ZDF Doku: Schwarz vor Augen

Vergleiche ich die Medienberichte über die Gothic-Szene der letzten 20 Jahre vor dem geistigen Auge, fällt mir auf, das die Skepsis und Ablehnung einer Art von Aufmerksamkeit und Akzeptanz gewichen ist, die zwar immer gewünscht wurde, aber letztendlich die Szene ihrer Grundlage beraubt. Auf dem ZDF Infokanal gab es 2009 eine Minireihe zu den Jugendkulturen in Deutschland, in der man sich den größten Jugendkulturen widmet und diese versucht darzustellen. In dem Bericht Schwarz vor Augen geht es um die Gothic-Szene. Grund genug, einen Blick darauf zu werfen.

Gleich das erste Statement der Szene beschreibt eigentlich das Vordergründige Problem: „Die Gothic-Szene ist nach wie vor eine der häufigsten missverstandenen Jugendkulturen. Szene-Anhänger erfahren immer wieder Diskriminierungen und werden fälschlich mit Vorurteilen wie Todessehnsucht oder Satanismus konfrontiert.“ Aber das gilt nicht nur für die breite Öffentlichkeit, sondern auch für die Medien. Denn hier wird das mittlerweile akzeptierte Verhalten der Lächerlichkeit preisgegeben in dem man die Sensationsgeilheit der Menschen befriedigt, jedenfalls bei den privaten Sendern. Ob es die öffentlich-rechtlichen meiner Meinung nach besser machen und ihren Bildungsauftrag erfüllen, wird sich herausstellen. „Die Szene entstand Anfang der 1980er Jahre aus dem Post-Punk und New-Wave Umfeld. Zu den ersten Szene-Bands gehörten „The Cure“ und „Siouxsie and the Banshees“.“ Wenn man so möchte, stimmt das natürlich. Hier zitiert man eigentlich nur die Presse, die seinerzeit den Begriff Gothic erst schuf und Bands der Zeit dieser Kategorie einfach zuordneten. Die Wahrheit ist das natürlich nicht.

Nach der Einführung in die Werte der Szene von heute braucht man natürlich Protagonisten, die aus der grauen Theorie des Redaktionsalltags eine bunte, in diesem Fall schwarze, mehr praktische Darstellung machen. Zunächst bedient man sich der Band Jesus on Extasy: „Eine der aufstrebenden Industrial-Bands sind Jesus on Extasy.“ Industrial? Nein, das geht nun wirklich nicht. Industrial hat mit der „Musik“ der vorgestellten Band überhaupt nichts zu tun. Fatal an der ganzen Sache ist, das sich die Band wirklich so sieht, auf ihrem MySpace Profil heißt es: „Industrial, ursprünglich die Musik des Maschinenzeitalters war ihrer Ansicht nach mit dem Ende der Schwerindustrie Makulatur.“ Musik des Maschinenzeitalters? Irgendwie wird hier etwas durcheinander gewürfelt, denn nur weil die ursprünglich experimentelle Musik sich Geräusche und Klänge von Maschinen und Metall zu eigen machten, hat das mit dem Maschinenzeitalter noch nichts zu tun. Die Industrialisierung, auf die hier vielleicht angespielt wird, ist ein Phänomen, das die Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Massenproduktion in Fabriken und großen Produktionsstätten beschreibt. Im Profil heißt es weiter: „Die Zeit war reif für eine Musik, die den gerade im Ruhrgebiet spürbaren Verfall mit euphorisierenden Elementen verknüpfen sollte: für den von JESUS ON EXTASY dargereichten hedonistischen Mix aus Post-Industrial- und Glam-Rock.“ Gut, die Band sieht sich also im „Post-Industrial“ gut aufgehoben. Für mich ist das eher angedunkelter Rock mit Elementen aus Synthpop und Techno, eine Verwandschaft zum Glam-Rock kann ich nicht ganz von der Hand weisen.

