Propheten der Dunkelheit – 2017 im Zeichen des Post-Punk

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Etwa alle 10 Jahre wird der Goth-Szene ihr Untergang prophezeit. Die Gründe liegen scheinbar jedes mal auf der Hand. Nicht nur die neu hinzugekommenen Szene-Mitglieder treiben immer unverständlichere Blüten, sondern auch musikalisch scheint sich alles das, was zu Beginn der Dekade noch frisch und unverbraucht erschien, totgelaufen zu haben. Und neue Sachen? Goth bewahre! Alles schon mal dagewesen, alles nur eine Kopie.

Spontis behauptet: Alles Unsinn! Mit jedem Jahrzehnt wird man eines Besseren belehrt, denn auf dem fruchtbaren Boden, den die „Alten“ in den 80ern sähten, wachsen immer wieder neue Bäume. Natürlich, der schwarze Apfel, der auf diesen Bäumen wächst, wird dadurch nicht neu erfunden, doch immer wieder benetzen neue Geschmacksrichtungen den gruftigen Gaumen und können dem Geneigten wohl möglich ein freudestrahlendes Glucksen – wahlweise aber auch ein melancholisches schlurfen – entlocken. Selbstverständlich nicht bei allen. die Szene-Maurer mauern meterhoch um ihre Erstpressung von „Disintergration“ und Gothic-Katzen fauchen den Angreifer an, um sich dann auf der ewig drehenden „Vision Thing“ schnurrend einzurollen. Frei nach dem Motto: „Was der Grufti nicht kennt, wird nicht betanzt.“ Doch woran scheitert die musikalische Weitsicht? An fehlendem Nachwuchs kann es jedenfalls nicht liegen. Spontis zeigt eine Reihe von recht jungen Post-Punk Bands, die man auch 2017 im Ohr behalten sollte:

Das britische Duo Agnes Circle begibt sich mit ihrem Debüt-Album „Some Vague Desire“ auf Spurensuche in der Vergangenheit, denn ihre Musik knüpft nahtlos an die späten 80er Jahre an, einer Zeit, in der die beiden gerade geboren wurden. Für Bassistin Rachael Redfern kein Zufall, denn sie meint: „On a socio-political level, there are many similarities between the 80s and today. The pervasive sense of dread that many felt then is back again.“ Ihre Heimatstadt London bietet dazu die Kulisse und ist der Schmelztiegel eben dieser Strömungen, die sie selbst und ihre Musik beeinflussen.

Die französische Minimalistin Hélène de Thoury, die sich nach Phosphor und Minuit Machine nun ihrem Projekt Hante. widmet sich ebenfalls diesen Einflüssen, auch wenn ihr Zwiespalt größer erscheint: „How can we love this world that we destroy everyday. Where people kill other people because they don’t like the way they live?“ So nimmt sie die Sache selbst in die Hand und formt den Soundtrack, der für sie das Leben begleitet, lieber selbst. Ihr aktuelles Album No Hard Feelings trägt sicherlich ein Stück dazu bei.

Für Adam Usi sind möglicherweise genau diese „harten Gefühle“, die seinen Synthesizer-Sound maßgeblich beeinflussen: „Zu den tiefsten Gefühlen zählen meiner Meinung nach Traurigkeit und Melancholie. Vermutlich liegt das an meinem Wesen, aber Glück und Freude sind für mich schon immer temporär gewesen und damit uninteressant. Ich glaube in der schwarzen Szene für meinen Anspruch eine gute Plattform gefunden zu haben für das, was ich kann und vor allem machen möchte.“ Sein aktuelles Album „Vakuum Mirage“ ist der in Vinyl gepresste Beweis seines Könnens. Und so scheint es doch immer wieder junge Musiker zu geben, die den Boden, in dem ihr Baum wächst, zu schätzen wissen.

Im vergangenen Jahr haben sich zwei Stil-Mixe innerhalb der Post-Punk Szene etabliert, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch zueinander passen. Während Agnes Circle und Hante. eher die romantisch verträumte Darkwave und Coldwave Ecke bedienen, bewegen sich Selofan auf einer deutlich aggressiveren und punkigeren Ebene. Das die gefühlte Dunkelheit beide Genre eint, beweisen die Griechen nicht nur mit der Wahl ihres aktuellen Album-Titels (Originaltitel: „Στο Σκοτάδι“ was soviel heißt wie „In der Dunkelheit“), sondern auch durch die Quelle ihrer musikalischen und ästhetischen Einflüsse:  „Poetry is a basic source of beauty, some of our tracks are based on our favorite poems. But also the underworld princes, all outsiders, old rejected movie divas, drama and drag queens, gay culture, we are inspired by the extremes of passion in every thinkable way.

Die finnische Band Masquerade, die auch dieses Jahr auf dem WGT zu finden sein werden, sind der Ableger (oder Vorläufer) der Band Virgin in Vail und dürften dann doch den Post-Punk, der hier aufgrund meines persönliches Geschmacks sehr elektronisch ausfällt, wieder ein bisschen näher an die ursprünglich Intention heranführen. Auch optisch wieder ein bisschen szeniger präsentiert sich Sängerin Suzi Sabotage, obwohl sie sich selbst keine dieser Szenen unterordnen möchte: „I don’t really feel being part of any of those scenes – I don’t trust people in general, however they’re dressed like. I’m sort of a tribe of my own since I refuse to succumb to rules of any clique.

Das es vielen Musikern nicht nur um Aufmerksamkeit geht, sondern tatsächlich um eine Aussage, macht auch der mutige Gebrauch der Muttersprache deutlich. Zwarte Poëzie aus den Niederlanden sind da schwarz schimmerndes Aushängeschild. Edwin van der Velde fühlt sich seiner Sprache verbunden und „wollte den Leuten zeigen, was alles möglich gewesen wäre, wenn die Neue Welle in den 80ern auch in den Niederlanden halt gemacht hätte.“ Die schwarze Szene, von der er sich adoptiert fühlt, gibt ihm die Plattform sich musikalisch auszudrücken. Und so bleibt es nicht dabei, den alten Zeiten hinterherzutrauern, sondern den Blick nach vorne zu richten. Die aktuelle EP „Grijs Verleden“ (Graue Vergangenheit) liefert die perfekte musikalische Überleitung.

Lebanon Hanover, die schon fast zum alten Eisen der Newcomer zählen, darf man ebenfalls nicht aus den Augen lassen. Mit ihrem aktuelle Song „Babes of the 80s“ bringen sie genau die Dinge auf den Punkt, von denen auch die anderen Bands zeugen und der das musikalisch zusammenfasst, was viele von uns bewegt. 2016 ist der chronologische Abgrund in dem viele sich an Dinge wie Hoffnungslosigkeit und Unzufriedenheit erinnern, die auch schon in den 80ern das Leben derer bestimmte, die zu dieser Zeit aufwuchsen. Gefühle und Emotionen die auch im vergangenen Jahr omnipräsent waren, die manche in Wut und Hass kompensierten, während andere Traurigkeit und Melancholie empfanden. Und vielleicht ist das auch genau der Grund, warum „Gothic“ niemals aussterben wird, denn es wird immer Menschen, Künstler und Musiker geben, die sich nicht ins aktuelle Zeitgeschehen fügen wollen und sich der Traurigkeit stellen, als sich in Parolen und Aggressionen zu flüchten. Auch 2017 bleibt Post-Punk die prägende Musikrichtungen für die, die genauso fühlen wie Lebanon Hanover:

„These days it’s crucial to be silent and comfortable.
The exploitation of humanity – they learn to accept it all.
In my generation I will never fit in.
I should be sane but I want to murder, murder everyone.“

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Young and Cold
Gast
Young and Cold

Danke für den Artikel und die Erwähnung von Adam Usi :-)

Adam Usi – Vakuum Mirage „Vinyl“ erwerblich bei Young & Cold Records (https://www.facebook.com/youngandcoldrecords/)für 16,- / Reumah Tape für 6 Euro (nur noch 2 Exemplare vorhanden)

Wer kein FB besitzt >>> https://www.discogs.com/de/seller/YoungAndCold/profile oder Ebay http://www.ebay.de/itm/142240768354?ssPageName=STRK:MESELX:IT&_trksid=p3984.m1558.l2649

