Free Pussy Riot: Rattenpack im Kölner Dom

Die russische Punkband Pussy Riot hat im Februar in der Erlöserkirche in Moskau mit einem Punkgebet gegen Putin demonstriert. Das Ergebnis: Drei Bandmitglieder wurden zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, verkleidet und brüllend in einen Gottesdienst im Kölner Dom zu rennen, um gegen diese Verurteilung zu protestieren, wie es jüngst zwei Männer und eine Frau taten. Eindeutig ist jedoch, dass die Art und Weise, mit der die engagierten jungen Leute aus der Kirche befördert wurden, mit Frieden, Nächstenliebe und dem, was die Kirche sonst so predigt, nicht viel zu tun hat.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

In einem Spiegel-Artikel hieß es dazu: „Dompropst Norbert Feldhoff hatte bereits zu Beginn des Prozesses in Russland angekündigt, dass ein solcher Auftritt auch im Kölner Dom nicht toleriert würde: „Die Würde des Doms zwingt uns, dagegen vorzugehen.“

Tja, die Würde des Doms ist unantastbar. Steht jedenfalls so oder so ähnlich im Grundgesetz – irgendwo bei den Menschenrechten in der Nähe der Aussage über die Meinungsfreiheit. Letzteres Grundrecht nützt den jungen Leuten allerdings nichts, denn nun haben sie eine Anzeige  wegen Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung am Hals. Ich gehe davon aus, dass mit „Religionsausübung“ nicht etwa die Umsetzung von moralischen Vorstellungen in die Praxis gemeint ist, sondern eher sowas wie „gemeinsam auswendig gelernte Lieder singen“, sonst wäre ja sicher einer der Religionsausüber eingeschritten. So wie Günther Jauch neulich.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Kommentare abonnieren?
Benachrichtigung
guest
18 Kommentare
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
tobikult
tobikult(@tobikult)
Vor 10 Jahre

Über das, was dieses Video zeigt, habe ich mir auch etwas länger meine Gedanken gemacht. Geht dieser Protest zu weit? Kann der Dom eine Würde haben?
Der Zeitpunkt des Protests ist für meinen Geschmack gut gewählt. es ist Kollekte, der Klingelbeutel geht durch die Reihen und die Gläubigen werden mit Weihrauchnebel beglückt. Der Unheiligste Moment der Messe wird genutzt, um zu protestieren. Die Protestaktion schafft es aber gar nicht bis vor die Kanzel sondern bleibt im Seitenschiff, wo auch während der Gottesdienste Massen an Touristen die Sehenswürdigkeit Kölner Dom besuchen.
Das wirklich radikale an der Aktion ist das Benehmen der kirchlichen Ordnungskräfte. Die benehmen sich, als ob sie ein Nahkampftraining bei russischen Einsatzkräften absolviert hätten, inklusive der Perspektive auf Würde und Menschenrechte. Am Ende des Videos zeigt sich, dass die Polizei die Kirchenmänner zurückhält und so das Recht auf Meinungsfreiheit und Meinungsäußerung der Protestierer schützt.

Ein gelungenes Video für den nächsten bundesweiten Aktionstag für Kirchenaustritte.

Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti (@guest_28241)
Vor 10 Jahre

Nur 2 Punkte. Vorerst.

1. Hier sind die typischen Trittbrettfahrer am Werk, über deren Motive sich trefflich streiten ließe.

2. Das kann passiern, wenn man provoziert. Tut mir Leid, aber diese Konsequenzen sollten jedem bewusst sein.

Irmin
Irmin (@guest_28243)
Vor 10 Jahre

Wunderbar. Nach der Aufregung um Pussy Riot habe ich mir immer gewünscht, dass das mal jemand in Deutschland nachmacht – am besten noch nacheinander in einer Kirche (das haben wir jetzt schon), einer Moschee und einer Synagoge. Dann mal schauen, wer sich bei welcher der Aktionen wie sehr aufregt und was die Konsequenzen sind… Am Ende wird dann eine Gewinnerreligion gekürt ;-)

Ob das jetzt eine furchtbar sinnvolle Aktion ist, sei mal dahingestellt – zumindest die deutsche Version als „Antwort“ auf die russische finde ich aber durchaus vernünftig, weil es sowohl die Reaktionen der „Betroffenen“ als auch der Presse und des Staates vergleichbar macht. Lustigerweise ist die theoretisch mögliche Höchststrafe in Deutschland dafür ja drei Jahre, also ein Jahr mehr, als Pussy Riot jetzt bekommen haben. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass da noch etwas nachkommt. Hoffe ich zumindest.

