Wochenschau: Mit dem Backfire-Effekt gegen unangenehme Fakten

Ich wusste, es hat einen Namen. Backfire-Effekt nennt man es, wenn Fakten und Argumente bei Menschen, die irgendeiner absurden Ideologie hinterherlaufen, genau das Gegenteil bewirken. Die Ansichten verfestigten sich. Verharzen, verkoken und verkleben fände ich in diesem Kontext zwar besser, aber ich will nicht so pingelig sein. Gut, der tolle Effekt mit dem klingenden Namen ist nicht wirklich bewiesen, klingt dafür aber enorm schlüssig. Das neue Jahrzehnt, das letztes Jahr begonnen hat, eignet sich ausgezeichnet, um sich mit einer eigenen „Blase der Wahrheit“ überschüssige Nachrichten, unangenehme Tatsachen und nicht einsortierbare Grauzonen vom Hals halten und Überzeugung reifen zu lassen, die auch die stärksten Fakten in die Schranken weisen. Allerdings kommt dieser nicht bewiesene Effekt in den besten Familien vor, es fällt auch einfach wahnsinnig schwer, eingefleischte Überzeugungen auf den Kopf zu stellen. Früher habe ich mal gedacht, in den meisten Menschen steckt etwas Gutes. Die Tatsachen scheinen zu sagen, es ist genau andersherum. Hier die aktuelle Wochenschau mit Fakten, die ich mir nicht ausgesucht habe.

Nevermind-Cover-Baby verklagt Nirvana wegen Kinderpornografie | Musikexpress

Spencer Elden, so heißt das Baby, das auf dem legendären Album-Cover nach einem Geldschein taucht, hat die Band Nirvana auf Schadenersatz verklagt, weil er sich durch das Bild „lebenslang geschädigt“ sieht. „Der Vorwurf Eldens ist schwerwiegend. Er beschuldigt die Band, mit ihrem Cover wissentlich kommerzielle Kinderpornografie in Umlauf gebracht zu haben. Zudem habe es für das Bild ihm zufolge nie eine offizielle Erlaubnis gegeben. In der Anklageschrift heißt es hierzu: „Weder Spencer noch seine Erziehungsberechtigten haben jemals eine Freigabe unterschrieben, die die Verwendung von Bildern von Spencer oder seines Bildes erlaubt, und schon gar nicht von kommerzieller Kinderpornografie, die ihn zeigt.““ Ein merkwürdiger Sinneswandel, hatte er doch vor 5 Jahren das Albumcover anlässlich des 25. Jubiläums noch freiwillig nachgestellt. Möglicherweise erfüllt sich nach 30 Jahren die Bildsprache des Covers doch noch.

Sex-Pistols-Musiker gewinnen Prozess gegen Johnny Rotten | Spiegel

Zwei ehemalige Mitglieder der Punkband „Sex Pistols“ haben einen Gerichts-Prozess gegen Frontmann John Lydon aka Johnny Rotten gewonnen. Es ging um die Nutzung von Sex Pistols Songs in einer TV-Serie über die Band, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Lydon wollte die Verwendung verhindern, weil er die Serie für „Gift“ hält und sich „zutiefst beleidigt fühlt“. „Der High Court in London gab Cook und Jones am Montag Recht. Sie dürfen die Songs der Sex Pistols für die von Disney produzierte Serie nutzen, wenn die Mehrheit der Bandmitglieder zustimmt. Die Anwälte des Duos hatten argumentiert, innerhalb der Band gebe es seit 1998 eine Abmachung, dass über Anfragen für die Lizenzierung von Musik per Mehrheitsbeschluss unter den Mitgliedern entschieden werde.

