Pressespiegel zum 23. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig

In einer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig fragte ich einige Besucher, ob sich das Treffen “leerer” oder “voller” anfühlt. Hintergrund war die eigene subjektive Wahrnehmung, weniger schwarze Gestalten über den Weg gelaufen zu sein, als in den Jahren zuvor. Interessanterweise bin ich nicht alleine mit diesem Eindruck geblieben, denn die meisten Befragten sind ebenfalls weniger Gleichgesinnten begegnet. Einige fanden, es sei gleich geblieben – doch niemand hatte den Eindruck, es wären mehr Besucher als in den letzten Jahren. Die Fakten sprechen eine andere Sprache und verzeichnen sogar einen leichten Anstieg der Besucherzahlen gegenüber den Jahren 2011 und 2012. Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) vermeldet am 10. Juni: “Angesichts der 59 in der Regel gut besuchten Veranstaltungsorte wirken 21.000 offizielle Besucher eigentlich wenig.” Womöglich sorgt die Verlagerung des Treffens vom WGT-Geschichtsträchtigen Süden der Stadt in andere Stadtteile, wie beispielsweise Plagwitz, für eine gewisse Entzerrung und größere Verteilung der Besucher.

Dieses Jahr sind einige neue Veranstaltungsorte hinzugekommen, während andere, signifikante Ballungszentren verschwunden sind. Mit dem Wegfall des Werk II als Veranstaltungsort ist beispielsweise der Stadtteil Connewitz merklich leerer geworden. Über die Gründe, warum man den Veranstaltungsort mit der längsten Tradition aus dem Programm genommen hat, lässt sich nur spekulieren. Konzerte von Bands aus dem Neofolk-Genre sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Konfliktpotential mit der in Connewitz stark vertretenen ANTIFA-Szene und haben die Veranstalter möglicherweise dazu bewegt, sich um Alternativen zu bemühen. Die LVZ schreibt: “Über Gründe wird viel spekuliert, benannt werden keine. Der Bruch ging jedenfalls nicht vom Werk 2 aus.”

Ein weitere Grund dürfte das sonnige Wetter gewesen sein, dass Leipzig über Pfingsten in ein Urlaubsparadies verwandelte, jedenfalls für Sonnenanbeter. Die breite Masse der Grufties fächerte sich nach Abkühlung ringend über die Festivaltage. So schreibt die BILD in ihrem kleinen, mit Fledermäusen geschmückten Artikel “Wir schwitzen in Schwarz“: “Ein beliebter Trend daher auch in diesem Jahr: Schwarze Tapes auf den Brustwarzen und Röcke, die so kurz eigentlich gar keine mehr sind.” Viele Besucher nutzten daher die schattigen Plätze in den Parks der Stadt und blieben den sonst belebten Schnittstellen zwischen bunter und schwarzer Welt, wie der Moritzbastei und der Innenstadt, fern. Gastronomen freuten sich bereits im Vorfeld “auf eines der umsatzstärksten Wochenende des gesamten Jahres neben der Buchmesse.” und rieben sich zusammen mit Hoteliers und Händlern die Hände, denn geschätzte 15 Millionen Euro machen das WGT zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Stadt.

Das WGT erweckte den Eindruck, es seien weniger Besucher. Die offizielle Besucherzahl von 21.000 spricht eine andere Sprache.
Das WGT erweckte den Eindruck, es seien weniger Besucher. Die offizielle Besucherzahl von 21.000 spricht eine andere Sprache.

Auf dem viktorianischen Picknick, mit dem für viele Besucher das WGT beginnt, ging es wie gewohnt turbulent zu. Zwischen Schwarzromantikern, Steampunks, Cybergoths, Cosplayern und Rollenspielern wimmelte es im Clara-Zetkin-Park erwartungsgemäß von Fotografen, Kamerateams und Schaulustigen. Ein Reifrock, der aus Warnwesten geschneidert wurde, machte an diesem Freitag unmissverständlich deutlich, dass sich Schwarz als “Trendfarbe” längst erledigt hatte. Cornelius Brach rundet die Sache in einem Artikel des Stern ab: “Viele schwenken auf Weiß um – Weiß geht ja auch”, sagte der WGT-Sprecher Cornelius Brach am Sonntag, während die Pfingstsonne auf die Tausende Teilnehmer niederbrannte.” Die sonst so provokationslustigen Veranstalter geben sich in diesem weltoffen und bunt, für meinen Geschmack jedoch ZU bunt.