Seite A
1. Réumah > https://www.youtube.com/watch?v=RkmBKYiJ_oc
2. Chajé Sarah > bisher unveröffentlicht
3. Son > https://www.youtube.com/watch?v=Sn43ND2lnnw
4. Dilemma > bisher unveröffentlicht

Seite B
1. Shili > https://www.youtube.com/watch?v=TH1X-TnQ4tk
2. Opklung > bisher unveröffentlicht
3. Betuel > bisher unveröffentlicht
4. Bersheeba > https://www.youtube.com/watch?v=9tMmtAYgxfk
5. Nausea > https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=%2F
Adam Usi – Réumah
Vinyl: https://youngandcold.de/shop/adam-usi-vakuum-mirage-lp/ Bandcamp: http://ada…
youtube.com

teilzeitmonster
Gast
teilzeitmonster

In diese Liste würde auch ein Henric de la Cour sehr gut passen.
Beispielhaft anbei der Link zu der Single Chasing Dark: https://www.youtube.com/watch?v=Ih4_k3KC3Pc

Ein Ausnahmekünstler, der schon bei STRIP Music und Yvonne hat erahnen lassen, was in ihm steckt. Solo legt er seine Lebensgeschichte in jede Zeile – und wer sich mit ihm und seiner Person etwas beschäftigt, zieht immer wieder seinen imaginären Hut. Ein Künstler von dem wir hoffentlich in Zukunft noch mehr hören werdne.

T.S.
Gast
T.S.

Nun ja, nachdem ich mittlerweile rein rechnerisch bereits viermal den Untergang (und Szene-Tod) beschwört und prophezeit haben müsste (ganz zu Schweigen von den kulturpessimistischen Schüben und Anfällen zwischendurch…), so bekommt die (upgedatete?) „Szene“ in Punkto Mit-„Post-Punk“-Kuscheln sogar ausnahmsweise mal wieder von mir den „Güldenen Hoffnungsschimmer“-Preis verliehen…

Aber mal im Ernst jetzt: warum Formulierungen wie „2017 im Zeichen des Post-Punk“? Scheint ja im Trend zu liegen, den uralten Sammelbegriff (der noch nicht einmal wirklich eine signifikante musikalische Spielart definitiv festzunageln weiß, und auch nicht will – wie auch ganz so seinerzeit beabsichtigt) wieder auszugraben. Aber das taten die Musikjournalisten zum Anlaß von quasi-Revival-Bands Marke Franz Ferdinand, Interpol, Maximo Park und Konsorten bereits vor über 10 Jahren (also in etwa zum Zeitpunkt des letzten „Szene“-Untergangs…), als sie sich an Größen wie Gang Of Four, P.I.L., Joy Division, Magazine, Swell Maps, XTC oder Slits erinnert fühlten, und dies dementsprechend abarbeiteten. Daß es jetzt eine ganze Weile gedauert hat, bis die „Szene“ nun auch den Aufkleber „Post-Punk“ irgendwo abgefummelt hat, und schliesslich irgendwie retroseligen, ähem: „wavigen“ (ob nun „cold-„, „dark-„, „minimal-“ oder „synth-„, etc.) Newcomer-Bands und -Projekten aufzupappen, verwundert mich schon irgendwie (hat sich die „Szene“ zwischendurch zu lange und zu viel an/bei „Future-Pop“, Glühwürmchen-„Industrial“, „schwarzer“ deutscher Schlagermusik, etc. aufgehalten? ;-) ).

Anyway, es sei jedem seine Auslegung von „Post-Punk“ gegönnt, wobei „Postpostpost-Punk“ ja fast schon zutreffender wäre. Und daß es den altehrwürdigen Begriff gar schon vor dem Stilungeheuer „Gothic“ gab, lässt sich im empfehlenswerten Buch „Rip it up and start again (Postpunk 1978 – 1984)“ sehr schön nachvollziehen. Dazu gibt es sogar eine CD-Compilation (ob der Nachwuchs-„Szene“-Postpunk allerdings damit glücklich werden würde? Hmmm, ausprobieren!).

Aber genug der Dünkel, Erbsenzählereien und Schwarzmalerei: so wie in den oben aufgeführten „Tipps“ lasse ich mir den Post-Revivalrevival-Post-Punk sehr gefallen. Da fühlt man sich doch glatt wieder wie vor dem ersten Szene-Tod-Prophezeihen, nostalgiert selig vor sich hin, bei einem leckeren Gläschen neuen Weins aus alten Schläuchen. Ja, so lobe ich mir doch die neuerfundene (!) „schwarze“ (Post-Punk)Szene. Und wer nicht genug davon bekommen kann, hier noch ein paar (relativ) newcomerische namedrop(p)s (dem einen oder der anderen aber vielleicht schon bekannt…): Doric, She Pleasures Herself, Rendez-Vous, Whispering Sons, Bestial Mouths, Eagulls, A Projection, Komplikations, Veil Of Light, Kline Coma Xero, Motorama, Qual, Nun, All Diese Gewalt, Shadowhouse, Luminance, Kaelan Mikla, Equinoxious, Soft Kill, Ritual Howls (was mir nur mal gerade spontan eingefallen ist, da gibt’s aber noch undundund… – Augen und vor allem: Ohren auf, es lohnt sich wieder…).

Und vielleicht ist es ja wirklich so, daß es manchmal eben alter Slogans, Begrifflichkeiten, Stile und Erscheinungsformen in leicht upgedateter Form bedarf, um halbwegs bewegende, bzw. „ernstzunehmende“ (huah!) Kunst, bzw. – in diesem Falle speziell – „Musik zur Zeit“ (auch wieder eine alte Beschreibung, ausgeliehen bei „spex“ der 80s…) zu produzieren und zu veröffentlichen…

Tanzfledermaus
Autor

Ich hätte auch noch ein paar musikalische Tips
(wobei ich jetzt nicht geschaut habe, wie lange die Bands schon existieren, aber deren Veröffentlichungen, die ich kennen lernte, sind alle von nach 2010):
– Ascetic:
– Bleib Modern
– Cold Showers
– The Foreign Resort
– Modern Eon
– Principe Valiente
– Then Comes Silence

Inzwischen schon etwas länger aktiv sind:
– The Exploding Boy
– The Search

T.S.
Gast
T.S.

Hallo @Tanzfledermaus,

Modern Eon ist zwar einen guten Tipp wert (und würdig), allerdings eher in der Rubrik „Schätzchen von Gestern“. Will heissen, die Band hat sich bereits Ende 1981 aufgelöst. Und deren empfehlenswertes (und einziges) Album „Fiction Tales“ stammt aus dem nämlichen Jahr. Folglich ein New Wave-Klassiker von anno dunnemals. Neben der LP kamen damals (zwischen 1979 und 1981) noch eine Handvoll Singles auf den Markt, von denen „Euthenics“ wohl die bekannteste und erfolgreichste geworden ist.
„Fiction Tales“ wurde zwar 2012 nochmals als Re-Issue aufgelegt, allerdings lediglich im CD-R-Format (on demand). Gab auch noch ein CD-R-„Bootleg“. Von daher ist die Anschaffung einer der damaligen Vinylausgaben durchaus empfehlenswert(er).

Tanzfledermaus
Autor

Ooops, da hab ich mich heute morgen auf die Eile vor dem Weg zur Arbeit doch glatt verguckt. Nun ja, kein Wunder, dass die dann so schön „alt“ klingen ;-)
Danke für die weiteren Infos :-)

Dennis
Gast
Dennis

denn auf dem fruchtbaren Boden, den die „Alten“ in den 80ern sähten, wachsen immer wieder neue Bäume

Danke, Du sprichst mir aus der Seele bei dieser ewig untoten Szene, die schon dutzende Male gestorben sein muss, ehe ich sie auch nur entdeckt habe. Minus x Minus gibt halt Plus, und tot x tot wird quicklebendig. Nicht nur dank Postpunk :-)

Fraoch
Gast
Fraoch

Ein wenig Interessantes was mir aus den letzten Jahre spontan einfällt:
This Cold Night
Belgrado
Soror Dolorsa
Liar in Wait
Then Comes Silence
Ascetic
13 Bats
Merciful Nuns(Sicher kein Newcomer)
Aeon Sable
Sanne de Neige

Victor von Void
Gast

@Fraoch Zu Merciful Nuns: „Sicher kein Newcomer“ ist noch untertrieben, immerhin gab es deren Vorläufer-Band Garden Of Delight seit 1990 :D Aber die Band gehört definitiv auf die Liste. Wen es interessiert, ich habe hier mal einen kleinen Überblick über Ihre Geschichte mit entsprechenden Videos gewürzt.
Aeon Sable habe ich kürzlich live gesehen und kann sie jedem nur empfehlen (sie spielen auch beim WGT).
Ich würde vielleicht noch Christine Plays Viola und She Past Away zur Liste hinzufügen.

