu enden, bei der die Kamera aber bitte draußen warten soll. Es liegt mir fern, über Yori und ihre Freunde zu urteilen. In deren Selbstfindungsphase bauen sie sich einen Überzeugungs- und Weltanschauungskatalog zusammen, den sie aus Bruchstücken medialer Quellen zusammenklöppeln.

Natürlich kann ich auch an dem Kanal kein gutes Haar lassen, denn mit Schlagworten wie Satanismus, Gothic und Glaube zu jonglieren – ohne den nötigen Background zu liefern – ist kritisch zu sehen. Auch Yori so medial zu verwerten, finde ich irgendwie unangenehm und unpassend.

Yori macht die Fliege – Jugendliche Lebenswelten unter erwachsenen Augen

Liest man die Kommentare unter dem Video bekommt man allerdings eine andere Sicht auf die Dinge, denn die sind größtenteils positiv und finden es gut, dass solche Dinge mal gezeigt werden. Einige identifizieren sich mit Yoris Sichtweisen, ihrer Einstellung und finden es großartig, dass Satanisten sich jetzt auch für die Umwelt engagieren.

Erschrocken tritt man einen Schritt zurück und versucht, sich ansatzweise in die eigene Jugend zurückzuversetzen. Früher hätte man solche Videos wohl auch cool gefunden, ich habe ja auch Ratte gefeiert, die im Alter von 16 Jahre nach London auszog, um in einem schwarzen Zimmer in einem schwarzen Sarg zu schlafen. Damals ein Thema mit absoluter Schock-Garantie. Ich habe jeden Artikel der Bravo verschlungen, der sich in ganz ähnlicher Manier den Lebenswelten der sogenannten Gothics angenähert hat.

Heute ist Ratte Kult. Ob Yori in 30 Jahren auch Kult wird?

Damals haben wir nach Antworten gesucht und wollten Fragen stellen, die sonst keiner stellt. Wir wollten uns abgrenzen, auffallen und provozieren und doch allein gelassen werden. Als Gothic noch in den Kinderschuhen steckte und darüber hinauswuchs, nur eine modische Phase zu sein, entwickelte sich ein Hunger auf Vampirgeschichten, Friedhofsästhetik und romantisierte Todessehnsucht. Wir dachten, die Welt geht unter, der Planet ist verdammt und wir sind die Sterbenden, die als einzige erkennen, dass es 5 vor 12 ist und der Planet kurz vor seiner totalen Zerstörung steht.

Ja, früher haben wir uns noch selbst gesucht und hätten es wohl interessant und spannend gefunden, diese Form der Sinnsuche. Heute schauen wir uns solche Videos an und versinken möglicherweise in Fremdscham.

Jeder, der sich beim Angucken des Videos leidenschaftlich aufregt, sollte sich die Dinge als Blaupause danebenlegen, die damals bei unserer Sinnsuche prägend waren. Friedhofsbesuche, vielleicht ein Ouija-Brett mit Kichergarantie, ein paar Knochen als Deko und möglichst gruselige Gruselfilme. Spontis-Leser erinnern sich vielleicht an dieses Video. Vielleicht empfindet man dann das reinigende „Erwachsenwerden“ nicht als Ende der eigenen Sinnsuche, sondern vielmehr als das Vergessen seiner Wurzeln.

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Alsuna
Alsuna (@guest_60729)
Vor 9 Monate

Das Video ist nach meinem Empfinden sehr putzig. Ich meine die junge Frau scheint sich damit wohl zu fühlen und wenn ihr, ihr Hobby Spaß macht dann bitte.
Satans Plüsch mit rosa Einhorn.

snow
snow(@snow)
Vor 9 Monate

Nun denn , die Welt ist natürlich eine andere wie zu meiner Findung mitte der 80’er und ich denke wir sollten schauen , wie die jungen Mitglieder unserer Familie sich in Szene setzen . Zu meiner Zeit war der Effekt begrenzt auf mein Habitat , heute schaut die ganze Welt zu . Die Szene lebt von neien und alten Einflüssen und wir , also die „Alten“ Sorry , werden immer da sein :-) – Grüße an alle Grufties , denn als solcher möchte ich gerne genannt werden !

Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_60731)
Vor 9 Monate

So jung war ich wohl nie, und auch immer zu kompatibel und rational. Ich bin auch ehrenamtlich nie Guru geworden. Und mit bald 40 wird’s nicht besser. Bin ich zu fantasielos, zu skeptisch… was ist nicht richtig mit mir… ich bin einfach nicht alternativ genug…. ein alternder Kleiderständer (Ironie an, Ironie aus) ;-) XD. Jetzt mal ehrlich, das Mädel ist absolut nicht mein Fall. Wäre es auch mit 20 nicht gewesen. Hab mich vor fast 15 Jahren für einen ganz anderen Typ „schwarze“ Frau entschieden. Hatten auch nie Kontakt zu solchen bzw ähnlichen Gruppen. Ich hätte mich auch mit 20 in so einem Kreis oder so einem Treffen albern gefühlt. Außerdem hätte ich damals wie heute Probleme mit so einer/ einem Typ „Oberguru“ gehabt. P.S. Eine Frau als „Erregungs-Altar“… hat das Mädel das echt gesagt?! Warum klingeln bei mir da die Alarmglocken?!

Letzte Bearbeitung Vor 9 Monate von Wiener Blut
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Wiener Blut
Vor 9 Monate

Ich finde (das wäre mir in jüngeren Jahren auch nicht anders ergangen) solche „Zirkel“ und Zeremonien auch extrem albern.
Am Anfang der Doku wirkte Yori auf mich noch recht bodenständig und „vernünftig“ in ihrer Auslegung, so wird es später doch recht absurd.
Das beginnt dann damit, wo sie die Thesen des Buches auseinandernehmen.

Erst heißt es, es wird im Gegensatz zu anderen Religionen niemand angebetet – aber dann werden in der Zeremonie doch Namen angerufen und ein Zinnober veranstaltet, um etwas zu bewirken – was Gläubige mit ihren Gebeten ja auch versuchen zu bewirken. Also nichts mehr mit der These, dass alles aus einem selbst kommt und man selbst verantwortlich ist – wenn dann doch imaginärer Beistand herbeigerufen wird? Das wirkte auch alles nicht gerade „geübt“ sondern sehr nach zum ersten Mal ablesen und nach Anleitung ausprobieren.

Nun ja. Ich konnte mich noch mit keiner Religion anfreunden, das sind immer alles nur Versuche der Menschen, Verantwortung abzugeben und ihr Schicksal einer höheren Macht gegenüber durch besonderes Verhalten zu beeinflussen.
Ich glaube weder an übernatürliche Kräfte, Energien noch Schicksal.
Alle Versuche, durch „Magie“ oder Gebete Einfluss nehmen zu können, kann ich daher nur müde belächeln.

Adrian Stahl
Adrian Stahl (@guest_60734)
Vor 9 Monate

Die Müllsammelaktion hat man sich wohl von Lucien Greaves Temple of Satan abgeschaut – die haben in den USA nämlich sowas schon mehrmals durchgezogen, allerdings in größerem Stil.
Dazu muss man natürlich im Kopf behalten daß das dort eine inzwischen gut angewachsene politische Aktivistengruppe ist, und der Satanisten-Aufhänger im teilweise schon bescheuert christlichen Klima einfach ne ganz andere Symbol- und Duchschlagskraft besitzt als bei uns …

Was Yori und ihre Mit-Satanisten angeht – nunja, sagen wirs so, sie tun niemandem was zuleide, am Ende ist alles immer – einfach nur Psychologie, wenn die vielleicht albern anmutenden Rituale den Leuten was geben, ist es deren Bier.

Ich kann auch ein bisschen verstehen daß für Yori diese Weltanschauung und das Brimborium drumrum einen gewissen Halt gibt, gerade mit ihrer Erkrankung wird man gesellschaftlich auch auf bescheuerte Klischees und Vorurteile stoßen, eventuell ist das ihre Art das zu verarbeiten – eben indem man etwas das die Norm-Gesellschaft provoziert, für sich verreinnahmt. Schwer zu erklären, ich will auch nicht unbedingt den Wohnzimmerpsychologen raushängen lassen – das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Ob man das vor einer Kamera dann zeigen muss – ohne das Thema etwas kompetenter zeitgleich zu beleuchten, ist natürlich wieder eine andere Sache.

Ich hatte ja meine Teenie-Wicca-Phase, die auch aus einer gewissen Protesthaltung heraus gewachsen ist. Mit einer großen Fox Mulder-Mässigen „I Want to believe“-Haltung – die sich eben nie felsenfest sicher war ob der Kram wirklich funktioniert – aber man probiert sich aus, sucht irgendwas das größer ist als die Welt um einen herum und – natürlich die ganze schöne okkulte Atmosphäre, in der man sich natürlich zu gerne badet, als Grufti :D

