23 November

Grufti-Gruftis: Wenn Erwachsene sich weigern, ihre Jugendkultur zu verlassen

Verfasst von Diskussion: 30 Kommentare
Simone und Ralf - (c) Marcus Rietzsch

Simone und Ralf vom Rabenhorst – (c) Marcus Rietzsch

Die war doch vorher noch nicht da! Verzweifelt stehe ich vor dem Spiegel und reibe an der Falte neben meinem rechten Auge herum. Genau da, wo einst Lidstrich, Kajal und Lidschatten zu einem perfekten ägyptischen Augen-Makeup zusammenliefen, hatte sich eine tiefe Furche gebildet. Oder war die schon immer da? An diesem frühen Morgen kommt sie mir besonders ausgeprägt vor. Entsetzt wende ich mich ab, schlurfe in die Küche und drehe auf halbem Weg die Heizung höher. Während ich die Müdigkeit mit einer Tasse Kaffee vor dem Rechner vertreibe, stolpere ich wieder und wieder über diese demütigenden Instagram-Alben junger Nachwuchs-Gruftis, die mir mit ihrer perfekten Haut, ihrer Androgynität und einem unfassbaren Talent für Selfies die Laune verderben. Es ist nicht so, als würde ich mit meinem Alter nicht klarkommen, im Gegenteil – ich schätze den inneren Frieden, der sich eingestellt hat, die Ausgeglichenheit, die man sich geschaffen hat und die Erfahrung, die in mir steckt. Aber das sind innere Werte. Beliebte Werte für jeden, der irgendwas an sich herumzumeckern hat und über den äußerlichen Verfall hinwegtäuschen will.

Manchmal frage ich mich, ob wir dem Nachwuchs die „Jugendkultur“ versauen, weil wir uns beharrlich weigern, diese zu verlassen. Und mit spätestens 30, seien wir ehrlich, ist unsere Jugendlichkeit doch endgültig vorbei. Und nicht nur Jilian Venters von der Gothic Charm School sieht sich desöfteren mit der Frage konfrontiert, ob man mit 30, 40 oder sogar 50 Jahren nicht zu alt ist, um wie ein waschechter Grufti herumzulaufen.

Die lauschende Menge vor den Bildschirm beginnt zu raunen. Überall wird getuschelt und es dauert nur Sekunden bis sich die Empörung aus den Hälsen der Anwesenden  Gehör verschafft.

Sie haben ja recht, liebe Leser. Natürlich hat jeder das Recht, so herumzulaufen, wie er möchte. Und selbstverständlich darf man jede Jugendkultur auch in eine Erwachsenenkultur verwandeln. Wenn man denn kann, die Kraft besitzt, den Dickkopf durchsetzt und den immer stärker ziehenden Gummibändern der gesellschaftlichen Norm widersteht. Denn leicht macht man es uns nicht.

Das beginnt schon mit dem inneren Druck, der innerhalb der Szene zu herrschen scheint. Manchmal ist es so wie in einem Zugwaggon, den man zu Beginn der Reise noch für sich allein hatte und der sich mit jeder Station mit Gestalten füllt, mit denen man eigentlich nicht gemeinsam fahren möchte. Wer sich einst an Vorbildern wie Robert Smith oder Siouxsie Sioux orientierte, begegnet heute Spielarten der Szene, die jede seriöse Schwarzwurzel ignorieren. Cyber, Health-Goths, Shopping-Gruftis, Fetisch-Gruftis und Zuckerguss-Gruftis, die neuerdings mit Pastellfarben die Netzhaut reizen. Wen zum Teufel haben die als Vorbild genommen? Und wenn dann doch ein klassischer Grufti mit Joy Division T-Shirt einsteigt, kann man sich sicher sein, neben dem auszusehen wie ein schrumpeliger Apfel, der zwar immer noch schmeckt, aber nur noch im Notfall aus dem Regal genommen wird, um Neugierigen zu erklären, wie ein leckerer Apfel auszusehen hat.

Als wäre das noch nicht genug, zieht und zerrt man von außen ganz gewaltig an unserer Identität, die wir uns fein säuberlich zusammengebaut haben. Abstriche und Anpassungen soweit das Auge reicht. Für den Arbeitsplatz, an dem keine Piercings erlaubt sind, für die Elternabende der eigenen Kinder, bei dem Netzstrümpfe und Springerstiefel kontraproduktiv sind, oder für das Vorstellungsgespräch beim neuen Arbeitgeber, den man von seiner äußeren Erscheinung auf die innere Werte lenken will, indem man bunte Farbe in die Garderobe mischt, um nicht aufzufallen. Es gibt zwei Dinge, die alternde Gruftis beschäftigen. Wie viel Subkultur kann ich in meinen Alltag integrieren und warum finden die Leute, dass ich mich weigere, erwachsen zu werden?

Wieviel Gothic verträgt der Alltag?

2011 erforschte die London School of Economis and Political Science genau dieses Phänomen und fand heraus, dass viele Gothics, die in den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern waren, mit ihrer „personal authenticity“ haderten. Sie wussten nicht, wie viel sie von ihrer Identität in den Alltag mischen konnten, ohne sich in ein Rampenlicht zu stellen, in das sie nicht mehr wollten. Denn trotz einer inneren und schwarzen Identität, hatten sich die Prioritäten verschoben, die Rebellion war einem Streben nach innerem Frieden gewichen. Die Wichtigkeit der Arbeit und die vom Freundschaften und Beziehungen sorgten für eine äußerliche Anpassung.

In der Fallstudie ging das oft mit der Entwicklung einer etwas reduzierten Intensität und „komfortableren“ Beteiligung an der Szene einher, die Arbeit, langfristige Freundschaften und Kinder stärker betonte und die physischen Veränderungen des Körpers berücksichtigte. Dennoch nahmen viele weiterhin und regelmäßig teil, die meisten behielten ein unverwechselbares Erscheinungsbild bei und eine Minderheit schaffte dies ohne eine wesentliche Reduzierung der Intensität. Die Studie zeigt auch, wie der Prozess des Alterns ungleich sein kann, wobei viele Gothics auch von Schwankungen in ihrer Teilnahme berichten, die normalerweise in Verbindung mit anderen Ereignissen in ihrem Leben stehen.

Wenn wir uns nun äußerlich anpassen, um unseren neuen Prioritäten im Leben gerecht zu werden, wäre es dann nicht Zeit, die Jugendkultur zu verlassen? Hat sich dann nicht der Effekt jugendlicher Antihaltung gegenüber der Gesellschaft verbraucht? Wenn wir weniger darauf aus sind, auszugehen, zu sehen und gesehen zu werden, macht es dann überhaupt noch Sinn, eine üppige schwarze Garderobe zu pflegen?

Werdet doch endlich erwachsen!

Uns wird häufig vorgeworfen, uns an die eigene Jugend zu klammern, unserem Gefühl von Freiheit, Verantwortungslosigkeit und der gefühlten Energie die Welt zu verändern, nachzutrauern, indem wir immer noch versuchen, uns in das Gefüge der Szene zu pressen, immer mehr Schminke für immer mehr Falten verwenden und ständig lamentieren, wie schrecklich alles geworden ist und wie schön früher alles gewesen ist.

Nichts davon ist richtig. Wir sind bereits erwachsen. Unsere Jugend und das Leben in der Jugendkultur haben uns geformt, hatten Einfluss auf Perspektiven und Ästhetik, auf Weltanschauung und selbst auf das Körpergefühl. Unsere Identität basiert zu einem gewichtigen Teil auf eben dieser Jugendkultur und genau deshalb kann man auch nicht „herauswachsen“. Die daraus entwickelten Interessen und Leidenschaften sorgen auch heute noch für ein unverwechselbares Gemeinschaftsgefühl und gerade die Beschäftigung mit dem, was in der Szene passiert, was sich verändert und wie sie sich erweitert, hält uns darin fest. Denn es ist uns nicht gleichgültig, mit wem wir unser Lebensgefühl teilen. Ein weiterer Blick in die Studie zeigt das gleiche Ergebnis:

Schließlich habe sich gezeigt, wie unter bestimmten Umständen das Altern als Mitglied einer Musik- und Stilgemeinschaft ein kollektiver Prozess sein kann. Denn, obwohl die Identität von Gothics in gewisser Hinsicht privatisiert oder personifiziert wurde, als die Menschen älter wurden, schien es für viele langjährige Teilnehmer teilweise eine wichtige Erfahrung zu sein, als Teil einer subkulturellen Gemeinschaft aufzuwachsen. In diesem Zusammenhang hatte sich das Gefühl und die Orientierung der Gemeinschaft selbst entwickelt und verändert. […] Weit davon entfernt, in einer Subkultur, die von der Jugend beherrscht wird, isoliert zu sein oder sich auf einen verzweifelten Versuch zu konzentrieren, ihre eigene Jugend zu behalten, fanden sich diese Teilnehmer immer noch an eine Gemeinschaft gebunden, die mit ihnen gemeinsam alterte.

