Kein WGT 2022? AGRA-Gelände könnte Kriegsflüchtlingen Unterkunft bieten

Die Stadt Leipzig sucht dringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten mussten. Man kündigte am Dienstagnachmittag an, das AGRA-Gelände in Dölitz für rund 1000 Menschen herrichten zu lassen. Damit könnte das Wave-Gotik-Treffen nach zweimaligem Ausfall durch die Corona-Pandemie auch in diesem Jahr ausfallen.

Wie die Stadt mitteilte, könne man in den Hallen sehr kurzfristig Menschen unterbringen und die angrenzenden Freiflächen böten ausreichend Möglichkeiten, Reservekapazitäten bereitzustellen. „Das Gelände bietet gute Voraussetzungen für eine schnelle Unterbringung von Menschen aus der Ukraine. Im Inneren der Hallen sollen Zelte aufgestellt werden, ebenso sind Gemeinschaftsflächen für die Essenversorgung geplant, sagt Matthias Kaufmann, Leiter des Liegenschaftsamtes. „Die großzügigen Frei- und Grünflächen bieten vor allem den vielen Kindern, die aus der Ukraine kommen, Möglichkeiten zum Spielen und zur dringend nötigen Erholung.“ Die Arena und die Neue Messe, die bisher als Unterbringungsorte dienten, sollen in den nächsten Tagen nicht mehr zur Verfügung stehen, so die Stadt Leipzig weiter.

Schon ab dem 1. April sollen auf dem AGRA-Gelände Menschen untergebracht werden, die sich vor Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine in Sicherheit bringen mussten. Da bisher kein Zeichen von Frieden in Sicht ist und der Krieg immer weiter zu eskalieren droht, muss man mit vielen weiteren Flüchtenden rechnen.

Für das WGT, das nach zweimaligem Ausfall vom 3. bis zum 6. Juni 2022 stattfinden sollte, könnte das erneut eine Absage oder Verlegung bedeuten. Die Stadt richtet sich auf eine „mittel- bis langfristige Unterbringung von Flüchtlingen“ ein. Die für die kommenden Monate geplanten Veranstaltungen müssen „voraussichtlich abgesagt“ werden. Das Liegenschaftsamt ist nach eigenen Angaben „mit den Veranstaltern im engen Austausch und versucht, alternative Standorte anzubieten„, heißt es offiziell.

Der LVZ gegenüber zeigte sich der Pressesprecher des WGT, Cornelius Brach, überrascht. „Für uns ist diese Nachricht noch sehr neu.“ Er zeigte sich skeptisch, ob sich die AGRA überhaupt ersetzen ließe, denn „Die Kombination aus großen Hallen, Freiflächen Zeltplätzen und dem Heidnischen Dorf ist einmalig.“ Das Gelände der AGRA diente dem WGT nicht nur als zentraler Veranstaltungsort, sondern beherbergte immer auch die Schaltzentrale der Veranstalter. In der Vergangenheit war das Gelände im Stadtteil Dölitz die einzige Konstante in der dynamischen Entwicklung der Veranstaltungsorte.

Ist ein WGT ohne AGRA denkbar? Und sollte man überhaupt ausgelassen in Leipzig feiern, während 1000 Kriegsvertriebene in Zeltstädten um die Zukunft ihrer Heimat bangen?

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Ne
Ne (@guest_60950)
Vor 8 Monate

Und sollte man überhaupt ausgelassen in Leipzig feiern, während 1000 Kriegsvertriebene in Zeltstädten um die Zukunft ihrer Heimat bangen?“

Wenn es danach geht könnte man nie wieder irgendwo, irgendwas feiern, denn Leid ist überall – nur nicht immer sichtbar. Und vielleicht ist das schwarzbunte Treiben ja für diese Menschen auch eine nette Ablenkung von all den schlimmen Erlebnissen zuvor

Arawiya
Arawiya (@guest_60951)
Vor 8 Monate

Sicher sollte man sich nicht jede Freude verbieten. ABER wenn es eben die Möglichkeit gibt, dort zahlreiche Menschen unterzubringen, dann hat das absolute Priorität vor dem Partyvolk und ich hoffe ernsthaft, dass es dazu wenigstens bei Spontis keine gegenteilige Ansicht gibt.

Arawiya
Arawiya (@guest_60957)
Antwort an  Robert
Vor 8 Monate

Verzeihung, ich hätte mich wohl konkreter ausdrücken sollen: mit „bei Spontis“ meinte ich natürlich nicht die Teammitglieder und deren Einstellung, sondern ganz allgemein die Kommentarspalten (die ja zum Beispiel in der WGT-Gruppe im Gesichtsbuch wirklich zum fremdschämen sind).

Zum Glück findet man hier doch immer den Glauben in die Menschheit und die Szene wieder. :)

Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_60952)
Vor 8 Monate

Kann man aus Sicht der Stadt Leipzig vollkommen nachvollziehen. Es gibt deutschlandweit schon Städte, die haben schon arge Probleme, da ist es gut das Leipzig das Gelände hat. Es ist ja auch von der Infrastruktur bestens geeignet. Ich hätte ohne Zögern dafür gestimmt das Gelände zu nutzen, und das WGT erstmal da runter gelassen, bis die Situation mit den Flüchtlingen geregelt ist. Die schwarze Welt wird davon nicht untergehen.