Aber ich schweife ab. Wir verfolgen die Kurzdoku weiter und stoßen auf: „Wie so viele andere Jugendkulturen, so wurde auch die Gothic-Szene verkommerzialisiert.“ Der Satz ist kurz, knackig und richtig. Der 25 jährige Soldat Alexander Diffenhard tauscht das Soldatensein am Wochenende gegen ein aktuelles Gothic-Outfit und die liebevoll von Freundin Jenny eingerichtete Wohnung quillt nur so über vor „Szenetypischen Merkmalen“, selbst ein Toaster, der Totenköpfe auf die Brotscheiben brennt, ist vorhanden. Aber gut, jedem das seine. Das Ende der Doku wirft Fragen auf :“Auch wenn viele Gothics den Normalbürger mit ihrem Outfit provozieren, so putzen sie sich vordergründig für sich selbst heraus […] Sie lieben es einfach nur abzutanzen – trotz aller Schwarzmalerei.“  Das war mal anders und sollte vielleicht auch anders sein. Das Element der Provokation ist eigentlich eine Grundintention der Szene, die sich heute darauf reduziert Szeneinterne Schönheitswettbewerbe zu gewinnen. Ästhetik wird mit Posen verwechselt, Gothic ist als Spaßkultur etabliert.

Fazit: Die Berichte sind allgemeingültiger und oberflächlicher geworden und kleiden sich nicht weiter mit Klischee’s und Übertreibungen. Es wirkt manchmal so, als würde es einen Gothic-Leitfaden für Journalisten und Redakteure geben, den man verwendet und sich so in Globalisierungen verstrickt ohne auch nur den ernsthaften Versuch zu wagen, eine Szene zu erklären. Vielleicht findet sich ja eines Tages jemand, der engagiert und neugierig eine Szene durchleuchtet ohne dabei alles nur noch „auf das wesentliche“ zu reduzieren.

Die hier vorgestellten Videos sind leider nicht mehr verfügbar, wer noch eine Sicherungskopie davon hat, möge sich melden!

(Quellen: Schwarz vor Augen, JugendKULTur beim ZDF Infokanal, Bildquelle: ZDF Infokanal – Jugendkultur, Jesus on Extasy Homepage)
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Laura
Laura (@guest_5854)
Vor 11 Jahre

Die Doku ist ja ausnahmsweise recht vertretbar.
Dennoch finde ich, dass es Jesus On XTC immernoch peinlich darstellen…
Sie machen sich unglaubwürdig, finde ich…
Anfangs sagt der Sänger in der Szene könne jeder so sein wie er wölle…das ist wahrscheinlich jedem klar, dass das Quatsch ist…man denke nur an die Cyber-Diskussion…
Außerdem, dass nur sie nicht von unerfüllter Liebe singen und ihre Texte nicht oberflächlich sind…
Ich zitiere:
„Her love is radioactive
Don’t get too near to her
‚Cause you don’t know that she’s the nuclear bitch …“

„The love that she received – corrupt and false (and false)
She never knew that she was just a doll….“

„But some wounds never heal at all.
I have to face my own bad past,
It’s so damn ugly and it seems to last.
Don’t want to to sing those lovesongs,
Not a single word is true…“

Naja, aber lassen wir das…
Ich fand auf jeden Fall das Pärchen, das für meinen Geschmack zu kurz kam, um einiges glaubwürdiger und vertretbarer, da sie eben die „Rolle“ des Alltag-Grufties gezeigt haben und nicht das Leben eines Promi-Grufties.
Auch wenn ihre Bude für meinen Geschmack eine Nummer zu viel war, kann ich mir vorstellen, dass diese fast jedem gefallen würde.

Die Doku an und für sich war mir nach wie vor zu verallgemeinernd…absurd fand ich, dass fast alle Grufties Burton Filme mögen…vllt. NBC, aber gewiss nicht die ganze Palette von ihm…
Zum Schluss hin haben sie sich auch wieder widersprochen. Wo sie anfangs noch gesagt haben, dass die Liebe zu Friedhöfen und ähnlichem uns meistens nur angedichtet wird, lieben wir sie doch zum Schluss hin wieder und fühlen uns magisch von ihnen angezogen…

Falls dich Grufties im TV interessieren kommen heute Abend wieder welche um 21.10 auf RTL2 bei Frauentausch :)

stoffel
stoffel (@stoffel)
Vor 11 Jahre

Wie Du schon sagtes: „Jedem das Seine“ … wenn die Leute auf Toaster mit Totenkopf, etc. stehen dann sollen sie. Wenn die Leute meinen Jesus on Extasy wäre Industrial ist ihnen nicht zu helfen.