„Tutti Frutti“ als geheime Ware | TAZ

Das Internet macht es möglich. Musik gibt es immer und überall. Doch das war nicht immer so und noch deutlich verschärfter in Staaten, die aktive Zensur ausübten. So war es in der Sowjetunion lange unmöglich, Platten aus dem Ausland zu bekommen und „westliche“ Künstler zu konsumieren. Da haben die Leute Raubkopien gemacht und verteilt. Auf alten Röntgenaufnahmen. „Es sind fragile Objekte von geradezu gespenstisch anmutender, surrealer Schönheit: Auf einem der kreisrunden Artefakte erkennt man einen Rippenbogen, auf einer anderen etwas, das die Laiin eventuell für einen Oberschenkelknochen halten würde. Auf einer dritten sieht es so aus, als sei jemandem in den Kopf geschossen worden. Doch das Loch in der Mitte der Scheibe, die das Röntgenbild eines menschlichen Schädels zeigt, wurde nachträglich in das weiche Material gestanzt. Eine Schallplatte braucht schließlich ein Loch.“

Woodstock 99: Peace Love and Rage | Pitchfork

Das 30-jährige Jubiläum des Woodstock sollte mit der dritten Auflage des legendären Festivals einen Höhepunkt vor der Jahrtausendwende bilden. Rund 250.000 Besucher machten das Ereignis allerdings zu einem Desaster, das von Gewalt, Zerstörung und Vergewaltigungen überschatten wurde. „By now, Woodstock ’99 holds a particularly wretched place in the collective memory. The mere mention of the doomed festival’s name likely brings to mind images of apocalyptic bonfires, rivers of human waste, and Fred Durst screaming a song about breaking shit to a sea of bros who are doing just that.“ Im kollektiven Bewusstsein versagen selbst die simpelsten Kontrollmechanismen. Der Mensch ist eben auch ein Tier.

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Drogen, Punk und wilde Liebe – Die Geschichte von Sid Vicious & Nancy Spungen | Reich, schön, tot – True Crime

Im Oktober 1978 wurde Nancy Spungen in einem Hotel in New York erstochen aufgefunden. Sid Vicious wurde wegen Mordverdachts festgenommen und im Februar des nächsten Jahres gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt, entzog sich aber weiteren Untersuchungen durch eine Überdosis Heroin. Ein Podcast möchte die Geschichte nun aufarbeiten: „Es ist der 12. Oktober 1978, als Nancy im berühmten Hotel Chelsea in New York neben ihrem Freund, dem Bassist der Sex Pistols Sid Vicious, aufwacht. Sie hat starke Schmerzen im Unterleib. Als sie sich mit ihrer zitternden Hand an den Bauch greift, ist diese voller Blut. Heute geht es um eine wilde Liebesgeschichte, die Ära der krassen Punkszene der 70er-Jahre, jede Menge harter Drogen und wahrscheinlich sogar um zwei Morde.“ (danke Sophie)

Keine Bühne den Faschisten: Vorwürfe rund um die Distanz-Kundgebung und Statement der Crew | Leipziger Zeitung

Wie die LIZ berichtet, wurden die Veranstalter des DisTanz-Festivals, das am 14. August stattfand, im Vorfeld der Veranstaltung über die sozialen Netzwerke darüber informiert, dass einige Künstler*innen im Line-Up einen fragwürdigen Hintergrund hätten: „Was als Fortsetzung einer gelungenen Kundgebung zur pandemiebedingten Situation der Kulturschaffenden im vergangenen Jahr gedacht war, entwickelte sich nun jedoch schnell zu einem Shitstorm. Viele Medienkanäle machten darauf aufmerksam, dass das Selbstverständnis der Veranstaltung stark von Teilen des Line-Ups abweicht. Während man sich auf der Website für Awareness, Vielfalt und Gleichberechtigung ausspricht, wurden anscheinend zwei Acts gebucht, die stark von diesem Bild abweichen.“ Die Acts wurden umgehend ausgeladen.

