Gothic, die Geschichte eines Wortes: Zusammenfassung, Fazit und Evolution (3/3)

Erstaunlich, wie lange man sich mit einem Wort beschäftigen kann? Nachdem ich im ersten Teil auf die musikalische Herkunft eingegangen bin und im zweiten Teil die literarische und architektonischen Wurzeln des Wortes beleuchtet habe, möchte ich mit dem dritten und letzten Teil diese kleine Serie abschließen und ein persönliches Fazit ziehen. Ich habe versucht zu erklären, was es mit dem Wort Gothic auf sich hat, woher es kommt, was es heute heißt und wie seine zukünftige Bedeutung sein könnte. Es sei noch auf die sprachlichen Unterschiede hingewiesen, denn das deutsche Gothic hat mit der englischen Bedeutung nicht viel gemeinsam und entspricht dort eher der Bezeichnung Goth, auch die Eindeutschung in Gotik (siehe auch WGT) ist widersprüchlich, ist hier doch eher die Epoche gemeint als die Szene als solches.

Es wäre wünschenswert, wenn man dies als Einstieg benutzen würde hinter das Wort zu blicken und herauszufinden woher es kommt und was es bedeutet um das Wissen dann in die heutige Bedeutung aktiv einfließen zu lassen. Vielen habe andere Auffassungen des Begriffes, so unterschiedlich die mögliche Herkunft des Wortes, so unterschiedlich ist auch die Individuelle Sichtweise. Es wäre schön, wenn man die Kommentare dazu benutzen würde, anzuregen und hinzuweisen, denn die Qualität dieser Artikel-Reihe wird durch seine Leser bestimmt.

Fazit

Obwohl das Wort eine Vielzahl von Assoziationen zulässt, ist die Quelle des Wortes in seiner heutigen Bedeutung und als Bezeichnung für eine Subkultur die auslaufenden Punk-Bewegung Ende der 70er Jahre. Hier waren es erstmals Musikredakteure, die den Stil der Bands zu beschreiben versuchten, die abseits vom Punk eine düstere, melancholischere, ruhigere und dunklere Art von Musik spielten. Verwirrt von Texten über Tod, Trauer und Vergangenheit und den schwarzen Stilbildern die diese Bands abgaben taufte man den Stil Gothic-Rock. Siouxsie & The Banshees, The Cure, Bauhaus und Joy Division formten ein neues Musikgenre, das andere Bands aufgriffen und Gothic mit weiteren Zutaten würzten. Die präsentierte Collage aus schwarzen und provokantem Outfit gemischt mit dunkler Musik und anspruchsvollen Texten voller Romantik, Vergänglichkeit, Schmerz und Tod fand schnell Anhänger, die das lebten, was die Musiker auf der Bühne darboten. Aus dem Genre wird eine Bezeichnung. Spätestens Mitte der 80er bezeichnet man mit dem Goth eine Person und mit Gothic die Musik die er hört.

Die Bilder von alten Friedhöfen, Gräbern und Kirchen werden zunächst auf der Bühne präsentiert und von der Bewegung absorbiert. Man beginnt sich mit den Inhalten zu identifizieren und versucht sich damit zu beschäftigen und zu verarbeiten. Die Themen werden in Gesprächen untereinander verarbeitet und man beginnt sich auszuprobieren und zu forschen.  Gothic-Novels, Vampirromane, B-Movie Filme über Dracula und Literatur von Schriftstellern wird verschlungen um auf die eigenen Fragen, die durch die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit als solches zwangsläufig wachsen, eine Antwort zu bekommen. „Mit dem Wissen wächst der Zweifel“ (frei nach Goethe), bekommt eine Bedeutung.

Entwicklung vom Genre zum Lebensstil

Häufig lese ich von unterschiedlichen Auffassung über die Bezeichnung Gothic. Während die einen vehement ihrem Standpunkt treu bleiben, das es eine Musikrichtung ist, beschreiben andere damit ihren Lebensstil oder auch ihre Einstellung. Alle haben in gewisser Weise Recht. Zunächst begann es mit einer Musikrichtung, die schnell neue Anhänger fand die bereit waren, das was in der Musik transportiert wurde aufzunehmen und auszuprobieren. Das Aussehen der Musiker und Bands wurde zunächst kopiert und dann weiterentwickelt, denn sobald sich Anhänger einer Musikrichtung austauschen, kann man von einer Bewegung sprechen.

In den frühen 80er wird Gothic dann zum Selbstläufer. Die frisch entstandene Jugendbewegung setzt bist heute gültige Verhaltensmuster, Rituale und Vorlieben. Immer noch sorgt eine pulsierende Gothic Musik Szene für frische Impulse und erstmals entstehen auch Bands die aus der Jugendbewegung resultieren. Die Szene macht ihre Musik selbst (Fields of the Nephilim – 1983) und sorgt für die Verschmelzung von Musik, Inhalten und Auftreten zum Gothic-Stil. Sakrale Ästhetik, Okkultismus und Mystik in Mode, Literatur und Film erhält durch die Szene neue Bedeutung. Wenn man so möchte, ist man in Mitten der Lava, die der explodierende Vulkan Gothic Ende der 70er Jahre produzierte.