Wer macht sich denn heute noch die Mühe zu „denken“, zu „hinterfragen“, etwas „kritisch“ zu betrachten? Nicht die „Masse“ (egal aus welcher Szene). Das Motto lautet „Spass“, der Ernst des Lebens kommt noch früh genug. Ergo bieten die Medien das was die Masse sehen will … Reportagen ohne Tiefgang und das Erfüllen von Klischees … die Masse will nicht denken, sie will unterhalten werden.

Laura
Laura (@guest_5857)
Vor 11 Jahre

 Steffi: Ich kann dir leider (!) nur Recht geben…

Death Disco
Death Disco (@guest_5861)
Vor 11 Jahre

Gothic wurde nicht kommerzialisiert. Nur dessen Abklatsch. Wo findet sich denn eine einzige Gothic-Band in den Charts? Schlager, Deutschrock, Heavy Rock, Dance Music – das ist das einzige, das boomt.

Und wer von den traditionellen Grufties trägt so einen vorgefertigten Mist von X-tra-X? Alles eine Begleiterscheinung eines als „Gothic“ fehlbezeichneten Derivats.

Gothic sitzt tief im Untergrund, mit kleineren Batcave-Parties in einigen Städtchen verteilt. Alles andere zählt für mich nicht dazu. M’era Luna und Co. können mir samt Publikum den Buckel runterrutschen. ;-)

stoffel
stoffel (@stoffel)
Vor 11 Jahre

@Robert… Ich finde es sehr gut das Du darüber schreibt und wie, ebenso kann ich nur hoffen das ein verantwortlicher der Medien sich mal die Zeit nimmt um hier zu lesen und nachdenken tut, ebenso wie jeder andere Leser hier (wovon ich aber ausgehe ;) ).

Bzgl. Kommerz & Co. … Künstler können auch nicht von „Luft und Liebe“ leben. Wenn es den Leuten gefällt dann ist es doch etwas schönes und wenn es dann auch noch den Leuten gefällt die nicht zur Szene gehören finde ich das eher Positiv als Negativ, denn auch dadurch kann Akzeptanz anstelle von Diskriminierung entstehen, wie gesagt kann.
Und solange es kein (Massen-)Ramsch ist … aber das liegt wiederrum im Auge des Betrachters … was ist Ramsch und was nicht? ;)

Death Disco
Death Disco (@guest_5876)
Vor 11 Jahre

Die Bezeichung Gothic wurde durch die Bands geschaffen, nicht durch die Medien. Sie wurde erst danach von den Medien aufgegriffen.

Dass die Bezeichnung für irgendeinen Schwachsinn missbraucht wird, steht außer Frage. Die ursprüngliche Bewegung dahinter wurde jedenfalls nicht kommerzialisiert. Und was sich heute so nennt, geht mir vollkommen am Hintern vorbei. Diese Leute besitzen keine Szenegrundlage. Sie sind nicht mehr als das, was Emos bilden. Ein Modetrend. Wir werden ja sehen, was davon in fünf bis zehn Jahren noch übrig ist. Spätestens dann wurden sie aus dem Weg geräumt, so wie einst die Waver in den 90ern.

 Steffi:

Hier geht es nicht darum, ob Künstler von ihrer Musik leben können. Kommerzialisierung bedeutet, dass materielle Dinge in den Vordergrund rücken, ideelle Dinge in den Hintergrund. Von Gothic kann man nicht leben. Diese Musik war nie großartig in den Charts vertreten und wurde nur von drei oder vier Gruppen angeführt, die auf etablierten Labels unterkamen. Alles andere spielte sich im Untergrund ab. Um davon leben zu können, musst du folglich die Musik verändern, oder besser: anpassen. Aus Goth mach Scheiße und du verdienst damit, so wie Blutengel. Das ist so ein typisches Scheißprodukt. Es ist also genau das, was du ansprichst: Ramsch für die Masse, an der man sich bereichern kann. Retortenbands werden gezüchtet, um für reichlich Clubfutter zu sorgen. Dann kommt sowas zum Vorschein wie Straftanz oder Nachtmahr. Und die sind nun wirklich alles andere als Goth.

