Zsaeddyst Blacksun - Foto 1 - Portraet

Gothic Friday April: Kreativbombe auf dem Weg vom Hobby zum Beruf (Zæddyst)

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Zsaeddyst Blacksun - Foto 1 - PortraetDiese Mail im Gothic-Friday-Account musste herausstechen. Satte 52 MB groß, versprach der Beitrag zum Gothic Friday im April von Zæddyst Blacksun, einige besondere Leckerbissen in Form von Bildern. Denn der Fotograf machte seine Leidenschaft zum Beruf und schickte neben seinen Antworten auf die Fragen auch einige Beispiele seiner Arbeiten.

Welchen Beruf übst du aus oder strebst du an?

Ich bin eigentlich gelernter Altenpfleger. Aus gesundheitlichen Gründen war ich gezwungen, meinen Beruf an den Nagel zu hängen. Ich war schon immer eine “Kreativbombe,” und viele haben mich gefragt, warum ich meine Hobbies nicht zu meinem Beruf machen möchte und dieser Gedanke begann an mir zu nagen. Momentan bin ich dabei, mich frisch selbstständig zu machen. Das Ganze läuft bei mir zweigeteilt. Auf der einen Seite steht da die Fotografie, mit der auch alles angefangen hat. Das ist in erster Linie das, was ich als “meine Kunst” bezeichne. Ich liebe es, mein Innerstes in Bilder zu bannen und ebenso liebe ich es, zu provozieren.
Beispielhaft kann man hier glaube ich das “Scar Project” nennen, eine Fotoserie, die ich gegen Ende 2015 gestartet habe. Ziel dieser Serie war/ist es, genau das in den Fokus zu rücken, was normalerweise versteckt wird: Narben. Dabei war es mir egal, ob es sich um Unfall- Operations-, selbst oder durch Fremdeinwirkung entstandene Narben handelt. Größtenteils sind aber durch Selbstverletzung entstandene Narben dabei. Das Ganze habe ich versucht, in schwarz-weiß und sehr schattig, dunkel und künstlerisch umzusetzen. 08/15 Portraitbilder und Sonnenschein kommen für mich nicht infrage, ich will immer Emotionen mit meinen Bildern hervorrufen, gleich, ob das Geborgenheit, Ekel, Zorn, Liebe, Trauer oder Entsetzen ist. Natürlich mache ich aber auch einfach gerne Bilder mit viel Kunstblut und Portraitshootings mit interessanten Szene-Typen.

Der andere Teil meiner Arbeit besteht aus Pyrografie und Holzarbeiten. Dabei brenne ich Motive in Holzplatten, die man so nie woanders in dieser Form finden würde, wie zum Beispiel Horror-, Gothic, oder Fantasy-Motive. Auch große Karten aus Games oder Mittelerde brenne ich auf Platten, setze Farbakzente und Ornamente ein und lackiere das Ganze anschließend. 2016 habe ich auch angefangen, kleinere Schmuckartikel wie individuelle Runenketten und Ear Plugs zu fertigen. Dazu benutze ich ausschließlich Holz, das ich eigenhändig aus Wäldern zusammentrage und von Hand bearbeite.

(Wie) Lassen sich Gothic und Beruf verbinden und ist das überhaupt wichtig?

Das kann ich als Selbstständiger natürlich von einer sehr freien Warte berichten. Ich mache Szenekunst für die Szene, je abgefahrener, desto besser. Eigentlich geht das Ganze sehr fließend ineinander über, da meine Kunden zum allergrößten Teil aus der schwarzen Szene stammen. Viele Probleme, die andere Szenegänger im Arbeitsalltag haben, fallen bei mir weg.

Ich bin allerdings schon der Meinung, dass man beides bis zu einem gewissen Punkt verbinden können muss. Wenn man beispielsweise seine Optik mehr als ein wenig anpassen MUSS um seinen Job ausüben zu können, so entsteht meiner Meinung nach ein innerer Druck. Dieser innere Druck kann sich negativ auf das eigene Empfinden sowie die Arbeit auswirken. Je freier man sich in seinem Berufsleben entfalten kann, desto entspannter und glücklicher ist man mit seinem Beruf und kann demzufolge auch besser arbeiten.

Welche Abstriche nimmst du bei deinem Äußeren im Kauf oder würdest du in Kauf nehmen?

Keine. Früher habe ich mich minimal an die Wünsche meiner Chefs angepasst, bei Plugs zum Beispiel. Man muss aber irgendwann einen Schlussstrich machen. Ab dem Punkt, wo man sich selbst nicht mehr erkennen kann muss man Schluss machen. Ich habe beispielsweise gekündigt, als ich meine Haare anders schneiden sollte. Heute bin ich da noch ein ganzes Stück radikaler geworden. Ich arbeite um zu leben, ich lebe nicht, um zu arbeiten. Man muss sich selbst die Frage stellen: “Was ist mit wichtiger, mein privates Leben oder meine Arbeit?” Nach mehr oder weniger überlegen werden die meisten wohl sagen, dass ihnen ihr privates Glück mehr am Herzen liegt. Warum sollte man also den “wichtigsten” Punkt einem minder wichtigen unterordnen?

Aber auch an dieser Stelle kann ich mir meine Maßstäbe selbst setzen. Ich könnte mir auch das komplette Gesicht zutätowieren. Wenn ich das tue, muss ich selbst mit den Konsequenzen leben, aber niemand verbietet es mir, und das ist mir wichtig.

Welche Vorurteile oder Probleme tauchen im Umgang mit Chefs, Kollegen oder Kunden auf?

Meine Kollegen (oder auch meine “3 helfenden Elfen,” wie ich sie immer gerne nenne) sind allesamt aus der schwarzen Szene, ebenso 90% meiner Kunden, daher bleibt mir nur kurz und knapp zu sagen: Nein, keine Vorurteile und Probleme.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
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Das Narben-Projekt finde ich sehr spannend, auch dass Deine Intention weniger ein Schock- und Vorführeffekt ist als der Gedanke, dass die Narben zum Träger dazugehören und ein Teil seiner (Lebens-)Geschichte und Person sind. Es gehört Mut dazu, scheinbare Makel zu zeigen, vor allem wenn Narben Ausdruck seelischer Konflikte sind und nicht als “Mode-“Provokation dienen, sondern wirklich als Ventil und innerer Hilfeschrei.
Ich kenne eine Frau, die früher massive Selbstverletzung begangen hat, mehrmals genäht werden musste. Heute geht es ihr zum Glück gut und sie blickt auf ihre Narben als Zeugnisse einer schlimmen, vergangenen Zeit. Da sie sich nicht per Laser oder Creme entfernen lassen – allerhöchstens aufwendig überschminken – hat sie einen anderen Weg gefunden, luftigere Kleidung tragen zu können und dennoch weniger aufzufallen: durch eine geschickte Einbindung der Narben in ein Tattoo. Das Ergebnis ist wirklich toll geworden! Die Narben sind nicht “unter den Teppich gekehrt”, sondern in etwas Schönes eingebunden worden.

Deine Holzarbeiten sind sehr detalireich und gelungen! Hast Du Dich auch schonmal an Glas versucht? Da lassen sich per Fein-Bohrer ja ebenfalls tolle Kunstwerke gestalten (z.B. auch Spiegel).