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New Romantics: Narzismus als Flucht vor der Realität der frühen 80er

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Die New Romantics gelten als Gegenbewegung zum Punk. Denn während die Punks die Zustände in ihrem Land anprangerten und in zerstörerischer Form mit ihren Gedanken und Outfits umgingen, schufen sich die New Romantics eine eigene Realität, die völlig entgegengesetzt zum Zeitgeist der damaligen Jugend funktionierte. Man gab sich dekadent und elitär und stellte das Outfit vor jeder politische und gesellschaftskritische Haltung. Als Begründer des Stils gilt Steve Strange, Kunststudent und Sänger der Band Visage, der sich in London 1978 einen Namen mit exzentrischen Bowie-Partys machte, in die nur Gäste mit möglichst ausgefallenen und extremen Outfits Einlass hatten. Die New Romantics hörten Human League und Spandau Ballet und hören nun Goethes Erben, Nick Cave und Lacrimosa.

Ich empfinde New Romantics als wichtigen Einfluss für die spätere Gothicszene, da hier die Grundsteine für die spätere Selbstinszenierung der Gothics gelegt wurde. Musikalisch pflegte man kein eigenes Genre, obowhl viel Anhänger der Bewegung musikalisch aktiv waren. Man verschrieb sich dem New Wave und machte hauptsächlich elektronische Musik. Die Bands Visage, Sigue Sigue Sputnik, Adam Ant oder auch Boy George gingen aus dieser Bewegung hervor. Später rechnete man auch Spandau Ballet oder Duran Duran dieser Bewegung zu, weil sie sich in ihren Outfits an dieser Subkultur orientierten.

Steve StrangeObwohl sie als Gegenbewegung zum Punk galten, habe die New Romantics die Ablehnung des System und das Brechen von Konventionen gemeinsam. Lediglich die politische Attitüde ist leiser und aus der Unterkonventionierung der Kleidung wurde eine Überkonventionierung, also übertrieben Chic. Im gegensatz zu den Punks wirkte der Romantiker attraktiver, luxeriöser, schöner und narzisstischer. Designer aus dieser Zeit, wie Vivienne Westwood, Colin Swift und Stevie Stewart griffen Modekonzepte aus vergangenen Zeit auf und formten durch die Überzeichnung einzelner Stilelemente einen neuen Look. So ist der Piratenlook zu dieser Zeit schwer angesagt. Malcom McLaren formt daraus die Band Adam & The Ants, lehnt den ursprünglichen Sänger aber ab. Der sichert sich jedoch die Namensrechte und wird im Anschluss mit Outfit und Musik erfolgreich

Die Zeit der Renaissance, das Mittelalter und die frühe 30er Jahre entliehen der New Romanticszene Stilelemente.Uniformen werden zu Kostümen, Stilbruch zur Revolution. Makeup für Männer wird zum Element eines neuen Lebensgefühls. Gestorben ist dieses Bewegung nie, sondern sie lebt in vielen einzelnen kleinen Ablegern weiter. So richtig modern und schwer angesagt war die Bewegung bis etwa 1983. Die Japaner haben daraus ihre ganz eigene Bewegung gemacht Visual Kei.

Die New Romantics polarisierten nicht nur die Presse, die zwar mit der Attitüde der Punks umgehen konnte, aber den rein visuell fixierten Jugendlichen nichts abgewinnen konnten, sondern auch andere Bands. So gingen Yazoo, Depeche Mode, The Cure und andere angesagte Acts dieser Zeit auf Distanz zu den dekadenten Stilreitern.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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´n Gruftie halt
Gast
´n Gruftie halt

Ja, nee … is klar, Papa.
Jetzt weiß ich endlich auch in welche Streichholzschachtel ich neuerdings am besten passe. Oder vielleicht noch nicht ganz, da ja die Rede ist von sonstwievielen Subsubkulturen. Grundgütiger, hätt ich das bloß mal früher gewusst …

´n Gruftie halt
Gast
´n Gruftie halt

PS.: Ich glaube, ich habe jetzt ein ernstes Problem. Durch die ganze Aufsplitterei in -zig Subsubsub … kulturen hab ich jetzt wahrscheinlich die Kleiderschrank-Inhaltsvielfalt eines jugendlichen Emos. Habt ihr mich trotzdem noch lieb?

*something went terribly wrong*

´n Gruftie halt
Gast
´n Gruftie halt

Das dem “Sich-Nicht-Einordnen-Lassen-Wollen” ist bei mir das “Drüberstehen” übergeordnet, sofern es sich um harmloses Zeug handelt … *ätsch* Ich glaub, das ist eher ein Individualitäts-Wahn, der sich oft mehr in Begrifflichkeiten als in Tatsachen äußert.

… dreh dich beleidigt weg und ich schrei dir hinterrücks ins ohr: TSCHULLIGUNG!!!

*alles klar, bruda?*

´n Gruftie halt
Gast
´n Gruftie halt

Die einen brauchen die anderen um sich eben von denen abgrenzen zu können. In der Pubertät bestimmt ganz nützlich um die irgendwie zu überleben, aber irgendwann wird das auf Dauer doch zu anstrengend, denke ich mir.
Mit Drüberstehen meine ich übrigens auch: Scheiß drauf, wenn´s dir (was weiß ich wie oft und wann und wieso) NICHT gelingt drüberzustehen. Wen hat das zu jucken …?
:D