Die schwarze Welle schwappt auch über die Kontinente und sorgt auch in Deutschland für fruchtbare Ableger. Was zunächst nur als Waver bezeichnet wird, bekommt schnell einen Gruftie-Stempel. Durch den Lauf durch Kulturen und Länder erhält die Szene immer wieder neue Impulse und Einflüsse und entwickelt sich ständig weiter. Gothic bezeichnet nicht länger nur eine Musikrichtung sondern ist auch Name für eine Szene.  Als die ersten Anhänger Ende der 80er erwachsen werden, wird aus der Leidenschaft ein Lebensstil. Das ursprünglich Genre der Musik gibt es nicht mehr in dieser Form, die Gothic-Szene bestimmt selbst, was musikalisch zu ihrem Lebensstil passt. Die Szene ist offen für alles und lässt sich von vielen Einflüssen befruchten.

Gerne würde ich diesen Zustand in ein Vakuum einschließen und erhalten, doch leider sorgt zunehmende Kommerzialisierung dafür, das Gothic als Wort an Wirkung verloren hat. Es ist zum Label für eine Industrie verkommen, die nun das vorgibt, was man als Gothic bezeichnet. Seit dem Jahr 2000 hat man eine Spritze in den Leib des Wortes getrieben und beginnt dieses auszusaugen, bis nur noch eine leere Hülle zurückbleibt. Seit es eine legitime Bezeichnung für Mode auf Pariser Laufstegen geworden ist, empfinden viele die Einordnung darunter als Stigmata. Ob in der Musik oder den Klamotten, wir sehen hauptsächlich das, was uns Kataloge und Zeitschriften als solches vorleben. Zum Schluss möchte ich Roman Rutkowski zitieren, der in seiner Magister-Arbeit passend abschließt: „Doch eines offenbart sich leider öfter und öfter: ein Verlust an Authentizität. Denn mittlerweile verursacht die Konfrontation mit realen Objekten des Todes, einem Schädel etwa, bei vielen Schwarzen mehr Unbehagen, als man doch gemeinhin vermuten sollte… Und es wäre höchst bedauerlich, wenn sich Gothics am Ende lediglich nur noch über Musik und eine möglichst extravagante Mode definieren würden.

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Ricarda
Ricarda (@guest_8237)
Vor 11 Jahre

Eine zunehmende Kommerzialisierung kann man schon die ganzen Jahre über beobachten (ob nun Mode, Musik, Make Up wie auch immer). Aber die hat man, so glaube ich, überall. Allerdings kann das Spiel immer nur soweit getrieben werden, bis der Markt dafür versiegt. Wenn es als „Trend“ nicht mehr interessant ist, dann bleiben auch die Kunden weg und das wars dann. Solang wir uns nicht ausschließlich über Konsumprodukte definieren, sehe ich keine Gefahr darin, dass es die Szene gefährden könnte. Innerhalb der Szene kenn ich es übrigens nicht anders, dass es auf ein „Sehen und gesehen werden“ ankommt. Bin wohl ein bisschen zu jung um zu wissen dass (ob) es vielleicht mal anders war. Aber ist ja auch immer die eigene Einstellung, ob man da mitmacht oder ob einem das egal ist. Mir persönlich ist sowas egal.

Damals haben wir uns übrigens immer über die Wochenendgruftis aufgeregt, die in der Woche normal herumliefen und dann fürs Wochenende im (und wahrscheinlich in ihrem einzigen) Gothic Outfit rumliefen und meinten uns was erzählen zu müssen. Aber die kamen und gingen auch wieder und nach ein paar Wochen sah man sie dann nicht mehr.

Ricarda
Ricarda (@guest_8243)
Vor 11 Jahre

Direkt an der Szene ändern können wir nichts. Jeder muss bei sich selbst anfangen und so könnte man im kleinen Schritt für Schritt ein Umdenken auslösen.
Ich vermute aber, viele brauchen das auch. Es ist einfacher, sich etwas mit Geld zu kaufen, um etwas darzustellen, als sich über eine interessante Persönlichkeit zu definieren. Zumal es natürlich in der Szene recht schwer ist noch irgendwie anders aufzufallen.

Schatten
Schatten (@guest_8244)
Vor 11 Jahre

Klasse Artikel muss ich sagen!
Was mir (leider) immer wieder auffällt, ist dass Gothic komplett auf eine Lebenseinstellung reduziert wird.
So frei nach dem Motto: „Ich lauf zwar in ganz normalen Klamotten rum und hör Popmusik, aber das macht nix Gothic ist schließlich eine Lebenseinstellung und hat nix mit Musik oder Aussehen zu tun.“
Auch die musikalische Definition von Gothic verschwimmt viel zu häufig.
Da ist es toll das es noch Leute wie dich gibt die solche Artikel schreiben. Weiter so.

