Manchester: Ikonisches Wandgemälde von Ian Curtis mit Werbung übermalt

In Manchester wurde das ikonische Wandgemälde von Ian Curtis, dem 1980 verstorbenen Sänger der Band „Joy Division“, mit der Werbung für das neue Album des Rappers „Aitch“ übermalt. Das sogenannte „Mural“ sollte nicht nur an den verstorbenen Joy Division Sänger erinnern, sondern für Aufmerksamkeit für psychische Krankheiten schaffen und wies dazu auf zahlreiche Hilfsangebote hin.

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Das Gemälde von Ian Curtis ist auf der Port Street im Northern Quarter der Stadt zu sehen und wurde im Oktober 2020 vom Künstler Akse P19 erschaffen, der für seine fotorealistischen Graffiti-Arbeiten bekannt ist. Es zeigt ein Foto des belgischen Fotografen Philippe Carly, der 1979 einen Auftritt der Band im „Plan K“ in Brüssel besuchte und in Szene setzt. Der schreibt bei Instagram: „[Das Bild] ist zu einem kulturellen Wahrzeichen geworden, das den Menschen aus Manchester und darüber hinaus viel bedeutet.

Die Stadt Manchester, die umgehend informiert wurde, zeigt sich machtlos, denn die Wand ist nicht Eigentum der Stadt. Der Bürgermeister von Manchester wandte sich an Aitch, den Fehler zu korrigieren: „Das hätte nicht passieren dürfen […] es sollte vollständig wiederhergestellt werden und als Erinnerung an diesem Ort verbleiben.

Als Rapper „Aitch“ von der Sache Wind bekam, entschuldigte er sich und beteuerte, von der Sache nichts gewusst zu haben, da er die Orte für die Werbung nicht aussucht. Er kündigte an, sich umgehend darum zu kümmern, dass das Gemälde wieder hergestellt würde. „Niemals würde ich einen Lokalhelden wie Ian Curtis so respektlos behandeln.Peter Hook bedankte sich knapp, aber freundlich für die Geste.

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Übrigens dauert es nur Minuten, bis man die Werbung mit einem entsprechenden Graffiti verzierte: „Money will tear us apart again.“ Allerdings wurde auch Kritik laut, warum solch ein – von der Stadt mitfinanziertes – ikonisches Wandgemälde keinen öffentlichen Platz bekommen hat, sondern man es offensichtlich versäumt hatte, den ausgelaufenen Mietvertrag mit dem Eigentümer der Wand entsprechend zu verlängern. Bleibt zu hoffen, dass man diesmal besser macht.

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Graphiel
Graphiel(@michael)
Vor 1 Monat

Zunächst möchte ich mal sagen, dass mir die Reaktion von diesem Aitch gefällt. Auch wenn ich Rap deshalb nicht weniger grauenhaft finde, so wirkt er mit seiner Aussage zumindest irgendwie sympathisch auf mich. Das er von der Aktion nichts gewusst hat und er auch gar nicht aussucht wo Werbung für seine Musik hin geklebt / gemalt wird kann man ihm wohl auch glauben.

Allerdings wurde auch Kritik laut, warum solch ein – von der Stadt mitfinanziertes – ikonisches Wandgemälde keinen öffentlichen Platz bekommen hat, sondern man es offensichtlich versäumt hatte, den ausgelaufenen Mietvertrag mit dem Eigentümer der Wand entsprechend zu verlängern.

Dazu fällt mir doch glatt die gute alte Redewendung „Einmal mit Profis zusammen arbeiten.“ ein. Na gut… vielleicht macht man es nun wirklich besser. Die Hoffnung stirbt ja bekannterweise zuletzt, nech?

Wiener Blut
Wiener Blut (@guest_61539)
Vor 1 Monat

Die Erkenntnis, dass der Markt alles regelt, ist nicht neu. Warum sollte er ausgerechnet hier eine Ausnahme machen? P.S. Warum sagt der neue bzw aktuelle Maler und sein(e) Auftraggeber (in) nichts dazu? Die Werbebranche ist doch so… Rücksichtslos… neee, das würde keiner von sich da sagen… kreativ… sensibel… Der Rapper hat ja nicht selber ausgesucht und gemalt.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Wiener Blut
Graphiel
Graphiel(@michael)
Antwort an  Wiener Blut
Vor 1 Monat

Die kurze, traurige aber wohl treffende Antwort dürfte auch in diesem Fall sein: Weil es sowohl dem Maler, als auch dem Auftraggeber (Der Werbeagentur?) am Poppes vorbei geht.

