8 März

Schwarze Symbolik – Der Ring der O

Verfasst von Diskussion: 17 Kommentare

Ring der OEines der wenigen nicht okkulten oder mythischen Symbolen, die in der Gothic Szene schon seit geraumer Zeit Verwendung finden, ist der Ring der O. Damit ist kein Dichtungsring gemeint, sondern ein Schmuckstück in Form eines Ringes mit einer aufgebrachten Öse. Und wer hat damit angefangen? Die wilden Franzosen, wer auch sonst. Als die unter dem Pseudonym Pauline Réage bekannte Schriftstellerin Dominique Aury 1954 ihren Roman Die Geschichte der O veröffentlichte, sorgte dieser für einen faustdicken Skandal. Denn wie konnte die verrückte Französin auch einen derart anstößigen Roman veröffentlichen, bevor Oswald Kolle auch den Rest der Gesellschaft reformierte und für die vermeintlich sexuelle Befreiung sorgte. Worum geht’s überhaupt in dem Roman?

Die Geschichte handelt von einer erfolgreichen Pariser Modefotografin O, die sich widerstandslos von ihrem Geliebten René auf das abgeschiedene Schloss Roissy bringen lässt. Dort lässt sich O aus Liebe zu René zu einer perfekten submissiven, einer Sklavin ausbilden. Im Rahmen ihrer Ausbildung wird sie gefesselt, ausgepeitscht, maskiert und gelehrt, jederzeit und für jeden sexuell verfügbar zu sein. O lernt eine gehorsame „Sklavin“ zu sein, dennoch bleibt sie stets selbstbewusst und ist sich ihrer Macht über die Männer in ihrer Umgebung im Klaren.

Die Symbiose aus Lust und Schmerz die in dem Roman beschrieben wird sind Teil der BDSM-Szene1, in der dieser Roman Kultstatus erlangte, da diese durch die Veröffentlichung erstmal größere Beachtung fand. Wer glaubt, Schamlippenpiercings sind eine Erfindung der Neuzeit, möge dieses 55 Jahre alte Buch einmal lesen. Der Ring der O, der heute als Halsband oder als Fingerschmuck getragen wird, hatte in der ursprünglichen literarischen Vorlage ein völlig anderes Aussehen und eine andere Bedeutung. Was heute ein Szenemitglied höchstens noch kennzeichnet, identifizierte im Roman eine Sklavin, die einem Mann der die Bedeutung der Ringes kannte, völlige Unterwerfung versprach.

Der Mann hielt ihr nun eine kleine Holzkette mit lauter gleichen Ringen hin und bat sie, daraus einen Ring zu wählen, der an ihren linken Ringfinger passte. Es waren sonderbare Eisenringe, innen mit Gold gerandet; der breite, schwere Reif, ähnlich der Fassung eines Siegelrings, aber hochgewölbt, trug in Nielloarbeit ein goldenes Rad mit drei Speichen, die spiralenförmig gebogen waren, wie beim Sonnenrad der Kelten. (Zitat aus: Geschichte der O von Pauline Réage)

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Originalring der Romanvorlage

Heute wird er häufig als Fingerring mit einer aufgebrachten Öse getragen oder als ledernes Halsband mit großer Öse, die einem Hundehalsband nicht nur ähnelt sondern quasi auch von dort bezogen wird. Dieses Aussehen etablierte sich nicht zuletzt wegen eben dieser Darstellung in der ersten Verfilmung, sondern auch wegen der Verbreitung in einschlägigen Magazinen, so wurden in der Szene Zeitschrift Schlagzeilen vom September 1989 erste Bezugsquellen vorgestellt. Wer den Ring übrigens rechts trägt, gibt sich eher devot, während der Linksträger eher als dominant anzusehen ist.