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 11 Jahre

Ich fand es kürzlich sehr interessant, ein paar Gedanken dazu quasi von Außerhalb mitzubekommen:
Wie auch ich kommt meine Freundin ursprünglich aus der Metal-Ecke, aber sie hört nach wie vor fast nur solche Musik und ihr Freundeskreis ist zudem völlig unschwarz, sodass sie selbst kaum mal in der schwarzen Szene weggegangen ist. Ihr eigener Klamottengeschmack ist irgendwo zwischen schwarz-punkig, schwarz-hippie und schwarz-romantisch angesiedelt, was widerum bedeutet, dass sie ihre Garderobe sehr individuell aus allen möglichen Quellen zusammenstellt.
Kurz gesagt: Sie ist irgendwie schwarz-individuell und hat selten mal den normalen Szenegänger gesehen.

Und als sie dann am letzten Wochenende von einem Unheilig-Konzert nach Hause kam, war sie richtiggehend schockiert über die geistlose Uniformierung der ganzen Szene-Gestalten: „Als hätten sie alle ihr komplettes Outfit fertig von der Stange gekauft, wobei keiner darauf geachtet hat, ob es ihm steht oder zu ihm passt. Als hätte man einfach den XtraX-Katalog vor sich“, das waren in etwa ihre Worte.
Traurig zutreffend sowas…

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8252)
Vor 11 Jahre

Weißt was? Ich geb´s auf. Ich könnte aus meiner Sicht über dieses Thema referieren bis der Arzt kommt. Obwohl ich ein quasi unbeteiligter „Drinni“ bin. Der sich noch dazu in Richtung Steampunk entwickelt. Also kein Grufti mehr.Habe jetzt viermal einen Mammuth-Text aus diesem Scheiß-Kommentarkasten gelöscht. :) War mir aber jeweils zu peinlich. ^^ Kein Bock mehr. In genau 25 Minuten werde ich Dreißig. Das schlaucht. ICH PROSTETIERE! *ist das gothic genug?*

@Schatten: Verwechselst du Lebenseinstellung vielleicht mit dem Begriff des Lifestyles, der leider recht oberflächlich und ohne zu überlegen von *sonstwoher* übernommen wird? Mehr als Lebenseinstellung(!) geht ja eigentlich nicht.

@von Karnstein: oh je … X-Tra-X-Süchtige. Da sag ich jetzt lieber nix zu. Oder fast nix: Da tun sich Abgründe auf. Und dummerweise meine ich das trotz des sarkastisch klingenden “Tonfalls” völlig ernst …

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

Beliebtes Streit-Thema – heutzutage ist einfach wirklich viel zu viel damit verbunden um die Frage was denn Gothic nun ist wirklich beantworten zu können, fragt mich wer danach, so setze ich grundsätzlich vornedran daß es meine eigene Meinung ist die ein anderer wieder ganz anders beantworten wird, da schonmal die Beweggründe sich „dazu“ zu zählen arg unterschiedlich sein können.
Daher dreht man sich auch immer etwas im Kreis wenn man trotzdem einräumt daß manche Denkweisen so garnicht ins gothic“ passen dürften.

Ich muss dazu sagen daß ich die Szene an sich erst ab der Jahrtausendwende kenne – in dem Sinne daß ich gezielt schwarz ausgehe und mich bewusst schwarz anziehe – ich war da selbst um die 20 rum („erst“ oder besser „schon“? manche ziehts ja mit weit jüngeren Jahren da hin, in meinem Heimatkaff gabs sowas aber nicht, ich war einfach für mich alleine irgendwie seltsam *g*).
Mir fällt dennoch auf daß es in den letzten Jahren schon sehr zugenommen hat mit Oberflächlichkeiten. Mich hat es regelrecht geschockt als ich vor 3-4 Jahren die ersten Party-Hohlroller live erlebt habe, natürlich in wunderbarer Versandhaus-Einheitskluft oder wahlweise Neon-behangen. Sowas kannte ich bis dahin nur aus lang zurückliegenden Normalo-Disco Besuchen und fand es grade immer super daß sich im Dunkelclub die Leute einfach benehmen konnten, sich weder die Birne zuschütten bis Oberkante Unterlippe, noch Stress jedweder Art machen.

Für mich wars von Anfang an Ehrensache bei den Klamotten und Accessoires selbst kreativ zu sein, und auch Bestandteil meiner Auffassung von Gothic. Klamottenläden habe ich eher am Rande wahrgenommen, erst in den letzten Jahren nimmt es mir sehr überhand. Wahrscheinlich ist auch das Internet nicht unschuldig, man kommt einfach leichter an Sachen ran mit ein paar Klicks, gleichzeitig ist es auch mehr präsent wenn man mit Werbung für solche Shops teilweise echt überschüttet wird, geht ja mit dem Medium alles weit einfacher als früher. Sowas wird dann zum Selbstläufer, die Kundschaft ist in ausreichender zahl vorhanden und wird so natürlich auch noch größer.
Mitte der 90er kannte ich einen einzigen Gruftklamottenladen an dem ich gerade einmal im Jahr vorbeigekommen bin, und noch seltener drin war, heute überschütten mich Onlineshops mit Freundanfragen auf myspace *genervt schau* – allerdings haben die nur in ganz extremen Ausnahmefällen eine Chance bei mir.

Und mit Musik ists ja auch ähnlich, in Zeiten des Internets, kein Wunder daß sich gerade der schwarze Mainstream leicht verbreitet, letztenendes bin ich auch mit solcher Musik in die Szene geraten – vielleicht nicht alleine, aber maßgeblich schon, bis ich anderes mehr oder weniger dort wiederentdeckt habe oder erst kennenlernte.

