traurigkeitsgeniesser

Die Gothic-Szene, eine Welt der Traurigkeitsgenießer?

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traurigkeitsgeniesserMusikpsychologen wollen herausgefunden haben, warum einige Menschen melancholische Musik bevorzugen und die dabei empfundene Trauer für sie ein Genuss sein kann. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der eine zu Grunde liegende Studie britischer und finnischer Forscher zusammenfasste, brachte mich zum Grübeln. Nicht nur, weil ich die Idee dahinter sehr spannend finde und mich auch selbst mit der Vorstellung beschäftigen möchte, sondern auch, warum die Musikrichtungen der schwarzen Szene, oder auch die Szene selbst darin keine Rolle spielt. Es liegt doch auf der Hand, dass eine Szene, die sich immer schon mit der melancholischen Seiten der Musik identifiziert hat, eigentlich ein Paradebeispiel sein sollte. Oder nicht?

Die britischen und finnischen Forscher spielten den Probanden ein besonders melancholische Musik vor, beobachteten dieses dabei und ließen die Personen nachher formulieren, was sie bei der Musik empfunden haben. Sie wählten ein möglichst unbekanntes Stück, um zu vermeiden, dass die Musik mit Erinnerungen Probanden verbunden wurden und die Ergebnisse verfälschten. Ein instrumentales Stück der US-amerikanischen Serie Band of Brothers schien geeignet, die Stimmung am besten zu transportieren. Somit hätten wir auch geeignete traurige Musik identifiziert: getragene und klassische Musik in Moll. Die SZ schreibt dazu:

Dennoch empfand etwa jeder Fünfte beim Hören einen besonderen Genuss. In diesen Fällen erzeugten die Klänge einen bewegenden Gefühlscocktail aus Traurigkeit und positiven Emotionen. Die Psychologen nennen diese Hörer in der Studie im Fachblatt Frontiers in Psychology „Traurigkeitsgenießer“. Während sie in der Lage waren, das Stück mit Gewinn zu hören, machte es viele andere Teilnehmer eher nervös oder sogar niedergeschlagen.

Der Unterschied zwischen den Genießern und den Niedergeschlagenen lag, so die Forschungsergebnisse, an einer überdurchschnittlichen Empathie der Teilnehmer. Offenbar waren die Traurigkeitsgenießer besonders gut in der Lage, sich in andere Menschen hineinzufühlen und sich mit ihren Mitmenschen zu identifizieren. Probanden mit niedrigen Empathie-Werten genossen die traurige Musik dagegen so gut wie nie. Doch Empathie allein reicht nicht aus, denn es geht vor allem auch darum, diese Emotion zu erkennen und sich nicht von ihr vereinnahmen zu lassen, so beschreibt der Artikel weiter:

Allerdings sei für den Genuss entscheidend, einen emotionalen Abstand zu wahren, sagt Vuoskoski. „Die Genießer sind häufig in der Lage, ihre Gefühle sehr gut zu regulieren.“ Demnach ist es ein Balanceakt, traurige Musik zu hören: Deren Genießer können sich einerseits in die übermittelten negativen Botschaften einfühlen, lassen sich davon aber nicht so sehr überwältigen. Frauen gelingt dieser Spagat offenbar häufiger als Männern: Weibliche Hörer waren überdurchschnittlich oft in der Genießergruppe.

Somit haben die Traurigkeitsgenießer also eine erhöhte emotionale Intelligenz in Sachen Empathie und können gleichzeitig die emotionale Distanz zu diesen Traurigkeit bewahren. Ob die Gothics nun alle Traurigkeitsgenießer sind, wenn sich sich tagtäglich mit trauriger Musik umgeben? Zumindestens eine Tatsache spricht dafür: Es gibt mehr Frauen, die so sind und auch die Gothic-Szene ist eine eher feminine Szene. Das war es dann aber auch erstmal mit den Tatsachen, doch es ist reichliche Raum für Spekulationen. Um mich in spekulative Stimmung zu bringen, läuft erstmal eine traurige Zusammenstellung auf YouTube. Wohlgemerkt für mich traurig.