Überhaupt ist die gesamte Berichterstattung über das Festival eher dürftig. Leitmedien wie die “Welt”, die “Zeit” oder auch die “FAZ” ignorieren das Spektakel mittlerweile inhaltlich und schmücken sich, wie viele anderen Medien, mit den ewig gleichen und belanglosen Kurztexten die sie mit möglichst extremen Fotos würzen. Die Leipziger Volkszeitung festigt 2014 erneut ihre Position als Leitmedium des Treffens und hat neben guten Redakteuren und Autoren (wie beispielsweise Alexander Nym) auch mittlerweile kritische Worte, jedenfalls für die Stadt Leipzig: “Das ohnehin höchst unbefriedigende Müllmanagement im Park gerät dabei voraussehbar zur ekelhafte Katastrophe. Fast rührend, wie die reinlichen Gruftis ihren Abfall penibel zu den großen Haufen tragen, die andeuten, dass darunter ein übervoller Papierkorb steht. […] Ein imageträchtiges Bild für Leipzig schaffen sie aber nicht.

Autorin Nadine Eckermann sorgt dann auch für das heimliche Schmunzeln auf den schwarz geschminkten Lippen. In ihrem kleinen Artikel “Gothic für Anfänger”, der in der Samstags-Ausgabe der LVZ erschienen ist formuliert sie in ihren “Tricks”: “Mit Öffis reisen. In der Bahn führt man die schrägsten Gespräche. In den ersten Jahren wundert man sich über Fragen nach der Schlafstätte im Sarg und Zubereitungstopps für Hühnerfüße in Absinthsoße. Später antwortet man routiniert: Gruftis schlafen nicht. Gruftis essen nicht.

In Genreübergreifender Neugier widmet der Metal-Hammer dem WGT 2014 auch einen Artikel, von dem ich mir aber etwas mehr Differenzierung erwartet hätte, frei nach dem Motto “von Subkultur zu Subkultur”: “Kaum erreicht man die Grenzen von Leipzig, färben sich die Straßen mit einem Mal schwarz. Wunderschöne Gestalten, wie aus dem viktorianischen Zeitalter hinterblieben, ziehen durch die Stadt. Sie schleppen ihre weiten Reifröcke und ihre in enge Corsagen und Korsette geschnürten Taillen durch die knallende Sonne und wedeln sich mit Fächern immer wieder Frischluft in die stark geschminkten Gesichter und die kunstvoll hochgesteckten und von skurrilen Hütchen gezierten Haare; zukunftsartige Cyberwesen richten ihre neonbunten, schlauchartigen Outfits und marschieren im Gleichschritt auf hohen, mit Nieten geschmückten Plateau-Absätzen mit der dunkelbunten Kolonne Richtung Heidnisches Dorf. Dort vereinen sie sich mit Wikingern, Rittern, Zombies und anderen Wesen wie aus einer fremden Zeit zu einer großen, feiernden Gesamtheit.

Bewegende Momente

Kameras in jeder Größe sorgten an allen Tagen für bewegte Bilder und wirkten für die Einen anziehend und für andere abstoßend. Ich selbst bin ebenfalls Opfer eine solchen Kamera geworden, wenn auch freiwillig, doch dazu gibt es in meinem Nachbericht zum Spontis-Treffen 2014 (wird dann auch hier verlinkt) aber etwas ausführlichere Einblicke. Der MDR sorgte nicht für Überraschungen auf dem kleinen Treffen beim Treffen sondern auch für einen der Besten Reportage der letzte Jahre, die über das WGT gedreht wurden. Das Kulturmagazin des MDR “artour” gab mit ihre kleinen Reportage “Die Farbe Schwarz – Unterwegs auf dem Wave-Gotik-Treffen” interessante und sehr spannende Einblicke. Allein die Namen der Gesprächspartner verspricht einzigartige Einblicke: Alexander Nym, Myk Jung, Mark Benecke und Blonder (Fair Sex), Anne Clark und Michael Brunner (!).