Laura
Laura (@guest_5885)
Vor 11 Jahre

 Steffi: Ich sehe das ähnlich wie Death Disco.
Da ich mich mit dieser Band gerne und viel beschäftige nehme ich jetzt mal ASP als Beispiel. Von denen würde ich doch mal behaupten, dass sie definitiv noch dem Gothic Genre angehören.
Und doch können sie von ihrer Musik leben. Das machen sie aber nicht indem sie Interviews für die Bravo geben, sondern weil sie sich reinknien.

Ich habe vor kurzem ein Interview mit ASP gesehen, wo er darauf angesprochen wurde, dass er vor kurzem bei einem OpenAir nach Jennifer Rostock und Seelig gespielt hat, das Publikum jedoch bei allen drei Bands begeistert war.
Und er reagiert darauf lediglich damit, dass das doch schön ist und holt sich keinen drauf runter.

Und so finde ich das auch okay…ich mein keine Band kann sich seine Fans aussuchen und soll sie auch nicht, nur muss sie damit vernünftig umgehen, und sich nicht darin verlieren.

Death Disco
Death Disco (@guest_5915)
Vor 11 Jahre

Bei Joy Division war es der Produzent oder Manager (Manager heißt hier: Kumpel von nebenan, der sowas wie „Management-Tätigkeiten“ übernimmt). Bei Siouxsie & The Banshees war es Siouxsie Sioux höchstpersönlich, die eines ihrer Alben so bezeichnete. The Cure kündigten öfters bei Auftritten sogar manche ihrer Songs als Gothic an („Lament“ zum Beispiel). Ich glaube, die wenigsten hatten ein Problem mit dieser Etikettierung. Das waren dann wirklich Leute wie Andrew Eldritch, die sich gegen diese Kategorisierung wehrten. Aber nicht, weil ihre Musik da nicht reinpassen würde, sondern weil Musiker immer etwas Exklusives repräsentieren wollen. Die sind auf Einzigartigkeit fixiert, was nicht funktionieren kann, wenn mehrere Bands zur gleichen Zeit denselben Stil vertreten. Und da gab es genug, von Bauhaus über The Cure bis hin zu den Cocteau Twins. Ich halte Gothic für ein zeitliches Phänomen. Den Leuten war Ende der 70er einfach nach düsterer Musik.

Ich vertrete übrigens absolut nicht die Meinung, dass Gothic jeder für sich definieren muss und soll. Es gibt bestimmte Grundmerkmale, an denen man sich zu orientieren hat. Das ist im Hip Hop so, das ist im Punk so und das ist im Metal nicht anders. Ansonsten braucht es nämlich keine Szene, wenn jeder tun und lassen kann, was er will. Dann können wir gleich die Musik wegschmeißen, die Klamotten in die Kleiderspende stecken und den Lifestyle an den Nagel hängen.

Death Disco
Death Disco (@guest_5972)
Vor 11 Jahre

Eine Jugendbewegung kann nicht von Nichts existieren. Was soll denn hierbei die Grundlage sein?

Zudem kannst du die Grundmerkmale nicht einfach so voneinander trennen. Über die Musik kam man zum Outfit, auf beiden baute der Lifestyle auf, später kam das Interesse an Horrorgeschichten etc. hinzu, eben das, was mit der Gothic-Musik in Zusammenhang stand. Es geht somit alles auf die Musik zurück und ohne die wird von Gothic nichts bleiben, außer einer Scheinkultur. Welche der Jugendkulturen funktioniert ohne ihre Ausgangsmerkmale? Metal kann nicht ohne Metal existieren und Punk nicht ohne Punk. Da ist das Outfit und die Einstellung letztlich egal. Fällt die Punk-Musik weg, stirbt die Punk-Kultur. Fällt der Metal weg, stirbt die Metal-Kultur.

