Skinhead Family Tree – Ursprünge und Werdegang einer Jugendkultur

Es gibt unzählige Bücher, Filme und Meinungen über die Skinheads, eine der ältesten und populärsten Jugendbewegungen. Die zweifelhafte Popularität ist eine unbeabsichtigte Folge der Politisierung durch rechtsextreme englische Parteien und Verbände Ende der 70er, die sich das Gewaltpotential zu Nutze machte um auf ihre Ziele durch Aggression in Handlung und Aussehen aufmerksam machen wollte. Jahrelange negative Berichterstattung mit dem immer gleichen Feindbild formte das Gesellschaftsbild des Skinhead, das mit den Ursprüngen und Absichten so überhaupt nichts zu tun hat. Die Assoziation Skinhead = Nazi scheint in den Köpfen der Bevölkerung festgebrannt und eingemeißelt. Immer wieder versucht man anschaulich dieses hartnäckige Vorurteil zu beseitigen, leider viel zu selten einfach und anschaulich.

Beim Kraftfuttermischwerk fand ich den Skinhead Family Tree, der sehr anschaulich und in Kurzform die Geschichte des Skinhead aufzeigt. Obwohl sich sicherlich um Daten und Darstellung streiten lässt, zeigt das Bild sehr anschaulich wie was mit wem zusammenhängt. Ich habe versucht den Text und die Aussage ins Deutsche zu übersetzen,  Verbesserungen und Korrekturen bitte in die Kommentare.

Skinhead Family Tree

Der Ursprung scheint hier klar und Unzweifelhaft. Aus den MOD’s (1962-1967) splitterten beim auftreffen der Hippiebewegung die Hard Gang Mods, die das geleckte ablehnten und ein viel härtere Mode bevorzugten.

Zusammen mit dem importierten Kult aus Jamaica, dem Rudeboy (1960-70) der Ende der 60er für einen starken Reggae Einfluss in der Arbeiterklasse der dunkelhäutigen englischen Jugend sorgte, entwickelt sich die Urform des Skinhead (1967-71), der diese Elemente miteinander verband und sich als direkte Antwort auf die verhassten Hippies verstand.

Anfang der 70er teilte sich die Bewegung in den Suedehead (1970-73), der Markenzeichen die langen Regenmäntel waren, die sie auch am Tage trugen, die Smoothie (1971-74) ließen sich die Haare wachsen und krempelten sich die Hosen hoch. Die Zutaten Raggae, Bier und Fußball blieben jedoch erhalten, das weibliche Gegenstück nennt sich übrigens Sorts. Der Bootboy (1972-77) war der Kleinstädter unter den Skinhead’s und eine Mischung aus dem Suedehead und dem Smoothie. In den Kleinstädten überlebte die Skinhead-Bewegung die 70er, getragen von den Bootboys.

Es wurde ruhiger um den Skinhead, bis der Punk für den Revival Skinhead (1977-78) sorgte, der auch als Urvater der heutigen Skinhead Bewegung gesehen wird. Schnell entstanden neue Untergruppierungen.

Der Traditional Skinhead (1978-heute) war die direkte Wiederauferstehung des Vorgängers aus den 60ern, der sich zwar für den Punk den beispielsweise Sham 69 machte interessierte, aber eigentlich mehr auf two-tone stand. Der Oi!-Skin (1980-heute) ist die Weiterentwicklung des Punk für die Skinhead Bewegung. Entgegen der weit verbreiteten Meinung hat Oi! mit Nazi’s oder Rassismus nichts zu tun.  Die Redskins (1978-Heute) hatte noble Absichten. Der Redskin ist politisch und Politiker sind keine Skinheads. Der Nazi-Skin (1978-heute) entstand aus der britischen Jugend, denen man Ende der 70er Politik aufdrängte 1. Unglücklicherweise fand man unter weniger intelligenten Skinheads ideale Rekruten für Hass-Gruppierungen. Das dunkelste Kapitel der Skinheads begann und scheint auch heute noch nicht beendet zu sein.

Als die Skinhead-Welle in den frühen 80er auch den amerikanischen Kontinent traf, entwickelten sich drei weitere Ableger dieser Kultur. Der American Traditional Skin (1982(?)-heute), der die selben Ziele vefolgt wie sein englischen Vorbild, den Amercian Punk Skin (1978-heute) der eine Mischung aus dem Punk und Skinhead darstellt und ohne rechte Gesinnung auf vielen Punk-Konzerten dabei ist und vor allem dem Hard-Core zugetan ist, sowie dem American Nazi-Skin (1983-heute), der höchstens ein Gewisse Ähnlichkeit besitzt und auch gar keine echte Szene bildet. Über seine Vergangenheit weiß er wenig, er ist mehr ein Rassist als ein Punk und eher ein Hinterwäldler.

Einzelnachweise

  1. Anm.: Die National Front rekrutierte zu dieser Zeit massiv Jugendliche für ihre politischen Ziele.[]
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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tobi
tobi (@guest_5959)
Vor 11 Jahre

sehr sehr geil! kannte ich noch nicht (im gegensatz zum ebenso geilen foto am start). ich stimme persönlich nicht 100% mit jeder aussage zusammen, aber im großen und ganzen stimmt es.

hab ich schon „geil“ gesagt? ;)

Sebastian
Sebastian (@guest_5963)
Vor 11 Jahre

Der Stammbaum ist doch mal eine koole übersicht. Leider ist bei vielen Menschen Skinhead in den Köpfen mit Naziskin gleichgesetzt.

Death Disco
Death Disco (@guest_5974)
Vor 11 Jahre

Ich mag Piepmätze. Es geht doch nichts über ein Byrdie mit Feathercut. ^^

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