Regin Leif - Im Depot

Gothic Friday April: Ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging (Regin Leif)

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Regin Leif - Im DepotEs muss ja auch mal schöne Geschichten geben. Sollte man jedenfalls meinen, wenn man der Überschrift dieses Artikels von Regin Leif glauben schenken möchte. Ganz so rosig ist es dann noch nicht geworden. Wie Sie trotz schlechter Jobaussichten von ihrer „brotlosen Kunst“ leben kann, verrät sie Spontis in Ihrem Artikel zum Gothic Friday im April

Schon als kleines Kind wollte ich Archäologin werden. Mit dem geballten Wissen aus den Terra X Dokumentationen – damals waren die Sendungen tatsächlich noch ziemlich cool – und den „Was ist Was“ Büchern suchte ich verlorene „Schätze“ bei uns im Garten. Da wusste ich noch nicht wirklich auf was ich mich einlassen würde.

Das Ziel verlor ich nie wirklich aus den Augen. Ich besuchte auf den Reisen mit meinen Eltern viele Ausstellungen, Museen und Kulturdenkmäler. Auf dem Gymnasium wählte ich natürlich Latein als 2. Fremdsprache und Geschichte dann im Leistungskurs in der Oberstufe. Doch irgendwie hatte das so alles nicht wirklich viel mit Archäologie zu tun. Nach dem Abitur habe ich mich dann in Vor- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und später dann auch in Klassische Archäologie an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz eingeschrieben. Damit kam ich einen großen Schritt meinem Traum näher, der genauso ernüchtern aussah. Schlechte Jobaussichten, brotlose Kunst und für was mach ich das alles überhaupt?

Aber ich war an der Stelle angekommen, wo ich tatsächlich hinwollte. Ich nahm an diversen Ausgrabungsprojekten im In- und Ausland teil, verdiente mein erstes Geld und bereiste viele Länder. Im fortgeschrittenen Studium fiel zwar dann die Entscheidung auf eine klassische Abschlussarbeit, bei der ich Fundmaterial zweier Fundstellen auswertete, aber auch die berufliche Orientierung mit einem Schwerpunkt auf Depot/Archiv, Fundverwaltung und Datenbankmanagement.

So sammelte ich die ersten Erfahrungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum, wo ich mich unter anderem mit den Original-Inventarbüchern von 1850 des Museumsgründers und dem hiesigen Bildarchiv auseinandersetzte. Diese Arbeit bildete dann nach meinem Abschluss die Grundlage für ein weiteres Projekt bei der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz, wo ich noch immer arbeite. Nach einem kurzen Abriss meines Werdeganges zurück zu den eigentlichen Fragen: Szene und Beruf

Regin Leif - Im Gelaende bei der Arbeit(Wie) Lassen sich Gothic und Beruf verbinden und ist das überhaupt wichtig? Welche Abstriche nimmst du bei deinem Äußeren im Kauf oder würdest du in Kauf nehmen?

Es stellte sich mir nie die Frage, ob ich meinen Beruf und meinen Lebensstil miteinander verbinden lässt. Die Szene gehört zu mir und ist eben mein Lebensstil. Wobei ich auch zugeben muss, dass sich in der Archäologie genug „Freaks“ rumtreiben, die dann auch noch irgendwo/irgendwie der Szene angehören. Schwarze Klamotten, Undercut und Springerstiefel sind also nie wirklich groß während dem Studium aufgefallen. Zum Übergang von Studium zum Beruf wurde ich etwas seriöser, aber das Schwarz blieb und ließ ich mir auch nicht nehmen. Auch auf meiner derzeitigen Stelle laufe ich logischerweise schwarz rum – nie übertrieben aufgerüscht, da das einfach im Depot unglaublich unpraktisch ist. Glücklicherweise ist mein Chef auch eher alternativ unterwegs und so sind mir schon beim Vorstellungsgespräch seine Dr. Martens sowie seine schwarze Kleidung aufgefallen wink

Welche Vorurteile oder Probleme tauchen im Umgang mit Chefs, Kollegen oder Kunden auf?

Im Umgang mit meinen Chefs und Kollegen hatte ich nie wirklich Probleme. Klar wurde man mal ausgefragt und klar war es irgendwo auffällig, dass ich immer recht flexibel mit meiner Arbeitszeit/Urlaub war AUßER an Pfingsten – da konnte ich nie. Bei Besuchern, Gästen beziehungsweise Kunden wird man zwar ab und an beäugt (vor allem, wenn es dann eher mal die etwas ältere Generation ist), aber damit kann ich gut leben und schwarz wirkt ja auf der anderen Seite sehr edel.

Meist ist auch das Interesse an der Szene deutlich größer als die Abneigung. So kann ich für mich sagen, dass Szene und Beruf bei mir sich wirklich gut miteinander verbinden lassen und ich mir da auch nie wirklich viele Gedanken dazu gemacht habe und machen musste. Glücklicherweise…

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Flederflausch
Editor

Schön, dass du deinen Traum verwirklichen konntest. Ich hatte auch mal mit dem Gedanken gespielt in diese Richtung zu gehen, war dann aber doch nicht das Richtige für mich. Trotzdem, so weit ich das mitbekomme (n haben) sind da ein sehr spezieller Schlag Menschen unterwegs, da ist man selbst nur ein besonderer unter anderen…

Animus
Gast
Animus

Oh, bei dir hat das geklappt mit dem klassisch orientierten Fach? Das freut mich! Bei mir klappt es nämlich mit einem Magister in Kunstgeschichte mit Schwerpunkt 18. Jahrhundert nicht wink . Über Erfolgsgeschichten freue ich mich immer!