Obwohl traurig ist nicht die ausschließliche Definition meiner Empfindungen. Es ist eher eine Art von emotionaler Berührung, Musik, die zu mir durchdringt, anstatt mich zu beschallen. Ich würde mich jetzt selbst nicht als überdurchschnittlich empathisch oder emotional beschreiben und auch so würde ich die schwarze Szene sehen, die sich eben häufiger mit trauriger Musik umgibt, als andere. Bin ich nun ein Traurigkeitsgenießer? Möglicherweise. Ich mag traurige Musik, traurige Filme und traurige Literatur weil sie mich in die Stimmung bringt, die im Alltag so häufig durch rudimentärere Emotionen verdrängt wird. Ich mag es, zum 4. mal feuchte Augen bei derselben Filmszene zu bekommen und die Ergriffenheit, wenn so manches Stück Musik mir zittrige Hände beschert.

Auch innerhalb der Szene, so behaupte ich, ist die Anzahl derer, die einen ähnlichen Zugang zur Musik oder Ästhetik haben, höher als im Rest der Gesellschaft. Ein schöner gemeinsamer Nenner, die gleichen Dinge „berührend“ zu finden, die sonst eher weniger Beachtung im Alltag finden und so gerne verdrängt werden. Die Traurigkeit ist für mich ein edles Gefühl, das keine unmittelbare Reaktion auf seine Umwelt ist, wie zum Beispiel Angst oder Wut, sondern ein Gefühl das sich entwickelt und das ich bewusst zulassen oder verdrängen kann.

Sicher, das ist meine persönliche und sehr luxeriöse Sichtweise auf „Emotion“, denn so lange ich die bewusst steuern und kontrollieren kann, ist alles gut. Oder? Ich kenne genug Menschen, die nicht in der Lage sind sich zu kontrollieren oder wahlweise auch von der Kontrolle Abstand zu nehmen und Emotionen zuzulassen. Ich mache mir nichts vor. Traurigkeitsgenießer sein zu können, ist ein Luxus oder vielmehr ein Talent, auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, mich dazu zählen zu können. Ist man einer, wenn man eben noch auf der Tanzfläche von „Marian“ in die Tiefen des Meeres gezogen wird und mit geschlossenen Augen in der Phantasie versinkt und kurz danach mit den Freunden über die gleiche Scherze lacht?

Was denkt Ihr über den Genuss der Traurigkeit? Welche Musik fällt Euch spontan zu dieser Emotion ein? Und vor allem: Ist die Gothic-Szene der schwarze Sündenpfuhl und das Sammelbecken der Traurigkeitsgenießer?

 

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Hach, dieser Artikel spricht mir aus der Seele.

Auch innerhalb der Szene, so behaupte ich, ist die Anzahl derer, die einen ähnlichen Zugang zur Musik oder Ästhetik haben, höher als im Rest der Gesellschaft.

– genau so sehe ich es auch.

Ist die Gothic-Szene der schwarze Sündenpfuhl und das Sammelbecken der Traurigkeitsgenießer?

Dieser These würde ich allerdings widersprechen. Was ist mit den Doom-Metallern? Depressive-Schwarzmetallern? Düsterpunkern? Und da gibts sicher noch genug andere SubSubkulturen oder Gruppierungen, denen Melancholie und Traurigkeit ebenfalls wichtig ist.

Ist Traurigkeit ein Genuss für mich? Eine gute Frage… Manchmal denke ich mir, mittlerweile so abgestumpft zu sein und dieses Gefühl nicht mehr an mich ran zu lassen. Weil es verletzlich macht – und wer will schon verletzlich sein?

