BBC 1983: Anti-Fashion – Nicht vom Aussehen auf den Beruf schließen!

Gina erfüllt sich zusammen mit der BBC 1983 einen Traum und geht ihrem Interesse für „Anti-Fashion“ nach, indem sie sich ihrer biederen Haarpracht entledigt, sich die Seiten ausrasieren und Haarverlängerungen anbringen lässt. Für sie ist das mehr als Mode, sondern ein Statement, denn wenn du so rumläufst, so Gina, lassen Dich intolerante Leute, wenn denen du nichts zu tun haben willst, einfach in Ruhe. Außerdem würde sie die Männer, die sie nur als Sexobjekt betrachten würden, auf Distanz halten.

Allerdings – so versucht die Doku zu polarisieren – wird es damit schwer, einen anständigen Job zu finden. Das suggeriert jedenfalls das Kleidungsseminar und die Interviews auf der Straße, als man Gina nach ihrem Make-Over herumzeigt. Im Camden Palace kommt man dann aber auch den Trichter, dass auch fremd aussehende Leute ganz normalen Jobs nachgehen und ein Lächeln die vermeintlich böse „Illusion in Luft auflöst„.

Es wird deutlich, wie wenig damals nötig war, um zu schocken, zu provozieren oder sich selbst für den Mainstream „uninteressant“ zu machen. Die Zeiten haben sich geändert. Aus der „Anti-Fashion“ ist längst eine Mode geworden, die zwar immer noch auffällt, aber keinen mehr stört. Hat sie damit ihre Wirkung vertan?

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Bibi Blue
Bibi Blue (@biljana)
Vor 5 Monate

Ginas Gründe finde ich einleuchtend, „Anti-Fashion“ in dem Kontext passend.
Zu schocken UND sich für den Mainstream uninteressant zu machen kann man zwar erreichen, doch dafür kann es unterschiedliche Beweggründe geben. Durch das Aussehen zu schocken hat in bestimmten Perioden eine Bedeutung gehabt. Welche wäre sie heute? Was ich in Reportagen (sowohl in älteren als auch in neueren) seltsam finde ist, wenn auf die Frage zum außergewöhnlichen Äußeren folgende Antwort gegeben wird: „Wir wollen anders sein.“ Es wirkt so, als würde das Herausstechen an sich der Zweck dessen sein. Ich könnte es eher verstehen, wenn man ohnehin anders IST, also anders als die Mehrheit denkt und lebt, auch im Kreativen und im Stil nonkonformistisch ist, dass man dann bestimmte Kritik und Nachteile in Kauf nehmen würde, um sich treu zu bleiben. Dass das heute etwas leichter ist als zum Beispiel in den 80ern, das können wir begrüßen. Vielleicht stellt und unsere Zeit vor ganz anderen Herausforderungen.

Graphiel
Graphiel (@guest_59853)
Vor 5 Monate

Hach… irgendwie liebe ich ja die 80er für ihre Art um sich mit so einfachen Dingen wie einem Sidecut und schwarzer Kleidung abgrenzen zu können.

Es wird deutlich, wie wenig damals nötig war, um zu schocken, zu provozieren oder sich selbst für den Mainstream “uninteressant” zu machen. Die Zeiten haben sich geändert. Aus der “Anti-Fashion” ist längst eine Mode geworden, die zwar immer noch auffällt, aber keinen mehr stört. Hat sie damit ihre Wirkung vertan?

Ich bin mir übrigens gar nicht so sicher, ob es heute keine Mode mehr gibt, die nicht auch irgendwo als störend empfunden wird und daher zumindest im weitesten Sinne als eine vorübergehende Art von „Anti-Fashion“ herhält. Doch fürchte ich ist dies nicht mehr die Mode der Gruftis, oder wenn, dann nur noch in so extremer Art, dass selbst der geneigte Waver von einst die Augen verdreht. Heutzutage kannst du vermutlich erheblich mehr „Empörung“ bewirken, wenn du mit schlabberiger Jogginghose, Turnschuhe und Wollmütze unterwegs bist, als wie mit ausrasierten Haaren. So oft wie ich gerade bei jungen Leuten aus der Rap und Hiphopecke Sidecuts sehe, braucht sich der geneigte Grufti wohl nur noch wenig Hoffnung machen, dass er damit bei irgendwem aneckt. Außer vielleicht bei den genannten Exemplaren der Gattung „Jo ey, Alter ey….“ Vielleicht ist das ja auch der Grund, weshalb sich nur so wenig Jugendliche für mehr als nur den rein modischen Aspekt der schwarzen Szene interessieren. Alles was etwas mehr Abgrenzung oder Rebellion sucht, findet dies inzwischen woanders. Schade drum, auch wenn ich die daraus entstandenen Vorteile natürlich nicht unter den Teppich kehren möchte. Ich lebe ja auch irgendwie davon, indem ich beispielsweise in meinem Beruf im selben Aufzug erscheinen kann, wie im Club ohne das es meinen Arbeitgeber interessiert. Abgrenzung auf optischer Basis ist damit allerdings auch irgendwo dahin. Doch die Gothics wollten es irgendwie ja auch so haben. Zumindest solange bis die Modeindustrie darauf aufmerksam wurde und sie zusammen mit der gesellschaftliche Akzeptanz zu überrollen begann.

