Backoffice im Hochsommer

Gothic Friday April: Arbeiten in Schwarz – Ja sicher! (Simagljubka)

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Backoffice im HochsommerWieder ist ein völlig neues Gesicht, oder besser gesagt ein völlig neuer Name, im Post-Eingang des Gothic Friday erschienen. Simagljubka steht im russischen wohl für “Winterlieb”, wie mir der Verfasser der E-Mail offenbart. Im Anhang: sein Beitrag für das Thema des Gothic-Friday im April. Ein wenig beeindruckt war ich dann beim Öffnen schon, als ein recht wortgewaltiger Beitrag meine ganze Konzentration einforderte und ich mich die ein- oder andere Formulierung zum hochziehen meiner Augenbrauen brachte. Im Fazit hat es mich neugierig gemacht auf den Menschen hinter der kleinen, weißen Blume.

Mein erster Spontis Beitrag, und gleich auch ein positiver, obwohl vielleicht auch einer der Feigheit und in der Ermöglichung von Feigheit natürlich auch Negatives offenbart.

Bevor ich nun meine Arbeitserfahrung schildere, möchte ich kurz erläutern, was ich mit diesem Satz meine. Erstens, ich hatte nie Probleme da ich auch Uniformen immer akzeptiert habe, fast immer war auch Schwarz kein Problem. Besonders unberührt war ich vermutlich als jemand nicht in der Szene angekommener, doch trotzdem in dieser Hinsicht auffälliger und zumindest in der NDW verhafteter Mensch. Probleme hatte ich auch daher keine, da ich im Falle von Kleidungszwang diesen als Uniformzwang (Pinguin) hingenommen habe, doch zumindest meistens und in all meinen regulären Stellen wurde im förmlichsten Fall ein schwarzes Hemd mit Anzug akzeptiert.

TEIL EINS: DER WERDEGANG

Arbeiten – leben in nach Vorurteilen vorgefertigten Gesellschaften als Quereinsteiger.

Doch von Vorne und das heißt vom Anfang aufgezwungener und quereingestiegener, also nicht ab Geburt mitgewachsener, durch mich belebter Gesellschaften von verdienstgewohnten Menschen.

Kurzarbeiten.

Für mich heißt das, der Anfang beginnt mit Ferienjobs die in kurzen Saisonjobs und später in Tourismusjobs übergehen. All diesen Jobs ist ihr baldiges Ablaufdatum gemein und in all diesen Jobs wurde ich bemerkt, hinterfragt und auch gefragt, wie das mit der Hitze beim Tragen schwarzer Kleidung insbesondere im Hochsommer sei. Nicht stärker Schwitzend als andere war mit einer Antwort ala „Für mich ist die Hitze so nicht wesentlich unangenehmer, meine Haut verträgt bloß die Sonne nicht weswegen ich regelmäßig und nicht nur im Freien den Sunblocker verwende, das klebt auch nicht schlimm.“ das Thema abgeschlossen. Die Frage wurde meist kombiniert gestellt.

Eine Antwort für die ganze Firma – es dürfte Gespräche geben.

Interessanterweise hat meist eine Antwort für die gesamte Belegschaft gereicht, ich war wohl doch auffälliger als ich aktiv mitbekommen habe. Sozialisierung hin zu Freundschaften ist im Arbeitsleben bis heute nicht meine Stärke, sodass ich entsprechendes Gemunkel nur wenig mitbekomme. Die einmalige Beantwortung einer möglicherweise allgemeinen Frage zeigt aber doch ein gewisses allgemeines Interesse der Gerüchteküche an.

Soweit zu den Gruppen mit denen ich nur kurzzeitig zusammengearbeitet habe.

Auch als uniformierter Kellner beim Heurigen und als ansatzweise uniformierter Portier war der Response nicht anders. Als Heurigenkellner hatten wir eine trachtige Uniform, meine schwarze Hose, nicht Jeans, nicht Anzug (Anzughose oder Lederhose) war akzeptiert, sodass weitere Gespräche entfielen. Als Portier und Frühstückskellner konnte ich schnell den Pinguin gegen ein ganz in schwarz gekleidetes frei zusammengestelltes aber eindeutig elegantes Kleidungsbewusstsein tauschen.