Norma Normal
Norma Normal (@guest_60735)
Vor 9 Monate

Es ist eine interessante Frage ob dieser Bericht auch mal so einen Kultstatus erreichen könnte, wie die Reportagen aus den 80/90ern, die wir heute so feiern. Mir fehlt dafür jedoch jeglicher Szenebezug. Da wird mal wieder völlig zusammenhanglos Gothic im Titel verwendet. Aber thematisch hat die Reportage nichts damit zu tun. 
Generell hab ich weniger an den Protagonisten auszusetzen als an den Machern. Aber das ist wohl auf eine sehr junge Zielgruppe ausgelegt. Ich kann damit nicht so viel anfangen, auch sehe ich da keinen Bezug zu meiner eigenen Jugend. Ich hatte da andere Schwerpunkte, irgendwie. Obwohl ich an okkultem nicht gänzlich uninteressiert war.
Ich hab den Eindruck das ist ein bisschen „Fridays for Future“, ein bisschen Hedonismus und ein bisschen Individualismus. Ich muss auch an das, in die Jahre gekommene, YOLO denken. Aus meiner Sicht klingt das nach einem ziemlich durchschnittlichen Wertekanon von heute. Ich denke z.B. die wenigsten Jugendlichen werden noch damit konfrontiert bis zur Ehe mit dem Sex zu warten. Aber da spielen natürlich auch die persönlichen Hintergründe der Protagonisten eine Rolle die ja auch kurz erwähnt werden, zb dem christlichen Background. 

Alsuna
Alsuna (@guest_60736)
Vor 9 Monate

Habt ihr das Video mit der Hexe auf dem gleichen Kanal gesehen? Die junge Frau scheint um ein Vielfaches erwachsen und sehr reflektiert zu sein.
Nette Wohnung auch wie ich finde. 😀

Adrian Stahl
Adrian Stahl (@guest_60740)
Antwort an  Alsuna
Vor 9 Monate

Ja ich – so ziemlich anschließend, nachdem es vorgeschlagen wurde und ich dachte, den Namen der Protagonistin davon, der kommt dir bekannt vor.

Allerdings als die Hauptdarstellerin eines Fanfilms für den ich paar Kostümteile gemacht hatte, persönlich kenne ich sie nicht.

Jedenfalls, ich stimme Dir zu, die Dame kommt etwas bodenständiger rüber, schonmal die Aussage daß „selbst wenn es nicht klappt, dann hab ich wenigstens was gemacht was mir Freude bereitet“ – finde ich ziemlich gut.

BTW beide Damen haben eigene Youtube-Kanäle, auf dem von Shisha Rainbow gibt es noch eines in dem sie Yori eingeladen hat, und ich finde, da kommt sie wesentlich besser rüber als in dem „Die Frage“ Video.

Tatsächlich wolte ich das hier in den Kommentaren auch noch dazusetzen :D

F. Elea
F. Elea (@guest_60738)
Vor 9 Monate

Empfinde ab und an auch etwas Fremdscham wenn ich ungefähr Gleichaltrigen zuhöre (ich: 23 Jahre alt und kein bisschen Weise😎), die etwas zu viel über Satanismus/Paganismus und pseudo Gothic Marke Eigenbau schwadronieren, schnell beeinflusst sind und das alles verteidigen wie Märtyrer mit Burn out, aber natürlich steht das nette Mädel da auch nicht sinnbildlich für eine gesamte Generation. Sie ist bloß eine von vielen Gesichtern, zu denen ich tatsächlich auch zähle, die halt irgendwann mal das Bedürfnis hatten, etwas auffällig obskures zu tun wie in einem von Medien produzierten Dokuformat mit eben solchen Begriffen herum zu werfen als wäre man wer. Etwas herrlich dummes zum Austesten von Grenzen jeglicher Art oder was auch immer Yori’s Anreiz genau ist. Schwierig für so etwas facettenreiches ein gutes oder schlechtes Fazit zu ziehen … deshalb lass ich’s lieber bleiben

Ludo Kamberlein
Ludo Kamberlein (@guest_60743)
Vor 8 Monate

Wenn der Staatsfunk über Gothic dilettiert, ist Fremdscham angebracht.

Aber was ist mit dem Totschweigen von Independent-Dokus, die unbequeme Fragen über die mangelhafte Anschlussfähigkeit der Schwarzen Szene für Geflüchtete stellen ?

Letzte Bearbeitung Vor 8 Monate von Ludo Kamberlein
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Ludo Kamberlein
Vor 8 Monate

Ehrlich gesagt finde ich es vermessen, den Betreiber eines Blogs dafür anzugehen, dass er Themen seiner Wahl aufgreift und nicht das, was Einzelne noch mehr zu interessieren scheint.
Schließlich sind wir hier nicht bei „Wünsch Dir was““ – obwohl Robert ja schon mehrfach erwähnt hat, dass man gerne auch mit Themen(wünschen) an ihn herantreten kann, aber das sollte dann auch auf angemessene und nicht aggressiv fordernde Weise geschehen.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Robert
Vor 8 Monate

Ah, verstehe, es ging ihm nur um aggressive werbung für sein Projekt… alles klar ;-)

