#WitchTok – Spirituelle Achtsamkeit oder antisemitischer Pseudofeminismus?

Irgendwo zwischen traditionellem Hexenhandwerk und spirituellem Wellness-Trend ist seit 2019 der Hashtag #WitchTok auf der Videoplattform „TikTok“ zu einem virtuellen Blocksberg geworden, der es durch seine Faszination und soziale Isolation immer mehr Menschen in seinen Bann zieht. Über 1,7 Milliarden Aufrufe soll der Hashtag seit 2019 auf TikTok bereits angehäuft haben. Von einigen Experten wird dieser Trend aber sehr kritisch gesehen.

#WitchTok – Der neueste Trend auf der Suche nach Antworten

Okkultismus und Wicca liefern den Menschen bereits seit langer Zeit Antworten auf Fragen, die ihnen weder Wissenschaft noch Religion liefern können. Diese Trends fanden allerdings vor der Informationsverbreitung durch das Internet nur als Randerscheinungen abseits des Mainstreams statt und zogen nur Eingeweihte, Wissende und vor allem ältere Menschen in ihren Bann. Was #WitchTok heute und gerade für jüngere Menschen interessant macht, fasst Natalie Black in einem Artikel der Vogue so zusammen:

Wenn man sich die gegenwärtige Kulturlandschaft ansieht, erleben die Menschen, insbesondere unsere jüngeren Generationen, massive Umwälzungen und Unsicherheit. Welchen besseren Weg gibt es, die Kontrolle zurückzuerlangen, als sich nach einer Bewegung zu richten, bei der es darum geht, die eigene innere Kraft zu nutzen, die eigene Realität zu kontrollieren, sich mit den höheren Sinnen und der Natur zu verbinden? Kurz gesagt: Das ist WitchTok.

Was bei TikTok gerade die jüngeren Leute anspricht, ist neben der Verbreitung (150 Millionen aktive Nutzer täglich) auch die Möglichkeit, sich in Gemeinschaften und unter einem gemeinsamen Hashtag auszutauschen. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl der Hexen scheint sehr stark. Man gibt sich offen, gemeinschaftlich und authentisch – Neuankömmlinge, die sogenannten „Baby Witches“ werden mit Ratschlägen und Richtungen versorgt, man gibt aufeinander Acht, anstatt sich selbst der Nächste zu sein. Gerade durch die Pandemie, in der jeder auf sich selbst gestellt zu sein scheint, ist das ein Gefühl, das vielen jungen Menschen fehlt.

#WitchTok ist offenbar angetreten, um zwischen sozialen Unruhen, Klimawandel und einer globalen Pandemie Hoffnung und Gemeinschaft zu bieten. Viele Religionen, die einmal genau dafür Institutionen waren, haben sich mit Krieg, Terror und Unterdrückung oder auch Autorität, Hierarchien und veralteten Ideologien selbst aus dem Spiel genommen. Junge Menschen wollen selbstbestimmt und dennoch gemeinsam die Sicht auf ihre Welt positiv beeinflussen. Gemeinschaftlich hat man sogar Schutzzauber entwickelt, um die Demonstranten der „Black Live Matters“ zu unterstützen. Ist das nicht alles toll?

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#WitchTok ist Antimodern und Pseudofeministisch

Das finden nicht alle toll. Auf „Belltower News„, dem digitalen Ableger der Amadeu Antonio Stiftung, sieht man in der wilden Vermengung von Esoterik, Astrologie, Karma und Schicksal bedenklich viele Schnittmengen mit „anitmodernem und menschenfeindlichem Gedankengut und Verschwörungstheorien„, die letztendlich auch im Antisemitismus münden könnten, denn der ist – so der Artikel weiter – in der Esoterik und innerhalb des Wicca-Kults ein zentrales Thema.