Dann jedoch gibt es die Momente, wo ich der Emotion auf meine Art und Weise freien Lauf lasse – und Musik ist da zweifelsohne mein Begleiter. Mag sie noch so traurig oder melancholisch sein – mich baut das irgendwie auf, schenkt mir Kraft, saugt meinen Frust, meine Wut aus mir heraus. Denn beide gehen meistens Hand in Hand mit meiner Traurigkeit. Musik und meine Emotionen schwingen dann im gleichen Takt, was mich ungemein befriedet…

Lieder, dir mir als Ventil dienen können, wären „The Cure – A night like this“, aber auch die Chameleons mit ihrem wundervollen Stück „Second Skin“ oder Kirlian Camera mit „Blue Room“…

Rena
Gast
Rena

Ich persönlich mag es nicht, wenn mir gute Laune aufgezwungen wird, ob vom Leuten im direkten Umfeld, gesellschaftlichen Konventionen, oder eben Musik.
Umso mehr ich auch negative Gefühle und Ansichten ausleben kann und darf ( zB mit guten Freunden, die mich auch über die Welt abkotzen lassen, statt mir Positivismus aufzudrängen) desto eher werd ich wie von Zauberhand zufriedener und fröhlicher!
Auch beherrsche ich diese Distanzierung in gewisser Weise; ich kann gut mit traurigen Geschichten und Leid umgehen, wenn es mich nicht direkt betrifft, da bin ich ein guter Zuhörer und „Ratgeber“. Wenn es um mich selbst geht, fällt mir das um einiges schwerer, doch kann Musik dabei auch behilflich sein, als Ventil und um einen gewissen Aussenblick zu bekommen.
Zudem finde ich ein bisschen Melancholie kann auch ein ganz angenehmes Gefühl sein, Stichwort „Traurigkeitsgeniesser“.
Ein Lied das mir oft gute Laune gemacht hat obwohl es nicht den Konventionen fröhlicher Musik entspicht ist zB. „Hall of Ice“ von Lebanon Hanover; ein Lied zum ‚in Melancholie baden‘ “ Lights“ von the Archive.
Musik und ihre Wahrnehmung sind außerdem sehr stark sozial bedingt, von unserem Erfahrungen mit Kultur, sowie Klang- und Symbolwelten die uns vertraut sind. Daher unterliegt Popmusik den Gesetzmäßigkeiten der Einfachheit, damit sich möglichst viele damit identifizieren können. Das habe ich mir übrigens nicht eben ausgedacht, dass stammt von dem Musikwissenschaftler Helmut Rösing der sich mit der Analyse von Popmusik beschäftigt hat.
Was das nun im Einzelfall heißt darf gerne jeder für sich interpretieren.

Robin
Gast
Robin

Hey,
schönen Dank Robert, der Artikel hat mich wieder kurzzeitig dahintransportiert was es damals für mich bedeutete, in der Szene aktiv zu sein. Die Fähigkeit sich in trauriger oder melancholischer, sprich: tiefer Musik fallenzulassen ohne sich damit identifizieren zu müssen. Halt Empathie. Dieser Abstand hat es mir gewährt, immer mit sehr großer Freude auf Partys zu gehen. Auch morgen werde ich versuchen das zu transportieren.
Ich finde deine Definition oder deine Idee von Traurigkeit auch sehr schön, ein Gefühl, komplexer als Wut oder Angst, das man an sich heranlassen kann..

Tanzfledermaus
Autor

Zum einen ein interessanter Artikel. Aber eigentlich ist es doch nicht wirklich verwunderlich, dass Empathie von Vorteil ist, um sich in die Stimmung eines Musikstücks hinein zu versetzen. Das dürfte umgekehrt bei positiven Songs ähnlich sein. Wer sensibel ist, der erfasst den Grundton schnell und weniger feinfühlige Menschen nehmen vieles oberflächlicher wahr.

