1989 - Grafton Street Dublin

1989 – Break Dancers, Psychobillies und Goths in der irischen Hauptstadt Dublin

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Innenstädte, Einkaufsstraßen und öffentliche Plätze waren in den 80er Jahren beliebte Treffpunkte der ortsansässigen Subkultur. Bei uns in Mönchengladbach hat man sich auf der Theater-Treppe getroffen, eine recht lange und sehr breite Treppe unterhalb des städtischen Theaters, die direkt an der wichtigsten Einkaufsstraße der Stadt nicht nur jeder kannte, sondern auf der man gesehen wurde und die vorbeischlendernden Passanten beobachten konnte. Punks und Grufties hockten da an sonnigen Nachmittagen nach der Schule, trafen sich und fanden es super, den Mainstream, der im wahrsten Sinne des Wortes vorbeiströmte, zum hingucken zu provozieren. So war das nicht nur hier, sondern eigentlich überall.

Die Grafton Street ist die wichtigste Einkaufsstraße Dublins und Ende der 80er Jahre eben einer dieser Treffpunkte. In losen Gruppen treffen sich dort Breakdancer, Psychobillies (die gab es bei uns nicht) und eben Grufties. Zum schlendern, rumhocken und shoppen. Der irische Fernsehsender RTE interessiert sich 1989 für die Jugendlichen und dreht eine ganze Reihe von Videos. Eins davon habe ich bereits vor einer Weile hier gezeigt.  Hier kommt das andere:

1989 – Break Dancers, Psychobillies and Goths at Grafton Street

Besonders schön finde ich die Antwort der jungen Dame auf die Frage der Reporterin, warum sie denn einen Rosenkranz trägt. “…weil sie die Erwachsenen nervt. Und warum magst du es, Erwachsene zu nerven? Weil sie uns nerven.” Herrlich. Genau so funktionierte der Goth-Style für die Jugendlichen damals. Keine bedeutungsschwangere Todessehnsucht oder dauerhafte Trauer wegen dem Zustand der Gesellschaft. Abgrenzung, anders sein und provozieren. Die ganze Bedeutung kam doch erst später, als die subkulturellen Jugendlichen, die nun erwachsen geworden waren, eine Begründung brauchten, um ihre Zugehörigkeit zu einer Jugendkultur weiterhin zu rechtfertigen. Oder?

Ich glaube mit dem Internet sind die öffentliche Treffpunkte nahezu ausgestorben, vielleicht auch mit dem Ende der eigenen Schulzeit aus der Wahrnehmung verschwunden. Unsere Theater-Treppe wurde irgendwann abgerissen um an gleicher Stelle Platz für ein Einkaufszentrum zu machen. Dort sehe ich zwar Jugendliche beim Shoppen, aber keinen Funken Subkultur. Heute gafft man im Internet und versucht bei sozialen Plattformen zu provozieren. Schade eigentlich.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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