Spontis Wochenschau #05/2013

Well, you wonder why I always dress in black. Why you never see bright colors on my back, And why does my appearance seem to have a somber tone. Well, there’s a reason for the things that i have on.“ Angesichts der aktuellen Wochenschau möchte ich jedoch ein klein wenig daran zweifeln dürfen. Jedenfalls für mich persönlich. Da gibt es doch tatsächlich jemanden, der „Goth“ ist und Blut trinkt. Eigentlich klar. Jeden Abscheulichkeit, die sich ein Mensch ausdenkt, wird irgendwo gelebt. Bevorzugt in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schließlich kommt die zitieren Textzeile aus dem gleichen Land: Johnny Cash sang „Man in Black“, weil ihn die Leute immerzu fragten, warum er hauptsächlichen schwarze Klamotten trägt. Herrje. Und dann gibt es da noch eine Bloggerin, die mir schon seit Ewigkeiten auf die Nerven geht. Ich meine, ich bin auch selber schuld, warum habe ich ihre Seite auch in meinem Feed-Reader? Womöglich um an das erinnert zu werden, was Gothic nicht ist: Ein reiner Kleidungsstil – und überhaupt, was für ein Stil?. Fast so schlimm wie dieses rumgepose mit den ganzen Leuten die sie trifft. Herrje. Ich reiße mich ja schon zusammen. Habe mir ja selbst aufgeschrieben, dass ich als Gegenbewegung zur Meckerkultur blogge. Gelegentlich muss ich mich selber daran erinnern. Tut gut. Genießt eure Woche mit handverlesenen Links zum schmökern, staunen und echauffieren (klingt besser als meckern).