Tanzfledermaus
Autor

Ein spannender Beruf! Ein Bekannter von mir hat auch Archäologie studiert, arbeitet aber nebenbei noch als DJ.
Ich hatte während der Oberstufe mal überlegt, archäologische Restauration zu studieren, aber dafür wäre Mitte der Neunziger ein dreijähriges(!) Praktikum im Vorfeld nötig gewesen. Das war mir dann doch etwas zuviel an Vorlaufzeit, zumal das Studium ja auch noch ein paar Jahre gedauert hätte.
Die alten Terra X-Sendungen habe ich auch geliebt, schon im Grundschulalter. Und Geschichte – genauer Vor- und Frühgeschichte und Geschichte bis einschließlich Mittelalter – hat mich auch immer fasziniert. Später, wo es im Geschichtsunterricht nur noch um Jahreszahlen, Regenten-Reihenfolgen, Politik und Kriege ging, war’s dann aus mit dem Interesse.

Flederflausch
Editor

Die Situation für historisch orientierte Geisteswissenschaftler ist tatsächlich nicht übermäßig rosig. Das war mir immer bewusst, es hat mich dann aber doch erstaunt als bei einer Exkursion in ein Museum die Kuratorin erzählte, dass sie 200 Bewerber auf eine Vertretungsstelle hatten und das wohl ganz normal ist. Man muss wohl sehr flesible sein und sich auch mit kurzfristigen und prekären Arbeitsbedingungen arrangieren, in der Hoffnung, dass die Erfahrungen, die man dort sammelt einem schliesslich zu einer Stelle verhelfen, die man sich wünscht. Ich bin der Meinung der persönliche Einsatz macht da viel aus und oft landet man dann irgendwo, wo man nie dachte, dass man hinwollte und fühlt sich wohl. Von daher, nur Mut Animus. Regin ist ja ein wunderbares Beispiel, wie man seinen Weg gehen kann.

Regin Leif
Autor

@ Animus: Ich muss zugeben, dass ich zur Zeit auch eine befristete Stelle habe….aber das ist vollkommen normal…..sicherlich muss man sich in diesem Bereich durchbeißen….aber ich kann nur sagen immer offen für neue Sachen zu sein…..ich bin schon durch so viele Zufälle an Jobs gekommen…

@Tanzfledermaus: Für die Restauratoren-Ausbildung wird immernoch ein dreijähriges Praktikum gefordert…was aber meiner Meinung nach auch sinnvoll ist…..denn gerade für diese Ausbildung braucht man einfach ein handwerkliches Geschick…….und das eben schon im Vorfeld….

Flederflausch: Auf meine Volontariatsstelle haben sich auch weit über 100 Leute beworben….der Punkt ist einfach, dass sich da letztendlich alle darauf beworben, die irgendwas mit Geschichte zu tun haben….aber meistens sind die Stelle auf eine bestimmte Arbeit ausgerichtet…so muss man eben auch etwas Glück haben, dass die Stelle eben auch zum Studium und Fachrichtung passt……

Tanzfledermaus
Autor

Hmm… ich denke aber, dass es Sinn und Zweck einer Ausbildung ist, dort alles zu lernen, was man später für den Job braucht.
Wenn man schon für eine Ausbildung eine dermaßen lange spezialisierte Vor-Ausbildung benötigt, ist das reichlich viel verlangt.
Ein halbes Jahr zum Reinschnuppern wäre ja noch okay, aber gleich nochmal genauso lange, wie später die Ausbildung dauert?
So sind es an die 6 Jahre, bis man überhaupt richtig arbeitet… und bei einer Ausbildung verdient man wenigstens etwas.

Regin Leif
Autor

@Tanzfledermaus: Bei der Restaurierung ist es meiner Meinung nach schon sinnvoll eine entsprechendes Praktikum im Vorfeld zu absolvieren. Danach richtet sich dann später in der Ausbildung auch die Spezalisierung. Es gibt so viele extrem unterschiedliche Restaurierungsbereiche – Gemälde, Holz, Edelmetalle, Stein, Glas, Papier, Textilien… so dass man ohnehin nicht alles abdecken kann…
Noch dazu sind die Ausbildungsplätze in Deutschland sehr rar gesät und das Vorpraktikum siebt da schon ordentlich aus….

Tanzfledermaus
Autor

Okay… ich dachte, archäologische (nicht allgemeine) Restauration wäre hauptsächlich auf Ausgrabungsfunde bezogen, also Keramik, Stein, Glas, Bronze usw.
Ein weiterer Punkt, den ich in Anbetracht des langen Vorpraktikums kritisch sehe ist, dass einem dies nur möglich ist, wenn man finanzielle Sicherheit hat.
Bafög wird es in dieser Zeit vermutlich nicht geben, Praktika werden selten vergütet und wenn Mama und Papa nicht aushelfen, können junge Leute das vergessen.