Der_Melord
Gast
Der_Melord

Guten Abend meine Damen und Herren,

ich denke das dieses Prophezeien des Endes der schwarzen Welt auch damit zu tun hat das die Gothic-Kultur schon etwas … nun ja, „elitär“ wirkt, eine fremde Welt wo Neulinge nur schwer vollen Zugang finden wenn sie nicht gerade von The Sisters of Mercey, NIN, Joy Division, Bauhaus und Co. schwärmen.
Die schwarze Szene entwickelt sich, durchlebt eine Evolution – und genau diese Entwicklung erhält die Szene meine Meinung nach am Leben.
Within Temptation ist auch nicht das was ich jetzt als „klassisch Gothic“ definieren würde – aber durch diese Band kam ich hauptsächlich in die schwarze Szene.
Wenn nun etwas Neues, Modernes rein kommt und nicht direkt „klassisch Gothic“ ist dann sollte man sich das trotzdem anhören, vielleicht ist es was gutes was zur Gothic-Szene beiträgt, und wenn nicht hat man halt mal 5 Minuten „vergeudet“.

Ich freue mich das ich auf den Artikel gestoßen bin (zugegebenermaßen durch den über Massenhysterie) – denn die weitere Post-Punk-Bands werde ich definitiv verfolgen.

LG
LE Der_Melord

Markus
Gast
Markus

Meine derzeitigen „Newcomer“-Favoriten:

Arnaud Lazlaud – „Les Invisibles“ und „Allumeuses S-F“
OLMS – „Infinity“
In Death It Ends – „We All Die“

YouTube ist wirklich eine wahre Fundgrube für (Neu)Entdeckungen. Man wünscht sich, so ein Tag hätte 48 Stunden zum Verplempern…

Fraoch
Gast
Fraoch

@Der_Melord:

Hören kann doch jeder was er möchte. Die Schwarze Szene bietet nahezu einem jeden einen musikalischen Anknüpfungspunkt.

Ich höre z.B. sehr viel Gothic Metal, der heute z.B. von Gruppen wie Fatum Elisum, MurkRat oder Angellore kommt. Ich kenne keinen Club der mir das heute noch bietet, was auch kein Drama ist, aber eben festzustellen. Ist auch kein Gothic, kein Dark Wave und kein Post-Punk, also auch nicht Teil der Gothic-Szene, schon aber der Schwarzen Szene. Wer nun so Symphonic-Zeugs wie Within Temptation und Nightwish hören möchte kann das, und kann das auch im weiten Feld der Schwarzen Szene und es stellt dort kein Problem dar. Mit Gothic hat das zwar nichts zu tun, aber nimmt man mal den Szeneinternen frötzeligen Subszenenrassismus nicht all zu ernst, bleibt es Teil des großen Ganzen.

Problematisch finde ich es eher wenn jemand unkt es hätte keinen Szenebezug, wenn im Club mal Transmission läuft oder wenn Gruppen wie Skinny Puppy oder Laibach eine Festivalbühne entern. Dann bestenfalls noch Laibach als Rammstein-Kopie abtun, da wird es richtig komisch und da verdrehe ich auch schon die Augen ein wenig.

Andererseits habe ich ein reines Kategorisierungsproblem wenn Hinz und Kunz Gruppen wie ASP oder The Birthday Massacre und Artverwandtes als Gothic Rock bezeichnen. Ohne eine Debatte über die Qualität von solchen Bands führen zu wollen, aber wenn mir jemand sagt er habe eine starke Gothic-(Rock-)Band gefunden, die ich nicht kenne, dann sollte man schon klar haben was denn überhaupt mit dem Begriff gemeint ist. Gothic Rock ist frühe Bauhaus, ist frühe Christian Death, ist frühe Sisters of Mercy, ist Sex Gang Children …

Einfach gehaltenes treibendes Schlagzeugspiel, reduziert, oft hoch gespielte Gitarre mit Flangern- und Delay-Effekten, ein nicht selten dominierender und melodieführender funky (Bauhaus) bis punky (Sisters) Bass und entweder quitschiges Gejaule (SGC) oder sonor-deprimiertes Gebrummel (Sisters) als Gesang. Das ist Gothic Rock.

… ASP u.ä. ist kein Gothic Rock. Within Temptation ist ebenfalls kein Gothic, weder Goth-Rock noch Goth-Metal (wobei das Debüt … aber, egal).

Der Geschmack in der Schwarzen Szene ist breit gefächert und alles hat für mich seine Berechtigung. Wer bin ich jemanden vorzuschreiben was nun richtig oder falsch Schwarz sei. Aber eine gewisse Unwissenheit über jene Szene welcher man selbst angehört ist gerade in dieser Szene eben auch weit verbreitet. Es ist kein Problem wenn jemand Joy Division und Bauhaus nicht mag, es ist mir unverständlich und vielleicht etwas suspekt, aber ich habe kein Problem damit. Aber Klarheit in den Vokabeln und etwas Traditionsbewusstsein schaden auch nicht. Gerade die Klarheit in den Vokalben sollte m.M.n. stimmen, sonst reden alle einfach nur noch aneinander vorbei.

Zinsman
Gast

Ei gucke da … spät aber nicht zu spät^^ … entdeckt , meine ich.

Allerdings werde ich mir keine Schubladen-/Musikstildefinitionshoheit anmaßen.

Gute Musik ist dazu erschaffen worden und wird Goth sei Dank noch weiterhin erschaffen um uns Menschlein zu berühren … in welcher Form auch immer.
Meinereiner hat sich für die dunkle Ecke entschieden, ohne den Blick oder besser den Ohrwurf über den Tellerrand zu verlieren!

Natürlich ist bei der Bandbreite der Musikstile, die sich inzwischen in der dunklen Ecke tummeln, von einem einzelnen kaum zu erwarten, daß der Lauschvorgang bei allen Dunkelspielarten ohrenkrebserregungsfrei verläuft^^ … Dafür aber wurde ja dem Menschenwesen die Fähigkeit zur Auswahl gegeben^^ … Warum diese Auswahl allerdings bei so manchem Vertreter recht spärlich ausfällt, selbst innerhalb eines Genres, weiß wohl nur die Fledermaus ;-) … Diverse Schlaumis predigen die Stangnation und den Untergang in regel- oder unregelmäßigen Abständen und sind aber nicht selten diejenigen, die sich Null informieren oder gar mal herumforschen oder eben warten, bis Neuheiten von einer undefinierbaren Mindestanzahl von Leuten auch gehört und betanzt werden. Dann jedoch finden sie das aber soowas von gut und wollen es laufend hören und können garnicht verstehen, dass die anderen schon ein Stück weiter sind und die vermeintlichen Neuheiten schon zu Gruft-Oldies geworden sind. Aber genug der Lästerei^^ … ich werde mich dann fürderhin auf’s Empfehlen beschränken:

Hier ein paar kleine Entdeckungen oder vielleicht auch Wiederentdeckungen:

Univers
BFG
Box And The Twins
Brandenburg
Contré Jour
Der Himmel über Berlin
Hapax
Holygram
Iamtheshadow

Das erstmal fürs Erste ;-)

Greetz in die Runde

Zinsman
Gast

Eins muss ich doch noch loswerden^^ … Ich denke es ist soooooowas von überflüssig Bands auf Devil-komm-raus in eine Schublade quetschen zu wollen und aus meiner langjährigen Zeit als Interviewer weiß ich nur zu gut, dass die Bands in den meisten Fällen höchstens in zweiter oder dritter Hinsicht wirklich genau darüber nachdenken, in welcher Schublade sie wohnen dürfen^^. Nicht selten verneinen sie sogar kategorisch das, was sich der gemeine Lauscher für sie an Schubladisierung ausgedacht hat:

Nicht zwingend mein Geschmack aber nurso als Beispiel: Letzte Instanz – Mittelalter – Nööö! sagen se. … Within Temptation – Gothic Metal – Nööö! sagen se! usw. usf.