@Sheik: Zu 2.: Pussy Riot sollten sich also auch nicht beschweren? Denen sollten die Konsequenzen schließlich auch bewusst gewesen sein… ;-)

Karnstein
Karnstein(@karnstein)
Vor 10 Jahre

Puuuh, ich will meine Meinung auf Stichpunkte beschänken…

1) Menschen wegen solcher Art Protest zu zwei Jahren Arbeitslager zu verknacken ist ein quasi-faschistischer Akt der in keiner Weise gerechtfertigt.
2) Wenn „die Kirche“ für die Inhaftierung von Pussy Riot verantwortlich wäre und nicht der russische Staat, dann würden wir noch immer von der russisch-orthodoxen Kirche sprechen und nicht von der römisch-katholischen – ein Protest im Kölner Dom ist also kompletter Bullshit.
3) So weit ich das sehen kann handelt es sich bei der deutschen Aktion mitnichten um echte politische Sympathisanten die die gleichen Dinge anprangern, sondern ausschließlich um Leute die etwas gegen die Inhaftierung von Pussy Riot haben – die Aktionen sind nicht vergleichbar.
4) Die Reaktion der katholischen Security(?) war völlig überzogen und unnötig gewalttätig.

Fazit: Richtiger Anlass – grottendämliche Umsetzung. Zeigt zwar ebenso Missstände auf, aber an gänzlich anderer Stelle.

Asti
Asti (@guest_28250)
Vor 10 Jahre

Ich sehe das wie Karnstein;
gute Idee, mangelhafte Umsetzung.

Pitje
Pitje (@guest_28252)
Vor 10 Jahre

Einfach nur peinlich Show!

Was sollen die Dompfaffen denn machen? Sich vor die Randalierer knien und warten, bis der kindische Auftritt sein Ende nimmt und den Störern noch ne Hostie und nen Schluck Wein beim Rausgehen schenken?
Stellt Euch mal vor, die Ordnungskräfte wären nicht eingeschritten? Dann wäre die Aktion ja noch peinlicher geworden…

Dieser ganze Pussy Riot-Hype geht mir nur noch auf den Keks. Denn wahr ist auch das: Pussy Riot waren ein paar Wochen Handelsware im Medienbusiness, weil sich drei hübsche Mädels hinter Gittern sehr gut verkaufen lassen. Und jeder Depp, der einem nicht mal die Staatsform Russlands aufsagen kann, spielt den Empörten und ruft via Internet seine Pussy Riot-Solidaritätsbekundungen in die Welt. Oft genug Politik per Mausklick. Mein Facebook-Profil quillt zumindest über vor „Free-Pussy-Riot-Bildchen“.

Nebenbei bemerkt: Die Band macht echt richtig fiese Musik. Die Kölner Trittbrettfahrer offenbar gar keine. Vielleicht auch gut so.

Ian Luther
Ian Luther (@guest_28254)
Vor 10 Jahre

Ich muss sagen, dass ich absolut kein Fan der Institution Kirche bin. Warum, muss ich nicht erklären, das liegt auf der Hand und jeder vernünftige Mensch wird das auch so sehen.
Andererseits finde ich es aber respektlos den Gläubigen gegenüber sich so zu verhalten. Ich bin zwar nicht religiös, aber ein wenig Ehrfurcht sollte schon angebracht sein. Ich renne ja auch nicht zu wildfremden Leuten ins Wohnzimmer und mache dort einen auf Irre. Vor Allem weiß ja auch kein Mensch, der sich dort aufhält, über den Hintergrund bescheid.

Robert
Robert(@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

Auch mich hat dieses Thema auf ganz ähnliche Weise beschäftigt. Ich kann dieser Aktion im Kölner Dom auch keinen wirklichen Erfolg bescheinigen, jedenfalls nicht vor Ort. Was die ganze Sache aber erfolgreich macht, kann die Reaktion der Domaufpasser sein. Ob das nun so geplant war, sei mal dahingestellt. Aber die „Entfernung“ der Störenfriede und die körperliche Gewalt zeigen doch, dass hier etwas nicht stimmt. In gewisser Weise die gleiche Reaktion wie in Russland.