In der Tat wurde die Redaktion äußerst gut beraten und hat mit Brunner den Gründer des WGT vor die Kamera geholt, der sich sonst ziemlich medienscheu gibt. In einem sehr persönlichen Einblick erzählt dieser von den Anfängen des Festivals, von der geheimen Feier in Potsdam, zu der er zwei Freunde anrief aus denen letztendlich 200 wurden. Sogar zum “Chaos-Festival”, dass 2000 zu seinem Ausscheiden führte, äußert er sich sehr ausführlich.

Ich bin immer noch sehr beeindruckt. Hier werden die richtigen Fragen an die richtigen Leute gerichtet. Auch von der Partie ist Inga Siebert, die ihre endlich vorgestellte Dokumentation “Vita Nigra” vorstellt (Spontis berichtete).

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Tatsächlich möchte ich mich an dieser Stelle ganz offiziell bei der Redaktion des MDR bedanken die sich bei der Recherche über das WGT so viel Mühe gegeben haben und so feinsinnig und tiefgründig in die Materie eingestiegen. Bislang ist mir noch kein besserer Bericht der “etablierten” Medien untergekommen. Sicher, ich muss nicht mit dem Dargestellten konform gehen und auch nicht jede Meinung teilen, doch seinen Bildungsauftrag hat der MDR erfüllt und erstmals habe ich wieder das Gefühl, meine Rundfunkgebühren sinnvoll angelegt zu haben. Fantastisch, wie vielen Aufnahmen alter Beiträge aller möglichen Sender gezeigt werden, großartige Arbeit! Sei es die Aufnahmen des Batcave oder Mitschnitte von DEFA-Aufnahmen, hier wurde akribisch und detailreich gearbeitet!

Der regionale Sender hat aber auch in der weiteren Berichterstattung die Nase vorn und berichtet gleich mehrfach über das Festival, wie die nachfolgenden Mitschnitte zeigen.  Die Privatsender lassen sich allenfalls zum Standard hinreißen und titeln “So modisch ist die Gothic-Szene: Von wegen düsterer Gammel-Look”, wie die Sendung “Explosiv” auf RTL und fasst zusammen: “Wenn Sie glauben, es handle sich beim Gothic-Lifestyle um eine Randerscheinung, haben Sie sich getäuscht. Die Liebe zur schwarzen Szene geht nämlich durch alle gesellschaftlichen Schichten: Vom Biophysiker, Medizinstudenten und Betriebsprüfer ist alles dabei. Offenbar trügt also der erste Eindruck des alles verweigernden und immer nur düsteren Grufties. Und einen Dresscode, an den sich alle halten, gibt es auch nicht. Hier trägt eben jeder einfach das, was ihm am allerbesten gefällt.

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Noch weitere Artikel, Videos oder Bericht? Ergänzt in den Kommentaren, was ihr findet. Ich werde sie dann hier im Artikel einpflegen.

 

 

Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Kommentare

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Shan Dark
Shan Dark (@guest_49708)
6 Jahre her

Sehr gelungener Pressespiegel und tatsächlich hat der mdr dieses Jahr wirklich etwas außergewöhnlich Gutes abgeliefert. Fast schon ein Beitrag für die Vitrine!

Ansonsten wünsche ich mir mittlerweile eine “Grufti-Polizei” für so manche in den Reportagen gezeigten Leute und die vielen Outfit-Unfälle.

r@zorbla.de
r@zorbla.de (@guest_49709)
6 Jahre her

Hier das Original des mdr-Berichts, da mal wieder der GEMA-Wichtel auf die YouTube-Variante draufgekloppt hat:

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_49711)
6 Jahre her

Och, ich sehe das mit den Outfits mittlerweile lockerer. Könnte mir durchaus vorstellen, dass sich so manche “Grufties” als Normalos, die sich als “Gotticks” verkleiden, verkleiden :) Verkleiden, verkleiden :P

modermichl
modermichl (@guest_49712)
6 Jahre her

Na ja, die Journalistenzunft muss für das Publikum schreiben, das ihr Medium, für das sie tätig sind, liest.

Der mdr Beitrag ist bis auf das grausige Umbra et Imago Gedröhn eigentlich in Ordnung und auch sehr sachlich und gut recherchiert.

Eigentlich seit langem das Erstemal, das man nicht Bilder oder Videos zu sehen bekommt, wo ein paar Schauläufer die agra rauf und runter stolzieren, um dann nach 10 Minuten die Plätze zu tauschen.

