Gebrochene Gleise, tanzende Traurigkeit und lackierte Raben

Hier nun der versprochene Artikel mit den Wünschen von Jessica, Kamil, Atanua und Stoffel, die ich im letzten Artikel noch nicht bearbeitet habe, das hätte einfach den Rahmen gesprengt. Leider war ich auch dieses mal nicht so erfolgreich bei der Aufgabenbewältigung, was zum Teil an mir zum Teil aber auch nicht in meinen Händen gelegen hat. Ich habe trotzdem versucht eine Alternative zur Verfügung zu stellen um zu mindestens keine Enttäuschung aufkommen zu lassen. Dieses mal sind es also noch 4 weitere Wünsche, die mich wieder an Orte befördert haben, die ich wohl selbst nicht besucht hätte, denn wer erwartet so tolle Bahnhöfe oder verborgene Statuen von unaussprechlicher Schönheit? (an die übrigens gleich noch eine schöne Einkaufsgegend angeknüpft ist, die Seven Arms) Also ich nicht. Vielen Dank nochmal für eure tollen Aufgaben, ich hoffe bei meiner nächsten Reise kann ich wieder auf euch zählen.

Ein unvollständiger Gleis

Bild 1
Bild 1

Als Harry Potter Fan Jessica vom Blog Schattendings mir diese Aufgabe stellte, war ich noch recht zuversichtlich die Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit zu lösen, doch der Teufel liegt im Detail, wie sich in London herausstellte. Ich sollte also ein Bild davon schießen, wie ich den Gepäckwagen zum Gleis 9 3/4 schiebe, eigentlich kein Problem denn schließlich dürfte diese Stelle ein Touristenmagnet sein. Zunächst einmal gibt es bei King’s Cross zwei Bahnhöfe, nämlich den nationalen und den Internationalen St. Pancras, der direkt nebenan liegt (Bild 1). Leider war ich schlecht informiert und schaute mich zunächst im falschen Bahnhof um, was für einige Verwirrung sorgte, erst später sah ich, das es sich eigentlich um den lokalen Bahnhof, also King´s Cross selber drehte.

Bild 2
Bild 2

Optisch war die Stelle schnell gefunden, jedoch wirkten die Bögen wesentlich schmaler, später Recherchen ergaben das die für den Film verbreitert wurden, so das es bei der Bogenbreite im Film um eine Fiktion handelt. Der Bahnhof selbst sieht aber genauso aus, wie er Film dargestellt wurde. (Bild 2)  Hier erfuhr ich auch von einem Passanten, das es in der Tat einen Gleis 9 3/4 mit einem halben Gepäckwagen im Nebengebäude geben würde, der aber momentan leider von Baumaßnahmen verdeckt. Und in der Tat sind die meisten Bögen und das Verbindungsstück zwischen dem Bahnhof und dem Nebengebäude in der Restauration und von Gerüsten und Planen verdeckt und dementsprechend nicht zu besichtigen. Ich betrachte diese Aufgabe daher als nicht erfüllt an und werde das wohl bei meinem nächsten Besuch in London nachholen müssen, als Fan findest du aber sicherlich die Seite von Wolfgang Mletzko interessant, der sich mit den Filmlocations intensiv beschäftigt und außerdem zeigt, das die Schriftstellerin sich bei der Auswahl der Locations geirrt haben muss und King’s Cross mit dem eigentlichen Bahnhof Euston verwechselt hat.

Beschnittene Vögel

Ähnlich problematisch erwies sich die Aufgabe von Kamil vom Blog Südlich des Weißwurstäquators. Die Aufgabe lautete, die Raben im Tower of London zu füttern. Man sagt, wenn einer der Raben den Tower of London verlässt, würde der weiße Turm zerfallen und die englische Monarchie zu Grunde gehen. Aus diesem Grund stutzt man den Vögeln die Flügel, damit die Idee zur Flucht im Keim erstickt wird. Das macht man schon seit hunderten von Jahren so, keiner weiß so genau, wann das ganze eigentlich angefangen hat. Leider ist das Füttern der Raben leider untersagt (siehe auch auf der Homepage des Tower of London), man kann lediglich der Fütterung durch den Ravenmaster beiwohnen, denn die Vögel halten strenge Diät und werden zudem auch noch gesundheitlich überwacht, auch wenn die Diät die nicht ganz vegetarisch ausfällt:

The ravens eat 170g of raw meat a day, plus bird biscuits socked in blood.

Lecker.  Leider war ich Nachmittags anwesend, nachdem die Fütterung bereits stattgefunden hatte, deshalb habe ich leider keine Bilder davon und wollte nicht nochmal am nächsten Tag wiederkommen um das Schauspiel zu betrachten. Sorry Kamil, deine Aufgabe ist leider so nicht zu erfüllen, vielleicht gibst du mir beim nächsten Besuch noch eine neue Chance.