Also ich hab mir mal durch die Blume anhören dürfen daß Selbernähen ja doch nur was für Leute ist die sich die Klamotten nicht leisten können – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Gibt halt auch schwarze Modetussies, mit dem Grips ists aber meistens auch nicht viel besser als bei der Normalo-Modetussi … einfach nur traurig. „Markenbewusstsein“ in Klamottendingen und Gruftidasein passen für mich einfach nicht zusammen, natürlich ist es angenehm wenn man diverse Sachen heute einfacher bekommen kann, nur ist das so wie heute ganz klar irgendwie zu viel, die Szene hat ja auch für Aussenstehende ein bisschen den fiesen Ruf verloren, wenn man sich heute ansieht wie Berichte so aussehen – da sind „wir“ alle nur kleine Spinner die dann am Montag die gemeinen Klamotten wieder wegpacken und genauso wie alle anderen normalen Leute sind. Zudem läuft in den Clubs der verhasste Dunkeltechno – ist doch weitaus attraktiver für Partywilliges Volk.

Das Phänomen das dein letztes Zitat aussagt ist mir auch schon aufgefallen, so bin ich von nem Jungspund schonmal ziemlich kariert angeschaut worden weil mein Bücherschrank auch Werke von Crowley hergibt – und die Bedeutung des Pentagramms das er um den Hals hatte wusste er nicht, war ihm auch eigentlich nicht groß wichtig.

Lebenseinstellung – also ich finde auch daß das genauso meinen Musikgeschmack sowie den Klamottenstil beinhaltet.

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 11 Jahre

Da ich aber immer wieder mal die Erfahrung machen darf, dass es solche Leute und Haltungen doch noch gibt (wenn man nach ihnen auch suchen muss) mag ich mich noch immer nicht den ganz üblen Unkenrufen anschließen, die konsequent behaupten, Gothic sei tot.

Größtenteils verkommen zu einer Persiflage ihrer selbst, ja, das zu kommentieren werde ich auf der anderen Seite auch nicht müde ^^
Aber es gibt sie eben doch noch, die Leute, die nicht nur behaupten „es geht um mehr, es ist eine Lebenseinstellung“, sondern die die Frage danach wie genau diese Einstellung denn aussieht auch tatsächlich beantworten können.
Ich finde sie in meinem Freundeskreis, ich finde sie bei Robert und seinen Lesern und hin und wieder trifft man sie auch so mal irgendwo, und das besänftigt mich ^^

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8328)
Vor 11 Jahre

@Schatten: Habe mich schlecht ausgedrückt: Ich meine nicht, dass du die Begriffe direkt verwechselst, sondern eher vertauschst. Vielleicht aus unterbewusster Rücksichtnahme auf Leute wie mich … Zum Teil habe ich deinen Kommentar auch falsch verstanden, ich war nicht mehr ganz nüchtern. ^^ Die ewige Diskussion in Sachen „Einstellung vs. Äußerlichkeiten“. Vielleicht ist das der Neid bei so manchen.

 Robert Forst, Zitat: „… Gemeinsamkeiten wie die Interesse für den Tod, Religion, das Okkulte oder Mythologie, wo ist sind die geblieben? …“ (Zitat, Ende)

Ich habe bis vor vielleicht 1,5 Jahren noch regelmäßig die Zeitschrift „Orkus“ gekauft, bevor es mir zu blöd wurde … Aber da habe ich auch gerne die Kontaktanzeigen durchforstet auf der Suche nach (Vorsicht, wie peinlich:) Briefkontakten mit ´nem guten Schuss Kreativität. Whatever, ich musste nur leider regelmäßig feststellen, dass Leute, die sich für das oben genannte und/oder ähnliches interessieren, „Klischee-Gruftis“ sind und daher nicht erwünscht. (Dreißig? Wer …? Was, ich?!? ^^)

@von Karnstein:
Die Lebenseinstellung. Ich würde gerne mal wissen, wie die eigentlich in etwa auszusehen hat. Musik war und ist mir gar nicht so dermaßen wichtig, inzwischen sehe ich auch nicht mehr aus wie´n Grufti, viele Fantasy-Filme sind mir zu kriegslastig usw. Kurz gesagt: Ich mache jeden erdenklichen Fehler.

Das einzige, was vielleicht noch einnigermaßen stimmt, ist mein Interesse an mancherlei „dunklen Themen“. Ansonsten halt Kunst. Selber malen, basteln, nähen … Damit bin ich den meisten Leuten zu langweilig. Die sind regelrecht entsetzt, wenn sie hören, welche Interessen ich habe und welche eben nicht (so dermaßen). Ich habe sozusagen zuwenig Unterhaltungswert und stehe nicht so auf Uni(n)formiertheit. Da denke ich mir dann, Leute, lernt endlich selber leben und sucht euch ein Hobby … Mir scheint es, als würde sich die „Lebenseinstellung“ inzwischen hauptsächlich darüber definieren, was der andere zu bieten hat, damit man sich nicht mehr selber hinter sein „Dasein“ klemmen muss.

