Plage Noire Festival 2023 – Zeitreise zum ersten Festival vor 14 Jahren

Dieses Jahr findet das Plage Noire-Festival im Ferienpark Weissenhäuser Strand am 28. und 29. April 2023 statt. Natürlich ist meine Vorfreude wieder riesig. Ein guter Moment, um sich auf eine Zeitreise in den Herbst 2009 zu wagen, als das Plage Noire zum ersten Mal seine Pforten öffnen sollte.

Ein ungewöhnliches Festival an einem ungewöhnlichen Ort

Ein Ferienpark am Strand, nur wenige Meter vom Meer entfernt, ist nicht gerade der Ort, an dem man ein gruftiges Festival erwarten würde. Aber am 13. und 14. November 2009 sollte genau das zum ersten Mal geschehen. Das Plage Noire-Festival tauchte den Weissenhäuser Strand in Schleswig-Holstein für zwei Tage und Nächte in tiefstes Schwarz. Als Nordlicht konnte ich es kaum glauben, als ich beim M’era Luna zwei Monate zuvor die Werbung für diese Veranstaltung sah, zumal schwarze Events im Norden des Landes recht spärlich gesät sind – nehmen wir Hamburg mal heraus.

Bei unserer Anreise kam uns kein Schild zu Gesicht, welches auf das Event hingewiesen hätte. Wir fanden direkt vor dem Eingang zu dem Hotel einen Parkplatz und betraten ein wenig verwirrt die Hotellobby, die auch keinen Hinweis darauf gab, dass wir richtig wären. Waren wir aber, wie uns die freundliche Dame an der Rezeption betätigte.

Wir bekamen unsere Bändchen und stiefelten über das Gelände. Aus einem angelegten Teichbecken begrüßte uns ein mit Wasser spritzender Plastik-Elefant, der sonst auf das Schwimmbad hinter ihm aufmerksam machte.

Die Türsteher hielten uns mit einem Lächeln die Tür zu dem Hauptgebäude auf (habe ich zuvor noch bei keinem Festival erlebt) und ließen uns ein in die bizarre Mischung aus Ferienpark und Gothic-Event. So etwas hatten wir noch nie erlebt. An den Tischen saßen etwas irritiert dreinschauende silberhaarige Urlauber, an denen die aufgehübschten Gruftis vorbeischlenderten. Der Ferienpark zeigte sich damals noch in nicht renovierter Form, mit viel künstlichem Eichenholz und alten gemusterten Teppichen. In dem Charme einer Dorfkneipe hielten Oswald Henke und Emilie Autumn Lesungen, wir tanzten zu Blutengel auf Auslegeware mit Blumenmuster, trafen auf den Gängen die Größen der Szene (unter anderem Chris Pohl), ließen uns von Emilie Autumn in den Arm nehmen. Es gab eine Burlesque-Modeschau, Weinproben, Autogrammstunden und natürlich Konzerte.

Ernst Horn von Deine Lakaien malträtierte bei einem Unplugged-Konzert einen Konzertflügel, während Alexander Veljanov uns, stilsicher mit schwarzem Anzug und aufgetürmter Graf-Dracula-Frisur, mit seiner sonoren Stimme eine Gänsehaut nach der anderen über den ganzen Körper laufen ließ. London After Midnight sah ich hier zum ersten Mal und wurde sofort in den Bann geschlagen.

Zwischendurch gingen wir an den Strand, der über und über mit flanierenden Gruftis übersät war, spazierten über die von Salz und Wind verwitterte Seebrücke. Tatsächlich zeigte sich das Wetter für einen November im Norden ausgesprochen mild.

Irgendwann begannen die Grauhaarigen aufzutauen und ihre anfängliche Verwirrung schlug in Neugier um. Es entstanden Gespräche zwischen Silber und Schwarz und es wurden Fotos geschossen. Erst begannen die Urlauber die Festivalbesucher zu fotografieren und nachher fotografierten die Gruftis die Feriengäste. Alles umwob eine angenehm entspannte Atmosphäre, die einen gruftbeseelt in die späte Nacht entließ.