ASP kein Gothic Rock? … Was sonst? Metal isses nich, Hard Rock auch nich unbedingt, Grunge – nö, Alternative Rock … schon auch irgendwie aber is auch ein recht allgmeiner Begriff, genauso wie Gothic Rock^^ … da wären wir wieder bei den Unterschubladen … möööglicherweise entwickelt sich ja auch so ne Musikrichtung im Laufe der Jahre^^ … Einflüsse von hier, Einflüsse von da und schwupp klingt Gothic Rock wie ASP … der Gothic Rock von früher is dann wohl so was wie Traditional Gothic Rock und evtl. kann man ASP als Modern Gothic Rock eintakten … ist mir eigentlich auch Wumpe, da ich die Kapelle eh nich mehr hören mag aber nurmalsoangemerkt^^ … das solls aber auch gewesen sein … hoffe ich^^

Fraoch
Gast
Fraoch

ASP kein Gothic Rock? … Was sonst?

Na Rockmusik eben. Wo ist denn das Problem anstatt eine Band in eine feingliederige Schublade pressen zu wollen in welche sie nicht passt und niemals passte einfach mal auch kein neues oder altes Etikett zu bemühen sondern es beim Allgemeinposten belassen.

Der Gothic Rock hat ausdifferenzierte Stilmerkmale um die sich Thompson (Schattenwelten), Mercer (Gothic Rock Black Book), Reynolds (Rip It Up and Start Again) und einige andere Journalisten lange Gedanken gemacht haben. Das ist ein abgeschlossener Begriff und eben kein „recht allgmeiner Begriff“.

Gothic Rock, da bleib ich bei, ist einfach gehaltenes aber treibendes Schlagzeugspiel (wenig Becken, viel TomToms), manchmal wird kein analoges Schlagzeug sondern ein Drumcomputer genutzt, eine reduziert (oft hoch und schnell auf zwei Saiten, später kam auch die Steelguitar dazu) gespielte Gitarre mit Flangern- und Delay-Effekten, ein funky bis punky Post-Joy-Division Bass der nicht selten Melodieführend ist und entweder quitschiges Gejaule oder sonor-deprimiertes Gebrummel als Gesang. Das schrieb ich in etwa oben schon und das ist was man erwartet wenn man sich mit GOTHIC ROCK ernsthaft befasst und nicht nur mit dem bis ins seltsamste verwurstete Etikett dass sogar auf Unheilig geklebt wurde befasst. Reden wir ernstzunehmend über Musik, nicht über Geschmack, sondern über Stilbegriffe, dann muss man klar haben wann wo und wie ein Stil definiert wird bzw. wurde. Als Fixpunkt des Gothic Rock gelten Alben wie Juju von den Banshees, In the Flat Field von Bauhaus und die The Reptile House EP der Sisters. Damit war dann eigentlich bereits alles im Gothic Rock gesagt, danach folgten vornehmlich Varianten, Neuformulierungen und Hybride der gleichen Idee.

Das hat mit der Musik von ASP doch nicht wirklich viel Gemeinsamkeiten. Die ist Synthesizer- und Keyboardlastiger, das Schlagzeug ist dynamischer, ein wenig am 90er/00er-Alternative-Rock orientiert, das Gitarrenspiel ist fetter, Hard-Rockiger und oft schon mit Power-Chords a la Dark Rock (HIM, Secret Discovery, Zeraphine) oder Neue Deutsche Härte (Rammstein, Megaherz) zugange. Dazu kommen einige Folkelemente. Klar ist das irgendwie düsterer Rock, aber es ist kein Gothic Rock.

Letzte Instanz – Mittelalter – Nööö! sagen se. … Within Temptation – Gothic Metal – Nööö! sagen se! usw. usf.

Und womit? Mit Recht. Letzte Instanz haben folkige Anteile aber Mittelalter-Rock a la In Extremo oder Subway to Sally tauchte da jenseits des Debüts eher selten auf. Diese Dudelsack- und Schalmei-Nummer haben die kaum gebracht. Kalter Glanz war z.B. ein fettes Alternative-Metal-Album, dass sich offen bei Faith No Mores Angel Dust bediente. Within Temptation hatten auf ihrem Debüt Anleihen von My Dying Bride, Paradise Lost (Gothic, nicht davor und kaum noch danach), Anathema (die ersten drei) und Tiamat (Astral Sleep bis Wildhoney), sich danach aber offen an Nightwish orientiert. Und Nightwish sind in etwa so viel Gothic-Metal wie Helene Fischer.

Zinsman
Gast

Könnte ´ne Endlosdiskussion werden ;-) … aber mal grundsätzlich gesprochen … Musik ist für mich ne Gefühlssache und in Stein gemeißelt is für mich gleich mal garnichts … diese Huldigung der Steinmeißelkunst ist mir irgendwie zu gestrig und das trotz meines hohen Alters*fg

Warum ich „in Stein gemeißelt“ nicht akzeptieren kann? … ganz einfach … bevor es Rockmusik gab, gab es logischerweise keinen Classic Rock. Dann gab es auf einmal den Rock der heutzutage Classik Rock genannt wird und da klingt weiß Goth nicht jede Band gleich. Da kamen so Sachen wie Psychedelic -, Progressive -, Glam -, Punk -, Sleaze Rock usw. und dann so späterdings Alternative -, Indie -, Stoner – und Schießmichtot Rock etc. … da hab ich jetzt mal die ganzen Unter- und Unterunterschubladen weggelassen … aber ausgerechnet der gute alte Gothic Rock bleibt wie er ist und es ist quasi „unter Androhung von Strafmaske“ verboten irgendetwas dran zu rütteln … Oh ja … ganz bestimmt wird es so sein ;-)

Ich für meinen Teil gestehe dem Gothic Rock genau das gleiche Recht zu wie dem Metal … nämlich das Recht sich zu entwickeln, sich aufzusplitten, sprich Abspaltungen zu bilden usw. … wenn ich per Definition an Musik herangehen müßte, dann wäre das furchtbar langweilig und vor allem aber ein Diktat von selbsternannten „Experten“ … jedenfalls für mich .. wer das anders sehen will .. Bitteschön! … Ich werde jedenfalls nicht damit anfangen, Kapellen die sich selbst als Gothic Rock Band sehen, (in welcher Variation auch immer) die eigene Sichtweise und das Musikselbstverständnis madig zu machen, so nach dem Motto:“Hey Leute ihr macht keinen Gothic Rock, der muss anders klingen, also denkt mal darüber nach, was ihr da eigentlich treibt und dann definiert euch mal neu!“. … Anders ausgedrückt … Kapellen in Schubladen hinein zu pressen finde ich genauso unsinnig, wie die kategorische Verbannung einer Musikformation aus einer Schublade.

Um nochmal auf ASP zu kommen … wenn mich nich alles täuscht, erinnere ich mich an eine Aussage von Herrn Spreng, daß man, wenn man uuuunbedingt ne Schublade finden will, dann solle man sie doch in die Gothic Novel Rock Schublade stecken. Desweiteren behauptet auch Nightwish nicht von sich Gothic Metal zu zelebrieren, sondern sieht sich als Power Metal Kapelle. Hole ich nicht irgendwo her, sondern hamse mir im Interview mitgeteilt(Nein mit Frau Turunen durfte ich nicht parlieren, die war unpässlich damals in EF. Marco hat sich meiner erbarmt ;-)).