Ich behaupte nicht mehr, gothic zu sein. Wahrscheinlich war ich das auch nie. Aber jetzt bin ich halt schon mal da, ne?

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 11 Jahre

@MischaSoleil:
Und genau diese Interessen sind es, die ich meine.

Als Gothic im 18. Jahrhundert entstand war es quasi eine Ästhetikbewegung, die sich in alle Lebensbereiche erstrecken konnte – in erster Linie Kunst (damals vor allem Literatur und Malerei, aber teils sicherlich auch Musik), aber auch z.B. die Gestaltung des eigenen Wohnraums (siehe Neugotik) und ein Interesse an Historie, Mythen, Märchen, etc.pp.

Und heute ist es nicht anders, finde ich.
Die Musikgeschmäcker innerhalb der Szene sind heute so verschieden wie außerhalb, mit den Kleidungsstilen ist es mitlerweile ähnlich. Aber grundlegende Ähnlichkeiten in Ästhetik-Empfinden, Kunstgeschmack, Interessen, etc. ist beim größten Teil der Schwarzen sicherlich vorhanden. Alle mögen dunkle Farben, fast jeder hat Horrorfilme im DVD- und Fantasy im Bücherregal, viele mögen die gleichen Maler,…
Und auch wird man nach wie vor unter den Grufts und Artverwandten eine Menge Leute finden, die sich mit Religionen und Philosophien auseinandersetzen (hier sind wir vermutlich der viel bemühten Bezeichnung „Lebenseinstellung“ am nächsten). Welcher etwas ernst zu nehmende Goth hat sich noch nie Gedanken über etwa den Tod gemacht, oder über (wortwörtlich) Gott und die Welt?
Sicherlich sind nicht alle auf das gleiche Ergebnis gekommen – Gothic ist natürlich noch immer keine definierte Philosophie in diesem Sinne – aber in meinen Augen reichen solche Gemeinsamkeiten sowohl zur Behauptung eine gewisse Lebenseinstellung zu pflegen, als auch dazu, sich einen gemeinsamen Stempel aufzudrücken (woran ich nichts einschränkend oder unnötig schubladenhaft finde).

Um es auf den Punkt zu bringen:
Fragt mich jemand „Inwieweit ist Gothic für dich eine Lebenseinstellung“, dann antworte ich mit:
„Es heißt, sich nicht nur mit den Sonnenseiten des Lebens auseinander zu setzen, sondern auch die dunklen Seiten wie etwa den Tod als Teil des Ganzen zu begreifen, ohne dabei etwas Albernes wie Todessehnsucht an den Tag zu legen oder auch einfach nur negativ eingestellt zu sein“.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute, die ich nicht als oberflächliches Partyvolk einschätze mir da mehr oder weniger zustimmen.

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8332)
Vor 11 Jahre

@von Karnstein: Yop, allgemein stimme ich dir völlig zu. Nur beim Ästhetik-Empfinden wage ich zu behaupten, dass viele es zwar vielleicht gerne hätten, aber … (insert evil phrase here)

Letztendlich hoffe ich mal, dass ich doch tolerant genug bin um auch gänzlich andere Strömungen oder sonstigen halbdüsteren Mischmasch ^^ bei einer Person zu akzeptieren, aber es ist oft schon arg substanzlos für meine Begriffe.

Gerade habe ich mir nach ca. anderthalb Jahren doch mal wieder die aktuelle „Orkus“-Ausgabe geholt und reingezogen. Und ´nen 1-€-Gargoyle, der mich jetzt trösten muss.

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

 Robert Forst: klar, ein bissl feiern und gut drauf sein gehört zu nem Clubabend dazu, auch daß man mal einen hebt, völlig normal, aber es ist halt traurig wenns für manche Herrschaften nur da drauf reduziert wird und teilweise auch übertrieben wird. So hab ich schon einige jüngere Herrschaften erleben „dürfen“ die irgendwann einfach sturzbesoffen vom Barhocker gefallen sind – und sowas brauch ich nicht in nem Grufticlub, zudem da ich die Leute die sich da rumtreiben immer als angenehm und vernünftig erlebt habe, und auch wenn wer mal ein Glas zu viel hatte dann war das immer harmlos, und inzwischen kippen sich die vollgedröhnten Kinder dem Unglücklichen der leider das Pech hatte wegzupennen das Kerzenwachs drüber und lachen sich schlapp. Da ging auch Club-Inventar bei drauf … aber ich denke wir verstehen uns in dem Punkt eh. Ist halt nur schade daß man Charaktere die man von Normalos kennt und die grade nicht am Abend auch noch sehen mag dann inzwischen leider doch in den Clubs antrifft. Keine Pauschalisierung – wir haben auch Depeche Mode Parties hier die in der ganzen Stadt so beworben werden daß sich auch Buntvolk einfindet, und ich muss sagen, die Abende waren oft grandios. Aber ich hab auch negative Beispiele erlebt wo ich dann ehrlichgesagt zur Intoleranz neige weils mir den Abend versaut hat.