  • Tropische Goths – Szene in Südamerika | VICE
    Maria Isabel Rueda hat seit den frühen 90ern in Ländern wie Kolumbien, Mexiko und Kuba die Gothic-Szene fotografiert. Sie hat ihre Arbeit in eine Reihe Zeitschriften gebracht, die erste war Tropical Goth und ließ mich meine Position gegenüber der ganzen „Gothic“-Sache überdenken.“ Die Einleitung überlasse ich direkt der Quelle, den Rest lieber nicht, den manche Fragestellungen sind einfach furchtbar. Wie dem auch sei, Gothic ist ein weltweites Phänomen. Das Internet trägt auch die Subkulturen in die entlegensten Winkel unserer Erde. VICE befragte Rueda nach ihrer Zeitschrift und fand heraus, dass Gothic auch in Kolumbien seinen Platz erobert: „Die Leute gewöhnen sich langsam an Goths und solche Sachen. Post-Internet, nichts kann mehr wirklich schockieren. Damals war Goth etwas, über was man mal gelesen oder auf einer Platte gehört hat, doch gesehen hat man es selten […] Wenn man so gekleidet in Kolumbien aus dem Haus gegangen ist, war das eine klare Botschaft oder ein Zeichen von Opposition. Vielleicht wussten die Leute selber nicht, was es war, oder gar richtig darüber reden, wogegen sie sich stellten, doch sie wussten, dass ihre Erscheinung sichtlich schockierte.“
  • Goth-Queen in Hong Kong | La Carmina
    Während wir uns verzweifelt um Tiefe bemühen, kämpft Bloggerin La Carmina um die modischen Aspekte. Wie neulich in Hong Kong. Sie hat es als Autorin, Journalistin und Moderatorin bereits zu einer „kleinen Berühmtheit“ gebracht. „She specialises in goth and Harajuku fashion and Japanese pop culture, and has written three books: The Cosmos in a Carrot, Crazy, Wacky Theme Restaurants: Tokyo and Cute Yummy Time. Canadian-born with Hong Kong parents, La Carmina writes on travel for CNN, AOL and The Huffington Post, and hosts TV shows in countries including Japan, France and Norway. She has also appeared on popular TV programmes such as Bizarre Foods, Oddities and Taboo. With a large and passionate online following, La Carmina writes a regular online travelogue and is now filming a documentary in Japan.“ Es geht um – Mode. Auf dem Rücken einer Subkultur oder als unausweichliche Erscheinung eines alternativen Kleidungsstils?
  • Goths return „home“ for April spectacular | Whitby Gazette
    Ende der Woche ist es soweit. Noch vor dem WGT eröffnet das Whitby-Gothic Weekend die Festival-Saison. Diesmal mit 2 völlig verschiedenen Thementagen – interessante Idee übrigens. Die Whitby Gazette sprach mit Jo Hampshire über die Schwierigkeit Besucher zu rekrutieren und über Whitby als Standort für das Wochenende: „
    Jo, who has been running the event for the past 19 years, said she hopes, so long as people continue to support the event, whether through buying tickets or sponsorship, it will continue long into the future. “I don’t think it will ever move from Whitby,” she added. “Whitby is it’s home. Goths come to Whitby all year round, whether it’s goth weekend, they come because of its connections to Bram Stoker’s Dracula or for Whitby Gothic Weekend, it would not be the same to run it in another town, Whitby is at its heart.”
  • Eine wilde Partynacht mit Grufties (oder auch nicht) | VICE
    Was für einen Eindruck gewinnt eigentlich ein Berliner Party-Gänger, der zum ersten mal eine „waschechte“ Gruftie-Party-Nacht besucht? Luke Atcheson hat es ausprobiert und bringt einige Eindrücke mit: „Mir wurde empfohlen, zur Peak Time um 1 Uhr morgens aufzutauchen. Angeblich sind die nächsten zwei Stunden die beste Zeit, um hier abzuhängen. Aber wenn das Batcave der Alphaclub des Gothic ist, dann scheint Factory sein Omega zu sein. Es kam mir weniger wie eine wilde, laute Huldigung an den Untergrund vor, sondern eher das Gewimmer einer Todesfee oder das finale Gurgeln einer zu Tode geweihten Szene. Komische Typen, die nicht wirklich angemessen gekleidet waren, standen mit einem Bier in der Hand auf der einen Seite, während sich diejenigen, die extra für den Anlass ihre Lederhose aus dem Schrank gekramt hatten, gleichermaßen unbeeindruckt zeigten. Alle blickten auf die Tanzfläche und warteten darauf, dass etwas passierte—irgendetwas.“ Interessante Bilder, die der Fotograf dort eingefangen hat
  • Gothic Fans bemalen Wartehäuschen | Augsburger Allgemeine
    Ganz schön allgemein. Da schmiert jemand die Buchstaben „BNM“ an eine Bushaltestelle und niemand weiß was das zu bedeuten hat. Glücklicherweise ist die Augsburger Polizei auf Zack: “ Die Ermittler haben im Internet recherchiert – und sind bei Facebook auf die Modelagentur „Brutal Nightmares“ gestoßen. Sie zeigt Bilder von Teenagern, die sich in im Stil der Gothicszene kleiden. Ob die Autoren tatsächlich die Agentur im Sinn hatten, ist nicht sicher: Die Täter sind flüchtig. So bleibt bislang fraglich, ob sie nicht vielleicht auch Fans des Bayerischen Nationalmuseums oder der malaysischen Nationalbank sind. Beide Institutionen kürzen sich mit „BNM“ ab. Wie auch immer – die Polizei fahndet nach den Vandalen.“ Vielleicht heißt es auch „Bitte nehmt mich!“ – Vielleicht nimmt auch irgendjemand den Ermittlern das Internet weg. Wer weiß wo sonst die nächste Hausdurchsuchung droht.
  • Das Leben ist nichts für Feiglinge | Nordkurier
    Die Tragikkomödie, die am 28. April in den Kinos anläuft, geht es um Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) der nach dem Tod der Ehefrau sein Leben wieder in geregelte Bahnen bringen muss. Die Tochter Kim (Helen Woigk) leidet ebenso unter dem Tod ihrer Mutter und sucht fehlende Zuneigung beim Schulabbrecher Alex (Frederick Lau). Der Nordkurier führte ein Interview mit Möhring und befragte ihn auch zur „Punk-Attitüde“ seiner Filmtochter: „Die Punk-Attitüde Ihrer Filmtochter dürfte Ihnen nicht fremd gewesen sein. Wie haben Ihre wilden Zeiten als Punk ausgesehen? Jetzt muss ich mal kurz penibel werden. Es gibt schon einen Unterschied. Meine Filmtochter ist eher der Gothic- und Gruftie-Szene zuzuordnen, was speziell durch das Geschminke und die düstere Attitüde zum Ausdruck kommt. Ich selbst war dann doch eher jemand, der die Gesellschaft als solche infrage gestellt hat. Trotzdem war es für mich interessant, diese Sache mal aus der Perspektive meiner Eltern zu erleben und zu erleben, wie es für sie wohl gewesen sein mag, als ich so war. Ich kann das Verhalten der Tochter nachvollziehen, deren Band zum Vater schon lange zerschnitten ist. Egal, ob Menschen nach außen hin verhärten oder sich durch harte Musik nach außen hin hart geben, letztendlich suchen sie doch nur nach Liebe und Anerkennung. Dass eine Tochter diese Dinge von ihrem Vater einfordert, ist doch klar. Eine gewisse Art von Revolution – egal, wie sie sich äußert – halte ich im Leben eines jungen Menschen für ganz wichtig.“
    www.youtube.com/watch?v=dUrns4nS8vo
  • Interview with a bored, occasionally Blood-Drinking Goth Girl | Grantland
    Blitz und Donner zur gleichen Zeit! So eine Schlagzeile schlägt ein. Michelle ist Gothic und trinkt Blut. 7 Liter Tierblut trinkt sie jede Woche, sie kann nicht mehr ohne. Schon der Kaffee am Morgen ist mit Blut verfeinert. Glaubt ihr nicht? Bitteschön:

