H.P. Lovecrafts „The Dreamlands“ – 700 Stufen des tiefen Schlummers

H.P. Lovecraft sagte einmal: „The oldest and strongest Emotion of Mankind is fear, and the oldest and strongest Kind of fear is fear of the Unknown.“ Die Angst vor dem Unbekannten ist überwunden, es ist geschafft! Am 3. August erreichte das Filmprojekt „The Dreamlands“ von Regisseur und Autor Huan Vu das Crowdfundig-Ziel von 40.000€ auf der Plattform Indiegogo. Der Film basiert auf den Erzählungen von H.P. Lovecraft, die sich direkt oder indirekt mit der Parallelwelt „The Dreamlands“ (Traumlande) beschäftigen. Bisher fristeten die Erzählungen eher ein Schattendasein unter dem dunklen Stern des Cthulhu-Mythos, denn trotz der melancholischen Grundstimmung wohnt den Dreamlands etwas schönes inne, das den typischen Leser des 1937 verstorbenen Querdenkers vermutlich abschreckt. Aus diesem Schatten will Huan Vu den Zyklus nun ins Zwielicht der Dämmerung hieven, Tageslicht wäre dann doch etwas zu grell.

Es geht in dem Film hauptsächlich darum, einer schrecklichen Realität zu entkommen und in eine Traumwelt zu fliehen„, erklärt Regisseur Huan Vu der Stuttgarter Zeitung. Doch diese Traumwelt ist nicht bunt und laut, sondern düster und malerisch. Hinter den Kulissen wartet auf den Reisenden – sofern dieser geneigt ist, sich auf die Fahrt einzulassen – eine Reise in das Abgründige der menschlichen Phantasie in dessen Grund aber etwas positives liegt. Das für Lovecraft recht ungewöhnliche Credo erklärt sich Huan Vu – so verrät er im Artikel – als eine Art Rettungsanker für Lovecraft, der sich damit  gelegentlich aus der eigenen dunklen Phantasie zu retten versuchte.

Ganz im Stil Lovecrafts Vorbilder Edgar Allen Poe und Lord Dunsany verliert er den „schwelgerischen phantastisch-traumhaften Stil des irischen Adeligen und erfolgreichen Schriftstellers anzueignen und begann so wie dieser die eigenen Träume als Grundlage für Ideen und Handlungen heranzuziehen„, wie die eigens eingerichtete Homepage zum Film offenbart.

Die Fertigstellung des vollständig finanzierten Films ist für 2016/2017 geplant. Gedreht wird auf Englisch mit internationalen Darstellern, in der Postproduktion wird auch eine deutschen Synchronfassung eingesprochen. Der Film, der 120 Minuten dauern soll, zählt zu einem der ambitioniertesten Independent-Produktionen, das im Vorfeld schon allerlei Anerkennung verbuchen konnte. Mit dem H.P. Lovecraft als Vorlage widmet man sich zum einer recht sperrigen Materie und geht darüber hinaus noch einen Schritt weiter. Das Werk ist die erste Verfilmung des oftmals verschmähten Traumlande-Zyklus und setzt möglicherweise auf den Überraschungseffekt, den Huan Vu bereits mit seinen Filmen „Damnatus“ (2008) und „Die Farbe“ (2010) auslösen konnte. Warum sich der Sohn eines vietnamesischen Gaststudenten-Paares, das in den 70er nach Deutschland kam, noch nicht offen zur Gothic-Szene bekannt hat, ist mir schleierhaft. Seine Filme und Visionen sind wie die ästhetische Steilvorlage eines ambitionierten Grufties.

Die Geschichte des Films: „Roland, ein Waisenjunge mit einer schwierigen Vergangenheit, wird von einem mysteriösen alten Mann in eine andere Welt geführt, die über Jahrtausende hinweg von den großen Träumern der Menschheit im Schlaf erschaffen wurde. Dort herrscht der alte Mann als König und er möchte Roland zu seinem Nachfolger ausbilden. Doch Roland gelingt es nicht den dunklen Schatten zu überwinden, der auf ihm lastet, und er muss sich entscheiden, ob er seine Fähigkeiten dafür einsetzen will, um die Traumlande weiter zu vergrößern, oder um zu zerstören, was andere errichtet haben.“ (Quelle: The-Dreamlands)

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Es gilt viel Wartezeit zu überbrücken. Der eigens eingerichtete Blog „700 Stufen des tiefen Schlummers“ soll in Zukunft über die Fortschritte und den Produktionsverlauf informieren und bietet bis jetzt einen gelungen Schnappschuss des Teams, das sich über die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne freut.

Teambild Traumlande

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Grabesmond
Grabesmond (@guest_49911)
Vor 7 Jahre

Ich bin schon sehr auf das Endergebnis gespannt und ich denke auch, dass „Die Traumlande“ ein guter Einstieg für Leute ist, die sich bisher mit den Werken von Lovecraft noch nie befasst haben :) natürlich, der Cthulhu-mythos ist das Bekannteste, was er erschaffen hat, aber man darf auch nicht vergessen, dass er noch unzählige Horror-Gruselgeschichten geschrieben hat, und auch Geschichten wie eben diese. Die Traumlande gehören im Lovecraftschen Universum auch zu den Welten, die ein Normalsterblicher ganz normal, ohne „Hilfsmittel“ betreten kann, so viel dazu ;)
Wer sich schon ein wenig mit Lovecraft befasst hat, dem empfehle ich den Film „Die Farbe“

http://www.youtube.com/watch?v=4t-MxVyublk

Und ich hoffe immer noch, dass Guillermo Del Toro eines Tages an die Verfilmung von „Die Berge des Wahnsinns“ rantraut

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