 Karnstein: Goth ist sicher nicht tot :) aber vielleicht ist die große Masse drumrum einfach zu viel um die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden.
Auch ich empfnde das „Gothic“ nicht als Schublade, sondern als gemeinsame Basis, man teilt ja doch ein gewisses Ästhetikempfinden – als Beispiel – und grundelegende Gedankengänge, nur können die eben in verschiedene Richtungen gehen, einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben die meisten aber. Das ist immer so schwer zu formulieren, daher hoffe ich daß es richtig rüber kommt :)
Für mich ist der Begriff auch nicht einschränkend behaftet, aber viele haben das so im Hirn festgebrannt. Ich kanns ja ein bisschen verstehen, wenn das genervtsein vom „Gothic“ dadurch zustande kommt daß der Begriff immer mehr an der Szene-Uniformierung ausm Katalog und schwarzer Mainstream-Musik anhängt, aber ich seh das nicht so. Ich weigere mich einfach sowas als Gothic anzusehen, denn für mich hat da vieles einfach nichts damit zu tun? Wo sind denn da die Punk-Anflüge wenn ich auf schwarzes Markenbewusstsein pochen muss? Und auf Dunkel-Mainstream? So das kleine bisschen Punk gehört für mich auch dazu … mir gehen die großen Dunkel-Zeitschriften daher auch schon lang nen Meter tiefer und hinten vorbei, und einiges andere auch. Und all das definiere ich nicht als „Gothic“, wozu also sich von dem Begriff abwenden wenn doch so viele um einen rum irgendwas falsch verstehen *frech grins* :P

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8343)
Vor 11 Jahre

Richtiiiig! ^^

Jessica
Jessica (@guest_8375)
Vor 11 Jahre

Es beruhigt mich zu sehen, dass auch andere sich nicht 100%ig einig sind, was man unter dem Begriff zu verstehen hat.

Ich weiss auch gar nicht, ob ich wirklich ein „Goth“ bin… Kommt wahrscheinlich auf den Betrachter an. Ich wollte mir irgendwann mal in meinem Blog auch Gedanken darüber machen und wäre entsprechend an Deiner Meinung interessiert, Robert.

@Rosa: Wer behauptet, selbst nähen sei günstiger als kaufen, hat offensichtlich noch nie selbst genäht. ;) Ich kaufe schon immer möglichst günstig bei Großhändlern übers Internet, aber bei meinen Teilen (bislang eher Kostüme, aber zunehmend auch Alltagstaugliches) ist allein der Stoff meist schon teurer als Vergleichbares komplett inklusive Arbeitskosten und Schnick-Schnack wie Schnallen, Knöpfen und sonstigem Kurzwarenkram.

BTW: Interessante Website, was ich von Deinen Werken gesehen habe, fand ich wirklich beeindruckend. :)

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

Eigentlich hast du damit absolut recht Robert, wenn du sagst daß weniger die neu auftauchenden Stilrichtungen das Problem sind, sondern die Art wie damit umgegangen wird. Eben da wo sowas als reine Modeerscheinung verkommt. Letztenendes entscheidet der Mensch selbst ob er mit seinem Stil etwas ausdrücken will oder einfach nur die Klamotten toll findet. Wobei mir Mode pur eigentlich erstmal immer suspekt ist.
Grund genug nochmal ein paar Gedanken zu den Cybers loszuwerden, ich hab entsprechenden Artikel bei dir nochmal kommentiert :)

Auf der anderen Seite sind natürlich neue Einflüsse auch immer neue Inspirationsquellen, ich denke auch daß wenn Gothic beim Wave und Verwandtem allein stehengeblieben wäre, dann gäbe es diese Subkultur heute bestimmt nicht mehr, aber der Großteil der neueren Stilrichtungen hat sich daraus entwickelt, beziehunsweise war es ja grade auch im musikalischen Bereich damals Anfang der 80er ein recht weites Feld in dem viel experimentiert wurde, ganz ohne eine selbst verordnete Einschränkung, die heute ja doch oft vorhanden ist. Aber grade das Experimentelle macht für mich diese – ich sags mal so – Musiklandschaft sehr spannend, und letztenendes ist mit der Beschäftigung dieser Sachen mein Musikgeschmack auch weiter aufgefächert, wo ich früher alles mit E-Gitarren aus Prinzip gemieden hab wie die Pest, sind die Sisters heute mit unter meinen persönlichen Favoriten (dazu gibt es aber noch eine besondere Anektode, die hier aber ein bisschen den thematischen Rahmen sprengen würde :) )