Die traurige Tänzerin

Die traurige Tänzerin von Enzo PlazottaHätte ich raten sollen, ich wäre mir sicher gewesen das Atanua vom Blog Morgenröte sich etwas mit Ballett gewünscht hätte. Schön das ich mich nicht geirrt habe und die Aufgabe bekam, die traurige Tänzerin vor dem Royal Opera House aufzumuntern. Welche Tänzerin vor welchem Haus? Meine Bildungslücken in Hinsicht auf Tanz und Ballett sind erschreckend und so musste ich mich zunächst informieren worum es eigentlich geht, dabei habe ich mich aber zunächst auf den Ort beschränkt und wollte die genaue Lokalisierung meiner Finderinstinkt überlassen. Sehr praktischen das die Statue direkt neben Covent Garden liegt, da wollte wir sowieso hin. Nach einigem Suche fanden wir dann tatsächlich die traurige Tänzerin. Ich glaube sie ist traurig, weil sich sich verletzt hat denn offensichtlich hält sie sich an der Wade fest, vielleicht ist sie aber auch enttäuscht weil sie einen wichtigen Tanz versaut hat. Who knows?

aufmunterungWie muntert man eine traurige Balletttänzerin auf? Atanua schlug vor, Blumen mitzubringen oder eine Arabesque zu zeigen. Blumen erschienen mir zur plump, Ballerinas sind kulturell und intellektuell anspruchsvolle Frauen und möchten bestimmt keine Blumen. Nein, das ist auch wieder Blödsinn, alle Frauen mögen Blumen, ich war nur zu geizig Geld für Blumen auszugeben für eine Frau, die sich nicht bedankt. Eine Arabesque machen? Habe ich schon mal gehört: „Pose, der Tänzer steht auf einem Bein, das andere Bein wird mit gestrecktem Knie nach hinten gehoben, benannt nach dem Ornament Arabeske.“ Das hätte zwar allen anwesenden belustigt und die Tänzerin wäre sicher vom Barhocker gefallen, aber hätte bei mir für Traurigkeit gesorgt und die Englandreise vorzeigt beim Orthopäden enden lassen. Nein, es musste was charmanteres her, etwas, was jede Frau will, worüber sich bestimmt alle Frauen die Welt freuen. Ein Kuss von mir!

Ob die Tänzerin nun mit einem lächeln zurückbleibt, wird die Zeit zeigen müssen, schließlich ist die Bronze nicht so leicht zu verformen und es bedarf sicherlich einiger Dekaden bis sich die Mine erheitert. Doch wenn es dann einmal in den Geschichtsbüchern heißt Die glückliche Tänzerin vor dem Royal Opera House, IHR wisst warum.

Verspätete, lackierte Enten

chinatown london schaufensterIch war schon in London und schrieb an der quietschenden Tastatur ohne Umlaute als ich Stoffel’s Kommentar vom Blog Mahltied gelesen habe. Sie hat offenbar Probleme mit ihrem Outlook und meinen Feed nicht gelesen, so räumte ich ihr einen Extraplatz ein und habe mich bemüht, auch ihren Wunsch noch zu erfüllen. Dazu sollte ich nach Chinatown einem Stadtteil in London, der seinem Name alle Ehre macht. im schaufenster zu sehenEigentlich gibt es hier nur Chinesische Schriftzeichen und (als hätte die in China nicht schon genug davon) chinesische Touristen mit Fotoapparaten. Sehr kurios. Überall in den Schaufenster baumeln diese lackierte Ente mit der ich mich also zusammen ablichten sollte. Naja, eigentlich zusammen mit einem weiteren Nicht-Asiaten, aber das habe ich irgendwie überlesen.

Warum hängen die Leute die Viecher eigentlich so ins Schaufenster? Vielleicht wieder so ein verkorkster Fruchtbarkeitsritus? Wie auch immer, gegessen haben wir nichts – besser gesagt haben wir sowieso keinen Chinesen bei unserem Aufenthalt in London besucht, die schmecken meiner Meinung nach sowieso alle gleich. An diesem frühen Dienstagmittag, als die Bilder entstanden sind, ist zu dem auch noch Mülltag in Chinatown und ihr möchtet gar nicht wissen was die Leute so alles aus dunklen Kellern räumen. Leider hatten wir auch nicht sonderlich Zeit das herauszufinden, denn am letzten Tag hat man alles und nichts vor und immer einen nervösen Blick auf die Uhr. Ich hoffe trotzdem, das ich die Aufgabe halbwegs erfüllt habe.

(Bildquelle: Artmossfear)
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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stoffel
stoffel (@stoffel)
Vor 12 Jahre

*lach* Danke Dir Robert … für den Extraplatz und die köstlichen Geschichten von Dir. Ich hoffe Du wirst, wenn Du wieder eine Reise tust, nochmal eine Wunschliste erstellen. Die Idee ist übrigens sehr inspirierend :D

Jessica
Jessica (@guest_3807)
Vor 12 Jahre

Sehr schade, dass es mit dem Gleis 9 3/4 wegen der Bauarbeiten nicht geklappt hat. Aber für den engagierten Versuch schlage ich Dich für Merlin-Orden 3.Klasse vor. :)

Die Wunschzettel-Aktion war wirklich eine witzige Idee. ;)

juliaL49
juliaL49 (@guest_3808)
Vor 12 Jahre

Herrlich! Ich würde die Aufgaben als nicht erfüült im engeren Sinne, aber im Geiste des Erfinders ansehen.

Wenn es Gleise 9 3/4 auch woanders gibt, dann weiß ich endlich, warum ich so ein Ding im Railway Museum in York entdeckt habe und keiner kümmerte sich drum.

Atanua
Atanua (@guest_3828)
Vor 12 Jahre

Etwas verspätet, ich weiss^^ Die Aufgabe ist defintiv erfüllt, Note „hervorragend“. Ich bilde ihr ein, dass sie schon etwas fröhlicher aussieht^^
Schade, dass es mit Gleis 9 3/4 nicht geklappt hat, ist immer so, was man sehen will, wird gerade umgebaut und es stand nirgends…

Die Fotos mit den lackierten Enten sind übrigens zum Brüllen. Wartest du darauf, dass dir eine in den Mund fliegt? *g*

Liebe Grüsse

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