Weiterhin gebe man sich zwar feministisch uns selbstbestimmt, reduziere sich aber letztendlich darauf, Kinder zu gebären. „Durch die Fähigkeit, Mutter zu werden und Kinder zu ernähren, wird eine besondere Verbindung der Frau zur Natur konstruiert und Frausein letztendlich auf die Gebärfähigkeit reduziert“ . Weiterhin heißt es im Artikel von Eva Kappl und Anna Meier:

Umso beunruhigender ist es, dass den wenigsten selbsternannten Hexen die problematischen Hintergründe und Bezüge des Hexenmythos klar zu sein scheinen. Dabei ist er geprägt von Antisemitismus, Pseudofeminismus und Verschwörungserzählungen. Am Ende ist der Hexentrend vor allem eins: Eine Vermarktungsstrategie mit höchst problematischen Bezügen und Querverbindungen, die als Türöffner für antimodernes und menschenfeindliches Gedankengut dienen kann.

Auch wenn der Artikel es überspitzt formuliert und die schlechten Rosinen aus dem Kuchen herauszupulen scheint, so bleibt dennoch viel bedenkliche Wahrheit zwischen den Zeilen. Es ist kein Geheimnis, dass rechts-gerichtete Ideologien Anknüpfungspunkte in nahezu jeder Subkultur, Strömung oder jedem Trend finden und hemmungslos ausnutzen. Die schwarze Szene kann hinsichtlich der Strömungen des Neofolk davon ein Lied sind. Auch die Esoterik-Szene ist von ganz ähnlichen Versuchen, die Menschen mit völkischen und menschenfeindlichen Gedanken zu beeinflussen, betroffen. Hierzu sei die Doku des Bayerischen Rundfunks „Gefährliche Allianz: Grüne Esoterik und braune Philosophie?“ empfohlen.

Deshalb liegt es nahe, solche Anknüpfungspunkte auch beim #WitchTok Phänomen herzustellen. Beim „Pseudofeministischen“ fehlt mir allerdings das Wissen, um objektiv zu beurteilen, ob das nicht an den Haare herbeigezogen ist. Schreibt gerne dazu etwas in die Kommentare.

#WitchTok – Bitte kein Empörungs-Ping-Pong

Es ist gut und wichtig hinzuschauen, wenn Szene, Subkulturen oder auch nur Trends Anknüpfungspunkte für Verschwörungstheorien, Menschenfeindlichkeit und Anti-Demokratische Tendenzen bieten. Gerade Menschen, die nach Antworten, Gemeinschaft oder Achtsamkeit suchen, sind empfänglich für falsche Gruppierungen, die oberflächlich genau das vermitteln, während sie in der Lage darunter aber ein verstörendes und hasserfülltes Weltbild prägen. Während sich in der schwarzen Szene hauptsächlich Menschen herumtreiben, die nach Zerstreuung und Unterhaltung suchen, gibt es in der #WitchTok-Szene viele Jugendliche, die nach viel sensibleren Dingen Ausschau halten.

Keinen Sinn ergibt das Empörungs-Ping-Pong, bei dem sich beide Lager darüber aufregen, was das jeweils andere von sich gibt und stets die Meinungshoheit für sich beansprucht. Wer sich mit den Meinungen des Anderen beschäftigt, ist auf einem viel besseren Weg und hat die erste Hürde genommen.

Esoterik, Wicca und auch Okkultismus sind schon länger ein Bestandteil der schwarzen Szene. Anfang der 90er beschäftigte man sich mit Symbolik, Tarotkarten, Kräuterkunde, Okkultismus oder alternativer Literatur. Was am Anfang zum Kick und zur bloßen Provokation gebraucht wurde, bereicherte in Teilen später das eigene Leben und die Patchwork-Weltanschauung, die viele Gruftis zu pflegen scheinen.