Die Allermeisten schauen ja zu, das sie ihr musikalisches Programm abarbeiten und noch einigermassen fit sind für die Parties, die sie sich vorgenommen haben. Bei uns reichen 20 Minuten zum Anziehen und Haargeelen :) vollkommen aus und bei den meisten wohl auch, denke ich. Solche Leute zu fotografieren, ist aber wahrscheinlich uninteressant.

Dafür habe ich sehr viel Zeit für das Erstellen meiner persönlichen Konzertexcelliste gebraucht. :)

Marcus
Marcus (@guest_49713)
6 Jahre her

Anfänglich hatte ich auch den Eindruck, dass weniger Besucher in Leipzig unterwegs waren. Aber aufgrund der einen oder anderen sehr gut besuchte Örtlichkeit (beispielsweise das Täubchenthal am Montag oder die Galerie Sansvoix mit der Giger-Ausstellung) musste ich diesen Eindruck wieder verwerfen.

Die ausführliche MDR-Reportage hat auch mich erfreut. In den anderen Beiträgen sieht man hingegen häufig die üblichen Karnevalisten, die für Außenstehende ein falsches Bild übermitteln und bei mir ein gewisses Fremdschämen auslösen. Da ich die Agra nur kurz und die Moritzbastei gar nicht besucht habe, blieb mir dies zumindest live weitestgehend erspart.

Gruftzuckerl
Gruftzuckerl (@guest_49714)
6 Jahre her

Subjektiv fand ich es auch leerer als die Jahre davor, ich denke aber, dass gerade das in der Innenstadt stattfindende Stadtfest dazu beigetragen hat, viele von dort fern zu halten. Ich war am Samstag kurz drin und fad es – wie viele Andere sicher ebenso – unangenehm voll.

Und wie im Beitrag schon gesagt, das Wetter hat sicher sein Übriges dazu getan. Der Park vor der Parkbühne war durchgängig gut belegt, alles was nur irgendwie sonnig war, leer.

Was die Karnevalisten angeht…. um die kommt man nur rum, wenn man Fotografenlastige Orte meidet. Die wird es auf dem WGT, solange es sich über die Ganze Stadt erstreckt, immer geben.

Und ganz kann ich Modermichel nicht zustimmen, es gibt auch Menschen, die nicht zur Karnevalsfraktion gehören und trotzdem jeden Tag mindestens eine Stunde brauchen um sich anzumalen. Es gibt Leute, denen macht das Spass und es ist für sie wichtig.
Es ist ja gerade ein von mir sehr geschätzter Teil der Szene, dass man sich über sein Äusseres ausdrücken kann und darf. Und dabei eben so tief in den Farbtopf greifen kann, wie man möchte.

Frau Vledermaus
Frau Vledermaus (@guest_49715)
6 Jahre her

Der MDR-Beitrag war wirklich gut. So viele Facetten bekommt man sonst nicht zu sehen. Natürlich mag ich auch den Pressespiegel – danke, Robert, fürs Zusammenfassen. Und jetzt ärgere ich mich, doch so viele Konzerte verpasst zu haben. Aber nur ein bisschen – die Treffen beim Treffen waren mein Highlight. Ich hoffe, die Zeit bis Mai geht schnell um, damit ich die mir lieb gewordenen Menschen bald wiedersehe.

Gruftfrosch
Gruftfrosch (@guest_49717)
6 Jahre her

Guter Bericht von Artour im MDR, der auch daheim von den Eltern interessiert konsumiert wurde ^^. Mag es wirklich nur daran gelegen haben, dass die Verantstaltungsorte so gut über die Stadt verteilt waren, dass ich den Eindruck von weniger Gästen hatte? Mhm. Nun ja, mir war das ganz recht. So manches Jahr war’s viel zu voll teilweise und seit die Cyber auf dem Rückzug sind, isses auch endlich wieder fast durchweg schwarz (sorry).
Die Händler oben auf dem MB-Mittelaltermarkt haben auch gejammert, weil kaum einer was kauft. Die Bands spielten vielfach nur für eine handvoll Leute, weil Schatten dort oben eine echte Ausnahme war. (Aber hey Leute, wir haben das heißeste Pfingstfest seit Aufzeichnungsbeginn erfolgreich durchgestanden.)

