Keith Flint - Firestarter

He was the Firestarter: The Prodigy-Sänger Keith Flint tot

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Keith Flint, der Sänger von The Prodigy ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Wie der Guardian berichtet, fand die Polizei Flint am gestrigen Montag gegen 8:00 tot in seiner Wohnung in Essex. Laut einem Statement von Liam Howlett, der die Band 1990 gründete, beging Keith Selbstmord: „The news is true, I can’t believe I’m saying this but our brother Keith took his own life over the weekend, I’m shell shocked  fuckin angry, confused and heart broken.

The Prodigy waren ein konstanter Begleiter meiner musikalischen Biografie, ihr 1992 Debütalbum „Experience“ war für mich genau das, eine Erfahrung und möglicherweise mitverantwortlich dafür, der Grufti-Szene den Rücken zu kehren. Grund genug, Keith Flint, einen gescheiten Nachruf zu verpassen.

Das die Briten „Out of Space“ gekommen sein mussten, wurde nicht allein durch den unscheinbaren schmächtigen Jungen hinter den Keyboards klar, sondern vor allem durch Keith Flint oder Leeroy Thornhill, die stets eine Spur Wahnsinn verbreiteten.

Sie waren wohl die populärsten Vertreter einer aufstrebenden Remix-Kultur und sollten, wider allen Erwartungen, die elektronische Musik der folgende Jahrzehnte nachhaltig beeinflussen und provozieren. Nachdem man in den frühen 90er allein dem Grunge den letzten revolutionären Geist attestierte, erschien im April 1996 „Firestarter“ und verpasste der Welt eine Kopfnuss. Die Jugendlichen feierten den Track und Keith Flint in der Rolle des Sängers, britische Eltern waren empört und überfluteten den BBC nach der Ausstrahlung des Videos mit Beschwerdebriefen. Glücklicherweise erschien die Videoauskopplung von „Smack My Bitch Up“ erst ein Jahr später.

Von da an blieben The Prodigy das Enfant Terrible der elektronische Branche. Nach der massiven Kritik kündigten die Band 1999 an, kein weiteres Album mehr aufzunehmen. Glücklicherweise hielten sie sich nicht daran. Nach einem mittelmäßigen Album „Always Outnumbered, Never Outgunned“ war es dann an „Invaders must Die“ die passende Antwort auf die Stimmen der Kritiker zu geben. Mit einer ausgedehnten und energiegeladenen Tournee erschlossen sich „The Prodigy“ eine neue, junge Hörerschaft und überführten ihre Musik ins neue Jahrtausend.

Als ich in den späten 2000ern wieder in die Gothic-Szene zurückkehren sollte, war es eine Fügung des Schicksals zur verdanken, dass ich The Prodigy auf dem M’era Luna 2009 erstmals live gesehen habe. So schloss sich der Kreis. (Leider gibt es vom M’era Luna keine anständige Aufnahme, deshalb greife ich hier auf Rock am Ring zurück. Die Setlist ist nahezu identisch.)

Jetzt hat sich Keith Flint das Leben genommen, er wird schon wissen warum. Bei den meisten Todesanzeigen bekannter Musiker, die in den letzten paar Jahren gestorben sind, fehlte mir der persönliche Bezug. Klar, Mark Hollis von Talk Talk ist ein Verlust, aber seine großartige Musik begleitete mich damals allenfalls beim spielen auf dem heimischen Kinderzimmerboden. Bei The Prodigy ist das anders. die verfolge ich seit ihrem ersten Wirken in meinem Dunstkreis, als ich zu „Everybody in The Place“ vor dem Fernsehgerät tanzte. Oder es zumindestens versuchte. Ihre Musik habe ich immer gegen alle Ablehnungen meines Umfelds verfolgt, geliebt und verschlungen.

Und obwohl The Prodigy sicherlich weiterbestehen wird, darf ich behaupten, es wird anders sein. Als durchgeknallter Sänger hat Keith Flint den Iro für den Mann mit kreisrundem Haarausfall populär gemacht, den bösen Blick etabliert und meistens das getan, was man nicht von ihm erwartet hat. Blöd, dass die letzte Rebellion sein Leben beendete. Wo auch immer du jetzt bist, Keith. Falls du den Lagerfeld triffst, gib ihm eine Kopfnuss.

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

Das ist ein guter Beitrag, auch wenn ich für eine Sozialisation mit der Musik von „The Prodigy“ zu jung gewesen bin.
Aber warum sollte Keith Flint Karl Lagerfeld im Himmel eine Kopfnuss geben?

Victor von Void
Gast

The Fat of the Land (das Album mit Firestarter, Breathe, Smack My Bitch Up usw.) war zusammen mit Project Pitchforks !Chakra:Red! wohl der Grund, warum ich überhaupt elektronische Musik höre und final in der Schwarzen Szene ankam. Keith Flint mit seiner extremen Ästhetik und seinem irren Auftreten passte einfach in diese Zeit, für mich war er immer DIE Verkörperung des unangepassten, rebellischen Charakters, der aus dem Mainstream-Happy-Go-Lucky-Party-Sumpf herausstach, der die 90er so unerträglich machte.

Auseklis
Gast
Auseklis

war zusammen mit Project Pitchfork

Die haben sich ja auch reichlich bei den Wunderkindern bedient.

gagates
Gast
gagates

smack my bitch up auf der bravo hits kassette war eins der ersten lieder aus dem alternative bereich, welches mir richtig gut gefallen hat. hab’s dann auf meiner geburtstagsparty laufen lassen, kam bei den gästen nicht gut an. bin mit denen heute aber auch nicht mehr befreundet… ^^

Lox
Gast
Lox

Grüße@all

„The Fat of the Land“ war mein erstes Album was ich mir von meinem Taschengeld gekauft hatte, dieses „verfluchte“ Album begleitet mich durch mein Leben, mal liegt die Hülle in einer kargen Ecke im Schatten, mal ist die CD getrennt von der Hülle, mal ist beides zusammen und findet ruh in einem Stapel CD`s ganz tief unten, doch ändert sich die Stimmung wühlt sich das Album durch die anderen Alben wieder ganz nach oben. Die CD hat mitllerweile sehr viele Kratzer wie ein Teil meines Geistes, doch spielt sie noch, aber nicht immer clean, sondern gibt es schrille random schocker beim Abpielen.

Dies Album war immer bei mir, auch in meiner G-Off-Time.

Abschließend, R.I.P Flint – and breathe

Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

@Robert: Danke für deine Erklärung.
@Lagerfeld: Habe mir seine Aussagen gerade angesehen. Ohhh, gar nicht gut.
Kein Verlust, dass er Karl Lagerfeld nun tot ist. Möge Keith Flint ihm viele Kopfnüsse geben.