Auf die Szene bezogen, so würde ich schon unterschreiben, dass sich hier viele sensible Menschen tummeln. Für viele ist die Szene ja ein Weg aus der schnelllebigen, oberflächlichen, lauten und angestrengt fröhlichen Welt. Die Musik der Schwarzen Szene spiegelt dies und entsprechend finden sich viele getragene, nachdenkliche und zum Teil auch sehr traurige Stücke. Viele Szenegänger lassen ihren Gedanken in Form von Gedichten, Texten, Bildern oder auch selbst geschriebenen Musikstücken freien Lauf und beschäftigen sich auch gerne mit den Werken anderer. Hier muss natürlich unterschieden werden zwischen jenen, die Klamotten und Musiok einfach nur cool finden und das aus Modegründen (als Phase) durchleseb und jenen, die da schon etwas tiefer drinstecken, sich dadurch ausleben und ausdrücken.

Es sollte auch unterschieden werden zwischen Traurigkeit (eher negativ behaftet) und Melancholie (durchaus mit positivem Einschlag). Melancholie bedeutet ein angenehmes Schwelgen in dieser dunklen Stimmung, Traurigkeit hingegen ist eher unangenehm. Beim „Genuss von Traurigkeit“ ist dann wohl eher die Melancholie gemeint.

Mone vom Rabenhorst
Autor

Ich genieße!
Jeden Tag auf dem Weg zum Büro und zurück.
Sehr oft weiß ich nicht, wie ich die jeweils über 50 km überhaupt geschafft habe, weil ich vor lauter Träumen plötzlich „da“ bin. Darf man gar nicht drüber nachdenken.

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Schönes Thema. Ich fass mich kurz. Mir hat die Musik der Szene über Jahre ganz gut gereicht, um durch musikalischen Genuss emotional satt zu sein. Seid ein paar Jahren reicht mir diese „Sättigung“ nicht mehr, und ich habe mir nach und nach Musiker und Stücke der Klassik erschlossen (aber auch E-Tango, Ambient etc haben sich dazu gesellt). Momentan ist mein melancholisch schönstes klassisches Stück Lux Aeterna (Communion) aus Mozarts Requiem: https://m.youtube.com/watch?v=Hq7jPwds4Ko

Heiko
Gast
Heiko

Der Artikel ist wirklich interessant und oh Wunder! Ich zähle mich ebenso zu den genannten Genießern. Ich genieße Melancholie wirklich sehr gerne, erst dieses Wochenende kam mir das ganz besonders in den Sinn, beim Herbstspaziergang mit Musik von She past away auf den Ohren.
Es ist aber auch schon vorgenommen, dass ich mich in trauriger Verfassung mit entsprechenden Klängen noch mehr in dieser Stimmung versenkt habe. Ein, zwei besten Freunden hatte ich dazu gesagt: ich gebe mich bewusst der Traurigkeit hin in solchen Momenten. Die entsprechenden Klänge fangem einen auf, lassen die Seele treiben, man taucht bewusst ab, bis zu einem gewissen Punkt. Und ist der letzte Ton verklungen, erhebt man sich auf eine seltsame Art erfrischt und auch geläutert wieder. Nicht so zu beschreiben, ich hoffe, es kommt irgendwie rüber, was ich meine.

Ein Beispiel ist hier „The drowning man“ von The Cure. Wobei ich ja hier eigentlich das gesamte Faith Album nennen kann.


Lacrimosas Stück „Tränen der Sehnsucht“ sind noch so ein gutes Beispiel.
Und über Stücke von Der blaue Reiter fangen wir mal nicht erst an. ;-)

Tanzfledermaus
Autor

Was Du beschreibst, Heiko, kenne ich auch sehr gut. Das mit dem sich-Versenken in melancholische oder gar traurige Musik, und dass man anschließend da sehr gut wieder rauskommt, eben durch die Musik. Bei mir ist ein klassisches Beispiel „The same deep water as you“ von The Cure. Da hatte ich sogar mal einen Heulanfall, der verdammt guttat, weil die Musik einfach so schön naheging und ich im Dunkeln, auf dem Bett vor meinem Kassettenrecorder (jaja, damals…) liegend, total darin abgetaucht bin. Von The Cure wäre da auch noch „the figurehead“, was ich ähnlich intensiv empfinde.