Dem Maler ist es vermutlich egal, weil er für den Auftrag bezahlt wird und er nicht danach fragt wohin er die neue Werbung malen soll. Frei nach dem Motto „Wird wohl so passen, wenn die das sagen. Wenn nicht, dann ist das nicht mein Problem.“ und dem Auftraggeber dürfte es ebenso egal sein, weil es ihm nicht um das Andenken von Ian Curtis und der Botschaft hinter dem Gemälde geht, sondern darum dem Auftrag seines Klienten (Dem Rapper) nachzukommen und ihm eine Werbefläche zu bieten. Und da „regelt“ der Markt das dann tatsächlich… auf seine Art und Weise… gänzlich befreit von jeglichen emotionalen Einflüssen wie Moral, guten Botschaften, oder Andenken an lokale Künstler. Vertrag läuft aus => Fläche ist frei => Fläche kann neu bepinselt werden.

Natürlich wird das niemand so aussprechen, aber genau so läuft es doch in vielen Fällen ab. Eigentlich kann man hier nur der Stadt Manchester für ihre „Naivität“ oder Schluderigkeit danken und so zur Verantwortung ziehen. Wenn man sich als Stadt so ein Gemälde wirklich erhalten will, dann packt man es besser auf eine Fläche, die nicht irgendwo in privater Hand steckt. Wenn man das nicht kann, oder will dann sollte man zumindest solch einen auslaufenden Vertrag nicht aus den Augen verlieren. Hat man beides nicht getan. Vielleicht aus reiner Schluderigkeit (nicht ganz unwahrscheinlich), oder weil es bis zum öffentlichen Aufschrei eigentlich gar nicht so sehr von Interesse war, das Gemälde zu erhalten. Keine Ahnung wo genau der Fehlerteufel steckte. Traurig finde ich das allemal. Aber leider auch nicht all zu ungewöhnlich.

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Vor 1 Monat

Ich würde das jetzt nicht überdramatisch betrachten. Wir sind alle Menschen und wir machen Fehler. Letzten Endes haben die beteiligten Parteien alle Einsicht gezeigt und der Schaden wird beseitigt.

BlueLotus
BlueLotus(@blue-lotus)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Der Schaden kann nicht beseitigt werden, weg ist weg, Original ist Original! Persönlich glaube ich, die wußten genau was sie taten, der Werbewert ist unbezahlbar: Kein Mensch kannte den und jetzt hat er Gratis-Werbung quer durch die Medien!

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  BlueLotus
Vor 1 Monat

Hm, könnte man tatsächlich so sehen, ist nicht auszuschließen.
Aber auch wenn ich eigentlich eine ausgeprägte misanthropische Ader habe, es könnte trotzdem ein Fall von „dumm gelaufen“ sein. Vielleicht kommt ja noch das eine oder andere Detail davon ans Tageslicht.

Für die Menschen, die in dieser Zeit dabei waren, ist Ian eine Ikone und der 18.05.1980 ist ein Datum, das sich eingeprägt hat.
Und natürlich auch für die Menschen, die sich danach in der Szene aufgehalten und sich mit Joy Division beschäftigt haben.

Aber wenn ich heute eine x-beliebige Person jüngeren Alters frage, wer Ian Curtis war, dann ernte ich nur ein fragendes Gesicht.
Insofern tue ich mir schwer, zu beurteilen, welche Popularität Ian heute in Manchester wirklich noch hat. Sprich, ich halte auch meine Theorie für möglich.

BlueLotus
BlueLotus(@blue-lotus)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Das wäre wünschenswert! Sicherlich ist Ian Curtis vielen Jüngeren kein Begriff, doch gehe ich davon aus, daß dieses Wandbild definitiv lokale Berühmtheit hatte.

Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Vor 1 Monat

Es „war“ wirklich ein sehr beeindruckendes Gemälde und so ausdrucksstark mit dieser wichtigen Message. Es hat einfach in die Geburtsstadt von Ian allein vom farblichen gepasst. Wirklich traurig wie mit so einer „Kunst“ umgegangen wird, aber irgendwie spiegelt das Verhalten doch unsere Gesellschaft wieder…. meine persönliche Meinung!

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