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von snagplayer.video.dp.discovery.com zu laden.

    Inhalt laden

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Noch nie einen Kommentar abgegeben? Noch Fragen zu den Funktionen unseres Kommentar-Bereichs? In den Kommentar FAQs haben wir bereits einige hilfreiche Anleitungen. Schaut mal rein!

Kommentare abonnieren?
Benachrichtigung
guest
30 Kommentare
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37919)
Vor 7 Jahre

Sorry, aber diese Michelle hat einen an der Waffel. Punkt.

Marcus
Marcus (@guest_37921)
Vor 7 Jahre

Schon interessant, wie unterschiedlich so eine Nacht im Slaughterhouse aussehen kann. Gerne zitiere ich hier Shan Dark, die über die Factory-Party folgendes schrieb:

Liebe Anhänger von 80er/90er Goth & Wave und Freunde des Minimal & Synthpops: geht da bitte unbedingt hin! Ich hätte fast den ganzen Abend ‚durchgetanzt’, hätte ich dort nicht so viele nette Bekannte wiedergetroffen.

Quelle: Der schwarze Planet

Aber vielleicht hat die „Szene“ im Laufe der vergangenen zwölf Monate wirklich das Zeitige gesegnet. Dies scheint jedoch von so manchem, schlecht informierten „Grufti“ noch nicht bemerkt worden zu sein, was gut besuchte Konzerte und Partys an anderer Stelle verdeutlichen.

Katrin
Katrin (@guest_37922)
Vor 7 Jahre

„Eine wilde Partynacht mit Gruftis (oder auch nicht)“… schon der Titel verrät, dass der Schreiberling von außen auf eine Szene schaut, die er nicht begreifen, sondern lediglich äußerlich begutachten möchte. So ist denn sein Text auch entsprechend oberflächlich und ich frag mich, ob dieser Artikel tatsächlich ernst gemeint sein soll…

Ich selbst bin ein früher Factory-Gänger, hab mich da in den 90igern freitags oft rumgetrieben. Grufties feiern keine „wilden Partynächte“. Jedenfalls nicht im Stil eines Ballermanntrinkgelages. Im Slaughterhaus schonmal gar nicht. „Alle blickten auf die Tanzfläche und warteten darauf, dass etwas passierte—irgendetwas.“…Vermutlich darauf, dass er geht, der Partyjournalist. ;-)

:-)
*ausgegraben

Saturin
Saturin (@guest_37951)
Vor 7 Jahre

Ich lese seit zwei Jahren anonym mit, aber jetzt packt es mich doch, mich zu äußern: Soll so ein bluebejeanter Karohemd-Träger, der angestrengt auf sein Handy-Display starrt, irgendwie relevant für Schwarze Belange sein???

Tschuldigung: Das war natürlich auf diesen unsäglichen VICE-Bericht gemünzt!

Katrin
Katrin (@guest_37953)
Vor 7 Jahre

Siehe oben… wer irrelevantes sucht, der findet und entlockt sogar Dir stillem Beobachter einen Kommentar. Meisterleistung, oder? ;-)

Ich plädiere für Stille. Jene, die ich schätze…

Hinter den Mauern deines Schweigens
modern einste Träume
Die Luft in Deinem Herzen
ist dünn geworden…
Rosen
wuchsen aus Deinem Blut
als der Wind noch deinen Namen sang

Deine Augen
sind trüb geworden
Tränen verloren
im glühenden Gestern
Lichtscheu
vergräbst Du das Heute

K.G.