Die Erfahrung zeigt aber, dass es in jeder Szene, die Anknüpfungspunkte für rechte und völkische Ideologien bietet, sei es in der Bildsprache, den Inhalten, Anspielungen, historischen Bezügen und Ritualen oder auch nur der Musik Menschen gibt, die sich davon angezogen oder abgeholt fühlen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es Gruftis geben mag, die in einer antisemitischen Anspielung oder einer Performance im Nazi-Chic ihre Berufung finden. Genauso wird es #WitchTok-Fans geben, die mit einer menschenfeindlichen und antidemokratischen Grundhaltung ihren Schutzraum innerhalb der Szene finden, von dem aus sie andere für etwas verantwortlich machen können.

Gerade, wenn man für etwas brennt, sollte man darauf achten, wer das Öl ins Feuer gießt.

Liebe „Baby Witches“ und #WitchTok Fans: Lasst euch eure Leidenschaft und euren Wunsch nach Hoffnung und Achtsamkeit nicht nehmen. Zur Achtsamkeit gehört allerdings auch, sich nicht von Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit oder Antisemitismus anstecken zu lassen, denn das passt so gar nicht zu Eurer positiven und offenen Art.

Von vielen Gruftis, die sich mit Wicca, Esoterik, Naturheilkunde oder Kräuterkunde beschäftigen würde ich gerne wissen: Was haltet ihr von diesem Trend und seht ihr auch die Anknüpfungspunkte an rechte und völkische Ideologien?

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_60100)
Vor 1 Monat

Esoterik, Wicca und auch Okkultismus sind immer schon ein Bestandteil der schwarzen Szene gewesen.

Dem muss ich widersprechen. Die Szene der frühen Anfänge hatte damit noch gar keine Berührungen. Erst später, späte 80er/Anfang der 90er, kamen daran interessierte Gruppierungen auf – aber die waren auch nicht wirklich szene-repräsentativ. Die Medien haben es leider immer wieder so dargestellt, aber nur wenige Gruftis haben sich tatsächlich damit beschäftigt. Die wenigsten, die entsprechende Symbole verwendeten oder trugen, waren tatsächlich am Okkultismus oder Heidentum interessiert – es waren vielmehr Provokationen oder es wurde einfach cool gefunden, ohne den entsprechenden Background. Mir sind nach fast 32 Jahren Szenezugehörigkeit kaum Gruftis bekannt, die sich ernsthaft damit beschäftigt haben, und ich hatte viel Kontakt zu Leuten, die schon in den frühen 80ern schwarz waren.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Vor 1 Monat

Da ich mich sowohl mit Esoterik/Okkultismus und mit Feminismus beschäftige, würde ich gerne mal ein Kommentar abgeben.

1) Es gibt nicht den einen Feminismus. Da gab es über die Jahrhunderte, und vor allem in den letzten 70 Jahren, verschiedene Ansätze und Strömungen. Und da wird viel gestritten und diskutiert. Und das ist so ein riesen Fass….woll´ma des aufmache?

2)Den Zulauf in der „Hexen“Szene verdanken wir nicht nur TikTok, sondern generell den sozialen Medien und auch Youtube. Da tummeln sich schon seit Jahren viele Leute. Manche erzählen da hanebüchenen Unsinn und reproduzieren uralten überholten Quatsch, ohne sich mal Gedanken zu machen, was sie da tun. Andere sind wirklich eine Inspirationsquelle und schaffen so gekonnt den Spagat zwischen altem Wissen/Traditionen und der modernen Realität. Aber wo ist das nicht so? Keine Szene oder Gesellschaft der Welt ist homogen.

3) Hexen und Feminismus: In den 1970er gab es eine Welle des Feminismus mit dem tollen Spruch „Zitter! Zitter! die Hexen sind zurück.“ Leider war das auch der Feminismus der so laut war und finde ich auch einen bitteren Nachgeschmack hat, weil Feminismus mittlerweile so verstanden wird. Es war die Zeit des Mann vs. Frau. Das ist leider bei vielen bis heute so in Erinnerung. Sag heute, du bist Feminist*in und du bist ein*e Männerhasser*in. Damals kam auch eine esoterische Komponente (noch aus den 1960er Jahren heraus) dazu. Eine Mischung aus Umweltschutz und Feminismus und Spiritualität (man hatte ja auch die Schnauze voll von der Kirche). Da kamen auch viele esoterische-feministische Inhalte auf, die heute unreflektiert reproduziert werden.