Das Festival ging zu Ende. Eigentlich sollte es ein paar Monate später im Frühling erneut stattfinden, was sich (trotz des schon begonnenen Kartenvorverkaufs) leider wieder zerschlug. Es sollte einige Jahre und das stete Drängen einer bezauberten und bezaubernden Fangemeinde brauchen, bis das Plage Noire 2018 endlich eine Fortsetzung bekam. Seitdem findet es jährlich statt. Das Old-School-Ambiente mit der rustikalen Eiche und den bunten Teppichen ist nach der Renovierung einem moderneren Anstrich gewichen, aber das Plage Noire ist und bleibt ein ungewöhnliches Festival an einem ungewöhnlichen Ort. Und immer noch erstrahlt Weissenhäuser Strand einmal im Jahr in schillerndstem Schwarz.

Wir sehen uns da!

Ein Line-Up, das sich sehen lassen kann, wie ich finde. Mehr über das Festival erfahrt ihr unter www.plagenoire.de – Einige wenige Karten kann man auch noch erwerben, das Tagesticket kostet jeweils 86 Euro und der Festivalpass ist für rund 150 Euro zu haben.

Freitag

FRONT 242 | BLUTENGEL OST+FRONT | ROTERSAND | ASSEMBLAGE 23 UNZUCHT | TYSKE LUDDER | CENTHRON J:DEAD | CORLYX | SUZI SABOTAGE

Samstag

NITZER EBB | LACRIMOSA | MESH | ZERAPHINE | FRONT LINE ASSEMBLY DIORAMA | NOISUF-X | HEIMATÆRDE | [X]-RX PRIEST |TVINNA | SOULBOUND | DIE SELEKTION BEYOND OBSESSION | JEREMIAH KANE | MENTAL EXILE

Das Publikum vor der Bühne eines Konzerts auf dem Plage Noire Festival 2022
Das Publikum vor der Bühne auf dem Plage Noire 2022 – (c) Christoph Eisenmenger

Anmerkung der Redaktion: „Gruftlord“ ist ein neuer Autor in unserem Blog, der hier in Zukunft ein paar musikalisch geprägte Artikel beisteuern möchte. Er hat mich vor ein paar Wochen kontaktiert und angeboten, etwas beizusteuern, worüber ich mich riesig gefreut habe. Über Feedback zu seinen Artikeln würde er sich sicherlich freuen.

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Kommentare

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Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Vor 1 Jahr

Danke für den kleinen Rück- und Einblick über das Plage Noire Festival.
Selber war ich noch nicht vor Ort, aber schon einige positive Resonanz gelesen.
Die Location mit dem Strand mag für schwarze Seelen wirklich etwas ungewöhnlich sein. Die Fotos der letzten Jahre mit den Festivalbesucher in ihren dunklen Gewänder, der Strand und die weite See, erfüllt das ganze in eine mystische oder gar magische Atmosphäre.
Das Line Up für dieses Jahr macht definitiv auch wieder neugierig.
Es sei noch ein Herzlich Willkommen Herr Gruftlord gesagt und bin auf die nächsten musikalischen Berichte gespannt.
Viel Spass auf dem diesjährigen Plage Noire. ;)

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 1 Jahr

Die Fotos der letzten Jahre mit den Festivalbesucher in ihren dunklen Gewänder, der Strand und die weite See, erfüllt das ganze in eine mystische oder gar magische Atmosphäre.

Bin ja echt kein Strand-Typ, aber das klingt jetzt schon ganz cool muss ich zugeben… 8)

Klein Grün
Klein Grün (@guest_62502)
Vor 1 Jahr

Ich war auch auf dem ersten Plage Noire und habe es damals sehr genossen, dass das Festival so übersichtlich war, sowohl an der Anzahl der Bühnen als auch der Anzahl der Besucher. Das Interieur ist ziemlich passend beschrieben, es hatte eine Atmosphäre von Dorfdisco im Landgasthof. Das war irgendwie putzig, so komplett aus der Zeit gefallen. Anne Clark und In the Nursery spielten in einem Raum, der eine 70er Jahre Aula in der Schule hätte sein können… Und kleinere Bands in einem winzigen Raum, dessen Scheiben toll vibrierten (Client hatten viel, viel Bass). Dann die beliebteren Bands im Zirkuszelt. Ich glaube, das war sogar beheizt. Es war ein tolles Wochenende, an das ich mich leider nur recht verschwommen erinnere. Aber Spaß hatten wir, eine Menge schöner Konzerte und einen Strand mit vielen schwarzen Flecken. Wäre schon spannend zu sehen, wie sich das Ganze inzwischen verändert hat. Vielleicht passt ja irgendwann mal wieder das Line Up für mich, dann schau ich noch mal vorbei…

