30 März

Spiegel TV 1990 - Rechtsradikale in der DDR

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Zu einer Repor­tage über Rechts­ra­di­kale im jun­gen wie­der­ver­ei­nigte Deutsch­land, die ich beim Kraft­fut­ter­mi­sch­werk gefun­den habe, sind mit spon­tan ein paar Gedan­ken auf­ge­stie­gen, die ich gerne auf­schrei­ben möchte:

Wir sind das Volk! Das mora­lisch und poli­ti­sche gela­dene Volk der DDR wehrt sich, soli­da­ri­siert sich, pro­tes­tiert, mar­schiert — am 9. Novem­ber 1989 fällt die Mauer. Das Ende der Kon­trolle und der Unter­drü­ckung ent­lädt sich wie ein Gewit­ter, das Wort Nach­hol­be­darf bekommt eine beson­dere Bedeu­tung. Jugend­sze­nen aus Ost und West ver­ei­ni­gen sich wie­der, die aus­ster­bende Gothic-Bewegung erhält völ­lig neue Impulse und unglaub­lich viel Ener­gie, die neue Frei­heit sorgt für das Inten­sive ver­lan­gen sich zu individualisieren.

Doch wo Licht ist, das ist auch Schat­ten, denn das poli­ti­sche Vakuum Anfang der 90er sorgt für eine neue poli­ti­sche Ori­en­tie­rung vie­ler jun­ger Men­schen. Auch faschis­ti­sches Gedan­ken­gut trifft auf frucht­ba­ren Boden, die Ableh­nung aus­län­di­scher Ver­trags­ar­beit­neh­mer1 ent­lädt sich in auf­ge­stau­ter Wut und blan­kem Hass. Jedem ist der Ort Hoyers­werda ein Begriff, an dem es 1991 zu mas­si­ven Aus­schrei­tun­gen gekom­men ist. Am 20. April 1990, dem Geburts­tag von Adolf Hit­ler tref­fen unzäh­lige Rechts­ra­di­kale am Alex­an­der­platz auf eine völ­lig über­for­derte Staatsmacht.

Eine Spiegel-TV Repor­tage fasst zusam­men, was sich Anfang 1990 im Osten der Bun­des­re­pu­blik abspielt. West­deut­sche rechts­ra­di­kale rekru­tie­ren mit Leich­tig­keit unzäh­lige junge Leute, die auf der Suche nach Struk­tur und Ord­nung in ihrem Leben fal­sche Ideo­lo­gien Glau­ben schenken.

Man sollte mei­nen, 20 Jahre soll­ten rei­chen um Wis­sen zur Ein­sicht zu machen, aber ein Blick in den Wes­ten zeigt, das offen­sicht­lich auch 60 Jahre nicht rei­chen. Das ein­zige was man gelernt hat ist, die eigene Nai­vi­tät zu kon­trol­lie­ren und offen­sicht­li­che äußer­li­che Merk­male zu ändern. Wie­viele Jahre sind noch not­wen­dig bis der Nähr­bo­den nicht mehr frucht­bar ist? Wird ihre Zahl klei­ner, oder wer­den die ande­ren unsicht­ba­rer? Müs­sen wir wie­der bis zur Fussball-WM war­ten um stolz zu sein aus Deutsch­land zu kom­men? Am 20. April 2010 wer­den wir sehen, wer immer noch die alten Lügen der rech­ten Szene glaubt.

  1. So nannte man Gast­ar­bei­ter in der DDR, 1989 arbei­te­ten etwa 94.000 soge­nannte Ver­trags­ar­beit­neh­mer in DDR-Betrieben, im Gegen­satz zum Wes­ten hat man hier aber nie ver­sucht die Gäste zu inte­grie­ren []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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