Propheten der Dunkelheit – 2017 im Zeichen des Post-Punk

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Masquerade - Finnland - Press Promo
Die finnische Band Masquerade ist am 3. Juni 2017 im Täubchenthal im Rahmen des WGT zu sehen.
(c) Masquerade

Etwa alle 10 Jahre wird der Goth-Szene ihr Untergang prophezeit. Die Gründe liegen scheinbar jedes mal auf der Hand. Nicht nur die neu hinzugekommenen Szene-Mitglieder treiben immer unverständlichere Blüten, sondern auch musikalisch scheint sich alles das, was zu Beginn der Dekade noch frisch und unverbraucht erschien, totgelaufen zu haben. Und neue Sachen? Goth bewahre! Alles schon mal dagewesen, alles nur eine Kopie. 

Spontis behauptet: Alles Unsinn! Mit jedem Jahrzehnt wird man eines Besseren belehrt, denn auf dem fruchtbaren Boden, den die „Alten“ in den 80ern sähten, wachsen immer wieder neue Bäume. Natürlich, der schwarze Apfel, der auf diesen Bäumen wächst, wird dadurch nicht neu erfunden, doch immer wieder benetzen neue Geschmacksrichtungen den gruftigen Gaumen und können dem Geneigten wohl möglich ein freudestrahlendes Glucksen – wahlweise aber auch ein melancholisches schlurfen – entlocken. Selbstverständlich nicht bei allen. die Szene-Maurer mauern meterhoch um ihre Erstpressung von „Disintergration“ und Gothic-Katzen fauchen den Angreifer an, um sich dann auf der ewig drehenden „Vision Thing“ schnurrend einzurollen. Frei nach dem Motto: „Was der Grufti nicht kennt, wird nicht betanzt.“ Doch woran scheitert die musikalische Weitsicht? An fehlendem Nachwuchs kann es jedenfalls nicht liegen. Spontis zeigt eine Reihe von recht jungen Post-Punk Bands, die man auch 2017 im Ohr behalten sollte:

Das britische Duo Agnes Circle begibt sich mit ihrem Debüt-Album „Some Vague Desire“ auf Spurensuche in der Vergangenheit, denn ihre Musik knüpft nahtlos an die späten 80er Jahre an, einer Zeit, in der die beiden gerade geboren wurden. Für Bassistin Rachael Redfern kein Zufall, denn sie meint: „On a socio-political level, there are many similarities between the 80s and today. The pervasive sense of dread that many felt then is back again.“ Ihre Heimatstadt London bietet dazu die Kulisse und ist der Schmelztiegel eben dieser Strömungen, die sie selbst und ihre Musik beeinflussen.

Die französische Minimalistin Hélène de Thoury, die sich nach Phosphor und Minuit Machine nun ihrem Projekt Hante. widmet sich ebenfalls diesen Einflüssen, auch wenn ihr Zwiespalt größer erscheint: „How can we love this world that we destroy everyday. Where people kill other people because they don’t like the way they live?“ So nimmt sie die Sache selbst in die Hand und formt den Soundtrack, der für sie das Leben begleitet, lieber selbst. Ihr aktuelles Album No Hard Feelings trägt sicherlich ein Stück dazu bei.

Für Adam Usi sind möglicherweise genau diese „harten Gefühle“, die seinen Synthesizer-Sound maßgeblich beeinflussen: „Zu den tiefsten Gefühlen zählen meiner Meinung nach Traurigkeit und Melancholie. Vermutlich liegt das an meinem Wesen, aber Glück und Freude sind für mich schon immer temporär gewesen und damit uninteressant. Ich glaube in der schwarzen Szene für meinen Anspruch eine gute Plattform gefunden zu haben für das, was ich kann und vor allem machen möchte.“ Sein aktuelles Album „Vakuum Mirage“ ist der in Vinyl gepresste Beweis seines Könnens. Und so scheint es doch immer wieder junge Musiker zu geben, die den Boden, in dem ihr Baum wächst, zu schätzen wissen.