So unterschiedlich die Musik ist, irgendwo gibt es thematisch immer Berührungspunkte die eben das „Gothic“ ausmachen daran. Das Problem ist halt daß sich viele Symbole und Motive durch exzessiven Gebrauch ausgeleiert haben, und da das ganze manchmal zum Kitsch bis hin zum schwarzen Schrott geht. Auch was Klamotten und Kunst angeht. Und so verliert viel was früher mal mit einer Aussage verwendet wurde, heute diese Bedeutung, und vieles würde auch als künstlerischer Ausdruck heute nicht mehr funktionieren, einmal weil es eben schonmal da war und sich die Leute dran gewöhnt haben, andererseits haben sich die Zeiten eben geändert. Dazu kommt noch daß viele eben dieser Stilmittel dann immer exzessiver benutzt werden um noch auffällig genug zu sein – und das kippt auch ab einem gewissen Punkt eben ab. Nur als ein beispiel: fetischlastige Klamotten. Wo mal Lackmini und Netzstrümpfe Provokation waren rennen heut die Mädls halb nackt rum. Und wenn jemand seinen Partner am Halsband durch den Club schleppt sorgt das auch eher für genervte Seufzer.
Für die jüngeren sind solche Sachen zwar oft noch neu und aufregend, aber meistens wird da nur kopiert was man mal aufgeschnappt hat, Gut, wahrscheinlich hat jeder in seinen Anfängen die eine oder andere Modeerscheinung mitgenommen, war bei mir nicht anders – musikalisch wie optisch. Der Knackpunkt ist dann, ob man genug Interesse an all dem hat daß man sich näher damit beschäftigt und manche Dinge als Teil seiner selbst in sich wieder findet, oder eben so weit über den schon genannten Tellerrand raussehen kann daß man andere Facetten entdeckt, sich mit diesen auseinandersetzt. Da gehört für mich auch dazu daß man zumindest ein Interesse dafür entwickelt, wo die Szene an sich eigentlich mal hergekommen ist. Was man davon für sich entdeckt ist eine andere Sache, solange man sich wenigstens mal drauf einlässt.
Ich muss aber auch sagen daß man sich heute als Neueinsteiger doch hart tut, grade wegen der ganzen Stil-Vielfalt in der die Ursprünge auf den ersten Blick einfach erstmal untergehen. beziehungsweise man den Blick darauf erstmal garnicht so hat.
Doch die zunehmende Reduzierung auf Party und verrückte Klamotten aus dem Spezialladen ist ganz klar ziemlich traurig, zumal man den Eindruck hat daß sich viele Neueinsteiger garnicht mal tiefer mit der Sache befassen wollen und die Alteingesessenen als klischee-breittretende Jammergrufties bezeichnen die nie Spaß haben und nur depressive Gedichte bei Kerzenschein schreiben. Ich kann mir nicht vorstellen daß diese Sorte Jung-Schwarzträger sich jemals die Mühe gemacht hat mit einem Älteren Goth mal ein-zwei Sätze zu wechseln.

@Jessica: Erstmal lieben dank für die Komplimente :) meine Page ist leider nicht auf dem aktuellen Stand, ich bin grade beim umschreiben und updaten, das dauert bei mir aber immer arg lang da ich so bescheuert bin meinen Code von Hand zu schreiben ;)

Mit dem Vorurteil vom Nähen kann ich dir nur zustimmen. Ich versuche zwar sehr wohl meine Ausgaben gering zu halten, aber selbst wenn, die Arbeit die man reinsteckt ist schon nicht ohne, es macht viel Spaß, aber entgegen den Ansichten mancher geht da viel Zeit bei drauf. Wert ist es die Zeit auf jeden Fall.

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8388)
Vor 11 Jahre

@Rosa Chalybeia:
Es ist tatsächlich schwieriger geworden heute noch mit irgendwas zu provozieren. Vielleicht gelingt das nur noch mittels Komasaufen und diversen Gewaltvideos, die auf Schulen gedreht werden, usw. Aber ob das noch so ohne weiteres mit einem Kleidungsstil zu schaffen ist, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich noch um´s Provozieren geht, denn viele Goths, die mir auf die eine oder andere Weise begegnet sind, wollten ganz klar: Toleranz. Aber das ist schon eine Weile her. Keine Ahnung, worum es den Leuten geht, die du beschreibst. Ich war immer der Meinung, wer Gothic nur als Modeerscheinung betrachtet (ob er´s jetzt selber zugeben würde oder nicht), der ist auch bald wieder weg vom schwarzen Fenster. Weil eben das Interesse fehlt. Wer andere wegen selbstgenähter Kleidung anblafft, ist vielleicht auch nur neidisch, weil er selber nix kann.

@Jessica: Respekt, ganze Kostüme etc. nähe ich nicht. Vielleicht kommt das aber noch. Das Problem ist nur: Mit einer Nähmaschine kann ich überhaupt nicht umgehen. Ich passe eigentlich auch ganz gut in das Schema: Kann sich nix leisten und näht deshalb selber. Zurzeit beschränkt sich das darauf, dass ich in „Normalverbraucher-Läden“ günstige Basics kaufe und die halt mit Schleifen, Rüschen und sonstwas abändere. Muss erst mal reichen.

MischaSoleil
MischaSoleil (@guest_8398)
Vor 11 Jahre

 Robert Forst: Da haben wir jetzt den Salat. Aber letztlich bin ich wie ich bin, was anderes bleibt mir sowieso nicht übrig.

Andererseits: Der einzelne sucht sich ja (hoffentlich) z. B. die Leute aus, mit denen er länger zu tun haben will. Das Problem ist nur: Das dauert inzwischen so lange!