4)JA, es muss kritisch gesehen werden, wenn es bei Frauen nur wieder um „Mutter-Sein“ geht. Das ist eine rechts-konservative Nummer, die gerade überall wieder in jeder Szene auftaucht. Da könnte ich kotzen. Feministisch wäre es ja (m.M.n.), dass es einem freigestellt ist, ob man Kinder gebären möchte oder nicht. Und dann wäre es feministisch, m.M.n, wenn man eine Gesellschaft schaffen könnte, wo es eben möglich ist z.B. Arbeit und Elternschaft besser zu vereinen, als Frau/Mutter nicht in Altersarmut zu rutschen, bessere Bildung für Kinder zu ermöglichen , usw. usw. Diese Frau=Mutter=Sinn-des-Lebens-und-Glück ist so tief in unserer Gesellschaft verankert und geht voll an der Realität vorbei. Ein meeeeega Spielplatz für die rechts-politischen Kräfte, wie so oft.

5) Was mich an diesem Trend am meisten stört ist der krass kapitalistische Anstrich. Kaufe diese Kräuter, kaufe dieses Buch, buche dieses und jenes Seminar,usw. Als würde Hexerei nur mit bestimmten Produkten funktionieren. Die wenigsten kümmern sich auch darum, wie diese Produkte hergestellt, angebaut oder abgebaut werden. Ein riesen Regal voll mit tollen Edelsteinen, aber unter welchen Bedingungen die Untertage abgebaut werden, wissen die wenigsten. Kräuter und Räucherwerk von sonst wo her angekarrt, damit man sie möglichst billig kaufen kann. Und dann noch der Druck, möglichst witchy Posts auf Insta oder Tiktok zu präsentieren. Dieser enorme Druck Anerkennung zu bekommen, um dazuzugehören. „WAS? Du hast keine Zimmerpflanzen und Edelsteine? Dann bist du ja gar keine echte Hexe!“ Boah….! Das ist in jeder Szene aber so (siehe Beitrag zu True/Untrue).

Und wenn mir noch was einfällt….dann schreibe ich es.

Lakritze
Lakritze (@birte-sedat)
Vor 1 Monat

Ich stimme  Wichtlhexe zu, dass es nicht den „einen“ Feminismus gibt. Es liegt grundlegend erst mal der Wunsch vor jahrtausendelange Diskriminierung abzuschaffen und die Situation für weiblich gelesene Menschen zu verbessern. Wie, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln dies geschehen soll – dazu gibt es so viele Ideen wie kluge (und auch nicht so kluge) Köpfe.

Manch eine „feministische“ Idee ist aber nur eine weichgespülte, letztendlich patriarchale Maske und entlarvt sich im Endeffekt als Antifeminismus, der sich auf Biologismus und „Mutter Natur“, auf Vulva, Ovarien und Gebärmutter fokussiert und nicht-Gebärende maximal als „weise Frauen“ daneben stehen lässt. Wenn ich keinen Bock habe zu Gebären und auch nicht die soziale Funktion einer weisen Beraterin zu übernehmen gedenke, ticke ich irgendwie falsch und bin ein verlorenes Kind, das irgendwie den Kontakt zur Natur verloren hat.

Wie ich auf Facebook schon schrieb: Einer der Dinosaurier des Feminismus im letzten Jahrhundert, Simone de Beauvoir, hat das in ihrem Klassiker „das andere Geschlecht“ schon sehr gut ausformuliert.