Im vergangenen Jahr haben sich zwei Stil-Mixe innerhalb der Post-Punk Szene etabliert, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch zueinander passen. Während Agnes Circle und Hante. eher die romantisch verträumte Darkwave und Coldwave Ecke bedienen, bewegen sich Selofan auf einer deutlich aggressiveren und punkigeren Ebene. Das die gefühlte Dunkelheit beide Genre eint, beweisen die Griechen nicht nur mit der Wahl ihres aktuellen Album-Titels (Originaltitel: „Στο Σκοτάδι“ was soviel heißt wie „In der Dunkelheit“), sondern auch durch die Quelle ihrer musikalischen und ästhetischen Einflüsse:  „Poetry is a basic source of beauty, some of our tracks are based on our favorite poems. But also the underworld princes, all outsiders, old rejected movie divas, drama and drag queens, gay culture, we are inspired by the extremes of passion in every thinkable way.

Die finnische Band Masquerade, die auch dieses Jahr auf dem WGT zu finden sein werden, sind der Ableger (oder Vorläufer) der Band Virgin in Vail und dürften dann doch den Post-Punk, der hier aufgrund meines persönliches Geschmacks sehr elektronisch ausfällt, wieder ein bisschen näher an die ursprünglich Intention heranführen. Auch optisch wieder ein bisschen szeniger präsentiert sich Sängerin Suzi Sabotage, obwohl sie sich selbst keine dieser Szenen unterordnen möchte: „I don’t really feel being part of any of those scenes – I don’t trust people in general, however they’re dressed like. I’m sort of a tribe of my own since I refuse to succumb to rules of any clique.

Das es vielen Musikern nicht nur um Aufmerksamkeit geht, sondern tatsächlich um eine Aussage, macht auch der mutige Gebrauch der Muttersprache deutlich. Zwarte Poëzie aus den Niederlanden sind da schwarz schimmerndes Aushängeschild. Edwin van der Velde fühlt sich seiner Sprache verbunden und „wollte den Leuten zeigen, was alles möglich gewesen wäre, wenn die Neue Welle in den 80ern auch in den Niederlanden halt gemacht hätte.“ Die schwarze Szene, von der er sich adoptiert fühlt, gibt ihm die Plattform sich musikalisch auszudrücken. Und so bleibt es nicht dabei, den alten Zeiten hinterherzutrauern, sondern den Blick nach vorne zu richten. Die aktuelle EP „Grijs Verleden“ (Graue Vergangenheit) liefert die perfekte musikalische Überleitung.

Lebanon Hanover, die schon fast zum alten Eisen der Newcomer zählen, darf man ebenfalls nicht aus den Augen lassen. Mit ihrem aktuelle Song „Babes of the 80s“ bringen sie genau die Dinge auf den Punkt, von denen auch die anderen Bands zeugen und der das musikalisch zusammenfasst, was viele von uns bewegt. 2016 ist der chronologische Abgrund in dem viele sich an Dinge wie Hoffnungslosigkeit und Unzufriedenheit erinnern, die auch schon in den 80ern das Leben derer bestimmte, die zu dieser Zeit aufwuchsen. Gefühle und Emotionen die auch im vergangenen Jahr omnipräsent waren, die manche in Wut und Hass kompensierten, während andere Traurigkeit und Melancholie empfanden. Und vielleicht ist das auch genau der Grund, warum „Gothic“ niemals aussterben wird, denn es wird immer Menschen, Künstler und Musiker geben, die sich nicht ins aktuelle Zeitgeschehen fügen wollen und sich der Traurigkeit stellen, als sich in Parolen und Aggressionen zu flüchten. Auch 2017 bleibt Post-Punk die prägende Musikrichtungen für die, die genauso fühlen wie Lebanon Hanover:

„These days it’s crucial to be silent and comfortable.
The exploitation of humanity – they learn to accept it all.
In my generation I will never fit in.
I should be sane but I want to murder, murder everyone.“

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Robert, Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Robert wurde 1974 in Mönchengladbach geboren und beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Young and Cold
Young and Cold

Danke für den Artikel und die Erwähnung von Adam Usi :-)

