The Midnight Archive: Mechanische Wunderwerke

Erinnert ihr euch an die Schallplatte? Eine ketzerische Frage, noch befindet sich dieser Tonträger ja im kollektiven Bewusstsein. Thomas Edison schaffte 1877 die Möglichkeit, Musik aufzuzeichnen und wiederzugeben, als er Schwingungen auf einer Wachswalze aufzeichnete und so auch wieder abspielen konnte. 10 Jahre später verbesserte der deutsche Emil Berliner die Methode und entwickelte die Schallplatte. Er erkannte, dass die Möglichkeit, Musik in Form von industriell gefertigten Scheiben in jedes Wohnzimmer zu bringen, die Verbreitung von Musik revolutionieren würde. Kurz gesagt. Dass die Menschen immer schon von der „menschlosen“ Wiedergabe von Musik fasziniert waren, zeigen auch die mechanischen Musikmaschinen, die durch eben diese Erfindungen in Vergessenheit geraten sind.

Seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Menschheit mit der Möglichkeit, Musik durch Maschinen wiederzugeben. Heron von Alexandria (Automata, das Buch der Maschinen) entwickelte schon in der Antike erste Vorrichtungen, die Klänge ohne den Menschen wiedergeben konnten, im späten Mittelalter machten sich automatische Glockenspiele einen Namen und in der Renaissance war man von Spinetten begeistert, die über Stiftwalzen Melodien abspielen konnten. Der Erfindungsgeist gipfelte mit der Jahrhundertwende, noch bevor die Schallplatte ihren Siegeszug antrat und der Rundfunk Musik in jedes Wohnzimmer brachte. Komplexe Musikautomaten, die ganze Orchester ersetzten, Spieluhren, bei denen sich Figuren bewegten, ja sogar Puppen, die reale Instrumente bedienten waren Jahrmarktsattraktionen.

Was den Einen Freude bereitete, erzeugte bei den anderen Menschen Angst. Grotesk lachende Münder, die sich bewegten, große Augenlider, die sich schlossen, bohrende Augen, die umherblickten, steife Finger die Saiten zupften. Mechanisch, unmenschlich, unerklärlich. Was heute durch Wissenschaft entmystifiziert wurde, sorgte damals für Gänsehaut. Und was damals für Gänsehaut sorgte, ist ein Teil von dem, was so manchen Anhänger schwarzer Subkulturen fasziniert. Kein Wunder also, dass sich das Midnight Archive, über das ich bereits gebloggt habe, eben mit dieser Faszination beschäftigt. „The Automata and Automatic Music“ nennt sich die vierte Episode der wirklich sehenswerten Reihe, die ich euch heute ans schwarze Herz lege.

www.youtube.com/watch?v=7TZ9A71nx_U
(Direktlink)

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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