Wer jetzt damit angefangen beim anderen abzugucken, ist fraglich. Heute sind Anhänger der Gothic Szene und Mitglieder der BDSM Szene nicht mehr sauber zu trennen. Der Fetisch für schwarze Klamotten aus Gummi oder Latex, oder das schmücken mit Szenetypischen Utensilien wie Ösenhalsbändern, Peitschen oder Ringen  haben die Gothics wohl eher von den BDSM´lern entliehen. Das ist jetzt aber keine fundierte Aussage, sondern nur eine persönliche Vermutung, denn eigentlich ist es doch ziemlich egal.

Interessant finde ich nur die Entwicklung, das die schwarze Szene seit den 90ern auch Platz für Fans der BDSM Szene bietet, die sich wohl weniger wegen der Musik, sondern vielmehr durch den ähnlichen Klamottenstil immer wieder auf szenetypischen Veranstaltungen einfinden. Eingefleischte Gothic Shops haben schon seit geraumer Zeit Lacksachen für Sie und Ihn im Angebot und bieten den Gothic damit wieder frischen Nährboden, sich äußerlich und ästhetisch vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen. Der Roman ist übrigens bis heute in Deutschland indiziert. Mit Beschluss der BPS vom 11. Juni 19832 , ist das Buch in Deutschland nur unter Vorlage des Personalausweises zu bekommen.

(Bilderquelle: Wikipedia)
  1. Der Begriff BDSM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Bondage & Discipline (Fesselung und Disziplin), Dominance & Submission (Dominanz und Unterwerfung), Sadism & Masochism (Sadismus und Masochismus) zusammen. []
  2. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften – Spruchgremium: Elke Monssen-Engberding (Vorsitzende der BPS), Thea Graumann (Schriftstellerin), Elke Krumpholz (Lehrerin). []

17 Kommentare

  1. Bist du dir sicher, dass das Buch auf dem Index steht? Bei amazon kann man es beispielsweise einfach so bestellen, wenn ich mich nicht irre. Das Buch ist total langweilig und auch die Verfilmungen sind zum Gähnen.

  2. Ziemlich sicher. Die Indizierung ist auch mehrstufig. „Die Geschichte der O“ ist nach wie vor im Verkauf und darf nur an Menschen über 18 Jahre verkauft werden, bei Amazon muss man sich zum Erwerb des Buches sein Alter bestätigen. Diese Sicherungsmaßnahme greift natürlich nicht einwandfrei, ist aber theoretisch vorhanden. Einfach so bestellen? Ja, aber nur über 18.

    Es kann aber auch sein, dass das Buch wieder aus dem Index gefallen ist, denn nach 25 Jahren endet eine Indizierung und muss neu beantragt und durchgesetzt werden. Das müsste man aber per Einzelanfrage an die BPJM stellen :)

  3. Nicht wirklich wichtig, aber ein Tipp für BDSM Newbies: Buch UND Film sind zensiert- soweit richtig ABER beides ist im „Fachhandel“ unter Vorlage des Personalausweises, Reisepass, Führerschein und dergleichen erhältlich.
    Steht zwar schon im Artikel- aber es ist reine Nervensache sich beides zu besorgen; wer das in einer Ministadt wie meiner (Weilheim i. OB.) tut beweist damit, dass sie den Ring zurecht trägt.

  4. Also ich find den Film genauso wie die geschichte gut. Darüber hinaus bin ich trägerin des rings.

  5. Die Indizierung wurde des Films wurde 2007 aufgehoben (Verwaltungsgericht Köln, 27 K 3012/06) und er darf jetzt ungeschnitten gezeigt werden. Das Buch wird in einer Gasamtedition (mit der Fortsetzung „Rückkehr nach Roissy“) mit Begleittext seit 2000 frei verkauft, allerdings wurde eine BILD-Ausgabe 2006 widerum indiziert.

  6. Ich bin aktive BDSMlerin und trage 2 Ringe:

    den bekannteren Ring mit der Öse und
    eine Art Kettenring, bei dem die Kette quer über der Ringschiene befestigt ist –

    als Zeichen dafür, dass ich zwei Tops habe.

    Die Triskele trage ich als Tattoo.