P.S.: Ne Map of Dark Music könnte diese Weltkarte sprengen ;-) … aber vielleicht schwingt sich ja mal einer auf. Der gute Gothic Rock is doch glatt auch auf der Metaller Map vertreten. Gucke einer schau ;-)… und was auch noch faszinierend ist … was son Metaller ist, der jetzt nicht allzu eng gestrickt auf eine Schublade festhängt, der weiß wohl, daß Heavy Metal, Death Metal etc. trotzdem alles Metal ist und sich aus dem Rock/ Hard Rock entwickelt hat … nur der ein oder andere Gruftman muß mal wieder steinerne Grenzen errichten. Hinter jenen ist alles was anderes und unvergleichbar … Juhu.

P.S. 2: Ich finde es übrigens eine fürchterliche Unsitte, sich Textfetzen heraus zu zitieren und nicht auf den Gesamtbeitrag zu antworten … falls ich damit anecke … GUT! … soll so sein!

Fraoch
Gast
Fraoch

Ich glaube wir schreiben hier auf unterschiedlichen Ebenen. Mir geht es um einen Stilbegriff und Gothic Rock ist ein Stilbegriff. Du scheinst hier mehr einen schwammigen Sammelbegriff zu meinen. Zu dem Stilbegriff Gothic Rock gibt es eine Stildefinition die sich in den 1980ern bildete, das geschah unter Bezeichnungen wie Positive Punk oder Punk Gothique und später eben Gothic Rock. Die erste handfeste Auseinandersetzung mit diesem Stilbegriff lieferte Mick Mercer dessen Buch dazu beitrug, dass sich der Begriff Gothic Rock für die Musik durchsetzte. Danach beschäftigten sich weitere Autoren mit dem Thema und verengten, operationalisierten und definierten die Begrifflichkeit. Gothic Rock ist relativ breit aufgestellt. Aber dennoch ist ein Stil ein Stil. Das gleiche gilt für Psychedelic-, Stoner-, Glam- und Sleaze. Es gilt für Sludge, Death-Doom, Mathcore und die meisten Musikstilbegriffe. Ein paar Begriffe beziehen sich allerdings auf eine Ideologie oder ein Konzept zum Teil auch zum Teil ausschließlich.
Von mir aus können wir uns darauf verständigen, dass „Gothic“ darauf folgend auch zu einer Art reichlich missverständlichen Sammelbegriff für jeden irgendwie in der Schwarzen Szene aufgeschlagenen Kram wurde, ebenso wie „EBM“ und „Industrial“ heute in der Szene auf Kirmestechno und House-Musik geklebt wird, aber als STILBEGRIFF sind Gothic Rock sowie EBM klar ausdifferenziert und Industrial war eine soziokulturelle Kunst- und Musik-Bewegung der späten 1970er und frühen 1980er. Wer das nicht begreift und nicht begreifen möchte sollte zum Thema MusikSTIL besser garkeine solche Diskussion führen. Das Getue mit Gefühlssache ist da ja totaler Käse -darum geht es nämlich nicht. Geschmack steht jedem frei und fertig- und auch die Idee mit der Map auf Gothic Rock als Kernelement zu verengen ist Quatsch. Die musikalische Basis der Ur-Szene lag in zwei Bereichen 1. Post-Industrial und 2. Dark Wave, darauf bauten etliche folgenden Entwicklungen auf. Allerdings kam auch jede Menge Kram zwischen Crossovererscheinungen und Neubesetzungen hinzu. Metal z.B. drang, nimmt man mal die Hard-Rock-Spielerei der Fields und der Sisters in den späten 80ern raus, über eine Weiterentwicklung des Industrial Dance zum Industrial Metal und die Gothic Metal genannte Hybrideerscheinung des Death Dooms mit Dark-Wave-Elementen in die Szene. Aufbauend auf diesem Schritt Übernahmen z.B. Lacrimosa Thrash- und Power-Metal-Elemente und Therion Wave-Ideen, wodurch dann der Symphonic initiiert wurde, der mit Nightwish und Co. zu einem der wesentlichen Metalstile der Szene wurde. Parallel drangen weitere Metalinterpreten wie z.B. Type 0 Negative in die Szene auf deren Werk Gruppen wie Zeraphine, HIM, the 69 Eyes und Co. den Dark Rock aufbauten etc. pp. Natürlich ist das alles Szene und es ist alles Schwarze Musik, aber nichts davon ist Gothic Rock.
Dabei geht es also nicht um Geschmack oder die Szene. Es geht darum das das eine ein längst abgesteckter Stil ist und das andere eben nicht mit diesem Stil zu vereinen ist. Ein Stil basiert auf musikalischen und gelegentlich hinzukommenden ideologischen Merkmalen und nicht auf der groooooßen Szene. Insofern haben auch Nightwish Recht. Gothic Metal haben die nie gemacht, jeder der anderes behauptet gehört mit Gothic, The Astral Sleep, Serenades und As the Flower Withers wochenlang zwangsbeschallt, denn das ist Gothic Metal. Sowas machen heute noch Gruppen wie z.B. Fatum Elisum oder Lethian Dreams. Die Musik von Nightwish ist Power Metal mit Orchesterarrangements und Sopransängerin, was in der Form eben häufig als eine der populärsten Ausprägungen des Symphonic Metals gilt.

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Wenn wir über „Gothic Rock“ als Musikstil reden, reden wir damit auch über seine stilistischen Eigenheiten, welche ihn gegenüber anderen Stilen abgrenzen.
Fraoch hat treffend zusammengefasst, was des Gothic (Rock)s Kern ausmacht. Ich möchte bei den Gitarren nur noch ergänzen, dass bei den Effekten neben Flanger- und Delay auch der Chorus verdammt wichtig ist (ab und an auch angezerrt) und sehr häufig keine Akkorde, sondern Arpeggios gespielt werden (nicht immer als direkte Tonfolge, oft auch unterbrochen).

Man schaue sich jetzt mal bekannte Bands wie ASP an (die ja nicht direkt den Terminus „Gothic Rock“, sondern ihre eigene, durchaus treffende Kreation nutzen) und vergleiche. Selbst das ungeübteste Ohr wird schnell feststellen, dass die irgendwie nicht so klingen wie die Bands von Susi, Robert,dem Andrew oder weiteren bekannten Wegbereitern des Stils – Auch hier hat Fraoch das ziemlich treffend dargelegt.

Das vorneweg.

Nun @ Zinnmann:

Ich versuche mal auf einige Punkte deines Beitrags einzugehen. Sollte ich ein Zitat wider meiner Absicht aus dem Zusammenhang gerissen haben, sags einfach.

Ich für meinen Teil gestehe dem Gothic Rock genau das gleiche Recht zu wie dem Metal … nämlich das Recht sich zu entwickeln, sich aufzusplitten, sprich Abspaltungen zu bilden usw.

Ich auch, und das hat er tatsächlich dann auch im Lauf der Jahrzehnte. Nicht umsonst gibt es Spielarten wie „Ethereal“ oder „Shoegazing“, welche noch effektreichere Gitarrenwände einbauen und dazu meist hellen, träumerischen Frauengesang einsetzen. Mal ganz abgesehen von der eigenen Entwicklung (Verlust der Punk-Wurzeln, stufenweiser Einbau von Hard-Rock und elektronischen Elementen usw.)

Ich werde jedenfalls nicht damit anfangen, Kapellen die sich selbst als Gothic Rock Band sehen, (in welcher Variation auch immer) die eigene Sichtweise und das Musikselbstverständnis madig zu machen, so nach dem Motto:“Hey Leute ihr macht keinen Gothic Rock, der muss anders klingen, also denkt mal darüber nach, was ihr da eigentlich treibt und dann definiert euch mal neu!“.

Das ist wahrlich vergebliche Liebesmüh. Mich zumindest ärgert es trotzdem, wenn Bands sich mit falschen Federn schmücken.

Und wie soll ich mich denn über Musik austauschen, wenn ich Gothic meine und mein Gegenüber dann über Metal, Irgendwas-Rock – oder schlimmer noch – Elektro redet? (nicht wertend gegenüber den jeweiligen Stilen gemeint!).
Kategorisierungen sind in Punkto Kommunikation also schon notwendig. Und das hat dann auch nichts mit „Huldigung der Steinmeißelkunst“ zu tun.