Saturin
Saturin (@guest_37954)
Vor 7 Jahre

Ob’s ’ne Meisterleisung war, sei dahingestellt, bin trotzdem Jahrgang ’69 und hab einige Erinnerungen.
Grade deswegen fand ich die dargestellten Menschen fragwürdig. Ob das irrelevant war, weiß ich nicht.

Katrin
Katrin (@guest_37955)
Vor 7 Jahre

Dann erzähl von Deinen Erinnerungen, davon können wir alle zehren und uns daran laben. :-)

Saturin
Saturin (@guest_37956)
Vor 7 Jahre

Gottchen, das muss ich nicht. Ich hatte mich auf den verlinkten Beitrag bezogen.
Entschuldigung, dass ich mich entschlossen hatte, mich argutentativ beteiligen zu wollen …

Katrin
Katrin (@guest_37957)
Vor 7 Jahre

Ich sehe gerade die Schranke nicht…? Du mußt natürlich gar nichts.

Saturin
Saturin (@guest_37959)
Vor 7 Jahre

Schade, dass man beim allerersten Versuch, sich in eine Diskussion einzuklinken, geich so heftig angegangen wird. Bitte erneut um Entschuldigung, kommt nicht wieder vor!!

Katrin
Katrin (@guest_37960)
Vor 7 Jahre

Selbst heiße Luft ist nicht mehr das, was sie mal war… *arrh ;-)

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37962)
Vor 7 Jahre

Die Stimmung scheint gereizt… wo ist denn nun genau das Problemchen? :)

Katrin
Katrin (@guest_37963)
Vor 7 Jahre

Och, ich bin ganz entspannt :-)

und damit mal von Herzen warme Grüße nach Brasilien schicke… :-)

Katrin
Katrin (@guest_37965)
Vor 7 Jahre

„Siehe oben… wer irrelevantes sucht, der findet und entlockt sogar Dir stillem Beobachter einen Kommentar. Meisterleistung, oder? ;-)“ ist auf meinen Kommentar “Eine wilde Partynacht mit Gruftis (oder auch nicht)”… schon der Titel verrät, dass der Schreiberling von außen auf eine Szene schaut, die er nicht begreifen, sondern lediglich äußerlich begutachten möchte. So ist denn sein Text auch entsprechend oberflächlich und ich frag mich, ob dieser Artikel tatsächlich ernst gemeint sein soll…“ bezogen und meint lediglich, dass jener Reporter eben offensichtlich auf der Suche nach Irrelevantem war, das er natürlich finden mußte, da er sich auf eine rein äußerliche Wahrnehmung beschränkte. Angegangen bin ich damit lediglich den Reporter, aber das kam wohl falsch rüber und war nicht beabsichtigt. „Meisterleistung“ meinte in diesem Zusammenhang die journalistische Meisterleistung des Partyjournalisten, auf äußerst plumpe Art ins beinhahe Lächerliche zu ziehen, was er nichtmal im Ansatz zu begreifen versuchte.

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37966)
Vor 7 Jahre

„Gothic“ wurde von außerhalb stets in Lächerliche gezogen und nie für bare Münze genommen. Das wird sich auch niemals ändern, es sei denn, es entwickelt sich irgendwann (so wie in den frühen 80ern) zu einem kurzen Modetrend. Wir werden dennoch stets allein bleiben, denn wir haben mit dem Bild, das die Medien von uns zeigen, recht wenig gemein. Es nützt doch nichts, sich über etwas zu echauffieren, das uns nicht versteht (und verstehen will). Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht und die Medien streuen halt noch ein bisschen mehr Gewürz drauf als da ist.

Saturin
Saturin (@guest_37982)
Vor 7 Jahre

@Katrin: Hatte Deinen „Meisterleistung“-Kommentar auf meine Wortmeldung bezogen – dummes Missverständnis, das mich verdutzt sein ließ.