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

 Robert Forst: im Prinzip sind wir absolut einer Meinung, klar sind weder Klamotten von der Stange das Problem, noch Party an sich, es ist eher ein Symptom der Veroberflächlichung und Herabreduzierung daß Szeneuniformierung und Markenbewusstsein so deutlich werden, und daß Party als einziger Inhalt gesehen wird, mit entsprechend bedeutungsleerer Partymusik zu purem Konsum verkommt.

Und auch mich zwickts doch schon wenn Leute auch noch stolz drauf sind daß ihnen Gothic neben den Parties und komischen Klamotten garnichts bedeutet. Man kann das auch nicht allein auf Neueinsteiger münzen, mir sind auch Fälle bekannt die sich sogar schon sehr lange in der Szene bewegen, es aber nach eigenen Aussagen blöde finden daß manche weit mehr drin sehen und denen diese Herabreduzierung gegen den Strich geht. Du hast es treffend ausgedrückt – die Szene ist zu schade um so versaut zu werden.
Eben weil es mal die Nische war in der man sich angekommen und daheim gefühlt hat, und das sollte auch so bleiben!

Mir geht noch sehr viel im Kopf rum dazu, aber ich fasse mich mal kurz, sonst überschlage ich mich blos wieder ;)

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 11 Jahre

 Robert Forst:
„Ich finde es manch­mal schade, das sich gerade die Älte­ren dazu ver­lei­ten las­sen „Goth zu sein” Begriff­lich zu ver­ab­scheuen, weil sie viel­leicht Angst habe die Schub­lade nie wie­der ver­las­sen zu kön­nen.“

Mein Reden…
Ich bin aber kürzlich über ein interessantes Zitat der Kultur-Anthropologin Agnes Jasper gestolpert, von dem ich noch nicht weiß, ob ich mich dem 100%ig anschließen kann, aber der Gedanke ist allemal interessant:

„Gothic-Insider betonen, dass sie keine Goths sind, sondern dass sie sich lediglich mit dem identifizieren, was sie als Goth empfinden – nur um später zu behaupten, dass dies nicht wirklich authentisch Goth sei. Dieses Verleugnen ist eine subkulturelle Strategie – eine Möglichkeit, sich der Klassifizierung durch die dominante, nicht subkulturelle Kultur zu entziehen. Denn wenn ein klares Bild von den Kriterien der subkulturellen Identität kreiert werden kann, dann kann dieses von Außenstehenden kopiert werden – Und das ist etwas Schlechtes.“

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

 Robert Forst: ich kann dir abermals nur zustimmen :) nur hat das mit dem Internet natürlich – wie fast alles – so seine zwei Seiten. Auch ich finde daß das Netz zum Überleben der Sache sehr beigetragen hat – Informatiker ist heutzutage der Gruftiberuf schlechthin *g* – andererseits machte es die Szene auch offener und damit anfälliger für die Reduzierung und Inhaltslosigkeit.
Daher finde ich es schade wenn sich Alteingesessene entnervt abwenden vom „Gothic“, und der Inhaltslosigkeit damit noch mehr Freiraum geben – das gleiche was schon mehrmals gesagt wurde hier, nur nochmal anders ausgedrückt *g*
Ich lasse mir ganz sicher mein Zuhause nicht wegnehmen, und ich finde auch daß man über sowas generell auch mal reden sollte, ich hatte bisher an anderen Stellen die Erfahrung gemacht, daß sich mit „Gothic“ auseinander zu setzten entweder dazu geführt hat daß sich alle nach kurzer Zeit in die Wolle gekommen sind und derarte Themen seitdem generell nicht gern gesehen werden, beziehungsweise man blöd angeschaut wird wenn man sich da Gedanken drum macht – was ich wiederum ziemlich blöde finde.
Von daher finde ich es toll daß man an der Stelle endlich mal vernünftig quatschen kann …

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 11 Jahre

Jedes Ding hat drei Seiten. Eine die ich sehe, eine die du siehst, und eine dritte die beide nicht sehen können.
Chinesisches Sprichwort, aus dem Gedächtnis wiedergegeben.

Ich bin auch froh um die Kommunikationsmöglichkeiten der virtuellen Welt, da ich real eher zu den schüchternen Leuten gehöre – isch schwör, es ist so ;) kommt eben immer drauf an was man draus macht, als Einzelner. Tolle reale Freundschaften haben sich bei mir auch erst durch diese Kommunikationsform entwickelt.
Ich finde es aber auch gut wenn mal kritische Stimmen zu Wort kommen, ich hab mit den Kommentaren hier und deinen Artikeln, Robert, oft viel nachgedacht über Szene und mehr, und meist war es sehr konstruktiv für mich.

Ja, Informatiker ist echt ein sehr typischer Grufti-Beruf ;) ich kenn so viele die in dem Bereich tätig sind, und habs selbst mal für ein knappes Jahr betrieben, aus dem Gedanken heraus daß ich möglichst wenig Mensch sehen wollte, mich klamottenmässig nicht allzu einschränken muss, und daß mein Hirn auch noch was zu tun haben sollte. Die Gründe weswegen ich nicht geblieben bin waren aber ganz andere als Klamotten und soziale Kompetenz – beides war wie gesagt nie ein Thema …

Jessica
Jessica (@guest_8703)
Vor 11 Jahre

Für die Statistik: Ich bin auch IT-Mensch. ;)

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