Tierzähne, ein Geweih und ein Kinderskelett – Das rätselhafte Grab der Schamanin | GEO

Das Leipzig nun die Wirkungsstätte des Wave-Gotik-Treffen ist, hat seinen Grund. Vor rund 9000 Jahren wurde nämlich dort eine Geisterbeschwörerin bestattet, mit kuriosen Grabbeigaben. Jetzt tanzen Gruftis zu Pfingsten auf einer steinzeitlichen Grabstätte. Also wenigstens grob. „Menschen, die als Jäger und Sammler umherziehen, bestatten an diesem Tag, irgendwann um 6800 v. Chr., in Mitteldeutschland eine Frau, die zu Lebzeiten höchstes Ansehen genossen haben muss: eine Schamanin, die zwischen den Lebenden, den Naturgeistern und den Ahnen vermittelte. Ihr Grab, das 1934 nahe Leipzig entdeckt wurde, gewährt einzigartige Einblicke in die magische Kultwelt der Steinzeit. Keine andere Ruhestätte in Deutschland bietet so zahlreiche Hinweise auf die Existenz von Schamanen, deren Leben, Wirken und Sterben.

Wenn Spiritualität in die Haut geht | rbb24

Die Kirchen leiden seit Jahren unter Mitgliederschwund, doch das Verlangen der Menschen nach Sinnerkenntnis und Spiritualität ist geblieben. Anstatt sich diese Dinge von traditionellen Religionen zu holen, zählt man mehr und mehr auf eigene Rezepte. So gibt es in Berlin-Neukölln ein Studio für rituelle Tätowierungen: „Sie erhält hier heute ein Tattoo, das nicht nur ihre Rückenschmerzen beseitigen, sondern Izabela auch mehr Ruhe, Geduld und Selbstvertrauen geben soll.[…] Bevor die Tätowiererin zur Nadel greift, hat sie mit Izabela gemeinsam meditiert, um das passende Motiv zu finden. […] Die rituelle Körperbemalung sei nur ein Teil des Prozesses. Meditation und sogenannte „Heilsessions“ davor und danach gehören bei ihr mit zum Angebot.“ Hoffentlich können die Menschen, die das Innere so Extrovertiert nach Außen tragen, die Grenze zum Unsinn noch ziehen. (danke Caro)

Castle Party 2021 – The People | Amadeusz Andrzejewski

Vom 8. bis zum 11. Juli fand im polnischen Bolków die Castle Party 2021 statt. Drei Tage Normalität nach fast 2 Jahren Abstinenz. Man sagt, alle Auflagen der Regierung wurden eingehalten. Trotzdem wirkt das alles so befremdlich auf mich. Ich fürchte, wenn Corona irgendwann „vorbei“ ist, muss ich mich wieder an das Leben gewöhnen.

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Stella Nomine – „Wir sind begeistert von diesem Festival!“ | Torgauer Zeitung

Nachdem das Stella Nomine im Torgauer Entenfang im letzten Jahr ausfallen musste, konnte es dieses Jahr unter den fast schon üblichen Corona-Maßnahmen stattfinden. Mit dabei waren unter anderem Das Ich, She Past Away, Wisborg, Ash Code und Other Day. In der Torgauer Zeitung äußert sich Bruno Kramm: „Dass nun endlich wieder Veranstaltungen dieser Art stattfinden können, hat irgendwie etwas Unwirkliches – es fühlt sich an, wie nach Jahren aus dem Koma aufzuwachen“, beschreibt er eindringlich. „Ich finde es total cool, dass Thomas (Thomas Richter, der Stella-Nomine-Veranstalter, Anm. d. Red.) dieses Festival veranstaltet und auch dieses Risiko eingeht! Denn ein neues Festival ist am Anfang sowieso immer erstmal ein Risiko und dann auch noch während der Pandemie…“.

Kreuzmühle startet mit neuem Video in die Wiedergeburt | Kreuzmühle

Die Kreuzmühle startet mit einigen Events zaghaft in die gefühlte Wiedergeburt. Am 30. Oktober lädt Remo Sorge zum legendären Göttertanz an Samhain mit DJ Tom Manegold.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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