2011 erstes WGT

Gothic Friday Mai: Schwarz ist bunt genug (Marion)

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2011 erstes WGTAuch Marion, die sich beim Gothic Friday bereits als Teil des Organisations-Teams einen Namen gemacht hat, nutzte die Gunst des verlängerten Abgabe-Termins des aktuellen Gothic-Fridays und erzählt von ihrem Styling. Sie liebt den Stil-Mix aus elegant und abgefuckt und obwohl sie keine Pikes mag, wird sie nicht, wie sie fürchtet, aus dem Team ausgeschlossen. Im Gegenteil. Als Erinnerung daran, dass es eben doch nicht nur Pikes gibt, tut Sie gut daran, sich dem Spontis-Trend zu widersetzen. 

Vorurteile besagen, Gruftis würden alle gleich aussehen, bloß weil sie alle dieselbe Farbe bevorzugen und sich beinahe ausschließlich in eben dieser Farbe kleiden. Sehen sie deswegen wirklich alle gleich aus?
Mitnichten. Ich habe mal wieder einen großen Teil des Wave-Gotik-Treffens mit „Leute schauen“ zugebracht. Das geht sowohl als Hauptbeschäftigung als auch nebenher. Leute schauen, Leute bewundern und sich selbst wundern: Wie lange hat sie an dem Kleid genäht, wie schafft er es seine Haare so zu toupieren und wieso zum Teufel kann sich diese Person x Schnörksel in bunten Farben ins Gesicht malen und dabei gut aussehen und ich scheitere schon an grauem Lidschatten? Doch hier soll es nicht um eine Wertung gehen, nicht um Gejammer und auch nicht um das WGT. Es soll um das optische Zelebrieren des Gruftiseins gehen, um die Zur-Schaustellung der Szenezugehörigkeit oder einfach darum, wie man sich wohl fühlt.

Wie hat sich mein Stil über die Jahre verändert?

Marion 2007-2015
Marions Stilentwicklung von 2007 bis 2015

Diese Frage kann ich, je nach Tagesverfassung und Erinnerungsvermögen entweder mit „gar nicht“ oder „sehr“ beantworten. Im Prinzip beginnt das Problem bei der Frage was Stil im Allgemeinen und mein Stil im Speziellen eigentlich sind. Bei anderen Personen fällt es mir meist leichter Adjektive zu finden, während ich selbst einfach nur schwarze Kleidung trage. Mal zerfetzt mit viel Haut, mal düsterromantisch angehaucht, mal schlicht. Am besten gefällt mir eine Mischung aus abgefuckt und elegant. Spitze zu zerfetzten Strümpfen, Samt zu wild-voluminösem Haare, filigranes Make-up zu derben Boots. An dieser Stelle mich ich ein Geständnis ablegen, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt von Spontis verbannt werde: Ich mag keine Pikes. Ich mag generell keine spitzen, flachen Schuhe.

Ich muss gestehen, dass ich mich bis dato kaum zu großartigen Experimenten habe hinreißen lassen, obwohl es mich immer fasziniert hat. Hierbei spreche ich vor allem von haartechnischen Experimenten wie zum Beispiel Sidecuts, auftoupiertes Haar, Dreads oder ausgefallene Farben.

Leider denke ich immer zu viel nach und entscheide mich dann doch wieder gegen zu viel Neues, weil ich entweder befürchte, dass es blöd aussehen wird oder weil meine Haare (beziehungsweise Hände, die wissen nicht was sie beim Toupieren tun sollen) nicht mitmachen. Meine Naturhaarfarbe ist ein sehr dunkles Braun, was färben kompliziert macht. Rot hat funktioniert, allerdings bleichen meine Haare dann in der Sonne rasch aus und nehmen einen Orangeton an, der mir nicht wirklich gefällt. Allerdings habe ich vor kurzem beschlossen die Warnungen sämtlicher Friseure zu ignorieren und begonnen einen Teil meiner Haare zu bleichen, wir werden sehen wohin das führt.

