7 Mai

Spontis Wochenschau #2/2016: Kontrolle über die Subkultur!

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Spontis WochenschauEndlich Urlaub! Es wird allerhöchste Zeit meine Synapsen von den Pflichten den Berufslebens zu befreien, mich auf das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig vorzubereiten und dem „Vergnügen“ freien Lauf zu lassen. Für den Fall, dass mich jemand falsch versteht: Unter Vergnügen verstehe ich nicht den Besuch von Belantis, den offiziellen Austragungsort der Eröffnungsfeierlichkeiten, sondern vielmehr das Eintauchen in die Parallelwelt, die während des bunten Alltags eigentlich nur kurz überflogen wird. Weg von den Menschen, die ich tagtäglich neben mir ertragen muss und weg von den Kompromissen in Styling und Verhalten. Hinein in (m)eine schwarze Parallelwelt, umgeben von Gleichgesinnten, die ein bisschen so aussehen wie ich, die fast gleiche Musik hören und idealerweise auch noch gleiche Interessen, Ansichten und Lebensweisen nachgehen. Ich glaube, das wirklich Erholsame an der ganzen Sache ist die Erklärungslosigkeit und die völlige Rechtfertigungsfreiheit. Ich muss niemandem erklären, welche Musik ich höre, warum ich so rumlaufe und wieso ich das alles mache. Okay. Ganz so rosig ist es dann doch nicht. Ich muss mich zwar nicht mehr nach „Außen“ verteidigen, dafür tobt aber im „Innern“ der Szene ein Kampf. Eröffnungsfeier im Vergnügungspark, Gothic-Messen in der Kirche, Gothic-Fun-Run und Gothic-Fetisch-Party. Muss ich jetzt echt erklären warum das alles irgendwie komisch ist? Bin ich gar der Einzige, der das merkwürdig findet? Doch halt! Der Lichtblick ist nicht fern! Am Donnerstag vor dem WGT diskutiert man irgendwo in Leipzig darüber, wie man die Kontrolle über die Subkultur zurückerlangen könnte. Puh, endlich macht mal einer was. Hier die Links:

WGT-Spezial

  • WGT 2016: Ist das noch Lifestyle oder kann das weg? | Frontal
    Onkel Tom drückt sich, wie er in seinem Blog-Artikel schreibt, schon eine ganze Weile in der düsteren Szene herum. Schon eine ganze Weile meidet er die großen Festivals, weil er mit den Entwicklungen derer nicht so ganz einverstanden ist. „Das schließt auch das Wave Gotik Treffen nicht aus, dessen letzter Besuch bei mir aus dem Jahre 1997 datiert und das ich in all der Zeit immer nur aus der Ferne betrachtet und mir gerade in den letzten Jahren meinen Teil gedacht habe. Vermutlich wäre es auch dabei geblieben, wenn sich die Veranstalter nicht zum 25 jährigen Bestehen eben jenes Festivals den größten Hirnfurz erdacht hätten, den es seit jeher gab und bei dem sich im Nachhinein bei mir der Wunsch einstellte, dass mit dem Bankrott des Festivals im Jahre 2000 dieses auch besser in die ewigen Jagdgründe eingegangen wäre: Eine Eröffnungsfeier im Vergnügungspark Belantis.“ In Zeiten, in denen man sich bei Facebook immer neuen Mut zuspricht, gemeinsam auf die Achterbahn zu gehen, eine erholsame Alternative. (Danke an Mone vom Rabenhorst)
  • WGT 2016: Bands, WGT-Planer, News und Co. | Monkeypress
    Das Team von Monkeypress macht zur Zeit einen höllisch (gruftiges Wortspiel) guten Job. Sie sammeln akribisch musikalische Informationen rund um das WGT 2016 und bieten zur Zeit einen recht verlässlichen Kalender, um den Besucher schon im Vorfeld eine detaillierte Planung zu ermöglichen. Darüber hinaus finden sich dort auch alle relevanten Informationen und man nutzt auch die Gelegenheit, einzelne Genre der schwarzen Musik und die auftretenden Bands vorzustellen. Die Artikel zu Electro & Ambient, Neofolk & Neoklassik und Rock, Punk & Wave versuchen sich bereits an einer Einordnung der auftretenden Bands.
  • WGT 2016: Wave-Gotik-Treffen-Guide App für Android und iOS | WGT-Guide
    Wo wir schon mal – und fast unweigerlich – beim WGT sind, die mittlerweile schon ziemlich bekannte App „WGT-Guide“ von Tobias Theiss gehört ja schon irgendwie zum Pflichtprogramm der Smartphone-Gruftis. Dieses Jahr ist sie sogar kostenlos in den entsprechende Stores erhältlich, weil die App nun direkt von den Veranstaltern des Wave-Gotik-Treffens unterstützt wird. Als neue Funktion in diesem Jahr gibt es ein umfangreiches Händlerverzeichnis, an dem alle Geschäfte und Shops teilnehmen können, die auf dem WGT vertreten sind.
  • Zeitpunkt Magazin - Leipzig Mai 2016

