Gothic zwischen Tod und Wiederauferstehung – Wechsel der Generationen in den 90ern

Ende der 80er Jahre liegt die westdeutsche Gothic-Szene am Boden. Die Idole von damals haben ihre Anziehungskraft verloren, die Szene verliert an Integrität und Zusammenhalt. Man rudert hilflos im Meer neuer Musikrichtungen, ohne in ein gemeinsames Boot steigen zu können. Nachdem die BRAVO das Wort Gothic 1986/87 zu einer modischen Attitüde erniedrigt hat und damit eine breite Masse erreicht, ändert sich nun der Trend. Leute, die es einmal cool fanden, schwarz gekleidet zu sein, finden es nun cool, mit Warnwesten und weißen Handschuhen hinter knallbunten, fahrenden LKW zu tanzen.

Die Bands, die einst den Underground schufen, sind nun erfolgreich. Mit „Disintegration“ erreichen The Cure 1989 ihren vorläufigen Höhepunkt und sind dabei schon stilistisch im Pop angekommen. Die Sisters of Mercy veröffentlichen mit „Vision Thing“ 1990 ein Hard Rock Album und die Fields of the Nephilim lösen sich 1991 in Wohlgefallen auf. Wer etwas auf sich hält, wechselt in die aufstrebende Techno-Szene, ist nun „Erwachsen“ oder beginnt damit, sich für Musikstile zu interessieren, die die Idee des Gothic aufgreifen und fortführen.

Aus den einstigen Anhängern einer musikalisch geprägten Bewegung, die der Szene treu geblieben sind, sind junge Erwachsene geworden. Und mit Ihnen sind auch Ideale gereift, die aus der Musikrichtung einen Lebensstil machen. „Recht schnell entwickelte sich „Gothic“ vom Lebensgefühl zu einem Lebensstil, der sich mit den vorformulierten Thematiken weitaus intensiver und ernsthafter befasste, als dies selbst von den frühen Protagonisten beabsichtigt war.1

Gefallen und wieder Auferstanden

Dark Wave, Neofolk, EBM und Industrial, die schon Mitte der 80er von der noch recht homogenen Szene vereinnahmt wurden, beginnen nun, die Szene durch immer größer werdende Splittergruppen zu spalten. Doch bevor die Szene zu zerbrechen droht, zerbricht die deutsch-deutsche Grenze. Der Mauerfall wirkt 1990 wie eine Adrenalin-Spritze in das Herz der Gothic-Szene. Während es im Westen nichts Neues gibt, entwickelt sich in der ehemaligen DDR eine starke schwarze Szene aus einer eingeschworene Gemeinschaft von Gruftis, die bis dahin nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern auch wegen des sozialistischen Staats gezwungen waren, gemeinsam zu agieren und Opposition zu ergreifen.

Berlin, das schon vor dem Mauerfall ein Schmelztiegel für alle musikalisch geprägten Szenen war, scheint zu explodieren. Diskotheken wie das Linientreu sind angesagt und genießen internationale Bekanntheit. „Nicht dieser Discofox-Kram, sondern Underground, Subkultur, ein Lebensgefühl. Das Linientreu war im West-Berlin der achtziger Jahre das Mekka für Leute wie Micha. Damals, als der Kudamm noch der Ort war, wo alles passierte. „Wenn du nicht auf dem Kudamm warst, hast du was verpasst“, erinnert sich Geschäftsführer Karsten und weiß, wie schwer das heute nachzuvollziehen ist.2 Vor allem im Ostteil der Stadt öffnen und schließen neue Clubs und Treffpunkte alternativer Lebenskultur im Wochenrhythmus und sorgen als vermeintliche Hochburg schwarzer Lebenskultur für stetiges Wachstum.

Die nach Perspektiven suchende Jugend beginnt sich selbst zu entdecken. Tot gehoffte Szenen wie die Neonazis verzeichnen ebenfalls regen Zulauf, alles was anders war als der nationalistische Grundgedanke wurde bekämpft. So verwandeln die braunen Horden Berlin in einen Hexenkessel, die Aggression richtet sich gegen Punks und Gruftis und machen Berlin 1990/91 zu einem heißen Pflaster für alternative Subkulturen. Und obwohl das Wachstum gehemmt erscheint, ist das Nachholbedürfnis größer. Eine neue schwarze Generation wächst heran und sorgt in den folgenden Jahren für einen stetigen Zuwachs der Gothic-Szene.