Definitiv leerer war der Verkaufssaal in der Agra-Halle (Der blöde VAWS-Stand hämmerte allerdings wieder ;)).

Bedanken möchte ich mich bei Robert für das schöne gemütliche Spontistreffen. War bei der Hitze genau das Richtige am Montag, auch wenn der Vogel in der Blutbuche über mir meine Pluderhose wohl beschi**en fand ;) *Insider*

Rosa Aristides Chalybeia
Rosa Aristides Chalybeia (@rosa-chalybeia)
6 Jahre her

Die MDR-Doku fand ich ebenfalls sehr angenehm sachlich und gut recherchiert, hat wirklich Freude bereitet sich den anzusehen, ansonsten habe auch ich bislang noch nicht viele andere Artikel oder sonstwas zum heurigen WGT finden können, ich habe da auch den Eindruck daß die Vorjahre das Interesse weit größer war von der Medienseite aus. Was ja nicht schlimm ist, bei dem Scheiß der da manchmal bei rauskommt, lediglich die Bild haut in altbekannt-reißerischer Masche wieder drauf. Im neuesten Artikel dazu wird mal wieder der Frage nachgegangen, wie viel die Klamotten kosten:

https://www.bild.de/regional/leipzig/wave-gotik-treffen/wgt-kleider-kosten-36312330.bild.html

Das nervt mich ehrlichgesagt auch von Jahr zu Jahr mehr, auch wenn zumindest schonmal die Nachfrage kommt, wie viel eigene Arbeit in manchen Klamotten steckt, dennoch entzieht es sich meinem Verständnis, wieso das Wissen um die Anschaffungskosten diverser Klamotten, so ungemein interessant sein soll.

Was die Bilderjäger angeht – aus meiner eigenen Erfahrung heraus war es heuer angenehm, wir haben aber die heißen Stellen zu den Hauptdurchlaufzeiten auch wieder gemieden. Das größte Ärgernis waren Herrschaften, die auch heuer gezielt drauf gewartet haben, bis man sich irgend ein Stück Nahrungsmittel ins Gesicht schob oder das Telefon am gekalkten Ohr hängen hatte. Kam meistens beim Abkühlversuch bei Eis in einem der Cafe’s der Innenstadt vor.
Ein rotzfrecher Zeitungsknippser trieb sich wohl bei einem privaten Treffen am Südfriedhof rum und reagierte demonstrativ auf Nachfragen und Bitten, das zu unterlassen, nicht, mit dem Resultat daß das Bild einer Bekannten von mir, ohne ihr Einverständnis an diverse Zeitungen weiterverkauft wurde. Sie hat heuer auch das erste Mal deswegen wirklich einen Anwalt eingeschaltet.

Als wirklich erfreuliche Abwechslung aber, sind mir dafür heuer ein paar wirklich unglaublich netter Photographen untergekommen, zwei davon vor dem heidnischen Dorf, das find ich dann schon recht schön wenn man nicht nur als abschießbares Objekt behandelt wird, sondern auch ausführlich gesagt wird wofür die Bilder dann gedacht sind, und die Möglichkeit das dann noch abzulehnen, falls mans nicht möchte, auch höflich akzeptiert wird.

Generell zum Auftakel-Thema – das wichtigste haben Gruftzuckerl und Robert ja schon gesagt, und dem schließe ich mich auch an, möchte nur dazu setzen daß ich zum WGT nun eher ungern in meinen Alltagsklamotten rumrennen wollen würde, einmal weil man das eh jeden Tag trägt, und WGT ist so oder so ein Ausnahmezustand. Aber ist ja auch völlig OK daß jeder da seine eigenen Wohlfühlfaktoren hat, manche können alltags vielleicht auch generell kaum Individualität zeigen, aus beruflichen oder anderen Gründen.
Und im Grunde ists auch egal ob man sich für den “Ausnahmezustand” das Gesicht weiß kalkt oder sich einen Iro stellt – beides dürfte im Alltag gleichermaßen schwer “tragbar” sein. Das normale Volk trägt zu besonderen Anlässen ja auch nicht unbedingt die Jeans und das Schörtl vom normalen Arbeitstag.