Wiener blut
Wiener blut (@guest_60104)
Vor 1 Monat

Wenn schon, dann #Witch/erTok m/w/d, sonst fühle ich mich diskriminiert und empfinde das gesamte Denkmuster total veraltet in seiner alle anderen ausklammenden Weiblichkeit. Aber für Witch/erTok sind die halt zu konservativ, da merkt mans wieder, welcher Denkmuster Kind das ist. Außerdem wissen wir aus dem unverhexten Alltag oft genug, dass reine Frauengruppen sehr anstrengend sein können, innen wie außen, und grade auch für manche Frauen selber. So wird es mir zumindest ab und zu von Frauen berichtet. Aber diese mögliche Problematik witchen die bestimmt weg. Wie witchen die das eigentlich mit der Hierarchie, oder sind die basisdemokratisch und inklusiv? Eigentlich müssten Frauen heute generell genug Kompetenz (also nicht im Zaubern, sondern in anderen Dingen) und Selbstbewusstsein haben, und das auch nach außen zeigen, ohne daß es Begriffe wie Feminismus (oder Emanze und Co) noch bräuchte, um ihre Position in der Gruppe zu erreichen bzw zu stärken. Diese Teamplayerinnen in gemischten Teams gibt es durchaus schon heute überall. Ja, ich gehe da mit einem anderen Blickwinkel dran, das Okulte interessiert mich da weniger. P.S. Gibt es eigentlich queere Witcherei? Eine Transenhexe fänd ich interessant, und gut gemacht bestimmt total spannend. Käme ja dem Grundgedanken des Verbindens und Zusammenführens beim Okkulten sehr nahe.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Wiener blut
Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Vor 1 Monat

Vielleicht denke ich zu einfach und bin ohnehin nur schwer für Gruppen jeglicher Art zu begeistern, aber ist es nicht sinnvoller, sich politisch – oder von mir aus auch an entsprechender Position in der Wirtschaft – zu engagieren, und beispielsweise für die gleiche Entlohnung für alle zu kämpfen? Mir erschließt sich nicht, was die Verehrung einer Gebärmutter mit Feminismus zu tun hat.Hat Wichtelhexe ja schon in „Punkt 4“ ausgeführt. Witchdings klingt für mich irgendwie nach Midlife-Crisis oder wahlweise nach zwanghaftem „Anders sein wollen“ mit Anleitung.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_60106)
Antwort an  Orphi
Vor 1 Monat

Ich hab auch keine Vorstellung, was daran so toll sein soll. Ist am Ende nicht viel anders als bei Religionen: man erhofft sich, durch bestimmte Handlungen sein Schicksal positiv zu beeinflussen – und darüber hinaus womöglich das anderer Menschen, positiv oder negativ. Irgendwelche Mächte sollen einem dabei helfen. Wer’s glaubt… ich glaube nicht an irgendwelche Mächte/Götter.

Und irgendwelche Fruchtbarkeits-Betonungen finde ich auch befremdlich. Es gibt mehr als genug Menschen, mehr als die Natur verkraften kann, da muss man nicht noch seinen Beitrag zu leisten. Und schon gar nicht Menschen abwerten, die nicht Kinder in die Welt setzen (wollen).

Was Feminismus oder Hexenkult überhaupt mit Antisemitismus zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Wo soll denn da bitteschön eine Schnittmenge oder überhaupt Berührungpunkte sein???

Im übrigen hab ich kürzlich mitbekommen, dass „Der Hexenclub“ aus den 90ern vor ein paar Jahren neu verfilmt wurde – vielleicht ein Ursprung oder eine Folge dieser Witch-Bewegung?

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Antwort an  Robert Forst
Vor 1 Monat

 Robert Forst Mein Enthusiasmus, mich näher damit zu beschäftigen, hält sich eigentlich schwer in Grenzen, aber in einer ruhigen Minute (also nie) werde ich mir das mal durchlesen…

Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 1 Monat

 Tanzfledermaus Es liest sich aber seltsam, dass du im gleichen Satz Menschen verurteilst, die Kinder in die Welt setzen, und das Recht einforderst, nicht verurteilt zu werden, wenn du keine willst. Zumindest verstehe ich den Satz mit der Natur, die nicht mehr verkraftet und den „mehr als genug Menschen“ als Mutter eines wundervollen Sohns als Angriff. Wir können uns sicher darauf einigen, dass das jeder selbst entscheiden darf, oder?