Neue Generation, neue Probleme

Vor allem in Deutschland wird aus der ursprünglich musikalisch geprägten Bewegung ein Lebensstil. Immer mehr Musikrichtungen finden in der Szene Anklang. Es herrscht Aufbruchsstimmung, die auch viele Professionelle in die Szene bringt, „… die auf mehr oder minder hohem Level Plattenfirmen und Verlage gründeten. Plötzlich wurden etlichen Bands Plattenverträge angeboten […] Viele hatten bemerkt, dass mit dem Underground Geld verdienen kann.3

Aufstrebende Szene-Magazine – wie beispielsweise das Zillo – wirken spätestens 1991/1992 mit einer Auflage von rund 70.000 4 wie ein Multiplikator. „Ein Ruck ging durch die Szene, als Anfang der 90er Jahre das erste Zillo am Bahnhofskiosk auslag. Ursprünglich war das mehr oder weniger das Programmheft des gleichnamigen Hamburger Clubs im DIN A5-Format. Nach dem Erscheinen an den Kiosken hatte die Szene Plötzlich ein Sprachrohr.5

Das 1992 erstmals veranstaltete Wave-Gotik-Treffen in Leipzig wird zu dem wichtigsten Treffen der „neuen Generation“ und lockt auch die mittlerweile „alten“ Grufties der ersten Stunde an, die früh erkannt haben, dass der Tellerrand der schwarzen Musik nicht mit Gothic-Rock oder Wave aufhört.

Das musikalische Vakuum, das die ursprünglichen Bands durch ihre Auflösungen oder Stiländerungen hinterlassen haben und die immer größer werdende Nachfrage nutzen neue Bands für sich. In Süddeutschland beginnen Musiker damit, Gothic Rock, Wave und Klassik zu mischen und mit poetischen Texten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das Ich veröffentlicht 1990 ihren Titel „Gottes Tod“, das den Grundstein für eine neue Musikrichtung legt, die Sven Freuen vom Zillo als „Neue deutsche Todeskunst“ kategorisiert. 6 Rund um das Danse-Macabre-Label formen sich Gruppen wie Relatives Menschsein, Lacrimosa und Goethes Erben und verhelfen der neuen Musikrichtung auch durch aufwendige Bühnenauftritte zu europäischer Beachtung.

Die neuen Musikrichtungen und Bands, die eine neue Generation von Gothics ansprechen, spalten die Szene. Die Anzahl der Anhänger wächst rasant schnell. Durch Szene-Magazine und Sampler – gepaart mit neuen Musikrichtungen und Ideen – erreicht man die kritische Masse. Auch die Kommerzialisierung scheint nun zu greifen. Um einen potenten neuen Markt zu bedienen, eröffnen Versender und Mailorder-Läden ihre Pforten. Ausgehend vom Zillo, sorgen neue Magazine wie der Sonic Seducer oder das Gothic (gegründet als Magazin für Psychedelic) für sprunghaft ansteigende Nachfrage.

Es scheint unausweichlich, dass sich die, die ihre Szene in das neue Jahrzehnt retten wollen, von denen, die nun auf den Zug aufspringen, distanzieren. Das Gefühl des Randgruppendaseins, der Gemeinschaft des kollektiven aber überschaubaren Andersseins zerbröckelt im Sandsturm der medialen Aufmerksamkeit. Junge Erwachsene, die ihre musikalische Leidenschaft und ihren Kleidungsstil zum Lebensgefühl entwickelten, scheinen mit der neuen Generation nichts mehr anfangen zu können. Die zweite Generation, die in den 90ern das Licht der Welt erblickte, ist Tribut an die demografische Entwicklung einer Jugendszene. Spaltung ist unausweichlich und erwünscht. Übertriebene Szenetoleranz sorgt immer wieder für neue Konflikte, denn was nicht zusammenpasst, sollte auch nicht passend gemacht werden.