black bat
black bat (@guest_49720)
6 Jahre her

Ich schließe mich ebenfalls an und finde den Bericht des MDR wirklich gelungen! Vor allem Alexander Nym (am Rande bemerkt, finde ich “Schillerndes Dunkel” ein sehr gutes Buch), sagt viele richtige Dinge und räumt ein wenig mit Klischees auf! Den Link habe ich direkt mal an interessierte Nicht-Grufti-Freunde weitergeleitet, da ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass nicht komplett falsche oder unpassende Dinge vermittelt werden und somit auch kein falscher Eindruck entstehen kann (über die teilweise komische Musik kann man ja mal hinwegsehen…).

Schauläufer und Selbstdarsteller wird es immer geben, ich finde das zunächst einmal nicht schlimm, denn eine gewisse Form der Selbstdarstellung gehört dann doch irgendwie dazu. Doof finde ich nur, wenn es ausschließlich darum geht zu posieren und Inhalte keine Rolle mehr spielen

Sehr schön gesagt, Robert! Leider scheint das breite Bilder der Öffentlichkeit/Medien aber genau dies zu sein: WGT = Karneval und Verkleiden. Und das finde ich sehr traurig! Diese schaulaufenden Menschen prägen dann natürlich ein (falsches) Bild, aber klar, es ist natürlich interessanter “soetwas” anzuschauen, als “normal” schwarz gekleidete Menschen…

Zu den Fotografen: Diese kamen mir überwiegend freundlich vor (Ausnahmen bestätigen die Regel).
@Rosa Aristides Chalybeia: Ich hatte auch das Gefühl, dass die gerne darauf warteten, bis man etwas zu essen im Mund hatte! Ich wurde auch irgendwie nur dann angesprochen, wenn ich gerade irgendwo rumsaß und aß (Freunde berichteten gleiches). Da ich solche “Bilderwünsche” jedoch immer ablehne , bleibt meist ein verständnisvolles “Danke dennoch und schönen Tag”, was ich dann doch sehr nett finde.

Alles in allem: Es waren wundertolle Tage mit lieben netten Menschen, sehr guter Musik und über Kleinigkeiten sollte man einfach hinwegsehen – man findet ja immer irgendwas, aber das versaut einem nur die Stimmung! ;)
Und ich schließe mich Gruftfrosch an: Danke Robert für die Aufnahme in euren “Kreis”! Das Treffen war wirklich interessant und im “kühlen” Schatten sehr entspannt! ;)

Tobi Panic
Tobi Panic (@guest_49722)
6 Jahre her

Eine der besseren Dokumentationen, aber es gibt etwas das mich stört:
Es wird immer von Tod und Melancholie und Weltschmerz gesprochen. Für die Musik stimmt das auch, aber wo ist das Lebensfrohe und die positive Einstellung zu sich und der Szene? Wo ist das Zelebrieren von Freund- und Bekanntschaften, das Unbeschwerte, dass – paradoxerweise – das WGT aus macht? Jedenfalls für mich macht es das aus.

Gruftfrosch
Gruftfrosch (@guest_49724)
6 Jahre her

Der Vollständigkeit halber

Graham
Graham (@guest_49729)
6 Jahre her

Hier noch ein schöner Beitrag von 2008 über das WGT und die Szene in Leipzig

Graham
Graham (@guest_49730)
6 Jahre her

Hier noch ein schöner Beitrag des mdr von 2008 über das WGT und die Szene in Leipzig

Agricola Heimgang
Agricola Heimgang (@guest_49731)
6 Jahre her

Jo, wenn das „schwarze Herz“ der „Gotiks der ersten Stunde“ beim Anblick des Leipziger Darkflower-Clubs nicht höher schlägt, dann weiss ich auch nicht…
Bloß gut, dass es jenseits dieses Kommerzschuppens – den auch gelegentlich dort auflegende Szene-Urgesteine nicht retten – in Leipzig und anderswo in Sachsen eine ausgesprochen lebendige authentische Szene gibt.

Die Bilder aus’m Fotoalbum des Sixtina-Wirts sind allerdings – ganz ohne Ironie – eine Freude. Auch die Curies am Ende stimmen versöhnlich, wenngleich die Cover-Band nicht mein Geschmack ist.