Niemand von uns ist zu alt, die Zugehörigkeit zur Szene und seine eigene Identität auszuleben. Dass wir das den körperlichen Gegebenheiten anpassen sollten, sollte uns klar sein. Wenn wir uns mit Korsagen, übermäßigen Gebrauch von Make-up, Latex und Haarteilen in jugendliche Sterotypen quetschen wollen, wirkt es einfach aufgesetzt. Genau so, als würden wir es nicht schaffen, unsere Jugend als Teil der Vergangenheit zu akzeptieren. Sehen wir uns doch als Pioniere. Subkulturelle Entwickler, Entdecker und Chronisten, die die Szene bewahren und in jedes neues Jahrzehnt überführen. Wir entwickeln Stile, die 50-jährige noch wie schwarz veredelte Vampirfürste wirken lassen, wie Könige der Nacht und Königinnen der Dunkelheit.

Sabrina und Jonas

Sabrina und Jonas – Geschmacklich auf der gleichen Wellenlänge

Wir sollen erwachsen werden? Sollen die anderen sich doch mal eine eigene Identität zulegen, anstatt sich in Aussehen, Verhalten und Interessen dem Zeitgeist anzupassen. Wir passen uns aus Höflichkeit an, aus Funktionalität und aus existenziellen Gründen – aber zu leugnen wer wir sind, ist nicht der richtige Weg. Deshalb laufen wir auch in unserer Freizeit rum, wie wir uns fühlen. Wir sind die Grufti-Gruftis. Das sind die, die nach dem Duden BEIDE Definitionen des Wortes erfüllen. Wer ist hier nun true, ihr makellosen, glatthäutigen Vorzeigeäpfel? :-)

30 Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Text, du sprichst einen hochaktuellen Aspekt an. Ich als Junggruftie sehe die 80er und 90er Generation immer mit ein wenig Ehrfurcht, da die Musik und die Zeit etwas ist, was ich in unserer heutigen Zeit schmerzlich vermisse. Als Schöpfer, als Pioniere solltet ihr euch sehen, mit dem, was ihr mir und anderen gebt. Ihr verschafft auch uns eine Identität, viele von euch sind meiner Generation Vorbilder, auch wenn es vielleicht die Minderheit sein mag. Danke dafür! Wir werden euer Erbe in Ehren halten :)

  2. Stimme Rubin Hunter zu. Sehe persönlich die Gothic Szene (vor allem wenn es um Trad Goths geht) eher weniger als eine Jugendkultur. Man macht evtl Abstriche ja, aber man ist trotzdem mit 50 oder älter noch dabei und wird dabei von der Gothic Szene nicht schräg angeschaut. Macht für mich auch einen Teil des Reizes aus, dass nicht ein Ablaufdatum mitdranhängt.

  3. Ja, mit der Auswahl der Äpfel ist es so eine Sache! Als Junggrufti habe ich die älteren Gruftis auch mit einer Portion Ehrfurcht betrachtet. Ich fand es nie störend, in Clubs neben Älteren zu tanzen. Ganz im Gegenteil: es hatte etwas sehr Schönes, mal nicht diesen Gleichaltrigen ausgesetzt zu sein, für die Status in einem Krampf und Kampf der Konkurrenz zueinander waren, sondern die „ihr eigenes Ding“ durchzogen. Ich erinnere mich, dass ich diese Authentizität oft beneidete. Jetzt sehe ich mit 32 natürlich noch längst nicht an der völlig entgegengesetzten Seite. Aber mit zwei kleinen Kindern sortiert man doch manches um und entdeckt sich durch die neu gewonnene Rolle als Elternteil irgendwie neu oder zumindest anders. Das hat mich erst ziemlich aus der Bahn geworfen, aber langsam finde ich mich in diese neue Situation hinein. Eine wirklich spannende Sache! Und der saftige Sarkasmus in der Einleitung ist dir sehr gut gelungen, Robert!

  4. mit 53 verkehre ich nach wie vor relativ aktiv in der szene. wie schön geschrieben, nicht mehr so schrill, weniger provozierend. eher ruhig und elegant. das fühlt sich so alles genau richtig an und ich denke, dass ich so meinen platz für die nächsten jahre gefunden habe.

  5. Ein wirklich sehr schöner Text und kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
    Am Ende kann man eigentlich nur hinzufügen,um diesen Text in einem kurzen Satz zu beschreiben, Gothic oder Metal ist keine Jugendkultur, es ist ein Lebensgefühl, dass von Äußerlichkeiten nicht beherrscht wird und man dies nicht einfach von heut auf morgen ablegen kann oder sollte, so wie es die Gesellschaft gerne hätte.

  6. Ein durchaus interessanter Gedankengang, den Du da verfolgt hast, Robert. Wobei es mich wundert, dass das überhaupt zum Thema gemacht wird. Ich kenne keine andere „Szene“, in der die Frage nach Alter eine derart große Rolle spielt, dass man sich damit befassen müsste. Rock, Techno, HipHop: auch wenn oberflächlich immer die ewige Jugend propagiert wird, werden die langjährigen Wegbegleiter nicht einfach gechasst. Von daher alles gut!

    Der erste Kommentar von Rubin Hunter wirft allerdings ein weitaus größeres Problem auf als die Frage nach dem szeninternen In-Würde-Altern: Wenn die sog. Junggruftis die 80er und 90er Jahre heutzutage „schmerzlich vermissen“, erweckt das in mir der Gedanke, dass die aktuellen Bands und Szenestrukturen nicht mehr so attraktiv sind wie früher.

    In Kluft und Mode bin ich gar nicht gruftig, war ich auch nie. Aber musikalisch habe ich mich immer stark mit der Szene identifizieren können. Auch ich finde die Anfänge spannend (bald 40 Jahre her, wird Zeit für eine Geburtstagsparty), bin aber auch immer auf der Suche nach neuem, ungehörten Material gewesen, das die Gothic-Szene auf ein neues Level führen könnte.

    Mir geht es darum, nicht nur das „Erbe in Ehren“ zu halten, wie es Rubin Hunter liebevoll geschrieben hat. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wo, wann, wie und wieso alles so angefangen hat. Andererseits muss die junge Generation aufpassen nicht zu sehr in die Extreme zu rutschen (ausufernder Verkleidungswahn – wie von Robert beschrieben – auf der einen Seite und das erstarrte Mausoleumsdenken einiger Konservativer auf der anderen, die bereits bei Sisters Of Mercy sauer aufstoßen ob ihrer „Kommerzialität“).

    Szenen leben von Erneuerungen, von Umwälzungen, vom Weiterdenken der Pioniere. Andernfalls hätten wir das Problem, uns in ein kreatives Vakuum zu lamentieren, in denen Joy Division und The Cure die einzig wahren Meister sind und alle anderen Versuche einer Erneuerung exkludiert. Und das will ich nicht.

    Es wird sich daher zeigen, ob die heutige Szene es schafffen wird, auch in ihren „40ern“ noch Klassiker für nachfolgende Generationen hervorzubrigen. Aber da bin ich guter Hoffnung. Um Kraftwerk zu bemühen: „Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen“

  7. Der erste Kommentar von Rubin Hunter wirft allerdings ein weitaus größeres Problem auf als die Frage nach dem szeninternen In-Würde-Altern: Wenn die sog. Junggruftis die 80er und 90er Jahre heutzutage „schmerzlich vermissen“, erweckt das in mir der Gedanke, dass die aktuellen Bands und Szenestrukturen nicht mehr so attraktiv sind wie früher.