Selbst in der 10ern wird das nicht anders sein. Wenn wir diesen Umstand akzeptieren und den Mut haben, den eigenen Teller für eine Exkursion zu verlassen, können wir uns gemeinsam auf die Wurzeln des Baums besinnen, dessen Früchte wir nun sind. Was zu viel ist, fällt bald herunter, treibt neue Wurzeln und gedeiht – oder es bleibt am Boden liegen und verfault.

Weil irgendwie zwar schon dies Düstere, Mystische, Einsame, Melancholische irgendwie wichtig ist, nicht aber im Sinne von Selbstmitleid, was in den 90ern in der Szene sehr verbreitet ist, sondern im Sinne von: Damit-Umgehen, das als Abgrenzung an die Gesellschaft sehen. […] Dass man nicht zum Jasager und Konsumenten mutieren sollte. Dass man Denkstrukturen über den Haufen wirft. Dass man einfach ganz neu anfängt, sich mit den Sachen zu beschäftigen, als es einem so von den Eltern, Schule und sonst woher vorgekaut wird. Und das wirkt nach außen hin immer aggressiv.7

Anmerkung: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Anfrage durch das österreichische Portal gothic.at und wurde dort am 9. März veröffentlicht. Die Bildrechte liegen bei gothic.at und wurden mir freundlicherweise zu Verfügung gestellt.

Einzelnachweise

  1. Ecki Stieg: Eine Szene ohne Namen, erschienen im Buch Gothic! von Peter Matzke und Tobias Seeliger, S. 17[]
  2. Aus dem Artikel: Genieß die Stille, Anne Lena Mösken für die Berliner Zeitung vom 27. März 2008[]
  3. Peter Matzke und Tobias Seeliger: Gothic 1, 2000 Schwarzkopf & Schwarzkopf, S.222[]
  4. Quelle: Artikel bei Wikipedia zur Zillo, abgerufen am 27. November 2010[]
  5. Peter Matzke und Tobias Seeliger: Gothic 1, 2000 Schwarzkopf & Schwarzkopf, S.218[]
  6. Vergleiche Artikel von Sven Freuen in: Zillo Magazin Heft Nr. 12/91 Seite 6, erschienen im Dezember 1991[]
  7. Susanne El-Nawab: Skinhead, Gothics, Rockabillies – Archiv der Jugendkulturen e.V., 2007, S. 179[]
Robert Forst
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Karnstein
Karnstein(@karnstein)
Vor 10 Jahre

Ich finde es sehr interessant wie du in der Einleitung die Entwicklung von der Wave- zur Techno-Szene kurz anreißt. Das ist ein Aspekt, der mir immer wieder aufgefallen ist und den ich gerne verdrängen würde.
So war etwa Hans Peter Geerdes mal ein Waver, bevor er als „H.P. Baxxter“ mit „Scooter“ den Kirmes-Techno begründete, Markus Kafka (seines Zeichens Alternative-Experte von MTV und ehemaliger Grufti) ist seit den 90ern als Techno-DJ aktiv, und auch mein eigener Cousin (dessen Joy-Division-Poster aus den 80ern ich jüngst geerbt habe und der bis heute als Depeche-Mode-DJ aktiv ist) war in den 90ern ganz groß im Techno dabei, mit Sven Väth, Marusha und wie sie alles heißen.
Aus heutiger Sicht etwas bizarr, aber eigentlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt wie elektrolastig die deutsche Wave-Szene wohl war (bzw. mir wurde gesagt „Techno“ sei um 1990 rum die durchaus legitime Bezeichnung für etwa Nitzer Ebb, Anne Clark oder New Order gewesen).

Die Bravo-Ausschnitte sind natürlich auch mal wieder spitze :)

Ext!ze
Ext!ze (@guest_15624)
Vor 10 Jahre

Es ist dich wirklich bemerkenswert wie neue Generationen in Subkulturen immer wieder für Diskussionen, aber vor allem doch für die Weiterentwicklung dieser verantwortlich sind. Dieser Artikel hat mir das wunderbar vor Augen geführt!