Ne Map of Dark Music könnte diese Weltkarte sprengen ;-) … aber vielleicht schwingt sich ja mal einer auf. Der gute Gothic Rock is doch glatt auch auf der Metaller Map vertreten. Gucke einer schau ;-)…

Nunja, vermutlich weil manche anfänglich Gothic Rock spielenden Bands, bspw. Secret Discovery, härter und „metallischer“ wurden, sprich Spielarten des Metal einfließen ließen oder übernahmen. Da wären wir dann bei einer Ausprägung des Gothic Metal.

und was auch noch faszinierend ist … was son Metaller ist, der jetzt nicht allzu eng gestrickt auf eine Schublade festhängt, der weiß wohl, daß Heavy Metal, Death Metal etc. trotzdem alles Metal ist und sich aus dem Rock/ Hard Rock entwickelt hat … nur der ein oder andere Gruftman muß mal wieder steinerne Grenzen errichten. Hinter jenen ist alles was anderes und unvergleichbar … Juhu.

Selbst ein Goth im engeren Sinne ist sicher nicht nur auf Gothic Rock beschränkt, sondern hört auch Verwandtes aus der Gitarren-orientierten Wave-Ecke (Post Punk i.w.S., Cold Wave, Ethereal) samt Deathrock, sofern er nicht auch noch auf die synthiebasierende, elektronische Seite schaut.

Metaller haben ihre umfangreiche Metaller-Spielwiese
Und die Goths/Gruftis und Schwarzen eben die ihre :)
Da unterstelle ich keinem pauschal eine eingeschränkte (Musik-)Sicht. Nur einzelnen Individuen, wenn sie sich entsprechend ignorant outen.

@ Robert:

Wenn du Gothic Rock suchst, wirst du kaum aktuelle Bands finden, die diesen Stil noch konsequent verfolgen

Und was ist dann mit den Mengen an Bands, die in den letzten Jahren nachgekommen sind und sich bei dem Repertoire des Gothic Rock bedienen?
Allein hier in den Kommentaren hier sieht man doch nen aussagekräftigen Haufen :)
Sicherlich wird auch neueres Equipment als von anno dunnemals verwendet (Synthies u.ä.) und dies teils etwas anders (mehr Hall im Gesang beispielsweise), sodass heutige Bands nicht mehr genauso klingen, das finde ich jedoch sehr reizvoll.

Fraoch
Gast
Fraoch

Nach meinem Beitrag von gestern Nacht, der vielleicht noch freigegeben werden muss, vielleicht aber auch ins digitale Nirvana gerauscht ist, habe ich noch ein wenig über das Thema gegrübelt. Klar scheint mir, dass wir hier sehr differente Begrifflichkeiten ansetzten, bzw. dem gleichen Begriff unterschiedliche Bedeutungshintergründe zuschreiben. Das ist gewiss typisch für unsere Postmoderne die nahezu jeden Anspruch auf Universalität verloren hat, gerade daher ist es um so immanenten sich da wo solche Unstimmigkeiten aufkommen zuvorderst über das genutzte Vokabular zu verständigen.

Was Du schreibst geht anscheinend von Gothic Rock als Oberbegriff für kulturell an die schwarze Szene geknüpfte Rockmusik aus. Was ich schreibe geht von Gothic Rock als Stilbegriff des von Gruppen wie Bauhaus und Sex Gang Children etablierten Stils aus. Dein Verweis auf den Metal verdeutlicht da nur die Diskrepanz. Metal als solcher ist ein immenses Konglomerat unterschiedlichster zum Teil miteinander nicht zu vereinender Stile. Es ist ein Oberbegriff. Gothic Rock ist das in meinem Verständnis nicht. Da liegt der Unterschied. Bleiben wir bei ASP, ohne Frage ist das eine Rockband der Schwarzen Szene, sie ist kulturell dieser Szene eindeutig zuzurechnen, aber sie ist musikalisch weit von dem entfernt was Gothic Rock als Stil ausmacht. Äquivalent dazu kann mann Sunn O))) kulturell und in einem postmodern und dekonstruktivistischen Blickwinkel auch musikalisch dem Metal zuordnen. Heavy Metal als gezielter und abgegrenzter Stilbegriff wie er für Judas Priest und Iron Maiden geläufig ist, ist allerdings Äonen von dem was Sunn O))) machen entfernt. Für diese Diskrepanz in der Schwarzen Szene haben Autoren, Kultur- und Sozialwissenschaftler den Ausdruck Schwarze Musik als Oberbegriff für die Szenemusik geprägt. Von dieser Warte aus schreibe und argumentiere ich.

Fraoch
Gast
Fraoch

Und wie soll ich mich denn über Musik austauschen, wenn ich Gothic meine und mein Gegenüber dann über Metal, Irgendwas-Rock – oder schlimmer noch – Elektro redet? (nicht wertend gegenüber den jeweiligen Stilen gemeint!).

Exakt so sehe ich das auch.

Zinsman
Gast

Ich bin jetzt wenig an Haarspalterei interessiert von daher ist die Sichtweise aus der heraus man argumentiert mit Sicherheit entscheidend aber um meine nochmal etwas zu verdeutlichen. Natürlich sehe ich Gothic Rock nicht als Oberbegriff für die ganze Bandbreite der Dunkelmucke sondern lediglich für gothicmäßige Rockmugge halt. Ich kann mich mit Sicherheit mit ner Unterteilung in klassischen Gothic Rock (wie beschrieben), neuzeitlichen Gothic Rock usw. usf. anfreunden.
Keine Band wird das Rad noch neu erfinden können. Unterscheidungsmerkmale können letztlich nur noch durch Stilkombinationen erzeugt werden …

Was die Geschmacksbandbreite einzelner angeht, so ist allerdings in den letzten Jahren schon schwer der Trend in Richtung Kleinstgruppenaufspaltung zu verzeichnen gewesen. Das mangelnde Verständnis für Musik aus der unmittelbaren Schubladennachbarschaft schien zum guten Ton zu gehören. Diese Tendenz scheint wieder etwas nachzulassen. Kann aber auch regional unterschiedlich sein.

Was man so durch’s auflegen und veranstaltern mitbekommt … die gleiche Diskussion vom Grundsatz her geht in der Elektroabteilung um ein vielfaches schärfer vonstatten und bei der geringsten Abweichung vom geliebten UnterUnterUnterstil tobt die eine Fraktion, wie von der Tarantel gestochen von der Tanzfläche und die andere strömt drauf, natürlich nicht ohne mißbilligende Blicke der flüchtenden Fraktion. Sorry aber dit is für mich krank.

Fraoch
Gast
Fraoch

@Zinnmann: Dann werde doch bitte mal konkret, was ist deinem Verständnis nach denn „gothicmäßige Rockmugge“ und was Rockmusik der Schwarzen Szene die darüberhinaus geht? Und wo ziehst Du die Grenze?
Du schreibst, dass Du keine Haarspalterei betreiben magst. OK, aber Du deutet hier gerade einen Begriff um und das entgegen der gängigen Beleglage wissenschaftlicher Aufarbeitungen der Szene, ohne das von Dir postulierte Verständnis des Begriffes irgendwie Greifbar zu machen. Da hakt es für mich. Entweder kannst Du klar umreißen was Du meinst, oder Du kannst es nicht. Dann brauchst Du aber auch nicht so tun als seien die anderen, insb. ich, diejenigen die hier Haarspalterei betreiben.

Wie gesagt, zuerst sollte man das Vokabular klären. Und es geht immer noch nicht um Geschmack, es geht um die korrekte Nutzung von bestehenden Begriffen.

Zinsman
Gast

Also 1.: Zinsman und nicht Zinnman!!!

2. schrieb ich bereits oben, daß ich nichts davon halte Musik aus wissenschaftlicher Sicht betrachten … von daher werde ich jetzt nicht davon anfangen … ich drücke mich weiterhin so aus, wie ich es für richtig halte und ich habe auch niemandem unterstellt, Haarspalterei zu betreiben, sondern lediglich geäußert, daß ich kein Interesse daran habe PUNKT! … Ich habe auch deine Herangehensweise nicht verteufelt, sondern lediglich meine geschildert und die basiert nicht ausschließlich auf Instrumentariumsanalytik und es ist mir auch völlig egal, was irgendwer mal wissenschaftlich aufgearbeitet hat oder nicht.
Ich kann mich auch prima mit Freunden über Musik unterhalten ohne vorher eine haargenau und bis ins kleinste definierte Stilbeschreibung festzulegen auf deren Basis wir „fachsimpeln“ können.
Ich wünsche aber auch jedem, der gerne jeden Titel, Stil und jede Band auseinanderpflücken mag, weiterhin viel Spaß dabei.

