Es gibt eine Neuigkeit, über die ich mich ganz besonders freue: Mein Ehegrufti hat wieder angefangen, Videos zu veröffentlichen. Eines ihrer vielen Talente ist es, popkulturelle Strömungen und alles rund um die Gothic-Szene aufzudröseln, ohne dabei den Zeigefinger zu heben oder in Nostalgie zu ertrinken. Weil ich ihre Arbeit gut finde (und weil ich als Ehemann natürlich vollkommen unvoreingenommen bin), habe ich beschlossen: Aktuelle Videos von Orphi bekommen ab sofort einen festen Platz auf der Spontis-Startseite. Ihr werdet sie also nicht verpassen. Schaut auf ihrem Kanal vorbei, abonniert, kommentiert – sie freut sich über jede Rückmeldung: Orphi Eulenforst auf YouTube.
Was sie in ihrem aktuellen Video ausgegraben hat, finde ich erstaunlich, faszinierend und ziemlich eklig. In vielen Hinsichten. Und ich habe schon viele Trends erlebt, gesehen und mich darüber aufgeregt. Aber diesmal weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.
Was zur Hölle ist Goth Mummy?
Wer heute bei TikTok oder Instagram nach „Goth“ sucht, landet nicht unbedingt bei Musik, Bands oder irgendetwas, das mit unserer Szene zu tun hat. Stattdessen stoßt ihr womöglich auf Begriffe wie „Goth Mommy“ – oder sogar auf einen Energy Drink, der angeblich den Speichel von Gothic-Girls enthalten soll. Ich gebe zu: An dieser Stelle war meine erste Reaktion eine Mischung aus Faszination und leichtem Würgereiz.
Genau hier setzt Orphis Video an. Sie stellt eine Frage, die mir selbst schon länger im Kopf herumspukt: Wie konnte aus einer jahrzehntealten Subkultur, die sich über Musik, Melancholie und Morbidität definiert, ausgerechnet ein Internetfetisch mit ziemlich männlichem Blick werden? Und wie landet man von dort bei einem ausverkauften Getränk mit einer, sagen wir, sehr speziellen Zutat?
Orphi rollt die Geschichte von hinten auf – von einem viralen Produkt zurück zu seinem Ursprung, über ein Videospiel, ein altes Internet-Klischee und die Mechanik der Algorithmen, die aus einem überzogenen Scherz eine Gelddruckmaschine gemacht haben. Wie genau diese Kette zusammenhängt, verrate ich hier nicht – das erzählt sie deutlich besser selbst.
Spannend finde ich vor allem, dass ihr Video an einem Punkt kippt: von der amüsanten Kuriosität hin zu etwas, das reale Frauen und Mädchen betrifft, die den Gothic-Lifestyle einfach mögen und plötzlich gegen ihren Willen in eine Schublade gepresst werden. Ein Urteil liefert Orphi am Ende bewusst nicht mit – und ich halte es genauso. Ich schwanke zwischen Kopfschütteln und Neugier.
Ich bin fasziniert, welche Stilblüten das Label „Gothic“ austreibt und wie sehr der Kern dessen, was ich als Szene definieren würde, im Kreuzfeuer der Popkultur steht. Ständig werden uns Stempel aufgedrückt, die vor allem weibliche Szenemitglieder treffen. Ekliger als Spucke dürfte dann wohl das sein, was hauptsächlich männliche Vertreter unserer Spezies aus der Szene machen wollen.
Besucht gerne Orphis Kanal und hinterlasst dort einen Kommentar und seid gespannt auf das, was noch kommen mag. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und neugierig.