Martin
Martin(@zupan)
Vor 3 Monate

Yori gehört einer Generation an, die sich den Luxus der sozialen (Medien-)Distanz nicht mehr leisten kann. Mit Mitte 20 ist sie in ein digitales Geflecht von Istagram und Tiktok eingebunden, das seine eigene kommunikativen Spielregeln hat. Sie präsentiert ihre Emotionen der breiten Öffentlichkeit, gibt Einblicke in ihr Privatleben und erzählt minutiös von ihren psychischen Erkrankungen, wobei diese Schilderungen an einigen Stellen den Eindruck hinterlassen, als leide sie an einem Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom infolge einer überbordernden Auseinandersetzung mit der MSD-Manual der psychiatrischen Diagnostik. Jedenfalls hat jede eingeworfene Sprechblase, jedes Emoticon und jedes seinen Stellenwert in Yoris Videos, bei denen es nicht zuletzt um ihren Status als Influencerin geht.

Vor dem Hintergrund lässt sich nach meinem Dafürhalten auch Yoris Einstellung zum Satanismus LaVey’scher Provenienz verstehen. Er erweist sich als Möglichkeit, um die eigene christliche Prägung zu verarbeiten. Leider erscheinen diese Konditionierungen in einem neuen Gewand. Aus den 10 Geboten werden die „11 satanistischen Regeln“; die „Heilige Schrift“ ist die „Satanische Bibel“ und die Messerituale werden mit den höllischen Namen invertiert. Kein Gespür hat Yori jedoch für das Blendwerk des Löwenbändigers LaVey, worauf die Reporterin auch aufmerksam macht. In seiner Kirche hat er die Simonie eingeführt, ein zynischer, ironischer und elitärer Grundton nicht zuletzt gegenüber der eigenen Anhängerschaft durchzieht seine Schriften; nichtsdestotrotz war er in meinen Augen ein unterschätzter Essayist, der dem Menschen auf’s Maul geschaut hat. Wie auch Yori, war LaVey ein früher Influencer, der sich jedoch der Wirkungsweise der Manipulation bewusst war.

Martin
Martin(@zupan)
Antwort an  Robert
Vor 3 Monate

Ich habe die Formulierung „Luxus der sozialen Medien-Distanz“ bewusst in der zugespitzten Form gewählt, um auf ein Problem der modernen Gesprächskultur hinzuweisen. Die Weigerung, sich bei Facebook oder Instagram anzumelden, kann zugleich einen Ausschluss aus der Kommunikationsgemeinschaft bedeuten. (Ich probiere auch meine Anlaufversuche in den sozialen Medien, weshalb ich mich nun hier angemeldet habe. :-) ).

Natürlich kann man darüber streiten, ob Yori eine „Influencerin“ ist oder nicht. Sind nicht von Dir benannten Merkmale der „Affektiertheit, Show udn Inszenierung“ nicht Merkmale des „Influencer“-Daseins? Wenigstens versucht sie, ihren Abonnenten ihre Position nahezulegen. Mir geht es darum, Yoris Verhalten vor dem Hintergrund einer gegenwärtigen Kommunikationskultur zu deuten und damit zugleich zu verstehen. In meinen Augen lassen sich die Videos nicht auf ihre Befindlichkeiten zurückführen, die zur ferndiagnostischen Begutachtung einladen, sondern ich sehe sie im Kontext einer gegenwärtigen Entwicklung, die Du treffend mit „Ausverkauf der eigenen Seele“ charakterisiert hast.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Martin
Vor 3 Monate

Die Weigerung, sich bei Facebook oder Instagram anzumelden, kann zugleich einen Ausschluss aus der Kommunikationsgemeinschaft bedeuten.

Das sehe ich ebenfalls kritisch. Ich habe keine Lust, mich bei diesen Plattformen und Datenkraken anzumelden, finde es aber extrem blöd, dass viele Bands, Veranstalter usw. sich nur noch ausschließlich über Facebook präsentieren und Veranstaltungen oft auch nur noch dort bekannt geben. Viele Band und Veranstalter pflegen ihre Webseiten kaum oder gar nicht mehr, weil alles vorrangig über Facebook läuft.