    Für mich persönlich hast du recht, Daniel. Mir geht es so, mag aber vielleicht auch daran liegen, dass die „Alten Grufties“ immer so viel aus dieser Zeit erzählen. Wir Junggruftis haben zwar vermeintlich viele Möglichkeiten mehr heutzutage, aber mir z.B. fehlt irgendwie was. Ich weiß nicht genau, was es ist, vielleicht ist es die Trägheit meiner Generation, eine neue Bewegung ähnlich der 70er und 80er Jahre loszubrechen, weltpolitische Gründe gibt’s heute genug wie damals. Ich kann einfach nichts damit anfangen, dass so viele Leute in meinem Alter einfach der Selbstdarstellung Willen in schwarz rumlaufen, um möglichst oft abgelichtet zu werden. Ich laufe in schwarz rum, weil ich mich so am wohlsten fühle, weil ich damit einfach ich bin. Mir ist es völlig egal, ob man mich deshalb beachtet oder überhaupt fotographiert.
    Veeränderungen braucht die Szene, das stimmt schon. Aber die Erinnerung an die 80er und 90er find ich deshalb so reizvoll, weil es (mag sich merkwürdig anhören) die Menschen noch nicht in dem Maße Techniksklaven waren wie heute. Ich bin 1997 geboren und berachte meine geringen Erinnerungen an die Welt vor dem Smartphone als ein unheimliches Glück. Dieses Lebensgefühl will ich einfach bewahren.

  8. Oh, mir juckt es gerade auch in den Fingern, zu antworten. Aber mein Computer hatte gestern einen Festplatten Crash und per smartphone ist es mühsam länger zu schreiben . :-( Ich hoffe es bald nachholen zu können. Auf jeden Fall ein spannendes Thema :-)

  9. Schwarz sein ist erstmal eine innere Einstellung, Haltung, Position und hat nichts damit zu tun, wie viel Schminke, Piercings, Tattoos oder was sonst noch man oberflächlich man trägt. Gothic ist zu aller erst ein Label der Industrie, worunter man vieles vermarkten kann, was überhaupt nichts mit der eigentlichen Spielarten der Szene zu tun hat. Folglich geht es mehr um Vermarktung, Verwertbarkeit und um Konsum als um immaterielle Werte. Die Verbreitung der Szene in Richtung Mode und Kleidung führte u. a. dazu das sich auch andere Leute angesprochen fühlten, die mit der Musik nur wenig am Hut hatten. Klar gab es dann findige Geschäftsleute, die durch geschickte Vermarktung ihr Geld machten. Nur das eigentlich vergessen viele… Wer anfängt Kompromisse zu machen, um der bürgerlichen Gesellschaft zu gefallen, hat schon verloren. Wir wollten nie gefallen, lehnten Konsum etc. ab Viele vergessen die Ursprünge unserer Szene, die aus dem Punk/ DIY Bereich der ausgehenden 70er Jahre des letzten Jahrhunderts kommt und politisch war. Klar merkt man auch bei uns wie der neoliberale Zeitgeist uns bzw. unsere Szene durchdringt. Bei uns spielten eigentlich nie die oberflächliche Werte früher eine Rolle wie bin ich zu alt. Und überhaupt wer an seinem Aussehen zweifelt oder lieber nach Konformität strebt, sich nicht schön findet, der sollte provokativ gesagt echt mal zum Arzt in einer kranken Gesellschaft gehen. Stromlinienförmige, konforme, angepasste Menschen gibt es schon zu genüge, die lieber anderen Lauten hinterherlaufen, ohne den Verstand einzuschalten, weil es so bequem ist, als mal Stellung zu beziehen. Wer mit einem ein Problem hat, der sollte lieber erstmal an sich arbeiten.

  10. Für meinen Teil (bin 40 ) halte ich mich ersteinmal hauptsächlich für einen Musikhörer..ich brauch Etiketten nicht mehr so unbedingt (und das in einer Zeit in der die Style-Definitionen doch deutlich zugenommen haben….Nerd, Hipster, Fairy-Goth, Batcaver, Hater..blablabla). An diesem Punkt meldet sich dann eine Stimme, die sagt „werde doch mal endlich erwachsen..was willst du denn mit so einem Definitions-Kokolores?“. Und auch die sogenannte „Szene“ erscheint (im kollektiven Sinne) heutzutage eher als ein unsinniges Gedankenmuster. Wann bin ich „in der Szene“, wann bin ich „aus der Szene raus“, ist das ein Ort an dem man drinnen oder draussen sein kann? Oder besuche ich als Musikhörer oder äh Mensch (klingt überhaupt nicht cool) nur Festivals, Konzerte, Parties weil dort (größtenteils) die Musik gespielt wird die ich mag? Was man überhaupt nicht wegdiskutieren kann, ist das subjektive individuelle Empfinden..d.h. die Musik die man mag, die Klamotten die man mag (da entscheidet dein und mein persönliches Ästhetik-Empfinden..was geht und was geht nicht und was passt jetzt nicht mehr so) und all den anderen Kram den man mag. Aber das kollektive gedankliche „Szene“-Konstrukt hat in meiner Wahrnehmung immer weniger Bezug zur Realität. So gesehen gibt es für mich eigentlich keine Szene mehr sondern nur noch ein durch die großen Festivals (WGT, Amphi etc) aufrecht gehaltenes gedankliches Bild…mit dem man Geld verdienen kann.
    In den frühen 90ern konnte man das „anders“ sein noch wirklich zelebrieren, weil das „normal“ doch noch ziemlich zugeschnürt war (also optisch und auch gedanklich). Im heutigen zeitlich-gesellschaftlichen Kontext funktioniert das aber nicht mehr so..in optischer Hinsicht und auch musikalisch ist vieles bereits in die Normalität integriert (was nicht unbedingt besser ist, denn dadurch das es bereits im Mainstream angekommen ist, fehlt auch die innere Haltung dazu…bspw. sieht man junge Mädels mit nem Ramones T-Shirt, die die Band überhaupt nicht kennen (Unknown Pleasures geht auch) und Ramones wahrscheinlich für ne Mode-Marke halten).
    Also das Einzige ist wie bereits das persönlche Empfinden (was fühlt sich gut an, was sieht gut aus), aber ob man „in der Szene“ ist weiss ich eh nicht mehr.

  11. Wann bin ich „in der Szene“, wann bin ich „aus der Szene raus“
    Das ist ein interessanter Gedanke. Ich frage mich das auch immer. Klar, ein gewisser Musikgeschmack sollte schon vorhanden sein, sicher auch ein Hang zur Emotionalität und zu Tiefgründigkeit. Aber sonst? Muss man optisch extrem auffallen? Sollte man regelmäßig auf Szeneveranstaltungen gehen oder einen großen ‚Grufti-Freundeskreis‘ haben? Ich glaube nicht. Schließlich geht es doch hauptsächlich um die Musik und um die innere Einstellung. Warum sollte man dafür zu alt sein? Und selbst, wenn jemand gern einen extremen Look trägt – solange man sich damit wohl fühlt, go for it.

    Wer anfängt Kompromisse zu machen, um der bürgerlichen Gesellschaft zu gefallen, hat schon verloren.
    Ganz so sehe ich das nicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir trotz allem Teil dieser Gesellschaft sind und natürlich mit ihr leben. Ich für meinen Teil habe absolut kein Problem damit, meinem Gegenüber einen gewissen Respekt entgegenzubringen. Das selbe verlangen ich ja auch ;) Das heißt nicht, dass ich mich verkleide oder verstelle, aber ich muss doch nicht in zerrissenen Jeans und mit Nietenhalsband ins Theater gehen. ;)

    . Wir Junggruftis haben zwar vermeintlich viele Möglichkeiten mehr heutzutage, aber mir z.B. fehlt irgendwie was.
    Mir geht es da ganz ähnlich. Ich bin mit meinen 30 zwar nicht mehr ganz so jung, aber eben auch noch nicht soo alt.
    Ich denke, es ist ein bisschen das Geheimnisvolle, das Verbotene verloren gegangen. Heutzutage weiß jeder etwas mit ‚gothic‘ anzufangen. Damals war das halt eine komplett neue Bewegung. Wahrscheinlich wusste keiner, wo die Reise hingeht, wie es sich entwickelt. Gute Musik war nicht nur ein paar Klicks entfernt, gruftige Kleidung gab es nicht überall zu kaufen….Es ist einfach ein Stück weit normal geworden.