    Ein Klick auf das Bild endet direkt mit der Online lesbaren Version des Stadtmagazins.

    WGT 2016: Stadtmagazin „Zeitpunkt“ mit spezieller Ausgabe zum Wave-Gotik-Treffen | Zeitpunkt
    Das Stadtmagazin für Leipzig „Zeitpunkt“ widmet sich in seiner Mai-Ausgabe dem Wave-Gotik-Treffen. Ein sehr schöner Artikel zu den Anfängen des Treffens erregte meine Aufmerksamkeit: „Es ist der 30. April 1988. Walpurgisnacht. Zwanzig Jugendliche verabreden sich zu einer kleinen Feier an der Schloßruine Belvedere in Potsdam. Darunter auch Michael. Er ist der spätere Initiator des ersten WGT: Michael W. Brunner. Den Treffpunkt hier im alten Cafè Heider für diesen Tag, hatte er mit ein paar Freunden schon lange ausgemacht. Doch dann, ganz ohne Handy, ohne Internet – allein durch Mundpropaganda werden aus den ursprünglich 20 Verabredeten, hunderte aus der schwarzen Szene. Sie reisen aus allen Teilen der Republik an. Das ist der Grund warum das traditionsreiche Café an diesem Tag voller „Grufties“ ist.

“ Doch nicht nur diese Geschichte ist im Heft zu finden, sondern auch noch zahlreiche andere Geschichten und Artikel zum Treffen.

  • WGT 2016: Gruftis, Punks und Co. – Alternative Jugend im Visier der Stasi | BStU
    Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. Wer die Ausstellung über Gruftis in der DDR immer noch nicht gesehen haben sollte, erhält auch 2016 wieder die Möglichkeit, dem Museum der Stasi einen Besuch abzustatten. Am Samstag wird dort ab 11:00 ein Tag der offenen Tür eingerichtet, der Einblick in die Akten gewährt und auch zahlreiche Lesungen bietet.
  • WGT 2016: 10 Insider-Tipps zum Wave-Gotik-Treffen | Der schwarze Planet
    Schon fast ein Klassiker die Tipps von Shan Dark, die nach 15 Jahren WGT tatsächlich von einer gewissen Erfahrung reden kann. Auch lesenswert und im gleichen Blog erschienen: 16 Tipps von guten Freunden.
  • WGT 2016: Das Wave-Gotik-Treffen beim Mitteldeutschen Rundfunk | MDR
    Chapeau, lieber MDR, Chapeau! Zum Anstehenden Treffen in Leipzig hat der in der Stadt beheimatete öffentlich-rechtliche Sender eine spezielle Seite in seiner Webpräsenz eingerichtet. Und tatsächlich scheint man sehr bemüht, seinem Bildungsauftrag nachzukommen und präsentiert einen Haufen interessanter Artikel zum WGT, viele Interviews mit interessanten Leuten und scheut sich auch nicht davor, heiße Eisen in den Mund zu nehmen. Inga Siebert wurde nochmal zu ihrer Doku „Vita Negra“ befragt, die sie 2014 beim MDR vorstellte: Über das Leben in Schwarz und Steampunk-Rollenspiele. Uwe Roesch, der Macher des Grufti-Comic-Helden „Dead“ stand ebenfalls Rede und Antwort über seine Comics und die Szene selbst: „Der durchschnittliche junge Mann von nebenan, der im Eichensarg schläft.“ Daneben gibt der MDR auch noch Tipps für einen WGT-Besuch ohne Festivalbändchen, stellt Vionas Victorian Village vor und spart auch nicht mit unzähligen Fotos. Unfassbar: Ganz ohne Klischees nähert man sich der Faszination des Treffens in all seinen Facetten und legt offensichtlich Wert auf eine ausgeglichene Berichterstattung. Sehr schön!