Adam Usi – Vakuum Mirage „Vinyl“ erwerblich bei Young & Cold Records (https://www.facebook.com/youngandcoldrecords/)für 16,- / Reumah Tape für 6 Euro (nur noch 2 Exemplare vorhanden)

Wer kein FB besitzt >>> https://www.discogs.com/de/seller/YoungAndCold/profile oder Ebay http://www.ebay.de/itm/142240768354?ssPageName=STRK:MESELX:IT&_trksid=p3984.m1558.l2649

Seite A
1. Réumah > https://www.youtube.com/watch?v=RkmBKYiJ_oc
2. Chajé Sarah > bisher unveröffentlicht
3. Son > https://www.youtube.com/watch?v=Sn43ND2lnnw
4. Dilemma > bisher unveröffentlicht

Seite B
1. Shili > https://www.youtube.com/watch?v=TH1X-TnQ4tk
2. Opklung > bisher unveröffentlicht
3. Betuel > bisher unveröffentlicht
4. Bersheeba > https://www.youtube.com/watch?v=9tMmtAYgxfk
5. Nausea > https://www.youtube.com/supported_browsers?next_url=%2F
Adam Usi – Réumah
Vinyl: https://youngandcold.de/shop/adam-usi-vakuum-mirage-lp/ Bandcamp: http://ada…
youtube.com

teilzeitmonster
teilzeitmonster

In diese Liste würde auch ein Henric de la Cour sehr gut passen.
Beispielhaft anbei der Link zu der Single Chasing Dark: https://www.youtube.com/watch?v=Ih4_k3KC3Pc

Ein Ausnahmekünstler, der schon bei STRIP Music und Yvonne hat erahnen lassen, was in ihm steckt. Solo legt er seine Lebensgeschichte in jede Zeile – und wer sich mit ihm und seiner Person etwas beschäftigt, zieht immer wieder seinen imaginären Hut. Ein Künstler von dem wir hoffentlich in Zukunft noch mehr hören werdne.

T.S.
T.S.
Nun ja, nachdem ich mittlerweile rein rechnerisch bereits viermal den Untergang (und Szene-Tod) beschwört und prophezeit haben müsste (ganz zu Schweigen von den kulturpessimistischen Schüben und Anfällen zwischendurch…), so bekommt die (upgedatete?) „Szene“ in Punkto Mit-„Post-Punk“-Kuscheln sogar ausnahmsweise mal wieder von mir den „Güldenen Hoffnungsschimmer“-Preis verliehen… Aber mal im Ernst jetzt: warum Formulierungen wie „2017 im Zeichen des Post-Punk“? Scheint ja im Trend zu liegen, den uralten Sammelbegriff (der noch nicht einmal wirklich eine signifikante musikalische Spielart definitiv festzunageln weiß, und auch nicht will – wie auch ganz so seinerzeit beabsichtigt) wieder auszugraben. Aber das taten die Musikjournalisten zum Anlaß… Mehr lesen »
Tanzfledermaus

Ich hätte auch noch ein paar musikalische Tips
(wobei ich jetzt nicht geschaut habe, wie lange die Bands schon existieren, aber deren Veröffentlichungen, die ich kennen lernte, sind alle von nach 2010):
– Ascetic:
– Bleib Modern
– Cold Showers
– The Foreign Resort
– Modern Eon
– Principe Valiente
– Then Comes Silence

Inzwischen schon etwas länger aktiv sind:
– The Exploding Boy
– The Search

T.S.
T.S.
Hallo @Tanzfledermaus, Modern Eon ist zwar einen guten Tipp wert (und würdig), allerdings eher in der Rubrik „Schätzchen von Gestern“. Will heissen, die Band hat sich bereits Ende 1981 aufgelöst. Und deren empfehlenswertes (und einziges) Album „Fiction Tales“ stammt aus dem nämlichen Jahr. Folglich ein New Wave-Klassiker von anno dunnemals. Neben der LP kamen damals (zwischen 1979 und 1981) noch eine Handvoll Singles auf den Markt, von denen „Euthenics“ wohl die bekannteste und erfolgreichste geworden ist. „Fiction Tales“ wurde zwar 2012 nochmals als Re-Issue aufgelegt, allerdings lediglich im CD-R-Format (on demand). Gab auch noch ein CD-R-„Bootleg“. Von daher ist die… Mehr lesen »
Tanzfledermaus

