SO36 – 30 Jahre ohne Mauer sind genug!

Geschichtsträchtiger Boden dieses SO36. Als eines der Knotenpunkte der deutschen Punk und New Wave Szene erlangte der nach dem Berliner Postbezirk benannte Veranstaltungsort zu internationalem Ruhm. Eigentlich jede Band, die zu dieser Zeit etwas zu sagen haben wollte, konnte nicht vorbei.  Als Veranstaltungsort nahm das SO36 am 13. August 1978 mit einem zweitägigen Mauerbaufestival ((Zum ironischen Gedenken an den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961) seinen Betrieb auf, bei dem unter anderem Male, S.Y.P.H., DIN-A-Testbild, PVC und Mittagspause aufspielten. Nach zahlreichen Besitzerwechseln und einer 3 jährigen Hausbesetzung wurde das SO36 1987 von der Polizei geräumt. Erst 1990 wurde der Laden renoviert und hat sich bis heute zu einem Zentrum der Berliner Kulturszene entwickelt, in dem immer wieder neue musikalische Strömungen ihre Geburtsstunde feiern. Der Film So war das SO 36 spiegelt das Bild der Zeit von 1979 bis 1984 wohl am besten.

Jetzt, wo das SO36 erwachsen geworden ist, soll es geschlossen werden. Nach über 30 Jahren geht den Nachbarn nun der Lärm auf den Geist, eine Auflage zu Lärmreduzierung der Stadt Berlin erfordert einen tiefen Griff in den Geldbeutel, den sich die Betreiber nicht leisten können. Schallschutzmauer kosten Geld und sollen daher durch einen Spendenaufruf SO36 bald ohne SO36? zusammengetragen werden um den altehrwürdigen Veranstaltungsort vor der Schließung zu bewahren.

Interessanterweise spiegelt diese Nachricht eine Entwicklung wieder, die auch auf die ganze Republik übertragen werden könnte, denn nachdem die öffentlich Hand Altbauten und ganze Stadtteile hat brach liegen lassen, entwickelte sich dort die Jugend, brachte die ärmlichen Stadtteile ins Gespräch und sorgten für Zündstoff. Jetzt, wo Altbauwohnen wieder schwer in Mode gekommen ist, hat sich das einst ärmliche Bild Kreuzbergs gewandelt. Heute wird es als Szeneviertel gehandelt und lockt Menschen in seine Kernsanierten Wohnungen und Häuser, die es cool finden in der Szene zu wohnen. Und weil die ja Nachts schlafen wollen, hat die Szene bitteschön Nachts die Klappe zu halten. Ergebnis? Nahezu nicht umzusetzende Auflagen zwingen die Pächter der Szene zur Aufgabe. Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist das Fazit eines Berliner Geschichtsvereins, der die Lage vielleicht noch etwas besser auf den Punkt bringt. (via Sehnsucht nach Dreck)

Diesen Trend erkenne ich stellvertretend für jede mir bekannte Stadt und lässt nur ein Fazit zu: Die Szene ist nicht dort, wo Szene draufsteht, sondern wo Szene stattfindet und das bleibt dem Oberflächlichen Auge verborgen. Bewegungen in einer Momentaufnahme festzuhalten bedeutet Stillstand und da liegt dann wohl der Hund begraben. „No Tears for the Creatures of the Night…“.

(Bildquelle: So36.de)

 

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Osborne villas
Osborne villas (@guest_2473)
Vor 12 Jahre

SO36, as made famous by Killing Joke on their first album…

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