    Nichtsdestotrotz: Wer es lebt, wer es fühlt und zu sich selbst steht, der ist auch nicht zu alt. Ganz einfach, weil man für sich selbst nicht zu alt sein kann!

  12. Gothic hatte nie eine politisch einheitliche Agenda und auch im Punk gab es die ursprünglich nicht.

    Im Punk ist die Idee ein Ding das in den 1980ern hoch kam. Slime spielten da eine Rolle, ebenso wie Minor Threat und Discharge, also eigentlich die HC-Kante der da aber schon konservative Truppen wie die Misfits gegenüberstanden. Im Goth spielte das noch weit weniger eine Rolle. Von den Wurzeln an ging es nicht darum irgendwohin, sondern von irgendwas weg zu kommen. Es ging um den Tabu-Bruch, darum dass man anecken wollte. Das war da durchaus das Erbe von den Pistols, von TG und auch von den frühen Joy Division. Da gab es aber keine politische Zielrichtung. Das Gegenteil war der Fall. Die eigentlichen Linken, sowohl die Studenten, als auch die Alt-Hippies lehnten Punk ab und als Goth zur internationalen Szene wurde, war die Szene längst aus den Punkschuhen gewachsen und hatte ihr eigenes Fundament zwischen den Sisters, den Cult, der Mission, den Fields etc. Punk war da nur noch in homöopathischen Dosen in der Szene zu finden.

    Was das Altern in und mit der Szene betrifft glaube ich, dass das nicht nur Goth/Schwarz betrifft. Die nicht an soziale oder wirtschaftliche Eigenschaften gebundenen Szenen wie wir sie heute kennen und erleben sind ein Produkt der späten 80er und frühen 90er Jahre, als sich das Schichtmodell zusehends auflöste und die Pauschalisierungen hinsichtlich der Verknüpfung von Jugendkulturen und sozialer Schicht ungültig wurden. Mit einem Blick auf die anderen mitreleuropäischen Szenen dieser Zeit: insb. Techno, Metal, Hip Hop und Alternative. So haben die alle überlebt und viele sind in der Altersstrukrur über die Jahre gewachsen. Szenen haben die nicht-familiären Sozialisationsinstanzen der vorausgegangenen Generationen (Kirche, Verein, Partei) zum Teil ergänzt, zum Teil gar abgelöst. Und so fand man bestimmte wichtige Aspekte seiner Identität in der Szene wie unsere Eltern, zum Teil unsere Großeltern dies in eben vorausgegangenen Sozialisationsinstanzen fanden. Und wie diese, die diese Instanzen, welche den Übergang von Jugendlich zu Erwachsen begleiteten und nicht zuletzt mit wichtigen Fragen (Wer bin ich? Was macht mich aus? Wer will ich sein?) und Erfahrungen (Gemeinschaft in den Themen die einen beschäftig(t)en) prägten, nicht verließen, verlässt man auch eine Szene die einem Antworten und Gemeinschaftserfahrungen gab nie ganz. Es gibt dieses Sprichwort: „Du bekommst vielleicht den Jungen aus der Kirche, aber die Kirche nie aus dem Jungen.“ Ich denke, dass Szenen genau an dieser Stelle stehen. Das was uns in unserer Jugend geprägt hat, dass wird uns wohl ewig in irgendeiner Form begleiten und wenn das in authentischer Form geschieht, dann kann das auch das Altern in Schwarz bedeuten. Immerhin, bei den alten Sozialisationsinstanzen würde die Frage wohl nie aufkommen, bei uns tut sie es weil es mal eine Jugendkultur war, dass es das aber nicht mehr ist sieht man auf jedem Konzert und in jeder Disco. Im Metal, im Alternative, im Hip Hop und eben auch in der Schwarzen Szene.

  13. womit sich der kreis wieder schließt und das wgt oder halloween eben doch eine art feiertag sind

  14. Fraoch, das mit dem Ersatz der früheren gängigen Sozialisationsinstanzen (Kirche, Parteien, Vereine) durch die Jugend-Kulturen ist ein interessanter Aspekt!
    Tja, irgendeine Zugehörigkeit bzw. ein Zusammengehörigkeitsgefühl scheint der Mensch zu brauchen… und in Zeiten immer unsicherer Familienverhältnisse erst recht. Zumindest stammt ja ein nicht unerheblicher Teil der Gothic Szene aus zerrütteten oder schwierigen Familienverhältnissen. Doch was ist, wenn man sich einigermaßen erfolgreich sein eigenes Leben aufgebaut hat – was gibt die Szene dann noch? Viele fangen ja mit der Familiengründung an, sich zurück zu ziehen. Andere bleiben mit einem Bein in der Szene drin, andere gehen weiterhin richtig in ihr auf. Unsere Jugenderfahrungen können wir nicht so einfach abschütteln oder abstreifen, sie haben uns geprägt. Und wenn der musikalische und modische Geschmack sich nicht komplett ändert und außerdem immer noch ein Hang zum Nachdenklichen/Dunklen besteht, dann bleibt man wohl auch „schwarz“. Ich denke mal, je nachdem, wie stark die persönliche Schnittmenge mit den szenetypischen Themen und Inhalten ist/war, so groß ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man mit der Szene verbunden bleibt oder zumindest (hin und wieder) zurückkehrt. So lange es „Alte“ gibt, die in der modernen Szene noch das vekörpern, was mal ihre Essenz war, wird diese sich nicht komplett wandeln (können) und auch weiterhin attraktiv für Ältere bleiben und Jüngeren eine Orientierung bieten. Sobald wir Älteren anfangen, fernzubleiben, wird der Szene diese Basis genommen und sie kann sich zwar freier, aber auch unberechenbarer entwickeln.

    Ich selbst bin ja nun (leider) kaum noch in schwarzen Clubs anzutreffen, obwohl mir das schon ziemlich fehlt. Aber es gibt verschiedene Gründe, die es mir erschweren (die späte Uhrzeit, die schlechte Luft, fehlende Kontakte, die anderen Freizeitaktivitäten die damit kollidieren). Auch wenn ich mich vor allem im Alltag nur schlicht schwarz und nicht großartig zurecht mache, so würde ich das doch gerne öfter machen, auch wenn’s nur für mich selbst ist. Einfach um ein besseres Gefühl beim Blick in den Spiegel zu haben. Vermutlich ist es oft nur Bequemlichkeit aus morgendlicher Zeitnot ;-) Musikalisch bin ich nach wie vor voll auf dem Szene-Trip, mit gelegentlichem Blick über den Tellerrand. Innerlich bin ich nach wie vor ein nachdenklicher Mensch, der sich gerne mal durch Musik und Hobbies wegträumt von all dem Alltragsmist und menschlichen Enttäuschungen (die oft auch szeneintern stattfanden). Eigentlich bin ich inzwischen mehr Einzelgängerin als früher, brauche andere Menschen und insofern auch eine Szene weniger als früher. Dennoch bin ich ihr weiterhin verhaftet und kann mir auch keine Alternative vorstellen. Dazu passen Musik, Modegeschmack und sonstiges Gefühl immer noch zu sehr… auch nach mittlerweile 28 Jahren „Schwarzsein“.

    Ich finde es großartig, dasses unter den Jüngeren doch einige gibt, die sich für die Wurzeln interessieren und nicht abschätzig, sondern ehrfüchtig und neugierig auf Ältere schauen. Und es ist wichtig, dass die Älteren nicht von oben herab auf Szenenachwuchs schauen und ihn verurteilen, wenn anderes gelebt, gehört und getragen wird. Beide Gruppierungen haben Schnittmengen und sollten offen füreinander bleiben, sich gegenseitig inspirieren dürfen. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass mir alles gefällt und ich alles gut finden muss, was in der Szene passiert.