Hätte man das ganze nicht souveräner lösen können? Was wäre denn, wenn der Bischof (oder wie immer der Typ am Mikro bezeichnet wird) die ganze Aktion aufgegriffen hätte, die „Störenfriede“ nach vorne geholt hätte um nach einem Austausch von Argumenten gemeinsam für die Inhaftierten in Russland gebetet hätte? So hätte man zeigen können: Die Kirche kann ein Ort der Solidarität und Nächstenliebe sein.

Gewaltbereite Helfer, Anzeigen und Beleidigungen zeigen nur eins: Die Kirche hat seit über 2000 Jahren nichts dazugelernt.

Tanja
Tanja (@guest_28260)
Vor 10 Jahre

Peinliche Aktion. Wer sich wie die Axt im Walde benimmt, muss damit rechnen „entfernt“ zu werden. Oder würdet ihr sowas in euren Wänden dulden? Sicher nicht!

Axel
Axel (@guest_28262)
Vor 10 Jahre

Der vergleich mit „unseren Wänden“ ist aber nicht treffend. Eine Kirche ist ein öffentlicher Raum, kein privater. Natürlich sind die Protestanten nicht zimperlich vorgegangen, aber wenn man als Pfarrer cool gewesen wäre, hätte man sie tatsächlich nach vorne holen sollen. Dass aber auch noch vor dem Dom die Demonstranten zu Boden geworfen wurden, sie als „Rattenpack“ beschimpft wurden dann noch Anzeige erstattet hat, dass hat mit Meinungs- und Demonstrationsfreiheit nichts zu tun!

Tanja
Tanja (@guest_28263)
Vor 10 Jahre

@ Axel Die Protagonisten haben sich beidseitig nicht mit Ruhm bekleckert. Ich finde das Verhalten einfach respektlos.

Egal, ob es sich um die eigenen vier Wände handelt oder ob man sich in der Öffentlichkeit so gibt. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Sorry, aber Du setzt hier mit zweierlei Maßstab an. „Kirchenzöglinge“ dürfen sich beschimpfen lassen? Nun gut, wie man darauf reagiert hat, mag man kritisieren. Gewalt ist keine Lösung und Beschimpfungen auch nicht. Doch damit hätten die Kirchenstörer rechnen müssen.

Doch solch ein Verhalten findest Du ebenso, wenn Du z.B. in einem Restaurant oder in einer Bar bist. Der Wirt schmeißt den Gast raus, es kommt zu Handgreiflichkeiten, weil dieser nicht gehen will. (auch wenn man die Kirche nicht derart vergleichen sollte)

Demonstrationen haben in einer Kirche nichts zu suchen. Auch in Deutschland stehen solche „Kirchenstörungen“ unter Strafe. Das hat nichts mit Demonstrationsfreiheit zu tun. Sondern ist vom Gesetzgeber, ähnlich wie die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit, geregelt.

sba
sba (@guest_28264)
Vor 10 Jahre

Wie man sein Hausrecht umsetzt, ist jedem selbst überlassen, solange dabei keine Straftat zustande kommt. Jemanden nach draußen zu drängen, tragen oder auf einer Unterlage zu schleifen, geht noch als verhältnismäßig durch, da keine Körperverletzung erfolgte.

Ansonsten kleiner Erfahrungsbericht aus Berlin: In der Marienkirche am Alex haben wir vermeindliche „Störer“ immer tolleriert (auch im Gottesdienst), solange nichts beschädigt und niemand angegriffen wurde (und jedenfalls in meinem Beissein gab es nie Angriffe). Wenn jemand der Gemeinde etwas mitteilen möchte, kann er Redezeit in den Abkündigungen bekommen (dafür sind die da). Wäre auch in Köln sinnvoller gewesen, als sich rausschleifen zu lassen und dann vor der Kirchentür Parolen zu brüllen, die nur die beistehenden und ein paar Passanten mitbekommen. Sowas kann man mit dem Pastor absprechen und sich einigen (Linke sind doch sonst immer so auf gegenseitiges Einverständnis aus), wenn nicht im GoDi aufzutreten, vielleicht eine Info- und Diskussionsveranstaltung zu organisieren. Aber wenn man mit den Leuten redet, statt sie anzuschreien, könnten sich ja die eigenen Vorurteile auflösen…

Irmin
Irmin (@guest_28265)
Vor 10 Jahre

Hätte man das ganze nicht souveräner lösen können? Was wäre denn, wenn der Bischof (oder wie immer der Typ am Mikro bezeichnet wird) die ganze Aktion aufgegriffen hätte, die “Störenfriede” nach vorne geholt hätte um nach einem Austausch von Argumenten gemeinsam für die Inhaftierten in Russland gebetet hätte? So hätte man zeigen können: Die Kirche kann ein Ort der Solidarität und Nächstenliebe sein.

