Fest des strahlenden Feuers

Beltane – Fest des strahlenden Feuers

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Fest des strahlenden FeuersHeute feiert man das keltische Fest Beltane. Nach Imbolc und Ostara ist es das letzte und wichtigste Fest naturreligiöser Glaubensgemeinschaften. Es ist das Fest der Fruchtbarkeit und markiert den Übergang in die warmen Sommermonate. Für den Wechsel vom 30. April zum 1. Mai gibt es viele Namen, die keltische Bezeichnung ist vielleicht die ursprünglichste. Woher der Begriff letztendlich stammt, ist historisch nicht eindeutig nachzuvollziehen. “bel” bedeutet soviel wie  “leuchtend” oder auch “strahlend”, während “tene” ein Begriff für das Feuer ist. Wörtlich übersetzt könnte man Beltane also Fest des strahlenden Feuers nennen. Da für die Kelten an diesem Tag die Zeit des Sommers begann, spielte der Sonnengott Belenus ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Feierlichkeiten.

Die Kelten feierten Beltane überschwänglich. Die Menschen waren voller Hoffnung und Vorfreude auf den Sommer. Die Natur blühte bereits in ihrer vollen Pracht, die Tage des kalten Winters waren gezählt. Häuser und Ställe wurden mit frischem Grün geschmückt, überall entzündet man Feuer, um die bösen Wintergeister endgültig zu vertreiben. Für die Kelten war es das Erwachen der Erde nach einem harten Winter und sorgte auch bei den Menschen für eine weit verbreitete Aufbruchstimmung. Als Fruchtbarkeitsfest nicht nur im Zeichen der Fortpflanzung, sondern auch für Kreativität, neue Ideen und neue Beziehungen.

Die Menschen tanzten um die lodernden Feuer, die Druiden zeugten in dieser Nacht mit den Druidinnen den druidischen Nachwuchs und die Dorfjugend verliebte sich im Rausch des Mets ineinander. Die Kelten wussten, wie man Feste feiert.

Walpurgisnacht

Mit dem unvergleichlichen Siegeszug der Kirche und des christlichen Glaubens verschwanden auch immer mehr “heidnische” Feiertage. So war den Christen das ausschweifende Sommerfest Beltane ein ganz besonders spitzer Dorn im Auge. Als man im Jahre 870 die Äbtissin von Heidenheim “Walburga” heilig sprechen wollte, war das der willkommene Anlass für einen eigenen Feiertag. Anlässlich der Überführung ihrer Gebeine nach Eichstätt am 1. Mai sprach Papst Hadrian II. die bereits 779 Verstorbene heilig und rief dazu auf, ihrer an diesem Tag zu gedenken.

Francisco Goyas - Hexensabbath
Francisco Goya – Hexensabbath

Doch das setzte sich nicht durch. Die Menschen blieben bei ihren heidnischen Bräuchen und feierten weiterhin ein ausgelassenes und höchst lüsterndes Fest. Böse Zungen behaupteten damals, dass der Name der Äbtissin “Walpurga” sowieso auf die Walküren, heidnisch germanischen Priesterinnen, hinwies.

Also behauptete man, dass in der Walpurgisnacht die Hexen auf dem Blocksberg ihren großen Sabbat abhalten würden. Tatsächlich trafen sich in dieser Nacht auf dem heutigen Brocken die naturreligiösen Gläubigen, um am Feuer zu tanzen und den bevorstehenden Sommer zu feiern. Um die Fruchtbarkeit zu ehren, liebten sich die Menschen in freier Natur. Dieser Liebesakt galt als die Hochzeit zwischen Himmel (Mann) und Land (Frau). Hohe Priester verkleideten sich mit Hirschgeweihen, um den gehörnten Gott der Männlichkeit zu huldigen. Die Christen machten aus ihm später den Teufel und dichteten den beteiligten Frauen später Buhlschaft mit dem Gleichen an.

Und irgendwie ist Goethe ist mit seinem Werk “Faust” dafür verantwortlich, dass uns der Name Walpurgisnacht auch heute noch geläufig ist, wurde seine Vorlage in den folgenden Jahren immer wieder ein Bestandteil großer Dichter und Schriftsteller. Unter anderem erzählen Theodor Storm, Ottfried Preußler und nicht zuletzt der geschätzte H.P. Lovecraft vom Hexensabbat in der Walpurgisnacht am 30. April eines jeden Jahres.