@Robert: Die Diskussionskultur ist mir ja nach längerem stillen Mitlesen vertraut. Find sie ja auch gut. Andererseits weiß man ja auch, dass Goten (altgediente wie jungsche) hier oder Andernorts sehr verbohrt sein können. Damit muss man rechnen.
Werde gerne mal öfter was kommentieren, wenn etwas unter den Nägeln brennt – zu wichtigeren Themen! ;)
(offtopic: Freue mich stets über Fundstücke aus Bravo etc. – das lindert den Ärger darüber, sowas früher nicht aufgehoben zu haben. Mehr davon!)

Katrin
Katrin (@guest_38018)
Vor 7 Jahre

@ Saturin: Gut, dass das nun ge- und erklärt ist. :-)

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 7 Jahre

Nun ja, daß ein Aussenstehender der mal bei so einer Party reinspitzt den Eindruck bekommen könnte daß da total tote Hose ist, wundert mich wenig, hat mich grade an eine skurrile Begegnung die ich selbst mal hatte, erinnert.

Da verirrte sich auch ein Trempel „Normalos“* in einen der ansässigen Clubs – und noch dazu die Sorte extra-unsympathisch. Als einer davon dann anfing unkoordiniert und debil dauergrinsend (ich mutmaße es war anzüglich gemeint) alles anzutanzen was weiblich aussah (ein Glück, mein Riesenreifrock in voller Fahrt verhinderte daß er mir allzu nahe kommen konnte ^^) – drückte sich das Schwarzvolk kollektiv so langsam auf ein Viertel der eh nicht so großen Tanzfläche zusammen, während der Mensch immernoch grinsend ziemlich viel Bewegungsfreiheit „ertanzt“ hatte. Da wurde einem schlagartig bewusst daß Grufties doch irgendwie ein anderes Party-Verhalten haben, wenn sich dann da wer dazu gesellt der eigentlich nur in Bewegung ist um wilde Balztänze abzuziehen – also jetzt mal als Beispiel, Birne wegsaufen könnt man genauso anführen, denke ich – hat da wohl wirklich nicht viel Spaß dran.

Zu La Carmina: hmm.

Das passt ja perfekt zu dem weswegen ich mich neulich so aufgeregt habe. OK, ich bin immernoch angefressen. Ahm, nein, ich bin angefressen seid dem letzten WGT und ich würd am liebsten die ganze Diskussion die ich neulich losgetreten habe, zitieren – nur ist das ganz schön viel geworden :D – und vielleicht auch noch ein Stückweit in eine andere Richtung als „nur“ die Augenbraue darüber zu heben daß in einem Blog „Gothic“ rein auf den modischen Aspekt reduziert wird. Wobei, das alleine wäre nicht ganz so schlimm wenn der Schuß dann nicht nach hinten losgehen würde und erstrecht Leute anzieht die die Szene eben nur als das ansieht – Mode, sonst nichts. Und gegen die letzte Hemmschwelle bezeichnet man das dann als irgendwie harmlos „spooky-cute“ – ganz ehrlich, ich bin inzwischen auf solche dämlichen Bezeichnungen richtig allergisch …

Und es kekst mich generell an daß auf Veranstaltungen die mal eigentlich ganz großartig waren, Leute Fuß fassen die im Jahr zuvor noch nirgends zu sehen waren und dann – sofern sie nicht schlicht und ergreifend nur offen zugeben, sich gerne zu Verkleiden und Kostümchen zu mögen, dann Models, Schauspieler und Komödianten zu sein – und der Haufen streckt dann seinen Rüssel in jede Kameralinse. Und dann kommen die nächsten Verkleidungskünstler und Komödianten nach (ja, das mit dem „Komödianten“ ist kein blöder Witz, da gibt’s welche die das nach eigenen Aussagen sind). Das ist ja alles schön und gut und jedem das Seine, aber da gibt’s doch andere Gelegenheiten für …

Schuldigung – etwas übers Ziel hinausgeschossen ;) – aber ich bin eben momentan einfach angefressen, und das nahende WGT spült die Komödianten grad wieder an die Oberfläche. Sowie die Aussicht auf einen Gala Nocturna Klon der bei mir quasi ums Eck stattfinden wird, aber in Anbetracht meiner aktuellen Laune diesbezüglich bin ich unschlüssig ob ich es mir antuen werde. Obwohl QNTAL spielen werden …

Aber offenbar liegt angefressen-sein aktuell mal ein wenig in der Luft ;)

* – nur bevor das noch jemand unterstellt – nein ich bin nicht gegen Buntvolk bei solchen Parties, eine der absolut genialsten Depeche Mode Parties hier bei uns war sehr gut durchgemischt und – es hat super funktioniert und ich hab mich herrlichst amüsiert – noch dazu war ich an dem Abend komplett allein unterwegs.