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
6 Jahre her

Auch ich möchte mich den allgemein positiven Bemerkungen über die MDR Reportage anschließen, sie gehört definitiv zu den besser gelungenen Exemplaren.

Was die Bild-Artikel angeht, muss man wohl nichts zu sagen, es ist die Bild.
Im Allgemein stößt es mir aber, wie dem ein oder anderen hier auch, zunehmend auf, dass die Bericht- und vor allem Bilderstattung doch vorwiegend sehr einseitig ist. Mein WGT finde ich da nicht, auch nicht bei Fotografen aus der Szene oder in öffentlich zugängigen Bildergalerien von “Hobby-Knipsern” aus der dunklen Ecke.

Sehr gespannt bin ich aber auch auf die Rockpalast Reportage die im Juli (09. MDR / 20. WDR)ausgestrahlt werden soll.
Leider finde ich das nicht wieder, da gab es irgendwo auch eine Reportage von einer Berliner Sendung, die eigentlich Berliner Festivals checkt, aber sich das WGT dieses Jahr (?) mal vorgenommen hat. Ein Meisterwerk ist es nicht, meiner Meinung nach, gliedert sich aber in die Sammlung. Vielleicht weiß ja jemand, was ich meine.

Mir kam es subjektiv übrigens stellenweise auch leerer vor, zumindest am Tag (verständlich), ich denke aber auch, dass sich das nur anders verteilt und viele der Hitze entflohen sind. Was ich allerdings dieses Jahr gemeint bemerkt zu haben, ist dass relativ wenige richtig “junge Leute” (im Sinne von Leuten zwischen 16-20) auszumachen waren.

Marcus
Marcus (@guest_49752)
6 Jahre her

 Flederflausch: Meinst Du vielleicht diesen für ARTE-Verhältnisse überaus enttäuschenden Beitrag?

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
6 Jahre her

Ja tatsächlich, das war das. Ich war mir gar nicht mehr bewusst, dass der von ARTE war. Musste mir den eben auch noch mal anschauen und weiß auch wieder, warum ich dem nicht das Prädikat “wertvoll” verliehen habe. Enttäuschend wie du es sagst, trifft es auch sehr gut (und gliedert sich in die RTL Ecke der Sammlung^^). Die gute Damen scheint sich schon fast etwas lustig zu machen.

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
6 Jahre her

Das Gefühl, dass “Gothic” als Trend wieder verschwindet habe ich auch und zwar länger schon (Vielleicht auch weil “die Jugend” von heute gar nicht mehr anti sein mag, sondern lieber voll dabei ist – siehe Hipster). Solange mein privates Vergnügen, also Veranstaltungen, Konzerte, WGT etc. nicht darunter (mangelnde Finanzen / Initiative / Interesse) leidet tut mir das auch gar nicht leid. Mir sind wenige Leute, denen die ganze Sache “ernst” ist und die noch wissen was dahinter steht bzw. für die noch etwas dahinter steht, lieber als ein ganzer unreflektierter Haufen der nichts verstanden hat.Das es X-Tra-X nicht mehr gibt, zumindest nicht in dem Sinne – ich habe Gerüchte munkeln hören, dass es da irgendwie anders weiter geht – finde ich auch gar nicht schade^^
Im Gegensatz zum Gefühl des Schwinden des Trends, habe ich aber auch den Eindruck, dass musikalisch doch immer wieder auch noch sehr schicke Sachen nachkommen, zumindest so weit ich das zur Zeit so überblicke.

Shan Dark
Shan Dark (@guest_49759)
6 Jahre her

“Mir sind wenige Leute, denen die ganze Sache “ernst” ist und die noch wissen was dahinter steht bzw. für die noch etwas dahinter steht, lieber als ein ganzer unreflektierter Haufen der nichts verstanden hat.”

Word! Kann man besser nicht sagen, Flederflausch!

Auch wenn ich (ebenfalls) nicht der Meinung bin, dass es weniger geworden sind. Im letzten Jahr waren es 20.000 und in diesem 21.000 und ich wüsste nicht, warum da jemand was hinzumogeln sollte (wenn man mogeln wöllte, dann nicht nur um +1.000 ;)). Denke, dass es sich besser verteilt hat dieses Jahr und wegen der Hitze die Leute die Nacht eher zum Tag gemacht haben.

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