Und damit wäre es das dann für mich zu diesem Thema!

P.S.: Wo ich gerade das Wort Thema erwähne … vom Thema was da so hier oben drüber steht sind wir ja auch gerade meilenweit entfernt … sollte man mal wieder die Kurve kriegen, würde ich vorschlagen.

Tanzfledermaus
Autor

Ich vermute mal, hier geht es im weiteren Sinne um die Unterscheidung der beiden Begriffe „Gothic Rock“ (die Spielart) und „Gothic“, den Sammelbegriff, der inzwischen nahezu jeder irgendwie nur halbwegs dunklen oder sogar lediglich verruchten Musik-Spielart übergestülpt wird.
Ersteres lässt sich klarer definieren. Beichnend sind vor allem die Gitarren (wie sich die Effekte nenenn, kann ich als Laie nicht beurteilen): manchmal eher sägend, manchmal melodisch und zum Teil sogar recht schnell gespielt. Neben den bekannten Größen wie Bauhaus, Sisters, Fields of the Nephilim (die hatten ja schon deutlich andere Elemente) sind z.B. Vendemmian, Corpus Delicti, Dronning Maud Land, The House of Usher, Nosferatu, Rosetta Stone und Still Patient? klassischer Gothic Rock. Und dann gibt es da ja auch noch die englische und die amerikanische Variante (z.B. durch Christian Death oder Hatesex vertreten), letztere wird dann mitunter als „Deathrock“ betitelt.

The Cure sind und waren übrigens nie dem Gothic Rock zuzuordnen, die haben mit Postpunk begonnen und sind dann in Richtung Dark Wave „gewandert“, später kamen immer mehr Pop-Elemente hinzu.
Unter „Gothic“, der unordentlichen großen Schublade, laufen sie aber trotzdem (immer noch).

Zinsman
Gast

Eigentlich sollte es hier um „Propheten der Dunkelheit – 2017 im Zeichen des Post-Punk“ gehen … also Neuerscheinungen, Post-Punk-Revival usw. aber es is mal zwischendurch in ne Grundsatzdiskussion abgedriftet (Blöderweise habe ich mich auch dazu hinreißen lassen, mitzumachen.) … möglicherweise kann man ja dahin zurückkehren … bei Wikipedia oder in Nachschlagewerken nachlesen können wir alle selbst, schätz ich mal. Das ist für meinereiner weniger interessant. Bands ausbaldovern und dabei auch ein paar, die man noch nicht kennt, von anderen Schreibern aufgezeigt bekommen und dazu ein wenig drumherum austauschen … so fing das hier mal an … das fand ich gut!

Tanzfledermaus
Autor

Zinsman, mach Dir nichts draus. Es gibt noch mehr Leute, die mit den Betitelungen nicht viel anfangen können oder möchten. Für die jenigen, die sich da gerne weiterbilden wollen, ist doch nichts Schlimmes dabei, wenn mal ein paar Begriffe genauer erklärt werden, oder? Es wird so viel falsches Schubladen-Packen betrieben, dass manche eben nur noch mit dem Kopf schütteln können, was da wieder alles in die Gothic-Schublade gequetscht wird und das Bedürfnis haben, da ein bißchen Ordnung zu schaffen. Die Schublade wurde hier keinem auf den Kopf oder vor den Latz geknallt, oder? ;-)

Svartur Nott
Autor

Okay, dann zurück zum Thema: Ich hätte noch folgende Gruppen im Angebot, teils etwas „poppiger“:

Double Echo
Saigon Blue Rain
Red Sun Revival

Und entschuldige dass ich dich falsch schrieb, Zinsmann.

Zinsman
Gast

Liebe Tanzfledermaus … ich kann schon was mit den Betitelungen anfangen. Diese sind aber auch nur von Leuten geprägt worden oder haben sich mal eingebürgert und somit kein Naturgesetz … aber egal … back to topic :):

Instant Lake
Prinzhorn Dance School
Savages

Fraoch
Gast
Fraoch

Jetzt mal ganz ruhig, Du gibst Dich erst pseudo-provokant, beziehst Dich auf meinen Post und monierst dann ein Problem weil Du die Diskussion die Du vom Zaun gebrochen hast nicht erträgst?

Noch mal: Es geht NICHT um Geschmack. Es ist auch keine nette Debatte Samstagabend beim Vorglühen unter Freunden über die neueste musikalische Entdeckung. Meine erste Einlassung hier war genau das und von der bin ich nicht abgewichen. Die Schwarze Szene ist groß und in ihr kann mittlerweile ja jeder hören was er möchte. Wir haben sogar virtuelle Räume für Billigtechno und Schlager geöffnet. Ich schrieb nur auch, und das bereits ganz zu Beginn, dass man die Vokabeln die man nutzt untereinander klar haben sollte. Wir zwei kennen uns nicht, ich weiß nicht was Du meinst wenn Du Goth schreibst, wenn ich mit Freunden zusammensitze, dann weiß ich in der Regel wer was meint wenn er XY sagt. Unabhängig davon vergleichen wir im Freundeskreis eher, sagen sowas wie: kennste x? Die klingen wie y mit z am Mikro und ähnliches. Dennoch ein Stil ist ein Stil. Wenn ich Gurken kaufe will ich keine grüne Paprika weils ja auch ein grünes Gemüse ist.

Aber gut lassen wir das…
O. Children
Night Sins

Mandy
Gast
Mandy

Moin,
ich werfe dann einfach mal „A Projection“ und „Baical“ in den Raum; )

Zinsman
Gast

Bei „Lassen wir das.“ waren wir schon angekommen, glaube ich …

Also viel Vergnügen mit der Gurke. Ich bleib beim Apfel als Unterkategorie des Obstes mit Stiel ;-)

… noch ne kleine Vermeldung:

Bellwether Syndicate
Desperate Journalist
Drangsal

gagates
Gast
gagates

plastique noir

wäre noch eine sehr empfehlenswerte ergänzung

Fraoch
Gast
Fraoch

Tearful Moon
Mit der Zärtlichkeit eines Koyoten schleichen Tearful Moon durch die einsame Nacht. Die Sterne glimmen nur selten und vereinzelt am Firmament, die Luft liegt noch schwer und trüb drückend auf der verschwitzten Haut. Die Kälte der Nacht wird sich noch ausbreiten müssen. Kakteen säumen den Weg. Lediglich die Augen der Wildhunde blitzen gelegentlich in der Dunkelheit. Irgendwo spürst Du die Präsenz eines größeren Raubtieres wie ein Kribbeln im Genick. Es ist da, es beobachtet Dich, doch Du kannst es nicht sehen. Jeder Schritt scheint beschwerlich. Das alte Hemd klebt auf dem Rücken. Sky Lesco nimmt Dich plötzlich bei der Hand, ihre Berührung ist unerklärlich kalt, beinah beißend. Sie raunt verhallt ein paar Worte in das schwarz-schwüle Nichts der Musik, führt Dich tief in die Wüste von Texas, verschwindet und lässt Dich einsam zum Sterben zurück.

T.S.
Gast
T.S.