Es fragt sich für mich aber auch wie lange wohl andere Jugendkulturen von heute noch standhalten werden, ehe auch diese überrollt werden. So schnell wie heutzutage irgendwelche Trends von der Modeindustrie aufgegriffen und verhökert werden hat doch kaum noch eine Bewegung die Chance so zu reifen, wie es einst in den 80ern der Fall war. Selbst wenn man diese Bewegung nicht mag. Und wer weiß? vielleicht sind dann in ein paar Jahren selbst Schlabberjogginghosen und Goldkettchen unter Stinos so normal geworden wie Kombinationen aus Sidecut, Lederjacke und Docs, die in den 80ern auch ohne die Extraportion Kalk noch anzuecken wusste.

Ach.. genug abgeschweift. Ich mag die 80er :)

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59854)
Vor 5 Monate

Eigentlich ist es ja eher positiv zu bewerten wenn eine Gesellschaft diverser wird, das Äußere in den Hintergrund rückt und man sich als Grufti nicht „verkleiden“ muss um zur Arbeit zu gehen. Aber das man im Gothiclook heute nicht mehr auffällt kann ich nicht bestätigen. Es ist zwar kein „Skandal“ mehr oder ruft Empörung hervor sich z.B. die Haare partiell abzurasieren oder komplett schwarz zu tragen usw., aber es hebt sich nachwievor ab und man wird auch noch darauf angesprochen bzw. entsprechend angeguckt. Zumindest geht es mir so und ich würde meinen Stil als sehr gemäßigt beschreiben. Wenn auch die Reaktionen eher positiv sind, so gibt’s doch immer noch genug doofe Sprüche.

Ich finde den hier erwähnten „Jogginghose, Turnschuhe, Woolmütze“ Look ist eher zeitgeistlicher Usus geworden und eben überhaupt nicht empörend. Mit dem Äußeren zu rebellieren ist denke ich generell schwerer geworden. Das finde ich jetzt gar nicht soo schlimm, es zeigt das es früher was bewirkt hat. Schließlich sollte das Ziel von Rebellion ja gesellschaftliche Veränderung sein und nicht nur aus narzisstischem Selbstzweck. Man kann ja auf anderen Wegen immernoch rebellieren, sofern man das denn möchte.

Klar einige Stilelemente des Gothic findet man manchmal z.b. auch bei Hipstern, das finde ich zwar auch doof, dennoch kann man einen Hipster eindeutig von einem Gothic unterscheiden. Ich glaube das man die Attitüde eben auch „mitträgt“ und sich das transportiert, versteht ihr wie ich das meine?

Graphiel
Graphiel (@guest_59855)
Antwort an  Norma Normal
Vor 5 Monate

Mit dem Äußeren zu rebellieren ist denke ich generell schwerer geworden. Das finde ich jetzt gar nicht soo schlimm, es zeigt das es früher was bewirkt hat

Ist das denn wirklich so, oder kommt es einem nur so vor? Ich habe darüber mal ein wenig nachdenken müssen und frage mich, ob es nicht vielleicht auch so ist, dass hier im Zuge der Vermarktungsindustrie lediglich neue Arten von Mode in der Gesellschaft etabliert wurden. Ich interpretiere das Statement, welches Gina mit der Anti-Fashion aussagen möchte jedenfalls so, dass es ihr vor allem wichtig war als Person wahrgenommen zu werden und nicht nur als gesellschaftlich vorzeigbares Objekt. Von Leuten die dazu nicht fähig sind bzw nicht sein wollen wollte Gina sich abgrenzen. Was ihr in den 80ern damit wohl auch noch gut gelungen ist.