Aber auch einige Stücke vom „Elizium“-Album der Fields of the Nephilim sind Paradebeispiele dafür, was Musik (bei mir) emotional bewirken kann. Vor allem „at the gates of silent memories“ hat es mir da angetan.
Und noch ein herrlich melancholisches, herbstliches Musikstück: „into the dawn“ von Another Tale. „second skin“ von den Chameleons wurde ja schon weiter oben genannt ;-)
Was fällt mir spontan noch ein? „lies spoken“ von Corpus Delicti, „fathoms“ von BFG, „amen Yves“ von For Against, „I am terrified“ von IAMX (sehr genial!), „drowning“ von Sixth June, „dust“ von Black Swan Lane, „der Wind“ von Blumfeld, „all I have“ von Clan of Xymox, „the night“ von Danse Society, „what else is there“ von Röyskopp“, „primal“ von Slowdive, „low end“ von Soror Dolorosa“, „lakeside“ von Cassandra Complex, „the weight of the world“ von Antimatter

Heiko
Gast
Heiko

Ohja, The Chameleons! Da noch einmal ein großes Dankeschön an dich, Tanzfledermaus! Auf die Band bin ich tatsächlich erst durch einen früheren GF Beitrag von dir aufmerksam geworden. Ich kannte sie vorher ja noch nicht einmal. Nun haben sie sich bei meinen Lieblingsbands eingereiht. Und das von dir erwähnte „Second Skin“ ist auch wirklich hervorragend.

Tanzfledermaus
Autor

Das freut mich! Ich hab sie leider auch erst recht spät kennengelernt – die fristen irgendwie ein bißchen ein unverdientes Schattendasein.

Ronny
Gast
Ronny

Melancholische oder gar traurige Musik , bzw. Musik mit Tiefgang – wie ich sie bezeichne – gehören für mich zum Alltag . Wenn ich auf Arbeit gehe , mit Stöpseln im Ohr – und lausche den Klängen von , Dead Can Dance , Mila Mar , Sopor Aeternus usw.
Auch bei meiner Favorit Band “ Kirlian Camera “ gibt es einige sehr schöne melancholische Songs wie zb.: Blue Room , In The Endless Rain , The Fountain of Clouds um mal einige zu nennen.
Auch kann man bei “ trauriger“ Musik im Club , besser wedeln ;-)
Es gibt aber auch einige deutschsprachige Bands die diese Melancholie verkörpern. So denke ich an Endtraum , Stillste Stund , den früheren Lacrimosa oder auch einige Stücke von den Erben …. und das schönste Stück Mila Mar “ Was bleibt “ !!!
Aber wie immer – Geschmäcker sind immer unterschiedlich .

Heiko
Gast
Heiko

Hmmm. Bei Kirlian Camera finde ich vor allem Ascencion besonders gut. Vor allem in der Temple Version.

Stillste Stund finde ich auch sehr gut, Ronny. Hier hat es mir vor allem das Stück „Sternenwacht“. Und frühe Lacrimosa gehen sowieso immer. Ich kann die Leute nicht verstehen, die da immer mit „Lackiermichrosa“ spötteln(wie meine beste Freundin zum Beispiel). Aber sollen die eben spötteln, das bringt mich nicht ab davon. ;-)

Ronny
Gast
Ronny

@Heiko – stimmt , “ Ascencion“ hatte ich ganz vergessen zu erwähnen ;-) Wunderschöner Titel.
Und ja , über Lacri kann man ja denken was man will – ich reg mich auch auf , wenn ich Lackiermichrosa höre – denn für mich gehört Lacri nun mal dazu. Jetzt zwar nicht mehr so sehr , aber dennoch lasse ich nix über Tilo kommen.
Und „Sternenwacht“ ist wirklich hat wirklich einen sehr schönen Text.