Eine Inspirationsquelle kann für mich so gut wie alles sein, ein Lied oder ein Buch, das Bilder in den Kopf zaubert, Fotos aus fernen Ländern und schöne, bekannte oder unbekannte Menschen auf der Straße. Am meisten fasziniert mich dabei eindeutig künstliches Aussehen. Kunstvolles Make-up, viel Schmuck, Piercings, gefärbtes, ausrasiertes oder toupiertes Haar. Dabei dürfen gerne diverse Stilepochen oder religiöse Symbole wild gemixt werden.
Make-up technisch bin ich immer am Lernen. Künstliche Wimpern kleben kann ich mittlerweile. Mit künstlichem Blut hab ich hingegen nur einmal gespielt (ja, für eine Halloweenparty) und es ist wortwörtlich ins Auge gegangen (was nicht zu empfehlen ist, das brennt ziemlich).

Wenn ich die Zeit dafür hätte würde ich mir öfters die Haare kreppen. Ich liebe es, wenn sie anschließend so fluffig sind, aber es dauert jedes Mal so unendlich lange, zumindest gefühlt. Und wenn sie mir nicht im Weg wären würde ich täglich Ringe tragen, an jedem Finger, aber früher oder später empfinde ich sie stets als unbequem bzw. störend.

Ist das überhaupt wichtig?

Wichtig ist natürlich relativ und selbstverständlich gibt es wichtigeres, sowohl für mich persönlich, als auch auf die Szene bezogen. Auf der anderen Seite fühle ich mich wohl, wenn Inneres und Äußeres im Einklang sind, ergo ich nicht das Gefühl habe verkleidet zu sein und das ist in schwarz nun mal der Fall. Auf diese Weise kann ich meine kleine schwarze Welt, mit meinen Lieblingsliedern, mit meinen favorisierten Büchern und mit der einzigartigen WGT Atmosphäre ein Stück weit mitnehmen, wenn ich raus in die „bunte“ Welt gehe. Ganz abgesehen davon macht mir das Herrichten, beispielsweise vorm Weggehen einfach Spaß.

2010 Amphi
2010 besuchte Marion auch das Amphi in Köln.
2016 Alltag und Ausgehen
2016 hat sie bereits ihre Balance zwischen Alltag und Ausgehen gefunden.
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Autor

Cooler Titel :-)
Deine Inspirationsquellen finde ich spannend, weil vielseitig und aus sehr verschiedenen Bereichen.
Aus Deiner Stilentwicklung finde ich die letzten beiden Fotos – und das letzte der aktuellen – besonders schön.
Sowohl in natürlicher als auch extremer Ausprägung finde ich Deinen Schminkstil sehr schön!
Angenehm, nach all den vielen augenbrauenlosen oder -armen Mädels auch mal wieder schön gezeichnete, markante Brauen zu sehen :-)
Und bloß nicht wieder die schönen Haare kürzen ;-)

strangeplant
Gast
strangeplant

Für mich ist schwarz auch bunt genug :) da bin ich voll bei Dir. Genau wie mit dem Mix von chic und anti-chic. Da kann man nämlich wunderbar Basicteile im Alltag tragen und zum Ausgehen einfach pimpen. Und Authentizität finde ich auch wichtig, Inneres und Äußeres im Einklang. Das sehe ich bei Dir gegeben, genauso wie auch in den anderen Beiträgen. Schöne Menschen alle schwarz und doch so individuell.

Marion Levi
Autor

@ Tanzfledermaus: Danke schön. Das mit den Augenbraugen war auch bei mir ein langer Prozess und es gab Zeiten wo ich komplett abrasiert und hauchdünn aufgemalt hatte. Anfänglich hat es auch entsprechend lange gedauert, bis sie halbwegs symmetrisch waren. Mittlerweile ist das eine Sache von 2 Minuten.
Zu den Haaren: Ich geb mir Mühe. Ich hätte sie auch gerne lang, aber das dauert und irgendwann wird es mir dann zu blöd bzw. zu langweilig. Vor allem wenn das mit dem Färben auch nicht klappen will (aber da bin ich ja dran).

@ strangeplant: Danke dir. Ich finde es immer wieder toll zu sehen was man auch „schwarz“ so alles machen kann und wie viele Substile die Szene eigentlich hervorgebracht hat.

((tim))
Gast
((tim))

Sein Äußeres so spielerisch und letztlich für das Wesen folgenlos verändern kann nur, wer ein entsprechend bemerkenswertes Inneres hat …