Und sonst?

  • Im Gespräch mit Chris Corner (IAMX) | T-Arts
    Edith und Marcus hatten die Gelegenheit, Chris Corner, der vor kurzem seine „Metanoia-Tour“ beendet hat, ein paar Fragen zu stellen. Eindrucksvoll, wie sie die Gelegenheit genutzt haben, denn selten liest man ein Interview in etablierten Düster-Magazinen mit Fragen abseits des Mainstreams, obwohl das doch eigentlich im Kern der Subkultur liegen sollte. T-Arts hält die Fahne der Andersartigkeit in den Wind der Belanglosigkeit und entlockt dem Künstler einige interessante Antworten:  „T-Arts: Du bist Atheist, nicht wahr? Findet in Deinem Leben trotzdem eine Art von Spiritualität abseits der Religionen statt? Und wie gehst Du mit offensiv religiösen Menschen um? Chris Corner: Religiöse Menschen meide ich, wenn es geht. Ich vermeide sie deswegen, weil Glaube per Definition unvernünftig ist und sehr oft in tiefenpsychologischen Dingen wurzelt. Oder aber im Fehlen jeglicher intellektueller Neugier. Religion bedeutet, Deinem Wissen Grenzen zu setzen. Es bedeutet, ein Sicherheitsnetz zu knüpfen, durch welches Du durchs Leben getragen wirst. Ein großer Papa im Himmel findet dann Erklärungen für den Mist, den du hier verzapfst. Wissenschaft, Vernunft, Atheismus bedeuten, die Welt so hinzunehmen, wie sie sich darstellt. Und der existenten Welt alles zu entnehmen, was sie an Furcht oder Schönheit bietet. Lebe den Augenblick.“
  • Leaving a mark: How ash tattoos help the living remember the dead | National Post
    Asche-Tattoos? Genau. Die Idee ist simpel: Die Asche eines Verstorbenen wird in einer entsprechenden Tinte aufbereitet und dann dem Trauernden als Tattoo unter die Haut gebracht. Eine Tätowierung MIT dem Verstorbenen. Noch ist das Ganze ziemlich Underground, weil sich Tätowierer noch nicht über die Risiken der Prozedur im Klaren sind, aber wer möchte, findet sicherlich jemanden, der bereit ist, das zu machen. „Trish Rodgers filled a small bottle cap with her dead aunt’s ashes and emptied it into a vial of black ink. In her apartment, the tattoo artist used the combination of human remains and tattoo pigment to draw the outline of a rose into her cousin’s shoulder. At that point, this was a practice that only tattoo artists used amongst themselves, Ms. Rodgers says. But since that evening in 2008, it has garnered attention of sociologists across the world and Canadian tattoo parlours are seeing requests for the procedure grow. But it remains largely underground, says Ms. Rodgers, and many artists refuse to offer it to the public, citing the “unknown risks.”
  • French perfume maker bottles scent of the departed | The Guardian
    Wenn wir jetzt schon das Bild von Oma auf dem Oberarm tätowiert haben, dann wollen wir auch riechen wie Oma immer gerochen hat, oder? Die Franzosen machen es möglich, denn da kreieren findige Leute aus den Hinterlassenschaften der Verstorbenen den unverwechselbaren Duft: „A French company has come up with a novel way to keep people close to their departed loved ones: bottling their unique scent as a perfume. Like many struggling to get over the death of a loved one, Katia Apalategui’s mum held on to her late husband’s pillowcase to keep the precious smell of the man she loved. It inspired the 52-year-old insurance saleswoman to think up ways to capture and preserve a person’s individual scent so people in her position would never have to long for a whiff of their loved one again. After years of knocking on doors to try and develop her idea, Apalategui was put in touch with the northwestern Havre university which has developed a technique to reproduce the human smell.
  • Deutsche Jugendliche wollen Mainstream sein | Die Zeit