Pest
Gast
Pest

Ja, die edle Melancholie. Das Cliché mag aus den folgenden Worten triefen wie Fett aus McDonald’s Pommes, aber: Melancholie ist für mich das poetischste Gefühl, das ein beseeltes Wesen erfüllen kann. Ich kann und will nicht ohne Melancholie.
Frecherweise setze ich einfach mal die Traurigkeit, um die es mir hier geht, mit der Melancholie gleich.

Ist die Gothic-Szene der schwarze Sündenpfuhl und das Sammelbecken der Traurigkeitsgenießer?

Jein … sie ist nicht unbedingt das Sammelbecken, aber gewiss ein Sammelbecken. Als Grenzgänger zwischen Gothic auf der einen und düsterem, insbesondere schwarzem Metal auf der anderen Seite würde ich die Traurigkeitsgenießer ähnlich wie Svartur Nott auch dort verorten. Stichwort Sólstafir, Primordial, Shining. Oder im klassischeren Bereich Candlemass (Solitude!), Pentagram und natürlich die Großmeister von Black Sabbath. Deren Song Black Sabbath ist für mich die Verzweiflungshymne schlehthin.
Neben dem Metal würde ich einem Traurigkeitsgenießer (schönet Wort find ich) wahrscheinlich sogar den guten alten Blues vorspielen.

Heiko
Gast
Heiko

Sehr schön geschrieben, Pest. Die Melancholie als das poetischste Gefühl überhaupt zu bezeichnen finde ich sehr passend. Und ich gebe es ganz klischeemäßig zu, dass ich selbst in keiner anderen Emotion so richtig schön… ja, baden kann :-)

Demon17
Gast
Demon17

1981-82 kamen gerade die ersten schwarzen Sachen aus England rüber. Es war eine Zeit in der uns langsam klar wurde, dass das Leben kein endloser Sommer der Liebe sein würde und die Drogenwracks auf der Bühne eine Zukunft in düsteren Farben verhießen. Ihre Musik war nicht länger geeignet unserem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen.Es ging darum die aufkommenden Depressionen zu verarbeiten, ja sie gar zu genießen durch eine Musik, die sie in eine milde Melancholie verwandelte. Es ging nicht um Empathie, sondern einfach um Lebensqualität, um einen tragisch-melancholischen Lebensgenuss, in dem der Schmerz erfror und eine klare, dunkle Reinheit des Empfindens hinterließ, die uns jede Trauer ertragen ließ. Hinzu kam noch die überschüssige Kraft der Jugend. Bands wie Bauhaus und Joy Divison, aber auch Killing Joke und Big Black, oder Dead Kennedies gaben diesem Lebensgefühl Ausdruck. Die Punk Roots waren in den 80ern ein fester, musikalischer Bestandteil obwohl sich bereits unsere Wege trennten. Eine Offenbarung waren jedoch The Cure, die ich 83 auf einer angeblichen Abschiedstournee im Ruhrstadion Bochum sah. 10 000 Fans total in schwarz und nicht ein bontes Kleidungsstück. Das Schwarz! Damals ist mir zum ersten mal aufgefallen, das es eine neue Szene gab, die nichts mehr mit alternativ, psychedelisch oder progressiv zu tun hatte. Um zum Thema zurückzukommen, schwarze Musik ist wie Balsam für die Wunde Seele, ein Lebenselexier für die Kinder der Nacht. Mich versetzt sie in eine drogenfreie Trance, die viel mit Verinnerlichung aber rein gar nichts mit Empathie zu tun hat.

Yorick
Gast
Yorick

Hi Demon 17, schön dass du jetzt auch hier mitmischst:D Ich war lange stiller Mitleser bei Nachtwelten und du warst dort einer meiner Lieblingsschreiber.

Mestigoth war übrigens (vermutlich) auch eine Zeit lang hier unterwegs, nannte sich zwar Death Disco, aber die Schreibe ist eigentlich ebenfalls unverkennbar (falls du noch mitliest und es doch nicht bist, sorry).