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_38052)
Vor 7 Jahre

Hmmm… dieser ganze „Goth“-Mode-Trend geht mit Sicherheit auf diese J-Rock-Welle zurück, die spätestens 2006 den europäischen Markt (mit Visual Keis und Gossick Lolitas) überflutet hat und auch seither den meisten Leuten (hoffentlich) auf den Zeiger geht. Generell die frühen 2000er mit ihrer Manga-Kultur, die zu Beginn noch durchaus nerdig war, aber irgendwann immer bunter und greller, mittlerweile pastellig die heile schwarze Welt penetriert. Da echauffieren wir uns über Cyber etc., was aber alles ein Resultat dieser bunten Manga-Männchen ist. Das, was La Carmina uns da zeigt, ist doch schon längst wieder passé. Nun gut, mit den Chinesen verhält es sich heuer wohl wie mit der ehemaligen DDR damals, alle Trends, die im Westen (oder in diesem Falle Japan) schon lange wieder out sind, werden nach Äonen von Lichtjahren erst entdeckt. Es sei ihnen verziehen. Wenn man sowieso bedenkt, dass sich der J-Rock (oder J-Pop) irgendwie an der New Wave-Ära der 80er orientiert und im Grunde keine wirkliche Kopie des Dark Wave ist, sondern lediglich als komische Grufties kostümierte Schlagersänger, die ohne ihr Outfit niemanden hinterm Ofen hervorlocken würden, dann müssen wir uns darüber keine Sorgen machen. Doch immer wieder dringen an meine Ohren die düsteren Klänge des „Whitby Gothic Style“ und mir kommt in den Sinn, dass die ganze Welt verrückt geworden sein könnte. Oder geht es etwa nur mir so?

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 7 Jahre

Nun, die alleinige Schuld kann man dem Japan-Trend wohl nicht in die Schuhe schieben, aber einen guten Teil davon auf jeden Fall. Und auch mir geht der „Trend“ tierisch auf den Sack – nicht nur weil der Spaß dann halt einfach Mode ist, sondern auch wegen anderen Dingen – aber in Punkto „Mode“ wären wir dann wieder bei La Carmina.

Ich würd auch den Chinesen keineswegs unterstellen daß die so sehr hintendran sind was „Trends“ aus dem Westen angeht, das war vielleicht mal, aber wenn man bedenkt daß inzwischen so ziemlich alles unserer Gebrauchsgüter in Asien produziert wird – im Bekleidungsbereich ist zB China am stärksten vertreten, egal ob man Markenware kauft oder billige Dinge – nicht selten fertigt eine Fabrik für Billigläden und zwei Nähmaschinen weiter wird die teure Markenjeans hergestellt, mit den gleichen Maschinen, und von den selben Nähern. Klar mag das Material dann auch hochwertiger sein, aber, das hat bei der Preiskalkulation eher den geringsten Anteil, was man für Stangenware wirklich zahlt sind Transportkosten, Aufbereitung, Gewinn des Herstellers und – Markenname.

Exkurs am Rande – ich lass mich immer wieder zu hinreißen :P – jedenfalls, auch wenn noch Entwurf und vielleicht Musternäherei zB in Deutschland hocken, abgucken können die Chinesen hervorragend – und dann werfen sie ihre geklauten Designs noch günstiger auf den Weltmarkt. Die isnd so fix, die klauen sogar uns kleinen Designern, die im eigenen Atelier herstellen – die Ideen, und machen kann man da nix. Ich hab das jetzt schon von einigen Kollegen gehört daß denen das passiert ist und teilweise sieht man das auch sofort von wem die Idee eigentlich mal war, wenn man sich bei chinesischen Verkäufer mal umschaut – also gerade im Bereich alternativ-schwarzer Designer fällt das stark auf, in anderen Sparten wird das genauso sein, aber die meisten kleinen Designer hier kennen sich untereinander, sehr oft auch persönlich und wenn man generell in der Szene drinsteckt sowieso.