Tanz in den Mai

Heute ist von bedeutungsschwangerer Mythologie und Legenden nicht mehr viel zu spüren. Dennoch weisen die meisten der merkwürdigen Traditionen der Neuzeit erstaunliche Parallelen zu Vergangenheit auf. Junge Männer berauben junge Birken ihrer Lebensgrundlage, schmücken sie mit bunten Bändern und setzen sie ihrer Angebeteten als Zeichen ihrer Liebe vor das Haus. In Schaltjahren ist es umgekehrt, womöglich wegen der Gleichberechtigung. Das überall entzündete “Maifeuer” dient schon lange nicht mehr dem Vertreiben böser Geister oder als Hintergrundbeleuchtung für Paarungen und freiem Himmel sondern dient als wärmender Versammlungsort zur Einnahme berauschender Getränke. Ist das Feuer etwas heruntergebrannt, springen einige junge und verliebte Paare über das Feuer um ihre Bindung zu besiegeln.  Dass meist ausreichende Mengen Alkohol das Urteilsvermögen bei der Partnerwahl trüben können, wird gerne außer Acht gelassen.

In den Dörfern und Gemeinden werden Maibäume gesetzt. Das sind riesige Holzstämme, die an ihrem Ende überdimensionale geschmückte Kränze “durchdringen”. Überhaupt ist das Ganze immer noch eine ganz große Ferkelei, auch bei den Christen. Ein genauerer Blick auf einen solchen Maibaum entlarvt die ganze Doppeldeutigkeit, denn die Symbolik spricht eindeutig auf die Vereinigung von Himmel und Erde oder auch von Mann und Frau! Der riesige Holzstamm ist der Phallus, der den Kranz, die Vulva, durchstößt. In seiner ursprünglichen Version war der alles überragende Baum, der immer ein bisschen höher sein musste als der der Nachbargemeinde, ein unglaublich großes Fruchtbarkeitssymbol unter dessen Einfluss sich Menschen, Tiere und Pflanzen sich redlich vermehren sollten. So wie die Kelten einst ihre Ställe schmückten, ums Feuer tanzten und Met tranken.

Die in den letzten Jahren aufkommenden Neuinterpretationen von Beltane oder der Walpurgisnacht sind da eine vermeintliche Abwechslung zu den sonst inhaltsleeren Maifeierlichkeiten. Ein Hauch Mythologie macht aus jedem schnöden Feiertag ein intellektuell esoterisches Erlebnis und bieten alternativen Lebensentwürfen eine traditionelle Grundlage.

Feiertag

August Spies
August Spies wurde nach der Kundgebung zusammen mit 7 weiteren Organisatoren wegen Verschwörung festgenommen und hingerichtet.

Haben wir es also wieder der Kirche zu verdanken, dass wir am ersten Mai zu Hause bleiben dürfen? Diesmal nicht. Grund für den freien Tag ist der “Tag der Arbeit”, der auf die nordamerikanische Arbeiterbewegung von 1886 zurückzuführen ist und erstmals von den Nationalsozialisten 1933 als Feiertag eingeführt wurde. Doch der Reihe nach.

1886 waren die amerikanischen Arbeiter unzufrieden mit ihrem 12-Stunden-Tag und dem Durchschnittsverdienst von 3 Dollar. Zur Durchsetzung eines 8-Stunden-Tages rief die Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai auf. Der Chefredakteur und Herausgeber der “Arbeiter-Zeitung” August Spies hielt am Abend des 1. Mai 1886 auf dem Haymarket in Chicago eine bewegende Rede. Sie gilt als Ursprung des Arbeiterklassenbewusstseins und führte in den nächsten Tagen zur mehrtägigen Streiks und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der “Haymarket-Riot” markiert den blutigen Höhepunkt dieser Auseinandersetzung.

In Gedenken an die Opfer dieses Aufstandes rief man 1889 den 1. Mai als “Kampftag der Arbeiterbewegung” aus, an dem auf der ganzen Welt Massenstreiks und Massendemonstrationen begangen wurden. Nachdem die Weimarer Nationalversammlung mit ihrem Entwurf von 1919 scheiterten, den 1. Mai als Feiertag festzulegen, waren es die Nationalsozialisten, die 1933 den “Feiertag der nationalen Arbeit” beschlossen. Nachdem man dann die Gewerkschaften verbot, wurde der 1. Mai als “Nationaler Feiertag des deutschen Volkes” durchgeführt. Nach Ende des Krieges wurde der Feiertag durch den alliierten Kontrollrat genehmigt und ist seitdem wieder offizieller Feiertag.

Es ist also der Arbeiterbewegung zu verdanken, dass wir am 30. April ohne schlechtes Gewissen unsere Hexen-Sabbat, den Tanz in den Mai, Beltane oder was auch immer feiern können.

Ein letztes mal versuchte die Kirche übrigens 1955 auf den Zug des 1. Mai aufzuspringen. Unter Papst Pius XII. kam man auf den genialen Gedanken den 1. Mai zum Gedenktag “Josef des Arbeiters” zu machen. Das ihr das noch nicht gewusst habt zeigt, dass auch dieser Plan von der ignoranten Gesellschaft nicht wahrgenommen wurde.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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