Musste ja mal wieder so kommen. Fachfug über Rock als solchen. Gefühlt seit 100 Jahren dasselbe. Und dabei ist es mittlerweile ja meistens egal, ob vor dem senilen (manchmal volldebilen) Ungeheuer, das zu hüftsteif zum Rollen geworden ist, „Hard-„, „Classic-„, „Blues-„, „Jazz-„, „Schweine-„, oder nunmal „Gothic-“ steht. Und ausgerechnet noch angefacht an einer der zu vernachlässigenden Truppen überhaupt, ASP! WTF…?
Naja, wussten wir damals (als auch nicht alles besser war, so btw.), sprich um ca. 1983 herum, zumindest gerade rudimentär, was „Gothic“ ist, so redete damals (zum Glück) noch kein Mensch wirklich von „Gothic Rock“. Was auch gut so war, denn hatte man seinerzeit vor nicht einmal einem halben Jahrzehnt sich gerade mal so eben sachte vom klischeebehafteten (Macho-)Rockistenmoloch der Sechziger/Siebziger emanzipiert? Tja, so war eben zu jenen Zeiten Gitarreneinsatz nicht gleich Gitarrerogepose – sondern Wohltat, wenn man dieses Instrument eben auch mal untypisch, experimentell und Sololos ohne Schnörkel und Hauruck präsentiert bekam. Und die heutzutage ach so gefeierten Urhelden des „Gothic-Rock“ (sic!) – prominente Namen gefällig? Here we go: Bauhaus, Siouxsie & The Banshees, The Birthday Party, Sisters Of Mercy, Virgin Prunes, etc. – wären sicherlich manch einem an die Gurgel gegangen, wenn man sie mit „Rock“ zum Selbstzwecke diesem so tituliert hätte. Übrigens, wie viele dieser „Pioniere“ hatten eigentlich selbst die Stilbeschreibung „Gothic“ auf dem Schirm, um sich und ihre Kunst zu umschreiben? Na, man rate mal… (es gibt zum Beispiel ein Foto, auf dem Kevin Haskins zu sehen ist, damals Schlagzeuger bei Bauhaus, wie er eine Musikzeitschrift zerreisst, auf der Bauhaus als „Gothic“ bezeichnet wurden – nur mal so btw…)
Dieses Gefühlige und Angebiedere an den rockistisch dressierten Massengeschmack kam ja erst wirklich mit der zweiten Generation von gitarrendominierten „Gothic-Bands“ auf, d.h. der Sound wurde tatsächlich glatter, (mainstream-)rockiger, gleichzeitig jedoch auch eindeutig zielgruppenorientierter. Das Resultat war die erste mediokre/massentaugliche Gruftiwelle. Leute, die man mit z.B. The Birthday Party, Virgin Prunes, Joy Division, Lydia Lunch, Bauhaus, 45 Grave, etc. noch verstören konnte, fanden plötzlich The Cult, The Mission, Fields Of The Nephilim, Gene Loves Jezebel, usw. oberknorke (und die standen wiederum Pate zu diesen ganzen späteren gitarrenschwingenden Truppen, von der eine sich wie die andere anhörte, z.B. Vendemmian, The Marionettes, Incubus Succubus, Funhouse, Nosferatu, Rosetta Stone – und wie die alle hiessen und heissen, bis zum heutigen Tage. Langweilig, gelle?). Plötzlich gab es (gothaffine) Bands, die in Sound, Optik, Auftreten (rockistisch machohaft) plötzlich näher an (manchmal sturzpeinlich klischeebehafteten) Typen wie Led Zeppelin, AC/DC, Aerosmith, Guns’n’Roses und diesen ganzen Hairmetalpudeln waren als an New Wave, Punk (ob nun in pur oder in Post-) und Avantgarde/Experimental. Erschreckend, daß ab einem gewissen Punkt gar die „alte Garde“ da mitmischte, sprich Mitte/Ende der Achtziger waren Alben von z.B. Siouxsie und manch anderen ehemaligen Bilderstürmern soundmässig kaum noch von irgendwelchen weichgespülten Epigonen zu unterscheiden.
Und wem war es dann irgendwann zu verdenken, daß er sich doch etwas angewidert in Richtung Elektronik, Industrial, manchmal Techno orientierte, wenn nicht gar verabschiedete?

Naja, vielleicht sehe ich das viel zu sehr aus der Perspektive des ganz alten „Urgesteins“, aber man glaube mir, ich habe schon viel Kommen und Gehen sehen in dem Genre. Und nicht wenig davon mit einiger Genugtuung den Bach hinunter…

Aber den derzeitig noch anhaltenden „Post-Punk-Boom“ zähle ich doch eindeutig zu den positiveren Entwicklungen/Erscheinungsformen (seit einiger Zeit, wohlgemerkt!) – und kann von mir aus noch ein bisschen so weitermachen.

Wobei wir wieder beim Thema wären, äh… weitermachen. Danke.

Mandy
Gast
Mandy

äh… weitermachen. Danke.
Aber gerne doch :)

Brandenburg

Fraoch
Gast
Fraoch

Lock Howl

James McBain aus dem kalt-verregneten schottischen Aberdeen zauberte ein wenig aus der Partitur der Hörgewohnheiten als er Lock Howl ins Leben rief. Pareidolia ist ein Kaleidoskop schwarzer Hörgewohnheiten. Das Grundgerüst, dass mal mehr, mal weniger deutlich hervortritt bleibt der 1980er Gothic Rock zwischen den Sisters, den Southern Death Cult und den Fields und ein wenig Joy-Division-Post-Punk, aber McBain streicht geschickt immer wieder Nuancen anderer meist metalischer Interpreten darüber. Insbesondere das gutturale gellende Brüllkeifen des Black Metals setzt McBain mit bedacht als Kontrast zu seinem ansonsten sonoren Ian-und-Andrew-lassen-grüßen-Timbre ein. Das Ergebnis bleibt eine energiegeladene Goth-Rock-Kiste, die allerdings mit ganz eigenen Akzenten aufwartet. Gerade diese Akzente bringen gelegentlich eine ungewohnte und je nach Hörgewohnheiten unbequeme Dynamik in die Musik. An manchen Stellen driftet dieser Aspekt in ein eher aus dem Post-Metal vertrautes Spiel, bei welchem die harschen Eruptionen wirken ob der langen Ruhephasen umso intensiver. Das stellt man im besonderen in der eher balladesken und kaum goth- oder wave-lastigen Nummer …And She was Found by the Lake fest. Eine faszinierende Hybride schuf McBain mit The Seventh Room, eine Stück dem es gelingt die Waage zwischen Moonspell, Darkthrone und den Sisters zu halten. Allerdings -und hier greift was ich eben schrieb- das ist gerade dort auch eine unbequeme Mischung.

gagates
Gast
gagates

danke für den brandenburg link, gefällt mir sehr

T.S.
Gast
T.S.

Von den letzten „Neuzugängen“ an Empfehlungen hier dürfte die Kapelle Brandenburg wohl dem „klassischen“ oder – von mir aus – weitergefassten Genre „Post Punk“ am nähesten kommen und gleichwohl stilsichersten sein. Gefallen mir wirklich ausserordentlich gut, und gewisse Ähnlichkeiten zu deren Landsleuten (zumindest die geographische Richtung ist in etwa dieselbe… ;-) ) Motorama nicht von der Hand zu weisen. Alles in der atmosphärischen Umgebung, allerdings auch im relativ unaufgeregt-unterkühlten Minimalismus gewisser „traditioneller“ und alter „Factory Records“-Bands verortbar (die vielleicht eine gewisse Vorbildfunktion haben – Outfit und Präsentation sprechen da schon eine gewisse Sprache…). Tacheles: einfallen müssen einem da zwangsläufig Bands wie z.B. The Wake (nein, nicht die US-Allerwelts-Gothic-Schluris…), Stockholm Monsters, frühe Section 25, aber auch einfach Joy Division/New Order (bei letztgenannten die Phase ca. dem „Movement“-Album). Herrlich! Da hoffe ich auf ein baldiges Album, auch als Vinylausgabe.
Im Gegensatz dazu sprechen mich Lock Howl, Tearful Moon (der Bandname alleine ist schon sowas von Klischee…) und Plastique Noir überhaupt nicht an, da diese offensichtlich schon wieder großteils in diesem Allzu-Gothic(-Rock – da hammer’s ja mal wieder, höhö…)-Sumpf herumwaten. Da hab ich mich seit Jahren, gar Jahrzehnten schon, einfach dran überhört. Und sowas wie Moonspell und Darkthrone (wo ist da eigentlich der „Post Punk“ abgeblieben, hmmm?) als Referenzen ziehen bei mir schon gar nicht. No Chance.

Fraoch
Gast
Fraoch

Moonspell und Darkthrone

Waren als Verweise auf die Fremdeinflüsse aus dem Metal, nicht auf den Post-Punk oder Goth-Rock gedacht.