Ooops, da hab ich mich heute morgen auf die Eile vor dem Weg zur Arbeit doch glatt verguckt. Nun ja, kein Wunder, dass die dann so schön „alt“ klingen ;-)
Danke für die weiteren Infos :-)

Dennis
Dennis

denn auf dem fruchtbaren Boden, den die „Alten“ in den 80ern sähten, wachsen immer wieder neue Bäume

Danke, Du sprichst mir aus der Seele bei dieser ewig untoten Szene, die schon dutzende Male gestorben sein muss, ehe ich sie auch nur entdeckt habe. Minus x Minus gibt halt Plus, und tot x tot wird quicklebendig. Nicht nur dank Postpunk :-)

Fraoch
Fraoch

Ein wenig Interessantes was mir aus den letzten Jahre spontan einfällt:
This Cold Night
Belgrado
Soror Dolorsa
Liar in Wait
Then Comes Silence
Ascetic
13 Bats
Merciful Nuns(Sicher kein Newcomer)
Aeon Sable
Sanne de Neige

Victor von Void

@Fraoch Zu Merciful Nuns: „Sicher kein Newcomer“ ist noch untertrieben, immerhin gab es deren Vorläufer-Band Garden Of Delight seit 1990 :D Aber die Band gehört definitiv auf die Liste. Wen es interessiert, ich habe hier mal einen kleinen Überblick über Ihre Geschichte mit entsprechenden Videos gewürzt.
Aeon Sable habe ich kürzlich live gesehen und kann sie jedem nur empfehlen (sie spielen auch beim WGT).
Ich würde vielleicht noch Christine Plays Viola und She Past Away zur Liste hinzufügen.

Der_Melord
Der_Melord
Guten Abend meine Damen und Herren, ich denke das dieses Prophezeien des Endes der schwarzen Welt auch damit zu tun hat das die Gothic-Kultur schon etwas … nun ja, „elitär“ wirkt, eine fremde Welt wo Neulinge nur schwer vollen Zugang finden wenn sie nicht gerade von The Sisters of Mercey, NIN, Joy Division, Bauhaus und Co. schwärmen. Die schwarze Szene entwickelt sich, durchlebt eine Evolution – und genau diese Entwicklung erhält die Szene meine Meinung nach am Leben. Within Temptation ist auch nicht das was ich jetzt als „klassisch Gothic“ definieren würde – aber durch diese Band kam ich hauptsächlich… Mehr lesen »
Markus
Markus

Meine derzeitigen „Newcomer“-Favoriten:

Arnaud Lazlaud – „Les Invisibles“ und „Allumeuses S-F“
OLMS – „Infinity“
In Death It Ends – „We All Die“

YouTube ist wirklich eine wahre Fundgrube für (Neu)Entdeckungen. Man wünscht sich, so ein Tag hätte 48 Stunden zum Verplempern…