Marlene
Marlene (@guest_62503)
Vor 1 Jahr

Ich war auch dabei damals (für 0,00 EUR, aber nicht umsonst – siehe Foto… was man eben so aufhebt 🧐🙂). Vermutlich würde es das Festival heute nicht geben, wenn zum Start die Tickets nicht in rauen Mengen verschenkt worden wären. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie seltsam es sich auf bunter Auslegeware tanzte. 😄 Hatte auch das herrliche Dorfdiscogefühl bei Anne Clark und In The Nursery – das waren starke Konzerte in völlig absurden Ambiente 😊🖤 (Bin aber nicht wieder da gewesen, muss ich gestehen. Obwohl der Einstand in guter Erinnerung geblieben ist.)

IMG_20230413_232359.jpg
Klein Grün
Klein Grün (@guest_62506)
Antwort an  Marlene
Vor 1 Jahr

Dann warst Du auch eine der zahlreichen Glückspilze😉Ich habe damals glücklicherweise 2* zwei Tickets gewonnen, sonst hätte ich mir das damals nicht leisten können mit der Unterkunft. So konnten wir zu viert da hin und hatten eine tolle Zeit. Das war wirklich schräg alles. Mein Eindruck war, dass das Festival damals gar nicht großartig beworben wurde. Soweit ich mich erinnern kann, waren nicht allzu viele Besucher dort. Und ich musste schmunzeln, als ich im Bericht die Beschreibung des Eingangs las. So ähnlich ging es mir auch… Ist das wirklich hier? 😂

Marlene
Marlene (@guest_62509)
Antwort an  Klein Grün
Vor 1 Jahr

Nach meiner (doch schon ziemlich dunklen) Erinnerung ging damals das Gerücht um, dass die Tickets in die Verlosung gingen, weil der Vorverkauf recht schleppend lief (?). Es war ja wirklich vergleichsweise teuer aufgrund Hotelunterkunft mit allem Zipp und Zapp. 😊 Ich habe ja immernoch gelauert, ob irgendwann später vielleicht doch noch eine Rechnung kommt für irgendwas. Kam aber nix. 🤗

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 1 Jahr

Von diesem Festival hab ich tatsächlich noch nie was gehört. Ich bin aber auch nicht bei Facebook unterwegs und lese auch keine der „Szene-Heftchen“ mehr, weil diese mir musikalisch zu weit von den Wurzeln abgedriftet sind. Es wäre aber sicher interessant, sich das Festival an einem so anderen Ort mal anzuschauen.

Allerdings spricht mich das Lineup 2023 nicht wirklich an: zu viel Klischee-überfrachtete (deutsch-)düster-hart-Combos… halt eine Mischung wie sie der „Orkus“ und „Sonic Seducer“ inzwischen präsentieren.

Fields of the Nephilim treten doch gar nicht (mehr) auf, auf der Webseite stehen sie auch nicht aufgeführ, im Lineup unter dem Artikel jedoch schon?

Letzte Bearbeitung Vor 1 Jahr von Tanzfledermaus
Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 1 Jahr

Allerdings spricht mich das Lineup 2023 nicht wirklich an: zu viel Klischee-überfrachtete (deutsch-)düster-hart-Combos… halt eine Mischung wie sie der „Orkus“ und „Sonic Seducer“ inzwischen präsentieren.

Dito. 2-3 der Acts würd ich mir ganz gern anschauen, aber das meiste eher nicht. Kein Lineup das mich in den hohen Norden locken würde (die Fields wären schon eher was gewesen, aber selbst dann insgesamt… durchwachsen).

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