  15. Ich hoffe ich gleite nicht am Thema vorbei. Ich bin 22 Jahre jung und kam mit 12 in die Szene und ehrlich gesagt würde ich schon einmal gerne die Anfänge der Szene erleben. Die Zeit wo Kleidung für die Szene noch nicht in Massen hergestellt wurde, wo jeder seine Persönlichkeit lebte und es nicht cool war Mainstream zu sein. Ich finde es gut, dass es nicht nur eine Jugendkultur ist. Warum sollte man ab einem gewissen Alter das aufgeben was Leidenschaft bedeutet. Ich bewundere die ältere Generation und finde es sehr gut wie sie zu sich und der Szene stehen.

  16. Für meinen Teil (bin 40 ) halte ich mich ersteinmal hauptsächlich für einen Musikhörer..ich brauch Etiketten nicht mehr so unbedingt (und das in einer Zeit in der die Style-Definitionen doch deutlich zugenommen haben….Nerd, Hipster, Fairy-Goth, Batcaver, Hater..blablabla). An diesem Punkt meldet sich dann eine Stimme, die sagt „werde doch mal endlich erwachsen..was willst du denn mit so einem Definitions-Kokolores?“. Und auch die sogenannte „Szene“ erscheint (im kollektiven Sinne) heutzutage eher als ein unsinniges Gedankenmuster. Wann bin ich „in der Szene“, wann bin ich „aus der Szene raus“, ist das ein Ort an dem man drinnen oder draussen sein kann? Oder besuche ich als Musikhörer oder äh Mensch (klingt überhaupt nicht cool) nur Festivals, Konzerte, Parties weil dort (größtenteils) die Musik gespielt wird die ich mag? Was man überhaupt nicht wegdiskutieren kann, ist das subjektive individuelle Empfinden..d.h. die Musik die man mag, die Klamotten die man mag (da entscheidet dein und mein persönliches Ästhetik-Empfinden..was geht und was geht nicht und was passt jetzt nicht mehr so) und all den anderen Kram den man mag. Aber das kollektive gedankliche „Szene“-Konstrukt hat in meiner Wahrnehmung immer weniger Bezug zur Realität. So gesehen gibt es für mich eigentlich keine Szene mehr sondern nur noch ein durch die großen Festivals (WGT, Amphi etc) aufrecht gehaltenes gedankliches Bild…mit dem man Geld verdienen kann.
    In den frühen 90ern konnte man das „anders“ sein noch wirklich zelebrieren, weil das „normal“ doch noch ziemlich zugeschnürt war (also optisch und auch gedanklich). Im heutigen zeitlich-gesellschaftlichen Kontext funktioniert das aber nicht mehr so..in optischer Hinsicht und auch musikalisch ist vieles bereits in die Normalität integriert (was nicht unbedingt besser ist, denn dadurch das es bereits im Mainstream angekommen ist, fehlt auch die innere Haltung dazu…bspw. sieht man junge Mädels mit nem Ramones T-Shirt, die die Band überhaupt nicht kennen (Unknown Pleasures geht auch) und Ramones wahrscheinlich für ne Mode-Marke halten).
    Also das Einzige ist wie bereits das persönlche Empfinden (was fühlt sich gut an, was sieht gut aus), aber ob man „in der Szene“ ist weiss ich eh nicht mehr.

    100% Zustimmung.

  17. Huebsches Bild von Euch Simone….wer ist der junge Mann?!

  18. Interessantes Thema.
    warum sollte man sich weigern – die Jugendkultur – die einen prägte / wo man sich schon ein halbes Leben darin befindete – zu verlassen ?!?
    Natürlich , rein optisch her gesehen , haben die “ jungen“ einen Vorteil gegenüber den „alten“ . Aber eben rein optisch her gesehen.
    Ich gehe gern auf Partys mit gemischtem Publikum. Meist gibt es ja verschiedene Floors – wo eigentlich für jeden was dabei ist . Naja, manchmal auch nee …
    Wie ich damals schon in der „Reportage “ gesagt habe – Einmal Grufti immer Grufti – Diese Ansicht teile ich immer noch und werde sie auch weiterhin vertreten.
    Mich „kotzt“ es am meisten an , dass ab einem bestimmten Alter – rein äusserlich so das eine oder andere passiert – speziell Haare . Aber das sind im Endefeckt nur äußerlichkeiten und diese sind zwar schön anzusehen , aber mehr auch nicht.
    Ich bewege mich jetzt schon seid über 25 Jahren in der “ Szene“ – drücke dieses ja auch mit meinem Erscheinungsbild – sei es in Form von Tattoos , Kleidung , Make up etc. aus .
    Viel läuft bei mir über Musik – mit neueren Bands kann ich wenig anfangen – es gibt da zwar auch Ausnahmen , aber die ganze Richtung so Mono Inc Blutbengel Nachtmahr usw. – bähhhhh
    So, das wars …vielleicht bissl oberflächlich geschrieben aber ich denke es passt schon ,gell .

    und SANDRA wolltest du dich nicht vom Acker machen ? Du findest sicher einen anderen Blog , wo du deine negativen Gedanken teils Beleidigungen einschreiben kannst . Bei FB hast du dieses ja auch schon häufig getan . Vom Bilderklau fange ich jetzt gar nicht erst an .

  19. Robert, kann man nicht IP Adressen für eine Seite sperren oder so? Offensichtlich reicht Blockieren bei Facebook nicht.

  20. Ich schließe mich zu großen Teilen Ronny an, knüpfe daran weiter. Ich genieße sogar heute das es die Alten und die Jungen gibt. Das Thema Mischung in der Szene hat mir schon damals gut gefallen. Leute und Geschlechterverhältnis war einfach stimmig damals. Und jetzt genieße ich dazu die neuen Strömungen, Entwicklungen in Musik und Kleidung. Man wird immer wieder noch mal überrscht und erfreut. Gut, wenn man dann von 16/17 jährigen Mädels mit „Sie“ angesprochen wird, und dann auch noch angeflirtet, ist das schon komisch. Immerhin kraucht man jetzt mehr als doppelt so viele Jahre über diesen Planeten. Zwischen Kompliment, und ist mir das peinlich, wie werd ich die nun los, ist das bei mir zumindest fließend. Und ganz ehrlich, wer wünscht sich schon den Kopf aus dem Alter zurück. Ob nun den eigenen oder den der anderen. Da hab ich zumindest alles noch sehr viel ernster genommen und viel „aufgeblickt“ etc. Die Freiheit und Selbst…sicher…oder… gefälligkeit die das älter werden mit sich bringt, will ich nicht mehr missen. Man weiß Jahr für Jahr mehr was man mag, und kann, und was nicht, und was einen vollkommen egal sein kann. Gegen Geheimratsecken hilft höher wegrasieren, gegen langsam verwelkende Jugendlichkeit hilft Entspannung, und von mir aus mit der Kleidung, Schmuck, Haarkunst bla, verhüllen, überstucken, drüberbrezln. Gegen Musik Nostalgie, hilft ein Best of 30 Jahre Konzert. Und da steht man dann. Selber lange gruftig verbandelt, andere ältere Paare, und Mütter mit ihren Töchtern im Teenie/Twenalter. Der Saal ist wie die alternativen Discos in meiner Jugend… und leicht mitgealtert. Und der Sänger ist grau, und immer noch gut. Tanzen dazu geht noch, der Kaffee schmeckt auch… ein Moment in dem Zeitlosigkeit schwingt. Eine zeitlose Szene in einer zeitlosen Szene. Wen schert da schon das Alter bzw die in dem Moment erreichten Jährchen. Keiner kennt die Stunde ab der er sich die Stiefmütterchen von unten anschaun kann. Ein paar meiner ehemaligen Mitschüler tun das bereits jetzt. Warum also vorher irgendwas aufhören und warum? Ach, und bevor ichs vergesse… je länger ich in der Szene bin, je größer erscheint mir die Akzeptanz, Toleranz und sogar Befürwortung der Szene. Auch weil Szenemitglieder, ob nun noch viel aktiv, passiv, oder draußen, ihre Positionen im Leben eingenommen haben. Wirklich überall findet man sie. Auch in Bereichen, die mal traditionell szenekritischer waren, sind sie anzutreffen. Und das ist doch mit ein Grund weiter zu machen. Das soll nicht heißen das alles gut ist, aber damits gut weiter geht und nicht wieder schlechter wird, warum aufhören?