Daß Visal K ein Re-Import ist, das stimmt, aber das haben sich die Japaner schon in den 80ern von den Grufties abgeschaut – beziehungsweise, eher bei den New Romantics. Mit dem Japan-Hype kam das dann zurück, ich muss auch immer wieder den Kopf schütteln weil das doch etwas absurd ist wenn man sich das mal vor Augen führt. Und absurd ist auch diese krampfhafte katalogisierung der japanischen Trends – grad bei den Lolitas finde ich das besoders schräg wie akribisch da zerpflückt wird was welchen Sub-Stil jetzt im Besonderen ausmacht.
Musikalisch ist J-Pop natürlich eine komplett andere Geschichte, also ich für meinen Teil kanns garnicht ab. Wenn ich jetzt mal etwas bös werden darf – ich denke viele junge Mädels fahren auf den ganzen Visu-Kram auch nur ab weil sie die schmächtigen, androgynen Jüngelchens scharf finden :P

Death Disco
Death Disco (@guest_38102)
Vor 7 Jahre

Diese Styling- und Klamottenklauerei, herausgelöst aus dem musikalischen Kontext, begann Ende der ’80er, würd ich meinen. Davor lief das alles parallel zur Szene in Europa.

Soll heißen: Japan hatte in den 80ern ’ne Anzahl von Bands, die nicht nur dunkle Klamotten trugen, sondern auch astreine Goth-Rock-Musik spielten. Ich könnte problemlos an die 20 Gruppen aufzählen, die im Post-Punk-/Dark-Wave-/Goth-Umfeld angesiedelt waren – natürlich mit dem für uns gewöhnungsbedürftigen japanischen Gesang.

Interessanterweise ist keine Band dabei, die in diese Visu-Szene nahtlos überging oder diesen Trend dahingehend bewusst unterstützte. Wenn also jemand behauptet, Visual Kei = japanischer Goth, dann ist das schlichtweg falsch. Das sollte man dringend auseinanderhalten.

Katrin
Katrin (@guest_38108)
Vor 7 Jahre

Geht es Euch denn auch so, dass beinahe zwangsläufig eine größere Distanz zu schwarzen Menschen da ist, je gestylter sie auftreten? Ich glaube tatsächlich, die Wahrnehmung hat sich grundlegend geändert… Erkannte man sich noch vor Jahren an der Klamotte, ist es heute die grinsend hochgezogene Augenbraue angesichts maskierter Kasper. Irre ich ? :-)

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_38118)
Vor 7 Jahre

Also ich habe mir mal Fotos vom M’era Luna 2004 angesehen. Vergleicht man das mit heute, erkennt man deutlich die höhere Anzahl einfach schwarz gekleideter Menschen damals und einen Affenzirkus von kostümierten Clowns heutzutage. Oder es ist einfach nur die Wahrnehmung. Jedenfalls erscheinen mir heutige Outfits einfach nur als Kostüme und nicht als einfache Alltagsgruftklamotte.

Axel
Axel (@guest_38170)
Vor 7 Jahre

jemand behauptet, Visual Kei = japanischer Goth, dann ist das schlichtweg falsch. Das sollte man dringend auseinanderhalten.

Visual Kei hat ja auch nen ganz anderen kulturellen Hintergrund. Vorallem der Protest gegenüber den sehr stark ausgeprägten Rollenbildern in Japan. Das kann man mit Gothic auch nicht vergleichen; da die Gothic-Bewegung entstand nachdem in den 70ern in den westlichen Ländern schon andere gegen die Rollenbilder protestiert haben.

Und allgemein ist die jap. Mentalität auch ne ganz andere.

Daher ist auch Goth in Japan nicht sooo verbreitet.

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_38338)
Vor 7 Jahre

Klar, „Visu“ hat mit „Goth“ nix zu tun. Was ich aber auch witzig finde, ist, dass „Gothic-Lolitas“ sich optisch an westlichen viktorianischen Klamotten orientieren, aber die westlichen Teenie-Mädels auf dieses „Lolita-Gedöns“ abfahren… das ist fast schon eine Tautologie…

mela
mela (@guest_38499)
Vor 7 Jahre

Vergleicht man das mit heute, erkennt man deutlich die höhere Anzahl einfach schwarz gekleideter Menschen damals und einen Affenzirkus von kostümierten Clowns heutzutage. Oder es ist einfach nur die Wahrnehmung. Jedenfalls erscheinen mir heutige Outfits einfach nur als Kostüme und nicht als einfache Alltagsgruftklamotte.