    Stregalita, die Hexe

  7. Is‘ schon spassig… Ich trage (lnks) den Ring seit Jahren… In der Folge hatte ich (nicht ganz wenige) Kontakte, in denen sich die (rechts) Trägerinnen des Ringes ihrer Rolle vollauf im klaren waren und es DENNOCH wollten…

  8. Ich kenne die Geschichte der O schon sehr lange und entdecke immer mehr den Wunsch in mir eine O zu sein.
    Ich wünsche mir eine_n Dom aber wie so etwas finden?
    Meine Frau hat in dieser Richtung keine Antenne, aber ich würde sehr gerne den Ring (natürlich rechts) und das Halsband tragen. Aber alle Angebote sind im Umpfang nur für Frauen gearbeitet
    Kann jenmand helfen?

  9. Nun kennen den Film, wie auch das Buch in deutscher und französischer Sprache und find es nicht schlecht, so als kleinen Leitbegleiter für Newbies, ist eben nur eine Geschichte! Bin selbst Träger des Rings und seit mehr als 25 Jahre in der Szene (Top), letztens, sagt der Ring nicht wirklich viel aus, wer ihn kennt -gut und wer nicht – ebenso gut!

  10. Die Geschichte der O. ist brilliant verfasst, sehr sinnlich, jedoch auch extrem auf höchstem schriftstellerischen Niveau beschrieben. Hin und hergerissen war ich zwischenzeitlich, ob diese Frau nun ein willenloses Objekt wird oder,…. Für mich gab es immer wieder überraschende Wendungen und blieb damit spannend.
    Natürlich habe ich die Rolle der Männer/ Meister des öfteren sogar als abstossend empfunden; vor allem Sir Stephen. Doch zeigte sich dadurch, wie klar sich diese Frau sich ihrer Selbst bewusst war und wie sie sich immer weiter selbst positionierte; deutlich durch den literarischen Ausflug in ihre Vergangenheit.
    Zum gähnen, grottenschlecht geschrieben und vor allem mit plattesten und offensichtlichsten Klischees belegt ist :
    Fifty Shades if Grey !!!!

  11. Ach das ist ja mal interresant als Studierter Psychologe finde ich die Themen als sehr nützlich immer wieder mal in die Jugendkultur zu schnüffeln, sexuelle Probleme und problematische Kindheit in bezug auf Vaterterror und Mutterterror.

    Neben sexueller Neuentdeckung, oder auch problematischer Rehabilitierung von Sexuellen Erfahrungen,
    zeigt sich immer wieder das ausgedehnte Gespräche zur Erkenntnis vieler helfend und Selbsterkennend sind.

    Aber persönlich denke ich das nicht alles Gold ist was glänzt, und nicht jedes Buch das man liesst auf Knopfdruck einen verändert, da viele Lebensfaktoren einfliessen müssen um sich selbst durch ein Buch manipulieren zu lassen.

    Belustigt Reflektor Adominus.

  12. Jugendkultur, sexuelle Probleme und problematische Kindheit?

    Wo auch immer Du diese Themen in diesem Artikel entdeckt hast, mich würde interessieren wo :-)

  13. Uff du bist ja fix ^^ ,
    na ich denke du bist in dem Thema belesen, Vordergründig etwas zu finden ist nicht die Kunst, aber über die Ecke herum sieht es für mich grade beim Ring der O für mich viel spannender aus, wo Dominanz auf Unterwürfigkeit trifft finden sich Defizite.
    Ob aus dem Alltag, oder aus der einfachen Neugier aus dem Lesen heraus, hat jeder für sich einen Bezug zum ersten Teil dieses Satzes

    Jugendkultur, sexuelle Probleme und problematische Kindheit?

    Nein natürlich nicht Inhaltlich, ich war da schon einen Schritt in die Persönlichkeit des Menschen hinein, aber die Reflektion diente aus dem Bewusstsein heraus.

    Klingt es zu anstrengend ?

    Da fällt mir grade zum O ein, das mich das O auch stark an das Omega errinnert, und man als Dominus es auch zur Komödie hin zuarbeiten kann ( also mal anders betrachtet ) :-)

    “ Interaktion ist auch Provukation “

    Belustigt Adominus.