Matthias
Matthias (@guest_60953)
Antwort an  Wiener Blut
Vor 8 Monate

Meine kurze Meinung dazu:

1.Obdach geht vor
2.WGT funktioniert bestimmt auch ohne AGRA
3.Locker bleiben, da noch nicht eingetreten
4.Wenn, gebt den AGRA-Bewohnern bitte WGT-Freikarten

Fledermama
Fledermama (@guest_60958)
Vor 8 Monate

Es stand inzwischen doch schon so oft im Raum, dass die Agra wegfallen könnte. Dass dieser Fall jetzt eingetreten ist und man sich eine Alternative Lösung suchen muss, sollte die Veranstalter nun wirklich nicht mehr so sehr kalt erwischt haben.

Von mir aus wird es halt ein nicht oder nur minimal organisiertes schwarzbuntes Treffen in der Stadt.

Was soll’s.

Eine Lösung für die Menschen, denen alles genommen wurde, ist um Welten wichtiger, als Schaulaufen, Shopping und Party.

That being said, muss ich zur zweiten Frage sagen: Sollte man dürfen, ja. Denn sich selbst jetzt Freude zu versagen, macht weder die Sorgen der Menschen kleiner, noch nutzt es der Gesamtsituation.

STW
STW (@guest_60959)
Vor 8 Monate

Welche Optionen gäbe es denn Überhaupt für ein WGT ohne Agra? Was wäre überhaupt denkbar? Für meinen Teil werde ich wahrscheinlich nun meine Hotelresvierung stornieren und erstmal warten wie es weitergeht.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 8 Monate

Wenn es denn stattfindn kann, hoffe ich mal sehr, dass die Militäry-Look- und Kunstblut-Fraktion aus Rücksicht auf die traumatisierten Kriegsflüchtlinge sich ein weniger nach Krieg und Massaker aussehndes Outfit zurechtlegt. Alles andere wäre höchst unsensibel den Menschen gegenüber, die Krieg und Verwundete in natura erleben mussten.

Letzte Bearbeitung Vor 8 Monate von Tanzfledermaus
GruftMolch
GruftMolch (@guest_60999)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 8 Monate

Haben wir das getan, als wir fröhlich ab 2015 das WGT feierten, da syrische Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kamen? Eher Nein.

Diese Forderung jetzt zu formulieren, empfinde ich doch als recht bigott. Sorry.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  GruftMolch
Vor 8 Monate

Aha, und nur weil einige Leute sich womöglich schon 2015 keinerlei Gedanken darum gemacht haben, sollte man es auch jetzt nicht machen? Warum sollte man nicht einfach mal mitdenken und sein eigenes Tun hinterfragen?

Und damit meine ich nicht das Feiern an sich, sondern die unnötige Konfrontation traumatisierter Menschen mit Splatter- und Kriegs-Looks. Das sind völlig verschiedene Paar Schuhe.

Letzte Bearbeitung Vor 8 Monate von Tanzfledermaus
Markus
Markus(@markus)
Vor 8 Monate

Ich war noch nie auf einem WGT und frage mal so: Ist es in Stein gemeißelt, daß das Festival an Leipzig gekoppelt ist und zwangsläufig dort stattfinden muß? Andere Festivals mußten in vergangenen Jahren und Jahrzehnten doch auch schon „umziehen“, aus deutlich weniger prekären Gründen als den aktuell tausenden Kriegsflüchtlingen. Es sollte mich sehr wundern, wenn es nicht die eine oder andere Großstadt/ Gemeinde/ Kreis gibt, die Interesse am Finanzpotential eines mehrtägigen Kulturevents mit Besucherzahlen im hohen fünfstelligen Bereich hat? Ob die dann auch dem WGT-Publikum gegenüber so offen sind wie die Stadt Leipzig ist ein anderes Thema, aber selbst das Kuhdorf Wacken hat sich schon lange an jährlich einfallende Horden von Metallern gewöhnt, die auch nicht gerade wie die Wiener Sängerknaben aussehen, aber jedes Jahr auf’s neue in Wacken Willkommen sind.

Wenn der oder die Veranstalter des WGT und die Partymeute ein bißchen flexibel sind und andernorts in der Republik eine solche Veranstaltung auf die Beine stellen könnten, kämen alle Beteiligten zu Ihrem Recht. Es herrscht ja nicht nur der verdammte Krieg im Osten, der sicherlich bitter und traurig ist und deren Leidtragende jeden erdenklichen Support erhalten sollen. Auf der anderen Seite sind da auch noch Hunderttausende, vielleicht Millionen Pandemie-Verzichter, denen ich es nicht verdenken will, daß sie nach zwei Jahren völliger Abstinenz, Einschränkungen und Verboten endlich wieder ein bißchen Leben zurück haben wollen…

Letzte Bearbeitung Vor 8 Monate von Markus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Markus
Vor 8 Monate

Das Problem wird sein, so kurzfristig eine Alternative zu finden. Das betrifft nicht nur entsprechende Gelände und Veranstaltungsorte, sondern massenhaft Besucher und viele Bands sowie Mitwirkende müssten sich auch erst einmal neue Unterkünfte suchen. Außerdem dürften viele Orte, die über ähnliche Infrastruktur verfügen, derzeit ihre Kapazitäten eher für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen, als an Kultur Events zu denken. Ich bin ehrlich gesagt sehr skeptisch, ob das wgt überhaupt noch mal stattfindet.

Letzte Bearbeitung Vor 8 Monate von Tanzfledermaus

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