Möchte man sich über Veranstaltungen wie Tourdaten, Parties oder Festivals informieren, geht das nicht, wenn man nicht angemeldet ist (eine Zeitlang war das ja wenigstens noch möglich gewesen, die Anmelde-Aufforderung wegzuklicken und trotzdem das zu sehen, was öffentlich freigegeben war). Das finde ich unmöglich gegenüber denjenigen, die sich nicht dort anmelden möchten, denn es sind ja nicht gerade wenige, die Facebook boykottieren oder der Seite (wieder) den Rücken kehren.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Manu
Manu(@manu)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 3 Monate

Die Bands und Veranstalter, die FB nutzen, um Ihre Veranstaltungen anzupreisen, möchten es einfach haben. Ein Webseite pflegen kostet Geld und Zeit, und ist im Gegensatz zu einer Plattform zu sperrig. Die Leute wollen außerdem ein Gesamtüberblick in die Timeline gespült bekommen und nicht mehr auf einzelne Seiten gehen, ob bei XY sich etwas getan hat. und…Je kleiner die Gage, umso mehr FB. Leider. MySpace wollte mal eine Plattform für Künstler werden, die haben es auch verhauen. Somit kann man nur schauen, dass man sich die gewünschten Informationen anderweitig zusammenkratzt. Für die paar Sachen, die ich von FB brauche, geht alles noch ohne Anmeldung.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Manu
Vor 3 Monate

Ja, dass Myspace sich nicht durchsetzen konnte, finde ich schade. Das waren wenigstens noch zum Teil liebevoll individuell und kreativ gestaltete Seiten, was für’s Auge. Facebook hingegen ist optisch einfach nur langweilig, schmucklos, austauschbar.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Tanzfledermaus
Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 3 Monate

Stimmt. MySpace hatte im Vergleich schon irgendwie mehr Charakter und Raum für Individualität… :(

Claudia
Claudia (@guest_61275)
Antwort an  Martin
Vor 3 Monate

Mit „Luxus“ muss ich dir echt Recht geben. Ich merke das auch immer mehr, leider auch auf der Arbeit. Wenn du da kein What’s App und sonstige Apps oder soziale Medien nutzt, bist du auch schnell von der Kommunikation ausgeschlossen – und das ist dann echt kontraproduktiv und ungünstig.

Martin
Martin(@zupan)
Antwort an  Claudia
Vor 3 Monate

Auf der anderen Seite bedeutet auch die Weigerung, mit 100 unbekannten Menschen eine „Freundschaft“ zu schließen, zugleich auch die Entscheidung für die „echten“ Sozialkontakte, die auf dem Blickkontakt und der Wahrnehmung der mimischen Vielfalt beruhen.

Yori scheint einer Generation anzugehören, in der diese Grenzen zwischen analoger und digitaler und zwischen öffentlicher und privater Kommunikation zu vermischen scheinen. Das finde ich teilweise schon beängstigend.

Claudia
Claudia (@guest_61278)
Antwort an  Martin
Vor 3 Monate

Das stimmt und deswegen nutze ich nur wenige soziale Netzwerke und die auch größtenteils dazu mit Brieffreunden aus dem Ausland (Frankreich, USA, teilweise noch aus Schüleraustauschzeiten) oder von weiter weg in Deutschland in Kontakt zu bleiben bis zum nächsten Treffen.

Ja, der Generation gehöre ich auch an. Manchmal ist es schon schwierig sich dem zu entziehen.

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61279)
Antwort an  Claudia
Vor 3 Monate

Oh wie toll das du Brieffreundschaften hast! Ich bin was soziale Medien angeht auch zurückhaltend und habe in letzter Zeit auch an die gute alte Brieffreundschaft gedacht.
Meine letzte ist 20 Jahre her und das Gefühl einen dicken Brief gefüllt mit allerlei Souvenirs aus dem Briefkasten zu fischen ist einfach einmalig! Auf der anderen Seite habe ich leider eine grauenvolle Handschrift…
Evtl hat ja Robert Lust auf eine neue Rubrik: einer Brieffreundschaftenbörse, hehe ; )

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61293)
Antwort an  Robert
Vor 3 Monate

Das stimmt, Spontis steckt voller Möglichkeiten! Keine Ahnung warum ich mich noch nicht angemeldet habe…vielleicht weil ich die drölfzigmillionen Brieffreundschaftsanfragen fürchte, wo doch Papier knapp sein soll ; )

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Robert
Vor 3 Monate

Danke für die Erinnerung, hab dadurch mal daran gedacht mich auch – endlich – richtig zu registrieren. War überfällig. ;)

Durante
Durante(@durante)
Vor 3 Monate

Erfreulich hier so viele kritische Stimmen zu (a)sozialen Medien/Datenkraken zu lesen. :)
Wobei aber in meinen Augen „Luxus“ bezogen auf einen Boykott dieser Dienste nicht das richtige Wort ist, denn es ist einfach eine Entscheidung. Entweder ist man bereit die Konsequenzen eines Boykotts zu tragen… oder eben nicht. „Leisten“ kann sich das (zumindest privat) theoretisch jeder… es ist eine Frage des Wollens. Ich verzichte auf Whatsapp, Facebook, Insta & Co., manchmal zu meinen Nachteil (div. Veranstaltungsinfos nur auf Facebook usw.) aber dann is das halt so.
Schade auch dass die freien dezentralen Alternativen nach wie vor fast nur in der Technik-/Netz-/Aktivisten-Bubble bekannt sind: Signal kennen noch recht viele, aber Mastodon, Friendica, Diaspora, usw. … leider nicht.