Fraoch
Fraoch
@Der_Melord: Hören kann doch jeder was er möchte. Die Schwarze Szene bietet nahezu einem jeden einen musikalischen Anknüpfungspunkt. Ich höre z.B. sehr viel Gothic Metal, der heute z.B. von Gruppen wie Fatum Elisum, MurkRat oder Angellore kommt. Ich kenne keinen Club der mir das heute noch bietet, was auch kein Drama ist, aber eben festzustellen. Ist auch kein Gothic, kein Dark Wave und kein Post-Punk, also auch nicht Teil der Gothic-Szene, schon aber der Schwarzen Szene. Wer nun so Symphonic-Zeugs wie Within Temptation und Nightwish hören möchte kann das, und kann das auch im weiten Feld der Schwarzen Szene und… Mehr lesen »
Zinsman
Ei gucke da … spät aber nicht zu spät^^ … entdeckt , meine ich. Allerdings werde ich mir keine Schubladen-/Musikstildefinitionshoheit anmaßen. Gute Musik ist dazu erschaffen worden und wird Goth sei Dank noch weiterhin erschaffen um uns Menschlein zu berühren … in welcher Form auch immer. Meinereiner hat sich für die dunkle Ecke entschieden, ohne den Blick oder besser den Ohrwurf über den Tellerrand zu verlieren! Natürlich ist bei der Bandbreite der Musikstile, die sich inzwischen in der dunklen Ecke tummeln, von einem einzelnen kaum zu erwarten, daß der Lauschvorgang bei allen Dunkelspielarten ohrenkrebserregungsfrei verläuft^^ … Dafür aber wurde ja… Mehr lesen »
Zinsman
Eins muss ich doch noch loswerden^^ … Ich denke es ist soooooowas von überflüssig Bands auf Devil-komm-raus in eine Schublade quetschen zu wollen und aus meiner langjährigen Zeit als Interviewer weiß ich nur zu gut, dass die Bands in den meisten Fällen höchstens in zweiter oder dritter Hinsicht wirklich genau darüber nachdenken, in welcher Schublade sie wohnen dürfen^^. Nicht selten verneinen sie sogar kategorisch das, was sich der gemeine Lauscher für sie an Schubladisierung ausgedacht hat: Nicht zwingend mein Geschmack aber nurso als Beispiel: Letzte Instanz – Mittelalter – Nööö! sagen se. … Within Temptation – Gothic Metal – Nööö!… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch
ASP kein Gothic Rock? … Was sonst? Na Rockmusik eben. Wo ist denn das Problem anstatt eine Band in eine feingliederige Schublade pressen zu wollen in welche sie nicht passt und niemals passte einfach mal auch kein neues oder altes Etikett zu bemühen sondern es beim Allgemeinposten belassen. Der Gothic Rock hat ausdifferenzierte Stilmerkmale um die sich Thompson (Schattenwelten), Mercer (Gothic Rock Black Book), Reynolds (Rip It Up and Start Again) und einige andere Journalisten lange Gedanken gemacht haben. Das ist ein abgeschlossener Begriff und eben kein „recht allgmeiner Begriff“. Gothic Rock, da bleib ich bei, ist einfach gehaltenes aber… Mehr lesen »
Zinsman
Zinsman
Könnte ´ne Endlosdiskussion werden ;-) … aber mal grundsätzlich gesprochen … Musik ist für mich ne Gefühlssache und in Stein gemeißelt is für mich gleich mal garnichts … diese Huldigung der Steinmeißelkunst ist mir irgendwie zu gestrig und das trotz meines hohen Alters*fg Warum ich „in Stein gemeißelt“ nicht akzeptieren kann? … ganz einfach … bevor es Rockmusik gab, gab es logischerweise keinen Classic Rock. Dann gab es auf einmal den Rock der heutzutage Classik Rock genannt wird und da klingt weiß Goth nicht jede Band gleich. Da kamen so Sachen wie Psychedelic -, Progressive -, Glam -, Punk -,… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch
Ich glaube wir schreiben hier auf unterschiedlichen Ebenen. Mir geht es um einen Stilbegriff und Gothic Rock ist ein Stilbegriff. Du scheinst hier mehr einen schwammigen Sammelbegriff zu meinen. Zu dem Stilbegriff Gothic Rock gibt es eine Stildefinition die sich in den 1980ern bildete, das geschah unter Bezeichnungen wie Positive Punk oder Punk Gothique und später eben Gothic Rock. Die erste handfeste Auseinandersetzung mit diesem Stilbegriff lieferte Mick Mercer dessen Buch dazu beitrug, dass sich der Begriff Gothic Rock für die Musik durchsetzte. Danach beschäftigten sich weitere Autoren mit dem Thema und verengten, operationalisierten und definierten die Begrifflichkeit. Gothic Rock… Mehr lesen »
Svartur Nott
Svartur Nott
Wenn wir über „Gothic Rock“ als Musikstil reden, reden wir damit auch über seine stilistischen Eigenheiten, welche ihn gegenüber anderen Stilen abgrenzen. Fraoch hat treffend zusammengefasst, was des Gothic (Rock)s Kern ausmacht. Ich möchte bei den Gitarren nur noch ergänzen, dass bei den Effekten neben Flanger- und Delay auch der Chorus verdammt wichtig ist (ab und an auch angezerrt) und sehr häufig keine Akkorde, sondern Arpeggios gespielt werden (nicht immer als direkte Tonfolge, oft auch unterbrochen). Man schaue sich jetzt mal bekannte Bands wie ASP an (die ja nicht direkt den Terminus „Gothic Rock“, sondern ihre eigene, durchaus treffende Kreation… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch
Nach meinem Beitrag von gestern Nacht, der vielleicht noch freigegeben werden muss, vielleicht aber auch ins digitale Nirvana gerauscht ist, habe ich noch ein wenig über das Thema gegrübelt. Klar scheint mir, dass wir hier sehr differente Begrifflichkeiten ansetzten, bzw. dem gleichen Begriff unterschiedliche Bedeutungshintergründe zuschreiben. Das ist gewiss typisch für unsere Postmoderne die nahezu jeden Anspruch auf Universalität verloren hat, gerade daher ist es um so immanenten sich da wo solche Unstimmigkeiten aufkommen zuvorderst über das genutzte Vokabular zu verständigen. Was Du schreibst geht anscheinend von Gothic Rock als Oberbegriff für kulturell an die schwarze Szene geknüpfte Rockmusik aus.… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch

Und wie soll ich mich denn über Musik austauschen, wenn ich Gothic meine und mein Gegenüber dann über Metal, Irgendwas-Rock – oder schlimmer noch – Elektro redet? (nicht wertend gegenüber den jeweiligen Stilen gemeint!).

Exakt so sehe ich das auch.

Zinsman
Zinsman
Ich bin jetzt wenig an Haarspalterei interessiert von daher ist die Sichtweise aus der heraus man argumentiert mit Sicherheit entscheidend aber um meine nochmal etwas zu verdeutlichen. Natürlich sehe ich Gothic Rock nicht als Oberbegriff für die ganze Bandbreite der Dunkelmucke sondern lediglich für gothicmäßige Rockmugge halt. Ich kann mich mit Sicherheit mit ner Unterteilung in klassischen Gothic Rock (wie beschrieben), neuzeitlichen Gothic Rock usw. usf. anfreunden. Keine Band wird das Rad noch neu erfinden können. Unterscheidungsmerkmale können letztlich nur noch durch Stilkombinationen erzeugt werden … Was die Geschmacksbandbreite einzelner angeht, so ist allerdings in den letzten Jahren schon schwer… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch
@Zinnmann: Dann werde doch bitte mal konkret, was ist deinem Verständnis nach denn „gothicmäßige Rockmugge“ und was Rockmusik der Schwarzen Szene die darüberhinaus geht? Und wo ziehst Du die Grenze? Du schreibst, dass Du keine Haarspalterei betreiben magst. OK, aber Du deutet hier gerade einen Begriff um und das entgegen der gängigen Beleglage wissenschaftlicher Aufarbeitungen der Szene, ohne das von Dir postulierte Verständnis des Begriffes irgendwie Greifbar zu machen. Da hakt es für mich. Entweder kannst Du klar umreißen was Du meinst, oder Du kannst es nicht. Dann brauchst Du aber auch nicht so tun als seien die anderen, insb.… Mehr lesen »
Zinsman
Zinsman
Also 1.: Zinsman und nicht Zinnman!!! 2. schrieb ich bereits oben, daß ich nichts davon halte Musik aus wissenschaftlicher Sicht betrachten … von daher werde ich jetzt nicht davon anfangen … ich drücke mich weiterhin so aus, wie ich es für richtig halte und ich habe auch niemandem unterstellt, Haarspalterei zu betreiben, sondern lediglich geäußert, daß ich kein Interesse daran habe PUNKT! … Ich habe auch deine Herangehensweise nicht verteufelt, sondern lediglich meine geschildert und die basiert nicht ausschließlich auf Instrumentariumsanalytik und es ist mir auch völlig egal, was irgendwer mal wissenschaftlich aufgearbeitet hat oder nicht. Ich kann mich auch… Mehr lesen »
Tanzfledermaus
Ich vermute mal, hier geht es im weiteren Sinne um die Unterscheidung der beiden Begriffe „Gothic Rock“ (die Spielart) und „Gothic“, den Sammelbegriff, der inzwischen nahezu jeder irgendwie nur halbwegs dunklen oder sogar lediglich verruchten Musik-Spielart übergestülpt wird. Ersteres lässt sich klarer definieren. Beichnend sind vor allem die Gitarren (wie sich die Effekte nenenn, kann ich als Laie nicht beurteilen): manchmal eher sägend, manchmal melodisch und zum Teil sogar recht schnell gespielt. Neben den bekannten Größen wie Bauhaus, Sisters, Fields of the Nephilim (die hatten ja schon deutlich andere Elemente) sind z.B. Vendemmian, Corpus Delicti, Dronning Maud Land, The House… Mehr lesen »
Zinsman
Zinsman