Viele Gothic-Bands hatten übrigens keine Gothic-Themen. Die waren aufgrund ihres Sounds Gothic. Gothic funktioniert somit vorrangig als Musikstil, die Inhalte können voneinander abweichen. The Cure waren eine typische Post-Punk-Band. Denen waren die Fans relativ egal. Der Stil von The Cure änderte sich erst, als sie mit Siouxsie & The Banshees abhingen. Robert Smith hatte zusammen mit Steve Severin sogar ein Gemeinschaftsprojekt namens The Glove. Ein nicht uwesenticher Einfluss dürfte zudem Joy Division gewesen sein. Nicht umsonst sagte man The Cure eine Zeitlang nach, sie würden in die Fußstapfen von Joy Division treten. Man wartete sogar regelrecht darauf, dass Robert Smith Ian Curtis in den Tod folgen würde, was bei Alben wie Faith und Pornography kaum verwundert.

Wenn The Cure und Joy Division keine typischen Gothic-Bands waren – Bauhaus und Siouxsie & The Banshees waren es ganz bestimmt. Während andere frühe Bands noch in schwarz-grauen Regenmänteln herumrannten, sorgten Siouxsie und Bauhaus bereits für das passende Outfit. So einfach lässt sich die Kultur nicht von der Musikszene trennen.

ZeitUngeist
ZeitUngeist (@guest_5998)
Vor 11 Jahre

^^ Schön das so heftig diskutiert wird.

ich für meinen teil habe schon keine lust mehr wenn ich mir das pervers abgelesene zeug vom off-sprecher geben muss. also für mich klingt das schonmal schrecklich.

die jungs von JoE versuchen da denke ich einfach nur medienwirksam zu sein.

so wie ich die band (persönlich) kenne, haben die einfach nur spaß an musik, egal welche richtung da nun anhaftet und auch mit ihrem teenie-idol-erfolg hats nur soviel auf sich das sie letztenendes von irgendwo da hin-artikelt worden sind.

sagen wir mal so… ich find den bericht im groben nicht verkehrt, man sollte sich vllt ne andere band als „beispielhaft“ aussuchen… aber so wechseln sich eben generationen ab. das ist in jeder subkultur irgendwie so, denke ich. da kannste nu hin und her diskutieren wie de lustig bist. dazugehören tuts irgendwie denn doch alles.

zu alex und jenny halte ich mich jetzt lieber mal n bisschen bedeckt xD sonst werd ich ausfallend^^

oooh ich muss ein bisschen. „jenny hat ihren eigenen stil… viel neon“ und dann n shooting in alten gemäuern.
das jeder bauerntrampel im korsett sich fürn model halten muss… wargh.

im grunde isses für mich insgesamt gesehen ne sorte (sub)kultur und weniger ne szene. da gibts nunmal unendlich einflüsse und richtungen, ob man die als einzelner nun gut findet oder nicht.

ich denke niemand sollte sich hier aus dem fenster lehnen und sagen „so und so gehört sich das“… wäre ja auch irgendwie uncool ;)

Death Disco
Death Disco (@guest_6055)
Vor 11 Jahre

Mir ist es herzlich egal, ob du das uncool findest oder nicht. Solche Bands haben im Gothic-/Wave-Umfeld nichts verloren. Das hat auch nichts mit Generationswechsel zu tun, sondern einzig mit Willkür und Nichtbeschäftigung. Irgendwelche Tokio-Hotel-Verschnitte finden Bezeichnungen wie Industrial und Gothic cool und glauben, sich damit schmücken zu müssen. Natürlich haben wir das Recht, solche gepushten Retortenbands zu kritisieren. Wer schweigt, duldet… oder hat irgendwas nicht kapiert.

ZeitUngeist
ZeitUngeist (@guest_6056)
Vor 11 Jahre

Err moooment mal.

das heisst DU möchtest jetzt also festlegen was gothic und wave ist und was nicht?
und die sache mit der retorte ist wirklich mal blödsinn, aber da hab ich nu auch wirklich mehr insiderwissen als du.

ich finds auf der einen seite richtig das man sich eben auf das beruft was man kennt und gut findet, auf der anderen seite find ich aber intoleranz in welcher form auch immer richtig scheiße.

und wenn solche bands eben der einstieg für einige in die dunkle subkultur sind, is das auch okay. du warst auch mal jung und hast wahrscheinlich etliche musikalische moderleichen im keller.

also sowas flach-wertendes hätte ich jetzt nicht erwartet von dir ^^
is ja schön wenn man das verteidigt was man schön findet… ich meine JoE sind auch nicht das was ich höre, aber ich kann durchaus tolerant sein… bzw zumindest akzeptieren das ne subkultur facetten hat und nicht nur das ist, was ich gerne möchte.