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@caroele74)
Antwort an  Orphi
Vor 30 Tagen

Das war lediglich auf die Ansicht der witch Leute bezogen, das es sozusagen Aufgabe der Frau sei, zu gebären und aus diesem Hintergrund heraus jene abzuwerten, die keine Kinder bekommen.

Manu
Manu (@manu)
Vor 1 Monat

Ich finde eure Meinungen hier sehr gut. Wenn ich dazu den alten Karl Marx mal bemühen darf: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ und nicht umgekehrt. Ich finde auch, dass es sich eher lohnt für gleiche Rahmenbedingungen zu kämpfen, wie gleiches Geld für gleiche Arbeit und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das bringt uns wesentlich weiter. Und jeder Mensch muss für sich selbst Entscheidungen treffen können. Tiefer möchte ich als „Macker“ nicht in das Thema eingreifen, denn da gibt es genug starke Frauen, die ihre Meinung dazu haben, wie man hier sieht.

Elric
Elric (@guest_60114)
Antwort an  Manu
Vor 30 Tagen

Ich will mal ganz davon absehen, dass ich mit mit antirationalen/wissenschaftsfeindlichen Weltbildern zunehmend Probleme habe…

…Esoterik jeder Art ist, wenn überhaupt, nur für geübte und skeptische Anwender geeignet…

…was mich aber zu kommentieren drängt, ist die Tatsache, dass hier bisher niemand ein Wort über die verwendete Plattform verloren hat…

…die ist, meiner Wahrnehmung nach, übelst faschistoid, indem jeder, der nicht reich, schön, cis und nicht behindert ist, nicht stattzufinden hat…

…wobei natürlich die jeweils nationalen TikTok Ableger bereitwilligst mit Despoten wie herrn Erdogan zusammenarbeiten…

…was vielleicht nicht mehr ganz so überraschend ist, wenn man sich klar macht, dass das ganze Konstrukt ein Herrschaftsinstrument der chinesischen Regierung ist und, ganz nebenbei, auch eine besonders garstige Spyware…

…hoppla, der Kommentar ist natürlich @allgemein, sorry…

Letzte Bearbeitung Vor 30 Tagen von Elric
Manu
Manu (@manu)
Antwort an  Elric
Vor 27 Tagen

Hallo Elric, kein Problem. Passiert.

Deine Kritik ist völlig in Ordnung, aber das würde den Rahmen des Themas sprengen. Das ist mehr was für netzpolitik.org o.ä.. Da hilft nur Aufklärung der Menschen, die solche Plattformen nutzen.

Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Vor 26 Tagen

Wiener blut : Ja, warum braucht es Feminismus heute noch? Vielleicht, weil es noch immer so zynische Kommentare, wie deinen gibt? Zumindest lese ich ihn so.

Außerdem wissen wir aus dem unverhexten Alltag oft genug, dass reine Frauengruppen sehr anstrengend sein können, innen wie außen, und grade auch für manche Frauen selber. So wird es mir zumindest ab und zu von Frauen berichtet.

Das hat glaub ich weniger mit Frauen bzw. weiblich gelesenen Personen zu tun, denn auch reine Männergruppen können auch anstrengend sein und dazu führen, dass man sich verbiegt oder unglücklich ist. Bestes Beispiel sind Spitzensportler, die sich nach Ende ihrer aktiven Karriere dann als homosexuell outen. Reibereien, Meinungsverschiedenheiten und Streit ist etwas ganz normales in Gruppen, unabhängig ob sie homogen sind oder heterogen.

Eigentlich müssten Frauen heute generell genug Kompetenz (also nicht im Zaubern, sondern in anderen Dingen) und Selbstbewusstsein haben, und das auch nach außen zeigen, ohne daß es Begriffe wie Feminismus (oder Emanze und Co) noch bräuchte, um ihre Position in der Gruppe zu erreichen bzw zu stärken. 