Ich vermute genau dieser „Konflikt“ zwischen den Generationen ist aber auch die Grundlage zur Weiterentwicklung und gegen den Stillstand – und der wäre schlim – ich hoffe doch sehr unsere schwarze Szene wird auch weiterhin einen (positiven) Generationskonflikt haben und so immer vital und aktiv bleiben.

Die Entwicklung zwischen Wave und Techno Szene Anfang der 90er war mir zwar schon bewusst, freut mich diese Tatsache doch um so mehr, wenn ich mir die musikalische Entwicklung der schwarzen Szene im letzten Jahrzehnt vor Augen führe, es ist doch ein ständiges Hin und Her und Gegenseitiges Befruchten :D Ich zähle natürlich zu den Befürwortern der elektronischen und technoiden Klänge in der schwarzen Szene, vor allem aber bin ich ein Befürworteter der Vielfältigkeit der Szene.

DJ Barus

Parasita
Parasita (@guest_15625)
Vor 10 Jahre

Dein Artikel führt mich geradewegs in die hinteren Ecken meines CD-Regals (also in die Pre-iTunes-Zeit), wo ich mich in nostalgischen Erinnerungen verliere… Danke! :-)

Epitaph89
Epitaph89 (@guest_15626)
Vor 10 Jahre

Wieder ein interessanter Artikel. Der Teil mit der Techno Szene hab ich auch schon oft gelesen, jedoch nie ganz verstanden. Aber ich verstehe auch nicht warum EBM bei Grufties so beliebt war/ist. Alle anderen Stile haben etwas düsteres. Bei EBM ist das nicht der Fall. Ich mag auch mal gerne 242 oder DAF, trotzdem fehlen mir da die großen Gemeinsamkeiten. Ok der Industrial, aus welchem sich der EBM gründete, war verstörend und düster. Beim EBM kann man das bei den meisten Bands und vorallem Fans aber nicht mehr beobachten. Zuviel „muscle and hate“ zu wenig Tiefgang. Aber wie so oft rein subjektiv;)

Den Gothic-Metal-BOOM in den 90ern vermisse ich noch ein bisschen, von dem ich noch viel mehr gehört habe, als von der Techno-Tatsache. Wobei das nicht weiter verwundert, verfolgt man mal die Entwicklung von den Sisters, Fields, Love Like Blood und Dreadful Shadows…

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich noch. Neofolk ist nicht schon seit Mitte der 80er vereinnahmt, da die großen Grundsteine erst gegen Ende der 80er fielen und die vielen Bands, welche dies zu einem ganzen Genre gemacht haben auch erst parallel zur NDT aufkamen.

Trotzdem immer wieder schön, solche Artikel zu lesen. Bekomme gerade Lust mal wieder „Gottes Tod“ zu hören:)

Marcus
Marcus (@guest_15627)
Vor 10 Jahre

Wenn ich mich richtig erinnere, hat sich das erwähnte Linientreu ja auch irgendwann dem Techno verschrieben. Zumindest war ich bei einem Berlin-Besuch doch ziemlich enttäuscht darüber, welche musikalische Kost hier „plötzlich“ angeboten wurde.

Marcus
Marcus (@guest_15634)
Vor 10 Jahre

@Robert: Oh ja, ich erinnere mich durchaus gerne an die frühen Besuche in Berlin. Man konnte sich zur damaligen Zeit allerdings nicht mal eben auf die Schnelle mit Hilfe des weltweiten Datennetzes über Veranstaltungen etc. informieren. Doch Plakate und Flyer halfen weiter. Oder Gespräche. Ebenso der Zufall. Damals gab es auch noch einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, was die unterschiedlichen Unternehmungen sehr angenehm gestaltet hat.

jessii
jessii (@guest_15743)
Vor 10 Jahre

hi wie wird man zum grufti weil ich will einer werden aber ich bin in der schule so die die sich nie traut die eigene meinung zu sagen was soll ich tuhn ?

