Halloween = Popcornkultur?

Ich fand es immer erstaunlich, wenn schon im August die ersten Dominosteine und Printen den Weg in die Regale des Einzelhandels fanden. Da es aber wohl zu wenig rentable Feiertage gibt, den der Handel für sich vereinnahmen kann, führte man vor einigen Jahren ganz still und heimlich Halloween ein, jedenfalls in die Regale, gleich neben die Printen und die Dominosteine. Dazu rührt man die Werbetrommel gerade im Kinder- und Jugendfernsehen und schon kann man Massenweise Kostüme und Süssigkeiten verkaufen. Klar das die Kinder voll darauf abfahren. Sankt Martin ist sowieso viel zu anstrengend. Lampen und Laternen basteln, dann auch noch singen? Nein, da ist das Brüllen von „Süßes oder Saures“ doch viel einfacher.

Machen wir uns nichts vor, der Gewinner dieses Festes ist eindeutig die Industrie. Christliche Verbände sträuben sich gegen diese Amerikanisierung und kritisieren, das Sankt Martin und das traditionelle Martinssingen verdrängt werden. Es gibt aber noch weitere Konflikte, denn der Nachfolgetag, der 1. November ist der Allerheiligentag, der als stiller Feiertag geführt wird, sind Tanzveranstaltung ab Mitternacht verboten. Gerade unter Jugendlichen ist das Feiern von Halloween natürlich populärer und führt deshalb immer öfter zu Reibungspunkten, da diese offensichtlich lieber ausgelassen feiern als sich andächtig in der Kirche zu versammeln.

Doch woher kommt Halloween eigentlich? Das die Amerikaner nicht Urheber dieses Feiertags sind, scheint fast logisch. Irische Auswanderer brachten das Fest nach Amerika, das dort natürlich begeistert kommerzialisiert wurde. Ob es ursprünglich einem keltischen Brauchtum 1  entstammt, oder man sich aus Angst vor umherirrenden Seelen verkleidete und ausgehölte Kürbisse vor die Tür stellte ist strittig. Unstrittig ist aber das es nach Thanksgiving und dem Independence Day zum populärsten und kommerziell erfolgreichsten amerikanischen Feiertag entwickelt hat.

Die Vermarktung hierzulande ist als unweigerliche Folge des amerikanischen Trends? Vielleicht nicht, denn auch hierzulande feierte man immer schon ähnliche Feste, in vielen lokalen Traditionen sind ähnlich Bräuche zu beobachten. Wenn man so möchte hat man der Feiertag in die USA exportiert und erhält ihn jetzt zurück, nur bunter und lauter. Als John Carpenter 1978 Halloween auf die Leinwand brachte, sorgte er schon zu diesem Zeitpunkt für eine unbewusste Konditionierung der Generation Golf. Die Film-Reihe, die 2007 ihr jüngstes Remake feierte, ist ebenso maßgeblich für den Mythos verantwortlich wie die Industrie, die diesen Trend etwa 1991 hier vermarktete.

Das ganze hat natürlich auch etwas was Gruftiges, die Attribute mit denen man sich schmückt und der gruselig schaurige Grundcharakter sind natürlich Einladung für jeden Goth, manche laufen sogar das ganze Jahr so herum und mutmaßen, jeden Tag sei Halloween. Manfred Becker-Huberti schreibt in seinem Artikel „Gruselig grinsende Geister grüßen grässliche Grufties“ von einer Euphorie, die das Zerstreuungsbedürfnis einer ganzen jugendlichen Generation beschreibt ist er weit entfernt und beschreibt sehr treffend „Halloween ist ein Indikator dafür, dass in unserer Gesellschaft Oberflächlichkeit triumphiert, Spaß dominiert. Darüber kann man sich – bloß – ärgern.“ Aber richtig, die Faszination des Todes ist ein wichtiges Grundelement der Gothic-Szene. Das man dazu mit morbiden Festen partizipiert ist normaler als man denkt, das bei den Mexikanern zeitgleich der Tag der Toten gefeiert wird, ist wohl kein Zufall. Oberflächlich? Ja bestimmt, aber genauso oberflächlich wie die Handhabung vieler Christen an Allerheiligen seiner verstorbenen zu gedenken. Das mache ich nicht an einem bestimmten Tag, sondern immer dann, wenn ich das Bedürfnis dazu verspüre. Das die Kirche an diesem Tag ihrer Heiligen gedenkt, hat man vielen Halbtagschristen wohl auch noch nicht gesteckt. In einem Punkt pflichte ich der Kirche jedoch bei, ich finde es auch schade, das Sankt Martin in den Hintergrund gerät, denn das ist meiner Meinung nach eines der schönsten Feste, das uns die Kirche beschert hat.

Ich habe es jedenfalls immer sehr schön gefunden, von Haustür zu Haustür zu ziehen und dabei mit meiner Engelsgleichen Stimme um Süßigkeiten zu bitten. Ich bin mir sicher, das mein Gesang sehr bewegend gewesen sein muss, nur so ist zur erklären warum ich so früh unterbrochen wurde und zu den unverhofften Gaben kam. Tja, meine Stimmt geht eben direkt ins Herz, das hält niemand lange aus. Bis es aber soweit ist, lassen wir uns noch einmal von Marilyn Manson erklären, was Halloween ist:

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Einzelnachweise

  1. siehe Artikel zum keltischen Feiertag Samhain, dem Tag an dem bei den Kelten der Winter einzog[]
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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endgueltig
endgueltig (@guest_4577)
Vor 11 Jahre

Ach, war das früher schön, wenn man tütenweise Süßkram nach Hause schleppte und dann genüsslich alles aufessen durfte…ohne einen ermahnenden Zeigefinger der Eltern zu sehen…

stoffel
stoffel (@stoffel)
Vor 11 Jahre

St. Martin Singen gab es bei uns nicht, ebenso wenig Halloween. Bei uns war der 5. Dezember „heilig“, zumindest bei uns Kindern. Da war „Umlaufen“ und wir sind von Geschäft zu Geschäft gelaufen und haben das „Nikolauslied“ gesungen, auf Helgoländisch versteht sich ;) Süssigkeiten gab es massenweise *mampf*

Da unsereiner ohnehin mit Kirche, Glaube und Co. nicht viel am Hut hat, war ich sehr erstaunt das es in Meldorf (nachdem ich 2006 hierher gezogen bin) den Halloweenbrauch gibt … ich dachte immer auf dem „Dorf“ pflegt man eher alte Bräuche, wie z.B. das St. Martin Singen.

Ich bin eingefleischter Halloween Fan. Ich mag die Atmosphäre und den Spass den die Kiddies dabei haben. Unsere Lütte mag es ebenso und die Beute von Gestern reicht erstmal bis zum kommenden Nikolaus ;)

In der D-Halle gab es gestern Party für die grösseren Kinder ;) Und auch hier scherte sich nach Mitternacht niemand darum das heute ein „stiller“ Feiertag ist … die Jugendlichen hats gefreut, die Kirche sicher weniger.

Ich bin mir sicher das Deine engelhafte Stimme die Grossen zu Tränen gerührt hat … zu gerne würde ich mal eine Kostprobe hören :D

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