Manu
Manu(@manu)
Antwort an  Durante
Vor 3 Monate

Grundsätzlich ist es eine Entscheidung, ob man ein Netzwerk nutzt oder nicht. Nur bei der Jugend ist das jedoch keine freiwillige Entscheidung mehr, sondern es gehört einfach dazu. Die ersten Smartphones gibt man Kindern im Grundschulalter. Da sind die Kids auf den Plattformen, wo auch die Freunde aus der Schule/dem Verein/usw. sind. Die merken gar nicht, dass man sich entscheiden kann, die nutzen das was funktioniert und ihnen Spaß macht. Da läuft eine Spirale, bei der nicht mehr nachgedacht wird.

Das ist auch bei vielen Erwachsenen so, weil das Wissen um die technischen Hintergründe fehlt. (Kein Vorwurf, kann nicht jeder wissen, weil sich keiner darum kümmert und der Fortschritt zu schnell ging.) Ich musste mich auch entscheiden und hab mich in Messenger „zwingen lassen“, die ich grundsätzlich ablehne. Ich wollte aber auch nicht einer Horde von Bekannten Vorträge halten, denn es hört einem eh keiner mehr nach 3 Minuten zu.

Und auch bei den alternativen Diensten gibt es so einige Kritik, weil hier auch nicht (mehr) jede Software gut gebaut wird. Bei Signal z.B. hat man ein übles PIN-Update eingebaut. Das bedeutet, dass man das Telefonbuch des Users in die Cloud hochlädt. Gut, das Telefonbuch ist jedenfalls auf dem Server verschlüsselt, aber auf dem Server selbst kann die PIN durchprobiert werden. Leider hat man diese Funktion nicht Opt-In gemacht. Anschließend kam noch die Idee mit dem Paymant-Dienst in der App, da ist es dann komplett vorbei. Wenn man es sicher haben möchte, dann muss man selber Key-Management über QR-Codes o.ä. machen. Macht aber keiner, weil in Programmierer-Kreisen PGP seit Jahren schlecht gemacht wird, obwohl dies Lösungen ohne Netz, Cloud oder Dritte anbietet. Trotzdem kann man bei Signal Kontakte manuell verifizieren, auch mit QR-Code. Das wurde irgendwann nachgerüstet und keiner hat es gemerkt, weil es zu tief im User Interface (ver)steckt (ist). Ich hab immer mal auf nen Fork gehofft, aber man ist ja schon froh, dass es Signal überhaupt noch gibt. Mastodon habe ich mir mal angeschaut und fand es gar nicht schlecht. Für mich ist die Nutzung eines Netzwerks auch eine Zeitfrage.

Somit ist und bleibt die Nutzung für jeden auf lange Sicht eine individuelle Sache, ja – Entscheidung.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Manu
Vor 3 Monate

Da kommt offenbar noch wer aus der Tech-Community… ;)

Ich bestreite nicht dass der „soziale Druck“ bestimmte Dienste zu nutzen auf einen Teenager massiv höher ist als auf einen Erwachsenen, aber die Entscheidung trifft der Teenager am Ende trotzdem selbst.
Wenn man natürlich einem Kind im Kindergarten- o. Grundschulalter ein Smartphone in die Hand drückt und ihm vielleicht sogar noch selbst Whatsapp vorher installiert (weil die Eltern das ja auch benutzen)… ja, dann hatte das Kind nie wirklich eine Wahl, das stimmt leider.

Ich finde Signal wohlgemerkt auch nicht perfekt (lieber wäre mir eine Lösung die gar nicht an eine Mobilnr. gebunden ist z.B., und die Payment-Geschichte ist mir suspekt), aber es ist Whatsapp imho trotzdem jederzeit vorziehen*, und ich wusste halt dass ich Leute eher dazu kriege Signal zu nutzen (ggf. parallel zu ihrem Whatsapp) als z.B. Jabber/XMPP oder dgl. … bzw. ein Teil war sowieso schon (parallel) Signal-Nutzer.
Wenn jemand auf Kommunikation ausschließlich via Whatsapp besteht (erreichen kann mein Umfeld mich via Signal, SMS, E-Mail o. Anruf)… dann hat er halt Pech. Zwingen lass ich mich nicht.
Diesbezüglich hab ich selbst wohl noch (einigermaßen) Glück weil zumindest ein Teil meines eher „nerdigen“ Bekannten- und Freundeskreises eher technik-affin ist – Nicht alle natürlich (Gut, dafür hab ich keinerei Gruftis im Freundeskreis und muss alleine auf Konzerte/Festivals fahren – Offenbar hat wirklich immer alles seine Vor- und Nachteile).