Unaufregend schwarz gekleidet – elegantes Kleidungsbewusstsein

Bis zu dieser Stelle war Nagellack unmöglich, und in dieser letzten Stelle wurden mir selbst gestärkte Hemdkrägen nahegelegt. Es brauchte Zeit zur gegenseitigen Anpassung. Gestärkte Hemden gab es beim Heurigen bereits, doch dessen karierte Hemden wurden dort gebügelt. In den Jahren als Portier musste ich das selber machen wenn diese, besonders in der Anfangszeit, auch noch in weiß gefordert waren.

Die IT – mehr Mut mehr Freiheiten und lauteres Gemurmel

Erst meine letzte und langfristigste Stelle brachte neue Fragen durch oben thematisierte Kolleginnen mit sich, aber mit diesen Fragen und einer von außerhalb der Firma kommenden mit mir arbeitenden Kolleginnenschaft aus Studienfreundschaften, die mich bestärkte, kam auch eine erweiterte Freiheit der Kleidung – nun auch bei Oberteilen -und des Nagellackes, der anfänglich in der Firma farblos und am Ende Schwarzrot war. Diese Arbeitsstelle als Assistent eines Wissenschaftlers zur Durchführung von Studien zur Anwendbarkeit neuer Softwareoberflächen bei technischen Geräten einer mittleren IT-Forschungsfirma brachte aber bereits von Beginn an das “Okay” für legere Kleidung. Von Beginn an waren auch die in den vorigen Stellen aktiv gesehenen aber akzeptierten Hosen hier nun überhaupt keine Irritation. Irritation war nun vorallem, und das sollte bis zum Ende hin immer deutlicher werden, die unpassende Ausbildung als Biologe anstelle des firmenkanonischen IT- maximal Psychologieabschlusses.

Diskussionen statt Rücksicht – größere Freiheit

Nicht nur der Nagellack, auch die etwas angenehmere Kleidung wurde in weiterer Folge durch Gewöhnung, ein paar Fragen oder Äußerungen und nicht zuletzt durch die Studiengruppe ermöglicht. Ich unterstreiche diesen Werdegang der Freiheiten deshalb, weil ich glaube, dass mit weniger gesellschaftliche Rücksicht und mehr Diskussionen dies vielleicht von Anfang an möglich gewesen wäre. Jedenfalls wurden enge Leibchen und auch deutlich designte Oberteile nicht spürbar unangenehm bemerkt, leicht genderabweichende Hosen waren ebenfalls überhaupt kein Thema.

Trotz allem – Freak

Trotzdem: Erst das Bewusstsein als Freak gesehen zu werden, dass sich im Laufe der Jahre hier einstellte, und zuletzt auch das sukzessive Sterben der Firma, ließen für mich Schuhe mit einer gewissen Höhe zu.
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Nun soweit der Versuch einer objektiven Schilderung, doch was hat zu den persönlichen Erkenntnissen in dieser letzten langjährigen Stellung geführt und warum empfinde ich sie als wesentlicher als die anderen ebenfalls oft kundennahen Positionen?

TEIL ZWEI: SORGEN GEGENÜBER DEM ANDEREN (von Menschen) OFFENHEIT BEI ÜBERWUNDENEN SORGEN (von mir)

Zuerst die Besonderheit der Stellung: diese Stellung war in einer Subgesellschaft (IT-ler) der die theoretisch vorurteilsbehafteten Gesellschaft sehr bewusst sein muss, und in der ich nicht nur aus vielen Gründen ein Außenseiter war sondern zusätzlich auch einen sensiblen Bereich der Öffentlichkeitsarbeit eigenverantwortlich innehatte. Ich habe mit firmenfremden Leuten die Studien durchgeführt, deren Daten dann einen Teil der verkaufbaren Ergebnisse meiner Abteilung in der Firma ausgemacht haben. In diesem Zusammenhang habe ich nur im notwendigen Zusammenspiel mit Menschen aus Kooperationen Sorgen (der Firma) zu meiner Person gespürt. Diese Sorgen haben sich auf getarntes Nachfragen, dann doch wieder weniger auf mein Erscheinungsbild, sondern auf meine andersartige Ausbildung, die ich phasenweise sogar vor den Mitarbeitern der eigenen Firma verschönern berziehungsweise verheimlichen sollte, bezogen.
So wurden meine Aufgabengebiete nicht wegen meiner Erscheinung nur unter der Hand erweitert, sondern der fachfremden Ausbildung wegen.

