Bestattungskultur im Wandel der Zeit? Der Ire Shay Bradley prankt seine eigene Bestattung

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Wie soll eure Bestattung eigentlich aussehen? Habt ihr Euch schon Gedanken darüber gemacht, welche bedeutungsschwangere Musik gespielt werden soll, ob ihr lieber im Friedwald in einer Urne begraben werden wollt oder ob es doch lieber der klassische Sarg sein soll?

Der Ire Shay Bradley hatte da ganz eigene Vorstellungen von einer gelungenen Trauerfeier, denn er wollte alle zum Lachen bringen. Als er auf dem Bohernabreena Friedhof in Kilnamanagh bei Dublin beigesetzt wurde und die Trauernden gerade zu den klassischen Klängen des Dudelsacks mit ihren Tränen kämpften, hörte man plötzlich seine Stimme aus dem Sarg: “Hello !?” Während sich die Gäste verwirrt anschauen, klopft es aus der Erde und Shay beginnt zu fluchen: “Let me out! It’s fucking dark in here […] I can hear you! Is that the priest I can hear?

Sein Plan, das niemand seine Bestattung traurig verlassen sollte, schien aufzugehen. Bereits ein Jahr vor seinem Tod hatte er diese Aufnahmen mit seinem Sohn Jonathan gemacht, der erklärt, dass sein Vater: “wanted something special and for everyone to remember him as he was, so that everyone, especially my mother, did not leave the graveside sombre.

Zeitgleich schickt mir Leser Wiener Blut einen Link zu einem Video der ARD Mediathek: “Urne, Meer oder mit Lumpi“, das sich mit dem “radikalen Wandel” der Bestattungskultur beschäftigt. Immer mehr Menschen, so die Dokumentation, interessieren sich für alternative Bestattung, wie zum Beispiel den Friedwald, möchten ihren Liebsten als Diamant immer bei sich tragen oder hegen den Wunsch mit ihrem Haustier beerdigt zu werden.

Häufig scheint dabei die Prämisse zu gelten, wie recht es den Angehörigen ist, auf diese oder andere Weise bestattet zu werden. Der deutsche Sparfuchs, der klassische Bestattungen für reine Abzocke hält, will selbst den Tod so billig wie möglich, den Angehörigen keine Umstände machen und am besten noch biologisch abbaubare Urnen benutzen.

Auch die Subkultur steht im Wandel der Zeit. Von den ersten Jugendlichen, die in den 80er auf dem Friedhof herumschlichen, sind wir mittlerweile bei Gothic-Hochzeiten, Gothic-Nachwuchs, Gothics die alt werden, Rentner-Gothics und sonstigen Auswüchsen die in der brennenden Frage münden: Wann gestalten sich die ersten Gothics ihre eigene Beerdigung? Und wird doch gelacht oder geweint? Mir ist jedenfalls Shay Bradleys Weg sehr sympathisch, leider ist dieser Prank nun aufgebraucht.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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wichtlhexe
Gast
wichtlhexe

Hach ja….als Jugendliche saß ich oft mit Freunden zusammen und wir verglichen unsere Listen “10 Songs, die auf meiner Beerdigung gespielt werden müssen”. Die Lieder wechselten immer wieder. Dauerbrenner auf allen Listen war “The End” von The Doors. Könnt ich mal wieder machen.

Ich finde es gut, wenn sich die Bestattungskultur erweitert und sich von festgefahrenen religiösen Strukturen löst. Das dies auf Widerstand, Unverständnis und Probleme stößt ist klar. Da müsste die Gesellschaft generell mal über Tod und Sterben reden. Und zwar respektvoll miteinander.

wichtlhexe
Gast
wichtlhexe

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Interessant finde ich bei der ARD Doku, dass ein Diozösan Trauer Seelsorger erklärt, wie man zusammen mit “seinem Lumpi”, auf einem “normalen Menschenfriedhof” bestattet werden könnte. Das Familiengrab muss schon existieren, Lumpi geht dann vor bzw nach “seinen Menschen”…. Seine Asche (Krematorium 200-300 Euro) einfach in einem Plastikbeutel mitgenommen, ein Pflanzloch, Asche rein, Pflanze drauf, fertig. Gut, er erklärt daß es halb bzw ganz illegal ist, aber er sagt auch nicht, dass da etwas gegen unternommen wird.

Alsuna
Gast
Alsuna

Hmm…mein Mann und ich möchten uns ganz klassisch in der Erde bestatten lassen….das Grab, in dem mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter begraben sind, haben wir ja schon. Das passt meiner Mutter eigentlich nicht, da sie und mein Stiefvater sich “entsorgen lassen” wollen…so drücken sie es aus. Beide sind seit Jahrzehnten sehr depressiv und glauben auch nicht, dass ich tatsächlich trauern würde dann.
Menschen seien nur Dreck, der verbrannt und weg gehöre.
Sollte…ich also krankheitsbedingt, was bei mir ja sein kann, früh sterben darf nur mein Mann mich bestatten lassen…sonst hätte ich die Befürchtung käme ich über den Umweg über Tschechien,in die Tonne…<_<.

Ganz schön traurig :(.

Sheena
Gast

Ich habe die ARD Dokumentation “Urne, Meer oder mit Lumpi” ebenfalls verfolgt, als sie vor Kurzem ausgestrahlt wurde und empfand es als sehr positiv, dass solch eine Reportage als Diskussionsanstoß für eine Lockerung der Regelungen und Gesetze im Bereich der Bestattungskultur gelten könnte.
Schockiert haben mich jedoch die vielen anonymen Urnenbestattungen, deren Aschebehältnisse innerhalb eines kleinen ausgegrabenen Schachtes auf dem Friedhof, ohne jeglichen Nachruf und nur von einer Verbeugung der Totengräber (welche ihre Arbeit selbstverständlich mit der größtmöglichen Beflissenheit und Würde und gegenüber den Unbekannten absolvieren) begleitet, dicht an dicht für die kommenden Jahre in vollkommener Anonymität unter der Erde ruhen sollen. Obgleich ich mit dieser Thematik als angehende Ärztin vertraut bin, lässt mich jenes Bild als Ausdruck von Alterseinsamkeit und einem potentiellen Ausläufer von gesellschaftlichem und individuellem Egoismus dennoch sprachlos zurück …