(*Disclaimer: Ich nutze nicht den offiziellen Signal-Client sondern Axolotl auf nem PinePhone, kann also zu Oberfläche & Bedienung des „normalen Signal“ zugegebenermaßen gar nichts sagen. ;) )

Martin
Martin(@zupan)
Antwort an  Durante
Vor 3 Monate

Ich finde es ebenfalls, wie sich die Auseinandersetzung über eine Reportage nun zu einer Grundsatzdebatte über das allgemeine Kommunikationsverhalten entwickelt hat. Auch ich begrüße übrigens Brieffreundschaften, wobei diese in meinen Augen auch ein Ausdruck von Intimität und Individualität sind.

In dem Zusammenhang mag die Bezeichnung „Boykott“ ebenso zugespitzt wirken wie meine Luxus-Metapher. Letztlich ist die Nutzung sozialer Medien eine Frage des Arrangemeints mit der Umwelt, eben – wie Du auch gemeint hast – eine Sache der Entscheidung. Das setzt in meinen Augen das Bewusstsein dafür voraus, dass eine Bloßstellung des eigenen (Innen-)Lebens nicht normal sei. Bis in die 2000er Jahre hinein galt die eigene Wohnung als Privatsphäre, spätestens mit der Entwicklung des „home office“ sind die eigenen vier Wände ein Teil der Öffentlichkeit. Und solang die Wahlmöglichkeit gegeben ist, dass man sich dem Ganzen entziehen kann, ist es in meinen Augen alles in Ordnung.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Martin
Vor 3 Monate

Ich glaube da muss man unterscheiden zwischen der Beobachtung die den Leuten WIRKLICH bewusst ist und der Beobachtung die ihnen nicht bewusst ist bzw. von der sie nur auf theoretischer, abstrakter Ebene wissen.
Es gibt wohl heutzutage mehr Menschen denen es egal wäre wenn man von der Strasse aus 24/7 immer einen perfekten Blick in ihr Wohnzimmer hat (früher ein No-Go), es gibt aber immer noch genug die DAS stören würde (auch jüngere).
Sobald es aber ums Internet & „Soziale Medien“ geht (und nicht z.B. Menschen aus der „physischen Nachbarschaft“), „fühlt“ sich das wohl die meisten Menschen aus irgendeinem Grund anders an (als wenn man ihnen im realen Leben permanent über die Schulter schauen würde)… das ist zumindest der Eindruck den ich über die Jahre so bekommen habe.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Robert
Vor 3 Monate

Was fehlt, ist digitale Kompetenz, die leider in Schulen kaum gelehrt wird

Ein wahres Wort! „Digitale Kompetenz“ in Schulen heißt heutzutage nur: Drück dem Kind halt ein iPad oder Microsoft Surface in die Hand („freundlicherweise“ und gaaaanz uneigennützig zur Verfügung gestellt von Apple oder Microsoft :-| )… und fertig.
Und auch was die „Verarbeitung“ angeht hast du recht, allein den Anteil den Social Media an der Zunahme von Dingen wie Depressionen, Magersucht, etc. haben dürfte… *seufz*
Früher konnte der Mensch sich bez. Fertigkeiten, Erfolg, Aussehen, etc. nur mit seinem direkten Umfeld „vergleichen“ (maximal noch mit Prominenten), jetzt gefühlt mit der gesamten Menschheit (dass beinahe jeder sein Leben online besser darstellt als es in Wahrheit ist kommt noch dazu).

Manu
Manu(@manu)
Antwort an  Durante
Vor 3 Monate

Da habt ihr völlig recht.

Neben dem Digitalpakt wurden während Corona die Schulen mit Endgeräten zugepflastert…und nun macht mal. Mehr schafft die Politik und deren Landesämter für Bildung nicht. Leider fängt die fehlende Kompetenz bei den Lehrern an. Ich habe von keinem Bundesland bisher gehört, dass Lehrer verpflichtend Weiterbildungen absolvieren mussten. Auch in den Studiengängen läuft alles über Eigeninitiative. Wenn schon bei den Erwachsenen keine Strategie da ist, wie soll dann eine Strategie für Kinder entwickelt werden?