Genau mein Reden. Das würde ich sofort so unterschreiben. Es ist genau dieser Eindruck, der mich jedesmal zum Meckern und Schimpfen anregt, wenn ich auf Festivals bin oder einfach nur mal zum Tanzen ausgehe.

Ich habe mir neulich übrigens endlic mal die Zeit genommen, die Artikel durchzulesen. Bei der VICE weiß ich absolut nicht, was ich davon halten soll. Der Knabe, der sich als Partyreporter ausgibt und scheinbar als Berliner noch nie etwas vom WGT gehört haben will (ganz ehrlich: selbst meine Eltern kennen das WGT – und zwar nicht von mir!) – ich glaube fast, dass der Artikel in einem ironischen Ton geschrieben wurde und man ihn so auch lesen sollte. Hemmungsloser Alkoholgenuss und Fotografenscheuheit ist so genau das gegenteilige Bild der Szene, wie ich sie kenne. (Leider)

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_38501)
Vor 7 Jahre

Ich muss aber eines zugeben: Als ich vor einigen Jahren anfing, selbst abends fortzugehen, habe ich mir immer extrem einen Kopf gemacht, was ich denn nun anziehen soll oder wie ich mich denn ansonsten herrichten soll. Rüschenhemd oder sonstwas für Gedöns.. Im Endeffekt kam mir das dann auch immer etwas „too much“ rüber und einfach nicht ehrlich… habe mich selbst verkleidet und unwohl gefühlt. Seit einer ganzen Weile halte ich es einfach so, dass ich eigentlich nur das anziehe, was ich auch im Alltag tragen würde. Also schlicht und ergreifend SCHWARZ. Schminke kommt so gut wie gar keine mehr drauf, aber die Haare müssen stets gemacht sein und wenn das Wetter gut mitspielt, trage ich auch meine Pikes, denn regennasse Schlappen möchte ich eher nicht mit mir rumschleppen müssen, da kommen dann doch eher meine Standard-Stiefelchen in Frage :) Und Klimperschmuck so wie Ketten und Ankh-Anhänger sind für mich ein Muss. Sonst mach ich nich mit :D

mela
mela (@guest_38612)
Vor 7 Jahre

*lach*
Ich habdhabe es genauso.
Als ich einmal vor zwei Jahren hier auf einer schwarzen Nacht war, erzählten sich alle, wie lange sie denn gebraucht hätten, um sich her zu richten. Ich schaute an mir runter und meinte nur, dass ich so schon auch auf Arbeit gewesen wäre. Ich trage wohl eher „zivil“, aber schwarz. Und damit fühle ich mich einfach am wohlsten.
Interessanterweise kann man nämlich auch beobachten, wie die Körperhaltung der meisten „Kostümierten“ schlichtweg zum Ausdruck bringt, dass sie sich eben nicht wohl fühlen. Und da frage ich mich dann, warum man sich dann so etwas antut. Muss ich einfach nicht verstehen…

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_38809)
Vor 7 Jahre

Ne :) Das Lustige ist dann aber immer, dass man von der „normalen“ Gesellschaft als Gruftie wahrgenommen wird, aber von den „Grufties“ gar nicht als ihresgleichen. Da gibt es dann immer diesen typischen starrenden Blick, der einen hochnäsig von oben nach unten mustert, nur weil man keine Bondage-Klamotten anhat (die ich zwar auch im Schrank habe, aber zu faul bin, mich da reinzuzwängen). Ich erinnere mich erst vor kurzem an diese Situation, als ich am Bahnhof in angegrauten Arbeitsklamotten (!) vorbeigewatschelt bin und mir drei prepubertäre Mädchen hinterherriefen: „Oh mein Gott, bring uns nicht um!“… Hätten se einen mal in voller Montur gesehen, wären sie vielleicht schon über alle Berge :)
Kinderchen…

Aktuelle Diskussion

Projekte

Friedhöfe

Umfangreiche Galerien historischer Ruhestätten aus aller Welt

Dunkeltanz

Schwarze Clubs und Gothic-Partys nach Postleirzahlen sortiert

Gothic Friday

Leser schrieben 2011 und 2016 in jedem Monat zu einem anderen Thema

30
0
Auch eine Meinung? Her damit!x
()
x