  14. Als lustiger „studierter Psychologe“ hat man es wohl während dem Studium nicht so ganz reflektiert mit der deutschen Rechtschreibung gehabt, nicht wahr?
    Jaja, die klingt ja auch manchmal etwas zu anstrengend…
    Und zum „nützlichen“ Herumschnüffeln in „Jugendkulturen“ kommt man ausgerechnet über diese Thematik, hmmm?
    „O Ado Minus“ kann ich da nur sagen, wenn nicht gar „Oho, oho…“

    Anyway, was mir bei O nicht alles so einfällt, z.B. Osterhase und Ohrenweh (auch so ein problematisches Kindheitstrauma für manche… – das kann schon terrorisieren, vor allem die armen Papas und Mamas…), aber auch Ofenpizza… – Verdammt, was riecht denn aus der Küche so O-berbrenzlig? Man entschuldige mich mal für einen Moment…

    (etwas) Besorgt, T.S.

  15. An die O-berbrenzlige O-fenpizza ^^ ,

    der Gedanke des O-mega im vergleich zum A-lpha ist dem doch sehr nahe liegend in Betrachtung des Themas der Ring der – O ( ;-) )
    im bezug des Themas sprangen mir mehrere Parallelen ein.
    Aber daran angelehnt muss der O-Träger nicht passiv sein im Traditionellen Sinn, der D kann auch den O dazu bringen Humor und Komik anzunehmen ein entgegengesetztes zu empfinden als das was bisher bekannt ist . :P

    Oh ich muss mich doch bedanken für deine Besorgnis, kann man immer gebrauchen. :D

    Ich werde mir in der Zukunft mal zu Gemüte führen wie ich für mich einige Semester in Germanistik ansetze, vielleicht hast du Recht, vielleicht erscheint mir auch der Wert hier nicht notwendig für eine RS.GT Text Prüfung für meine Comments.

    Und es ist nicht die einzige Thematik die betrachtet wird, aber das können wir gerne weiter differenzieren wenn du magst ? Die Ausnahmen bestätigen sich zu gerne in der Regelung . :D

    bedankt an T.S ( auch für Team Speak ? )

  16. Bei der deutschen Rechtschreibung halte ich mich auch ganz vornehm zurück. Wir zwei, also die Rechtschreibung und ich, haben da eine recht gespaltene Beziehung.

    Im Grunde genommen soll dieser Artikel (von 2009) im übrigen nur aufklären, was es mit dem Ring – oder besser dem Symbol – auf sich hat, weil mir damals aufgefallen ist, dass ihn viele Szenegänger tragen oder zur Schau stellen. Beim näheren Hinsehen stellte sich dann meist heraus, dass diese mit dem eigentlichen Sinne des Rings nicht viel gemein hatten.

  17. Hallo Robert,

    danke du bist der erste der mich versteht, (also der erste mit Verstand ) , wenn man den O-Ring als Sammlerstück einfach in der Glas Vitrine ausstellt könnte ich es ja auch verstehen ( Materialistisch den muss ich einfach haben ) denke ich mir ok, aber an der Hand zu tragen, für viele ersichtlich , würde es für mich bedeuten heute erhofft oder erwartet sie/er eben typische Aufforderungen und Handlungen.
    Wobei mir schnell auch ein Gedanke eines O-Raumes kommt, aber scherzhaft betrachtet, würde ich daraus ein Torten werfen machen ^^.
    Obwohl man doch annehmen dürfte das zu Artikeln der O auch kleine Beileg Zettel sind die über den wahrheitsgemäßen Sinn der O aufklären ?!?
    Gedanklich unnötig die Mitläufer und Wissenden ständig trennen zu müssen ( aber auch lustig ) wenn man wie hier die Themen bewusst provoziert .

    vielen dank Robert dein Kommentar hat mir sehr gut gefallen, gerne neues von dir .

    Deutlich bestätigt Reflektor Adominus

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