Huch! Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Frauen/weiblich gelesene Personen mit ausreichender oder hervorragender Kompetenz. Das Problem ist ja eher, das diese nicht gefördert, ernstgenommen oder anerkannt wurden. Und ja, dass ist leider bis heute so. Die gläserne Decke existiert wirklich, wenn auch nicht für dich. Und das Selbstbewusstsein leidet auch irgendwann, wenn man nur niedergemacht wird. Wir leben in einer Gesellschaft, wo an jedem dritten Tag eine Frau ermordet wird durch ihren Partner/Ex-Partner. Menschen aus der LGBTQ-Community erleben tagtäglich Ausgrenzung, Diskriminierung, sowie psychische und physische Gewalt. Im ersten Lockdown haben die Hilfetelefone einen rasanten Anstieg an Anrufen erhalten. Deswegen brauchen wir Feminismus. Und ja, auch Männer würden davon profitieren, damit auch Gewalttaten gegen sie ernstgenommen werden ( https://www.youtube.com/watch?v=lxXBQ6s15ZQ).

Gibt es eigentlich queere Witcherei? Eine Transenhexe fänd ich interessant, und gut gemacht bestimmt total spannend. Käme ja dem Grundgedanken des Verbindens und Zusammenführens beim Okkulten sehr nahe.

Ja, gibt es. In einigen magischen Traditionen gibt es einen deutlichen Zuwachs an Büchern, magischen Zutaten, etc. die sich damit beschäftigen.

Orphi :

Mir erschließt sich nicht, was die Verehrung einer Gebärmutter mit Feminismus zu tun hat.

Das hat vor allem was mit der Selbstbestimmung über den eigenen Körper was zu tun. Hat auch unter anderem was damit zu tun, wie man Menstruation sieht und wie man damit umgeht. Nicht die klassische Ansicht, dass man Menstruationsblut diskret wegtamponieren muss, sondern das es etwas natürliches ist. Ist ja auch prinzipiell etwas echt Gutes, dass so zu sehen, aber das ist eine spezielle Entwicklung der 1960er/1970er Jahre. Da war die Vermischung von den spirituellen Strömungen und der feministischen Welle („Mein Bauch gehört mir!“).

Ja, es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich mehr Menschen politisch engagieren würden, für bessere Arbeitsbedingungen usw. Da gebe ich dir absolut recht.

Tanzfledermaus :

Was Feminismus oder Hexenkult überhaupt mit Antisemitismus zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Wo soll denn da bitteschön eine Schnittmenge oder überhaupt Berührungpunkte sein???

Da gibt es sehr viele Berührungspunkte. Antisemitismus ist leider etwas, was sich durch sämtliche Gesellschaften, Ideologien, Philosophien etc. durchzieht. Wir haben da leider nur immer den Nationalsozialismus/Faschismus im Kopf. Vor allem in der Zeit von ca. 1850 bis 1940 wurden mehrere „esoterische“ Strömungen und ganzheitliche medizinische Konzepte entwickelt, deren Gründer*innen eine fragwürdige Haltung zum Teil hatten. Zum Beispiel Helena Petrovna Blavatsky gehört zu Gründerinnen der modernen Theosophie und hat sich auch antisemitisch geäußert. Auch Rudolf Steiner (Waldorf Schule) hat sich antisemitisch und rassistisch in seinen Werken geäußert. Der Arzt Max Bircher-Benner (ja, der Erfinder des Bircher-Müslis!) hat eine ganzheitliche Gesundheitslehre entwickelt, die aber von Hitler und Mussolini gefördert und propagiert wurde. Das sind jetzt nur drei Beispiele, aber wenn man sich mit dem Okkulten oder sehr naturverbunden Lebensweisen auseinandersetzt, stolpert man zwangsläufig auf solche Persönlichkeiten und deren Werke.