  21. @Rubin Hunter: Das klingt aber schön. Doch ganz so viel Ehrfurcht solltet „ihr“ nicht haben, das Erbe, falls es denn eines gibt, ist ja nicht zum anschauen gedacht, sondern zum benutzen, zum weiterentwickelt, zum ausprobieren. 2017 sieht Goth nunmal anders aus als zu den legendären Zeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch nicht diese Zeiten einmal legendär werden können. Wie auch immer. Nehmt „unser“ Erbe und macht was schönes draus ;)

    @gagates: Tatsächlich scheinen Subkulturen im Allgemeinen kein Ablaufdatum zu kennen, es sei denn es handelt sich um körperlich orientierte Szenen, die irgendwann am Körper selbst scheitern. Ich bin gespannt, was da noch auf uns zu kommt ;)

    @Le_lys_Noire:

    Das hat mich erst ziemlich aus der Bahn geworfen, aber langsam finde ich mich in diese neue Situation hinein

    Was bleibt Dir auch anderes übrig? Grufti bleibt Grufti. Soll heißen, wenn du Dich einmal selbst gefunden hast, Deinen Platz, Deine Ästhetik, Weltanschauung und Passionen feststehen, sollte man auf sich selbst hören und dabei bleiben. Jedes „ablegen“ für einen „Zweck“ ist meiner Ansicht nach zum Scheitern verurteilt und endet in einer freiwilligen Selbstaufgabe. Ich glaube 2017+ können wir es uns erlauben, so zu sein, wie wir sind.

    @re: Vielen Dank. Falls du in den nächsten Jahren Unsicherheiten verspürst, komm vorbei. Wir geben Dir Ankünpfungspunkte und Selbsterfüllung :)

    @Malo: Ist ein Lebensgefühl geworden? Und wenn ja, wodurch?

    @Daniel: Nun. Es gibt Gedanken, die bleiben Gedanken, weil die Antwort und die geplante Verhaltensweise für einen offensichtlich erscheinen. „Ich bleib so wie ich bin!“ Vielleicht macht es jedoch Sinn, andere an diesen Gedanken teilhaben zu lassen und das „Altern“ tasächlich zum Thema zu machen. Für mich fällt damit ein wenig die Unsicherheit, mich so zu geben, wie ich mich fühle. Ich fühle mich bestätigt, mit 40+ hinsichtlich der Szenezugehörigkeit (äußerlich) wenig Abstriche machen zu müssen. Musikalisch, das steht für mich fest, bleit sowieso alles beim geprägten. Musik, die du 20 Jahre geliebt hast, liebst du auch noch 20 weitere Jahre. Unabhängig vom Aussehen.

    @Punkriot:

    Und überhaupt wer an seinem Aussehen zweifelt oder lieber nach Konformität strebt, sich nicht schön findet, der sollte provokativ gesagt echt mal zum Arzt in einer kranken Gesellschaft gehen.

    Zu dieser Einstellung gehört aber auch eine große Portion Selbstbewusstsein, Mut und Rebellion, findest du nicht? Ich kann mir gut vorstellen, dass man trotz einer gewissen Konformität seinen Charakter behalten will. Schließt das eine denn das andere für Dich aus?

    @The Drowining Man: Musikhörer – und ich will Dir nicht zu nahe treten – sind auch nich die Zielgruppe dieses Artikels. Es geht um die, die in Gothic vielmehr sehen als eine Musikrichtung, sondern diesem imaginären Lebensgefühl auch äußerlich Ausdruck zu verleihen und sich auch so einer Art Gruppe anschließen wollen, mit denen man nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge liegt. Sicher. Gothic bleibt in seinem Ursprung eine Musikrichtung, aber es wäre engstirnig sie immer noch in diesem Korsett zu halten, denn mittlerweile gibt es viel zu viele Inhalte und Ausdrucksformen um nicht von einem Lebensgefühl zu sprechen, oder?

    @Mandy:

    Wer es lebt, wer es fühlt und zu sich selbst steht, der ist auch nicht zu alt. Ganz einfach, weil man für sich selbst nicht zu alt sein kann!

    Da bin ich dabei! Aber es ist gut, sich ab und zu auch mal Bestätigung bei Anderen einzuholen. Das tut einfach gut. Und dafür ist man nie zu alt.

    @Fraoch: Klingt sehr logisch Dein Kommentar, ist mir aber etwas zu sperrig. Was ist mich den Quereinsteigern? Die, die vielleicht mit 50 entdecken, dass „Gothic“ ihre Szene ist? Hatten die in ihrer Jugend keine Prägung? Ich gebe dir natürlich recht, was wir in der Jugend liebten, lieben wie auch meist im Alter, doch der Weg der Identitätsfindung scheint meiner Ansicht nach sehr dynamisch zu sein. Erfordert es Deiner Ansicht nach „Mut“ oder „Selbstbewusstsein“ seine Identität zu leben? Und wenn man die Identiät gefunden hat, gibt es keine Gefahr mehr, dass man sich geirrt hat?

    @Tanzfledermaus:

    Eigentlich bin ich inzwischen mehr Einzelgängerin als früher, brauche andere Menschen und insofern auch eine Szene weniger als früher.

    Einzelgängerin wider Willen? Ist es vielleicht so, dass einem im Alter das Alter selbst einholt? Mir selbst fällt auf, dass meine tolerierte Welt (oder auch Menschen) immer kleiner wird, weil ich kaum noch Bock habe, mich anzupassen oder spüre, dass das was mir wichtig ist für andere völlig unwichtig ist. Ich muss mich gelegentlich zwingen NICHT zum Einzelgänger zu werden und die Kompromissbereitsschaft hoch zu halten. Wie geht es da Dir?

    @Rebecca: Danke :-) Ich hoffe sehr, dass auch Du irgendwann für Deine Standhaftigkeit bewundert wirst. 10 Jahre bist du schon dabei, Gothic hat Dich geprägt. Du hattest Raum, Überzeugung, Mut und Willen das auszuleben. Dafür bewundere ich Dich jetzt schon.

    @Ronny: Das Alter ist unerbittlich. Ich glaube, mit zunehmendem Alter wird der Kreis der Menschen, die man zulässt, kleiner. Aber gleichzeitig steigt das Bestreben, einige wenige Menschen in sein Herz zu schließen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in einem gewissen Alter einfach viel mehr darauf angewiesen ist, sich als einsamer Mensch anzupassen, weil der Wunsch einfach stark ist, eine Gemeinschaft zu bilden. Bei mir was das sehr früh so. Ich habe mich schon in der Lehre den anderen angepasst um Anschluss zu finden. Ich war leider nicht so mutig, Abseits das Leben zu bestreiten. Das reifte erst eine Dekade später.

    @Mone: Solange Sandra einfach nur leere Kommentare abgibgt, wird sie ignoriert. Ich möchte nicht ein undurchsichtiges Geflecht von Blockieren, Sperren und Bannen aufspannen, nur weil jemand trollt, nichts sinnvollers zum Thema beiträgt und zusammenhanglos die Gemeinschaft durcheinander bringen will. Auf sowas lasse ich mich nicht ein. Wenn Sie jedoch beleidigt, persönlich angreift, bedroht oder sich sonstwie unangemessen verhält, geht der Schutz meiner anderen Leser vor.

    Dieses Gleichgewicht zu halten ist schwierig, keine Frage, und manchmal wünschte ich einfach, unliebsame Stimmen einfach zu muten. Aber so funktioniert das meiner Ansicht nach nicht. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen, die wie Sandra hier kommentieren, von selbst erledigen, wenn man Ihnen die Aufmerksamkeit entzieht, die sie anstreben. Ich bleib also hoffnungsvoll, tolerant und passe trotzdem auf. Hoffentlich klappt es :)

  22. Ich hab aktuell kaum Zeit, deshalb nur kurz …

    @Robert: Die Erklärung eines Weges schließt andere Wege in die Szene ja nicht aus. Der spätere Einstieg kann eben anders hergeleitet werden. Das ist allerdings seltener als das in der Szene alt werden. Was die andere und letzthin damit verwobene Frage betrifft: Identitätsbildung ist nie abgeschlossen. Jeder Mensch macht stetig neue Erfahrungen die dazu beitragen können die eigene Persönlichkeit neu auszurichten, neue Schwerpunkte im Leben zu setzten etc. Die Jugendphase ist sicher eine der prägensten Lebensphasen, aber eben doch nicht das Ende der Persönlichkeitsentwicklung.