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 11 Jahre

Wenn Anthony Wilson, Siouxsie oder Robert Smith ihr Schaffen teils als „gothic“ bezeichnet haben, dann war das kein Einsortieren in bzw. das Kreieren einer musikalischen Kategorie, sondern lediglich Verwenden eines passenden Adjektivs aus der Kunstgeschichte und -theorie. Sie hätten wohl ebenso gut z.B. „gloomy“ sagen können.

Das hat nichts mit einem konkreten Musikstil oder einer Subkultur zu tun, sondern sagt lediglich aus, das verwendete Stilmittel, Stimmungen und Inhalte das sind, was man seit dem 18. Jahrhundert als „gothic“ bezeichnet.

Und dieses Gothic-Element existierte auch in den 80ern und 90ern und existiert auch heute noch gänzlich unabhängig von der schwarzen Szene. Und daher ist es beispielsweise auch recht einfach möglich, Musik zu kreieren, die absolut null Geschichte in der schwarzen Szene oder doch zumindest garnichts mit der ursprünglichen Wave- und Gothrock-Musik zu tun hat, und die dennoch ganz ganz explizit gothic sein kann. Ich denke da beispielsweise an „Stillste Stund“, die teilweise reichlich technoide Musik machen (die mir nicht wirklich gefällt) aber textlich deutlich Gothic-Motive verwenden.

Dies ist es auch, was ASP meint, wenn er seine Musik als Gothic-Novel-Rock bezeichnet. Natürlich hat seine (vielseitige!) Musik wenig mit der schwarzen Szene in ihrer Gründungszeit zu tun (das weiß er auch sehr gut, Coverversionen der Sisters und the Cult zeigen, dass er diese Musik durchaus kennt und schätzt), aber inhaltlich ist sein Schaffen eine einzige große Gothic-Novelle. Das ist eindeutig definierbarer Fakt und keine Interpretationssache.

ZeitUngeist
ZeitUngeist (@guest_6104)
Vor 11 Jahre

dennoch würde ich tokio hotel und joe nicht in eine kiste werfen. also th sind durchaus nicht gecastet, gehören aber einer majorfirma. werden also gehyped.

joe produzieren sich meines wissens nach selbst. und sind musikalisch auch nicht absichtlich mainstream, sondern durchaus eigen. ob mans nun mag oder ned.

zu asp sage ich lieber nichts. ich habe vergessen mir die letzte super-limitierte monster dvd-pappeinband kommerzplatte zu kaufen.

Death Disco
Death Disco (@guest_6106)
Vor 11 Jahre

„das heisst DU möchtest jetzt also festlegen was gothic und wave ist und was nicht?“

Das ist stilhistorisch festgelegt, so wie Metal festgelegt ist oder Punk. An der Zuordnung habe ich wenig Anteil, ich orientiere mich lediglich an Fakten und Stilmerkmalen. Seit den 80ern gibt es Literatur dazu. Da kann nicht jeder Hüpfer daherkommen, sich auf der Gitarre irgendwas zurechtschrubbln (ich sage nur Mono Inc.!) und dann willkürlich Etiketten draufkleben. Solche Bands MUSS ich nicht und werde ich nicht tolerieren. Auf diesem Unfug basiert doch diese heutige Pseudo-Kultur. Eine Ansammlung von Volltrotteln, die überhaupt keine eigene Musik mehr besitzen und sich stattdessen fremde Stilistiken unter den Nagel reißen. Das reicht von Schlager über Techno bis hin zu Heavy-Metal-Verschnitten.

Und doch, JoE sind etwas, das ICH ohne mit der Wimper zu zucken zwischen Tokio Hotel und Fräulein Wunder einsortiere. Dort befinden sie sich in bester Gesellschaft.