Rechte Strömungen greifen sowas heute wieder stark auf und versuchen hier wieder sehr stark Einfluss zu nehmen. Wie sie es immer tun, die versuchen immer einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ob es mit Neofolk ist, mit Esoterik, oder was auch immer. Da ist es so wichtig genau zu lesen, hinterfragen und auch so manche Schriften im Kontext zu betrachten (wer war der Autor, was hat der so gemacht, wie war die damalige Gesellschaft so, usw.). Vor allem junge und unerfahrene Menschen lesen sowas vielleicht nicht zwingend mit der nötigen Aufmerksamkeit.

Und dann möchte ich noch den Kommentar von Elric aufgreifen. Ja dieses TikTok geht mir auf den Senkel und vor allem, wie unbedarft damit umgegangen wird. Aber das betrifft ja auch viele andere Socia-Media-Plattformen. Kleiner Filmtipp: The Social Dilemma auf Netflix. Nette Doku.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_60125)
Antwort an  Wichtlhexe
Vor 26 Tagen

Ich denke mal, dass moderne Mädchen und Frauen sehr gut differenzieren können zwischen dem, was Begründer der Esotherik-Szene im damaligen Zeit-Kontext für einen antisemitischen Bockmist in ihre Theorien eingebunden haben (zu damaliger Zeit dachte sich kaum jemand etwas dabei, heute hingegen schon) und zu dem, wie wir solche Äußerungen heute sehen. Nur weil jemand die Lehren derjenigen Verfasser interessant findet, muss es noch lange nicht heißen, dass solche Punkte auch unkritisch übernommen werden.
Genau wie bei Luther, der ein heftiger Antisemit war – würde deshalb jemand auf die Idee kommen, gläubigen Protestanten deshalb pauschal Antisemitismus zu unterstellen? Das wäre doch sehr arg weither geholt und daher bewerte ich die schriftlichen Hinterlassenschaften derjenigen, auf die sich manche moderne Hexen beziehen mögen, in diesem Punkt auch nicht als wirkich gefährlich. Wir sind heutzutage deutlich aufgeklärter und toleranter anderen Bevölkerungsgruppen gegenüber als zu jener Zeit, als es leider breit verbreitet war, so intolerant und rassistisch zu denken.
Vermutlich picken sich die „Hexen“ eh nur das raus, was in heutiger Zeit für sie brauchbar erscheint, also die Anwendungen, und weniger das abstruse Weltbild von damals.
Sollte aber jemand tatsächlich auf diesen Zug aufspringen und entsprechend problematische Thesen wieder zu verbreiten versuchen (oder auch annehmen), dann ist das natürlich schon ein Fall für kritische Beobachtung, Auseinandersetzung bis hin zur gerechtfertigten Zensur durch die Plattformen.

Letzte Bearbeitung Vor 26 Tagen von Tanzfledermaus
Sylvia_Plath
Sylvia_Plath (@guest_60133)
Vor 23 Tagen

 Wichtlhexe: Du schreibst weiter unten, dass der Feminismus angeblich Männern und männlich gelesenen Personen dabei helfen würde, als Opfer von Gewalt ernst genommen zu werden.
Paradoxerweise hat der Feminismus der 1970er und 1980er Jahre aufgrund seiner Radikalität das genaue Gegenteil bewirkt. Solche Radikalfeministinnen wie Andrea Dworkin oder Valerie Solanos haben doch gerade dafür gesorgt, dass sich der Tenor des „Jeder Mann ist ein Vergewaltiger und/ oder Schläger“ bisher in den Köpfen vieler Menschen verankert hat, wenn sie auf das Thema „Feminismus“ stoßen.

Und noch was : Bist du dir sicher, dass solche feminismuslastigen Themen nicht eher in die „Emma“ oder meinetwegen auch in das „Missy Magazin“ gehören?
Oder ist Spontis jetzt das Sprachrohr der feministischen Szene innerhalb der Schwarzen Szene?

Schönen Abend noch!

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