  23. Wirklich alt bin ich noch nicht, nicht mal 30, doch wenn ich meine „Szeneaktivität“, meine Einstellung zu einigen Themen und meine Kleiderwahl betrachte, so muss ich sagen, dass mit dem Alter ein sehr angenehmer Reifungsprozess einsetzt und ich immer mehr dazu komme Dinge nur für mich zu tun (Stichwort üppige schwarze Garderobe) und dass die einhergehenden Veränderungen nur punktuell in Anpassung beruhen, viel mehr in einem sich ändernden Geschmack und das abnehmende Bedürfnis meine Szenezugehörigkeit überboardend explizit vor mir her zu tragen. Zumal ich immer mehr dazu komme das Leben als ein Wechsel von Rollen zu betrachten: Rolle Arbeit, Rolle alleine, Rolle Familie, Rolle Freizeit. Die haben immer eine Konstante – mich – aber ich finde es mitunter auch sehr angenehm und förderlich, mich in verschiedenen Kontexten auf verschiedene Aspekte zu konzentrieren und mit den Rollen etwas zu spielen.
    @Rubin Hunter: Das „nostalgische“ Gefühl, welches du beschreibst kenne ich auch. Ich denke aber auch früher war nicht alles silber, was geglänzt hat und es gab sicher auch negative Aspekte. Ob diese damals weniger waren, oder nur seltener berichtet werden, mag ich nicht zu beurteilen. Ich muss immer wieder lernen, das man vieles auch noch heute finden kann, man muss nur in dne richtigen Ecken nachsehen,
    Le Lys Noir: Mir geht es da ganz ähnlich wie dir. Ich finde es auch immer wieder schön und spannend Menschen ganz unterschiedlicher Altersklassen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Ansichten und Meinungen zu treffen

  24. @Robert

    Einzelgängerin wider Willen? Ist es vielleicht so, dass einem im Alter das Alter selbst einholt? Mir selbst fällt auf, dass meine tolerierte Welt (oder auch Menschen) immer kleiner wird, weil ich kaum noch Bock habe, mich anzupassen oder spüre, dass das was mir wichtig ist für andere völlig unwichtig ist. Ich muss mich gelegentlich zwingen NICHT zum Einzelgänger zu werden und die Kompromissbereitsschaft hoch zu halten. Wie geht es da Dir?

    Ich denke nicht, dass es bei mir den vermehrten Lebensjahren geschuldet ist, eher den gemachten Erfahrungen. Nachdem ich in der unteren und mittleren Schulstufe viel gemobbt wurde, hatte ich zunächst ab der Oberstufe und durch Orts- und Schulwechsel einen sprunghaften Anstieg an Freunden und Bekannten. Mit den Jahren haben sich immer mehr aus diversen Gründen bzw. Umständen verabschiedet. In gewissem Rahmen ist sowas ja normal, wenn man sich von den Interessen oder Lebensmodellen her auseinander entwickelt oder jemand wegzieht. Das ist dann schade, aber Lauf des Lebens.

    Was für mich absolut nicht okay ist, ist dass manche Leute, die ich teilweise schon über 20 Jahre kenne (bzw. zu kennen glaubte), auf einmal begannen, sich sehr takt- und respektlos zu verhalten, so dass mein Vertrauen in Menschen sehr ins Wanken geraten ist. Ich habe auch keine Lust mehr, immer der Pausenclown für unglückliche Single-Freunde/innen zu sein, die abtauchen, sobald sie wieder lieert sind. Auch sonst habe ich häufig das Gefühl, dass manche sich nur melden, wenn sie Probleme haben und sonst nicht.
    Echte Freundschafts- und Kontaktpflege scheint auch immer mehr aus der Mode zu kommen, seit es Facebook gibt. Eine Zeitlang habe ich mich noch regelmäßig bei Freunden gemeldet, aber wenn die nie selbst aktiv werden oder immer nur auf Facebook verweisen, dann frustriert das. Ich habe für mich entschieden, keinem mehr „nachzulaufen“, der selbst keinerlei Eigeninitiative zeigt.

    Und zu Leuten, die man immer nur auf Veranstaltungen zu Gesicht bekommt, habe ich irgendwie den Bezug verloren. Wenn man sich nur alle Jubeljahre/-monate mal sieht, wird man sich irgendwann fremd, hätte sich zwar theoretisch viel zu erzählen, hat sich aber oft auch nichts (mehr) zu sagen. Das sind nur lose Bekanntschaften, die aber nichts bedeuten.

    Ein paar wirklich gute Freunde habe ich, auf die ich mich auch verlassen kann und die loyal und ehrlich sind, auch mal ehrliche Kritik anbringen. Die ebenso für mich da sind wie ich für sie.

    Das war jetzt etwas off-topic, sorry ;-)

  25. Ich denke, man soll das einfach nicht Jugendkultur nennen, sondern lieber Gegenkultur. Gegen mainstream Hauptsächlich.
    Dann entsteht die Kontradiktion zwischen die Name der Kultur und ein Teil des Publikums nicht.
    Ich glaube, mann nennt das (und andere) Jugendkultur weil das heute ist das erste mal dass Leute uber 40 und 50 teilnehmen.
    Meine Ältern, die in den 40 Jahren geboren sind, hatten keine Jugend- bzw Gegenkulturen.
    Es wird schwieriger mit Alter, Arbeit und Familie teilzunehmen. Aber es gibt nicht nur Nachteile. Man hat normalerweise
    mehr Geld mit 40 als mit 20. Geld die man nutzen kann um die Schwierigkeiten zu uberwinden.
    Naturlich sieht man ein bisschen anders aus, es gibt Sachen die ich nicht anziehen wurde mehr. Es gibt Grenzen, was zum Beispiel Alcohol betrifft, die ich nicht uberschreiten wurde. Aber das nimmt nichts weg von der Spass, die sind selber ausgesuchte Auswähle. Sorry fur mein Deutsch, aber ich fand das Thema sehr intressant.

  26. Seit den 90ern ist in den Sozialwissenschaften eigentlich der Begriff der Szene üblicher, dass ist gerade dem Umstand geschuldet das althergebrachte Subkulturstereotype und Jugendkulturstereotype nicht mehr gültig waren. Die Zuschreibungen hinsichtlich Bildungsniveau, sozialem Status, Alter etc. weichen zusehends auf. Entsprechend wurden neue/andere Begriffe eher genutzt.

  27. @Tanzfledermaus: Als Off-Topic empfand ich das jetzt nicht ;-) Dennoch kann ich Dir nur bedingt zustimmen. Wenn Erfahrungen uns zum Einzelgänger machen, verlassen wir uns dann zu sehr auf schlechte Erfahrungen? Und: Beißen wir uns nicht selbst in den Hintern, wenn wir dann immer weniger Erfahrungen sammeln, indem wir immer weniger Menschen Zugang zu uns verschaffen? So verbauen wir uns doch letztendlich den Weg zu den guten Erfahrungen, zu guten Bekanntschaften, zu guten Freundschaften. Finde ich irgendwie.

    @Edo: Und tatsächlich glaube ich, dass wir schon lange nicht mit GEGEN den Mainstream sind, sondern allenfalls QUER dazu im Strom schwimmen. Das ist jetzt noch nicht mal negativ gemeint, sondern eher realistisch. Gruftis, sind die subkulturelle Mittelschicht, wenn ich das mal so sagen darf. Als weder dafür noch dagegen. Eben quer. Anders wo man anders sein möchte und kann und angepasst, wo es dumm wäre, dagegen zu sein ;)

    @Fraoch: Welche andere Begriffe meinst du denn jetzt? Ich würde Gruftis dann doch am ehesten als Subkultur definieren, solange ich hier nicht die große schwarze Masse (schwarze Szene) unter einen Schirm stelle, denn die ist tatsächlich sehr durchweicht und nicht als allgemeingültige Subkultur zu definieren. Wenn man dann jeden zählt, der sich unter diesen Schirm quetscht.