Gäste außerhalb der Hierarchie reagieren positiv.

Weder KooperationspartnerInnen noch Versuchsteilnehmer haben sich jemals Kritisch geäußert oder Verhalten, im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass sie sich so schneller geöffnet haben als ich das sonst erwartet hätte und die Zusammenarbeit besonders angenehm war.
Der zweite Teil, das Zusammenleben mit der von mir in diesem Artikel thematisierten Gesellschaft, das Zusammenleben mit meinen Arbeitskollegen war durch Unsicherheit von meiner Seite geprägt die sich nur langsam entspannt hat.

Diese Unsicherheit war aber eher der familiären und schulischen Erfahrung, sowie der späteren Ausbildung und den Aktivitäten in eingeschworenen geschlossenen Gruppen wie einem kurzen Rettungsschwimmerdasein geschuldet. Aktive Bemerkungen zu meinem Äußeren und meiner Angehörigkeit zu einer anderen Subkultur abseits von Ausbildungsunterschieden waren extrem selten, sodass ich hier nahezu alle Bringen kann: Dies waren

  • die Sorge um meine Schlankheit – nein ich habe keine mir bekannte Essensstörung.
  • bist du Angehöriger der Death -Metal Szene und kannst du mir Bands oder Lokale empfehlen – auch hier musste ich verneinen.
  • du trägst die Band “Die Ärzte” auf deinem Leibchen, können wir über die Band philosophieren.
  • ich finde deine Kleidung/Nagellack toll, schön dass du das hier trägst. Das freut mich zwar, aber es braucht bis ich akzeptieren kann dass es auch so gemeint ist und ich nicht bloß als Vorführobjekt diene – doch diese Sorge hat sich bald als falsch herausgestellt.
  • natürlich hat es die Frage gegeben warum ich den Nagellack trage, warum ich Schwarz trage, doch als Antwort war, weil ich gestern/das Wochenende weg war beziehungsweise weil ich es am angenehmsten finde immer ausreichend.

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Ich bin aufgrund der Geschilderten Erfahrungen der Meinung dass ich immer großes Glück hatte und für mich den Arbeitsplatz mit mehr Mut noch angenehmer und vorallem auch wesentlich schneller angenehmer gestaltet hätte. Ob das Stimmt traue ich mich aber nicht zu beurteilen.

TEIL DREI: SCHLUSSWORT

Mein Konzept in der Arbeitswelt

Generell versuche ich immer so an den Arbeitsplatz zu kommen, dass meiner Erwartung nach nicht viele Fragen auftreten und somit die Arbeit nicht gestört wird. Für mich ist Arbeit aus dem thematischen Blickpunkt der persönlichen Erscheinung betrachtet zuerst Geld verdienen, dann die Erfordernisse der Arbeit erfüllen, und erst zuletzt persönliche Bedürfnisse berücksichtigen oder gar Toleranz durch einfordern zu Erreichen und zu Stärken.

Einschränkung als Arbeitshilfe – dringender Bedarf an Freizeit

Mit dieser Einstellung fahre ich nicht immer ganz angenehm und sie schränkt mich fast immer auch ein, doch für das Zusammenleben in der Arbeitswelt hat sie sich als sehr brauchbar erwiesen. Umso dringender habe ich immer auf Phasen der Freizeit gewartet wo ich all diesen Überlegungen deutlich weniger unterworfen war. Freizeit abseits von gesellschaftlichen Abhängigkeiten. Ich glaube ich hatte Glück, es wird sich zeigen ob dieses Konzept auch weiterhin und besonders in der Jobsuche funktioniert.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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