Ein Trauerspiel…

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61297)
Antwort an  Manu
Vor 3 Monate

Ja, absolut. Den Begriff Medienkompetenz hört man so oft, aber die Verantwortlichen im Bildungsbereich wissen vermutlich oft selbst gar nicht so genau was das bedeutet. Eben nicht nur ein Tablet in die Hand drücken. 
Medienkompetenz setzt sich aus 4 Teilbereichen zusammen. U.a. natürlich die Nutzung aber auch das kreative Gestalten von und mit Medien sowie das kritische Betrachten und Bewerten. Das hat Dieter Baake schon in den 90ern formuliert. Wenn man sich zb an Schulen daran orientieren würde, wäre schon viel geschafft. Aber ich schätze mal das ist zu teurer, zu aufwändig zu …. was auch immer. Ein Armutszeugnis in Sachen Bildung!
Ich bin selbst kein Fan von sozialen Medien und nutze es so gut wie gar nicht. Facebook habe ich mich, trotz teils nerviger „Beitrittsüberzeugungsversuche“ von Bekannten, immer verweigert. Hab mich wirklich gefragt warum manche Leute da so einen pseudoreligiösen Missionseifer an den Tag gelegt haben, sehr seltsam. 
Aber ich glaube in sozialen Medien steckt auch Potenzial drin, wenn man denn die oben genannten Aspekte beachten würde. 

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61311)
Antwort an  Robert
Vor 3 Monate

Die Eltern sollten natürlich auch eine Rolle spielen, im Idealfall. Aber da fehlt es eben auch an Kompetenz und wie du schon sagst, zu oft auch an Vorstellungskraft und emotionalem Rückhalt. Den suchen junge Menschen dann im Netz. 
Vielleicht war das bei Yori ähnlich. Sie hat vermutlich ein Ventil für sich gefunden in der Weise wie sie sich online präsentiert und mit ihrer tabubehafteten Erkrankung umgeht. Möglich, das es ihr sehr gut tut. Aber ich hoffe das da auch noch andere ein Auge auf sie,bzw ihre Internetpräsenz haben, da sie auch schnell instrumentalisiert werden kann, von diversen Seiten, eben auch anderen Medien die über sie berichten. 
ganz allgemein, ist es wichtig das man auch den Followern und Zuschauenden vermittelt, das man nicht alles was sie oder andere online machen und sagen für bare Münze nehmen sollten und das man vor allem nicht glauben soll, sich so offen und privat zu zeigen, sei der Standard oder gar eine Notwendigkeit um im Zirkus der sozialen Medien mitzuspielen. Ob das mit Eltern, Pädagog*innen oder Im Freundeskreis stattfindet, hauptsache es wird sich damit auseinandergesetzt. Am besten zusammen gucken und drüber reden. Innerhalb der Szene(n), des Freundeskreises etc. ist aber natürlich immer am effektivsten als wenn jemand mit nem moralischen Zeigefinger kommt, klar. Es geht ja eben auch um Abgrenzung zu uns „alten Eisen“.

Letzte Bearbeitung Vor 3 Monate von Norma Normal
Martin
Martin(@zupan)
Antwort an  Norma Normal
Vor 3 Monate

Das Problem sehe ich aus einer berufsbedingt betroffenen Perspektive darin, dass es im Grunde genommen eine fehlende didaktische Zielstellung gibt. Die Ausbildung der Medienkompetenz wird praktisch den einzelnen Fächern überantwortet. Im Berliner Rahmenlehrplan heißt es: „Medienbildung ist verbindliche Querschnittsaufgabe aller Fächer und berücksichtigt das Lernen mit und über Medien.“ De facto hat dies zur Konsequenz, dass die Medienbildung sich auf die fachbezogene Kompetenzentwicklung beschränkt. Die Schüler können z.B. eine Power-Point-Präsentation zu einer literarischen Epoche gestalten oder mithilfe von Word eine Facharbeit konzipieren. Vielleicht können sie noch bei der Recherche seriöse von weniger seriösen Quellen unterscheiden; aber die Medienbildung erfolgt hier nicht zielgerichtet, sondern selbst bei einem guten Fachunterricht immer im Sinne des zu erlernden Fachs.

Norma Normal
Norma Normal (@guest_61310)
Antwort an  Martin
Vor 3 Monate

Ja das ist alles nicht so richtig das gelbe vom Ei. Während dem Fachunterricht noch Medienbildungsarbeit zu leisten ist halt auch nicht mal eben gemacht.  Und werden die Lehrenden da überhaupt darin geschult? Besser wären externe Medienfachleute ins Boot zu holen, Workshops oder AGs anzubieten. Aber dafür fehlen wohl häufig die finanziellen Mitteln. Zum Glück kenne ich aber auch einige solcher Projekte. 

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Dunkeltanz

Schwarze Clubs und Gothic-Partys nach Postleitzahlen sortiert

Gothic Friday

Leser schrieben 2011 und 2016 in jedem Monat zu einem anderen Thema