Die von dir angesprochene Diversität finde ich auch gut, wenn – wie du schreibst – das Äußere in der Gesellschaft denn tatsächlich überwiegend in den Hintergrund rückt und die Eigenschaften und Fähigkeiten von Personen den wichtigsten Platz einnehmen. Doch wenn hingegen die Diversität nur deshalb steigt, weil die ehemalige Anti-Fashion als Mode vermarktet wird und so auch bei der breiten Gesellschaft auf Anklang stößt, dann hat das ursprüngliche Statement der Anti-Fashion doch eigentlich sein Ziel verfehlt, oder sehe ich das falsch? In dem Fall brauchst du dich dann zwar auch nicht mehr als für deine Arbeit „verkleiden“, doch auch nur deshalb weil deine Art dich zu kleiden inzwischen als ein Modestil unter vielen in der Gesellschaft integriert wurde, nicht jedoch die ursprüngliche Botschaft, die diese Anti-Fashion eigentlich mal aussagen sollte.

Man möge mich da gern korrigieren, wenn ich das total falsch sehe ;)

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59856)
Antwort an  Graphiel
Vor 5 Monate

Ich bin bei den Fragen die du aufwirfst absolut bei dir. Eine vollständige Antwort habe ich da allerdings auch nicht. Zum einen würde ich schon sagen das sich seit den 80ern in Sachen Diversität etwas getan hat. Natürlich ist da noch sehr viel Platz nach oben. Und es gut möglich, das es eine eher oberflächliche Entwicklung ist und die Menschen noch etwas länger brauchen um Vielfalt auch in ihrem Denken gänzlich anzunehmen.
Ich versuche mich hier zur Abwechslung mal, trotz meiner üblichen Skepsis, mit zaghaftem Optimismus.

Und ja, das wir in Sachen Klamotten heutzutage eine größere Freiheit/ Auswahl haben als vor 30 Jahren ist wohl eine „Nebenwirkung“ der Konsumindustrie. Aber was wäre die Alternative? Das in Modegeschäften nur Einheitsklamotten zu kaufen sind? Das Problem ist irgendwie das die Katze sich in den Schwanz beißt. Anti-fashion wird irgendwann immer zu Fashion. Robert fragt hier zurecht ob sich die Wirkung dadurch verfehlt. 
Trotzdem bin ich der Meinung, das in jedem kulturellen Artefakt, wozu Mode ja auch gehört, grundsätzlich auch eine Möglichkeit liegt Gesellschaft (mit-)zu gestalten. 

Markus
Markus (@markus)
Vor 4 Monate

Dieses selbstgerechte, oberflächliche Be- und Verurteilen durch Passanten in Dokumentationen aus den 60er, 70er, 80er Jahren verursacht mir heute noch immer leichte Gänsehaut. Ja, es war damals wirklich so, daß man nur mit kahlrasierten Schläfen die Herde Schafe entsetzen und erschrecken konnte, abschätzige Blicke erhielt. Von Menschen, die in ihren Routinen und vermeintlichen Sicherheiten lebten, deren Lebenszweck in der Anhäufung von Wohlstand bestand und die sich gar nichts anderes vorstellen konnten, als damit das einzig Richtige zu tun. Und das jeder, der sich damit nicht abfinden wollte, ein selbstbestimmtes Leben und einen selbstbestimmten Look suchte, sich allgemeines Unverständnis einhandelte und unmittelbar zum gesellschaftszersetzenden Staatsfeind klassifiziert wurde. Richtig schlecht wurde mir damals, als Stefan Raab anfangs seiner Karriere mit einem Mikro bewaffnet durch eine bundesdeutsche Fußgängerzone lief und Passanten befragte, ob sie auch heterosexuelle Mitmenschen in ihrem Bekanntenkreis hätte und wie sie allgemein so zur Heterosexualität stehen. Mal abgesehen davon, daß niemand – vor allem ältere Menschen nicht – bemerkte, daß man gerade vor laufender Kamera vorgeführt wird, hagelte es sofort wüsteste Schmähungen und Beschimpfungen von heterosexuellen Menschen gegen…ja, gegen heterosexuelle Menschen. Was bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterließ, wieviel man auf die öffentliche Meinung geben darf. Gib den Leuten ein Stichwort, einen Aufmacher und sie legen los mit ihrer Meinung, die keine ist.

Umso erstaunlicher finde ich es, daß man im Zuge des um sich greifenden Trends zur vollkommenen Selbstoptimierung und Dauerberieselung in den Medien, vor allem neuen Medien, zu den Themen Mode, Stil, Aussehen und Optimierung derer nicht viel mehr (junge) Menschen auf den Straßen sieht, die auf diesen Zirkus keine Lust haben und die von Gina so benannte Anti-Fashion oder alternative Mode wieder aufgreifen. Offenbar scheint die Mehrheit der Menschheit sich inzwischen zu sagen, okay – irgendwann springen wir alle in die Kiste. Aber dann bitte selbstoptimiert und mit dem Aussehen eines 25jährigen Topmodells…

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