Death Disco
Death Disco (@guest_6107)
Vor 11 Jahre

Sorry übrigens für den rauhen Tonfall. Ich habe das einfach zu oft diskutiert. Es hängt mir schon bis zu den Fußzehen. :-)

Erweiterungen von Szene- und Genre-Etiketten sind für mich nur dann akzeptabel, wenn sie logisch nachvollziehbar sind und sich in einem bestimmten, kulturellen Kontext bewegen. Die letzten 10 Jahre beruhen jedoch einzig auf Willkür – der Vermarktung wegen.

ZeitUngeist
ZeitUngeist (@guest_6134)
Vor 11 Jahre

Hm naja… also man muss sich natürlich (ich weiss ich kann das auch nicht immer… eher selten) dennoch im klaren sein, dass man eine subjektive wertung abgibt…

kopiert und abgeguckt wurde schon, seit es kunst gibt, denke ich.

wenn sich morgen jemand hinstellt, auf ne steeldrum haut und dazu nen liter kunstblut spuckt, und es death-reggae nennt, ist das grundsätzlich sein gutes recht :)

und, entschuldige bitte, aber wahrscheinlich siebenundneunzig prozent der leute in den achzigern in den untergrundkulturen haben sich „was zurechtgeschrubbelt“ auf der gitarre. das ist genau das, was wir daran mögen… am deathrock zum beispiel :D

wenn du natürlich der meinung bist, die subkultur muss sich für dich so und so gestalten, ist das ja auch in ordnung. ich meine man kann da ja auch begrenzt einfluss drauf nehmen… dafür isses schließlich (zumindest zum teil noch) ne subkultur.

Death Disco
Death Disco (@guest_6137)
Vor 11 Jahre

Stilmerkmale sind nicht subjektiv, falls du darauf ansprichst. Und wer hört heute denn bitte noch Death Rock? Das, was die Newbs für Death Rock halten, ist nix anderes als Gothic Rock, hauptsächlich von britischen Vorbildern inspiriert. Die heutigen Bands puhlen sich die Musik auch nicht aus dem Arsch, sondern folgen einer musikalischen Tradition, die mit Bauhaus, Christian Death oder Siouxsie & The Banshees startete. Da ist es egal, ob du Cinema Strange, Chants of Maldoror oder Scarlet’s Remains nimmst. Auch die Bands der 80er taten das, die Cocteau Twins als populäres Beispiel mal herangezogen, denn die waren Fans von Joy Division und Siouxsie & The Banshees.

http://www.youtube.com/watch?v=Az5DQrUp7P4&fmt=18

Sämtliche Cold-Wave- und Gothic-Rock-Bands, von Asylum Party bis Mephisto Walz, folgten ihren Ikonen auf Schritt und Tritt. In den 80ern, in den 90ern und auch in den 00ern. Von „irgendwas zurechschrubbeln“ kann also gar keine Rede sein.

Fans, die diese Musik jahre- bzw. jahrzehntelang konsumieren, werden dir problemlos sagen können, dass JoE definitiv NICHT dahingehören. Und wenn JoE meinen, ihre Musik als Gothic oder gar Industrial bezeichnen zu müssen, sollten sie darauf gefasst sein, dafür negative Kritik oder nur ein müdes Lächeln zu ernten. Genres werden nicht wegen solcher Leuchten redefiniert.

Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Vor 11 Jahre

Ich glaube, ich habe eher ein anderes Problem mit vielen „neuen Bands“. Ich hab einfach nicht den Eindruck, dass das Musiker sind. Ich sehe weder Persönlichkeiten noch Authentizität. Die meisten Gothic Bands, die definitiv zum Genre gehören meinen, dass es reicht, wenn man vermeintlich tiefsinnige Texte über wenig einfallsreiche Musik kleistert. Funktioniert ja auch. Das mit den neuen Einflüssen – weg von den alten Bands – ist meiner Meinung nach kein Genre-Ausschlusskriterium.

Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Vor 11 Jahre

@Robert
Noch eine Ergänzung: Selbst die alteingesessenen Bands versuchen ein Stück vom kalorienreichen Gothic-Kuchen zu ergattern und denken nicht mehr groß über Ziele oder Ideale nach. Warum würden die Sisters sonst bitte auf dem Mera Luna spielen? Oder Placebo? Die haben mit Gothic so viel am Hut wie … denk dir was aus …jedenfalls nicht viel (nach eigener Aussage!)Alles sehr seltsam…auch auf Künstlerebene

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