    Schluss mit der Szene. Wie werden irgendwann aussterben. Der Grund: Der Nachwuchs hat es nicht mehr so mit der Rebellion und der Andersartigkeit: „Die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugendsubkulturen gebe es kaum mehr. Mainstream gelte weniger als Schimpfwort, sondern als Schlüsselbegriff zur Selbstbeschreibung. Die Jugendlichen in Deutschland wollen sich demzufolge kaum mehr abgrenzen und streben gemeinsame Werte wie Freiheit, Aufklärung und Toleranz an. Der „Neo-Konventionalismus“ deute „auf eine gewachsene Sehnsucht nach Aufgehoben- und Akzeptiertsein, Geborgenheit, Halt sowie Orientierung in den zunehmend unübersichtlichen Verhältnissen einer globalisierten Welt“ hin, schreiben die Auftraggeber der Untersuchung.“ Die neuen Szenen orientieren sich am sozialen Hintergrund und den damit verbundenen Möglichkeiten. Ist das vielleicht der Boomerang unserer ausgelebten Individualität? Rebelliert die Jugend nun vielleicht gegen die Rebellion selbst?
  • Forschen über die Endlichkeit – 5 Fragen zum Tod | Spektrum
    Stichwort Bildungsauftrag: Das Wissenschaftsmagazin beschäftigt sich mit dem Tod und allen verwandten Phänomenen, wie beispielsweise der Nahtoderfahrung: „Aus solchen Experimenten und Erfahrungen schließen die Wissenschaftler auf das Zustandekommen von Nahtoderfahrungen. „Es gibt Hinweise darauf, dass der Schläfen- und der Scheitellappen sowie ein Gebiet zwischen den beiden, der Gyrus angularis – eine wichtige Schaltstelle –, besonders empfindlich gegenüber einer extrem gestörten Ernährungssituation im Gehirn sind“, so Engmann. Eine eindeutige Zuordnung in dem Sinn, dass ein einzelnes Gebiet eine ganz bestimmte Nahtoderfahrung hervorruft, sei aber auf Grund des Netzwerkcharakters des Gehirns nicht möglich. „Der Nahtod ist Ausdruck einer Funktionsstörung im Gehirn. Wichtig ist hierbei: Wir sprechen wirklich nur vom Nahtod. Der Individualtod ist eben noch nicht eingetreten – zum Glück! Das wäre wieder ein anderer Zustand, über den uns wirklich keinerlei Erfahrungen vorliegen.
  • Beyond Beauty: Südkoreas illegale Tätowiererszene | i-D
    Grace Neutral ist selbst ein lebendes Beispiel für die Freiheit mit seinem Körper machen zu können, was man will. Für das i-D Magazin erforscht sie nun aber die Abgründe anderer Länder: „In der zweiten Folge der vierteiligen Reihe ist Grace in der Tätowiererszene Seouls unterwegs. Zwar ist es in dem Land gesellschaftlich akzeptiert, sich als junger Mensch unter das Messer zu legen (die Schönheitsindustrie ist sechs Milliarden Dollar schwer), aber Tätowierer zu sein, ist illegal. Von Underground-Tätowierern bis zu Partys, Grace trifft junge Südkoreaner, die Schönheitsideale jenseits von Mainstreamvorstellungen leben und wollte mehr darüber erfahren, was das für einen Einfluss auf die Leben junger Südkoreaner hat.

    https://www.youtube.com/watch?v=tEUWBlUuUHU

1 Kommentar

  1. Schau schau, da taucht mein kleiner Rant tatsächlich in er Wochenshow auf…
    glücklicher Weise ist mir der Gothic Fun Run erst nach Veröffentlichung des Blog-Eintrages in die digitalen Finger gerutscht, sonst wäre der Kommentar vermutlich noch ausgeartet.
    Es ist ja nicht so, dass dies alles böse Dinge sind, aber alles hat seinen Platz. Und warum die Szene außer Kontrolle geraten ist – nun, das hat mit unendlicher Toleranz zu tun, die man Allem und Jedem entgegengebracht hat. Egal, wie blödsinnig eine Idee oder eine Strömung in der Szene auch erschien, man rühmte sich mit der totalen Toleranz: „Lasst sie doch, wenn es ihnen Spaß mach…“, wohl eines der meist gehörten Zitate in den letzten zwei Jahrzehnten und dies öffnete die Tür für all das, was einem da jetzt so zustößt. Ob die Szene so noch eine Chance hat ist wohl eher zu bezweifeln, und die Kontrolle über diese Subkultur bekommt man so mit Sicherheit nicht zurück…

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