Naja, bei aller Liebe, ich weiß nicht. Der Ton macht ja schon irgendwie die Musik. Und ganz ehrlich: Machen die Leute auf dich den Eindruck, dass sie über irgendetwas diskutieren wollen? Ich verstehe durchaus, dass man vonseiten der Kirche eher ein Interesse daran hat, die Leute zu entfernen. Die Art und Weise ist allerdings übertrieben.

Ich finde die Aktion auch mehr deswegen gut (wie ich in meinem ersten Kommentar andeutete), weil man durch den Aufschrei bei Pussy Riot den Eindruck bekommen konnte, deren Aktion würde gutgeheißen. Und das kann man ja durchaus mal in Deutschland überprüfen. Offensichtlich ja doch nicht so ganz ;)

@sba: Ist die Nennung irgendeiner angeblichen politischen Orientierung der Protestler samt eines Klischees in diesem Kontext wichtig? Wenn nein, warum dann so einen Nebenschauplatz aufmachen?

sba
sba (@guest_28267)
Vor 10 Jahre

@sba: Ist die Nennung irgendeiner angeblichen politischen Orientierung der Protestler samt eines Klischees in diesem Kontext wichtig? Wenn nein, warum dann so einen Nebenschauplatz aufmachen?

hängt davon ab, wann etwas wichtig ist. Natürlich könnte man aus dem nicht-einvernehmlichen Vorgehen auch schließen, dass die Protagonisten nicht „links“ sind (kann ich gerne zu prüfen versuchen).
Falls aber doch, dann gilt etwas ähnliches, wie in Deinem zweiten Absatz: Es ist merkwürdig, wenn jemand etwas argumentiert und das Gegenteil tut.

und ansonsten würde ich mich gerne auf „keine Ahnung, bin neu hier“ herausreden, falls das gestattet ist ;-)

Tanja
Tanja (@guest_28275)
Vor 10 Jahre

Ich denke, dass es den Leuten wichtig war mit ihrem Krawall aufzufallen. An einem wirklichem Gespräch waren sie nicht interessiert.

NorthernNephilim
NorthernNephilim (@guest_28276)
Vor 10 Jahre

Ja aber wenn der Pastor (??) die Leute mal wirklich zu sich auf die Bühne geordet hätte (unter Begleitung der Security) und mal zu Dialog aufgefordert hätte wärs doch gleich mal interessanter, ob da wirklich Diskussionsansätze vorhanden sind oder sich wirklich nur umn Trittbrettfahrer handelt die gar nciht wissen um was es geht außer „kaputt machen“. Vorallem hätte sich das garantiert besser bei denen eingeprägt vorm Altar in Schamesröte zu versinken als ein plumper Raussschmiss.

Robert
Robert(@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

@Irmin: Das sehe ich ähnlich. Die Diskussionsbereitschaft der jungen Wilden sei mal dahingestellt, vor der Kirche zeigten sie sich dann doch relativ Gesprächsbereit. Es wäre jedoch eine Möglichkeit für die Kirche gewesen, Gesicht zu zeigen. Leider hat man sich für das falsche entschieden.

Das Hausrecht der Kirche in allen Ehren, VOR der Kirche hört es aber definitiv auf und dort wurden die „Störer“ immer noch zu Boden gedrückt.

Ich denke, die Kirche sollte hier einmal die Nachsichtige spielen. Es war nicht okay, was die Störer gemacht haben, aber ebenso wenig wie man sie behandelt hat, weder in noch vor dem „Gotteshaus“. Denn das hat, wie Sabrina in Ihrem Artikel schon schreibt, nichts mit dem zu tun, was man so predigt.

Spontis-Magazin 2022

Jetzt bei der Finanzierung mithelfen und ein Exemplar sichern!

Aktuelle Diskussion

Projekte

Friedhöfe

Umfangreiche Galerien historischer Ruhestätten aus aller Welt

Dunkeltanz

Schwarze Clubs und Gothic-Partys nach Postleitzahlen sortiert

Gothic Friday

Leser schrieben 2011 und 2016 in jedem Monat zu einem anderen Thema