  28. Puh, OK grob umrissen und je nach wissenschaftlicher Schule variiert die Vorstellung davon. Hier ist mein Verständnis und ich lehne mich da an Hitzler und Niederbacher an.

    Gothic bzw. Gruftis ist aus sozialwissenschaftlicher Sicht eine Szene, keine Jugendkultur und keine Subkultur. Umgangssprachlich ist das natürlich alles ein und derselbe Brei und auch im wissenschaftlichen Diskurs wird das nicht absolut von allen geteilt, wobei die Tendenz da mittlerweile in die Richtung geht. Dennoch gibt es da mittlerweile recht gute Unterscheidungen:

    * Subkultur: Eigentlich ein Begriff aus der Kriminologie. Eine eigenständige Kulturströmung innerhalb einer größeren Kultur. Allerdings ist eine Individuum als Teil einer Subkultur vollumfassen, auch moralisch von dieser und nicht von der Hauptkultur geprägt. Subkulturen sind Lebensumfassend, die Werte und Normen der Hauptgesellschaft ordnen sich dabei jenen der Subkultur unter. Das Individuum steht hier in der Hierarchie unter der Gemeinschaft. Neonazis z.B. sind eher eine Subkultur als eine Jugendkultur oder Szene, Straßengangs, OMCG etc. wären weitere Beispiele.

    * Jugendkultur: Veralteter Begriff der zum Teil noch gebraucht wird und im Ursprung von der Annahme ausging, dass Jugendliche Gegenkulturen ausbilden um gegen die Erwachsenen zu opponieren. Heute insb. im US-wissenschaftlichen Diskurs synonym zu dem Szenebegriff. Allerdings eben deutlich auf die Jugend als Lebensphase bezogen. Heute bei uns ein eher umgangssprachlich genutzter Begriff, taucht aber auch noch im wissenschaftlichen Diskurs auf.

    * Szene: Ein Begriff der seit den 1990er Jahren für Netzwerke von Personen und Personengruppen steht. Diese Netzwerke definieren und identifizieren sich über mindestens einen gemeinsamen Aspekt des Lebens als gemeinsame Gruppe. Die Gemeinschaft nimmt einen wichtigen Aspekt in der Lebensgestaltung des einzelnen ein, bietet aber anders als Subkulturen keine auf alle Lebenssituationen generalisierbare Antwort, Verbindlichkeit oder Gewissheit. Entsprechend ist die Gruppe jenseits der Gemeinsamkeit in der Gruppe nicht homogen und nicht vollumfassend auf diese ausgerichtet.

  29. Echte Freundschafts- und Kontaktpflege scheint auch immer mehr aus der Mode zu kommen, seit es Facebook gibt. Eine Zeitlang habe ich mich noch regelmäßig bei Freunden gemeldet, aber wenn die nie selbst aktiv werden oder immer nur auf Facebook verweisen, dann frustriert das. Ich habe für mich entschieden, keinem mehr „nachzulaufen“, der selbst keinerlei Eigeninitiative zeigt.

    Dem kann ich nur beipflichten. In letzter Zeit habe ich meine Facebook-Nettozeit radikal verringert. Und es fällt dann schon auf, wie sehr besonders unsere Altersgeneration davon abhängig ist. Bei den 14-25 Jährigen ist FB ja nicht mehr wirklich von Bedeutung – und da merkt man, dass sie zwar auch viel online machen, aber sie sind da interessanterweise sehr viel kompakter und verlassen sich nicht mehr nur darauf. Bei mir hat das in der Tat dafür gesorgt, dass der Altersdurchschnitt der Menschen im täglichen Kontakt, mit denen man sich wöchentlich auch trifft usw., runtergegangen ist. Da wird sich beispielsweise mal kurz über WhatsApp kurzgeschlossen um nen Treffpunkt auszumachen. Bei Leuten in meinen Alter ist das immer ein riesen Aufwand.

    Liegt es an Job, Kinder, usw? Zum Teil sicherlich, zum anderen wird da aber IMO auch sehr viel vorgeschoben. Wenn ich sehe wie sehr sich die Leute da stressen lassen, kann das nicht gesund sein. Das macht auf dauer träge. Und dann beobachte ich bei Leuten in unseren Alterskreis (30-40), dass sie viel mehr auf irgendwas warten, statt sich einfach mal gottverdammt festlegen zu können. Und da haben „soziale Medien“ sehr wohl einen schlechten Einfluss, genauso wie das Smartphone an sich. Weil sie versprechen, dass immer was besseres kommen kann. Kommt aber nie. ;-)

    Interessant ist es dann aber schon zu sehen, dass die uns nachfolgende Generation sehr viel lockerer und entspannter damit umgeht. Aus meiner Erfahrung zum Teil auch sehr viel mehr Wert auf Verlässlichkeit legt.

  30. Is viel wahres dran, denke die Einstellung die einem Richtung Goth geführt hat, hat viel mit der inneren Einstellung zu Tun. Mit der Hinwendung zum düsteren abseitigen melancholischen. Dafür bedarf es aber nicht der Maskerade, die in den letzten 20 Jahren viele Teile der Szene repräsentiert. ich denke auf diese äußere Inszenierung zielen solche Artikel. Wenn ich mir ansehe, wer so die eigentlichen Ur-Väter / Mütter des Goth, New Wave, Batcave sind – die waren häufig nicht so overdresst – wie viele Fans es irgendwann waren. Dead Can Dance – Siouxsie Sioux – Peter Murphy / Bauhaus – Joy Division / Ian Curtis – Jim Morrison / Doors – Andrew E / Sisters haben entweder nie oder nur zeitweilig einem solchen Look gefröhnt. Und die haben sich immer wieder gewandelt. Zumal man von Bühnenmenschen eine äußerliche Inszenierung in gewisser Weise erwartet werden darf. Ich finde es unschön, wenn ich sehe wie Leute meines Alters ihre Kopfhaarbenachteiligung in Frisuren gießen, die irgendwann die Grenze von Kreativ – zu peinlich überschreiten. Oder wenn Leute sich in die Kostüme zwängen, die sie schon 1998 entwürdigt haben. In Goth-kreisen war die äußerliche Inszenierung immer wichtig. Völlig ok. Aber bei manchen von uns sieht es einfach irgendwann albern aus mit 52 einen auf Vampir zu machen. Man kann sich auch individuell und dunkel anziehen – ohne öffentlich via Looks der vergangenen Jugendzeit hinterher zu weinen… Das Problem der Gothszene ist aber vor allem die Überalterung und die Stagnation die irgendwann jede Jugendkultur ergreift. Es gehen kaum musikalische Impulse von der Szene aus, alles wiederholt sich seit 15 Jahren und die Szeneheroes von heute wie B-engel und Co sind Leichen fleddernde Karnevalsclowns. Ich persönlich finde in der Gothszene kaum neue Impulse. Dunkel-melancholische Bands gibt es immer noch zu Hauf. Aber die inszenieren sich heute über Musik und Texte. Musiker wie Dillon Daugther und tausend andere hätten sehr gut in die frühen 80er hineingepasst, von deren musikalischer Atmosphäre her. Die Frage ist: bin ich gothic vom Lebensgefühl her – oder von der äußeren Inszenierung her. Ich persönlich bin auch viel ruhiger geworden, im Frieden mit mir. Ich lauf seit 1984 in schwarz durch die Welt. Mal mit schräger Frisur etc pp , mal mit weniger. Die Musik und das Interesse an der dunkeln Literatur und Kunst hat mich in die Szene geführt. lang ists her. Der Look ist nicht mehr so entscheidend. Die Einstellung ist geblieben. Aber in das was heute die Szene repräsentiert kann / will ich mich schon seit Jahren nicht mehr einfühlen. Ich bin halt auch 25 Jahre älter als die Schlagergothics die auf Blutengel oder Unheilig oder Mono Inc (und wie das ganze kreativitätsbehinderte Pack sich nennt) abfährt.

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