Plastisch
Plastisch (@guest_16750)
Vor 10 Jahre

Voller Wehmut denke ich zurück an den Anfang aber ich fand gerade Ende der 80´er lag die Szene nicht nieder.Es wurde experimentiert.Okay viele wandten sich dem neuen zu(Techno).Aber dennoch kamen neue Gruppen in die Szene und brachten das Dunkel zurück.Die heutige Szene orientiert sich eher an der japanischen oder am Steampunk der eigentlich für sich gesehen steht.Und dann der ganze Elektrokrempel(nicht EBM,Darkwave usw) sondern Futurepop,Neue deutsche Härte???,Industrial mit Neonhosen die ich mir 3x ums Bein binden kann.(Schlaghosen sind 70 ´er).Manchmal habe ich das Gefühl in einer Lackiererei zu sein wenn ich auf der Tanzfläche stehe.Oder in der Herman Munster GedächnisSchuhabteilung.

Death Disco
Death Disco (@guest_16753)
Vor 10 Jahre

Techno war in der Tat mal ’ne Bezeichnung für 80er Synthpop- und EBM-Kram. Es gab jedoch schon Ende der 80er/Anfang der 90er Versuche, sich von dem aufkommenden House-Genre, das sich spätestens 1992 als „Techno“ durchsetzte, abzugrenzen. Selbst Label-Betreiber wie Oliver Köhn von TecDance (<- der Name lässt Übles vermuten, das Label widmete sich aber konsequent dem Synthpop-/EBM- und Dark-Electro-Sektor) lehnte Acid-Einflüsse und generell House-Musik strikt ab und kritisierte sogar Bands, die solche Elemente nutzten, was beispielsweise in der Frankfurter Szene üblich war (Robotiko Rejekto, Bigod 20, Sound of Frankfurt etc.). Es ist also keinesfalls so, dass nun Heerscharen von Gruftis plötzlich zu Ravern wurden.

Ich würde übrigens auch sagen, dass Ende der 80er eher tote Hose war (sicher regional bedingt). Die meisten Bands mit Bedeutung hatten sich aufgelöst oder neue Pfade betreten. Gruppen wie Xmal Deutschland oder Ghost Dance wurden immer softer und mainstream-lastiger, erstere kratzten mit der letzten Platte sogar den Deutschrock-Bereich. Clan of Xymox z.B. mutierten zur Pop- und anschließend Dance-Band usw. usf. Zehn Jahre später passierte genau dasselbe wieder.

Neue Bands gründeten sich Ende der 80er doch gerade erst, um dann in den frühen 90ern in voller Blüte zu stehen. Die Hochphase war so zwischen 1991-1995. Gehört wurde zu der Zeit eigentlich alles kreuz und quer. Man sagt zwar, die Neue Deutsche Todeskunst habe die Szene gespalten, aber mitbekommen hatte ich davon nichts. Da lief Das Ich gleich hinter Christian Death oder diesem Heavenly-Voices-Kram (kennt das noch jemand? :D).

Dann bröckelte es mal wieder und die ehemaligen Helden lösten sich auf oder machten völlig andere Musik. Denkt nur an Fortification 55, die 1995 plötzlich wie Scooter auf LSD klangen. Billige Hands-Up-Trance-Scheiße war das. Oder Girls Under Glass, die auf Crossover machten, weil sie keinen Bock mehr auf Goth Rock/Dark Wave hatten. Manch andere gründeten zu der Zeit sogar Techno-Trance-Nebenprojekte, obwohl sie zur selben Zeit in Interviews über selbige Szene lästerten (Project Pitchfork).

Ende der 90er ging es dann wieder los. Der Batcave-Trend startete um diese Zeit, um im neuen Jahrtausend den Goth zurück in einzelne Clubs zu manövrieren. Diesmal ist's jedoch anders, denn das, was wir als Goth/Wave oder deren Fortentwicklung kennen, nimmt heute nur noch einen mikrigen Platz ein. Diese ganze Etikettenschieberei und Fehlvermarktung machte es möglich, dass wir es heute mit einer sich als „Gothic“ bezeichnenden Massenbewegung zu tun haben, die nicht den geringsten Bezug zur Gothic-/Wave-Musik aufweist und die uns alten Säcken vorkommt wie eine Invasion vom Mars. ;)

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