Eigentlich sollte es hier um „Propheten der Dunkelheit – 2017 im Zeichen des Post-Punk“ gehen … also Neuerscheinungen, Post-Punk-Revival usw. aber es is mal zwischendurch in ne Grundsatzdiskussion abgedriftet (Blöderweise habe ich mich auch dazu hinreißen lassen, mitzumachen.) … möglicherweise kann man ja dahin zurückkehren … bei Wikipedia oder in Nachschlagewerken nachlesen können wir alle selbst, schätz ich mal. Das ist für meinereiner weniger interessant. Bands ausbaldovern und dabei auch ein paar, die man noch nicht kennt, von anderen Schreibern aufgezeigt bekommen und dazu ein wenig drumherum austauschen … so fing das hier mal an … das fand ich gut!

Tanzfledermaus

Zinsman, mach Dir nichts draus. Es gibt noch mehr Leute, die mit den Betitelungen nicht viel anfangen können oder möchten. Für die jenigen, die sich da gerne weiterbilden wollen, ist doch nichts Schlimmes dabei, wenn mal ein paar Begriffe genauer erklärt werden, oder? Es wird so viel falsches Schubladen-Packen betrieben, dass manche eben nur noch mit dem Kopf schütteln können, was da wieder alles in die Gothic-Schublade gequetscht wird und das Bedürfnis haben, da ein bißchen Ordnung zu schaffen. Die Schublade wurde hier keinem auf den Kopf oder vor den Latz geknallt, oder? ;-)

Svartur Nott

Okay, dann zurück zum Thema: Ich hätte noch folgende Gruppen im Angebot, teils etwas „poppiger“:

Double Echo
Saigon Blue Rain
Red Sun Revival

Und entschuldige dass ich dich falsch schrieb, Zinsmann.

Zinsman
Zinsman

Liebe Tanzfledermaus … ich kann schon was mit den Betitelungen anfangen. Diese sind aber auch nur von Leuten geprägt worden oder haben sich mal eingebürgert und somit kein Naturgesetz … aber egal … back to topic :):

Instant Lake
Prinzhorn Dance School
Savages

Fraoch
Fraoch
Jetzt mal ganz ruhig, Du gibst Dich erst pseudo-provokant, beziehst Dich auf meinen Post und monierst dann ein Problem weil Du die Diskussion die Du vom Zaun gebrochen hast nicht erträgst? Noch mal: Es geht NICHT um Geschmack. Es ist auch keine nette Debatte Samstagabend beim Vorglühen unter Freunden über die neueste musikalische Entdeckung. Meine erste Einlassung hier war genau das und von der bin ich nicht abgewichen. Die Schwarze Szene ist groß und in ihr kann mittlerweile ja jeder hören was er möchte. Wir haben sogar virtuelle Räume für Billigtechno und Schlager geöffnet. Ich schrieb nur auch, und das… Mehr lesen »
Mandy
Mandy

Moin,
ich werfe dann einfach mal „A Projection“ und „Baical“ in den Raum; )

Zinsman
Zinsman

Bei „Lassen wir das.“ waren wir schon angekommen, glaube ich …

Also viel Vergnügen mit der Gurke. Ich bleib beim Apfel als Unterkategorie des Obstes mit Stiel ;-)

… noch ne kleine Vermeldung:

Bellwether Syndicate
Desperate Journalist
Drangsal

gagates
gagates

plastique noir

wäre noch eine sehr empfehlenswerte ergänzung

Fraoch
Fraoch
Tearful Moon Mit der Zärtlichkeit eines Koyoten schleichen Tearful Moon durch die einsame Nacht. Die Sterne glimmen nur selten und vereinzelt am Firmament, die Luft liegt noch schwer und trüb drückend auf der verschwitzten Haut. Die Kälte der Nacht wird sich noch ausbreiten müssen. Kakteen säumen den Weg. Lediglich die Augen der Wildhunde blitzen gelegentlich in der Dunkelheit. Irgendwo spürst Du die Präsenz eines größeren Raubtieres wie ein Kribbeln im Genick. Es ist da, es beobachtet Dich, doch Du kannst es nicht sehen. Jeder Schritt scheint beschwerlich. Das alte Hemd klebt auf dem Rücken. Sky Lesco nimmt Dich plötzlich bei… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Musste ja mal wieder so kommen. Fachfug über Rock als solchen. Gefühlt seit 100 Jahren dasselbe. Und dabei ist es mittlerweile ja meistens egal, ob vor dem senilen (manchmal volldebilen) Ungeheuer, das zu hüftsteif zum Rollen geworden ist, „Hard-„, „Classic-„, „Blues-„, „Jazz-„, „Schweine-„, oder nunmal „Gothic-“ steht. Und ausgerechnet noch angefacht an einer der zu vernachlässigenden Truppen überhaupt, ASP! WTF…? Naja, wussten wir damals (als auch nicht alles besser war, so btw.), sprich um ca. 1983 herum, zumindest gerade rudimentär, was „Gothic“ ist, so redete damals (zum Glück) noch kein Mensch wirklich von „Gothic Rock“. Was auch gut so war,… Mehr lesen »
Mandy
Mandy

äh… weitermachen. Danke.
Aber gerne doch :)

Brandenburg

Fraoch
Fraoch
Lock Howl James McBain aus dem kalt-verregneten schottischen Aberdeen zauberte ein wenig aus der Partitur der Hörgewohnheiten als er Lock Howl ins Leben rief. Pareidolia ist ein Kaleidoskop schwarzer Hörgewohnheiten. Das Grundgerüst, dass mal mehr, mal weniger deutlich hervortritt bleibt der 1980er Gothic Rock zwischen den Sisters, den Southern Death Cult und den Fields und ein wenig Joy-Division-Post-Punk, aber McBain streicht geschickt immer wieder Nuancen anderer meist metalischer Interpreten darüber. Insbesondere das gutturale gellende Brüllkeifen des Black Metals setzt McBain mit bedacht als Kontrast zu seinem ansonsten sonoren Ian-und-Andrew-lassen-grüßen-Timbre ein. Das Ergebnis bleibt eine energiegeladene Goth-Rock-Kiste, die allerdings mit ganz… Mehr lesen »
gagates
gagates

danke für den brandenburg link, gefällt mir sehr

T.S.
T.S.
Von den letzten „Neuzugängen“ an Empfehlungen hier dürfte die Kapelle Brandenburg wohl dem „klassischen“ oder – von mir aus – weitergefassten Genre „Post Punk“ am nähesten kommen und gleichwohl stilsichersten sein. Gefallen mir wirklich ausserordentlich gut, und gewisse Ähnlichkeiten zu deren Landsleuten (zumindest die geographische Richtung ist in etwa dieselbe… ;-) ) Motorama nicht von der Hand zu weisen. Alles in der atmosphärischen Umgebung, allerdings auch im relativ unaufgeregt-unterkühlten Minimalismus gewisser „traditioneller“ und alter „Factory Records“-Bands verortbar (die vielleicht eine gewisse Vorbildfunktion haben – Outfit und Präsentation sprechen da schon eine gewisse Sprache…). Tacheles: einfallen müssen einem da zwangsläufig Bands… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch

Moonspell und Darkthrone

Waren als Verweise auf die Fremdeinflüsse aus dem Metal, nicht auf den Post-Punk oder Goth-Rock gedacht.